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Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und
Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN
Nr. 1, 6. Jahrgang - April 1997

  "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß."
Die Informationsgesellschaft im Spiegel des World Wide Web

Ute Hoffmann <uteh@medea.wz-berlin.de>
Kai Seidler <oswald@duplox.wz-berlin.de>

Projektgruppe Kulturraum Internet

 


Einleitung

 

Der Volksmund hält Wißbegierde nicht gerade für die höchste aller Tugenden: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß." Mit der Behaglichkeit seliger Unwissenheit könnte es freilich bald ein Ende haben, nachdem in den `90er Jahren die Informationsgesellschaft zum neuen deutschen Leitbild aufgestiegen ist. Die Bundesregierung hat kundgetan, daß sie "möglichst viele Bereiche der Gesellschaft und viele Bürgerinnen und Bürger" für den Aufbruch in das Informationszeitalter mobilisieren möchte.1 Die Tatsache, daß dies nicht der erste Anlauf ist, gibt zu einer gewissen Skepsis hinsichtlich der Erfolgschancen des Projekts Anlaß.2 Das soll uns aber fürs erste nicht weiter bekümmern.

Wir wollen hier dem Auftrag zu einer Rezension von Web-Servern nachkommen, die Einschlägiges zum Thema Informationsgesellschaft zu bieten haben oder von denen man dies zumindest annehmen könnte. Das World Wide Web ist in den vergangenen Jahren zu einem globalen Informationsraum von beachtlicher Größe herangewachsen. Es umfaßt gegenwärtig über 50 Mio Text-, Bild- und Ton-"Dokumente", die untereinander zu einem nahtlosen Gewebe verschmolzen sind. Eine Recherche mittels Suchmaschine (Altavista) zum Begriff "Informationsgesellschaft" ergab rund 9000 Verweise auf einschlägige Dokumente. Viele dieser Dokumente liegen auf ein und demselben Server, was die Zahl der potentiell für einen Review in Frage kommenden Anbieter zwar reduziert. Trotzdem bilden die hier besprochenen Webserver natürlich nur eine kleine Auswahl des möglichen Spektrums. Wir werden uns hier mit folgenden Servern näher befassen:

  • Initiative Informationsgesellschaft Deutschland
  • Das BMWi informiert über Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft
  • Information Infrastructure Task Force
  • GMD
  • Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg
  • Initiative Informationsgesellschaft * Medien * Demokratie IMD
  • Hotwired
Bewertungen, die die "Spreu vom Weizen trennen", und wertungsfreie Hinweise, die Interessierte in der Fülle des Angebots überhaupt erst auf vorhandene Quellen aufmerksam machen, sind für die Nutzer des WWW eine willkommene Hilfe. Im WWW finden sich eine Reihe von Diensten, die sich auf "best-of-the-web"-Bewertungen spezialisiert und professionelle Reviewern angestellt haben - und inzwischen ab und zu selbst einer kritischen Prüfung unterzogen werden.3

Die Kriterien, mit denen solche "Cybercritic Services" arbeiten, verweisen im Einzelfall auf unterschiedliche Akzentsetzungen. Im Kern laufen sie auf wenige, zentrale Kategorien hinaus. Dazu gehören zunächst die angebotenen "Inhalte" (die Art, Qualität und Vollständigkeit der Informationen), sodann die Form ihrer Darbietung (das Design, die Präsentation, die "Leichtigkeit", mir der sich der Inhalt erschließen läßt), sowie schließlich die Ausstrahlung, die von einem Server ausgeht und in der konkreten Nutzungserfahrung zu einem mehr oder weniger intuitiven Gesamteindruck führt. In diesem Rahmen liegen auch unsere Bewertungskriterien:

  • Inhalt
  • Serviceangebot
  • Gestaltung
  • Nutzungserfahrungen
Zwei Bewertungsbögen, die diese Kriterien inhaltlich spezifizieren, findet man am Ende dieses Textes. Im folgenden befassen wir uns zunächst mit dem "ersten Eindruck", den die Webserver machen, um dann zu einer summarischen Besprechung der einzelnen Kriterien zu kommen.

