TA-relevante Bücher und Tagungsberichte

WZB/EU-Konferenz: Public Understanding of Science and Technology

OECD: National Technology Programmes

L. Hack: Constructive Technology Assessment (Rezension)

W. Rammert: Soziologie und Künstliche Intelligenz (Rezension)

J. Welsch, R. Schneider: Technik gestalten - Zukunft gewinnen (Rezension)

- Bücher kurz vorgestellt -


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TA-relevante Bücher und Tagungsberichte

Bestandsaufnahme des Forschungsfeldes "Public Understanding of Science and Technology"

Bericht über eine Konferenz des WZB und der EU-Kommission, Generaldirektion für Wissenschaft, Forschung und technologische Entwicklung

von Claudia von Grote, WZB

Das politische Interesse an der Einstellung der Öffentlichkeit zu Wissenschaft und technischen Innovationen hängt fraglos mit der langlebigen Annahme zusammen, daß Technikskeptizismus oder wie das Schlagwort oft lautet "Technikfeindlichkeit" die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit eines Landes mindere, eine positive Aufnahme technischer Entwicklungen hingegen den wirtschaftlichen Fortschritt fördere.

Im Rahmen des EUROBAROMETER, jenes halbjährigen Meinungsumfrageinstrumentariums der Europäischen Kommission in den Mitgliedsländern, hat die Generaldirektion XII für Wissenschaft, Forschung und technologische Entwicklung - nach dem Schock über den unerwarteten Widerstand der Bevölkerung gegen den weiteren Ausbau der Kernenergie - inzwischen drei Umfragen zum Verständnis und der Einstellung der Bevölkerung zu Wissenschaft und Technik durchgeführt. Das Konzept des Fragebogens wurde aus Gründen der Vergleichbarkeit weitgehend von einem bereits bestehenden Fragebogen der Chicago Academy of Science übernommen. Der Wunsch, diesen Ansatz auf seine inhaltlichen und methodischen Aussagemöglichkeiten zu überprüfen, gab den Anstoß zu der gemeinsamen internationalen Konferenz des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und der Generaldirektion XII über "Public Understanding of Science and Technology. A critical examination of current results and methods". Diese Konferenz fand vom 30. November bis 2. Dezember 1995 unter Leitung von Meinolf Dierkes, Direktor der Abteilung "Organisation und Technikgenese" im Wissenschaftszentrum Berlin statt.

Reiz und Schwierigkeit solch einer kritischen Bestandsaufnahme bestand darin, daß dieses Thema keineswegs ein wohl umrissenes, einheitliches Forschungsfeld konstituiert hat, sondern daß sich ein höchst heterogenes Spektrum von Forschungstraditionen und theoretischen Fragestellungen finden läßt, die trotz Gemeinsamkeiten im generellen Forschungsgegenstand wie auch Überschneidungen ihrer Forschungsfelder bislang kaum Kenntnis voneinander genommen haben. Mit rund 90 Teilnehmern aus 16 europäischen Ländern, Japan, Kanada und den USA war es gelungen, diese unterschiedlichen "scientific communities" zusammenzuführen, um ihr inhaltlich und methodisch vielfältiges Wissen für eine umfassende Kritik der Konzepte, Inhalte und Methoden der "Public Understanding" - Forschung zu nutzen und Vorschläge für eine künftige Forschungsagenda zu entwickeln.

Eine vergleichbare "Policy-Agenda" politisch relevanter Themen und möglicher Kooperationsformen zwischen Wissenschaftlern und Politikern wurde durch Beiträge von Rolf Linkohr, Mitglied des Europäischen Parlaments und Maria E. Goncalves (Universidad Nuova de Lisboa) eröffnet und in einer Podiumsrunde von Politikern (Rolf Linkohr, Renate Heinisch, beide Mitglieder des Europäischen Parlaments, und Michael Fahy, Office of Science and Technology, Dublin) und Wissenschaftlern (Maria E. Goncalves, Michael Norton, Parliamentary Office of Science and Technology, London, und Eric J. Tuininga, Vrije Universiteit Amsterdam) weiter ausgearbeitet.

Am ersten Konferenztag wurde der thematische Rahmen der Tagung abgesteckt: nach einer Einführung in Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Meinungsforschung von 1947 an zum Aspekt Vertrauen in die Wissenschaft (Elisabeth Nölle-Neumann, Institut für Demoskopie Allensbach) behandelten die beiden folgenden Vorträge zum einen die historischen Wurzeln der öffentlichen Debatten über Wissenschaft und Technologie (Ulrich Wegenroth, Zentralinstitut für Geschichte der Technik, Technische Universität München) und zum anderen die strukturellen Merkmale und Akteure der wichtigsten Technikdebatten und -konflikte der letzten zwanzig Jahre in Europa und den USA (Sheila Jasanoff, Cornell-University, Departement of Science and Technology Studies; Brian Wynne, Center of the Study of Environmental Change, Lancaster University). Schließlich führten zwei neue Analysen der letzten Eurobarometerdaten über "Public Understanding of Science and Technology" im europäischen Ländervergleich (John Durant, Science Museum, London; Martin Bauer und George Gaskell, London School of Economics) und im internationalen Vergleich zwischen Europa, Japan und den USA (Raffael Pardo, University of Navarra, Departement of Sociology; Jon Miller, International Center for the Advancement of Scientific Literacy, Chicago) direkt in das Thema der drei parallel tagenden Arbeitsgruppen des folgenden Tages ein.

Im ersten Workshop (Leitung: Brian Wynne) über das "Mapping the knowledge on Public Understanding of Science and Technology" griffen wissenschaftstheoretische und historische Beiträge und Forschungsberichte über die praktische, symbolische und organisatorische Assimilation von Technik im Alltag vor allem konzeptionelle Schwächen der "Public Understanding"-Forschung auf.

