[www.itas.kit.edu]     [TA-Datenbank-Nachrichten]     [TA-Database-Newsletter]     [Inhalt]
Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und
Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN
Nr. 1, 6. Jahrgang - April 1997

TA-INSTITUTIONEN UND -PROGRAMME

Technikgestaltung & Technikbewertung am Fachbereich Informatik der Universität Hamburg

von Prof. Dr. Arno Rolf

Die Technikfolgenforschung wurde 1986 als eigenständiger Bereich am Fachbereich Informatik der Universität Hamburg etabliert, eine Professur für "Wirkungen der Informationstechnologie" besetzt (Prof. Dr. Arno Rolf) und mit einer wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle ausgestattet. Mitarbeiter waren Prof. Dr. Peter Berger, Dr. Heidi Schelhowe, Dr. Ralf Klischewski, heute ist es Dipl.-Inf. Andreas Möller. Es wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Drittmittelprojekte mit einer Reihe von Mitarbeitern durchgeführt.

Im folgenden werden die Meilensteine der Entwicklung dieses Bereichs von der isolierten Folgenabschätzung hin zur sozial- und umweltorientierten Informationstechnikgestaltung und -bewertung skizziert und eine Übersicht über aktuelle Forschungsarbeiten im Fachbereich Informatik der Universität Hamburg gegeben.

I. Entwicklung des Lehr- und Forschungsbereiches

1. Phase: Gründung der Wirkungsforschung

Prägend in der Anfangsphase waren das allgemein wachsende Bewußtsein für soziale Probleme im Zusammenhang mit Informationstechnikeinsatz sowie die Debatte um eine unzureichende Institutionalisierung von Technikfolgenabschätzung in politischen Entscheidungsprozessen. Dementsprechend waren die Handlungsfelder der Wirkungsforschung - bezogen auf die Wissenschaft Informatik und die von ihr hervorgebrachten Ergebnisse -, orientiert an Begriffen wie "Frühwarnsystem" und "soziale Beherrschbarkeit". Die verfolgten Konzepte waren vor allem geprägt durch Interdisziplinarität und die Einbeziehung von Betroffenen. [Zu wichtigen Forschungsergebnissen bzw. -Projekten dieser Phase vgl. Kubicek, H., Rolf, A. 1985; Rolf, A. 1986; Klischewski, R. et al. 1990.]

Herausforderungen erforderten eine Fortentwicklung des "klassischen" Ansatzes der Technikfolgenabschätzung, so u.a.:

Krise der Prognose:
Planbarkeit und Vorhersage stellten sich als wissenschaftlich immer weniger machbar heraus, einhergehend mit der Entwicklung der Chaosforschung und Selbstorganisationsansätzen.

"Wirkungslosigkeit der Wirkungsforschung":
Die Forschungsergebnisse kamen entweder zu spät (die untersuchte Technologie war bereits entwickelt und verbreitet) oder zu früh (noch zu große Unklarheit bezüglich weiterer Technikentwicklung oder der Bedingungen ihres künftigen Einsatzes).

Appendix der Informatik:
Die Folgenforschung wurde von den "Gestaltern" der Informationstechnik an den Rand gedrängt, auch weil die soziologische Analyse nicht ohne weiteres von Informatikern verstanden wird und deshalb kaum auf die Handlungsorientierung der Informatiker einwirken kann.

Funktion von Leitbildern:
In Forschungsprojekten wurde herausgearbeitet, daß die Wirkungsforschung Leitbilder und noch längst nicht realisierte Visionen der Technikhersteller als "bare Münze" nimmt und so selbst ihre Ausdifferenzierung und Verbreitung aktiv unterstützt.

Neue Leitbilder:
Computer als "Werkzeug" und als "Medium" stellten bisherige Metaphern der Rationalisierungs- und Automatisierungstechnologie in den Hintergrund mit der Folge, daß neue Sichtweisen für Folgenforschung und Technikgestaltung notwendig wurden.

2. Phase: Aufarbeitung der wissenschaftstheoretischen und historischen Grundlagen der Informatik

Die Informatik wurde in Deutschland Ende der 60er bis Anfang der 70er Jahre an zahlreichen (Technischen) Universitäten gegründet. Für einen Forschungsbereich an der Nahtstelle zwischen Informatik und Gesellschaft ist es von entscheidender Bedeutung zu verstehen, warum sich ein bestimmtes Informatikverständnis (Teil der Mathematik oder Ingenieurwissenschaft, warum kaum sozialwissenschaftliche Anteile?) durchgesetzt hat, obwohl gerade in der Anfangszeit auch konkurrierende Modelle in der Diskussion waren (Petri, Zemanek, Adam, Brauer). Die Identifikation der formenden Kräfte ist Voraussetzung für die Analyse des Verhältnisses von Informatik und Gesellschaft - erst auf dieser Grundlage können auch realistische Wege für eine Weiterentwicklung des Fachgebietes aufgezeigt werden.

