Ergebnisse von TA-Projekten - neue TA-Projekte

Multimedia und Informationsgesellschaft - Hinweise auf aktuelle Studien

Kommunale Umweltschutzpolitik: Fallbeispiel Köln

The Project GaBE - Ganzh. Betrachtung von Energiesystemen (in English)

Telematic Cities - Perspektiven nachhaltiger Stadtentwicklung

ISI-Studie zur Evaluation der Umwelttechnikförderung

Mini-Delphi 1995

Vorstudie zu TA zu Neurowissenschaften

Einstellungen der japanischen Bevölkerung zur Technik


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Multimedia und Informationsgesellschaft - Hinweise auf aktuelle Studien

von Ulrich Riehm, ITAS

Einleitung und Überblick

Seit Anfang der 90er Jahre ist eine neue Welle der Beschäftigung mit dem Konzept der "Informationsgesellschaft" beobachtbar (vgl. zur Geschichte des Konzepts der Informationsgesellschaft etwa Dordick und Wang: The information society. A retrospective view. Newbury Park u.a.: SAGE 1993). Zu dieser Diskussion gehören heute auch die Themen Multimedia und Informationsinfrastruktur. Auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene liegen dazu eine Fülle aktueller Studien, Dokumente und Programme vor. Eine gewisse Initialfunktion für diese Debatte über die Rolle der Informations- und Kommunikationstechniken in den modernen Gesellschaften kommt dem Dokument "The NII: Agenda for Action" zu, das im September 1993 in den USA veröffentlicht wurde (vgl. im Internet http://sunsite.unc.edu/nii/toc.html). Im selben Jahr gab es auch in Japan vom dortigen Telekommunikationsrat ein Memorandum mit dem Titel "Reform towards the intellectually creative society of the 21st Century" (http://www.mpt.go.jp/Report/Report1993No5/contents.html). Das einschlägige europäische Dokument "Europa und die globale Informationsgesellschaft" (der sogenannte "Bangemann-Bericht") wurde im Sommer 1994 vorgelegt (http://www.ispo.cec.be/infosoc/backg/bangeman.html)

Im Frühjahr 1994 startete das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) eine Untersuchung im Rahmen seiner Monitoring-Aufgaben zum Thema Multimedia (vgl. TAB-Brief 9, Februar 1995, S. 5ff bzw. http://www.itas.fzk.de/deu/TAB/TABRIEF/BRIEF9/multimed.html). Nach Vorlage eines ersten Berichts im Juni 1994, der u.a. eine Einführung in das Thema gab und eine erste Marktabschätzung vornahm (Anfang 1995 dann veröffentlicht unter dem Titel "Zukunft Multimedia" im IMK-Verlag), beschloß der Forschungsausschuß des Bundestags noch im Juni 1994 die Durchführung eines TAB-Projektes "Multimedia", das von ITAS _ unterstützt durch eine Reihe externer Gutachter _ durchgeführt wurde. Der Abschlußbericht wurde im Mai 1995 vorgelegt und ist unter dem Titel "Multimedia - Mythen, Chancen und Herausforderungen" im Bollmann Verlag, Mannheim, veröffentlicht (vgl. TA-Datenbank-Nachrichten 3/95, S. 11ff und 4/95, S. 51f bzw. http://www.itas.fzk.de/deu/TADN/TADN895/SCHWER3.htm; http://www.itas.fzk.de/deu/TADN/TADN1295/butag.htm und http://www.itas.fzk.de/deu/TAB/PROJEKTE/AB33-ZUS.html).

Seitdem wurden in Deutschland weitere Studien und Dokumente zum Thema Multimedia und Informationsgesellschaft vorgelegt. Auf einige soll hier hingewiesen und einige vergleichende Betrachtungen vorgenommen werden. Eine umfassende Darstellung und Diskussion der Dokumente ist nicht beabsichtigt.

Die Auswahl der Studien erfolgte nach den Gesichtspunkten, daß es sich um Darstellungen handelt, die den gesellschaftlichen Wandel relativ umfassend behandeln (also sich nicht auf ein Spezialthema wie etwa Lernen, Arbeitsmarkt oder Rundfunk beschränken), und daß ihr erster, wenn auch nicht einziger Adressat die Politik selbst ist. Studien von Verbänden und ähnlichen Interessenvertretern wurden nicht berücksichtigt. Im einzelnen geht es um

- den Bericht der Enquete-Kommission "Multimedia" des Landtags von Baden-Württemberg,

- das Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung zu "Multimedia im ISDN-Zeitalter",

- die Feststellungen und Empfehlungen des Rats für Forschung, Technologie und Innovation bei der Bundesregierung zu den "Chancen, Innovationen und Herausforderungen" der "Informationsgesellschaft"

sowie
- um den Bericht der Bundesregierung "Info 2000 - Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft".

Vergleichende Darstellung

In der Tabelle unten werden die Studien nach einigen Gesichtspunkten vergleichend gegenübergestellt.

  TAB-Projekt: Multimedia Multimedia-Enquete Baden-Württemberg Gutachten "Multimedia im ISDN-Zeitalter"
Zeitrahmen August 1994 bis Mai 1995 März bis Oktober 1995 1995
Begriffliche Abgrenzung "enger" Multimediabegriff: Integration, Digitalisierung, Interaktion "weiter" Multimediabegriff, alle IuK-Technologien einschließend IuK-Anwendungen, die heute und morgen als Massenanwendungen realisierbar sind
Methodische Orientierung Anwendungs- und problemorientierte Fragestellungen, historische Einbettung Expertenanhörungen, Gestaltungs- und Innovationsorientierung wirtschaftspolitische Orientierung, kurz- bis mittelfristiger Zeithorizont
Untersuchungsfelder (Auswahl)
  • Geschäftlicher Bereich
  • Privater Bereich
  • Öffentlicher Bereich
  • Lernen
  • Mediensprache
  • Digitales Radio
  • Wirtschaft
  • Öffentlicher Bereich
  • Bildung
  • Medien
  • Verkehr
  • Bürger und Demokratie
  • Wirtschaft
  • Telekooperation
  • Online Dienste
  • Verkehrsleittechnik
  • Virtuelle Welten
  • Ressourcen
  • Staatliche Aufgaben
  • Allgemeine Charakterisierung Sachstandsbericht, nüchterne Darstellung, Aufzeigen von Handlungsfeldern für die Politik und offenen Forschungsfragen Sachstandsbericht und politisches Dokument mit "Kompromißcharakter", Initiierung eines Innovationsprozesses Studie mit politischem Charakter und konkreten Gestaltungsvorschlägen



      Technologierat zur Informationsgesellschaft Bericht der Bundesregierung: Info 2000
    Zeitrahmen März bis Dezember 1995 1995 bis März 1996
    Begriffliche Abgrenzung Informationsgesellschaft in einem umfassenden Sinne Informationsgesellschaft in einem Sinne
    Methodische Orientierung Politikberatung aus liberaler, marktwirtschaftlicher Perspektive politische Bestandsaufnahme, Positionsbestimmung und Aktionsplan
    Untersuchungsfelder (Auswahl)
  • Forschung, Technik, Anwendungen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen
  • Gesellschaftliche und kulturelle Herausforderungen
  • Ziele der Bundesregierung
  • Rechtliche Rahmenbedingungen
  • Bildung und Forschung
  • Öffentliche Verwaltung
  • Normen und Standards
  • Allgemeine Charakterisierung Knappe Feststellungen verbunden mit konkreten Empfehlungen an die Politik Politisches Dokument, "Regierungsprogramm"

    Tabelle: Studien zu Multimedia und Informationsgesellschaft

    In bezug auf die begriffliche Abgrenzung von Multimedia und Informationsgesellschaft herrscht in der Regel ein sehr weites Verständnis vor, Multimedia wird eher als Chiffre denn als klar abgegrenzter Begriff verwendet. Allein die TAB-Studie folgt einer engeren Definition. Alle Dokumente behandeln ein relativ breites Anwendungsfeld für Multimedia- bzw. Informations- und Kommunikationstechniken, und die Untersuchungsaspekte (wirtschaftliche, rechtliche, soziale, technische) sind ebenfalls relativ umfassend, wenn auch unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Für die Charakterisierung der Studien und Dokumente ist es ganz wichtig zu sehen, daß sie sich bezüglich ihrer Ausrichtung und Zielsetzung doch sehr stark unterscheiden.

    - Die TAB-Studie ist in erster Linie ein "nüchterner" und umfassender Sachstandsbericht mit vertiefenden Problemanalysen zu einzelnen Fragen. Darüber hinaus wird auf politischen Handlungsbedarf in einzelnen Themenfeldern hingewiesen und offene Fragen für vertiefende TA-Studien werden benannt.

    - Der Multimedia-Bericht der Enquete des baden-württembergischen Landtags (vgl. TA-Datenbank-Nachrichten 4/1995, S. 25f bzw. http://www.itas.fzk.de/deu/TADN/TADN1295/inst.htm) ist demgegenüber in erster Linie als politisches Dokument zur Initiierung einer "Innovations-Offensive" in Baden-Württemberg zu charakterisieren und hat hierin seine besondere Stärke. Daneben enthält er eine relativ umfassende Bestandsaufnahme für Baden-Württemberg und einzelne vertiefende Problemanalysen. Als politisches Dokument, das quer über alle Fraktionen einstimmig verabschiedet wurde, sind "Formelkompromisse" und "sowohl als auch"-Aussagen wahrscheinlich unumgänglich. In seinen allgemeinen Aussagen ist der Bericht, was die Chancen von Multimedia betrifft, sehr "positiv" gestimmt, teilweise fast euphorisch.

    - Das Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung von Uwe Thomas konzentriert sich auf die politischen und wirtschaftlichen Fragen von heute und morgen und vermeidet Spekulationen über die Zukunftsvisionen von übermorgen. Zu einigen zentralen kontroversen Punkten der Diskussion bezieht es eine eindeutige Stellung. Der besondere Wert dieses Gutachtens liegt in der Kombination aus Problemanalyse und politischen Vorschlägen.