Probleme international vergleichender und methodischer Ansätze zur Messung der Bedeutungsvielfalt von Meinungen waren der Gegenstand des zweiten Workshops (Leitung: Richard Topf, Center for Comparative European Survey Data, London Guildhall University). Neben der Diskussion über die genauere Bestimmung einer sinnvollen Beziehung zwischen dem, was die "Hubschrauber" - Perspektive und die "Mikroskop" - Ansicht genannt wurde, wurde die Bedeutung eines konzeptionellen Rahmens mit theoretisch entwickelten Konstrukten speziell zur Verbesserung des komparativen Ansatzes hervorgehoben, dessen Orientierung an Ländern als Vergleichsgrundlage einer Korrektur durch kategorial entwickelte Konzepte bedarf.

Die Beiträge und Diskussionen im dritten Workshop (Leitung: Barbara Rhode, Europäische Kommission, Brüssel; Michael Schanne, Arbeitsgruppe für Kommunikationsforschung und -beratung, Zürich) über "Emerging Topics in the Debate on Attitudes toward Science and Technology" kritisieren entschieden die Annahme eines kausalen positiven Zusammenhangs zwischen Information und Einstellung und eines direkten Einflusses der Medien auf Einstellungen. Eine zentrale Bedeutung gewann hingegen die Kategorie des Vertrauens als intervenierende Größe zwischen Information und Einstellung.

Im folgenden sollen einige der wesentlichen Kritikpunkte und programmatischen Vorschläge aus den Diskussionen in den Arbeitsgruppen und Plenarveranstaltungen aufgegriffen und zusammengefaßt werden, da sie die Grundlage einer künftigen Forschungsagenda bilden werden, die in weiteren Diskussionen ausgebaut werden soll.

Kritik an der bisherigen Konstruktion der "Public Understanding of Science and Technology" - Forschungsagenda

Die von der politischen Elite immer wieder geäußerte Befürchtung, daß der Mangel an Konkurrenzfähigkeit der europäischen Länder eine Funktion des Mißverstehens wie auch einer geringen Akzeptanz von Wissenschaft und Technik in der Öffentlichkeit ist, hat sich vielfach unreflektiert in dem Forschungsdesign der "Public Understanding"-Untersuchungen niedergeschlagen. Die Forschung ist in großen Teilen dem Modell der Bevölkerung als eines passiven Rezipienten von Information über Technik und Wissenschaft gefolgt. Sie hat über weite Strecken nur Bewertungen von Wissenschaft und Technik gemessen, ohne die hierzu entsprechende Verhaltensebene, auf der zum Teil Gegenteiliges geschieht, miteinzubeziehen. Es gehört aber zur Verantwortung der Wissenschaft - so der Appell auf der Tagung - die Forschungsprogramme so auszulegen, daß man zu einem besseren Verständnis von der Haltung der Gesellschaftsmitglieder gegenüber Wissenschaft und Technik kommt. Dabei ist auch zu berücksichtigen, inwieweit und auf welche Weise der politische Umgang mit dem Thema des "Public Understanding" auf den Forschungsgegenstand selbst zurückwirkt.

Eine größere Präzisierung der grundsätzlichen Forschungsprogrammatik müßte auch die folgenreiche Ungenauigkeit im Umgang mit dem Begriff des "Understanding" korrigieren. Häufig wird bei der Verwendung des Begriffs kaum auseinandergehalten, ob es um das Verstehen oder die Akzeptanz von Technik geht. Erst eine solche Klärung erlaubt das entsprechende Forschungsdesign angemessen zu definieren.

Vorschläge für künftige Forschungsfragen und Analyseschritte

Es zeigte sich von Beginn der Konferenz an, daß die Frage nach dem Verstehen von Wissenschaft und Technik zunehmend als eine nach dem "Vertrauen" in den Wert und den Nutzen wissenschaftlicher Forschung und neuer Technologien gestellt werden muß und diese zunehmend mit der Frage nach dem Vertrauen in demokratische Institutionen verbunden ist - ein gutes Beispiel hierfür bieten Einstellungsänderungen als Ergebnis von "Konsensuskonferenzen", d.h. öffentlichen Foren unter Beteiligung von Bürgern, Regierungs- und Industrievertretern wie sie aus dänischen Untersuchungen belegt werden konnten. Die Art des Zugangs zu Information beispielsweise beeinflußt die Haltung der Gesellschaftsmitglieder und ihr Vertrauen in Institutionen. In diesem Zusammenhang wird man die Frage nach dem Technikskeptizismus oder gar der vermeintlichen "Technikfeindlichkeit" neu stellen müssen. Denn Vertrauens- und Kontrollverluste bei der Bevölkerung gegenüber der Art, wie gesellschaftlich relevante technische Risiken politisch behandelt werden, wird die Bereitschaft der Bevölkerung, solche Risiken zu tragen, beeinflussen. Wie "Vertrauen" gebildet wird und wie "Vertrauen" identifiziert werden kann z.B. in der Differenzierung von "Vertrauen in Individuen" und "Vertrauen in Institutionen", d.h. wem vertraut wird, und warum beispielsweise Verbraucherorganisationen wie auch Umweltbewegungen mehr Vertrauen in der Bevölkerung genießen als politische Institutionen und Institutionen der Wissenschaft, sind zentrale Fragen, die in künftiger Forschung aufgegriffen werden sollten.