 


Erste Eindrücke

 

Im Netz gilt zumindest ebenso wie in der Realwelt, vielleicht sogar noch stärker: You'll never get a second chance. Der "erste Eindruck", den ein Server hinterläßt, kann darüber entscheiden, ob die Nutzerin mehr als die Startseite erkunden will oder ob sie es läßt.

Die Startseite des Servers zur Initiative Informationsgesellschaft Deutschland wirkt recht aufgeräumt, wenn auch leicht unterkühlt. Vor einem türkis-farbenem Hintergrund wurde eine Umrißdarstellung von Deutschland plaziert. Als dritte und oberste Schicht darauf erscheinen die Rubriken Inhalt, Aktuelles, Diskussion und Service. Am unteren Seitenrand wird darauf hingewiesen, daß es sich um ein Serviceangebot des Bundesminsteriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie handelt. Ein "New"-Tag weist als aktuelles Dokument auf den Entwurf zum Informations- und Kommunikationsdienste-Gesetz hin, der gleich von der Startseite auch als .zip-Datei auf den heimischen Rechner geladen werden kann.

Die Startseite des BMWi-Servers ist unsere nächste Station. Hier informiert das Wirtschaftministerium über "Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft". Darunter ist im einzelnen der Beitrag Deutschlands zum Global Inventory Project der G7 zu verstehen ist. Das Global Inverntory Project dient, so wird uns gesagt, dem Aufbau einer globalen Datensammlung zur Informationsgesellschaft. Das Bild eines Auges scheint uns zu ermuntern: "Suche nach...".

Dieser Aufforderung kommen wir jetzt nicht nach, sondern gehen weiter zur Startseite des Servers der Information Infrastructure Task Force, kurz IITF. Über einem goßen Logo-Gif prangt unübersehbar ein Hinweis darauf, wer der Herr im Haus ist: The President. Die Rubriken, die sich von der Startseite aus verzweigen, werden uns gleich zweimal angeboten, wobei die grafisch unterlegte Variante in gelber Schrift auf grauem Hintergrund mit gelben Pfeilen nicht das Optimum an Übersichtlichkeit bewirkt. Bei genauerer Lektüre läßt sich erkennen, daß wir im folgenden in der Hauptsache mit regierungsamtlichen Dokumenten zu rechnen haben, daneben erwartet uns ein Veranstalungskalender und ein Link zur Virtuellen Bibliothek der Nationalen Informationsinfrastruktur.

Vorläufig haben wir genug von Präsidenten und Ministerien. Dem "Info 2000"-Bericht war zu entnehmen, daß die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung in St. Augustin auf der Liste von staatlichen Forschungseinrichtungen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik ganz oben steht. Dort also, so vermuten wir, wird mit an den Techniken geschmiedet, die so revolutionäre Auswirkungen auf unser aller Leben haben werden. Gelangt man jedoch auf die Startseite der GMD reibt man sich verwundert die Augen. Das "nationale Forschungszentrum für Informationstechnik" zeigt uns neben seinem Logo erst einmal eine Frontansicht von Schloß Birlinghofen. Noch merkwürdiger: Die GMD spricht Englisch mit uns. "Sind die international", denken wir bewundernd. Später stellt sich heraus, daß die GMD ihre deutschsprachige Startseite unter der nicht besonders intuitiven URL http://www.gmd.de/GMDHome.german.html versteckt hat und das naheliegende www.gmd.de für ihr Fenster zur englischsprachigen Welt reserviert hat. Die GMD erzählt uns dann die Zahl ihrer Mitarbeiter, bei wieviel Millionen ihr Jahreshaushalt liegt und von wem sie alles gefördert wird. Wir werden eingeladen auf eine Tour durch die Institution und danach können wir Pressemitteilungen, die GMD Hotlist und das Postgraduiertenprogramm für das Jahr 1997/98 in Augenschein nehmen. Kein Wort von der Informationsgesellschaft.