Die Analyse der wissenschaftstheoretischen Grundlagen (Theorien, Begriffe, Modelle, Sichtweisen) und des damit verbundenen internen Wissenschaftsverständnisses diente der Bestandsaufnahme zum Verhältnis von Informatik und Gesellschaft. Die damit verbundene Zielsetzung war, die sprichwörtliche "Brandmauer" (Dijkstra) zwischen Korrektheitsproblematik in der Theoriewelt und ihrer Angemessenheit in der Anwendungswelt ein Stück weit zu überwinden. Damit verbunden war ein Bekenntnis zu einem integrativen Ansatz: Gesellschaftliche Bezüge sollten zu einem Teil des Informatikselbstverständnisses werden. Dazu sind Öffnungen und Erweiterungen der formalen, an maschineller Beherrschbarkeit ausgerichteten Grundlagen der Informatik notwendig. [Zu wichtigen Forschungsergebnissen bzw. -Projekten dieser Phase vgl. Rolf, A. 1992; Berger, P. 1991.]

3. Phase: Entwicklung "sozialorientierter" Modell- und Methodensichten

Um soziale Aspekte wissenschaftlich nachvollziehbar in die Informationstechnikentwicklung integrieren zu können, wurden Konzepte als Erweiterung der Informatikgrundlagen entwickelt und in Forschung und Lehre umgesetzt. Im einzelnen geht es um folgende Modelle und Sichtweisen:

Akteursmodell:
Entwicklung und Nutzung von Informationstechnik werden durch soziale Akteure vorangetrieben. Die Identifikation von Akteuren und ihren Handlungsarenen mit Hilfe von Akteursmodellen kann ein kommunizierbares und transparenzschaffendes Hilfsmittel in der Entwicklung von "eingebetteten" Systemen (embedded systems) sein.

Techniknutzungspfad und Technikgenese:
Rückblickend analysierbar als ein Ineinandergreifen von interessengeleitetem Akteurshandeln (Technikgeneseforschung). Vorausschauend lassen sich (alternative) Szenarien als mögliche Fortsetzungen des Techniknutzungspfades entwickeln und dadurch Optionen künftiger Technikentwicklung und -nutzung zur Diskussion stellen (Technikfolgen- und -gestaltungsforschung).

Gestaltung durch Leitbilder:
Leitbilder (wie z.B. "Informationsgesellschaft") spielen in Gestaltungsprozessen insbesondere als akteursübergreifende Orientierungen eine wichtige Rolle - diese zu hinterfragen, in ihrer Bedeutung für einzelne beteiligte Akteure aufzuklären und ggf. auch Alternativen aufzuzeigen, sind wesentliche Aufgaben der Gestaltungsforschung. [Zu wichtigen Forschungsergebnissen bzw. -Projekten dieser Phase vgl. Rolf, A. u.a. 1990; Rolf, A. u.a. 1994; Friedrich u.a. 1995.]

4. Phase: Exemplarische Verknüpfung der neuen Modellsicht mit Informatik-Schwerpunkten sowie Technologietransfer von Forschungsergebnissen in die Praxis

In der zur Zeit andauernden Phase wird versucht, die bisherigen Ergebnisse für die an der Systemkonstruktion orientierte Informatik-Forschung und Lehre fruchtbar zu machen und exemplarisch in Schwerpunktbereichen der angewandten Informatik zu verankern. Bearbeitet werden insbesondere die Bereiche

Wirtschafts- und Organisationsinformatik:
Neben analytischer Erkenntnis werden Erklärungs-, Referenz- und Handlungsmodelle sowie Methoden und Werkzeuge entwickelt, um angemessene Informationstechnikunterstützung für Arbeitsorganisation und unternehmensübergreifende Kooperation zu konzipieren und exemplarisch zu entwickeln.