Aus der Problematisierung einer technokratischen Konstruktion des "Public" Begriffs ergab sich der Vorschlag, stärker die aktive Rolle der Gesellschaftsmitglieder bei der Aneignung von Technik und Wissenschaft im Forschungsdesign zu berücksichtigen und das Spektrum an Fragen entsprechend zu erweitern. Beispielsweise sollen explizit Schnittstellen zwischen wissenschaftlich-technischen Innovationen und Alltagshandeln des Einzelnen untersucht werden, um herauszufinden, was der Einzelne an solchen Schnittstellen von seinen Wissensbeständen mobilisiert und welche Informationen er sucht, um seinen Alltag unter veränderten technisch-wissenschaftlichen Ausgangsbedingungen gestalten zu können. Die von Wissenschaft und Technik entworfenen Nutzungsmöglichkeiten - darauf deuten Forschungsergebnisse hin - müssen keineswegs der tatsächlichen Nutzung im Alltag entsprechen.

Erkenntnistheoretisch bedeutsam werden solche Forschungsergebnisse in bezug auf die daraus folgenden Fragen nach den sozialen Zwecken von Wissen und dem, was "gutes Wissen" in je verschiedenen Kontexten ist.

Die Koppelung der Begriffe "Wissenschaft und Technik" im Titel des Forschungsfeldes birgt das Problem in sich, daß diese beiden Begriffe nicht ausreichend differenziert werden, so daß jeweils einer der beiden als nicht erörterungsbedürftiger Appendix mitgeschleppt wird. Umgekehrt wird ein anderes beliebtes Begriffspaar in diesem Forschungsfeld, das des Laien undExperten, gewöhnlich auf dichotome Gruppen verteilt, obgleich Forschungsergebnisse zeigen, daß diese Rollen auch in einem Individuum integriert sein können. Dies bedeutet, daß mit beiden Begriffspaaren sehr viel genauer umgegangen werden muß.

Das zur Diskussion gestellte EUROBAROMETER-Konzept wurde als ein notwendiges "öffentliches Gut" hervorgehoben, das in seinem Ansatz erhalten bleiben muß, in einigen Punkten seines forschungsleitenden Programms aber verbessert werden sollte. Hierzu gehört die bisherige Fokussierung auf Lernergebnisse allein. Welche Möglichkeiten des sozialen Zugangs zu Informationen es gibt und wie sie gestaltet sind, ist ein wesentlicher Aspekt, der in das Programm inkorporiert werden muß. Lernerfahrungen wie sie z.B. die schulische Sozialisation bieten, sollten künftig daraufhin untersucht werden, wie Kinder in den Bereich der Wissenschaft und Technik eingeführt werden, nicht so sehr welches positive Wissen sie gelehrt bekommen. Ein ähnlicher Vorwurf trifft den Umgang der "Public Understanding"-Forschung mit den Geschlechtsdifferenzen. Die "Normalität", die Ergebnissen zugeschrieben wird, wonach Frauen im Umgang mit Wissenschaft und Technik weniger ausgebildet sind bzw. weniger Interesse und Fertigkeiten besitzen, trägt dazu bei, unreflektiert Fragen weiter mitzuführen, die letztlich diese Ergebnisse schon als latentes Vorurteil in ihrer Konstruktion und dem entsprechenden Forschungsdesign enthalten. Auch hier ist ein differenziertes Vorgehen erforderlich, um die Gründe und Bezüge der unterschiedlichen Behandlung von Wissenschaft und Technik durch Frauen und Männer rekonstruieren zu können. Ebenso müßte berücksichtigt werden, daß mit der gegenwärtigen Medienrevolution der Bereich der modernen Massenmedien grundsätzlich neu konzeptualisiert und sein Anteil an Informierung und Einflußnahme auf die öffentliche Meinung neu überdacht werden muß.

Wie schließlich die übereinstimmend festgestellte Unfähigkeit von Wissenschaftlern, mit Laien zu kommunizieren, verbessert werden könnte, versuchte ein Ansatz zu zeigen, der aus der Analyse von TV spots kommerzieller Unternehmen zu Umweltfragen ein Modell einer wissenschaftlichen "Vulgata" für die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Laien konstruierte.

Forderung nach Methodenvielfalt

Das überwiegende Plädoyer der Teilnehmer läßt sich mit der Forderung nach einem "Methodischen Pluralismus" umschreiben und war von der Einschätzung beherrscht, daß eine Beziehung zwischen qualitativen Studien und quantitativ arbeitenden Surveys äußerst fruchtbar ist. Zugleich wurde der immer wieder benutzten Gegenüberstellung von "qualitativen und quantitativen Forschungsansätzen" vorgehalten, daß sie die faktisch vorhandene methodische Variabilität eher verdeckt als daß sie dazu beiträgt, diese Vielfalt für die Public Understanding-Forschung nutzbar zu machen. Aus diesem Grund wird explizit gefordert, das ganze methodische Spektrum von ethnographischen Studien bis zu standardisierten Erhebungen je nach Fragestellung flexibel einzusetzen. "Lets build real life complexity into research"!

Zudem gilt die der quantitativen Forschung zugesprochene konstruktive Rolle für die Politik auch für qualitative Ansätze, allerdings in anderer Weise: Sie können zur Differenzierung der Reflexion über die nach Themen, Zwängen und Wissensanforderungen höchst unterschiedlichen Alltagssituationen der Gesellschaftsmitglieder beitragen.

Anfänge einer Policy-Agenda

Der Dialog zwischen Wissenschaft und Politik zeigte ein interessantes Gefälle in der Bedeutung, die Forschung und ihre Ergebnisse für Politiker aus verschiedenen europäischen Ländern haben und das mit dem wirtschaftlichen und technologischen Niveau dieser Länder variiert. Das Interesse für und die Nutzung von Forschung in den hochtechnologisierten Ländern braucht aber eine engere Kooperation zwischen Politikern und Wissenschaftlern als allein die Vorlage von Forschungsarbeiten. Daher zielte das einmütige Votum der Politiker auf ein möglichst frühes Einbinden der Politik in den Forschungsprozeß.

Eine Publikation zu dieser Tagung ist beabsichtigt.

Das Netzwerk zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen communities, das in dem Austausch über Erfahrungen, Wissen, den erreichten Forschungsstand und inhaltliche Verknüpfungen entstanden ist, soll in zweierlei Weise weitergetragen werden: Zum einen sollen Möglichkeiten geprüft werden, ob und inwieweit dieses durch die Konferenz entstandene, Netzwerk auch im Rahmen von ETAN, dem "European Technology Assessment Network" arbeiten kann.

Zum anderen soll diesem neuen Netzwerk an wissenschaftlichen Beziehungen ein Weg geschaffen werden, die Diskussion über Konzepte und Methoden der "Public Understanding"-Forschung in einem elektronischen Forum fortzuführen und sie auch um weitere Teilnehmer zu erweitern. Hierzu haben wir eine mailbox eingerichtet, in der alle am Thema Interessierten sich für eine Teilnahme an dem Forum einschreiben können.

Folgende Schritte sind nötig:
Schicken Sie eine e-mail an:
maiser@medea.wz-berlin.de
und schreiben Sie: subscribe PUST
Fügen Sie keinen weiteren Text wie beispielsweise die Unterschrift bei, da Sie sonst eine Fehleranzeige erhalten. Sie werden dann in die mailing list aufgenommen und erhalten jede email, die an die mailing box gesendet wird. Wenn Sie Ihrerseits eine email an die Mitglieder der Mailing list schicken wollen, senden Sie diese bitte an die folgende Adresse:
PUST@medea.wz-berlin,de.
Bitte beachten Sie, daß dies eine andere Adresse ist, Ihr email wird dann automatisch an alle anderen Mitglieder der Liste geschickt.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an

Claudia von Grote
Wissenschaftszentrum Berlin
für Sozialforschung
Reichpietschufer 50
D-10785 Berlin
Tel.: + 49 30 25491 296
Fax: + 49 30 25491 213
E-mail: caco@medea.wz-berlin.de


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OECD: Evaluation of National Technology Programmes

The Organisation for Economic Co-Operation and Development (OECD) has published a report on the impacts of national technology programmes. The report reviews the issue of impact evaluation, and introduces results from a wide range of ex-post evaluations of government S&T programmes in different countries. It considers various forms of government interventions (fiscal support/direct subsidies) and the role of targeting particular objectives. The executive summary of the report states the following:

This paper is concerned with the impacts of the portion of national government support for technology innovation and diffusion that can be represented in terms of specific programmes which have been evaluated. Most government R&D programmes are only partly about promoting innovation and industrial competitiveness.

Chapter 1 takes up the matter of justification. The traditional economic justification for government intervention is market failure. The TEP analysis, however, suggests wider criteria: new growth theories, the innovation process, national innovation systems and globalisation. Further potential justifications include:

i) technology for social, non-economic
goals;

ii) "distributive" criteria;

iii) promotion of "critical" technologies;
and

iv) response to other countries' program
mes.

Chapter 2 attempts to classify programmes. Most involve multiple objectives and instruments.

Chapter 3 considers evaluation. Most evaluation has concerned public accountability and programme management. The "institutionalisation" of efficient processes has become a key question. Longer-term impacts are particularly difficult to identify and assess. Intermediate indicators are needed.

Chapter 4 reviews impacts of national technology programmes as reflected in available empirical results of evaluation. The last Chapter summarises the main conclusions of the report. Economic evaluation of impacts is problematic, and is not adequately covered in most formal evaluations. Evaluation bias is a very real problem. Targeted programmes carry considerable (especially commercial) risks. In some countries, overall efforts have been dominated by a few programmes. The evidence on indirect fiscal programmes is fairly inconclusive but, on balance, positive.

In terms of promoting successful innovation and (especially) targeting, the record of government intervention is mixed. Most evaluations report significant successes. Some underline the catalyst role of government in bringing together partners and launching programmes. However, a few point to dramatic failures in picking winners, and to the difficulties governments may encounter in efficiently pursuing innovation beyond the "pre-competitive" stage.

As regards national innovation systems and technology diffusion, the results are inconclusive. Pre-competitive programmes have promoted networking in collaborative R&D. Some SME programmes report considerable success.

In the case of international programmes and issues, interpretation of evaluation results is especially difficult. Most evaluations point to significant benefits. There may be a trade-off between promoting national competitiveness and obtaining economies of scale in and access to international programmes. Most evaluations of international collaborative programmes have found successful outcomes, but a few have raised questions about the "distributive" aspects.

(Source: Executive summary)

Bibliographic data

OECD (ed.): Impacts of national technology programmes. Paris, 1995. 107 Seiten.
ISBN 92-64-14423-4


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Lothar Hack: TA als theoriegeleitete Interventionsstrategie. Der Ansatz des "Constructive Technology Assessment/CTA" in der sozialwissenschaftlichen Debatte

Rezension von Michael Rader, ITAS

Mit der Bezeichnung "Constructive Technology Assessment" werden Erwartungen geweckt, die das Unbehagen vieler erfahrener TA-Forscher an der bisherigen Praxis aufgreifen. Zum einen ist dies der Vorwurf, daß TA sich auf eine rein destruktive Kritik reduzieren lasse, die im Vorwurf des "Technology Arrestment" gipfelt. Hack zitiert in diesem Zusammenhang den Kieler Politikwissenschaftler Werner Kaltefleiter, der TA gar verfassungswidrige Ziele unterstellt (S. 1). Zum anderen ist es der Wunsch vieler Forscher, über eine bloße Kritik, so konstruktiv sie auch gemeint sein mag, hinauszugehen, indem sie Gestaltungshinweise für die Technik geben.