    - Die "Feststellungen und Empfehlungen" des "Technologierates" der Bundesregierung sind nicht auf einen umfassenden Sachstandsbericht und detaillierte Problemanalysen hin angelegt. Im Vordergrund stehen sehr knappe "Feststellungen", verknüpft mit 41 Empfehlungen an die Politik. Daß hierbei inhaltlich Positionen bezogen werden, die mit der gegenwärtigen Politik der Bundesregierung weitgehend identisch sind, darf bei der Zusammensetzung dieses Gremiums nicht überraschen.

    - Der Bericht der Bundesregierung "Info 2000" unterscheidet sich in seinen politisch-strategischen Aussagen nicht prinzipiell von den "Feststellungen und Empfehlungen" des "Technologierates". Er geht in zwei Aspekten jedoch darüber hinaus. Er liefert, orientiert an den Ressortgrenzen der Bundesministerien, eine Bestandsaufnahme und einen detaillierten Aktions- und Zeitplan für "Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft", an dem die Politik der Bundesregierung abgelesen und überprüft werden kann.

    Einige inhaltliche Feststellungen und Positionen

    Im folgenden sollen ausgewählte inhaltliche Aussagen der Studien vergleichend betrachtet werden, zu Themen, die in der öffentlichen Diskussion von besonderem Interesse sind. Eine umfassende, systematische und vergleichende Auswertung ist damit nicht beabsichtigt.

    Breitbandtechnik und Infrastrukturausbau

    Fast alle Dokumente befassen sich auf die eine oder andere Weise mit der Frage des breitbandigen Ausbaus der Telekommunikationsinfrastruktur. In der TAB-Studie wurde dazu bereits festgestellt, daß die Entfaltungschancen für den Multimediamarkt für die nächsten 5 bis 10 Jahre in erster Linie im offline-Bereich (z.B. CD-ROM) und bei den schmalbandigen und nicht bei den breitbandigen Online-Diensten gesehen werden. Diese Position wird mehr oder weniger von den anderen Studien geteilt.

    Sehr pointiert schreibt z.B. Uwe Thomas im Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung: Wer sich heute auf glasfaserbasierte, breitbandige Pilotprojekte konzentriere, "wird die realen Multimedia-Märkte des vor uns liegenden Jahrzehnts versäumen" (S. 7). Die technische Infrastruktur für diese Massenmärkte "an der Schnittstelle des geschäftlichen, öffentlichen und privaten Bereichs" (S. 8) sieht er, wie schon der Titel der Studie nahelegt, im flächendeckend verfügbaren ISDN-Dienst.

    Der Technologierat nimmt in dieser Frage eine abwägende und zurückhaltende Position ein. In bezug auf den Ausbau der Medien- und Telekommunikationsinfrastruktur wird ein von den Anwendungen her sich entwickelnder schrittweiser Ausbau empfohlen. Die Rolle des Staates wird eher in einer "flankierenden Kooperationshilfe" gesehen; er soll jedoch nicht als massiver Investor auftreten. Generell wird gegenüber massiven Investitionen in ein vermitteltes Breitbandnetz eine gewisse Skepsis zum Ausdruck gebracht (S.13). Eine Entscheidung über die richtige Strategie auf diesem Technologiefeld sei aus heutiger Sicht noch nicht möglich (S. 17).
    Eine Sonderposition nimmt die Multimedia-Enquete Baden-Württemberg in dieser Frage ein. Sie klammert die technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Aspekte einer zukünftigen Multimedia-Infrastruktur ausdrücklich aus. Bei ihren zukunftsbezogenen Überlegungen zu möglichen Anwendungen von Multimedia wird diese Infrastruktur als gegeben (und funktionierend) vorausgesetzt (S. 18).

    Einsatzkonzept für Multimedia

    Ein übergreifendes Thema ist auch die Frage des Einsatzkonzeptes von Multimedia. Hier setzt die baden-württembergische Enquete einen wichtigen Akzent. Ein Multimedia-Einsatzkonzept "on top", d.h. aufgesetzt auf die bestehenden Verfahren und Strukturen, im Gegensatz zu einem strukturverändernden Einsatzkonzept, wird als unzureichend _ insbesondere für den öffentlichen Bereich, aber auch darüber hinaus _ kritisiert. Nur durch einen strukturverändernden Einsatz ließen sich die angestrebten Einsparpotentiale erreichen (S. 22 f.). Beispiele in diesem Zusammenhang sind etwa, daß man auf einen Bibliotheksneubau verzichtet, um dafür die Digitalisierung der Informationen voranzutreiben, oder daß bei Nutzung international verfügbarer multimedialer Kurse an den Universitäten an anderer Stelle Kosten eingespart werden (S. 22).

    Auch der Technologierat betont, daß der Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken verknüpft werden müsse mit einer Verwaltungsreform. Vor einer einseitigen technologischen Orientierung von Anwendungskonzepten warnt auch die TAB-Studie, z.B. im Hinblick auf Anwendungen im Wirtschafts- und im öffentlichen Bereich. Die Notwendigkeit der Einbindung der neuen Techniken in einen umfassenderen kulturellen, organisatorischen und sozialen Reformprozeß wird nachdrücklich betont.

    Rundfunkbegriff und andere Regulationsfragen

    Kontrovers sind typischerweise Fragen der Regulation. So fordert im Kontext der Diskussion um den Universaldienst das Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung, daß in den kommenden Jahren Euro-ISDN zum Regelanschluß für alle Telefonkunden gemacht werden sollte (S. 9). Eine solche Forderung stellt der Technologierat (und die Bundesregierung) nicht auf. Nach Ansicht des Technologierates wird der Universaldienst durch den freien Wettbewerb gewährleistet; eine Fonds-Lösung erscheint nicht notwendig. Dies ist auch die Position, die in den Entwurf zum neuen Telekommunikationsgesetz Eingang gefunden hat.

    Zum Rundfunkbegriff, einer weiteren kontroversen Frage der laufenden Multimedia-Diskussion, macht Uwe Thomas einen interessanten Vorschlag. Er wendet sich gegen einen weiten Rundfunkbegriff, der die Medienkompetenz der Länder unterstreicht. Eine solche weitreichende Rundfunkdefinition könnte zu "ernsten Innovationshemmnissen" (S. 11) führen. Sein Kompromissvorschlag beschränkt die Länder auf die Regelungskompetenz für den klassischen dualen Rundfunk, spricht ihnen aber bestimmte Mitspracherechte in bezug auf die Berufung der Leitungsgremien einer nationalen Regulierungsbehörde zu und orientiert sich dabei am Vorbild der amerikanischen Federal Communications Commission (FCC). Die momentan absehbare Politik mit den Abstimmungsbemühungen zwischen Bund und Ländern ("Beck-Rüttgers-Kommission") geht möglicherweise in diese Richtung.

    Beschäftigungseffekte

    Thomas nimmt auch pointiert Stellung zu einem weiteren öffentlichkeitswirksamen und gesellschaftspolitisch wichtigen Thema. Er warnt vor euphorischen Prognosen in bezug auf neue Arbeitsplätze durch Multimedia, die reine Spekulation und durch nichts begründet seien (S. 11). In den "Feststellungen" des Technologierates werden dagegen eher die "positiven Beschäftigungsimpulse" betont und Prognosen der europäischen Union von 3 bis 4 Millionen neuen Arbeitsplätzen in den nächsten sechs Jahren für Europa (und von 800.000 alternierenden Telearbeitsplätzen in Deutschland) zitiert. Allerdings hält der Technologierat auch fest, daß sich "exakte Voraussagen ...nur schwer treffen" lassen (S. 50).

    Die Bundesregierung hat in ihren Bericht "Info 2000" leider nicht mehr die Ergebnisse eines von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens (vorgelegt im August 1995) zur künftigen Entwicklung des Mediensektors aufgenommen. In diesem gemeinsamen Gutachten von Prognos und DIW wird u.a. eine Abschätzung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktbezogenen Entwicklung dieses Sektors bis ins Jahr 2010 vorgenommen. Das Gutachten kommt zu dem Schluß, daß in der Arbeitskräftebilanz im Jahr 2010 für den Medien- und Kommunikationssektor mit 200.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen zu rechnen ist. (Vgl. dazu auch: Beschäftigungszunahme im Medien- und Kommunikationssektor vielfach überschätzt; DIW-Wochenbericht 10/96, S. 165-172 sowie Riehm und Böhle: Multimedia und Arbeitsplätze; TA-Rundschau 1/1996, S. 30-35.

    Die Baden-Württemberg-Enquete wählt in dieser Frage die Möglichkeitsform: "Positive Beschäftigungseffekte möglich" überschreibt sie das entsprechende Kapitel (S. 27). Eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit und die Größenordnung dieser Effekte macht sie damit natürlich nicht. Wichtig aber ist ihr Hinweis, daß "insbesondere die auslagerungsträchtigen unternehmensbezogenen Dienstleistungsfunktionen künftig _ vor allem durch die Möglichkeiten der Multimedia-Infrastrukturen bedingt _ nicht mehr am nationalen Standort, sondern international gesucht werden können" (S. 27).

    Neuere und noch laufende Arbeiten

    Die Produktion von Studien und Dokumenten ist mit dem Jahr 1995 nicht abgeschlossen. Auf zwei laufende Aktivitäten soll abschließend noch hingewiesen werden.

    HLEG on the social and societal aspects of the information society

    Auf europäischer Ebene sind in der Folge des "Bangemann-Papiers" eine Vielzahl von Aktivitäten, Gremien und Studien initiiert worden. Im Kontext dieser Übersicht zu Studien und Dokumenten einer breiteren gesellschaftspolitischen Diskussion ist auf die Arbeit einer im Mai 1995 von der EU-Kommission eingesetzten "Gruppe hochrangiger Experten" (HLEG - high level expert group) hinzuweisen ( http://www.ispo.cec.be/hleg/hleg.html ). Ihre Aufgabe besteht in der Untersuchung der sozialen und gesellschaftlichen Aspekte der Informationsgesellschaft. Die Kommission besteht aus 14 Personen unter Vorsitz von Luc Söte vom belgischen Merit Institut. Aus Deutschland sind vertreten Gerhard Bosch vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen und Ursula Engelen-Kefer, stellvertretende Bundesvorsitzende des DGB. Die Kommission legte im Januar einen Zwischenbericht vor, der für Ende Mai vorgesehene Endbericht stand uns allerdings noch nicht zur Verfügung.

    Es ist wichtig festzuhalten, daß diese Kommission den speziellen Auftrag hat, sich um die sozialen und gesellschaftlichen Belange der Informationsgesellschaft zu kümmern, nicht also um die technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Fragen, die in den anderen Dokumenten eher im Vordergrund stehen.

    Nach der Lektüre des Zwischenberichtes ergibt sich der Eindruck, daß die Kommission im Konzert der vielen Stellungnahmen doch eine gewisse Sonderstellung einnimmt, und man darf auf den Endbericht gespannt sein.

    Enquete "Zukunft der Medien"

    In den TA-Datenbank-Nachrichten 1/1996 (S. 25f) hat Knud Böhle bereits auf die Einsetzung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags "Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft" hingewiesen ( http://www.itas.fzk.de/deu/TADN/TADN0396/rub.htm ). Mittlerweile hat die Enquete ihre Arbeit aufgenommen ( http://www.bundestag.de/gremien/14344.htm ) und u.a. eine Anhörung zum Rundfunkbegriff durchgeführt. Ein Zwischenbericht hierzu soll vor der Sommerpause noch veröffentlicht werden. Die weiteren konkreten Themenstellungen für dieses Jahr sind Urheberrecht, Wettbewerb und Medienkonzentration sowie Datensicherheit. Insgesamt hat sich die Enquete ein Arbeitsprogramm gegeben, das die folgenden "Projekte für das 21. Jahrhundert" umfaßt: Wirtschaft 21, Technik 21, Parlament, Staat und Verwaltung 21, Arbeit 21, Gesellschaft 21, Bildung 21, Umwelt und Verkehr 21. Die Erarbeitung dieser Themen soll nach dem derzeitigen Planungsstand überwiegend in Form "intelligenter Workshops" erfolgen.

    Bibliographische Angaben

    Riehm, U.; Wingert, B.: Multimedia - Mythen, Chancen und Herausforderungen (TAB-Projektbericht). Mannheim: Bollmann, 1995 (siehe auch die Zusammenfassung in
    http://www.itas.fzk.de/deu/TAB/PROJEKTE/AB33-ZUS.html).

    Multimedia-Enquete des Landtags von Baden-Württemberg: Bericht und Empfehlungen. Stuttgart: 1995 (Drucksache 11/6400, auch auf Diskette).

    Thomas, Uwe: Multimedia im ISDN-Zeitalter. Markt ohne Grenzen. Gutachten. Bonn: Friedrich Ebert Stiftung 1995.

    Der Rat für Forschung, Technologie und Innovation: Informationsgesellschaft - Chancen, Innovationen und Herausforderungen. Feststellungen und Empfehlungen. Bonn: BMBF, 1995 (auch verfügbar auf Diskette sowie unter http://www.kp.dlr.de/BMBF/rat/feststellungen/index.html ).

    Bundesministerium für Wirtschaft: Info 2000 - Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft. Bericht der Bundesregierung. Bonn: 1996 (auch als Bundestags-Drucksache 13/4000 sowie unter http://www.kp.dlr.de/BMWi/gip/programme/info2000/index.html ).


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    Kommunale Umweltschutzpolitik - Eine gutachterliche Stellungnahme zu Praxis und Innovationsbedarf am Fallbeispiel Köln

    von Michael Quante und Michael Schwarz

    Das Institut zur Erforschung sozialer Chancen (ISO) hat mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung einen Bericht über das Forschungsprojekt zur kommunalen Umweltschutzpolitik veröffentlicht. Die auf die Ermittlung von Defiziten und Innovationsbedarf im kommunalen Umweltschutz gerichtete Untersuchung hat die Analyse praktizierter Politikstile, konkreter Organisations- und Kooperationsformen zum Ziel. Die "eingebauten" Blockaden und Potentiale für die Konkretisierung und Umsetzung einer aktiven und präventiven Umweltpolitik auf kommunaler Ebene werden herausgestellt. Der Forschungsansatz basiert auf der Prämisse, daß angesichts verschiedenartigster Ausgangsbedingungen und Problemkonstellationen sowie der hochgradigen Politikhaltigkeit, strategischen Offenheit und Optionalität im praktischen Umweltschutz dies nur konkret am Einzelfall untersucht werden kann. Empirischer Bezugspunkt ist die in Köln praktizierte kommunale Umweltschutzpolitik.

    Inhaltlich werden zwei in politischer und wissenschaftlicher Hinsicht hochaktuelle Themenbereiche tangiert: zum einen die Debatte um die Innovation der öffentlichen Verwaltungen, zum anderen die in ihrer Notwendigkeit kaum noch umstrittene strukturelle Ökologisierung und eine darauf bezogene gesellschaftliche Modernisierung. Leitgedanke ist dabei die begründete Annahme, daß beide Themenbereiche systematisch miteinander zu verknüpfen sind. Die notwendige Ökologisierung auf kommunaler Ebene setzt eine umfassende Innovation von Kommunalpolitik und -verwaltung voraus und in Gang. Und umgekehrt: Politik- und Strukturreformen auf kommunaler und regionaler Ebene, die ökologische Imperative ignorieren, sind absehbar zum Scheitern verurteilt.

    Die Kommune als Ort des ökologischen Wandels

    Die Stadt als Lebensraum und Organisationsform nimmt unter dem Aspekt des ökologischen Strukturwandels eine ambivalente Position ein. Denn in den Ballungsräumen konzentrieren sich sowohl die Probleme, wie auch die Lösungsmöglichkeiten. Einerseits treten hier hochverdichtet und in Wechselwirkung Umwelt-, Verkehrs- und Sozialprobleme auf, andererseits sind die Städte Zentren der politischen und ökonomischen Macht, Kaufkraft, Kultur, Wissenschaft und Innovation. Ohne grundlegende Veränderungen auf kommunaler Ebene kann es keinen ökologischen Umbau der Industriegesellschaft geben.
    Es ist weniger dem Zufall überlassen als vielmehr abhängig von den örtlichen Problemlagen und den Interessen, Einflußmöglichkeiten und Handlungen der Akteure, die auf der lokalen Ebene bei Formulierung und Vollzug der Umweltpolitik mitwirken, zu welcher Seite die Ambivalenz letztlich ausschlägt. Vor allem ist entscheidend, ob die politischen Repräsentanten und die Verwaltungsspitze Umweltschutz als persönliche Aufgabe betrachten und die kommunale Selbstverwaltung zur Entwicklung einer aktiven Umweltschutzpolitik nutzen.

    Fallbeispiel: Köln

    Einen Schwerpunkt unserer Untersuchung bildete die Analyse der Handlungskonstellationen, in denen der formal verantwortliche kommunale Akteur agiert: die Umweltverwaltung. Das Umweltamt hat bis heute nur eine strukturell untergeordnete Position. Es ist in seiner jetzigen Ausstattung und Kompetenz überfordert, einen Wandel zu präventiven Strategien im Umweltschutz herbeizuführen, da es zu wenig Einfluß auf entscheidende Gremien der Stadtpolitik und -verwaltung hat.

    Als Konsequenz daraus ist in gesetzlich geregelten Bereichen die bisherige Umweltschutzpolitik von Kontrolldefiziten gekennzeichnet ist. Diese sind nicht nur Resultat von organisatorischen Mängeln, sondern tragen auch der (politischen) Annahme Rechnung, daß bei steigender Kontrolltätigkeit die Standortattraktivität nachläßt. Abgesehen von freiwilligen Aktivitäten im Umweltschutz, wie z.B. Umweltbildung und Informationsbereitstellung für Bürger/innen und Firmen betreibt die Stadt im wesentlichen eine nachsorgende Umweltpolitik. Diese wird ergänzt um Ansätze symbolischer Politik, hauptsächlich in Form ökologischer Modellprojekte, deren Relevanz für das Alltagshandeln in den Fachverwaltungen jedoch als marginal anzusehen ist.

    Da Umweltschutz als isoliertes Betätigungsfeld betrachtet wird, bleibt es randständig, ist stark personenabhängig und von Engagement, "standing" und Geschicklichkeit einzelner Entscheidungsträger/innen sowie dem Grad der intrinsischen Motivation der Mitarbeiter/innen bestimmt.

    Trotz ihrer starken Involviertheit in umweltpolitische Entscheidungen und Praxis erhalten die kommunalen Betriebe und stadtnahen Gesellschaften keine eindeutigen Vorgaben, Umweltschutz vorbildhaft in die Unternehmensziele zu integrieren und entwickeln bislang auch keine nennenswerten Eigeninitiativen.

    Die Kölner Politik-Arena weist dem Umweltschutz einen untergeordneten Stellenwert zu. In den Parteiführungen der im Rat vertretenen Parteien ist wenig Umweltschutzkompetenz vertreten. Appelle der Umweltverbände und -initiativen sind selten gut koordiniert und bleiben in der Regel unbeachtet. Kooperationsangebote werden von Politik und Verwaltung kaum ernst genommen, was zur Etablierung unbeweglicher "positioneller Strategien" geführt hat. Als Reaktion auf die nachhaltig gestörte Kommunikation gehen die Umweltgruppen daher meist den Umweg über skandalorientierte Öffentlichkeitsarbeit.

    Innovationsbedarf im kommunalen Umweltschutz

    Der Einstieg in vorsorgende Aufgaben kann ohne Stärkung der politischen und organisatorischen Basis des Umweltschutzes nicht stattfinden. Ausgangspunkt muß ein konsensorientierter öffentlicher Diskurs über ein neues, am Prinzip der Langfristigkeit orientiertes Leitbild der "sustainable city" sein.

    Die strukturelle Ökologisierung ist als ein positives Ziel so zu formulieren, daß sie von den einzelnen Fachämtern als Chance zur Entwicklung von Eigeninteresse an Umweltschutzaufgaben aufgegriffen werden kann und nicht in erster Linie mit der Angst vor Machtverlust verbunden ist. Während bei der Formulierung von Leitbildern Visionen unverzichtbar sind, ist bei der praktischen Durchsetzung von ökologischen Konzepten die Machbarkeit der Planung im Blick zu halten. Bei den konkreten Maßnahmenkatalogen sind eindeutige Prioritäten zu setzen.

    Zur Effektivierung der amtsinternen und -übergreifenden Koordination des Umweltschutzes sind fachamts- bzw. dezernatsspezifische Umweltschutzbeauftragte zu empfehlen. Diesen könnte auch die Aufgabe übertragen werden, in festgelegten Abständen und auf die Aktivitäten des jeweiligen Amtes bezogen eine "Öko-Bilanzierung" zu erstellen. In Analogie zu der betriebswirtschaftlichen "Öko-Bilanz" könnte diese Bilanzierung zweigeteilt installiert werden und sich sowohl auf den "Produktionsprozeß" wie auch auf das "Produkt" der Verwaltungsaktivitäten beziehen.

    Als Grundsatz gilt, daß eine tiefere Verankerung des Umweltschutzes nur in Kooperation mit betroffenen Fachämtern stattfinden kann. Nur so besteht die Chance, ressortegoistischen Blockadestrategien vorzubeugen und durch isolierte Bearbeitungsweise unverhältnismäßig teure oder uneffektive Maßnahmen zu vermeiden.

    Die "Ressource Mensch" muß gefördert werden

    Die Erkenntnis der Notwendigkeit eines optimierten Umweltschutzes allein erzeugt noch keine praktikablen Lösungen für die daraus folgenden umweltpolitischen Handlungsprobleme und -anforderungen einer Verwaltung, die sich als ökologisches Subjekt verstehen soll. Der Weg zur "sustainable city" erfordert u.a. eine Qualifizierungsoffensive und eine Neuausrichtung des Personalmanagements der Kommunen.

    Die Integration von Umweltschutz in das Verwaltungshandeln steht und fällt mit der Nachfrage und Förderung eines daraufhin ausgelegten Ausbildungs- und Wissensstandes der Mitarbeiter/innen. Sachverstand gewinnt an Durchsetzungskraft, wenn er mit Moderations- und Kommunikationsfähigkeit gekoppelt ist.

    Zukunftsfähigkeit der Verwaltung

    Ressortegoistische Wahrnehmungsmuster haben die Bildung nicht kompatibler Spezialinteressen zur Folge. Hierdurch vergrößern sich Kommunikationsbrüche, die Innovationen im Sinne eines übergeordneten Gemeinwohls unwahrscheinlich machen. Diese Innovations- und Kommunikationsfeindlichkeit der Verwaltungsstruktur steigert die Störungsanfälligkeit bei unvorhersehbaren Problemstellungen oder nicht erwartbaren Folgen vorangegangenen (Nicht)-Handelns. Die Verwaltung muß darauf reagieren, indem sie sich als lernende Organisation versteht und das Organisationslernen in der Personal- und Organisationsentwicklung berücksichtigt. Strukturell förderlich hierfür wäre nicht nur im Umweltschutz die Herausbildung einer "zweiten Linie", in der normale Behördenteile aufgabenorientiert und mit zeitlicher Limitierung in neuen binnenadministrativen Gruppen zusammengefaßt werden.

    Um die vorhandenen Handlungsressourcen möglichst weitreichend, schnell und flexibel zu aktivieren und zukunftsgerichtet agieren zu können, ist die Bildung von "Innovationsbündnissen" anzuraten, die als netzwerkartige Struktur sowohl Sachverstand aquirieren, als auch Verbündete außerhalb der Verwaltung einbinden könnten.

    Projektübergreifende Partizipation, Politikdialoge

    Weiterhin ist bei vielen Gestaltungsprojekten ohne eine erweiterte und adäquat vorbereitete Partizipation kaum mit problemadäquaten Lösungen zu rechnen. Neben der projektbezogenen Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern (z.B. an der Planung und Realisierung einer autofreien Siedlung) lassen sich auch projektübergreifende Partizipationsmodelle institutionalisieren. In vorgeschalteten "Politikdialogen" kann z.B. von widerstreitenden Akteuren in einer gemeinsamen Analyse der Dissensstruktur eine Basis erarbeitet werden, die die oft von Konflikten überlagerten, aber nicht unerheblichen Gemeinsamkeiten aller Akteure herausstellt. In dem Maße, in dem gegenseitige Akzeptanz und Vertrauen erzeugt werden, steigt die Chance für Lösungen, die als "win-win"-Situationen zu bezeichnen sind.

    Einen Ansatzpunkt hierfür bietet auch der Beschluß der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio, der für die Erarbeitung einer Lokalen Agenda 21 eine breite Beteiliung der Bevölkerung fordert.

    Für eine mittel- und langfristig wirksame und problemadäquate kommunale Umweltschutzpolitik wird ausschlaggebend sein, ob und wie es den unterschiedlichen Akteuren und Interessenverbänden auf kommunaler Ebene gelingt, ihre Planungsmaximen und Politikinstrumente auf Umweltverträglichkeit zu überprüfen und untereinander eine neue Bezugs- und Politikfähigkeit zu entwickeln.

    Bibliographische Angaben

    Michael Quante und Michael Schwarz: Kommunale Umweltschutzpolitik. Eine gutachterliche Stellungnahme zu Praxis und Innovationsbedarf am Fallbeispiel Köln. Düsseldorf: Hans Boeckler-Stiftung, 1996. (Graue Reihe - Neue Folge 104).

    Die Studie kann für DM 17,-- unter der Bestell-Nr. 12 104 bezogen werden bei
    Vertriebsfirma Wormuth KG
    Frau Reipen
    Postfach 10 55 42
    D-40046 Düsseldorf
    Fax: 0211/73 32 587

    Kontakt

    Michael Quante
    ISO - Institut zur Erforschung sozialer Chancen
    Kuenstraße 1 B
    D-50733 Köln
    Tel.: +49-(0)221/973043-0
    Fax: + 49-(0)221/973043-10


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    The Project GaBE: Ganzheitliche Betrachtung von Energiesystemen

    von Roberto Dones

    The Project GaBE 1) is an ongoing Swiss research project of the Paul Scherrer Institute (PSI) in collaboration with the Swiss Federal Institute of Technology Zürich (ETHZ). The objective of GaBE is to develop, implement and use a comprehensive methodology for the consistent and detailed assessment of energy sources of interest under Swiss conditions. The multidisciplinary assessment addresses health risks, environmental impacts and economic aspects associated with different energy sources, ultimately in an integrated manner. This makes it possible to carry out comparative studies of energy scenarios, and consequently opens possibilities for the direct support of the decision-making process.

    Electricity generation, heating, transport sector and end-uses are included in the analysis. For the time being the electricity sector and heating systems are in focus. However, the large scale energy-economy interaction model MARKAL used within GaBE does provide the coverage of the whole energy sector.
    The data and the models cover the complete energy chains associated with different energy sources. Using the method of Life Cycle Analysis (LCA) each stage of the fuel chain is decomposed into the construction, operation and decommissioning phases, and the corresponding material/energy flows are established. The LCA forms the basis for generating a set of emissions and for the assessment of impacts which is as complete as possible.

    Based on the experience from comparative studies of health and environmental impacts associated with different energy sources, specific methodological topics of interest for further research include: boundary conditions, methods and data for environmental impact assessment, treatment of severe accidents, accounting for prospective advancements in technology and integration of the results.

    The GaBE project is divided into two partially overlapping phases:

    _ Phase I (1993 - 1997):
    Characterization of energy sources, data collection and analysis, definition of relevant indicators, resolution of analytical problems, establishment of databases and methodological framework, evaluation of energy sources.

    _ Phase II (1996 - 1998):
    Study of energy scenarios, development and applications of an integrated decision support model, accounting for technology developments, example application of the comprehensive assessment.

    Further applications based on the developed model and database are expected to start in year 1998 and to proceed on in the following years.

    With respect to energy economics two different approaches are being used within GaBE, namely large scale models and sector specific studies. Due to the complementary character of the two different methodological approaches, the parallel use within GaBE is expected to lead to improved knowledge in the energy-economy-environment field.

    The MARKAL model offers a possibility of at least partial integration of the different elements considered within GaBE. Emissions are already included in its database and are being updated to reflect state-of-art and future technologies. The intention is to include in this analysis also health and environment impacts to the extent possible. The MARKAL model has been used for studies of greenhouse gas emission scenarios in the context of the Swiss energy system 2). The MARKAL-MACRO model 3), which links a "bottom-up" engineering model together with a "top-down" macroeconomic model, is operational for Switzerland since 1995. Based on the scenario approach, different cases were analysed that describe possible Swiss approaches to the implementation of the United Nations Convention on Climate Change for a sustainable world climate 4). Applications of the stochastic version of the model will be made to evaluate the introduction of a low level and reversible carbon tax as a minimum regret policy for Switzerland and results will be reported in 1996. For the sector-specific studies, the theoretical framework for the energy conservation options for residential electricity demand has been delineated.

    Work on the environmental inventories of currently operational European energy systems was performed by ETHZ and PSI 5) and used within the GaBE Project for comparisons of emissions 6) 7). An update including extensions will be issued in 1996. The first study on future electricity systems (years 2020 - 2030) has been performed in 1995 8). It addresses the total pollution associated with electricity supply mix options suitable for Switzerland under conditions defined by the Swiss Association of Producers and Distributors of Electricity (VSE). The results were utilised by VSE as the environmental analysis part in the report "Vorschau 1995 auf die Elektrizitätsversorgung der Schweiz bis zum Jahr 2030", which provides a contribution of the Swiss utilities to the discussion on the future Swiss electricity supply. Coal, gas, nuclear and photovoltaic systems were analysed and comparisons of total emissions from the related full chains as well as of seven supply options were performed. Particularly, releases of Greenhouse Gases, SO2, NOx, Non-Methane Volatile Organic Compounds, Particles and Radioactivity were addressed. Both 5) and 8) use the LCA approach, covering a broad spectrum of resources, emissions and wastes associated with the complete energy chains in Switzerland and abroad.

    The environmental impact analysis is being addressed by using mesoscale models for the simulation of transport and chemistry of airborne pollutants 9) 10). The past (1994 - 1995) work concerned classification of air pollutants, establishment for the Swiss case of the anthropogenic and biogenic emission inventories as well as concentrations of pollutants 11), validation of the model results against measurements, and preparation of typical meteorological data sets for Switzerland. Moreover, emission reduction scenarios are being evaluated for NOx and VOCs for the Swiss plateau. The influence of the transboundary pollution will be taken into account in the near future. The dispersion model will be linked with environmental and health impact models for the calculation of the total impacts. The work on damages in ecosystems and human health was initiated in 1995 and will progress in 1996 - 1997. Eventually, models of water pollution will be adopted within GaBE.

    A large database (ENSAD - Energy Severe Accidents Database) on the recorded accidents in the energy sector has been developed at PSI. Comparative assessments were carried out for coal, oil, gas, nuclear and hydro chains 12) 13). Particular attention has been given to the applicability of the data to the Swiss (or "developed countries") conditions. Besides, external costs associated with severe nuclear accidents were assessed using probabilistic techniques, and compared to other published results 14) 15). Future activities concern further applications of probabilistic techniques and extensions of the database.

    In order to achieve the integration of the different topics, multiobjective analysis is being developed; it can be executed by assigning weights to different objective functions (security of supply, system costs, environmental and health impacts due to normal operation and accidents, etc.), based on advice and recommendations of policy makers, and performing optimal allocation of system resources.

    Representative Publications in the frame of GaBE

    1) Hirschberg, S.: "Framework for and Current Issues in Comprehensive Comparative Assessment of Electricity Generating Systems". Invited paper presented at the International Symposium on "Electricity, Health and the Environment: Comparative Assessment in Support of Decision-Making", organised by EC, ESCAP, IAEA, IBRD, IIASA, OECD/NEA, OPEC, UNIDO, WMO, Vienna, 16-19 October 1995 (Proceedings to be published).

    2) Kypreos, S.: "The Swiss Energy System and Greenhouse Gas Scenarios", in Kram, T. (ed.), "National Energy Options for reducing CO2 Emissions, Volume 2: Country Studies - A Report of the Energy Technology Systems Analysis Programme (ETSAP) / Annex IV (1990-1993)", Netherlands Energy Research Foundation, ECN-C-94-024 (March 1994).

    3) Kypreos, S.: "The MARKAL-MACRO Model; Links and Potential Extensions". Proc. of IEA/ETSAP Workshop on Linking Technical Models with Macröconomic Approaches, 10-12 November 1993, Geneva (1993).

    4) Kypreos, S.: "Allocation of Carbon Tax Revenues to National and International Mitigation Options", to be published in Carraro, C. and Haurie, A. (eds.), "Operations Research and Environmental Management". Kluwer Academic Publishers, The Netherlands (1996).

    5) Frischknecht, R.; Hofstetter, P.; Knoepfel, I. (ETHZ), and Dones, R.; Zollinger, E. (PSI): "Ökoinventare für Energiesysteme - Grundlagen für den ökologischen Vergleich von Energiesystemen und den Einbezug von Energiesystemen in Ökobilanzen für die Schweiz". 1st Ed., ETHZ/PSI, Zürich (1994).

    6) Dones, R.; Hirschberg, S. (PSI); Knoepfel, I. (ETHZ): "Greenhouse Gas Emission Inventory Based on Full Energy Chain Analysis", presented in IAEA Advisory Group Meeting/Workshop "Full Energy Chain Assessment of Greenhouse Gas Emission Factors of Nuclear and Other Energy Sources", Beijing, China, 4-7 October 1994 (proceedings to be published as IAEA TECDOC Report "Comparison of energy sources in terms of their full-energy-chain emission factors of greenhouse gases", 1996).

    7) Hirschberg, S.; Dones, R., and Kypreos, S.: "Comprehensive Assessment of Energy Systems: Approach and Current Results of the Swiss Activities". Invited paper presented at Jahrestagung Kerntechnik '94, Stuttgart, 17-19 May 1994.

    8) Dones, R.; Gantner, U.; Hirschberg, S. (PSI), and Doka, G.; Knoepfel, I. (ETHZ): "Environmental Inventories for Future Electricity Supply Systems for Switzerland". PSI Report No. 96-07 (1996).

    9) Andreani-Aksoyoglu, S.; Graber, W.; Keller, J.: "Preliminary simulation of a summer smog situation in Switzerland using the Urban Airshed Model (UAM)". Proc. 3rd International Conference "Air Pollution '95", September 26-28, 1994, Porto Carras, Greece; in: Power, H.; Moussiopoulos, N. and Brebbia, C.S. (eds.), "Air Pollution III, Vol. 1: Air Pollution Theory and Simulation". Computational Mechanics Publications (1995) 343-350.

    10) Graber, W.; Andreani-Aksoyoglu, S.; Keller, J., and Roesselet, C.: "A multi-parcel Lagrangian model for the quantification of the influence of the alpine air mass exchange on the production of photooxidants". Atmospheric Environment, Vol. 29, No. 21 (1995) 2961-2976.

    11) Keller, J.; Bürki, D.: "GaBE/Air Pollution: Concentrations of major air pollutants in Switzerland and transboundary contributions", TM-52-94-03, PSI (1994).

    12) Hirschberg; S. and Spiekerman, G.: "Comparative Evaluation of Severe Accident Risks Associated with Energy Generation Systems", to be presented at PSAM-III International Conference on Probabilistic Safety Assessment and Management, 24-28 June 1996, Crete, Greece.

    13) Hirschberg, S.; Spiekerman, G.; Dones, R.: "Severe Accidents in the Energy Sector", (to be published as PSI Report 1996).

    14) Hirschberg, S. (PSI) and Cazzoli, E. (Energy Research Inc., USA): "Contribution of Severe Accidents to External Costs of Nuclear Power". Paper presented at ENS Topical Meeting on PSA/PRA and Severe Accidents '94, 17-20 April, 1994, Ljubljana, Slovenia.

    15) Hirschberg, S.: "External Costs of Nuclear Reactor Accidents", contribution to the OECD/NEA Report on "Methodologies for Assessing the Economic Consequences of Nuclear Reactor Accidents", (to be published).

    Contact

    Dr. Stefan Hirschberg
    GaBE Project Manager
    Paul Scherrer Institut
    CH-5232 Villigen PSI, Switzerland
    Tel.: + 41(0)56/3102111
    Fax: + 41(0)56/3102199
    E-mail: R.Dones:Dones@psi.ch


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    Telematic Cities - Perspektiven nachhaltiger Stadtentwicklung

    von Klaus Burmeister und Kai Böhme

    Mit der 4. Internationalen Sommerakademie "Telematic Cities - Perspektiven nachhaltiger Stadtentwicklung" im September 1995 hat sich das Sekretariat für Zukunftsforschung (SFZ) der wachsenden Bedeutung von Städten für die Gestaltung der Informationsgesellschaft gewidmet. Europaweit befindet sich eine Vielzahl unterschiedlicher Projekte und Vorhaben, die die Stadt als Testfall zur Erprobung und Anwendung telematischer Systeme nutzen wollen, in der Entwicklung. Die Stadt als Metapher sowie realer Arbeitsplatz, Wohnort und Lebensmittelpunkt vieler Menschen auf engem Raum erscheint besonders geeignet, die unterschiedlichen Anwendungs- und Nutzungsformen der Telematik zu erproben und zu gestalten.

    Bei den jetzt bekannten Vorhaben - wie z.B. dem von der Landesregierung Baden-Württemberg forcierten Multimedia Pilotprojekt in Stuttgart, dem "Infocity-Projekt" der Vebacom oder dem von der RWE Telliance getragenen Versuch "Multimedia Gelsenkirchen" - scheint die Lösung technischer und infrastruktureller Probleme im Vordergrund zu stehen. Auf die Frage aber, wie drängende städtische Probleme gelöst und wichtige Bedürfnisse der Menschen durch den Einsatz der Telematik besser erfüllt werden können, gibt es bisher keine überzeugenden Antworten. Es fehlen nicht nur Leitbilder für eine Verknüpfung von Telematik und zukunftsfähiger Stadtentwicklung (Sustainable Cities), sondern es fehlen auch Instrumente und Methoden zur Initiierung sozialer und kultureller Lernprozesse. Eine solche notwendigerweise langfristig und nutzerorientiert angelegte Sichtweise wird erst die gewünschte Erschließung neuer Zukunftsmärkte ermöglichen und eine tragfähige Diffusion der Telematik in die Gesellschaft bzw. den Lebensraum Stadt ermöglichen.

    Mit der Sommerakademie wurde exemplarisch versucht, ausgehend von dem jeweiligen Entwicklungsstand und den Zielsetzungen europäischer Telecities, Digitaler, Virtueller oder Telematischer Städte, Leitbilder für einen technischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Gestaltungsprozeß zu entwickeln und zu diskutieren. Auf der Fachtagung trafen sich erstmalig 200 Vertreter aus deutschen und europäischen Stadtverwaltungen, Forschungseinrichtungen und der Telekommunikationsindustrie, um ihre Erfahrungen auf diesem neuen Handlungsfeld auszutauschen. Am ersten Tag präsentierten einzelne Städte wie z.B. Berlin, Duisburg, Stuttgart, Amsterdam, Stockholm und Wien ihre unterschiedlichen Netze- und Dienstestrategien; die drei großen zukünftigen Netzeanbieter, die Deutsche Telekom, Vebacom und RWE Telliance, stellten ausgewählte Projekte vor, und die Vertreter der Europäischen Union unterstrichen die Bedeutung der europäischen Telecities für den Übergang zur Informationsgesellschaft. Der zweite Tag diente der intensiven Diskussion in fünf Zukunftsforen zu den Themen "Telematik und Partizipation", "Telematik und Stadtentwicklung", "Telematik und neue Arbeit", "Telematik und neue Dienste" sowie "Stadtleben im Jahre 2020".

    Im Vorfeld der Tagung hatte das SFZ die Studie "Telematik in den Städten Europas" erstellt, die insbesondere den Bedeutungszuwachs der Städte im Rahmen der europäischen Forschungsprogramme nachgezeichnet und einzelne Handlungsfelder dargestellt sowie einer ersten Bewertung unterzogen hat. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Gründung des Telecities Städtenetzwerks durch die Europäische Kommission im Oktober 1994. Dem Städtenetzwerk gehören 59 Städte (Stand Juli 1995) an.

    In der nachfolgenden Übersicht wurden für das EU-Programm "Telematikanwendungen" die zentralen städtischen Aktionsfelder zusammengestellt:

    Telematik-Anwendungen für Verwaltungen

    Telematik-Anwendungen für Beschäftigung und Stadtqualität

    Telematik-Anwendungen für Wissen, Qualifikation, Kommunikation

    Bezogen auf die Interessen der Telecities ergibt sich die in Abbildung 1 dargestellte Verteilung:

    Abbildung 1: Interessen der Telecities

    Betrachtet man die einzelnen Handlungsfelder genauer, zeigt sich eine Dominanz traditioneller Zielperspektiven, die vorrangig auf die Förderung von Wachstum, die Schaffung neuer Beschäftigungsfelder sowie die Strukturanpassung und Effizienzsteigerung der öffentlichen Verwaltung abgestellt ist. Weitergehende zukunftsorientierte Zielsetzungen im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind nur in Ansätzen erkennbar.

    Dies war auch ein zentrales Resultat der Internationalen Sommerakademie. Der Telematikeinsatz in den Städten verläuft in aller Regel technikzentriert. Die Chance für eine Gestaltung der Inhalte und Anwendungen bzw. des neudeutschen Begriffs "content" wird nur unzureichend wahrgenommen. Dies liegt nicht zuletzt auch an den erheblichen finanziellen Engpässen in den Kommunen. Die Hoffnung der Städte auf neue ökonomische Einnahmequellen durch die Gründung eigener Gesellschaften (wie z.B. die Net Cologne) die die Netze- und Dienste-Aktivitäten bündeln soll, bleibt angesichts der milliardenschweren Konkurrenz durch die privaten Netzeanbieter eher eine risikohafte Unternehmung. Die Potentiale für eine verbesserte Partizipation von Bürgern z.B. bei Planungsprozessen erschöpfen sich zunehmend in der Beteiligung der Städte beim Aufbau von Stadtinformationssystemen. Ein nutzer - und anwendungsbezogener Technikgestaltungsansatz, wie er bei dem Konzept der "Telematischen Stadt Duisburg" realisiert werden soll, bleibt dagegen die Ausnahme. Auf der anderen Seite zeigte sich bei den Städten eine hohe Bereitschaft zum Erfahrungsaustausch, die von einem hohen Orientierungsbedarf der Städte angesichts einer überaus turbulenten und dynamischen Marktentwicklung zeugt.

    Als ein konkreter Ansatz für eine verbesserte Kommunikation unter den Städten wurde auf der Tagung die Task Force "Electronic Cities" im Rahmen der nordrhein-westfälischen Landesinitiative "media NRW" ins Leben gerufen. Ebenfalls auf der Tagung angekündigt liegt jetzt ein Projektvorschlag zum Aufbau eines Online Forums der "Telematischen Städte" vor, das initiiert und getragen wird von dem Deutschen Institut für Urbanistik, ART + COM und dem Sekretariat für Zukunftsforschung. Ziel dieses Vorhabens ist es, neben der Organisation eines intensiven Erfahrungsaustausch, vor allem auch zu einer verbesserten Kooperation unter den Städten zu gelangen. Vielleicht können die Städte ihre Konkurrenznachteile bzgl. der Ausstattung mit finanziellen Ressourcen durch die Bildung strategischer Allianzen auf dem Gebiet der Gestaltung von Inhalten und Anwendungen zumindest kompensieren.

    Der Weg zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung oder zu Sustainable Cities, das hat die Tagung gezeigt, ist noch weit und steinig. Rolf Kreibich, wissenschaftlicher Direktor des SFZ verwies deshalb mit Recht darauf, daß der technikbezogene Begriff "Telematische Städte" kein hinreichendes Leitbild für eine zukunftsfähige Entwicklung sein kann. Erst eine Verschränkung unterschiedlicher Leitbilder wie z.B. der

    mit Technikvisionen verspricht zukunftsfähige Stadtentwicklungkonzepte. Als wunder Punkt eines solchen Leitbildes steht nach wie vor die unbeantwortete Frage, welche Potentiale Telematik und Ökologie für eine zukunftsfähige Entwicklung bereithalten.

    Bibliographische Angaben und Bestellhinweis

    Im Juli erscheint der ausführliche Tagungsband:

    Klaus Burmeister, Kai Böhme (Hrsg.): Telematic Cities - Perspektiven nachhaltiger Stadtentwicklung, Gelsenkirchen 1996.

    sowie weiterführend:

    Kai Böhme, Klaus Burmeister, Ursula Wyss: Telematik für die Städte Europas - Darstellung europäischer Förderprogramme und ausgewählter kommunaler Umsetzungsbeispiele, Werkstattbericht 16 des SFZ, Gelsenkirchen 1995.

    Beide Publikationen sind telefonisch, per Fax oder e-mail beim SFZ zu beziehen:
    Tel.: 0209-167-2800, Fax: 0209-167-2801,
    e-mail: bu@sfz.wipage.de

    Nähere Informationen zum Online-Forum der "Telematischen Städte" sind ebenfalls bei SFZ (Ansprechpartner: Klaus Burmeister) erhältlich.

    Kontakt

    Klaus Burmeister
    Sekretariat für Zukunftsforschung
    Munscheidstraße 14
    D-45886 Gelsenkirchen
    Tel.: +49-(0)209/167-2804
    Fax: ++ 49-(0)209/167-2801


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    ISI-Studie zur Evaluation der Umwelttechnikförderung des BMBF

    Gesetzgebung und Normenbildung sind grundlegend für das hohe Niveau des Umweltschutzes in Deutschland. Welche Bedeutung dabei die Förderung von Forschungsvorhaben für die Ausgestaltung oder Umsetzung der Gesetzgebung im Umweltschutz hat, hat das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) untersucht.

    Ausgewertet wurden rund 1.600 Forschungsvorhaben, die von 1980 bis 1992 mit rund 1,5 Milliarden Mark vom BMBF gefördert wurden. Die Untersuchung wird in zwei Teilabschnitten veröffentlicht. Ein Bericht zum Einfluß der Umwelttechnikförderung auf die Gesetzgebung liegt bereits vor (Teil I), die Ergebnisse zur Evaluation der ökologischen und ökonomischen Wirkungen werden bis Ende des Jahres veröffentlicht.

    Der bereits vorliegende Forschungsbericht kommt zu dem Schluß, daß die Förderung der Umwelttechnik durch das BMBF Gesetzgebung und Vollzug im Umweltschutz hilfreich unterstützt und den Handlungsspielraum für die Umweltpolitik erheblich erweitert hat. Im einzelnen heißt es im Executive Summary, daß jedes dritte geförderte Vorhaben die Ausgestaltung oder die Umsetzung der Regelungen, Normen oder Richtlinien beeinflußte. Bei rund der Hälfte dieser Regelungseffekte waren BMBF-Vorhaben entscheidend, während bei der zweiten Hälfte BMBF-Vorhaben zwar unterstützend wirkten, jedoch die Regelungseffekte letztlich auf nicht geförderter FuE fußten oder die Regelungen aus anderen Gründen nicht entscheidend beeinflußten. Gut 40 % der regelungswirksamen Vorhaben wirkten als Umsetzungshilfe. Das heißt, der fortentwickelte Stand der Technik versetzte den Verwaltungsvollzug in die Lage, dort, wo bereits Regelungen in Kraft sind, die umwelttechnischen Anforderungen an neu zu errichtende oder umzurüstende Anlagen zu erhöhen. Dies läßt die Bedeutung erkennen, die dem Vollzug der Umweltgesetzgebung für die Fortentwicklung der Umweltstandards zukommt. Die Ergebnisse vermitteln ein positives Bild der hier untersuchten Wirkungen der Forschungsförderung des BMBF. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man die Beiträge von grundlagenorientierten Vorhaben hinzurechnet, die, obwohl noch anwendungsfern, eine technologische Basis geschaffen haben, auf die nachfolgende Technikentwicklungen aufsetzen konnten, und man ferner potentielle Effekte auf in Vorbereitung befindliche Gesetzgebungsvorhaben berücksichtigt.

    Besonders ausgeprägt sind die erzielten Regelungseffekte im Förderbereich Gewässerschutz, Trinkwasseraufbereitung und Wasserversorgung. Dies erklärt sich aus dem Zielbereich der Förderung, in dem vor allem öffentliche Einrichtungen wie Wasserversorgungsunternehmen tätig sind, die von der staatlichen Forschungsförderung bei der Erfüllung ihres gesetzlichen Versorgungsauftrags unterstützt werden. Trinkwasser ist ein essentielles Lebensmittel mit besonders stringenten Qualitätsanforderungen, deshalb orientiert sich die Aufbereitung von Trinkwasser am technisch Machbaren. Die staatliche Forschungsförderung übernimmt hier insbesondere die Aufgabe, unmittelbar anwendbare Lösungen bereitzustellen.

    Ein gelungenes Beispiel für das Ineinandergreifen von vorlaufender staatlicher Forschungsförderung und darauf aufsetzender Umweltpolitik ist der Förderschwerpunkt Abfallverbrennung. Der Forschungsschwerpunkt Hausmüllverbrennung des Forschungszentrums Karlsruhe, die Projektförderung zur Abscheidung von Dioxinen und Schwermetallen aus dem Rauchgas sowie ein umfangreiches Meßprogramm an Müllverbrennungsanlagen haben das Verständnis der Dioxinbildung entscheidend verbessert.Es ergaben sich kleine Hinweise auf prozeßintegrierte Minderungsmöglichkeiten. Es wurde möglich, die anspruchsvollen Grenzwerte von 0,1 ng/m3 für Dioxine und 0,05 mg/m3 für dampfförmiges Quecksilber sicher einzuhalten und in der Abfallverbrennungsverordnung (17. BImSchV) festzuschreiben. Der Förderschwerpunkt hat insbesondere die Handlungsspielräume in der Abfallpolitik entscheidend erweitert. Erst durch die technische Verbesserung der Abfallverbrennung zu einer ökologisch vertretbaren Behandlungsalternative wurde es möglich, die stringenten Anforderungen an die Mineralisierung der abzulagernden Abfälle in der TA Siedlungsabfall festzuschreiben und die Stellung der thermischen Abfallverwertung im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz aufzuwerten. Angesichts auslaufender Deponiekapazitäten und der technischen und wirtschaftlichen Grenzen beim Recycling, ist die Abfallverbrennung neben Vermeidung und Verwertung zu einer wichtigen Säule der Abfallwirtschaft geworden, wenngleich in der Ökologiebewegung noch immer massive Vorbehalte gegen diese Alternative bestehen.

    Hervorzuheben ist auch der Förderschwerpunkt zur Minderung der Emissionen an FCKW und anderen halogenierten Kohlenwasserstoffen. Die geförderte Entwicklung von Ersatzstoffen für FCKW in seinen verschiedenen Verwendungen und von Verfahrensalternativen hat wesentlich dazu beigetragen, die in der FCKW-Halon-Verbotsverordnung vorgesehenen Übergangsfristen einzuhalten, ja den Ausstieg sogar vor diesem Zeitplan zu bewältigen. Auch beim Hohe See Einbringungsgesetz von 1977 hat die Forschungsförderung die Umsezung der Übergangsfristen wesentlich unterstützt. Darunter Verfahren zur Vermeidung von Dünnsäure aus der Titandioxidproduktion, zur landgestützten Behandlung von organisch verunreinigter Schwefelsäure und zur Aufarbeitung von Hafenschlick.

    Das ISI empfiehlt den Informationstransfer über die erzielten Ergebnisse in die Fachwelt und in die dem Verwaltungsvollzug zuarbeitenden Gremien auszubauen und eine systematische Beobachtung und Vorausschau von Wissenschaft und Technik im Förderfeld einzurichten.

    Bibliographische Angaben

    G. Angerer u.a.: Einflüsse der Forschungsförderung auf Gesetzgebung und Normenbildung im Umweltschutz. Berlin: Physica-Verlag, 1996. 359 S. DM 98,-- brosch. ISBN 3-7908-0904-7

    Kontakt

    Dr. Gerhard Angerer
    Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI)
    Breslauer Straße 48
    D-76139 Karlsruhe
    Tel.: + 49(0)721/6809-117
    Fax: + 49(0)721/6809-152


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    Mini-Delphi 1995 zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik

    Seit 1993 der erste "Deutsche Delphi-Bericht zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik" vorgelegt wurde, sind die Methode der Expertenbefragung weiterentwickelt und mehrere Fachgebiete vertieft untersucht worden. Bei der ersten Delphi-Studie wurde noch der Fragenkatalog der in Japan routinemäßig durchgeführten Befragung unverändert übernommen. Für die jetzt vorliegende Delphi-Studie wurden die Themen und Fragen gemeinsam in Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) und dem Japanischen National Institute for Science and Technology Policy (NISTEP) festgelegt.

    Gleichzeitige Befragung in Japan und Deutschland

    Die Befragung für dieses sog. Mini-Delphi fand 1994/95 gleichzeitig in Japan und Deutschland statt. Sie sollte einerseits einen vertieften Blick auf ausgewählte Themenfelder ermöglichen, andererseits diente sie der methodischen Vorbereitung einer geplanten wieder umfassenden Delphi-Untersuchung auf internationaler Ebene. Erstmals liegen jetzt auch Antworten zu folgenden Fragen vor:

    1. Wie wichtig sind die Themen für
    2. Wann ist mit einer Verwirklichung zu rechnen, bald, später oder nie?
    3. Wie sind die nationalen Rahmenbedingungen hinsichtlich

    einzuschätzen?

    Vier Bereiche ausgewählt

    Da die Befragung von begrenztem Umfang sein sollte, konnte jeder Bereich nur exemplarisch mit jeweils zwei typischen, aber nicht als repräsentativ oder gar erschöpfend angesehenen Leitthemen behandelt werden.

    1. Werkstoffe und Verfahrenstechnik
    2. Mikroelektronik und Informationsgesellschaft
    3. Biowissenschaften und Medizin
    4. Auswege aus der Umweltzerstörung

    Zu den vier Bereichen wurde jeweils eine japanische sowie eine deutsche Expertengruppe zusammengestellt, die das Projekt begleiteten.

    Eher ein wirtschaftliches oder ein wissenschaftliches Potential?

    Den vier Leitthemen kognitive Systeme und künstliche Intelligenz, Mikrosysteme und Nanotechnologie, Photovoltaik und Recycling wird das höchste wirtschaftliche Potential zugetraut. Die übrigen Gebiete, nämlich die Hirnforschung, die Krebsforschung, die Klimaforschung und die Supraleitung besitzen ein besonders hohes wissenschaftlich-technisches Potential. In allen diesen Gebieten kann eine verschiedenartige Zukunftsdynamik in zeitlicher Hinsicht beobachtet werden.

    Gute Bedingungen in Deutschland

    Unterschiedlich werden die Rahmenbedingungen in Deutschland und Japan von den jeweiligen Experten eingeschätzt. Bis auf das Engagement der Wirtschaft bewerteten auf einer Skala von -1 bis +1 die deutschen Experten die Rahmenbedingungen besser als die japanischen Wissenschaftler. Auffällig ist, daß der eigene Wissensstand von den deutschen Experten in den meisten Themenfeldern deutlich vorsichtiger eingeschätzt wird als in Japan.

    Ökologie oder Ökonomie?

    Für viele neue Themen stellt sich die Frage, ob die Entwicklung wichtiger für die Wirtschaft oder für die Umwelt ist. Stehen Ökologie und Ökonomie im Konflikt, wie oft behauptet wird? Aus der Umfrage ergibt sich, daß bei fast allen Themen kein Gegensatz zwischen Ökonomie und Ökologie gesehen wird. Oftmals verläuft zwischen den jeweiligen Angaben eine hochsignifikante Korrelation. Die Klimaforschung, das Recycling und die Photovoltaik haben eher eine größere Wichtigkeit für die Umwelt als für die Wirtschaft, während es sich für Supraleitung, Mikrosystemtechnik und Nanotechnologie sowie für kognitive Systeme und künstliche Intelligenz genau umgekehrt verhält. Neue Technik für die Umwelt kann somit auch von wirtschaftlichem Vorteil für die Unternehmen, aber erst recht für die Gesamtwirtschaft sein.

    Relevanz für Entwicklungsländer

    Für den Fortschritt in Wissenschaft und Technik werden die meisten Einzelthemen als sehr wichtig eingeschätzt. Eher unwichtig sind die meisten Themen der Delphi-Auswahl für die Dritte Welt. Diese Kategorie war aufgenommen worden, um herauszufinden, ob die ausgesuchten technischen Entwicklungen möglicherweise einen Beitrag zur Entwicklung dieser Länder leisten können. Das Gros der Entwicklungsprobleme wird aber nach Einschätzung der Experten nicht auf rein technischem Wege lösbar sein. Eine durchschnittliche Wichtigkeit werden die Themen der Delphi-Umfrage für die Gesellschaft haben, so die befragten Experten, wobei das Urteil dem für wirtschaftliche Relevanz weitgehend entspricht.

    (Quelle: BMBF-Forschungsinfo Nr. 38/95 vom 19.12.1995)

    Der Bericht zum Mini-Delphie ist im März 1996 vom BMBF veröffentlicht worden und dort erhältlich (BMBF, Referat Öffentlichkeitsarbeit, 53170 Bonn, Fax 0228/57-3917,
    E-mail: information@bmbf.bund400.de)

    Bibliographische Angaben

    BMBF (Hrsg.): Delphi-Bericht 1995 zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik - Mini-Delphi. Bonn: 1996. 206 S.

    Kontakt

    Kerstin Cuhls, M.A.
    Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI)
    Breslauer Straße 48
    D-76139 Karlsruhe
    Tel.: 0721/6809-141
    Fax: 0721/6809-176


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    Vorstudie zur Technologiefolgenabschätzung und -bewertung zu den Neurowissenschaften

    von Fritz Gloede, ITAS

    Vor dem Hintergrund strittiger Potentiale wie Implikationen der molekularbiologischen Forschung für Gesundheitsversorgung und politik hat die Universität Hamburg 1992 den Auftrag zu einer Vorstudie vergeben, die anhand eines Überblicks über die aktuellen Entwicklungsrichtungen der molekularbiologisch orientierten Neurobiologie diejenigen Vermittlungspunkte ausfindig machen sollte, über die die moderne Neurobiologie in gesellschaftliche Zusammenhänge ausstrahlt. Umgekehrt sollten auch die gesundheitspolitischen Prämissen und Folgen biomedizinisch-neurobiologischer Fortschritte bedacht werden. Die von Prof. Dr. Astrid Speer (Berlin) und PD Dr. Friedrich Nolte (Hamburg) bis 1994 erarbeitete Studie ist nicht nur geeignet, so sieht es Herausgeber Stephan Albrecht, dem Forschungsprogramm des Forschungsschwerpunkts Biotechnik, Gesellschaft und Umwelt (BIOGUM) der Universität Hamburg Anregungen, sondern auch der öffentlichen Debatte um neue medizinische Techniken und die Zukunft des Gesundheitswesens Orientierungshilfen zu geben.

    Der erst im Oktober 1995 als Nr. 6 der "Arbeitsmaterialien zur Technologiefolgenabschätzung und -bewertung der modernen Biotechnologie" publizierte Forschungsbericht zerfällt in zwei Abschnitte mit geteilter Autorenschaft. Der Hamburger Immunologe Nolte verantwortet Begründungen und Schlußfolgerungen für Aufgaben und Fragestellungen einer "institutionalisierten TA Neurobiologie", während die Berliner Molekularbiologin Speer Bestandsaufnahmen und ausgewählte Arbeitsmaterialien (Forschungsergebnisse der molekularen Neurobiologie, Institutionen und Projekte der Forschung wie der TA zur medizinischen Biotechnologie, Betroffenheiten der Öffentlichkeit sowie existierende Datenbanken) beigesteuert hat. Beiden Abschnitten sind umfangreiche Bibliographien mit zusammen fast 500 Titeln angefügt, die den Disziplinen der Autoren entsprechend jedoch vornehmlich naturwissenschaftliche Arbeiten enthalten.

    Wie bereits deutlich geworden ist, wäre es unangemessen, von einer derartigen Vorstudie bereits die Ergebnisse zu erwarten, die die geforderte TA allererst erbringen könnte. Die im ersten Abschnitt unter 3. skizzierten "Aufgaben und Fragestellungen" orientieren sich freilich nicht zufällig an einer "institutionalisierten" TA und haben das längerfristige Programm des Forschungsschwerpunkts BIOGUM im Auge. Sie richten sich also weniger auf spezifische Probleme und Fragestellungen von konkreten Technikfolgenabschätzungen. Solche werden als "retrospektive und prospektive Fallstudien" begriffen und nur einigermaßen vage umrissen. Exemplarisch werden hier Vorbilder genannt, an denen sich die Arbeit der anvisierten Institution (BIOGUM) orientieren könnte (OTA- und TAB-Studien oder die ELSI-Studien der Genomprojekte). Akuten Forschungsbedarf identifiziert die Vorstudie zur Einführung von Gentests, zu Beratungskonzepten und Beratungspraxis der genetischen Diagnostik, zum Monitoring bei der Entwicklung neuer therapeutischer und konstitutionsverbessernder Verfahren sowie zu den Auswirkungen gesetzlicher und standesrechtlicher Regelungen. Angesichts der Bezugnahme auf bereits vorliegende Studien in diesen Feldern werden die spezifischen Zielsetzungen für den reklamierten Forschungsbedarf nicht recht erkennbar. Überdies finden sich hier oft recht allgemeine Desiderate zur Technikfolgenabschätzung (Brücken bauen zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit; Erarbeitung von Handlungsoptionen; kontinuierliche Monitoring-Prozesse; aber auch universitätsspezifisch: Beiträge zur akademischen Ausbildung), während der Bezug zur Neurobiologie im besonderen eher zufällig erscheint und vornehmlich im Kapitel 2.4 des ersten Abschnitts erörtert wird. Dieses Kapitel wiederum legt vornehmlich den Forschungsstand der Neurobiologie zu verschiedenen Erkrankungssyndromen dar, warnt allerdings auch vor soziokulturellen und gesundheitspolitischen Auswirkungspotentialen (Individualisierung der "Erkrankungsschuld", genetischer Reduktionismus als "Linearisierung des Denkens" u.a. - vgl. auch Kap. 2.1).

    Die Bestandsaufnahme im zweiten Abschnitt des Berichts sieht ihre Aufgabe in einer Darlegung wichtiger molekularbiologischer Forschungsergebnisse vor dem Hintergrund erheblicher Wissenslücken in der Öffentlichkeit. Denen abzuhelfen sollen wohl auch die weiteren aufgelisteten, aber nicht mitpublizierten Anlagen dienen - sei es als von der institutionalisierten TA zu betreibender "Dialog zwischen Primärforschern und Betroffenen" oder als "Übersetzungsarbeit" gegenüber einer breiteren Öffentlichkeit (Kap. 3.3 im ersten Abschnitt).

    Auffällig, aber vielleicht kaum verwunderlich ist nach alledem, daß die klassische Beratung politischer Entscheidungen nur randständig erwähnt wird und auch kaum einen Bezugspunkt für die Formulierung von Problemstellungen darstellt. In diesem Zusammenhang muß es ein wenig unklar bleiben, was Nolte mit dem Postulat meinen könnte, TA habe die Öffentlichkeit nicht nur zu informieren, sondern auch "zu notwendigen sozialpolitischen Veränderungen zu mobilisieren" (S. 74). Vielleicht ist hier der Beitrag von TA zu einer "Kultivierung des Streits über unsere zukünftige Lebensweise" angedacht, die zu einer besseren Konsensfindung darüber verhelfen könnte, "welcher technische Fortschritt auch gesellschaftlichen Nutzen bringt" (S. 85).

    Bibliographische Angaben

    Astrid Speer & Friedrich Nolte: Vorstudie zur Technologiefolgenabschätzung und -bewertung zu den Neurowissenschaften. Universität Hamburg - Arbeitsmaterialien zur Technologiefolgenabschätzung und -bewertung der modernen Biotechnologie, Nr. 6, Oktober 1995. Hrsg. v. BIOGUM - Forschungsschwerpunkt Biotechnik, Gesellschaft und Umwelt.

    Zu beziehen über

    Universität Hamburg
    FSP Biotechnik, Gesellschaft und Umwelt
    Ohnhorststraße 18
    D-22609 Hamburg
    Tel.: + 49(0)40/822 82 505
    Fax: + 49(0)40/82282254
    E-mail: alta@phylu.physnet2.uni-hamburg.de


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    Das nächste Beben kommt bestimmt - Recherche zu möglichen Einstellungsänderungen der Japanischen Bevölkerung zur Technik

    von Michael Rader, ITAS

    Das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF, München) bearbeitet seit einiger Zeit im Rahmen des Verbundes Sozialwissenschaftliche Technikforschung das Thema "Nationalspezifische Entwicklungstendenzen von Industriearbeit". Eine Zusatzstudie zu diesem Projekt befaßt sich mit Entwicklungen in Japan. Die dafür vorgesehenen empirischen Arbeiten mußten aufgrund des Hanshin-Erdbebens im Raum Kobe/Osaka im Frühjahr 1995 unterbrochen werden. Das BMBF nahm dieses Ereignis zum Anlaß, eine Recherche anzuregen, um aus dem Erdbeben resultierende Problematisierungen der Technik oder Änderungen der Produktionsweise in Japan zu erfassen.

    Hinter dieser Fragestellung verbirgt sich die Einschätzung, daß die japanische Bevölkerung im allgemeinen technikgläubiger oder weniger technikfeindlich eingestellt ist als die deutsche. Allerdings zeigt die Studie, daß dies bereits eine Fehlannahme ist, so daß das Erdbeben nicht zu einem Bruch in der, in Wirklichkeit nicht vorhandenen, Technikeuphorie führen konnte.

    Das Beben führte in erster Linie zu einer Problematisierung geltender Standards und Normen für die technische Sicherheit, sowohl unter den Fachleuten als auch in der Bevölkerung allgemein. Kritik wurde auch an der praktizierten Informationspolitik zu technischen Gefahren geäußert. Hiervon betroffen waren vor allem Kernkraftwerke, von denen zwar keines unmittelbar im betroffenen Gebiet lag, aber wegen der besonderen geophysikalischen Beschaffenheit Japans liegen fast alle in stark bebengefährdeten Gebieten.

    Das Erdbeben offenbarte ferner einige Schwächen der, auch in Japan nicht durchweg verbreiteten, japanischen Produktionsweise, sowie der vorhandenen Organisation des Bankenwesens, insbesondere dessen Kommunikationsstrukturen. Einige der Schäden sind auf Qualitätsmängel (etwa bei Bauten) zurückzuführen, die wiederum eine Folge des streng arbeitsteiligen Subunternehmerwesens sind.

    Nachhaltigere Auswirkungen als das Erdbeben auf die Einstellungen der Bevölkerung zur Technik haben technische Entwicklungen, die den Arbeitsalltag betreffen. Hier gibt es eine verbreitete Besorgnis, nicht auf Dauer mithalten zu können. Auch Sorgen, die Technik könne mißbraucht werden, sind weit verbreitet und wurden noch durch die Anschläge der Aum-Sekte verstärkt.

    Die etwa 70-seitige Studie wurde gemeinsam von deutschen und japanischen Forschern produziert. Sie gibt interessante Aufschlüsse über die hierzulande oft übersehenen Nachteile der japanischen Produktionsweise und zeigt mögliche Wege zur Minderung der Folgen künftiger Katastrophen ähnlicher Art auf. Schließlich plädiert sie hier für eine verstärkte internationale Kooperation, da schon wegen der weltweiten Verflechtungen in Industrie und Handel die Folgen solcher Katastrophen nicht vor nationalen Grenzen halt machen.

    Bibliographische Angaben

    Koshi Endo, Norbert Altmann: Das nächste Beben kommt bestimmt - Eine Recherche zur Problematisierung von Technik und Produktionsweise nach dem Hanshin-Erdbeben von Januar 1995 in Japan. Köln, 1996: Verbund Sozialwissenschaftliche Technikforschung, Mitteilungen Heft 16, Februar 1996.

    Bezug

    Koordinationsstelle des Verbunds Sozialwissenschaftliche Technikforschung
    z.Hd. Bernd Meisheit
    c/o Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung
    Lothringer Straße 78
    D-50677 Köln
    Tel.: 0221 - 336 05-23
    Fax: 0221 - 336 05-55
    E-Mail: meisheit@mpi-fg-köln.mpg.de


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