Da wir anscheinend bei der GMD so schnell nichts von der Forschungs- und Entwicklungsfront der schönen neuen Multimedia-Welt erfahren, gehen wir eben gleich weiter zu denen, die die Technikfolgen abschätzen.

Wir landen bei der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg im Themenfeld "Informationstechnische Vernetzung". Nachdem wir uns durch ein längliches Konzeptpapier gearbeitet haben, stoßen wir auf eine Liste von vier "Teilprojekten", die wir uns später genauer ansehen werden. Jetzt starren wir erst einmal fasziniert auf das Bild eines riesigen Spinnennetzes, das sich über die Erde spannt und in dem sich Monitore, Notepads und Handys verfangen haben. Nichts wie weg.

Als nächstes landen wir beim Server der Initiative Informationsgesellschaft * Medien * Demokratie IMD, wo wir auf eine schlicht, nahezu transparent und kalligraphisch gestaltete Seite treffen. Über bereits vertraute Rubriken wie Projekte, Publikation, Kongress gleitet unser Blick weiter zu einer Sammlung von aneinandergereihten Akronymen wie DJV, IKÖ oder HBV. Aha, jetzt sind wir wieder bei Organisationen gelandet, die sich zu einer Initiative verbündelt haben, augenscheinlich einer etwas anderen Art.

Besteht denn die Informationsgesellschaft nur aus Initiativen, Organisationen, Veranstaltungen und ihrem gesammelten schriftlichen Output? Hotwired bietet dazu das richtige Kontrastprogramm. Die grell-bunte Startseite im Stil eines Lifestyle-Journals lockt uns mit pointierten, aber nicht auf Anhieb verständlichen Titeln wie "Background sound: Bug or feature? Those provocative ambient audio loops, in Webmonkey." Hier treffen wir auch erstmals auf Werbung, und das nicht zu knapp. Was sich wohl hinter Rubriken wie Surf Central, The Netizen oder Rough Guide verbirgt? Aber ach, erst die Arbeit, dann das Spiel. Also sehen wir uns zunächst die einzelnen Server etwas genauer an.

 


Inhalte und Serviceangebote

 

Der Server der Initiative Informationsgesellschaft Deutschland (IID) wirkt "offiziell" und er ist es auch. Gut sortiert finden wir hier ein reichhaltiges Angebot an Dokumenten von regierungsamtlichen oder intermediären Instanzen. Der "Rat für Forschung, Technologie und Innovation" ist ebenso vertreten wie die Enquête-Kommission "Zukunft der Medien". Links zu Servern zur Informationsgesellschaft in Deutschland und eine Reihe "Übergreifender Informationen" geben uns reichlich, immer wieder aktualisierten Lesestoff. Vereinzelt gibt es auch mal etwas englischsprachiges darunter. Eine Suchmöglichkeit im Server ist zwar etwas unkomfortabel zu handhaben und praktisch nicht zu durchschauen, aber immerhin vorhanden. Ein E-Mail Service wird angeboten, in den man sich eintragen kann. So erhält man per E-Mail immer die aktuellen Pressemitteilungen und die neu hinzugefügten Studien und Berichte zum Thema "Informationsgesellschaft". Das Diskussionsforum zum Thema "Rechtliche Rahmenbedingungen für neue Informations- und Kommunikationsdienste", eingerichtet im Mai 1996, verzeichnet bislang nicht mehr als 5-6 Beiträge pro Monat.

Der IID-Server richtet sich an Experten und eine Öffentlichkeit, die gut unterrichtet werden wollen. Der BMWi-Server mit einem Verzeichnis der derzeit 60, am G7- Globalverzeichnis mitwirkenden Projekte in Deutschland, darunter das Bayerische Gesundheitsnetz oder Xenia - Stadt im Informationszeitalter, bietet eine gute Ergänzung zum IID-Server.4 Der Server läßt allerdings darüber hinaus wenig Profil erkennen, er bietet zu viel zu unsortiert, wirkt dadurch teilweise auch etwas lustlos. Neben einer Suchmöglichkeit im teilweise englischsprachigen Server kann man mittels eines Formulars Papiere bestellen.