Hacks Zugang zum Thema ist die des Techniksoziologen, der langjährig dominierende Theorien, etwa zum Technikdeterminismus, als widerlegt betrachtet und die Theorien, die dem CTA-Ansatz zugrunde liegen, auf ihre Plausibilität hin überprüfen möchte. Der Fokus der sozialwissenschaftlichen Forschung schwenkt dabei von den Folgen der Technik auf ihren Entstehungszusammenhang, auf die Interessen und Aushandlungsprozesse, die dazu führen, daß eine Technik sich so und nicht anders herausbildet. In dieser Hinsicht besteht eine große Ähnlichkeit mit dem Programm der Technikgeneseforschung und der sozial- und wirtschaftsgeschichtlich orientierten Technikgeschichtsforschung. Die "Community" bzw. das Netzwerk, das den CTA-Ansatz entwickelt, ist denn auch insoweit interdisziplinär als es sich aus Technikhistorikern, Philosophen und Ökonomen aus verschiedenen europäischen Ländern und den USA zusammensetzt. Diese Zusammensetzung, so Hack (S. 93), lasse die Versuche einer speziellen Techniksoziologie als obsolet erscheinen, wenn sich auch aus dem aus der Interdisziplinarität entstehenden Eklektizismus theoretische Schwächen ableiten lassen, die eine Kehrseite der Kooperation sind.

Der zweite Gesichtspunkt, CTA als Ansatzpunkt für die soziale Gestaltung von Technik, macht CTA auch für die Technologiepolitik interessant. TA wird hier in der Erwartung eingesetzt, daß sie die unerwünschten Nebenfolgen des Technikeinsatzes zu minimieren hilft, indem sie eine Diskussion darüber anstößt, wie Technologie gemacht wird. Es geht darum, "Spielregeln zu manipulieren".

Bemühungen, das Konzept des Constructive Technology Assessment praktisch anzuwenden, gab es in erster Linie in den Niederlanden, so im Umfeld der damaligen Netherlands Organisation for Technology Assessment (heute Rathenau instituut). Allerdings, so Hack, weist das Konzept die Schwäche auf, daß es strukturelle Aspekte und abgeschottete Interessen, wie sie beispielsweise in der Großindustrie vorhanden sind, weitgehend ausblende. In der Praxis bedeutet dies, daß unter den heute vorhandenen Bedingungen das Eingreifen externer Institutionen erst sehr spät in der Technikentwicklung möglich ist, so daß praktisch kaum Raum für CTA besteht.

Mit CTA-Konzepten seien die unbeabsichtigten Folgen der Technik bislang nicht zureichend analysierbar, während die beabsichtigten Folgen und die gesellschaftlichen Prozesse der Technikentwicklung sehr viel greifbarer würden.

Fazit des als Gutachten konzipierten Berichts ist, daß sich die Technikfolgenabschätzung nicht länger leisten könne, die Ansätze des CTA zu ignorieren.
Das Gutachten analysiert das Umfeld, das CTA hervorgebracht hat, referiert wichtige Publikationen und die Ergebnisse von zentralen Veranstaltungen. Ferner beschreibt es Versuche, CTA in die Praxis umzusetzen. Abgerundet wird der Bericht mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis. Als Einstieg in die Problematik ist der Bericht von Lothar Hack bestens geeignet.

Bibliographische Angaben

Lothar Hack: "Gutachten zum Thema: TA als theoriegeleitete Interventionsstrategie. Der Ansatz des "Constructive Technology Assessment in der sozialwissenschaftlichen Technikdebatte". Forschungszentrum Karlsruhe, FZKA 5641, November 1995.

Bestellhinweis

Der Bezug des Berichts ist für wissenschaftliche Einrichtungen kostenlos und kann über die Redaktion bezogen werden. Private Interessenten können den Bericht gegen Rechnung unter folgender Adresse anfordern:

Forschungszentrum Karlsruhe
- HBK -
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 25811
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 25802


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Werner Rammert (Hg.): Soziologie und künstliche Intelligenz - Produkte und Probleme einer Hochtechnologie

Rezension von Michael Rader, ITAS

Vor etwa fünf bis zehn Jahren hatte die "künstliche Intelligenz" eine Art Hochkonjunktur, die sie den "Expertensystemen" verdankte. Diese Programme, die damals in die Anwendung drängten, stellten keineswegs die technisch fortschrittlichsten Produkte der KI dar, doch weckte ihre bloße Bezeichnung damals die Erwartung intellektüller Höchstleistungen, und es traten Propheten auf, die das Ende der Dominanz des Menschen auf Erden kommen sahen, so Marvin Minsky und Hans Moravec, beide noch bestens aus Talkshows und ihren wissenschaftlichen Gegenstücken bekannt.

Die Expertensysteme entpuppten sich bald als recht gewöhnliche Computerprogramme, die Experten bestenfalls bei Routineaufgaben unterstützen konnten, sie aber intellektuell keinesfalls bedrohten.

Es ist deutlich stiller geworden um die KI: Minsky nähert sich dem Pensionsalter und Moravec dürfte sich weitgehend in sein Labor an der Carnegie-Mellon University zurückgezogen haben. "Multimedia" hat in der Öffentlichkeit Hochkonjunktur, und ihr hat sich auch die sozialwissenschaftliche Technikforschung verstärkt zugewandt. So betrachtet, könnte sich der von Werner Rammert herausgegebene Band "Soziologie und Künstliche Intelligenz" als kalter Kaffee erweisen. Man sollte sich aber nicht vom Verschwinden der Expertensysteme aus dem Rampenlicht täuschen lassen: Produkte der KI-Forschung haben auch in der "Cyberwelt" der Informationsgesellschaft ihren Platz, etwa "intelligente Agenten", die den menschlichen Besuchern dieser Welt bei der Erledigung bestimmter Aufgaben behilflich sind.

In seiner Einleitung weist Rammert richtig darauf hin, daß die Beschränkung auf die lautstarke Debatte zwischen Befürwortern und Skeptikern ein schiefes Bild der KI zeichnet. "Wer verstehen will, was künstliche Intelligenz ist, der sollte zwischen ihrer wissenschaftlichen und technischen Seite, zwischen den Annahmen der Kognitionswissenschaft und den Verfahren der Kognitionstechnik zum Beispiel, unterscheiden lernen; der sollte neben den faszinierenden Visionen und Konzepten von "Denkmaschinen" (...) auch die alltäglichen Produkte und Probleme, zum Beispiel von Techniken der Wissensakquisition, von Modellen der Problemlösung und von Systementwicklungen, studieren; der sollte neben den Denkstilen, wie sie aus den gedruckten Diskursen herausgefiltert werden können, auch die konkreten Praktiken der Konstruktion im Labor und der Nutzung in der Arbeitsorganisation untersuchen; der sollte neben den einzelnen Forschern und Labors auch die Fachgemeinschaft, ihre Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und ihre Institutionalisierung als Disziplin der Wissenschaft und Denkweise der Gesellschaft betrachten." (S. 7 f.)
Rammert stellt dann fest, daß sich in Deutschland anfangs kaum namhafte Soziologen an der Diskussion zur KI beteiligt hätten, sondern dieses Feld den Befürwortern der KI, einigen "Dissidenten" sowie den Philosophen überlassen hätten. Dabei stellen die Modelle und Maschinen der KI für die Soziologie eine viel größere Herausforderung dar als in der deutschen Diskussion angenommen wurde: Wenn das Projekt der KI gelänge, würden mit einem Schlag einige zentrale Konzepte der Soziologie widerlegt, so das der sozialen Konstruktion des Wissens (Berger/Luckman).

Die Vollendung des Projekts ist aber noch in weiter Ferne und es scheint als ob die Soziologie vielmehr imstande ist, durch konstruktive Kritik nützliche Hinweise für die Gestaltung und realistische Selbstbeschränkung von Programmen und für die Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen u.a. zu liefern. Ferner beschäftigt sie sich mit der künstlichen Intelligenz als Gegenstand eigener Forschung.
Das Buch gliedert sich demgemäß in drei thematisch unterschiedliche Abschnitte: Rekonstruktion der Genese der Konzepte, der Konstrukte und der Community mit Beiträgen von Bettina Heintz, Werner Rammert und Petra Ahrweiler; Analyse der Probleme und Kritik der theoretischen Modelle mit Beiträgen von Thomas Malsch, Dirk Bäcker, Elena Esposito und Karl-Heinrich Schmidt. Empirische Untersuchungen der Praktiken bei der Entwicklung und Probleme bei der Verwendung der Produkte mit Beiträgen von Josef Wehner, Nina Degele, Werner Beuschel, Günther Frederichs und Michael Schlese.

Der Band geht zurück auf eine Tagung zum Thema, die der Herausgeber vor drei Jahren mit dem Ziel organisierte, Vertreter der künstlichen Intelligenz mit Vertretern sozialwissenschaftlicher Forschungsprojekte zum Diskurs zusammenzuführen. Beiträge von diesen zuletztgenannten haben im vorliegenden Band deutlich das Hauptgewicht. Es bleibt zu hoffen, daß mit derartigen Sammelbänden der Diskurs angeregt wird.

Bibliographische Angaben

Werner Rammert (Hg.): Soziologie und künstliche Intelligenz - Produkte und Probleme einer Hochtechnologie. Frankfurt am Main: Campus, 1995. ISBN 3-593-35293-1. DM 98,--


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JOHANN WELSCH, ROLAND SCHNEIDER: "Technik gestalten - Zukunft gewinnen: Standortsicherung durch Förderung von Technologie, Innovation und Beschäftigung".

Rezension von Torsten Fleischer, ITAS

"Wo kommen die neuen Techniken her? Wollen wir ... das eigentlich alles, was da tagtäglich erfunden wird ? ... Was sind die Hintergründe? Welche Faktoren spielen eine Rolle? Wie wirkt das alles zusammen? Und welche Menschen und Gruppen haben das Sagen ?" - auf diese und andere Fragen wollen die beiden Autoren in ihrem Buch Antworten finden. Es soll - so das ambitionierte Ziel - helfen, zu "verstehen, wollen wir nicht weiterhin dem technischen Wandel ohnmächtig ausgeliefert sein", zumindest jedoch "begreifen (zu) lernen, was da passiert".

Das Buch ist kein akademisches Werk. Die in ihm verfolgte Darstellungsweise und die Stilistik, die sich häufig an die einschlägiger Politik- und Wirtschaftsmagazine anlehnt, gestatten es technikinteressierten Laien, sich mit den komplexen Zusammenhängen und grundlegenden Wandlungsprozessen in den Bereichen Technik, Innovation und Arbeitswelt auf eine höchst kurzweilige und spannende Art und Weise vertraut zu machen.

Die aktuellen Schlüsseltechnologiefelder und deren zukünftige Bedeutung sowie ihr gesellschaftlicher Kontext werden vorgestellt, wobei insbesondere die Rolle des Staates und seiner wirtschaftlichen Verfassung sowie die organisatorischen Veränderungen im Innovationsgeschehen breiten Raum einnehmen. Umfangreich auch - und dies kann vor dem gewerkschaftlichen Hintergrund der beiden Autoren nicht verwundern - die Diskussion des Themenfeldes "Neue Technologien und Zukunft der Arbeit". Hier werden Ursache und Entwicklung von existierenden und neuen Organisationsformen der Arbeit dargelegt sowie deren mögliche Konsequenzen für Arbeitsbedingungen, Beschäftigungsstruktur und Volkswirtschaft analysiert. Im abschließenden Kapitel werden Visionen und Instrumente für eine zukünftige "sanfte Gestaltung des technischen Wandels" entworfen.

Beeindruckend ist die Fülle an Informationen und instruktiven Beispielen, an dargebotenen Zahlen und Fakten, an aufgezeigten Trends und vorgestellten Hintergründen. Dabei birgt die - hin und wieder festzustellende - Detailverliebtheit der Autoren jedoch die Gefahr, dem Leser den Überblick über die wesentlichen Zusammenhänge und das Entdekken der Schlußfolgerungen zu erschweren. Das ausführliche Stichwortverzeichnis erleichtert die Verwendung des Buches auch als Nachschlagewerk - das lückenhafte Quellenverzeichnis ist dabei ein - unnötiger - Wermutstropfen.

Bibliographische Angaben

Johann Welsch, Roland Schneider: "Technik gestalten - Zukunft gewinnen: Standortsicherung durch Förderung von Technologie, Innovation und Beschäftigung". Köln: Bund-Verlag, 1995, 378 S. ISBN 3-7663-2486-1


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- BUECHER KURZ VORGESTELLT -

GERHARD BANSE, KAETHE FRIEDRICH (Hg.): Technik zwischen Erkenntnis und Gestaltung. Philosophische Sichten auf Technikwissenschaften und technisches Handeln. Berlin: Ed. Sigma, 1996. 183 S. ISBN 3-89404-408-X

In diesem Band heißt es im Vorwort:
"Eine umfassende, vereinheitlichende, systematisierende und systemische Technikphilosophie, die geschichts-, kultur- und sozialphilosophische, kognitive und normative, ontologische und hermeneutische Fragestellungen umfaßt, ist trotz aller Bemühungen - wenn es sie denn geben sollte - (noch) nicht in Sicht. Bausteine und Versatzstücke sind jedoch zahlreich. Diese gilt es zunächst zu erfassen, zu ordnen und weiterzuführen, was jedoch aus unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen möglich ist.

Der vorliegende Band versteht sich als ein Beitrag in dieser Richtung. Er vereint Beiträge, die unterschiedliche theoretisch-konzeptionelle Zugänge zur Technikphilosophie repräsentieren. Gemeinsam ist allen, daß sie - mehr oder weniger stark akzentuiert - Technik von ihren Erkenntnis- und Handlungsvoraussetzungen, d.h. vom technischen Wissen und Handeln her thematisieren, mehr oder weniger akzentuiert dem Zusammenhang von (wissenschaftlicher) Erkenntnis und technikschaffender Aktivität nachspüren. Das hängt auch mit ihrer Genese zusammen, denn sie sind aus Diskussionen in der Sektion "Wissenschaftstheorie der Ingenieurwissenschaften" der Jahrestagung der Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung (GWTF) im Jahre 1993 in Berlin hervorgegangen, die der Thematik "Wissenschaften vom Können - Sozialwissenschaftliche Blicke auf die Ingenieurwissenschaften" gewidmet war. Intention der Sektions-Diskussion war es, Randbedingungen der ingenieurwissenschaftlichen Tätigkeit sichtbar zu machen und ihre methodologische Vorgehensweise zu verdeutlichen, insgesamt Anregungen zu einer Wissenschaftstheorie der Technikwissenschaften zu geben. Die Autoren wollen auf diese Weise zur Weiterführung der Diskussion um Ingenieurwissenschaften und technikwissenschaftliche Tätigkeit ermuntern und entsprechende Forschungen anregen. Ihre Beiträge weisen aus unterschiedlichen Perspektiven auf Denkeinsätze hin, verdeutlichen Erreichtes und machen Defizite sichtbar. Indem in den einzelnen Beiträgen oftmals mehr Fragen gestellt als Antworten gegeben, häufiger lediglich mögliche Lösungsrichtungen angedeutet denn umfassende Lösungen unterbreitet werden, fordern sie das Aufgreifen und Bearbeiten neuer Problemfelder heraus."

Der Band umfaßt die folgenden Beiträge:

_ Vom Naturgesetz zur technologischen Regel - ein Beitrag zu einer Theorie der Technik (Klaus Kornwachs)

_ Das lebensweltliche Apriori in der Begründung technikwissenschaftlicher Sätze (Armin Grunwald)

_ Über das Verhältnis von reiner und angewandter Forschung (Thomas Zoglauer)

_ Technisches Handeln unter Unsicherheit - unvollständiges Wissen und Risiko
(Gerhard Banse)

_ Sozialorientierte Technikgestaltung - Realität oder Illusion? - Dilemmata eines Ansatzes. (Gerhard Banse, Käthe Friedrich).

I.v.B.

MARKUS ZEILHOFER: Technikfolgenpolitik. Zur Gestaltbarkeit des technischen Wandels. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1995. 214 S. (Studien zur Sozialwissenschaft; Bd. 149) DM 42,--. ISBN 3-531-12706-3

Der Klappentext führt den Band wie folgt ein: "Das parlamentarische Regierungssystem Deutschlands gerät zunehmend in eine Modernitätszange, die sich aus einer asymmetrischen Zurechnung von Technikfolgen und einer neuen politischen Qualität der Technikfolgenproblematik ergibt. Bis heute fehlen methodisch-theoretische Grundlagen einer auf gesellschaftlicher Ebene agierenden politischen Bearbeitung von Technikfolgenproblemen. Dies führt neben oftmals unvermittelt nebeneinanderstehenden technikfolgenpolitischen Aktivitäten auf Bundes- und Landesebene zu suboptimalen Ergebnissen bei der Bekämpfung nicht-intendierter Technikfolgen. In dieser Studie werden die grundlegenden Fragen nach der Gestaltungsbedürftigkeit von Technik und der Gestaltbarkeit von Technik und ihrer Folgen auf multidisziplinärer Basis untersucht. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse führen zur Forderung einer aktiven politischen Bearbeitung der Technikfolgenproblematik durch die Einrichtung eines Politikfeldes "Technikfolgenpolitik". "

Die Studie gliedert sich in vier Abschnitte:

A. Die historische Einordnung der aktuellen Technikfolgendiskussion: Die lange Tradition der Technik(folgen)politik als nachsorgende Technikregulierungspolitik

B. Zur Begründung der Gestaltungsbedürftigkeit des technischen Wandels und seiner Folgen: Aspekte einer neuen "neuen Qualität" von Technikfolgen

C. Begriffliche und theoretische Grundlagen der Technikfolgenpolitik des parlamentarischen Regierungssystems: zugleich Begründung der Gestaltbarkeit des technischen Wandels und seiner Folgen

D. Charakterisierung der Technikfolgenpolitik als neuen Policy-Typ.

I.v.B.

FRIEDRICH EBERT STIFTUNG (Hrsg.): 10. Streitforum. Reform des Staates - Neue Formen Kooperativer Politik. Akademie der Politischen Bildung, Bonn 1995. 79 Seiten. ISBN 3-86077-456-5

Die Akademie der Politischen Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet drei- oder viermal im Jahr sog. "Streitforen". In diesen Streitforen werden Schlüsselfragen aus der Tagespolitik zur Diskussion gestellt oder wichtige Fragen, die bislang mehr im Hintergrund standen, in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gestellt. "Reform des Staates durch neue Formen kooperativer Politik" war das Thema des 10. Forums am 21. Juni 1995 in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Eine Reihe von Wissenschaftlern, Politikern und Vertretern von Verbänden und Organisationen sind der Frage nachgegangen, ob wirkungsvolle Reformen heute auch neue Formen der Politik verlangen. Referiert und diskutiert wurde über Bedingungen und Verfahren sowie Möglichkeiten und Grenzen neuer Verhandlungssysteme und politischer Diskurse. Insbesondere sollten auch die Perspektiven solcher "neuen Formen gesellschaftlicher Politik" für die praktische Politik geprüft werden. Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge der Referenten und die Diskussion einer Gesprächsrunde.

I.v.B.

SIMON JOSS AND JOHN DURANT (eds.): Public participation in science - The role of consensus conferences in Europe. Science Museum with the support of the European Commission Directorate General XII, London 1995, 96 pages, ISBN 0-90-1805-85-8

The calls for increased public involvement in the formulation of science and technology policy have resulted in a number of consultation initiatives. One such initiative is the consensus conference, which involves lay people in the assessment of socially sensitive topics. This volume contains the papers that were given during a multinational two-day workshop in London in 1995 [a report on the workshop was published in TA-Datenbank-Nachrichten Nr. 3, 4. Jg., August 1995, pp. 75 f.]. It draws together, for the first time, the pioneering experiences of the Danish, Dutch and British organisers of consensus conferences. The contributors place these conferences in their historical and cultural perspective, and explore their role in technology assessment. The book also establishes a framework for the comparative evaluation of consensus conferences.

I.v.B.

The book is available at £ 9.95 from Dillons publishers at the

Science Museum London.
Tel.: + 44-171/938-8255
Fax: + 44-171/938 8118

OECD (ed.): Sustainable Agriculture. Concepts, Issues and Policies in OECD Countries. Paris 1995. 68 S. ISBN 92-64-14646-6

OECD governments recognise that sustainable agriculture requires an integrated approach to agricultural and environmental policy making. This report offers an initial survey of OECD country efforts to address the major issues surrounding sustainable agriculture. It first examines the elements of sustain-ability in agriculture, against the more encompassing background of sustainable development. It then looks at the range of policies and programmes that OECD countries have implemented in order to encourage sustainable practices in agriculture. Policy measures addressed to specific environmental issues are discussed in sections on soil conservation, conservation of nature, nutrient balances, heavy metals and pesticides. The report concludes with some preliminary observations on the policy implications of efforts to improve sustainability in agriculture, and the necessity of continuing to reform agricultural policies as part of that process.

This report is the result of a study carried out by the Joint Working Party of the Committee for Agriculture and the Environment Policy Committee. The two parent committees both discussed the report in the second quarter of 1995 and agreed that it be published on the responsibility of the Secretary-General of the OECD.

(Source: Foreword, abridged)

ULRICH DOLATA: Politische Ökonomie der Gentechnik. Konzernstrategien, Forschungsprogramme, Technologiewettläufe. Berlin: Ed. Sigma, 1996. 228 Seiten. ISBN 3-89404-407-1

Geradezu druckfrisch erreicht uns die neue Publikation von Ulrich Dolata, in der der Autor seine mittlerweile sechsjährige Beschäftigung mit dem Themenbereich resümiert [siehe auch den Bericht in diesem Heft]. Der politisch-ökonomischen Formierung (staatliche Forschungsförderung, industrielles Innovationsmanagement, rechtliche Regulierung, politische Legitimationsstrategien) des neuen Technologiefeldes komme über die aktuell noch bescheidene ökonomische Bedeutung der Gentechnik hinaus exemplarische Bedeutung für globale "technology races" und weltmarktorientierte Modernisierungsprozesse zu.

Eine ausführliche Rezension erfolgt in der nächsten Ausgabe der TA-Datenbank-Nachrichten.

F.G.


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