Umweltinformatik:
Über den bisherigen Rahmen der Umweltinformatik hinaus (Umweltschäden DV-gestützt erfassen und dokumentieren) wird der Frage nachgegangen, wie einzelne Akteure - insbesondere einzelne Unternehmen - methodisch und technologisch unterstützt werden können, so daß sie einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten können. Im Zentrum steht dabei eine von uns entwickelte Konzeption zur Stoffstromanalyse und ein darauf aufbauendes Stoffstrommanagement auf der Basis des zu diesem Zweck entwickelten Softwarewerkzeugs Umberto (in Kooperation mit dem ifu Institut für Umweltinformatik Hamburg GmbH und dem ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH).

Softwaretechnik und Systementwicklung:
Die Informatik als Wissenschaft liefert vor allem Grundlagen, Methoden und Modelle für die Systementwicklung in der Praxis. Um soziale und ökologische Aspekte möglichst frühzeitig (und damit ressourcensparend) in die Systementwicklung einzubeziehen, ist die Theoriebildung auch im Bereich der "Kerninformatik" auf ihre soziale Wirksamkeit hin zu befragen, und es sind praxisangemessene Erweiterungen zu suchen.

Darüber hinaus wurden Kontakte aufgebaut, um die entwickelten Methoden, Modelle und Softwareprodukte praxiswirksam werden zu lassen. Für den Bereich Umweltinformatik und Stoffstrommangement hat sich dabei insbesondere ein Interesse von Handelsunternehmen und Dienstleistern gezeigt. Praktisches Interesse haben auch zahlreiche Hochschulen, die mit Hilfe der computergestützten Ökobilanzierung Umweltthemen bearbeiten. [Zu wichtigen Forschungsergebnissen bzw. Projekten dieser Phase vgl. Möller, A. u.a. 1996; Klischewski, R. 1996; Klischewski/Ruhmann 1996; Schmidt/Häuslein 1997]

II. Übersicht über aktuelle Forschungen

Im Bereich Technikgestaltung & Technikbewertung werden z.Z. folgende Schwerpunktthemen bearbeitet:

Ein wesentliches Merkmal der Hamburger Gruppe besteht in der Integration von TA-Aspekten in klassische Informatik-Lehr- und Forschungsfelder. Auf diese Weise soll eine Verknüpfung von Verfügungs- und Orientierungswissen erreicht werden. Ein Beispiel ist die Lehrveranstaltung Umweltinformatik I : In der Einstiegsphase werden Orientierungen vermittelt, im Hauptteil stehen Methoden, Modelle, Produkte und Werkzeuge der Umweltinformatik im Mittelpunkt. Zum Abschluß der Veranstaltung werden zukünftige Szenarien entwickelt und mit den erlernten Methoden etc. rückgekoppelt (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Lehrveranstaltung Umweltinformatik I des FB Informatik an der Universität Hamburg (WS 96/97)
I. Ökologische Technikfolgenabschätzung (TA) der Informationsgesellschaft
1. Technische, ökonomische und globale Leitbilder der Informationsgesellschaft

2. Öko-TA: Exemplarische Untersuchungen
(Telearbeit, Teleshopping/WWW, virtuelle Bibliotheken, Process Reengineering etc.)

3. Methoden der Öko TA:

  • Stroffstromnetze (Beispiel Telearbeit in der Region HH),
  • Methoden der TA
II. Modell Ressourcenschlanke Produktion
1. Leitbilder des Umweltschutzes
  • Gesellschaftliche Leitbilder; Nachhaltigkeit, volkswirtschaftliche Effizienz,
    betriebswirtschaftliche Kosteneffizienz
  • Betriebliche Leitbilder des Umweltschutzes; End-of-Pipe bis Life-Cycle-Design

2. Ökonomische Werkzeuge: Ökobilanzen, BUIS, Stoffstrommanagement etc.

3. Softwarewerkzeuge für den betrieblichen Umweltschutz
Überblick, Demo und Übung am Rechner

4. Modellstudie: Ressourcenschlanke Produktion in einem Handelsunternehmen

III. Modell Qualitätsökonomie & sustainable development
Ökonomische und informatorische Voraussetzungen
(Globalisierung/Regionalisierung, dauerhafte Produkte, Life-Cycle Design,
Auswirkungen auf Organisations- und Softwaretechnikkonzepte, z.B.
Objektorientierte Methoden)

Darüber hinaus bemühen wir uns, unsere Ergebnisse in die Praxis zu bringen. Der Technologietransfer ist für uns deshalb wichtig, weil die TA-Forschung durch Realisierung von selbst entwickelten Technikoptionen einen hohen gesellschaftlichen Wirkungsgrad erreichen kann. Wir können so aber auch lernen und gesellschaftlich relevante Fragestellungen sehr schnell identifizieren. Vielleicht kann diese Vorgehensweise als aktualisierte Form der Aktionsforschung gedeutet werden.

Literatur

Berger, P.: Gestaltete Technik. Die Genese der Informationstechnik als Basis einer politischen Gestaltungsstrategie, Ffm. (1991)

Friedrich / Herrmann / Peschek / Rolf: Informatik und Gesellschaft, Heidelberg (1995), Forschungsprojekt der GI, FB 8

Klischewski, R., Kühn, M., Oberquelle, H., Rolf, A.: Technologiefolgenabschätzung des Einsatzes von Bürokommunikationssystemen - Bestandsaufnahme, Bewertung und Konsequenzen für klein- und mittelständische Betriebe in der Region Hamburg. (Forschungsbericht an die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 1990), Forschungsprojekt des Wirtschaftssenators der Freien und Hansestadt Hamburg.

Klischewski, R.: Anarchie - eine Leitbild für die Informatik. Von den Grundlagen der Beherrschbarkeit zur selbstbestimmten Systementwicklung. (1996)

Klischewski, R., Ruhmann, I.: Ansatzpunkte zur Entwicklung von Methoden für die Analyse und Bewertung militärisch relevanter Forschung und Entwicklung im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie. (Kooperation mit dem FIfF e.V. im Auftrag des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Bonn, 1995; Zusammenfassung im TAB-Arbeitsbericht Nr. 45/1996).

Kubicek, H., Rolf, A.: Mikropolis - mit Computernetzen in die "Informationsgesellschaft", Hbg. (1985).

Möller, A., Häuslein, A., Rolf, A.: Stoffstrommanagement für ein mittelständisches Filialunternehmen. (Forschungsbericht an die Bundesstiftung Umwelt, 1996).

Rolf, A. (Hg.): Neue Techniken Alternativ. Möglichkeiten und Grenzen sozialverträglicher Informationstechnikgestaltung, Hbg. (1986).

Rolf, A., Berger, P., Klischewski, R., Kühn, M., Maßen, A., Winter, R.: Technikleitbilder und Büroarbeit. Zwischen Werkzeugperspektive und globaler Vernetzung, Wiesbaden (1990), Forschungsprojekt des Landes Nordrhein-Westfalen, Arbeit & Technik.

Rolf. A.: Sichtwechsel - Informatik als (gezähmte) Gestaltungswissenschaft. In: Coy, W., Rolf, A. u.a (Hg.): Sichtweisen der Informatik, Wiesbaden (1992), Forschungsprojekt VDI/VDMA.

Rolf, A., Klischewski, R., Schelhowe, H.: Anwendung - Wirkung - Gestaltung. Konzepte und Erfahrungen zur Einführung in "Informatik und Gesellschaft" im Grundstudium, FBM-Hbg. (1994).

Schmidt, M., Häuslein, A.: Ökobilanzierung mit Computerunterstützung, Berlin, Heidelberg, New York 1997.

Kontakt

Prof. Dr. Arno Rolf
Universität Hamburg
Fachbereich Informatik
Arbeitsbereich ASI
Vogt-Kölln-Str. 30
D-22527 Hamburg
Tel.: + 49 (0) 40/54 94 24 28
Fax : + 49 (0) 40/54 94 2311
E-mail: Rolf@informatik.uni-hamburg.de


[www.itas.kit.edu]     [TA-Datenbank-Nachrichten]     [TA-Database-Newsletter]     [Inhalt]     [Zum Seitenanfang]

ERASMUS Centre for Environmental Studies, Netherlands

The Erasmus Centre for Environmental Studies (ECES) was founded in 1984. The core of the ECES-research is a multi-disciplinary approach to societal aspects of environmental problems. The diffusion and adoption of innovations, beneficial for the environment, are focal points in the research questions. The term innovation is broadly defined and comprehends both concrete technologies and products as well as systems and concepts. The research aims at the relationship between, on the one side, the application of technology and, on the other side, the societal conditions under which technology can be applied. Empirical research is done within industries and their surroundings of stakeholders as, among others, competitors, governmental regulatory organizations, environmental movements and consumers.

Several studies deal with one or more of the following research questions:

Since several years now, 'Sustainable Development' is the central theme in governmental policies in many countries in the world. In the Dutch National Environmental Policy Plan (1989), 'Sustainable Development' is operationalized into three targets:

Numerous times, the development and dissemination of environmental innovations have been pointed out as crucial to the realisation of these targets. Not only 'Clean Technology' innovations, but also concepts for social and cultural innovations, are more and more explored. Concrete illustrations are environmental care systems for companies, car-pooling, the development and purchase of environmentally sound products, innovative policy-strategies and decision-making processes.

The research programs of the ECES cover the three mentioned targets of Dutch environmental policy. Factors and actors that influence environmental management in industry (research program Cleaner Production) are the focal points.

Research programs and projects

The research questions are elaborated in four coherent research programs:

In these research programs, the relationship between application of technology and the conditions for application of technology are explored in two theoretical approaches:

These approaches are being analyzed in a scientific framework of an interaction or network model, in which the relevant variables in policies in a dynamic goalsetting process of the interaction between relatively autonomous and mutually independent actors will be examined.

Research of these variables involve several levels of interaction:

The following major projects are currently in operation:

Contact

Prof. Dr. W.A. Hafkamp, Director
Erasmus Centre for Environmental Studies
Department of Environmental Science
Erasmus University Rotterdam
Postbus 1738
Burgemeester Oudlaan 50
3000 DR Rotterdam
The Netherlands
Tel.: + 31-(0) 10-408 2050
Fax: + 31-(0) 10-212 0834
Internet: http://www.eur.nl/fswm


[www.itas.kit.edu]     [TA-Datenbank-Nachrichten]     [TA-Database-Newsletter]     [Inhalt]     [Zum Seitenanfang]

Die zweite Phase des European Science and Technology Observatory beginnt

von Michael Rader, ITAS

Das European Science and Technology Observatory (ESTO) entstand als Aktivität innerhalb des Vierten Rahmenprogramms für Forschung und technologische Entwicklung der Europäischen Union. Mit der Gründung von ESTO wurde das in Sevilla ansässige Institute for Prospective Technological Studies (IPTS) der Gemeinsamen Forschungsstelle (GSF) der Europäischen Kommission beauftragt. Das ESTO wurde als Netz von Forschungeinrichtungen konzipiert.

Im ersten Jahr seines Bestehens, 1995 - 1996, beteiligten sich 10 europäische Einrichtungen am sogenannten Core-Net von ESTO, weitere etwa 40 Einrichtungen bildeten das weitere ESTO-Netz.

Die wichtigste sichtbare Aktivität des IPTS während des ersten Jahres war die Etablierung einer monatlichen Zeitschrift, des "IPTS Report". Dabei wurde das Institut vor allem von den Einrichtungen des Core-Nets unterstützt.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1996 fand eine Evaluierung der Arbeiten des IPTS durch eine Gruppe externer Experten statt, die den Aufbau des ESTO-Netzes als prioritäre Aufgabe des IPTS bezeichneten. Bereits davor hatte eine Ausschreibung stattgefunden, in der Konsortien von Forschungseinrichtungen aufgefordert wurden, Dienste für den dauerhaften Aufbau und Betrieb von ESTO anzubieten. Erfolgreich bei dieser Ausschreibung war ein Konsortium von 14 Einrichtungen, von denen bereits neun am alten Core-Net beteiligt gewesen waren. Die Vergabe des Vertrages zum Jahresende 1996 war ein Anlaß, die Arbeit von ESTO neu zu strukturieren.

Die Geschäfte des nunmehr als "ESTO Coordinating Group" bezeichneten "inneren Netzes" werden von einem Koordinator, dem VDI-Technologiezentrum, geführt, der zugleich Mitglied des "Executive Committee" von ESTO ist, dem obersten Beschlußorgan zwischen den jährlichen Hauptversammlungen.

Das ESTO-Netzwerk dient zur Beobachtung der Entwicklung im Bereich Forschung und Technologie, insbesondere im Hinblick auf Ereignisse mit sozio-ökonomischen Implikationen. Der mit dem Konsortium abgeschlossene Vertrag sieht dafür fünf Kategorien von Aktivitäten vor:

Die einzelnen Mitglieder der Koordinierungsgruppe fungieren auch als Netzwerk-Korrespondenten, die zum einen laufend über die Entwicklung in ihrem eigenen Land und ausgewählten weiteren Ländern berichten. Zum anderen berichten die Korrespondenten über einzelne Fachgebiete, in denen die Einrichtungen eine besondere Kompetenz besitzen. Auf diese Weise soll kontinuierlich und umfassend über bedeutende technisch-wissenschaftliche Ereignisse berichtet werden. Die Daten, die auf diese Weise gesammelt werden, bilden die Grundlage für den bereits erwähnten Baseline-Report und sollen darüber hinaus eine Art Datenbank bilden.

Um den Informationsfluß zwischen den einzelnen ESTO-Mitgliedern und zwischen ESTO und seinen Auftraggebern und sonstigen Adressaten seiner Aktivitäten zu ermöglichen, muß eine geeignete technische Infrastruktur geschaffen werden, die möglichst vielen Interessenten den Zugang zu Informationen aus ESTO-Aktivitäten gestattet. Dies ist vor allem die Aufgabe des Koordinators und des IPTS. Das IPTS verfügt bereits über eine Seite im World Wide Web (http://www. jrc.es), die bereits umfassend über das IPTS und ESTO berichtet und eine gute Ausgangsbasis für ein erweitertes Angebot darstellt.

Last not least sollen ESTO-Aktivitäten nicht auf die 14 Einrichtungen der Koordinierungsgruppe und das IPTS beschränkt bleiben, so daß eine wichtige Aufgabe darin besteht, andere wichtige Einrichtungen in das ESTO-Netz einzubinden. Vorgesehen ist dafür der Status des "assoziierten Mitgliedes" von ESTO, für den noch Kriterien entwickelt werden. In Frage kommen weitere Forschungseinrichtungen, die ein ähnliches Aufgabenspektrum abdecken wie die Mitglieder der Koordinierungsgruppe bzw. diese thematisch und geographisch gegebenenfalls ergänzen. Darüber hinaus wird angestrebt, auch internationale Institutionen wie OECD oder die IATAFI an ESTO-Aktivitäten zu beteiligen. Für die Pflege der Beziehungen zu solchen Einrichtungen werden aus dem Kreise der ESTO-Koordinierungsgruppe noch Zuständige ernannt.

Mitglieder der Koordinierungsgruppe sind folgende Einrichtungen:

VDI TECHNOLOGIEZENTRUM, Düsseldorf, Deutschland (Koordinator)

ADIT - Agence pour la Diffusion de l'information technologique, Paris/Strasbourg, Frankreich

CEST - Centre for Exploitation of Science and Technology, London, UK

DTU - University of Denmark, Unit of Technology Assessment, Lyngby, Dänemark

ENEA - Directorate Studies & Strategies, Rom, Italien

INETI - Instituto National de Engenharia e Technologia Industrial, Lissabon, Portugal

ITAS - Forschungszentrum Karlsruhe, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, Karlsruhe, Deutschland

NUTEK - Department Science Policy Studies, Stockholm, Sweden

OST - Observatoire des Sciences et des Techniques, Paris, Frankreich*

SPRU - Science Policy Research Unit, Brighton, UK*

TNO - Centre for Technology and Policy Studies, Apeldoorn, Niederlande*

VITO - Flemish Institute for Technology Research, Mol, Belgien

VTT - Group of Technology Studies, Helsinki, Finnland

* Mitglieder des Executive Committee.

Kontakt

Dr. Dr. Axel Zweck
Dr. Sabine Korte
VDI-Technologiezentrum
Physikalische Technologien
Graf-Recke Str. 84
D-40239 Düsseldorf
Tel.: + 49 (0) 211/6214-574


[www.itas.kit.edu]     [TA-Datenbank-Nachrichten]     [TA-Database-Newsletter]     [Inhalt]     [Zum Seitenanfang]

Zur Arbeit der Kommission für Technikfolgenabschätzung der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

von Lutz Schiffer

Die konstituierende Sitzung der Kommission für Technikfolgenabschätzung fand im September 1996 unter der Leitung von Herrn Prof. Woschni statt. Das Aufgabenfeld der Kommission ist aufgrund seines fachübergreifenden und komplexen Charakters sehr vielschichtig. Neben der Analyse des Standes von Techniken und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten sollen technische, wirtschaftliche, gesundheitliche, ökologische, humane, soziale, ethische und andere TA-relevante Aspekte dieser Techniken analysiert und mögliche Optionen und Alternativen aufgezeigt werden. Diese Folgen sind auf Basis definierter Ziele und Wertevorstellungen zu beurteilen. Weiterhin sollen Aktivitäten zum wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs initiiert und koordiniert werden [siehe auch den Beitrag in den TA-Datenbank-Nachrichten Nr. 3, Oktober 1996, S. 29 f.].

Nach Abschluß der organisatorischen und konzeptionellen Vorarbeiten nahm am 01.01.1997 die Arbeitsstelle Technikfolgenabschätzung der Kommission ihre Tätigkeit auf. Sitz der Arbeitsstelle Technikfolgenabschätzung ist Chemnitz. Bei der Auswahl der Forschungsinhalte wurde vor allem auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz für den Freistaat Sachsen sowie die angrenzenden Bundesländer, die Möglichkeiten zur interdisziplinären und interinstitutionellen Arbeitsweise und die Nutzung von Synergieeffekten Wert gelegt. In der Vorbereitungsphase wurden u.a. die Themenfelder nachwachsende Rohstoffe, Multimedia und Kreislaufwirtschaft diskutiert. Unter Berücksichtigung dieser Auswahlkriterien sowie der gegenwärtigen finanziellen und personellen Rahmenbedingungen beschloß die Kommission die Vorbereitung eines Forschungsvorhabens "Technikfolgenabschätzung zur nachhaltigen Entwicklung der Wasserversorgung und des Gewässerschutzes im Freistaat Sachsen". Die entscheidenden Forschungsaufgaben bestehen darin, das Leitbild der Nachhaltigkeit zu operationalisieren, Möglichkeiten der gesellschaftlichen, insbesondere der regionalen Umsetzung zu analysieren und wissenschaftlich begründete Handlungsempfehlungen für die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft bereitzustellen.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt liegt in der Fortführung der 1995 an der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau mit der Dokumentation "Technikfolgenforschung im Freistaat Sachsen" [siehe TA-Datenbank-Nachrichten Nr. 1, März 1996, S. 35] begonnenen Arbeiten zum weiteren Auf- und Ausbau des wissenschaftlichen Netzwerkes der TA-Forschungslandschaft. Aufgrund der positiven Resonanz und der Vielzahl von Interessenbekundungen ist für 1997 eine Aktualisierung dieser Dokumentation geplant. Darüber hinaus sollen, entsprechend des Einzugsgebietes der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, auch die angrenzenden Bundesländer Sachsen Anhalt und Thüringen einbezogen werden. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur fach- und länderübergreifenden Kommunikation und Kooperation auf dem TA-Sektor geleistet werden. Die fachliche Gliederung und organisatorische Durchführung erfolgt aus Gründen der Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit der Daten und Informationen wieder, wie bereits 1995, in Abstimmung mit der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg und dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Forschungszentrums Karlsruhe bzw. der Projektgruppe Technikfolgenabschätzung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Interessierte TA-Anbieter können sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt an die unten genannte Kontaktadresse wenden.

Kontakt

Dr. Lutz Schiffer
Sächsische Akademie der Wissenschaften
zu Leipzig
Arbeitsstelle Technikfolgenabschätzung
D-09107 Chemnitz
Tel.: + 49 (0) 371/531 15 12
Fax: + 49 (0) 371/531-1342


[www.itas.kit.edu]     [TA-Datenbank-Nachrichten]     [TA-Database-Newsletter]     [Inhalt]     [Zum Seitenanfang]

VDI-Leitsätze zur Umsetzung des Dialog-Managements

Der VDI macht die Wechselwirkungen der Technik mit der Gesellschaft, der Bildung und anderen Kultursachbereichen seit langer Zeit zum Thema interdisziplinärer Dialoge. Der VDI-Ausschuß "Technik - Gesellschaft - Politik" innerhalb der VDI-Hauptgruppe hat diese Tradition fortgesetzt. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft haben konkrete Entscheidungsprozesse nach Gemeinsamkeiten hin untersucht. Aus den immer wieder auftretenden Problemen der Praxis haben sie "Leitsätze zur Umsetzung eines Dialog-Managements" abgeleitet und in einem öffentlichen Workshop diskutiert.

Die Leitsätze werden im VDI Report 25 "Entscheidungsprozesse im Spannungsverhältnis Technik - Gesellschaft - Politik. Wege zu einem Dialog-Management" (hrsg. von Prof. Dr. Hans-Hermann Hartwich unter Mitwirkung von Dr. Volker Brennecke) der breiteren interessierten Öffentlichkeit vorgestellt:

  1. Alle Akteure aus Technik, Gesellschaft und Politik sollten in technikrelevanten Entscheidungsprozessen die Entscheidungslogiken der jeweils anderen Bereiche zur Kenntnis nehmen und zunächst als legitim anerkennen.

  2. Die unterschiedliche Sprache zwischen den Akteuren in Technik, Gesellschaft und Politik stellt eine erste Barriere einer Kommunikation dar. Zunächst sollten unterschiedliche Fachsprachen anerkannt werden, für Dialoge jedoch gezielt Übersetzungsmechanismen gefunden und organisiert werden.

  3. Die Entscheidungslogiken der Akteure sind in der Regel von unterschiedlichen Zeitvorstellungen geprägt. Für den Dialog ist diese Dimension von hoher Bedeutung und muß eigens thematisiert werden.

  4. Die öffentliche Wahrnehmung von technikbezogenen Entscheidungen unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten als die von den Akteuren in der Technik, in der Politik und der Verwaltung. Wellen der Aufmerksamkeit und Politisierung müssen als legitim anerkannt und beim Dialog berücksichtigt werden. Antizipierendes Schnittstellenmanagement muß dies im voraus einplanen.

  5. Die Eigenroutinen von Entscheidungsträgern (Verwaltungen, Unternehmen, Forschungsinstitute, Verbände, gesellschaftliche Gruppen etc.) haben eine in der Regel so hohe Bedeutung, daß sie eigens thematisiert und für die Organisation von Dialogen berücksichtigt werden müssen.

  6. Das Zusammentreffen von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Technik und Naturwissenschaft mit politischen oder rechtlichen Entscheidungsnotwendigkeiten gestaltet sich meist sehr schwierig. Deswegen müssen für die Dialoge jeweils eigene Verfahrensrationalitäten entwikkelt werden.

  7. Die in Dialogen zwischen Akteuren aus Technik, Gesellschaft und Politik entstehenden Konflikte lassen sich in der Regel in Sach-, Interessen- und Überzeugungskonflikte differenzieren, Konfliktlösungen sind am ehesten durch Herausarbeitung und Abgleich der Interessen zu erreichen.

  8. Entscheidungsstrukturen sollten nicht nur durch die Macht der Akteure (politische Macht durch Rechtsetzung, gesellschaftliche Macht durch Öffentlichkeit, Medien und Demonstrationen, wirtschaftliche Macht) bestimmt werden, da diese zu gegenseitigen Blockaden führen. Vielmehr sollten dialogfördernde Entscheidungsstrukturen (z.B. durch neue informale Regulierungskonzepte) entwickelt werden.

  9. Die Komplexität der Überschneidungen zwischen Technik, Gesellschaft und Politik ist in der Regel so hoch, daß diese gezielt erfaßt und durch geeignete Akteure ("Querschnittsspezialisten") und Organisationsformen bearbeitet werden sollten.

  10. Entscheidungsprozesse im Spannungsfeld von Akteuren in Technik, Gesellschaft und Politik sollten in Form von Dialogen gemanagt werden (Dialog-Management). Voraussetzungen sollten durch minimale Institutionalisierungen geschaffen werden, die den jeweiligen Spannungsverhältnissen angepaßt sind.

Der Bericht enthält außerdem die Fallstudien zum Dialogmanagement an der Schnittstelle von Technik, Gesellschaft und Politik, auf deren Auswertung die Leitsätze basieren. Die dargestellten "Fälle" betreffen Entscheidungsprozesse

Den Weg zur Ausarbeitung der Leitsätze im Rahmen dieses über drei Jahre vom VDI "geförderten Nachdenkens von Praktikern und Wissenschaftlern" weist Prof. Hans-Hermann Hartwich in seiner thematischen Einführung und Vorstellung der Verhandlungen des VDI-Ausschusses "Technik - Gesellschaft - Politik".

Bibliographische Angaben

VDI - Verein Deutscher Ingenieure (Hrsg.), Entscheidungsprozesse im Spannungsverhältnis Technik - Gesellschaft - Politik. Wege zu einem Dialog-Management. Düsseldorf 1996. 140 S. ISBN 3-931384-06-3

Der Report kann beim VDI, VDI Hauptgruppe, Graf-Recke-Str. 84, 40239 Düsseldorf, Tel. 0211/6214-0, zum Selbstkostenpreis von DM 18,-- (VDI-Mitglieder: DM 15,--) bestellt werden.


[www.itas.kit.edu]     [TA-Datenbank-Nachrichten]     [TA-Database-Newsletter]     [Inhalt]     [Zum Seitenanfang]
Stand: 26.02.1999 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion