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Forschungszentrum Karlsruhe Technik und Umwelt Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) |
| TA-DATENBANK-NACHRICHTEN | |
| Nr. 1, 7. Jahrgang - März 1998 |
ITAS-Beteiligung an dem internationalen EU-Projekt "Information Society, Work and the Generation of New Forms of Social Exclusion"
von Günter Frederichs, ITAS
Das "Targeted Socio-Economic Research Programme" (TSER) der EU umfaßt die drei Bereiche "Bewertung der wissenschafts- und technologiepolitischen Optionen in Europa", "Forschungsarbeiten über das allgemeine und das berufliche Bildungswesen" und "Forschungsarbeiten über soziale Integration und soziale Ausgrenzung in Europa". Zu den Zielen des Forschungsprogramms gehört die Gewinnung entscheidungsnaher Forschungsergebnisse für eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung der europäischen Volkswirtschaften (vgl. Arbeitsprogramm 1997 - 1998 vom 27. Juni 1997). Die im ersten Bereich angesprochene technologiepolitische Perspektive ist heute vor allem durch die Entwicklungen zu einer globalen "Informationsgesellschaft" bestimmt, wofür auf EU-Ebene der "Bangemann Report" von 1994 sowie die vielfältigen entsprechenden Aktivitäten zeugen (siehe www.ispo.cec.be). Seit Januar 1998 wird im Rahmen von TSER das neue internationale Projekt "Information Society, Work and the Generation of New Forms of Social Exclusion" gefördert, an dem auf deutscher Seite ITAS beteiligt
In dem Projekt wurde ein Forschungsansatz gewählt, der dem besonderen Fokus auf die Informationsgesellschaft Rechnung trägt, zugleich aber versucht, die übergreifenden wirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen von TSER im Auge zu behalten. Der Ansatz liegt in einer bewußten Abwendung von der sonst verbreiteten Vorstellung, daß gesellschaftliche Veränderungen in Richtung auf eine Informationsgesellschaft allein durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bestimmt seien. Die Korrektur dieser Vorstellung wird durch die sozialwissenschaftliche Technikforschung der vergangenen zwei bis drei Jahrzehnte nahegelegt. Alle genaueren Analysen belegen, daß die technologische Entwicklung keineswegs einer immanenten technischen Logik folgt, sondern in vielfältiger Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Entwicklungen steht. Durch diese ohnehin unausweichliche Blickwendung gewinnt das Projekt eine konzeptionelle Verbindung von "Technik" und "Gesellschaft".
Die gesellschaftliche Dimension der Diskussion einer Informationsgesellschaft betrifft vor allem den Wandel wirtschaftlicher Strukturen. Entsprechend konzentriert sich das Projekt auf Fragen der organisatorischen Erneuerung von Produktions- und Dienstleistungsunternehmen sowie auf Entwicklungen in der Arbeitswelt im Zusammenhang mit der Ausbreitung der neuen Technologien. Diese Ausbreitung und die vielfältigen Nutzungsformen der Informations- und Kommunikationstechnologien werden mit dem Begriff der "Informatisierung" zusammengefaßt. Das begriffliche Instrument für die empirische Beobachtung entsprechender Veränderungen innerhalb von Unternehmungen sowie in ihrem sozialen Umfeld ist die "technologische Praxis", die in einem Sinne verstanden wird, daß sie Technisches und Soziales umfaßt. Die Vielseitigkeit dieses Begriffes erweist sich z.B. darin, daß mit ihm an die klassische Diskussion über die "Unternehmenskultur" angeschlossen werden kann. Auch der Fall einer eventuellen Enthaltsamkeit gegenüber den neuen Technologien kann als "technologische Praxis" beschrieben werden. Insbesonders erstreckt sich der Begriff nicht nur auf die formalen Organisationsstrukturen der Firma, sondern auch auf die formalen und informellen Strukturen der Arbeitswelt, um damit z.B. der besonderen Frage nach neuen Erscheinungsformen sozialer Ausschließung im Zusammenhang mit den neuen Technologien gerecht zu werden.
An dem Projekt sind Forschungsgruppen aus Belgien, Deutschland, England, Finnland, Irland, Italien, Österreich und Portugal beteiligt. Die Leitung des Projekts liegt in Händen von Prof. Dr. Gerd Schienstock, "Work Research Centre" der Universität von Tampere in Finnland. Das Projekt wird drei Jahre dauern. Das Ziel ist es, in vergleichender Perspektive die Informatisierung von Firmen aus dem produzierenden und dem Dienstleistungsbereich in ausgewählten Regionen dieser Länder anhand der jeweiligen technologischen Praxis zu beschreiben. Ein Gewinn durch das Projekt wird hinsichtlich wissenschaftlicher, technologischer und politischer Zielsetzungen erwartet. In wissenschaftlicher Sicht stellt es einen Ansatz zur Erforschung der Informationsgesellschaft dar, der bisher weitgehend getrennte Vorgehensweisen, insbesondere technischer, ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Provenienz, vereint. Technologisch interessant ist die Sammlung von Erfahrungen und Daten über technologische Anwendungskonzepte im internationalen Vergleich. Die politische Dimension erfüllt wesentliche Intentionen der EU in dem TSER-Programm. So werden z.B. Forschungsergebnisse erwartet, die erstens grundlegend sind für regionalspezifische Entscheidungen und Fördermaßnahmen zugunsten der globalen Wettbewerbsfähigkeit von Firmen innerhalb der europäischen Mitgliedsländer, zweitens aber zugleich dem besonderen Anliegen einer Arbeitsbeschaffungs- und Integrationspolitik gerecht werden.
Kontakt
Gotthard Bechmann
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