Der IITF-Server ist gewissermaßen die Mutter aller Regierungs-Server zur Informationsgesellschaft, bzw. zur Datenautobahn. Eingerichtet im Mai 1993, sollte die Task Force Hilfestellungen bei der erweiterten Umsetzung einer informationellen Grundversorgung leisten. Auch ein aktuelles Dokument zu den Rahmenbedingungen globaler elektronischer Märkte kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser Server mittlerweile in Ehren zwar, aber doch tatsächlich ergraut. Von der Art her bietet er ähnliche Informationen wie der IID-Server. Verschiedene Suchmöglichkeiten für unterschiedliche Dokumentenarten wirken als Gewinn. Hier erfahren wir auch ganz selbstverständlich nicht nur Personenamen, sondern auch E-Mail-Adressen von Arbeitsgruppen-Mitgliedern und können, wenn wir ihnen etwas zu sagen haben, ihnen gleich einen elektronischen Brief schicken. Nützlich auch eine Extra-Seite mit Links zu ausgewählten Regierungs- und anderen Organisationen. Needless to say: Der Server ist einsprachig englisch.

Der GMD-Server wirkt wie ein Gemischtwarenladen: Es finden sich Hinweise auf Veranstaltungen mit Beiträgen der GMD, Veröffentlichungen aus der GMD, der Katalog der GMD-Bibliotheken, Informationen über Mitgliedschaften, Beteiligungen, Kooperationen, über Menschen in der GMD, Firmengründungen aus der GMD, Frauenförderung in der GMD und Merkblätter für GMD-Mitarbeiter, eine Seite des GMD-Frauenarbeitskreises, eine Liste mit ausgewählten Projekten (z.B. LAOKOON: Autonomous Sewer Robots), Grüße vom Direktor und eine Hotliste zu Kooperationspartnern und Anteilseignern. Adressiert der Server Mitglieder der GMD oder Außenstehende? Darunter eher Fachleute oder die breitere Öffentlichkeit? Sprachlich hebt sich der Server allerdings positiv ab durch einen eigenen englischsprachigen Bereich. Der Zugang zur Bibliothek der GMD ist natürlich auch ein Plus, aber sonst bietet der Server über die "nackten" Informationen hinaus weder Such- noch Diskussionsmöglichkeiten.

Die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg stellt ihre Teilprojekte zur Informationstechnischen Vernetzung vor, die u.a. im Telelernen liegen. Ansprechpersonen sind dabei leider nicht direkt mit E-Mail-Link erreichbar, verwiesen wird hier vielmehr auf den Bereich Diskurs und Öffentichkeitsarbeit. Der Server adressiert nach unserem Eindruck eher ein geschlossenes Publikum von Experten. Publikationen, wie etwa eine Untersuchung der Akademie zum Thema Euro-ISDN: Social and Societal Impacts können per Antwortkarte elektronisch bestellt werden. "Neuigkeiten" werden auf der Startseite der Aklademie zwar annonciert, sind dann aber nur über Umwege einsehbar.

Der Server der Initiative Informationsgesellschaft * Medien * Demokratie IMD dient der Selbstdarstellung der Intiative und ihrer Aktivitäten. Der IMD-Server scheint aber in gleichem Maß auch Instrument dieser Aktivitäten selbst zu sein, indem er der Vernetzung der einzelnen Trägerorganisationen und Mitwirkenden untereinander dient.5 Zur Diskussion vor allem demokratiepolitischer Fragen der Netze / Medien wird eine Mailing-Liste angeboten.

Die Inhalte und das Serviceangebot von Hotwired wirken schier unerschöpflich. Regelmäßige Rubriken reichen von tagesaktuellen Nachrichten aus der Netzwelt über Hinweise auf interessante Web-Sites bis hin zur Gesundheitsberatung ("Dr. Weil explains the dangers of sushi"). Reisetips finden sich ebenso wie Nachlesen zum inzwischen höchstrichterlich verworfenen Communication Decency Act, den der amerikanische Senat im vergangenen Jahr als Hebel für die Regulierung von Netzinhalten verabschiedet hatte. Wer will, kann Audio-Datein mit Aufzeichnungen von Auftritten Laurie Andersons abrufen oder lieber life mit prominenten Persönlichkeiten "chatten". Als weiteren Service gibt es per E-Mail versandte Wochenübersichten über Ereignisse in den verschiedenen Hotwired-Rubriken, die in hohem Maße ein "customizing" gestatten. Hotwired adressiert den individualiserten Netzbürger, der in der Informationsgesellschaft schon angekommen ist. Derzeit zählt Hotwired ca 500.000 Abonennten.

Versuchen wir uns nun schnell der verlockenden Leichtigkeit des Hotwired-Servers zu entziehen und wenden uns erneut unserer Arbeit zu. Beginnen wir unsere virtuelle Reise von neuem und berichten nun, welche Erfahrungen wir dabei machen.

 


Gestaltung und Nutzungserfahrung

 

Bei dem IID-Server sind wir zuerst gezwungen die Fenstergröße unseres Web-Browsers auf fast das Doppelte zu vergrößern, würden wir doch sonst nur einen Teil des Angebots zu sehen bekommen. Die Startseite ist sehr übersichtlich und auch die Folgeseiten sind sehr lesbar gestaltet. Lange Texte wurden auf angenehmen Weise auf mehrere Web-Seiten aufgeteilt und das Layout wurde auf allen von uns besuchten Seiten durchgehalten. Besonders gut finden wir das zusätzlich Angebot von Word für Windows-Dokumenten bei jedem Text. So ist auch das Ausdrucken von Texten, die sich über mehrere Web-Seiten erstrecken, sehr angenehm möglich. Die Startseite des BMWi-Server hingegen ist mit zwei übergroßen Logo-Gifs verschandelt. Man bekommt zwar einen Überblick darüber, was angeboten wird, allerdings lädt uns das Design und der Aufbau nicht besonders zum Lesen ein. Zu viele langweilige Listen von Texten ohne weitere Aufteilung oder Auflockerung. Der Server erinnert uns in seiner Trockenheit eher an ein Telefonbuch.

Kommen wir wieder zum AFTA-Server zurück. Die Server-Startseite verwirrt uns zunächst: Die Verweise auf die Server-Inhalte sind in einem kleinen Textabschnitt versteckt und auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Ein violett-weißrauschender Hintergrund auf allen Seiten erschwert uns noch das Lesen der Texte und auch die Navigations-Knöpfe sind kaum erkennbar. Besonders gut hingegen finden wir bei diesem Server, den sogenannten Lageplan. Man findet ihn oben rechts auf jeder Seite und er informiert darüber, wo man sich gerade im Serverangebot befindet. Ziehen wir weiter zum GMD-Server. Die Gestaltung der GMD-Seiten spricht uns nicht sehr an: Die Inhalte wirken konzeptlos zusammenwürfelt und die Seiten sind lustlos und langweilig gestaltet. Folgen wir den Links, gelangen wir zu den einzelnen Servern der GMD-Institute. Sie bilden einen sehr guten Kontrast und sind - so oberflächlich, wie wir es betrachten konnten - von der Gestaltung und den Inhalten viel wertvoller als ihr Mutterserver. Dieser hat uns letztendlich aber noch, mit seiner Guided Tour, einen schönen Rundgang durch die GMD beschert.

Die Klarheit der IMD-Startseite ist dann wieder erfrischend. Sie bietet gleich einen guten Überblick über das Server-Angebot. Unglücklich finden wir dann aber die Wahl des Web-Autors, möglichst viel Informationen auf einer Web-Seite unterzubringen. So erspart man sich zwar die Navigation durch viele einzelne Seiten, aber schon auf einer einzelnen endloserscheinenden Seite fühlten wir uns irgendwie sehr verloren. Besonders gefällt uns bei diesem Server, wie der Vernetzungscharakter der Initiative im WWW umgesetzt wurde. Apropos Vernetzung, gehen wir weiter zum nächsten Server und gönnen wir uns wieder etwas Unterhaltung. Der Hotwired-Server besteht eigentlich aus einem Wirrwarr an Web-Servern und URLs. Das Layout wechselt von Seite zu Seite und von Server zu Server. Wir haben gar nicht die Möglichkeit, einen Gesamtüberblick zu bekommen oder herauszufinden, wo wir uns befinden und was als nächstes kommt. Diese Hilflosigkeit ist vielleicht auch gewollt und weil hier alles nicht so ernst gemeint ist, kann man sich ihr hingeben und sich in dem leichten und belebten Angebot treiben lassen: "Surfers paradise".

Bleiben wir im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und schauen nochmal beim IITF-Server vorbei. Sieht man mal von dem Widerspruch im Design der Startseite zu den restlichen Seiten ab - die eine ist ganz in Schwarz, der Rest in Weiß gehalten -, haben wir hier einen soliden und runden Server. Kein Zuviel und kein Zuwenig. Suchmaschinen erleichtern die gezielte Suche in den verschiedenen Angeboten. Und sogar die Darstellung der Seiten mit Lynx, einem etwas exotischen textorientierten Web-Browser, der in der UNIX-Welt zu Hause ist, ist ausgezeichnet. Etwas, das man von keinem anderen Web-Server in diesem Beitrag sagen kan.

Obwohl die Navigation und die Orientierung in Hypertext-Systemen deren größtes Problem darstellen soll, haben wir bei kaum einem "unserer" Web-Server Navigations- und Orientierungshilfen gefunden. Die knappe Hälfte (BMWi, IITF und AFTA) bieten zwar eine Navigationsleiste an, aber nur der AFTA-Server auch eine Orientierungshilfe. Aus diesem Grund waren wir oftmals nahe einem Lost-In-Hyperspace Gefühl. Besonders bei den vielzähligen und immer wechselnden Seiten von Hotwired war das Gefühl besonders groß.

Bei den meisten Web-Servern haben wir zusätzlich noch das Experiment gemacht und eine E-Mail mit dem Hinweis auf einen nicht funktionierenden Link an die Server-Administration geschickt. Bei dem IITF-Server bekamen wir zwar innerhalb eines Tages Antwort, wie dankbar man uns für den Hinweis sei und das er weitergeleitet werde. Getan hat sich aber in der nächsten Woche nichts. Bei den deutschen Servern gab es dagegen fast nie eine Antwortmail, aber dafür wurden die Fehler innerhalb der nächsten Tage stillschweigend beseitigt. Erwähnenswerte Ausnahme war der IMD-Server: Hier wurde uns innerhalb von 10 Minuten auf unsere E-Mail geantwortet und reagiert.

Wir haben auch versucht, die Server auf ihre Auffindbarkeit im Internet zu untersuchen. Dabei haben wir uns der Suchmaschine Alta-Vista (sowohl amerikanische und auch europäische Version) bedient. Sie konnte uns die Anzahl der Links, die auf unsere Web-Server zeigen, liefern. Je mehr Verweise auf einen Server deuten, desto besser ist er zu finden, so unsere Annahme. Die Server mit den meisten Links sind Hotwired mit 40.000 und der GMD-Server mit 20.000 Links. Der IITF-Server hat um die 1.000 Links, und die restlichen Server (IID, AFTA, BMWi und IMD) kommen auf unter 100 Links.

Einigermaßen überrascht hat uns, daß im ganz überwiegend englischsprachigen WWW eine Suche nach Dokumenten zur "Information Society" eine kaum größere Zahl von Dokumenten erbrachte als die Suche nach der "Informationsgesellschaft", nämlich 10.000 englischprachige gegenüber 9.000 deutschprachigen Links.6 Sollte es sich, so ließe sich vermuten - dem Volksmund zum Trotz - beim Zug in die Informationsgesellschaft am Ende vor allem um einen deutschen Aufbruch handeln? Sind wir dabei Avantgarde oder Nachzügler? Bei einer zusätzlichen Recherche beim Internet-Verzeichnisdienst Yahoo zum Stichwort "Information Society" erschien an oberster Stelle der Treffer die Abteilung Unterhaltungsmusik, Unterabteilung Pop. "Information Society", so erfuhren wir dort, ist eine in den 80er Jahren entstandene Pop-Gruppe, der im Usenet sogar eine eigene Newsgruppe gewidmet ist (alt.music.info-society). Auch in dieser Newsgruppe hat man noch nicht verlernt, sich über die Informationsgesellschaft zu wundern:

>What is the story behind the origin of the band's name?
>Thanks

Good Question!

 


Fußnoten

 

1 Bundesministerium für Wirtschaft, Info 2000. Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft. Bericht der Bundesregierung. Bonn, Februar 1996.
( http://www.bmwi-info2000.de/gip/programme/info2000/)

2 Herbert Kubicek, "Deutschlands dritter Anlauf in die Informationsgesellschaft", in: Informationsgesellschaft - Medien - Demokratie. Kritik, Positionen, Visionen, hg. von E. Bulmahn u.a. Marburg (BdWi-Verlag) 1996, 241-268.

3 Gus Venditto, "Critic's Choice. Six Sites that Rate the Web", Internet World, January 1997, 83-96.

4 "Ziel des Projekts Globale Bestandsaufnahme ist die Erstellung eines multimedialen Verzeichnisses nationaler Projekte, Studien und Ausschreibungen zur Informationsgesellschaft. Das Projekt wird auf bestehende nationale und internationale Initiativen aufbauen und sie ergänzen. In der ersten Phase wird der Schwerpunkt auf der Erstellung und Implementierung eines Index- und Verzeichnissystems auf der Basis nationaler Verzeichnisse von wesentlichen ausgewählten, in den G7-Partnerländern geplanten oder laufenden Aktivitäten liegen. Dieses soll dann um die Aktivitäten von Nicht-G7-Ländern erweitert werden, damit ein "zuverlässiges und absolut offenes weltweites Reservoir von Kenntnissen, Ideen und Lösungsmöglichkeiten" zur Verfügung steht." (http://www.bmwi-info2000.de/gip/g7/thema1.html)

5 "Die Initiative Informationsgesellschaft * Medien * Demokratie (IMD) wurde im Januar 1996 gegründet. In ihr arbeiten gegenwärtig ein Dutzend Gewerkschaften, Parteien und Verbände zusammen, die in die aktuelle Diskussion um die Informationsgesellschaft vor allem demokratie- und arbeitspolitische, sozialstaatliche und ökologische Aspekte einbringen wollen. Die IMD - Initiative ist kein eingetragener Verein und will es auch nicht werden. Sie besteht nicht nur aus den Trägerorganisationen, die sich im Gefolge des Hamburger Kongresses "Informationsgesellschaft * Medien * Demokratie" (Januar 1996) zusammengefunden haben, sondern auch aus über 400 korrespondierenden Mitgliedern, die sich von Fall zu Fall an den Vorhaben der IMD beteiligen und selbst welche initiieren." (http://staff-www.uni-marburg.de/~rillingr/imd/imd1.html#vor)

6 Wie hoch der Anteil deutscher/deutschprachiger Server im WWW ist, läßt sich nicht feststellen. Nimmt man aber als groben Indikator den letzten Domain Name Survey im Juli 1996, so waren damals unter den 12,8 Millionen Internet Hosts weniger als 5% unter .de zu finden (http://www.nw.com/zone/WWW/dist-bynum.html).

Übrigens: Der Zeichensatz am Rande der Web-Seite ist Futura-Heavy.

 


Bewertungsbogen

 

 

 

 

 


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Stand: 26.08.2011 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion