TA-relevante Bücher und Tagungsberichte
"Mobilität für morgen - Chancen einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik"
4. Deutsch-Französisches Medienkolloquium, Paris
AIC-Kongreß "Rechtssituation im Internet"
Technikfolgen-Forschung in Nordrhein-Westfalen - Dokumentation 1995 - Rezension
Jänicke/Bolle/Carius: Umwelt global - Rezension
Newsletter des TA-Programms Schweiz
"Mobilität für morgen - Chancen einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik"
Rezension von Günter Halbritter, ITAS
Die ungebrochene Dynamik der Entwicklung des Straßenverkehrs während der vergangenen Jahrzehnte machte die Verkehrspolitik zu einem immer bedeutenderen Handlungsbereich. Mobilität für alle droht zur Immobilität zu werden. Nicht nur die erheblichen Auswirkungen des Verkehrs auf die menschliche Gesundheit und auf die natürliche Umwelt, sondern auch die zunehmenden Ineffizienzen der Verkehrsabläufe verlangen überzeugende politische Lösungen. Mobilität langfristig und umweltverträglich zu sichern, heißt die nicht nur von der Politik ausgegebene Parole. Große Hoffnungen werden dabei auf neue technische Systeme, insbesondere den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechniken (IuK-Techniken) im Verkehrsbereich, gesetzt. Programme und Projekte, wie PROMETHEUS, DRIVE, FRUIT und STORM sind die realen Ausprägungen dieser Hoffnungen.
Diese Hoffnungen auf "High-Tech"-Lösungen im Verkehrsbereich teilen die beiden Autoren Rudolf Petersen und Karl Otto Schallaböck in dem Buch "Mobilität für morgen - Chancen für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik" nicht. Im Zentrum ihrer Überlegungen steht vielmehr die Forderung nach einer grundlegenden Verkehrswende. Einer kritischen Bewertung der Mobilitätsentwicklung und ihrer Ursachen folgt eine Auseinandersetzung mit den gängigen Rezepten der verschiedenen Akteure der Verkehrspolitik. Nach einer ausführlichen Analyse der Ursachen und Hintergründe der vorliegenden Verkehrssituation und -entwicklung schlagen die Autoren auch Maßnahmen zur Erreichung der geforderten Verkehrswende vor.
Die beiden Autoren, Mitarbeiter des Wuppertal-Instituts, führen mit dieser Veröffentlichung die Arbeiten dieses Instituts zur Neuorientierung der Industriegesellschaft in Hinblick auf ein "zukunftsfähiges Deutschland" fort und konkretisieren die hierfür notwendigen Anforderungen für das Politikfeld "Verkehr". Ausgangspunkt der Neuorientierung ist das seit der UN-Konferenz "Umwelt und Entwicklung" in Rio de Janeiro im Jahre 1992 weltweit verbindlich gewordene Handlungskonzept des "sustainable development". Die große Akzeptanz dieses Konzepts beruht sicherlich auch in der bisher nicht erfolgten Präzisierung der Handlungserfordernisse, die sich aus diesem Konzept ergeben. Das Wuppertal-Institut hat sich mit einer Reihe neuerer Veröffentlichungen der Aufgabe gestellt, diese Konkretisierung zu leisten und das vorliegende Buch stellt sich dieser Aufgabe für den wichtigen Politikbereich Verkehr.
In den einleitenden Ausführungen zu den gängigen Zukunftsvorstellungen im Verkehrsbereich bekommt der Leser bei der Beschreibung und Bewertung neuer technischer Entwicklungen, wie insbesondere den IuK-Techniken im Verkehrsbereich, nicht nur nüchterne Informationen geboten, sondern auch eine Portion Ironie über die Flops technischer Innovationsbemühungen. Als Beispiel für eine nicht an den Bedürfnissen orientierte Technikentwicklung wird der erhebliche Aufwand für "High-Tech"-Lösungen insbesondere im Hochgeschwindigkeitsfernverkehr den eher bescheidenen Verbesserungen in dem vom Alltagsverkehrsteilnehmer zumeist praktizierten Nahverkehr gegenübergestellt. Eine besondere Brisanz erhält die in den Industrieländern praktizierte Mobilität, insbesondere die Automobilität, wegen ihres Modellcharakters für die Teile der Welt, die keinen fortgeschrittenen industriellen Entwicklungsstand besitzen. Das Modell Deutschland, im Bereich praktizierter Automobilität weltweit übertragen, ist wegen der damit verbundenen erheblichen globalen Umweltauswirkungen schwer vorstellbar.
Im Kapitel "Konjunktur der falschen Rezepte" werden die im Augenblick von Politik und Industrie mit großen Erwartungen verfolgten technischen Lösungsansätze kritisch bewertet. Technische Konzepte sind nach Meinung der Autoren nur Intrumente und können verkehrspolitische Gesamtkonzepte nicht ersetzen. Diese Gesamtkonzepte müssen insbesondere auch Verhaltensänderungen berücksichtigen. Die kritische Einschätzung der Rolle der Technik gilt dabei nicht nur dem Einsatz der bereits genannten neuen IuK-Techniken im Verkehrsbereich, sondern auch neuen Konzepten der Antriebstechnik. Trotz dieser grundsätzlichen Skepsis werden bei den Antriebstechniken eine Reihe interessanter Konzepte angesprochen, die zur Entlastung der Verkehrsproblematik beitragen können. Die im Augenblick in der Erprobungsphase befindlichen Verkehrsmanagementsysteme auf der Basis moderner IuK-Techniken sind zu stark vom Auto her konzipiert und können daher nicht zur Entlastung des Verkehrssystems beitragen. Wirkungsvolle Leitsysteme müssen vielmehr bei den Haushalten einsetzen.
Den verstärkten Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente bewerten die Autoren kritisch. In der verstärkten Privatisierung von Verkehrsleistungen sieht man keinen geeigneten Weg, da diese nur zu einer verstärkten Angebotspolitik für Verkehrsleisungen führen wird. Die Skepsis wird u.a. damit begründet, daß wettbewerbsverschiebende Rahmenbedingungen, wie z.B. die seit langem bekannte Kostenunterdeckung des Straßengüterverkehrs, bisher nicht politikwirksam wurden. Vielmehr wurde die Kfz-Steuer für LKW während der letzten Jahre sogar real gesenkt.
Im Kapitel "Politikebenen und Akteure" werden die verschiedenen verkehrspolitischen Handlungsebenen angesprochen, die der Kommunen, der Länder, des Bundes und der Europäischen Union. Alle Ebenen haben eine Politik favorisiert, die seit mehr als 60 Jahren auf das Auto und den Bau von Autobahnen fixiert ist. Wichtige Akteure sind in Deutschland auch die Verbände, die erheblichen Einfluß besitzen. Selbst im Bereich des öffentlichen Verkehrs ist die Tendenz zu technischen Großprojekten auszumachen, wie die Präferenz des U-Bahnbaus im Rahmen der Förderung durch das Gemeinde-Verkehrsfinanzierungsgesetz zeigt. Besondere Kritik gilt auch den Ländern bei der im Augenblick praktizierten direkten und indirekten Förderung des Ausbaus von Regionalflughäfen. Im ÖPNV-Modell der Stadt Zürich sehen die Autoren einen interessanten Ansatz für den öffentlichen Verkehr, der auch in Deutschland stärker berücksichtigt werden sollte. Auch findet die in Deutschland praktizierte Entscheidungsfindung beim Bau und Ausbau von Verkehrsbauwerken mittels Kosten-Nutzen-Analysen Kritik. Neue Planungsverfahren, wie Least cost planning und Umweltverträglichkeitsprüfungen, sollten in Zukunft verstärkt eingesetzt werden. Die Planungen sollten sich dabei an neuen Zielvorstellungen, wie Nutzungsentmischung, Siedlungsverdichtung und dezentrale Konzentration, orientieren.
Auch bei der Lösung der durch Verkehrsaktivitäten verursachten Umweltprobleme besteht nach Meinung der Autoren eine Fixierung auf technische Ansätze. Diese Technikorientierung wird jedoch nicht im Sinne des aus den USA bekannten "technology forcing" praktiziert, sondern in einer "Verbindung von Industrielobbyismus und untergesetzlicher Normgebung". Parlamentarische Gremien werden auf diese Weise von der Entscheidung zu technischen Fragen weitgehend ausgeschlossen. Diese Praxis hat dazu geführt, daß die Einführung der Katalysatortechnik um zehn Jahre "verschlafen" wurde. Als weiteres Beispiel für unwirksame technische Maßnahmen wird auf die ASU- und AU-Prüfungen verwiesen. Hemmend für überzeugende Umweltschutzlösungen wirkt sich auch der für Umweltschutznormen geltende Einheitlichkeitsgrundsatz der EU aus, der in dieser restriktiven Form nicht einmal im Bundesstaat USA praktiziert wird.
Das Kapitel "Ziele und Strategien für eine Verkehrswende" legt die Notwendigkeit eines ökologischen Strukturwandels dar. Eine Politik, die diesen Strukturwandel fördern will, muß einmal die vereinfachten Argumentationsschemata der Interessengruppen offenlegen und auch die Gewinner und Verlierer der praktizierten Politik identifizieren. Die augenblickliche Politik zeichnet sich durch einen Mangel an koordinierter Vorgehensweise aus, die dazu führt, daß alle Verkehrsarten mehr oder weniger gleichmäßig gefördert werden. Bei der Erfolgsdarstellung werden häufig weniger die Ergebnisse als der geleistete Aufwand präsentiert. Auch vermeidet es die bisherige Politik häufig, klare Zielsetzungen zu benennen, sondern sie stellt sich vielmehr als Dienstleistung für den konsumierenden Bürger dar. Eine Politik, die die vorliegenden Blockaden überwindet, muß eine deutliche Akzentverschiebung von der Angebots- zur Nachfragepolitik im Verkehr leisten. Eine zukunftsgerechte Verkehrspolitik muß vor allem durch außerverkehrliche Maßnahmen Verkehr überflüssig machen. Die Autoren weisen auf die kontraproduktive Wirkung von Szenarienuntersuchungen hin. Sie fordern statt dessen den Entwurf von "Bildern einer ökologischen Zukunft". Die notwendigen weitgehenden Änderungen werden nach Ansicht der Autoren nicht mit den vorliegenden hierarchischen Entscheidungsstrukturen möglich sein. In der Erfolgsgeschichte des Züricher Verkehrsmodells sieht man auch ein Modell für die Entwicklung innovativer, lokal differenzierter Lösungen mittels Bürgerbeteiligung. Besondere Bedeutung bei der Erreichung der angestrebten Ziele kommt ökonomischen Steuerungsinstrumenten zu. Diese werden als chancenreich, nicht jedoch als grenzenlos angesehen.
Nach den "Zielen und Strategien für eine Verkehrswende" und den "Bildern einer künftigen Mobilität" stellt die Studie "eine neue Qualität für Bus und Bahn" vor. Abschließend geben die Autoren eine Reihe konkreter Politikempfehlungen für den geforderten "tiefgreifenden Strukturwandel im Verkehr und in den angrenzenden, die Verkehrsnachfrage bestimmenden Politikbereichen", wie Tempolimit, Subventionsabbau, Reduktion der Straßenbauinvestitionen, Angebotsausbau im öffentlichen Verkehr, Verbrauchsvorschriften für PKW, verursachergerechte Schwerverkehrsabgabe und Parkkosten in Kommunen.
Den Autoren ist es gelungen, die Vekehrsproblematik aus der oft geforderten ganzheitlichen Perspektive in ihren komplizierten Zusammenhängen darzustellen. Es wird überzeugend dargelegt, daß die weitreichenden Ziele einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung nicht nur durch technische Lösungen erreicht werden können, sondern daß ein tiefgreifender Strukturwandel im Verkehr und in den die Verkehrsnachfrage bestimmenden Politikbereichen stattfinden muß. Auch wird deutlich gemacht, daß die Realisierung einer nachhaltigen Entwicklung prioritär eine Aufgabe der Industrienationen ist und nicht über "joint venture" auf die technisch nicht so entwickelten Länder verlagert werden kann. Das Buch gibt eine Fülle von Interpretationen zu den komplizierten Zusammenhängen in diesem Politikbereich, dabei wäre eine stärkere "Unterfütterung" mit empirischen Fakten manchmal wünschenswert gewesen. Dies ist auch deshalb von Bedeutung, da die Verkehrspolitik immer noch von vielen nicht sachgerechten Voreinschätzungen geprägt ist, die erhebliche politische Bedeutung besitzen, wie die immer wieder verkündete Einschätzung zur begrenzten Leistungsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs.
Die Fülle der oft nur kurz angesprochenen Interpretationen der vorliegenden Fakten macht die Brisanz vieler Einschätzungen nicht genug deutlich. So wäre z.B. die "als Verbindung von Industrielobbyismus und untergesetzlicher Normensetzung" bezeichnete Praxis der Ausschaltung legitimierter, parlamentarischer Institutionen eine ausführlichere Darstellung wert gewesen. Auch die Kritik an der technokratischen Politik der verschiedenen Akteure wird durch die generelle Forderung nach Abbau von hierarchischen Entscheidungsstrukturen relativiert. Es wäre von Interesse gewesen, die Gründe zu untersuchen, warum die in den USA, speziell in Kalifornien, praktizierte Politik des "technology forcing" möglich ist, in Deutschland jedoch scheitert. Die gefundenen Einschätzungen werden zur Kontroverse herausfordern, die angesichts der vorliegenden Situation nur förderlich sein kann, um sachgerechte Politikoptionen zu entwickeln. Bei den Überlegungen zur Umsetzung der gewonnenen Einschätzungen in alternative Politikoptionen liegt jedoch ein Defizit dieser Studie. Es besteht die Gefahr, daß die Fülle von Erkenntnissen und Empfehlungen politikunwirksam bleiben wird, da aus der Problemanalyse keine alternativen politischen Handlungsoptionen entwickelt wurden, sondern nur Maßnahmen abgeleitet wurden, wie z.B. das Tempolimit, die teilweise seit Jahren kontrovers diskutiert werden. Diese Eindimensionalität der Empfehlungen wird der gesellschaftlichen Realität der tatsächlichen Einschätzung und Nutzung des Automobils durch breite Kreise der Bevölkerung, einschließlich ihres "ökologisch" orientierten Teils, nicht gerecht. Nicht nur die allgemeine Debatte zur Verkehrspolitik, sondern auch die kontroverse Einschätzung auf der Basis wissenschaftlicher Analysen, wie in der Verkehrsstudie der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre", zeigen, daß eine neue Verkehrspolitik nur eine Politik der kleinen Schritte sein kann.
Trotz der genannten Kritikpunkte ist in dem Buch von Petersen und Schallaböck ein wichtiger Beitrag für die dringend notwendige verkehrspolitische Diskussion zu sehen. Es bleibt zu wünschen, daß dieses Buch gerade wegen seiner kritischen Einschätzungen der gängigen verkehrspolitischen Rezepte nicht nur die Diskussion sondern auch die verkehrspolitische Entscheidungsfindung positiv beeinflußt.
Bibliographische Angaben
Rudolf Petersen, Karl Otto Schallaböck: Mobilität für morgen. Chancen einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik. Berlin u.a.: Birkhäuser Verlag GmbH, 1995. ISBN 3-7643-5214-0
Kongreßbeitrag zum 4. Deutsch-Französischen Medienkolloquium, 28. - 29. März 1996 in Paris
von Bernd Wingert, ITAS
Radio France, fünfzehn Gehminuten vom Tour Eiffel entfernt an der Seine gelegen, war Gastgeber für das diesjährige deutsch-französische Medienkolloquium, das am 28. und 29. März in Paris stattfand. Das Thema: "Journalismus im Wandel". Dieses Kolloquium ist das vierte in Folge. Die vorausgegangenen Veranstaltungen waren anderen Themen gewidmet, einem Vergleich der Medienstrukturen (1989), deutsch-französischen Medienbildern (1990) und dem Hörfunk in Deutschland und Frankreich (1993). Zu den beiden zuletzt genannten Treffen liegen konsequent zweisprachig aufbereitete Publikationen vor (Verlag Fischer, München; 1993 und 1996 erschienen).
"Für den deutsch-französischen Austausch, verbunden
mit dem Ziel, sich auch zu verstehen, müssen - und das ist
die feste Überzeugung der Herausgeber - vor allem gute sprachliche
Brücken geschlagen werden", betonen die Herausgeber
des Hörfunkbandes: Ursula Koch (Institut für Kommunikationswissenschaft,
Universität München); Detlef Schröter (Transferzentrum
Publizistik und Kommunikation, München), Pierre Albert und
R_emy Rieffel (beide Institut Fran_cais de Presse, Universität
von Paris II). Sie sind denn auch die Initiatoren dieser Kommunikationsbrücke.
Auch dieses Mal war für Simultanübersetzung in beiden
Richtungen gesorgt. Das dichtgepackte zweitägige Programm
ging auf die "Stellung des Journalismus heute" ein,
auf "Piloterfahrungen mit den neuen Technologien in den Printmedien",
auf solche im Bereich "Rundfunk" und auf "Die Zukunft
der Medienlandschaft".
Von deutscher Seite waren 35 Teilnehmer und Teilnehmerinnen vertreten,
von französischer Seite die dreifache Zahl. Journalisten
und Forscher, Redakteurinnen und Kommunikationswissenschaftlerinnen
waren vertreten - auch zwischen diesen Bereichen, Praxis und Theorie,
Brücken zu schlagen, ist erklärtes Ziel der Veranstalter.
Unterstützt wurde die Veranstaltung vom erwähnten Gastgeber Radio France, der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und der Bundeszentrale für politische Bildung (Referat Fernsehen und Hörfunk). Der Berichterstatter war eingeladen, über Multimedianutzung zwischen Passivität und Interaktion vorzutragen. Ein Urteil, ob das o.g. Ziel eingelöst wurde, möchte ich als Neuling auf diesem Feld nicht wagen, aber zumindest der Eindruck stellte sich auf meiner Seite ein, daß es einen Kern von zweisprachigen Grenzgängern gibt, sozusagen die Brückenpfeiler, die beide Seiten dieseits und jenseits des Rheins schon gut kennen und die beanspruchten Kommunikationsflüsse stimulieren können.
Das reichhaltige Vortragsprogramm im vorliegenden Rahmen einigermaßen vollständig darstellen zu wollen (etwa gerade auch die Ausführungen von französischer Seite zur Entwicklung von Journalismus und Medienstrukturen), würde zu weit führen und die thematische Ausrichtung dieses Newsletters sprengen. Stattdessen richten wir das Augenmerk auf einzelne neue Medienangebote, über die vorgetragen wurde - denn dies ist die hier interessierende TA-Perspektive - und stellen dem nur einige pauschale Impressionen voran.
Der Journalismus in Frankreich ist anders - soweit eine erste, noch wenig überraschende Einschätzung; er hat andere Strukturen, eine andere Geschichte und teilweise auch andere Probleme als der deutsche. Der französische Journalismus war traditionell und ist heute noch viel staatsnäher als der deutsche. Die Veränderung der Berufsrollen durch Privatisierung und neue Medien, die Krise der Glaubwürdigkeit und die berufsethischen Folgen werden von den französischen Kollegen und Kolleginnen - nach meinem Eindruck auf dieser Tagung - stärker diskutiert und intensiver erlebt als auf der deutschen Seite. Dies mag auch mit dem rechtlich unklaren Journalistenstatut zusammenhängen; diese Bemühungen begannen schon Mitte der 30er Jahre, wurden in den 70er und 80er Jahren (Einbeziehung von Hörfunk und TV) intensiviert, müssen heute jedoch als gescheitert betrachtet werden (so Christian Delporte, Universität Tours; kritisch hierzu auch Emmanuel Derieux, Universität Paris II). Zur Größe dieses Berufssektors nur die folgenden Angaben: 1995 hatten in Frankreich gut 28.000 Journalisten den Berufsausweis, der von der Commission de la carte d'Identit_e professionelle des Journalistes (durch Erlaß 1936 gegründet) ausgestellt wird (Marie-Fran_coise Lafosse, Tagungsunterlagen). In der Bundesrepublik werden nach einer neuen Erhebung von Weischenberg (der darüber auch vortrug) knapp 53.000 Journalisten gezählt (wobei das Kriterium angelegt wurde, daß mehr als die Hälfte des Einkommens mit journalistischer Arbeit zu verdienen sei; nach anderen Kriterien nannte Stöckel, Bayerischer Journalistenverband, andere Zahlen).
Etwas einheitlicher ist die Problemwahrnehmung nach meinem Eindruck auf beiden Seiten, was das Dilemma angeht, das sich im Wechselspiel zwischen Aktualität, technischer Beschleunigung und Professionalität stellt. Die neuen technischen Mittel (für Recherche, Herstellung und Distribution) ermöglichen eine Beschleunigung der Arbeits- und Produktionsprozesse, damit eine Steigerung der Aktualität, was von der Konkurrenzsituation auf dem Markt erzwungen und auf Leserseite durchaus erwartet wird; und dies gefährdet dann den Standard journalistischer Professionalität. Für solide Recherchen fehlt dann einfach die Zeit, so eine häufige Klage. Dieses Wechselspiel treibt dann kuriose Blüten, wenn über Dinge berichtet wird, die sich noch gar nicht ereignet haben. So war Stephanie von Monaco auf Titelbildern der Regenbogenpresse mit zwölf verschiedenen Babies auf dem Arm zu sehen, noch bevor das Kind auf der Welt war. Diese Entwicklung hin zu einem "closed loop" aus Medienbericht und Wirklichkeitskonstitution ist allerdings - in der Sicht mancher Medientheoretiker - nur konsequent, wurde aber auf dem Workshop mehrfach kritisch kommentiert (so von Frau Höbermann, Bonn, oder von Frau Thomass, Hamburg).
Nun zu einigen modellhaften Medienangeboten, die man als Vorboten der Informationsgesellschaft interpretieren kann, so daß sich ein genauerer Blick darauf, was sich denn da entwickelt, lohnen könnte. Zunächst zum Zeitungsbereich. Hierzu gab Katja Riefler (München) einen Überblick, schilderte Engagements, Modelle und Motive. Sie zählte im März 1996 bereits ca. 20 Tageszeitungen und einige Wochenzeitungen (und andere Organe) mit Internet-Angeboten. Das Erstaunliche dieser Entwicklung wird erst auf dem Hintergrund deutlich, daß ein Jahr davor, im März 1995, noch keine einzige deutsche Zeitung im Internet präsent war. Die Formen solchen Online-Engagements sind naturgemäß vielfältig, nur zwei seien hier herausgestellt: (1) Die Zeitung präsentiert sich online, mehr oder weniger vollständig im Vergleich zur gedruckten Ausgabe, und ohne bedeutende funktionale Erweiterungen, eben im neuen Medium Internet. Diesem Muster folgen viele. (2) Ein ganz anderes Modell verfolgt die Augsburger Allgemeine (von Stefan Hilscher vorgetragen); sie betreibt ab Mitte 1995 eine zeitungseigene Mailbox (mit heute über 5.000 Nutzern). Das Modell ist hier also nicht, die Inhalte nur in ein neues Medium zu transportieren, sondern im neuen Medium auch neue Funktionen zu entwickeln: die Zeitung als das regionale Kommunikationszentrum - dies scheint mir hier der springende Punkt zu sein. Dieses kann dann problemlos auch traditionelle Dienste wieder integrieren (z.B. Meldungen, Themen der kommenden Ausgabe, Veranstaltungen, die sich dann auch in der gedruckten Zeitung finden usw.).
Eine ähnliche Differenzierung wie bei den "Online-Zeitungen" läßt sich bei den Angeboten der Rundfunksender erkennen: (1) So berichtete Martin Winkel-Biskup über Piloterfahrungen mit einem ersten WWW-Angebot des Saarländischen Rundfunks und gab einleitend einen Überblick über Angebote anderer öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten. Eines der Modelle - so auch SR2 KulturRadio - besteht darin, daß der Sender mit Informationen online präsent ist, z.B. beim erwähnten Programm mit dem Programmschema, mit Sendemanuskripten, öffentlichen Veranstaltungshinweisen usw. (2) Ein ganz anderes Modell verfolgt der Südwestfunk mit "Nachtfieber", das bisher dreimal gesendet wurde: die konsequente Medienverschaltung! Im Studio ist eine Wohnung aufgebaut, in der eine nächtliche Party mit eingeladenen Gästen abgeht; im Wohnzimmer Musik und Tanz; im Flur Smalltalk; im Bad intimere Themen; im Schlafzimmer bisher noch nicht gelüftete Aktivitäten (während der Sendung verschlossen). Diese Party wird real gefeiert und medial dreifach präsentiert: sie wird live übertragen und kann im Fernsehen gesehen, im Radio mitgehört und im WWW virtuell besucht werden. Zuschauer und Zuhörer können über Telefon anrufen und z.B. Musikwünsche äußern, an Partyteilnehmer Fragen stellen; oder solche Botschaften über Fax eingeben (und Antworten Zuhause empfangen), oder sie können über Computer und Modem in diese Sendung "hineinfunken". Das Konzept für diese Multimedia-Party wurde von SWF und Ponton European Media Art Lab (Hannover) gemeinsam entwickelt, die bereits mit der "Piazza virtuale" bekannt wurden. Interessant waren nun nicht nur dieses Konzept, das Angelika Lipp-Krüll, inkl. eines Videoausschnittes, vorstellte, sondern auch die Erfahrungen, die gemacht wurden, z.B. mit den Grenzen solcher Interaktivität. So zeigte sich etwa, daß der Fernsehmoderator, der mit einem Kameramann in den Räumen unterwegs war, große Schwierigkeiten hatte, den Überblick zu wahren, und daß im Verlauf der mehrstündigen Sendung der Hörfunkmoderator als der ruhende Pol immer wichtiger wurde. Eine eingehendere Auswertung dieses Experiments wurde schon durchgeführt und ist demnächst verfügbar.
Wenn hier nun ausnahmslos deutsche Beispiele dargestellt wurden, so deshalb, weil für die Leser eher diese zugänglich sind; dies bedeutet nicht, daß von französischer Seite nicht ebenfalls über mutige Experimente berichtet wurde (so etwa über France Info oder von FR 3 Alsace über eine grenzüberschreitende Magazinsendung). Und es bedeutet auch nicht, daß es nicht noch andere spannende Vorträge gab, wie ein Beitrag von Wolf-Dieter Ring (Bayer. Landeszentrale für neue Medien) zur aktuellen "Multimedia / Rundfunkdebatte" oder von Isabelle Bourgeois über deutsche und französische Reaktionsmuster auf die technologischen Veränderungen hin. Insgesamt also ein interessanter, facettenreicher und lehrreicher Meinungsaustausch. In diesem Sinne war die Charakterisierung, die Barbara Kamutzki von der mitveranstaltenden Bundeszentrale für politische Bildung in ihrem Schlußwort für diese Tagung fand, vielleicht ganz gut getroffen: Sie habe hier auch Antworten auf Fragen erhalten, von denen sie noch gar nicht wußte, daß sie sie hatte.
Notizen zu einem AIC-Kongreß in Frankfurt a.M. über "Rechtssituation im Internet"
von Bernd Wingert, ITAS
Im vielstimmigen, seit einigen Monaten mächtig anschwellenden Diskurs über Multimedia und Informationsgesellschaft ist die Diskussion und Reflexion der rechtlichen Konstruktionen ein Strang, den man beachten muß. Vieles ist derzeit noch ungeklärt oder einfach unklar - und wird es wohl noch einige Zeit bleiben. Klar und ausgemacht scheint mir nur dies, daß die Zeit des "körperlichen Dokuments" zu Ende geht, aber der elektronische Zwilling noch keine Gestalt angenommen hat; erste Vorschläge liegen aber vor und werden diskutiert (z.B. der Entwurf der Bundesnotarkammer; vgl. später). Diese derzeit noch weitgehend offene Situation mag erklären, warum der von AIC ausgerichtete Kongreß über die "Rechtssituation im Internet" trotz des stolzen Preises von gut zweieinhalbtausend Mark gut besucht war. Von den etwa 60 Teilnehmern (und Teilnehmerinnen) würde ich nach Durchsicht der Liste Vierfünftel der juristischen Fakultät zuschlagen; einige Journalistinnen waren auch da, einzelne Techniker ebenfalls.
Die Vorträge waren gut auf die Zielgruppe ausgerichtet, d.h. an der juristischen Beratungs- und Vertragspraxis orientiert - und dies macht die Berichterstattung im Themenspektrum dieses Newsletters etwas schwierig, denn Information über rechtliche Details kann hier nicht der maßgebliche Blickwinkel sein. Rechtliche Dispute interessieren in einer TA-Perspektive als Problemträger, und in dieser Sicht sind sie dankbare Studienobjekte, denn Juristen müssen es mit dem Wortlaut gesetzlicher Regelungen, solange neues Recht noch nicht geschaffen ist, schon genau nehmen.
Wer sich schon einige Zeit mit der Analyse des heraufziehenden Wandels beschäftigt hat, kam denn auch auf seine Kosten, ja es bereitete zuweilen ein intellektuelles (und klammheimliches, wenn dieses Attribut nicht schon besetzt wäre) Vergnügen, den Vorträgen auf ihrer Gratwanderung zwischen rechtlicher Zulässigkeit und neuer Lage der Phänomene zu folgen. In diesem Sinne werde ich im folgenden nur auf einige ausgewählte Beiträge näher eingehen, die anderen, deshalb nicht unwichtigen, nur erwähnen: so den Vortrag über die Entwicklung, den Aufbau und die Funktionsweise der diversen Netze (Telefon bis Datennetze; von Thomas Königshofen) und die anschließende nützliche Demonstration einer von der Telekom entwickelten Chipkarte für die Verschlüsselung von Dokumenten; die beiden Vorträge von Rupert Vogel über Elektronischen Handel und den von Marcus Helfrich über Vertragsgestaltung, die beide stark auf das "internationale Privatrecht" eingingen (eine komplizierte Materie); und die Datenschutzfragen, über die Eugen Ehmann (mit interessanten praktischen Fällen) referierte. Die folgenden Beiträge wie erwähnt etwas ausführlicher.
Alexander Roßnagel, derzeit mit einer SEL-Stiftungsprofessur an der TH Darmstadt versehen, gab einen breiten und detaillierten Überblick zum "Umbruch der Rechtskultur"; sie war bisher ausschließlich auf Papier ausgerichtet; sie muß nun für das elektronische Zeitalter umgerüstet werden: Generell hält er die "digitale Signatur", die nach einem Zweischlüssel-System verschlüsselt wird, für den geeigneten Ansatz, vorausgesetzt es gelingt, Vertrauen in die Sicherheitsinfrastruktur mit den "vertrauenswürdigen Dritten" (trusted third parties) aufzubauen. Hier werden aber doch so voraussetzungsvolle Annahmen zur künftigen Entwicklung gemacht, daß auch bei ihm eine gewisse Skepsis nicht zu überhören war. Er hält nichts vom Vorschlag der Bundesnotarkammer, die einen Entwurf zu Signierverfahren vorgelegt hat, in dem Kriterien analog zu Papierdokumenten und urkunden entwickelt werden. Dieser Vorschlag wurde im übrigen auch von Geis recht bissig kommentiert. (Einige Notare waren freilich da und haben sich gewehrt.) (Als gute Einführung in diesen Problemkreis vgl. im kürzlich erschienen Heft von Computer und Recht: Sigrun Erber-Faller: Gesetzgebungsvorschläge der Bundesnotarkammer zur Einführung elektronischer Unterschriften. CR 12(1996)6, 375-380)
Thomas Dreier, ein auf dem Gebiet des Urheberrechts ausgewiesener Autor, am MPI München für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht, trug über "Urheberrecht und internationale Netze" vor. Sein Vortrag war eher im Stile einer einführenden Grundvorlesung gehalten und stellte die uns mittlerweile auch durch praktische Erfahrungen mit der Produktion des Multimedia-Bandes für den Deutschen Bundestag bekannten Probleme dar, z.B. mit der Übertragung der Nutzungsrechte. Der weiterführende Aspekt war nach meiner Einschätzung eher die Frage, ob mit den digitalen Medien ein Paradigmenwechsel anstehe. Das Lesen des Inhalts eines per Kauf erworbenen Buches war früher frei, könne heute aber mit entsprechenden Techniken kontrolliert werden (was faktisch ja getan wird). Derzeit noch streitig (wie die Juristen sagen) sei die Frage, wie bei elektronischen Medien der Abruf einer Informationseinheit, das Anzeigen auf dem Bildschirm und der Ausdruck (von einer Diskette, deren Daten vorher ja auf die Festplatte zu kopieren sind) zu interpretieren sei; ist dies "Verleihen", wie ein Buch von der Bibliothek ausgeliehen wird, oder doch eher "Vermieten"? Es käme, so Dreiers Position, nicht so sehr auf ein künstliches Retten von Begriffen an, sondern auf die mit einer Nutzung verbundenen wirtschaftlichen Sachverhalte. Zu Delikten und Urheberrechtsverletzungen wies er auf das Problem hin, daß es - z.B. im Vertragsrecht - immer darauf ankäme, nach dem Ort zu suchen, wo eine entsprechende Transaktion gelaufen sei, was aber, wenn die Informationen nun ubiquitär werden und örtlich gar nicht mehr verankert werden können?
Ivo Geis, Rechtsanwalt in Hamburg, befaßte sich mit dem "Zivilprozeßrecht" und dort mit dem "beweisrechtlichen Risiko des digitalen Dokumentes in internationalen Netzen". Dieser Vortrag war nun ein intellektuelles Vergnügen für die Schwierigkeiten, die Juristen mit der überkommenen Begrifflichkeit der "Urkunde" (auf Papier) und der "körperlichen Form" haben, und wie diese für elektronische Dokumente umzugestalten bzw. umzubiegen sei - zumindest solange, wie noch keine Regeln für elektronische Dokumente vorliegen. Er ging von dem paradigmatischen Fall aus, daß er mit einem Partner in den USA per E-Mail eine Vertragsnotiz (z.B. über die Qualität einer bestimmten zu liefernden EDV-Anlage) ausgetauscht habe, deren Inhalt aber streitig werde und nun bei Gericht dieses "Dokument" per Bildschirmanzeige oder per Diskette vorzulegen wäre. Wie würde das Gericht wohl entscheiden und welche Chance hätte dieses "Dokument", als Urkunde anerkannt zu werden? Derzeit keine oder zumindest nur eine höchst kleine, denn die E-Mail wäre "Objekt des Augenscheins", unterläge also der "freien richterlichen Beweiswürdigung" und würde mit hoher Wahrscheinlichkeit verworfen, denn es könnte ja - ohne entsprechende, derzeit noch nicht eingesetzte Verfahren - nicht ausgeschlossen werden, daß eine Vertragsseite dieses Dokument nicht nachträglich verändert habe. Auch Geis kommentierte kritisch den Vorschlag der Bundesnotarkammer, der in der Praxis wohl darauf hinauslaufe, daß alle jenen ausgetauschten Dokumente, deren Prozessierung nicht vorher durch eine notarielle Zertifizierung bestätigt worden ist, im Verfahren gegenstandslos sind. Im Endeffekt laufe es darauf hinaus, entweder mit dieser "richterlichen Beweiswürdigung" eben zu leben und es darauf ankommen zu lassen, oder die richterliche Entscheidungskompetenz einzuengen oder auch hinzunehmen, daß alle jene Formen, die mit der Papierurkunde neben der Beweisfunktion früher noch möglich waren, bei einem elektronischen Dokument gegenstandslos werden. "Wir müssen vom Urkundenbegriff runter" - da helfe alles nichts. Zu einigen internationalen Entwicklungen verwies Geis u.a. auf den Utah Digital Signature Act, der es vor allem ermögliche, daß auch nicht-staatliche Stellen die Funktion der "trusted third parties" einnehmen könnten, während er für die deutsche Regelung vermute, daß sie auf eine "Amtspersonen-Lösung" mit besonderer Rolle der Notare hinauslaufe.
Andy Müller-Maguhn vom Hamburger Chaos Computer Club in diesem Kreis sorgsam gewandeter Teilnehmer und Teilnehmerinnen anzutreffen, war denn für mich doch eine gewisse Überraschung, und er sorgte nicht nur nach meinem Eindruck, wie gesprächsweise zu vernehmen war, mit der etwas schnoddrigen Art, aber soliden technischen Kenntnissen für eine gewisse Belebung des Treffens. So zückte er mal eben in der Diskussion, um Schwachstellen bei digitalen Signaturverfahren aufzuzeigen, eine Folie, die er zwei Tage später bei einem Meeting mit Schweizer Banken vorzulegen gedachte. Für mich besonders aufschlußreich waren seine Hinweise auf Sicherheitslücken bei den vorgesehenen Verfahren der digitalen Signatur. Die RSA-Verschlüsselung sei nun "amtlich geknackt" worden und man vermute einen Technologievorsprung (bis zu dem Punkt, daß entsprechende Rechenverfahren allgemein verfügbar werden) von zehn Jahren. Aber - mit solchen Zeitschätzungen habe man sich schon bei der Kodierung der Telefonkarte vertan (tatsächlich waren es dann nur zweieinhalb Jahre), und was nütze dieser Vorsprung, wenn dann große Bereiche der Gesellschaft auf diesen Sicherheitsstandard ausgelegt seien und er dann, eventuell früher als vermutet, hinfällig werde?
Prof. Sieber (Uni Würzburg), nach der Einführung von Geis einer derjenigen, dem man in Deutschland die Modernisierung des Strafrechts zu großen Teilen zu verdanken habe, ging ein auf "Strafrechtliche Verbote in Datennetzen" und auf "Strafprozessuale Verfolgung von Mißbräuchen in Datennetzen". Hier wäre nun wieder über eine Fülle von Material zu berichten, was im vorliegenden Rahmen nicht möglich ist; stattdessen eine allgemeinere Einschätzung: Aufschlußreich waren diese Ausführungen, weil er immer wieder in konkreten Strafrechtsverfahren als Gutachter einbezogen wurde und auch als Rechtsanwalt zahlreiche Verfahren betreut hat und insoweit aus der Praxis berichten konnte. Hier ist vielleicht besonders interessant seine Einschätzung zum aktuellen Fall der Verbreitung pornographischen Materials in Compuserve, zu dem Ermittlungen der Bayerischen Staatsanwaltschaft laufen. Nach einem eingehenden Rechtsvergleich und dem Aufarbeiten bisheriger Rechtsprechung verneint Sieber in einem Gutachten (das demnächst in der Juristen-Zeitung publiziert wird) die strafrechtliche Belangbarkeit von Netzbetreibern. Aber diese Diskussion ist sicher noch nicht zu Ende.
Um die allgemeine Situation des derzeitigen Rechts zu charakterisieren, kann man auch zu drei Metaphern greifen, die im Verlauf der zwei Tage entwickelt wurden: Nach dem Eindruck von Roger Mann (Gruner & Jahr) (und dem vorhergehenden Vortrag von Geis) müsse die Situation des Juristen wie jene eines Mannes in einem dunklen Zimmer erscheinen, der den Lichtschalter suche. Er meine aber, daß derzeit auf vielen Rechtsfeldern eine große Gestaltungsfreiheit herrsche, die man nutzen könne und solle. Müller-Maguhn sponn die Metapher weiter und fragte, ob die Situation nicht eher die eines Zimmers mit vielen Schaltern sei und das Problem darin liege, den richtigen zu finden. Wie man weiß (Blumenberg), erhellen Metaphern eine Sache, aber verdunkeln sie auch. Welches Licht wird mit elektronischen Dokumenten wohl eingeschaltet?
- Von Glanz und Elend expandierender TA -
Rezension von Fritz Gloede, ITAS
1. Der Glanz
Ganz ähnlich wie die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg in diesem Jahr eine "erheblich erweiterte Durchdringung des wissenschaftlichen Netzwerks der TA-Forschungslandschaft" im Lande vorgelegt hat (vgl. den Beitrag von M. Rohr in dieser Ausgabe), präsentiert auch der "Arbeitskreis Technikfolgenabschätzung und -bewertung" (AKTAB)des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) eine gegenüber der ersten Fassung von 1992 "wesentlich vertiefte und ergänzte" Dokumentation aktueller Forschungsarbeiten im Bereich der Technikfolgenabschätzung.
Dabei kann die letztgenannte Veröffentlichung jedoch nicht auf ein geometrisches Wachstum dokumentierter Aktivitäten verweisen wie jene aus Baden-Württemberg. Hat sich dort der Umfang von 623 auf 1108 Seiten gesteigert, konnte das NRW-Pendant nur um 10 % auf 313 Seiten zulegen. Dem entspricht das Verhältnis der jeweils dokumentierten Forschungsprojekte: Handelt es sich in der AFTA-Dokumentation um 722 Studien, begnügt sich die AKTAB-Dokumentation mit deren 205. Interessant ist vielleicht ein Vergleich nach Themenfeldern (s. Tabelle). Augenfällig ist hier, daß in Nordrhein-Westfalen eine stärkere Konzentration auf die Bereiche IuK-Technologien, Umweltschutz und Bio- / Gentechnik vorliegt, während sich die Projekte in Baden-Württemberg gleichmäßiger verteilen und bei den Themen Energie, Land- und Forstwirtschaft, Kreislaufwirtschaft sowie Umwelt gewissen peaks aufweisen. Das beeindruckende Volumen allein in zwei Bundesländern scheint um so bedeutsamer, als in beiden Fällen keineswegs alle gemeldeten Forschungsvorhaben aufgenommen wurden. Während die AFTA in Stuttgart mit einer strengen Auswahlquote von 62,5 % glänzt, übernimmt die NRW-Dokumentation immerhin 78,2 % als "einschlägig" (S. 10).
Themen- Doku. BaWü Doku. NRW Themen-
felder in % in % felder
Energie 10,7 3,6 Energie
Ethik/Normen/Recht 4,2 2,7 Verwaltung
Gesellschaft 4,8 4,5 Diskurs
Grundlagen und Methoden 9,1 1,8 Methoden
der TA
3,6 Weiterbildung
Information und 7,5 19,1 IuK-Technologien
Kommunikation
Kreislaufwirtschaft 10,0
Land- und Forstw 10,5
irtschaft
Medizin und Gesundheit 4,7 6,8 Medizin
Produktion und 5,8 7, 3 Arbeit und Technik
Arbeitswelt
Technologien und 3,0 5,0 Neue
Werkstoffe Fertigungsverfahren
Umw elt 12,0 18,6 Umweltschutz
Verkehr/Stadt/Raum 8,9 6,8 Verkehr
Wirtschaft/Nachhaltige 8,7
En twicklung
10,0 Bio- und Gentechnik
2,3 Regionale
Technikgestaltung
3,2 Transfer
4,5 Andere
Nennungen insgesamt n=722 n=220** Nennungen insgesamt
Tabelle:Verteilung der ausgewählten Projekte nach Themenfeldern*
* Die Themenfelder der beiden Dokumentationen sind nicht unbedingt vergleichbar. Der Technikbereich "Bio- und Gentechnik" z.B. wurde in der AFTA-Dokumentation unter die Problemaspekte subsumiert, in der NRW-Dokumentation hingegen zusammengefaßt.
** Einige der 205 insgesamt gemeldeten Projekte wurden Themenfeldern mehrfach zugeordnet!
Quellen: Dokumentation NRW, S. 11; Dokumentation BaWü, S. 16.
2. Die Expansion
Was aber ist "einschlägig" bzw. "TA-relevant"
für solche Dokumentationen?
Vor nunmehr drei Jahren fürchteten wir an dieser Stelle,
daß dem TA-Gedanken nach seiner Institutionalisierung Gefahr
von seinen Freunden und Förderern drohen könnte. "Gleich
einem auszurollenden Teig wird das ursprüngliche Konzept
dünner und an seinen Rändern unschärfer, bis hin
zu Löchern, die plötzlich aufreissen" (Bechmann
/ Glöde 1993, S. 22). Da hilft es weder, daß die vorliegende
Dokumentation im Zeichen einer "umwelt- und sozialverträglichen
Gestaltung moderner Technologien steht, noch daß der AKTAB
explizit Technikfolgenabschätzung statt -forschung
im Banner führt. Die NRW-Dokumentation, um die es im folgenden
geht, nährt solche Befürchtungen trotz der erwähnten
Auswahl.
Dankenswerterweise legen die Autoren ihr TA-Verständnis explizit offen (S. 7 ff.). Ausgehend von der klassischen Sichtweise, derzufolge TA ein "entscheidungsorientiertes Verfahren" darstellt, das auf eine Entwicklung und Überprüfung von politischen Handlungsoptionen hinausläuft, registrieren sie aufgrund kritischer Diskussionen dieses Konzepts und einer Vielzahl durchgeführter TA-Studien einen Perspektivenwechsel. Demzufolge habe sich das "Selbstverständnis der (!) TA" gewandelt. Da Technikgestaltung nicht mehr (?) sinnvoll als Monopol der Politik oder gar der Legislative gesehen werden könne, müsse sich TA auf eine Vielzahl gesellschaftlicher Akteure (vor allem auch Wirtschaftsunternehmen und normsetzende Verbände) und deren Interaktionen orientieren. Zudem seien neben die TA "weitere Gebiete der Technikforschung getreten" (Technikgenese-, Diffusions- und Folgenforschung).
3. Der Preis des Fortschritts
Die hier resümierte kurze Skizze der Autoren bestätigt programmatisch den festen Willen, den harten Kern des TA-Konzepts zu verflüssigen und "TA-Relevanz" für alle "gestaltenden" Aktivitäten im Prozeß der Technikentwicklung zu reklamieren. Kurz gefaßt: "immer weniger folgenorientiert" und immer "frühzeitiger innovationsorientiert" (S. 9) soll sie sein, die TA. Ich gebe zu bedenken, daß unter solchen Auspizien "Technikfolgenabschätzung" immer schon war. Weder kann so verständlich sein, warum es um die politische Institutionalisierung von TA jemals "langwierige und zähe Diskussionen" gab (S. 9), noch erschließen sich die einstmals diskutierten differentiä specificä zwischen TA und etwa unternehmerischer "Produktfolgenabschätzung" (Schade).
Um solcher Egalisierung den Schein von Modernität zu verleihen werden erkennbar zwei zentrale Argumente angesetzt: erstens das Argument von der Steuerungsunfähigkeit des Staates und zweitens das Argument von der "Reaktivität" der Folgenorientierung bei TA. Mit dem ersten Argument wird die Differenz öffentlicher und privater Interessen (und darauf bezogener Problemformulierungen) verwischt; mit dem zweiten Argument wird gebetsmühlenartig ein Ammenmärchen wiederholt, das keinen zweiten Blick verträgt und bereits vielfach zurückgewiesen wurde (vgl. nur Petermann 1991, Glöde 1991). Den Autoren scheint der Appendix ihres Arbeitskreises, nämlich "Abschätzung", ein Buch mit sieben Siegeln geblieben zu sein. Denn sonst hätte ihnen deren zeitliche Konnotation nicht entgehen können: Abschätzung von Folgen ex ante! Die vorgetragene szientistisch-akademische Deutung, daß Folgenforschung "at the end of the pipe" stehe, also ansetze, wenn Technik bereits "Wirkungen unterschiedlichster Art entwickelt" hat, ist jedenfalls mit dem TA-Konzept nicht verträglich (vgl. auch Glöde/Paschen 1992). Umgekehrt ist mir übrigens kein real existierendes Projekt der Technikgeneseforschung bekannt, das nicht ex post rekonstruiert!
Vor diesem Hintergrund nun läßt die zitierte Entgegensetzung von "innovationsorientierter Gestaltung" statt "folgenorientierter" Abschätzung zwecks Beratung politischer Entscheidungen erkennen, daß die besagte Umdeutung nicht Modernität, sondern Rückkehr bedeutet - Rückkehr zu wirtschaftlich relevanter Innovationsfreude und Risikobereitschaft, wie sie heutzutage zunehmend wieder dem erstaunten Publikum abgefordert wird. Die Begründungen zur Schließung des amerikanischen OTA lassen gut erkennen, was dies praktisch heißt.
4. Das Elend
Wer also vermutet, solche Konzeptdebatten seien praktisch wenig relevant, sieht sich auch beim Blick auf die ausgewählten Projekte und ihre Charakteristika eines besseren belehrt.
Den Angaben der Meldungen entsprechend sehen ca. 76 % der Projekte "die Umsetzung der Forschungsergebnisse" vor, allerdings nur 66 % mit "Gestaltungsoptionen" (14 f.). Beim Blick auf die genannten Adressaten deutet sich bereits an, was damit gemeint sein könnte. Bei durchschnittlich fast 3 gemeldeten Adressatengruppen je Projekt (also insg. 559 Adressatennennungen) entfallen auf die "öffentliche Hand" 16,5 % sowie weitere 14 % auf "Betroffene". Die restlichen knapp 70 % genannter Adressaten stellen sich als Unternehmensleitungen, Technikentwickler und -anwender, Wissenschaft und Verbände dar - die traditionellen Entscheidungsträger der gesellschaftlichen Technikentwicklung also (S. 16). Die inhaltliche Sichtung der Projekte erlaubt schließlich näheren Aufschluß über ihre Ausrichtung und ihr Problemverständnis. Mit Verlaub: Hier sind in hohem Maß Arbeiten versammelt, die dem akademischen "business as usual" entstammen und deren einziger Bezug zu TA es zu sein scheint, daß (auch) irgendein Technikbereich auf irgendeine Weise berührt ist. Solche Arbeiten sind zweifellos legitim und im Einzelfall womöglich "TA-relevant" - aber eines stellen sie sicher nicht dar: eine mehrdimensionale, interdisziplinär erarbeitete Abschätzung von Technikfolgen im Horizont gesamtgesellschaftlicher "Umwelt- und Sozialverträglichkeit"!
Ohne eine systematische Auswertung der Dokumentation beanspruchen zu können, sollen exemplarische Hinweise für Plausibilität sorgen. Die Dokumentation der "Technikfolgenforschung" in NRW beginnt mit einer betriebswirtschaftlichen Erörterung des "Leistungsstands computergestützter Warenwirtschaftssysteme" und deren "Verknüpfung mit dem Handelscontrolling" (S. 29). Sie endet, soweit es um die aufgelisteten Technik(anwendungs)bereiche geht, mit einer ingenieurwissenschaftlichen "Ermittlung" von Energiebedarfen, "energetischen Armortisationszeiten und Erntefaktoren" im Rahmen eines Vergleichs konventioneller mit erneuerbaren Energien (S. 227). Kurzum: Disziplinäre "normal science" und technische Wirkungsforschung bestimmen den Gesamteindruck weit mehr als solche Projekte, die an komplexere gesellschaftliche Problemlagen anknüpfen, dabei zwar solche Forschungsergebnisse nutzen, sie jedoch in den Zusammenhang von Abwägungen zwischen alternativen Problemlösungsoptionen stellen. Bedenkt man, daß Universitäten und Fachhochschulen als durchführende Institutionen der gemeldeten Projekte deutlich überwiegen (nämlich in rund 66 % aller Fälle; in Baden-Württemberg sind es übrigens 59,3 %), nimmt das kaum wunder. Gleichwohl stellt sich die Frage nach den Motiven einer derartigen Auswahl, wo operationalisierte Kriterien schon nicht greifbar sind (hier wird auf den "doppelten Maßstab" von Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung durch "Expertengruppen" verwiesen - vgl. S. 20). Warum müssen etwa gentechnische Arbeiten, deren spezifische politische oder soziale Relevanz nicht erkennbar ist, unbedingt die Seiten füllen? Immerhin sind 12 von insgesamt 22 Projekten dieses Bereichs mit Themenstellungen wie "Bakterielle Schwefeloxidation" (S. 161), "Proteinsekretion und -faltung bei Streptomyceten" (S. 166) oder "Klonierung von Abschnitten des Tumor Supressor Gens APC" (S. 182) zu charakterisieren. Daß, wie Gethmann in der einführenden Bemerkung zur Bio- und Gentechnik feststellt, die "verschiedenen Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Pharmaindustrie, Nahrungsmittelindustrie und Humangenetik (nicht) aufeinander bezogen" seien, kann nur als Umschreibung des Umstands angesehen werden, daß auch hier "interdisziplinäre TA-Projekte" kaum anzutreffen sind (S. 159).
5. Die Funktionen
Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, hier werde symbolische Forschungspolitik betrieben und signalisiert, wie umfassend in der Gesellschaft die Folgen des gestalterischen Wirkens bedacht werden - Folgen, auf die es im Sinne zukunftszugewandter Risikofreude zugleich nicht mehr recht ankommt. So besehen hat die Botschaft der Dokumentation "double bind"-Charakter: Innovationsmanagement by confusion? Welchen weiteren Verlauf dieser Trend noch nehmen könnte, ahnt man, wenn man die Klage des Leiters des AKTAB Georg Simonis vernimmt. Seiner Einschätzung zufolge verhindert die schwache institutionelle Verankerung von Technikfolgenabschätzung und -bewertung (TAB) an den Hochschulen immer noch eine gänzlich "von der Wissenschaft selbstgesteuerte und damit eine sich an selbstgesetzten Kriterien orientierende (...) Weiterentwicklung der noch jungen 'Disziplin' TAB" (Simonis 1995, S. 10). Oder wird hier etwa nur aus der politischen Not (Eliminierung des Landtagsausschusses "Mensch und Technik") die Tugend wissenschaftlicher Selbstreferenz gemacht? Ich kann an dieser Stelle jedenfalls nur wiederholen, was ich vor 5 Jahren als Implikation eines szientistischen TA-Verständnisses bezeichnet habe: nämlich einen "anarchischen Pluralismus wissenschaftlicher Begutachtungen, die (...) komplexen Problemzusammenhängen nur zufällig entsprechen dürften und für beratungssuchende Politiker ebenso funktional wären wie ein informationelles Chaos - je nach Situation entweder lähmend oder ausgesprochen hilfreich" (Glöde 1991, S. 130).
Da bleibt abschließend nur zu hoffen, daß die Erarbeitung der vorliegenden Dokumentation immerhin eines ihrer Ziele erreicht: "die aktive Förderung der Kommunikation zwischen den beteiligten Wissenschaftlern" (S. 3).
Literatur
Bechmann, G./Gloede, F.: TA - Gegen seine Liebhaber verteidigt. In: TA-Datenbank-Nachrichten Nr. 2, 2. Jg., Juni 1993, S. 22-29)
Gloede, F.: Rationalisierung oder reflexive Verwissenschaftlichung? In: Petermann, Th. (Hrsg.), Technikfolgenabschätzung als Technikforschung und Politikberatung. Frankfurt 1991, S. 121-149.
Gloede, F./Paschen, H.: Technikfolgen-Abschätzung und Technikfolgenforschung. In: BMFT (Hrsg.), Perspektiven und Aspekte der Technikfolgenforschung. Düsseldorf 1992, S. 20-40.
Petermann, Th.: Weg von TA - aber wohin? In: Petermann, Th. (Hrsg.) 1991 (s.o.), S. 271-298.
Simonis,. G: Stärken, Schwächen und Perspektiven der Technikfolgenabschätzung in NRW. In: AKTAB (Hrsg.), Perspektiven des AKTAB des Landes Nordrhein-Westfalen, Hagen 1995, S. 1-17.
Bibliographische Angaben
Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Technikfolgen. Forschung Dokumentation 1995.
Bezug über
Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen
- Pressereferat und Referat IV A 7 -
Völklinger Straße 49
D-40221 Düsseldorf
Tel.: 0211/896-4250
Rezension von Jürgen Kopfmüller, ITAS
Durch Menschen verursachte Umweltveränderungen treten in regionaler und zunehmend auch globaler Ausbreitung auf. Insbesondere Letztere stehen seit einiger Zeit im Mittelpunkt der umweltpolitischen Diskussion wie auch des Forschungsinteresses. Die gerade hier häufig sehr langfristigen Wirkungsketten und komplexen Zusammenhänge - sowohl was die physikalisch-chemisch-biologischen Prozesse, die sozioökonomischen Faktoren wie auch deren Wechselwirkungen untereinander anbelangt - haben zur Folge, daß wissenschaftliche Aussagen und Empfehlungen für die Politik oft unter dem Vorbehalt der Unsicherheit stehen.
Mit dem vorliegenden Buch, das sich laut Umschlagstext vor allem an Wissenschaftler und fortgeschrittene Studenten wendet, wollen die Herausgeber Bedeutung und Problemdimensionen langfristiger (globaler) Umweltveränderungen deutlich machen sowie exemplarische Lösungsansätze skizzieren. Dafür konnten sie verschiedene mit dem Bereich Umweltforschung befaßte Wissenschaftler der Freien Universität Berlin gewinnen, aus Sicht ihrer jeweiligen Fachdisziplin bestimmte Themenbereiche zu behandeln. Ursprünglicher Anlaß für die vorgelegten Beiträge war eine Vorlesungsreihe 1993/94 zur Vorstellung der umweltbezogenen Forschung und ihrer Ergebnise an der FU gewesen.
Im ersten Teil des Bandes werden aus naturwissenschaftlicher Sicht ausgewählte Problembereiche und dort vorhandene methodologische Schwierigkeiten behandelt. Zunächst betrachtet J. Bolle die globalen Süßwasserkreisläufe, die regionale Wasserverteilung sowie die Möglichkeiten und Probleme bei der Analyse natürlicher und anthropogener Einflüsse hierauf bzw. deren Unterscheidung. K. Labitzke befaßt sich in ihrem Beitrag mit den meteorologischen Aspekten des Ozonproblems, den komplexen chemischen Prozessen des Abbaus der Ozonschicht über der Antarktis und den Maßnahmen zur Reduktion der verursachenden Substanzen. R. Furrer berichtet über Zweck, Methoden und gewinnbare Informationen von Erdfernerkundungssystemen für globale Bestandsaufnahmen. In zwei weiteren Beiträgen von H. Malberg und G. Weigmann geht es um stadtökologische Aspekte: Der erste behandelt die Besonderheiten und anthropogenen Einflußfaktoren des modernen Großstadtklimas; der zweite setzt den Schwerpunkt auf einer Betrachtung der Unterschiede des "Ökosystems Stadt" als Konzentrationspunkt anthropogener Stoff- und Energieströme im Vergleich zu natürlichen Ökosystemen sowie den vor diesem Hintergrund denkbaren Möglichkeiten einer ökologischen Stadtentwicklung im Sinne einer Abkehr von Stoffdurchflußsystemen hin zu Kreislaufsystemen.
Die sozialwissenschaftliche Sichtweise wird dann im zweiten Teil mit zwei juristisch orientierten Beiträgen eingeleitet. Zunächst befaßt sich P. Kunig mit den schon existierenden sowie künftig erforderlichen rechtlichen Ansätzen einer Stoffstrompolitik u.a. für den Abfallbereich. Im Mittelpunkt steht hier die Frage, an welchem Punkt der produktiven Wertschöpfungskette zwischen Materialgewinnung und Produktlebensende welche Regelungen mit welchen Folgen ansetzen können. F.-J. Peine konzentriert sich dann in seinem Beitrag auf die Altlastenproblematik, ihre Besonderheiten aufgrund des per se nachsorgenden Regelungscharakters sowie die bisherige Entwicklung des Altlastenrechts in den verschiedenen Gebietskörperschaften und im Hinblick auf die Entwürfe des geplanten Bodenschutzgesetzes sowie des Umweltgesetzbuches.
M. Jänicke nimmt dann eine wesentlich breitere Perspektive ein, indem er Betrachtungen zu Begriff, Indikatoren, Erfordernissen, Ansätzen und Maßnahmen einer ökologischen Ressourcenpolitik anstellt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Sustainability-Debatte hebt er vor allem die Bedeutung geeigneter Indikatoren hervor, weist aber zugleich auf die an einigen Länderbeispielen aufgezeigten Datenlücken sowie Stoffakkumulations- und -wechselwirkungsproblematiken hin, die die Suche nach solchen Indikatoren sowie ihren Einsatz erschweren. Mit Blick auf konkrete Maßnahmen betont er schließlich die Notwendigkeit einer Modernisierung der Politik im Sinne des Einsatzes neuer Steuerungsmechanismen zur Realisierung einer ökologischen Modernisierung der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der internationalen Klimaschutzdiskussion vergleicht dann L. Mez das dänische mit dem aktuell diskutierten deutschen klimapolitischen Instrumentarium. Dabei geht er auf die generellen Erfordernisse ("Effizienzrevolution") und zugleich die wesentlichen strukturellen Hindernisse ihrer Umsetzung wie gewachsene Machtlagen und institutionelle Gegebenheiten ein. Auf der Akteursebene der Unternehmen befaßt sich im Anschluß daran M. Stitzel mit deren Möglichkeiten und Grenzen, Initiator einer ökologischen Umorientierung sein zu können. Ausgangspunkt ist dabei die These, daß Unternehmen generell gute Voraussetzungen für aktiv umweltverträgliches Handeln besitzen und daß sich Staat und Unternehmen für eine Politik zur ökologischen Umorientierung ergänzen müssen. Er untersucht das diesbezügliche unternehmerische Potential anhand der drei Ebenen der kurzfristigen Ertrags- und Kostenorientierung, der strategischen Orientierung sowie der Unternehmensethik mit dem Ergebnis, daß eine solche Umorientierung des synergetischen Zusammenwirkens aller drei Ebenen bedarf, da jede für sich isoliert zu kurz greift und an den Realitäten scheitert.
Vor allem die globalen Wirtschaftsverflechtungen und die Verteilung von ökologischen und finanziellen Ressourcen stehen im Mittelpunkt des Beitrags von E. Altvater. Angesichts der Entwicklung dieser Verflechtungen gerade zwischen "Rohstoffländern" und "Industrieländern" sieht er die zentralen Punkte künftiger internationaler Umweltregime in der Frage, welche Rolle Preise und Weltmärkte spielen bzw. welche Entscheidungssouveränitäten den Nationalstaaten innerhalb solcher Regime verbleiben. Eine ebenfalls globale Fragestellung behandelt M. Nitsch - allerdings auf der regionalen Ebene - mit der instrumentellen Debatte um die Tropenwaldproblematik, indem er die jüngste Praxis der sogenannten "Zonierung" in einer brasilianischen Region, d.h. der Einteilung eines bestimmten Gebietes in Zonen unterschiedlicher Nutzungsintensität (von Siedlungsgebieten bis zum geschützten Primärwald) analysiert. Er kommt allerdings zu dem Ergebnis, daß der erste Anschein eines erfolgversprechenden Wegs zu einer nachhaltigen Regenwaldnutzung bei genauerem Hinsehen verblaßt und sogar intensiver werdende Nutzung oder weniger Naturschutz nicht auszuschließen sind.
In zwei weiteren Beiträgen steht das Thema Umweltbewußtsein im Zentrum. Zunächst erläutert G. de Haan anhand empirischer Studien, daß sich ein linearer Zusammenhang zwischen den drei Komponenten Umweltwissen, Umweltbewußtsein und Umweltverhalten nicht nachweisen läßt und skizziert einige sich daraus ergebende Konsequenzen für Politik und Bildung. E. Hoff und T. Lecher stellen im Anschluß daran die Frage nach der Relevanz von Umweltbewußtsein in der Arbeitspsychologie bzw. generell im Arbeits- und Berufsleben, benennen einige wesentliche Defizite der bisherigen Umweltbewußtseinsforschung und stellen verschiedene Kategorien einer Systematisierung in bezug auf qualitativ unterschiedliche ökologische Bewußtseinsstrukturen vor, auf deren Basis nicht zuletzt Handlungsanleitungen für die Politik gegeben werden können.
Die beiden letzten Beiträge kreisen schließlich um das Thema Risiko und Unsicherheit. J. Conrad beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Unsicherheit, Risikopolitik und Technikentwicklung bzw. -politik und seiner Bedeutung für die Umweltpolitik. Er zeigt die politischen Optionen und Relevanzen auf, die infolge der modernen Gesellschaften inhärenten wachsenden Entscheidungsunsicherheit gerade bei Umweltfragen sowie infolge differenzierterer und größerer Risiken durch die Zunahme technologischer Optionen zu beachten sind. Den Abschluß dieses Bandes bildet der Beitrag von D. Böhler, der sich mit der Frage befaßt, welche Hilfestellungen Philosophie und Ethik für umweltpoltiche Handlungsorientierungen bieten können. Ebenfalls ausgehend von den Unsicherheitsbedingungen des Umwelthandelns, den sehr begrenzten Prognosemöglichkeiten und den modernen Risikopotentialen schlägt er für eine durch Technikfolgenabschätzung, Gesetze und Diskursprozesse unterstützte Institutionalisierung von Zukunftsverantwortung letztlich das zentrale Kriterium "in dubio contra projectum" vor.
Mit der Vielzahl der zusammengetragenen Beiträge vermittelt der vorliegende Band ohne Zweifel einen recht guten Eindruck von einigen Ursachen und Folgen verschiedener Umweltproblembereiche, von den unterschiedlichen Ansätzen und Problemen des wissenschaftlichen Umgangs mit ihnen sowie von den Konsequenzen daraus für Entscheidungen in bzw. Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Leser erhält einen Eindruck von theoretischen und praktischen Untersuchungsansätzen in verschiedenen Fachrichtungen. Im Hinblick auf den Anwendungsbezug der Umweltforschung stellen die drei Herausgeber in ihren einleitenden Bemerkungen - zu recht - vor allem drei Punkte in den Mittelpunkt: Erstens die Dilemmata der Wissenschaft zum einen zwischen unsicheren Aussagen und den Erwartungen der Öffentlichkeit in Richtung rascher und verläßlicher Entscheidungshilfen, zum anderen zwischen der "klassischen" Wertabstinenz der Wissenschaft und dem gesellschaftlichen Beratungs- und damit auch Bewertungsbedarf. Zweitens die in allen Disziplinen begrenzten Möglichkeiten, mit notwendigerweise komplexitätsreduzierenden, aber dennoch häufig verwendeten, modell-analytischen Methoden die Realität und ihre Entwicklung abbilden und untersuchen zu können. Drittens die Notwendigkeit, die einzelnen disziplinären wissenschaftlichen "Teilwelten" für sich genommen und vor allem in ihren Beziehungen zueinander zu verstehen und zu nutzen. Daher wird heute umfassende Interdisziplinarität zunehmend als wesentlicher Eckpfeiler wissenschaftlicher Handlungsempfehlungen unter Unsicherheitsbedingungen eingeschätzt.
Leider finden sich jedoch diese drei Aspekte in den Beiträgen dieses Bandes nicht mehr in entsprechender Weise wieder. Auf der einen Seite sind sicherlich manche Ausführungen gemessen an ihrem Thema ziemlich komprimiert bzw. knapp ausgefallen, mit der Folge, daß bestimmte Aspekte nicht oder nur andeutungsweise behandelt werden und der Blick über den eigenen thematischen und vor allem den disziplinären Tellerrand selten stattfindet. So spielt beispielsweise bei den Betrachtungen über Unternehmen als mögliche Initiatoren ökologischer Umorientierung ausschließlich die Perspektive der Unternehmen selbst und ihrer verschiedenen internen Entscheidungskriterien eine Rolle, ohne etwa die dafür wichtigen Wechselwirkungen mit und Abhängigkeiten von politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Präferenzen zu thematisieren. Ähnliches gilt für die Ausführungen zu den rechtlichen Ansätzen der Regulierung von Stoffströmen, in denen der Konnex zu naturwissenschaftlichen Aspekten (z.B. das Problem unterschiedlicher Stoffeigenschaften und deren Bewertung) oder ökonomisch-politischen Fragestellungen - beides erfahrungsgemäß im Gesetzgebungsprozeß von erheblicher Bedeutung - zu undeutlich bleibt. Schließlich wird in dem Beitrag zur Klimaschutzpolitik in dem zentralen Punkt der Maßnahmen und Instrumente zu wenig sowohl auf die Möglichkeiten und Probleme der einzelnen Instrumente als auch auf andere, die potentielle Wirksamkeit klimapolitischer Strategien beeinflussende Faktoren wie bestimmte Konflikte zwischen Akteuren und Themen oder die Wahrnehmung und Verarbeitung der Klimathematik in der Gesellschaft eingegangen. All diese Reduzierungen mögen der Zielsetzung der Herausgeber, ein möglichst breites (universitäres) Publikum ansprechen zu können und ihrem Wunsch, den Umfang des Bandes in Grenzen zu halten, zuzuschreiben sein. Potentielle Nutzanwender, die die vorgelegten einzelwissenschaftlichen Bausteine zu einem integrierten interdisziplinären Ansatz zusammenfügen wollten, bleiben jedoch in diesem Bemühen ziemlich alleingelassen, zumal die Beiträge auch bis in die Sprache hinein der jeweiligen Disziplin weitgehend verhaftet bleiben, wie die Herausgeber auch selbst einräumen.
Auf der anderen Seite ist es aber auch leider versäumt worden, diesen zunächst weitgehend unverbundenen einzelnen Beiträgen quasi einen übergeordneten Beitrag hinzuzufügen, in dem versucht wird, sowohl die Essenzialität fach- und themenübergreifenden Denkens in der Umweltforschung zu vermitteln als auch die Möglicheiten und Schwierigkeiten seiner Realisierung zumindest anzudeuten und zu thematisieren. Anhand etwa der Klimaproblematik könnte dies sehr schön gezeigt werden. Sie ist ein herausragendes Beispiel für einen weit in sämtliche gesellschaftliche Bereiche hineinragenden Problembereich und für die Notwendigkeit gemeinsamer natur- und sozialwissenschaftlicher Untersuchungen. Vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen kann hier einiges gesagt werden zu den Grenzen klima- bzw. naturwissenschaftlicher Modellrechnungen, zur Rolle der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Klima, seiner Änderung und den Folgen, zu adäquateren Methoden des Umgangs mit natur- und sozialwissenschaftlichen Unsicherheiten und schließlich auch dazu, wie all dies in Wechselwirkung zu Möglichkeiten und Hemmnissen konkreter Handlungsstrategien steht. Genau diese Wechselwirkungen und Zusammenhänge sind es, die den entscheidenden Kern der Klimaproblematik ausmachen und angemessenes Handeln in Forschung und Politik erfordern.
Prinzipiell ähnliche Zusammenhänge - wenn auch in durchaus unterschiedlicher Gewichtung und Intensität - gelten für viele andere Umweltproblembereiche. Als Fazit ist daher festzuhalten: Gemessen an der Themenstellung - "Umwelt global - Veränderungen, Probleme, Lösungsansätze" - sowie an den heute schon bekannten und diskutierten Erfordernissen wurde in dem hier vorliegenden Band ein wichtiger Schritt bei der Behandlung des Themas nicht gemacht. Er verbleibt häufig auf der Ebene partialanalytischer Betrachtungen. Die einzelnen Puzzlestücke sind zwar jeweils geformt, aber nicht zu einem Gesamtbild zusammengesetzt worden. Damit wird sein zweifellos potentiell vorhandener Nutzanwendungswert gerade im Hinblick auf "Lösungsansätze" entsprechend reduziert.
Bibliographische Angaben
M. Jänicke; H.-J. Bolle; A. Carius (Hrsg.): "Umwelt global. Veränderungen, Probleme, Lösungsansätze". Berlin: Springer Verlag, 1995. ISBN 3-540-58018-2.
STI - SCIENCE TECHNOLOGY INDUSTRY REVIEW: No. 17, Special Issue on Government Technology Foresight Exercises, OECD 1996, 195 p. (DM 88,--/US$ 55,.--) ISBN 92-64-14718-7; ISSN 1010-5247
Under the ägis of the OECD Committee for Scientific and Technological Policy (CSTP), the Working Group on Innovation and Technology Policy organised an ad hoc meeting of experts to discuss recent government technology foresight exercises on 14 September 1994. Presentations were given by representatives from Australia, France, Germany, Japan, The Netherlands and the United Kingdom. In addition, the OECD prepared a list of questions on key issues in technology foresight to help structure the discussion.
A brief report of the meeting and expanded and updated versions of the presentations are contained in Issue No. 17 of the STI Review which is published twice yearly on the responsibility of the Secretary-General of the OECD.
This report of the OECD meeting first sets out a definition of "technology foresight" and briefly reviews the history and the lessons which emerge from previous international reviews of foresight. The six national presentations made at the OECD meeting are then summarised. These national experiences are analysed to address certain key questions on foresight. For example, why do governments engage in technology foresight? What lessons emerge from the history of foresight? What are the different methodologies used? What are the strengths and weaknesses of Delphi surveys? How reliable are the results? How should industry be involved? Is there scope for international collaboration in technology foresight. And what effect will foresight have in international cooperation or competition?
A number of conclusions emerged from the meeting. The first is that there is wide-spread and growing recognition that technology foresight represents a useful tool to aid decision-making in relation to technology policy, whether at the national level or at a more micro-level. Secondly, no individual foresight approach is perfect. Each has its own strengths and weaknesses. A third and closely related conclusion is that individual countries may adopt quite different approaches, depending, for example, on the size and nature of their economies. Fourthly, most participants at the meeting were doubtful as to whether a multi-country foresight exercise was desirable, at least at this stage. This is partly because no single, universal foresight approach is possible, and partly because different countries have widely varying objectives and needs in relation to technology foresight. Finally, with the number of countries experimenting with technology foresight now quite large, some mechanism is required to promote the regular interchange of ideas, experiences, problems and lessons.
The report concludes with some recommendations as to what the OECD and the Working Group might consider doing next. The first is that OECD could organise another meeting on technology foresight in 12-18 months. Secondly, participants at the ad hoc meeting and OECD officials should convey to CSTP members the consensus view that the meeting was very valuable. Thirdly, OECD could act as a central clearing house for information on technology foresight. Fourthly, OECD might also assume a "marriage broker" role, where a country seeks to collaborate with others. Finally, OECD might create an electronic bulletin board on technology foresight, overseeing its operation and publicising its existence.
The report can be ordered from
OECD Publications
2, rue Andr_e-Pascal
F-75775 Paris, Cedex 16
Tel.: + 33-1-45/248200
Fax: + 33-1-49/104276
Internet: Compte.PUBSINQ@öcd.org
or the main sales outlets of OECD publications, i.e. for Germany:
OECD Publications and Information Centre
August-Bebel-Allee 6
D-53175 Bonn
Tel.: 0228/959 120
Fax: 0228/9591217
VERBUND SOZIALWISSENSCHAFTLICHE TECHNIKFORSCHUNG (Hrsg.):
Soziale und Organisatorische Entwicklungsprozesse von elektronischen
Informations- und Kommunikationssystemen. Berichte aus den Verbundprojekten.
Köln, 1996: Verbund Sozialwissenschaftliche Technikforschung,
Mitteilungen Heft 17, April 1996.
Neben der Ankündigung der Herbsttagung des Verbundes Sozialwissenschaftliche Technikforschung und einer kurzen Notiz mit Neuigkeiten vom EU-Programm COST A-4, enthält diese Ausgabe der Mitteilungen drei Beiträge zu Projekten im Bereich Neue Medien und Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Einleitung zu dem Band gibt eine kurze inhaltliche Darstellung der einzelnen Beiträge:
Empirischer Gegenstand des ersten Beitrages von Herbert Kubicek und Ulrich Schmid "Alltagsorientierte Informationssysteme als Medieninnovation - Konzeptionelle Überlegungen zur Erklärung der Schwierigkeiten, 'Neue Medien' und 'Multimedia' zu etablieren" sind die computergestützten Informationssysteme. Mit einem Konzept der Institutionalisierung neuer Medien wird der evolutionäre Diffusionsprozeß rechnergestützter Informationssysteme analysiert. Neben der technischen Standardisierung der neuen elektronischen Informations- und Kommunikationssysteme wird ein inhaltlicher und sozialer Abstimmungsprozeß zwischen den Nutzer- und Anbietergruppen benötigt, damit mediale Innovationen sich als Massenmedien etablieren können.
Der Beitrag von Erhard Tietel, Brigitte Scherer und Thomas Leithäuser "Technikbilder und Organisationsbilder - Die Bedeutung von Technik- und Organisations(leit)bildern in Aushandlungs- und Lernprozessen bei der Einführung rechnergestützter Betriebsleitsysteme in Betrieben des Öffentlichen Personennahverkehrs" zeichnet die Einführung von rechnergestützten Betriebsleitsystemen in Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs nach. Die beobachteten Aushandlungs und Lernprozesse orientieren sich an dem Leitbild einer "sozialverträglichen Technikgestaltung". Es wird aufgezeigt, wie die Mitarbeiter des ÖPNV in betrieblichen Diskursen die Technikentwicklung mitbeeinflussen und selektieren. Zugleich eröffnet die Technikimplementation weitere Möglichkeiten für den organisatorischen Umbau der Unternehmen, was wiederum Rückwirkungen auf die innerbetriebliche Technikdiskussion beinhaltet.
Elektronische Informations- und Kommunikationssysteme sind auch Gegenstand des Beitrages von Rainer Ollmann und Bernd Meisheit "Stabilität und Wandel von Kommunikationsstrukturen im Kontext technisch-organisatorischer Innovationsprozesse". Neuen Telekommunikationsanwendungen werden Potentiale für Verkehrssubstitution zugesprochen. Zur Ausschöpfung dieser Potentiale werden kooperative Organisations- und Arbeitsstrukturen benötigt. Unter Bezug auf Fallstudien werden die Anpassungs- und Strukturierungsprozesse innerhalb und zwischen den Organisationen analysiert, um die sektoralen und technischen Voraussetzungen zu bestimmen. Dabei zeigt sich, daß die Substitutionseffekte um so umfassender sind, je mehr die elektronische Kommunikation als strategisches Instrument zur Reorganisation eingesetzt wird.
Bezug
Koordinationsstelle des Verbunds Sozialwissenschaftliche Technikforschung
z.Hd. Bernd Meisheit
c/o Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung
Lothringer Straße 78
D-50677 Köln
Tel.: 0221 - 336 05-23
Fax: 0221 - 336 05-55
E-Mail: meisheit@mpi-fg-köln.mpg.de
BUNDESMINISTERIUM FUER BILDUNG, WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND TECHNOLOGIE (BMBF): Langfristige Perspektiven technischer und gesellschaftlicher Entwicklung in Deutschland - Visionen für die Forschungs- und Technologiepolitik -. (Beiträge zur Zukunft von Technik und Gesellschaft; Bd. 1). Düsseldorf: VDI-Technologiezentrum, Dezember 1995.
Wer in dieser vom VDI-Technologiezentrum Düsseldorf für das BMBF herausgegebenen Broschüre eine Darstellung der Zukunftsvisionen des Zukunftsministeriums erwartet, wird zunächst enttäuscht sein, denn die Broschüre enthält die Beiträge verschiedener Wissenschaftler zu einem vom BMBF am 22.12.1994 veranstalteten Fachgespräch sowie eine zusammenfassende Darstellung der Fachgespräche.
Im Vorwort von Bundesminister Rüttgers wird u.a. aufgeführt: "In der hier vorgelegten Dokumentation wird in Form eines Werkstattberichtes über einen Versuch einer möglichen Annäherung an die Zukunft berichtet. Zwischen die Scylla der technokratischen Fortschreibung bekannter technologischer Linien und die Charybdis unverbindlicher und beziehungsloser gesellschaftlicher Wunschszenarien gestellt - hat das BMBF Wissenschaftler gebeten, aus ihrer Sicht der Dinge langfristige Entwicklungen zu skizzieren, aus denen sich politischer Handlungsbedarf ergeben kann."
Die Dokumentation enthält dabei die folgenden Beiträge:
Bernd Guggenberger
Soziale und politische Probleme in der von Wissenschaft und
Technik bestimmten Welt von morgen.
Josef Huber
Sieben Kernpunkte der sozialen und ökonomischen Modernisierung
in Deutschland.
Meinhard Miegel
Mittel- und langfristige Perspektiven von Wirtschaft und Gesellschaft.
Hans Mohr
Perspektiven einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung
in Deutschland.
Richard Münch
Entwicklungstendenzen in der modernen Gesellschaft an der
Schwelle zum 21. Jahrhundert - Anforderungen an die Forschungs-
und Technologiepolitik.
Ernst Ulrich von Weizsäcker
Der Faktor Vier - Langfristige Perspektiven technischer und
gesellschaftlicher Entwicklung in Deutschland.
Waldemar Baron
Zusammenfassende Darstellung des Fachgespräches am 22.12.1994
im Wissenschaftszentrum Bonn.
Diese Publikation bildet den Auftakt des BMBF zu einer Schriftenreihe "Beiträge zur Zukunft von Technik und Gesellschaft", die in den nächsten Monaten in loser Folge erscheinen und zur öffentlichen Diskussion wichtiger Zukunftsfragen anregen soll.
UWE PFENNING / DIETER URBAN / VOLKER WEIS: Handbuch zur empirischen Erhebung von Einstellungen/Kognitionen zur Bio- und Gentechnologie. Schriftenreihe des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart (SISS) No. 4/1995.
Das vorliegende Handbuch dokumentiert den gegenwärtigen Forschungsstand zur empirischen Erhebung und Messung von Einstellungen bzw. Kognitionen gegenüber Anwendungen der modernen Bio- und Gentechnologie. Auf über 730 Seiten sind über 590 Operationalisierungen, Frageformulierungen und Skalen von 70 nationalen und internationalen Studien erfaßt. Soweit verfügbar sind auch einfache beschreibende Kennwerte wie Häufigkeitsverteilungen oder Mittelwerte zu den einzelnen Fragen und Skalen aufgeführt. Erfaßt wurden Studien bis zum Erhebungsjahr 1995.
Die Forschungsfragen und Skalen sind zunächst nach den Bereichen Forschung und Technologie allgemein, Bio- und Gentechnologie allgemein, humangenetische Anwendungen sowie agrarwirtschaftliche Anwendungen gegliedert. Hierbei wird für die Dimensionen der humangenetischen und agrarwirtschaftlichen Anwendungen nochmals nach mehreren Subdimensionen unterschieden. Dies sind für die Humangenetik die Bereiche des diagnostischen Einsatzes (Gentest, pränatale Diagnostik, Genetic-Screening), der Gentherapie (pränatale Anwendungen und Fortpflanzungsmedizin) und der Herstellung von Pharmazeutika.
Für die Dimension agrarwirtschaftlicher Einsatzmöglichkeiten der Bio- und Gentechnik wird unterschieden in Anwendungen bei Nutztieren, Nutzpflanzen und Mikro-Organismen (inklusive ökologischer Anwendungen).
Neben Meßinstrumenten zur Erhebung von anwendungsspezifischen Einstellungen finden sich im Handbuch auch die Texte zu bilanzierenden Fragestellungen sowie wirtschaftsbezogenen Einschätzungen der Bio- und Gentechnologie, womit interessante Vergleiche zwischen bilanzierenden und differenzierenden Erhebungsweisen ermöglicht werden.
Die von den Autoren geleistete Systematisierung der Forschungsfragen und Skalen klassifiziert jede Frage nach drei kognitiven Meßdimensionen: der Vermittlung von Informationen (und den damit verbundenen Informationszugängen), der Erhebung subjektiven Wissens sowie die Erfassung von Perzeptionen und Bewertungen.
Zudem klassifizieren die Autoren alle Meßinstrumente danach, ob diese Themen der gesellschaftlich-institutionellen Nutzung/Akzeptanz oder der individuell vollzogenen Nutzung/Akzeptanz ansprechen. Damit wird unterschiedlichen Verwendungsbereichen und Betroffenheitslagen in der Bevölkerung entsprochen.
Im Handbuch finden sich auch ausführliche Studienbeschreibungen mit Angaben über Zeitpunkte und Form der Erhebung, Studienträger, Autoren, Stichprobendesign und Konzeptualisierung (z.B. ob qualitative und quantitative Ansätze verwendet wurden, welche Inhalte die Forschungsschwerpunkte der Studien bildeten usw.).
Das Handbuch wird als gedruckte Vollversion mit Diskette zum Preis von 70,-- DM zzgl. Portokosten und als Kurzversion zum Preis von 15,-- DM vertrieben. Diese Kurzversion beinhaltet neben der Systematisierung der Klassifikation eine komplette Diskettenversion des Handbuchs, die es dem Bezieher ermöglicht, einen Ausdruck des Handbuchs zu erstellen.
Für Ende 1997 ist eine aktualisierte Fortschreibung der Studien, die nach Mitte 1995 durchgeführt wurden, vorgesehen.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an
Universität Stuttgart
Institut für Sozialforschung
Prof. Dr. Dieter Urban
Keplerstraße 17/KII
D-70174 Stuttgart
Tel.: 0711/121-3578
Fax: 0711/121-2768
E-mail: durban@po.uni-stuttgart.de
LEONHARD HENNEN, THOMAS PETERMANN, JOACHIM J. SCHMITT: Genetische Diagnostik - Chancen und Risiken. Der Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung zur Genomanalyse. Berlin: Edition Sigma, 1996. DM 39,--. ISBN 3-89404-406-3
Wissenschaftliche Anstrengungen zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms und die Entdeckung von Genen, die für verschiedene Krankheiten oder auch für menschliche Charaktereigenschaften verantwortlich sein sollen, machen schon seit einigen Jahren Schlagzeilen. Zwar erweisen sich manche spektakulären Erkenntnisse als voreilig und bleiben wissenschaftlich umstritten. Gleichzeitig haben aber zuverlässige genetische Tests - vor allem zur Detektion von Veranlagungen für Erbkrankheiten - bereits Einzug in die medizinische Praxis gehalten. Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge und der humangenetischen Beratung sind Gentests bereits weit verbreitet. Auch der sogenannte genetische Fingerabdruck wird bei Strafverfahren zur Überführung von Straftätern genutzt. Gegenstand kritischer Diskussionen ist die sich abzeichnende Möglichkeit der Nutzung genetischer Tests durch Versicherungen, um das Erkrankungsrisiko von Versicherungsnehmern (und davon abhängig die Höhe der Versicherungsprämie) besser zu kalkulieren. Die Möglichkeiten der Nutzung von Gentests am Arbeitsplatz zur Identifikation von Arbeitnehmern mit einer genetisch bedingten erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Schadstoffen geben Anlaß zur Befürchtung einer genetischen Selektion von Belegschaften.
Im Auftrag des Deutschen Bundestages und mit dem Ziel der Unterstützung des Gesetzgebers bei anstehenden parlamentarischen Beratungen führte das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) ein TA-Projekt zum Stand der Nutzung genetischer Tests und den sich für die Zukunft abzeichnenden Anwendungsmöglichkeiten durch. Der 1993 vorgelegte Bericht des Büros an den Bundestag thematisiert darüber hinaus die absehbaren Chancen und Risiken einer zu erwartenden Ausweitung der Nutzung genetischer Tests in den verschiedenen Anwendungsfeldern, wirft einen kritischen Blick auf die heutige Testpraxis (insbesondere im Bereich der pränatalen Diagnostik) und skizziert die Debatte über ethische Fragen und gesellschaftliche Folgen. Die Untersuchung des TAB befaßt sich schließlich auch mit der Frage der Notwendigkeit und Möglichkeit rechtlicher Eingriffe.
Der Bericht wird nun einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist weitgehend unverändert - in einigen Teilen aktualisiert - wiedergegeben. Auch haben sich die Autoren des Berichts für diese Publikation entschlossen, dem Text einige über den Bericht hinausgehende Überlegungen voranzustellen. Der für diese Veröffentlichung geschriebene Essay "Genetische Diagnostik - (k)ein Politikum" verdeutlicht sowohl den Kontext der gesellschaftlichen Debatte über genetische Tests wie auch den Kontext der politischen Behandlung des Themas, vor deren Hintergrund der Bericht zu lesen ist. Dem Leser wird damit die Einordnung der im Bericht getroffenen Aussagen über mögliche Folgen einer expandierenden Testpraxis sowie der erörterten ethischen Probleme und diskutierten politischen Handlungsoptionen erleichtert. Darüber hinaus wird der enormen wissenschaftlich-technischen Entwicklungsdynamik, die die Anwendung des Programms der synthetischen Biologie auf den Menschen kennzeichnet, Rechnung getragen und zumindest exemplarisch auf neue wissenschaftliche Trends hingewiesen.
(T.P.)
THOMAS PETERMANN, ARNOLD SAUTER: TA-Monitoring "Stand der Technikfolgen-Abschätzung im Bereich der Medizintechnik". TAB-Arbeitsbericht Nr. 39, April 1996.
Die Nutzung alter und neuer Technologien in der Medizin müßte eigentlich ein bevorzugter Gegenstand von TA-Aktivitäten sein. Wie in einem Brennglas bündeln sich hier als revolutionär etikettierte technische Entwicklungen, gesellschaftliche Hoffnungen und Befürchtungen, manifeste materielle Interessen und ungeklärte ethische Fragen. Stete Begleiter kontinuierlicher Modernisierungsprozesse und überraschender Entwicklungssprünge sind interessierte Medien, politische Debatten und gesellschaftliche Kontroversen.
Wie also steht es mit den TA-Aktivitäten in diesem Themenbereich? Einige Antworten liefert der vor kurzem als TAB-Arbeitsbericht Nr. 39 ("Stand der Technikfolgen-Abschätzung im Bereich Medizintechnik") erschienene Abschlußbericht zu einem TA-Monitoring "Medizintechnik": Dort wird eine Bestandsaufnahme internationaler TA-Aktivitäten durchgeführt und diese einer quantitativen Analyse unterzogen. Ergänzend wird eine exemplarische inhaltliche Auswertung einer Reihe von TA-Studien zur Transplantationstechnik durchgeführt. Beide Analyseansätze erbringen den Befund, daß Besserung not tut. Anstrengungen wären z.B. erforderlich, um mit Hilfe von TA besser als bislang die wichtigsten Trends im Medizin- und Gesundheitsbereich zu erfassen und besser konzipierte TA-Studien durchzuführen. Die Mehrzahl solcher Studien ist recht technikzentriert, orientiert sich häufig nur an Kriterien ökonomischer Effizienz, vernachlässigt aber soziale, politische und ethische Aspekte. Auch die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für einschlägige TA-Aktivitäten wären zu optimieren. Die Autoren dieses Berichts geben hierzu einige Anregungen - insbesondere im Blick auf die Situation in Deutschland.
(T.P.)
Interessenten können den Bericht - bitte nur schriftlich - anfordern bei:
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen
Bundestag (TAB)
Frau Kirsten Lippert
Rheinweg 121, D-53129 Bonn
Fax: 0228/233755
E-Mail: büro@tab-beim-bundestag.de
OSTWESTWIRTSCHAFTSAKADEMIE (Hrsg.): Technik- und Wirtschaftsentwicklung im Einklang mit der Natur. Chancen und Probleme einer regionalen Kreislaufwirtschaft. Dokumentation des Workshops der Kommission für Technikfolgen am 30. Oktober 1995. Berlin 1996, 117 Seiten.
Diese Dokumentation beinhaltet die Ergebnisse des am 30. Oktober 1995 von der Kommission Technikfolgen der Ingenieur- und Wirtschaftsakademie "Johann Beckmann" e.V. in Zusammenarbeit mit der OstWest WirtschaftsAkademie Berlin, dem Ingenieurverein Berlin e.V. und dem Kollegium der Techniker, Ingenieure und Wirtschaftler in Deutschland e.V. veranstalteten Workshops "Technik- und Wirtschaftsentwicklung im Einklang mit der Natur. Chancen und Probleme einer regionalen Kreislaufwirtschaft".
Mit diesem Workshop wurde von den Veranstaltern ein Thema aufgegriffen, das, anknüpfend an das Abfallrecht der Europäischen Union, für den notwendigen Übergang zur nachhaltigen, umweltverträglichen, wirtschaftlichen Entwicklung, für die erforderliche Minimierung des Rohstoff-, Energie- und Flächenbedarfs sowie für die Reduzierung der Schadstoffemissionen in Deutschland und darüber hinaus in allen europäischen Ländern, einschließlich der osteuropäischen, Schlüsselbedeutung erhält.
Die Teilnahme nahmhafter Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und kommunalen Verwaltungen, darunter der Vorsitzende der Ingenieur- und Wirtschaftsakademie "Johann Beckmann" e.V., Prof. Dr. Gerhard Müller, unterstreicht Notwendigkeit, Bedeutung und Brisanz dieses konstruktiven Fachdialogs.
Die vorgetragenen und in diese Dokumenation aufgenommenen Beiträge von den Mitgliedern der Kommission Technikfolgen Prof. Römer, Prof. Gräbner, Prof. Mainz, Dr. Anton, Dr. Mornhinweg sowie von Dr. Teller als Gast, beinhalten Ergebnisse eigener theoretischer und praktischer Untersuchungen an Beispielen der Industrie, der Wasserwirtschaft, der Abfallwirtschaft, der Landwirtschaft, der Recyclingwirtschaft sowie des Verkehrswesens. Sie vermitteln Erfahrungen, Lösungswege und Maßstäbe für die Umsetzung des 1994 beschlossenen und ab Oktober 1996 geltenden Kreislaufwirtschaft-/Abfallgesetzes. Alle Beiträge weisen gleichfalls darauf hin, daß durch die regionale Erschließung und optimale Gestaltung ausgewählter Stoffkreisläufe von der Rohstoffgewinnung über langlebige, recyclingfähige Produktgestaltung bis zur Abfallwiederverwendung und -deponierung unnutzbarer Restbestände der Ressourcenverbrauch und die Schadstoffbelastungen erheblich vermindert werden können.
Die im Mittelpunkt des zur Einführung vorgesehenen Kreislaufwirtschaft-Abfallgesetzes stehende Philosophie der verursacherbezogenen Abfallvermeidungs- und -verwertungsstrategie aus der Sicht einer neuen Produktverantwortung erfuhr damit ihre Bestätigung und zugleich eine praktische anwenderbezogene Ausgestaltung. In diesem Zusammenhang wird mit Recht auf noch fehlende Regelungen sowie Rahmenbedingungen, so z.B. für die Wahrnehmung der Produktverantwortung durch den Hersteller oder für die noch ausstehende Elektronikschrottverordnung, hingewiesen.
Übersehen werden darf dabei nicht, daß mit diesem Workshop nur Ansätze für die Gestaltung einer funktionierenden regionalen Kreislaufwirtschaft aufgezeigt werden konnten und daß es noch weiterer intensiver theoretischer und praktischer Untersuchungen zur Herausarbeitung verallgemeinerungswürdiger Methoden und Modelle bedarf.
Ein Anliegen der OstWestWirtschafts Akademie wird es sei, im Rahmen ihres Wissenstransfers und Erfahrungsaustausches, unterstützt von der Kommission Technikfolgen, die Workshop-Ergebnisse für die Förderung einer umwelt- und sozialverträglichen regionalen Entwicklung in den osteuropäischen Ländern als ein wichtiger Bestandteil der notwendigen Anpassung der Reformprozesse an die Erfordernisse der europäischen Union nutzbar zu machen.
(Quelle: Geleitwort zur Veröffentlichung)
Zu beziehen über
OstWestWirtschaftsAkademie
Frau Haack
Königsalle 20A, D-14193 Berlin
Tel.: 030/896-99825; Fax: 030/892-1050
DM 15,-- zzgl. Versandkosten
In Ergänzung zu der Dokumentation "Kreislaufwirtschaft" sei darauf hingewiesen, daß die Kommission Technikfolgen als Ergebnis des Workshops derzeit ein Projektvorhaben für die Schaffung konzeptioneller Voraussetzungen zur Entwicklung einer regionalen Kreislaufwirtschaft in ausgewählten Ostberliner Bezirken und im Raum Halle-Leipzig vorbereitet. Dieses Vorhaben wird sich auf solche ausgewählten Stoffströme wie Bauaushub, Elektronikschrott und Kunststoffe konzentrieren. Mit dem Projektvorhaben wird die Erarbeitung von Empfehlungen bzw. Modellen mit der Zielrichtung angestrebt, wie, gestützt auf Abfallvermeidungs- und Abfallverwertungsstrategien, durch die Erschließung und Herausbildung ökologisch verträglicher Stoff- und Energiekreisläufe der Rohstoff-, Energie- und Flächenbedarf sowie die Schadstoffemissionen - Verringerung des Abstandes zwischen Produzenten und Konsumenten sowie zwischen Abfallerzeugern und -entsorgern - minimiert werden kann.
U.a. geht es dazu auch um die Herausarbeitung von Kriterien, nach denen solche Modellregionen aus ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Sicht zu bilden sind. Dazu wird derzeit eine enge Zusammenarbeit mit den betreffenden kommunalen Verwaltungen (Umweltämter) sowie produzierenden und entsorgenden Unternehmen vorbereitet.
Weitere Workshops, Problemdiskussionen und Seminare sind seitens der Kommission auf dem Gebiete der Kreislaufwirtschaft vorgesehen.
Kontakt
Rudi Höntzsch
Geschäftsführer der Kommission Technikfolgen
Ingenieur- und Wirtschaftsakademie"Johann Beckmann"
e.V.
Geschäftsbereich Berlin/Brandenburg
c/o WITEGA-Forschung GmbH
Gebäude 2.3
Rudower Chaussee 5
D-12489 Berlin
Tel.: 030/63922193
Fax: 030/63922193
FIFF-Kommunikation - Schwerpunktheft Chipkarten
Das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIFF) e.V. gibt eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift, "Kommunikation", heraus. Die neueste Ausgabe beschäftigt sich überwiegend mit Chipkarten, die im Editorial als Mini-PCs im Scheckkartenformat bezeichnet werden.
Während viele Experten in den Chipkarten den Schlüssel zur Verwirklichung der informationellen Selbstbestimmung sehen, befürchten andere, daß beispielsweise die Anwendung der Chipkarte bei der Abwicklung des Asylverfahrens zum "gläsernen Flüchtling", oder die Umstellung der Karten im österreichischen Bankenwesen von Magnetstreifen auf Chipkarten geradewegs in den Überwachungsstaat führen könnte.
In den Beiträgen zu diesem Heft werden Beispiele für Anwendungen der Chipkarten beschrieben und das gesamte Spektrum der Einschätzungen und Meinungen zu den Chancen und Risiken der Technik abgedeckt. Die Herausgeber stellen fest, daß die breite und offene gesellschaftliche Debatte zu den Chipkarten in Deutschland noch nicht stattgefunden hat. Das Schwerpunktheft der FIFF Kommunikation bietet dafür einen umfassenden und preisgünstigen Einstieg.
(M.R.)
Bestellhinweis
FIFF Kommunikation, Heft 1/96
DM 6,- zzgl. Porto, zu beziehen bei
FIFF e.V., Geschäftsstelle
Reuterstraße 39
D-53113 Bonn
Tel.: 0228/219548
Fax: 0228/214925
e-mail: fiff@fiff.gun.de
Im Juni 1996 ist die erste Ausgabe des vom Schweizerischen Wissenschaftsrat (SWR) im Rahmen des TA-Programms Schweiz herausgegebenen TA-Newsletter erschienen. Ziel der Newsletter ist es, interessierte Kreise über die Projekte und Unternehmungen des TA-Programms auf dem Laufenden zu halten und neben schweizerischen auch über ausländische Aktivitäten zu berichten. Ergänzend wird auch weiterhin die SWR-Zeitschrift FUTURA genutzt.
Das Konzept des Newsletters will den Lesegewohnheiten und -ansprüchen einer unter Zeitdruck stehenden Leserschaft mit kurzen, aber dennoch informativen Beiträgen gerecht werden. Durch diese kontinuierliche Informationstätigkeit soll TA einem breiten Publikum näher gebracht und das Netz der TA-interessierten Personen und Institutionen enger verknüpft werden. Das TA-Programm hofft, dadurch den Gedankenaustausch sowohl innerhalb der Schweiz als auch über Grenzen hinweg zu erleichtern und zu fördern - und nimmt in diesem Sinne auch gerne externe Beiträge entgegen.
Mit dem zukünftig regelmäßig erscheinenden TA-Newsletter soll ein wichtiges Kommunikations- und Arbeitsinstrument des Programms für Technikfolgen-Abschätzung zur Verfügung stehen.
Kontakt
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Tel.: + 44(0)31/322-9963
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