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Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und
Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN
Nr. 1, 7. Jahrgang - März 1998

TA-RELEVANTE BÜCHER UND TAGUNGSBERICHTE

MARTIN SCHERM: Technikfolgenabschätzung als Gruppenleistung. Zur Wirksamkeit einer neu entwickelten Moderationsmethode. Münster u.a.: Waxmann, 1996. 264 S. ISBN 3-89325-481-1

Rezension von Bernd Wingert, ITAS

Wer schon seit vielen Jahren TA-Projekte gemacht hat (und solche mit verwandten, wieder andere mit eher konkurrierenden Ansätzen); wer so auch die Chance hatte, die stimulierenden Synergieeffekte einer geordneten Kooperation in einem Projekt zu erfahren, aber auch die Schattenseiten eines zähen Dahinwurstelns; und wer schließlich selbst (und natürlich mit den Kollegen) immer wieder versucht hat, die Gruppenerfahrungen zu methodischen Einsichten hochzuverdichten - der wird bei einem Titel "TA als Gruppenleistung" sofort hellhörig. Ja, er beginnt, um sich die Entdeckungsfreuden der Lektüre zu verlängern, diesen Titel mental zu umkreisen und sich auszumalen, was denn in so einem Buch wohl stehen könnte. Wie wird "TA" hier zum Gegenstand, "auf welcher Ebene" wird sich der Autor vermutlich auf TA beziehen? Ist "TA" für die hier vermutlich ausgebreitete sozialpsychologische Forschung nur ein Exemplar für ein Thema und könnte durch ein anderes (z.B. Konfliktmanagement) ersetzt werden, oder fungiert "TA" als eine modellhafte Analyse, die so etwas wie einer grupppendynamischen Optimierung unterzogen werden soll? Wohlgemerkt, alles noch Vermutungen. Aber sich von vornherein solche Bezüge und Anschlußstellen bewußt zu machen, als ein "warming up" für die eigene Lektüre, erweist sich - im nachhinein - als äußerst produktiv. Denn genau dieser Anknüpfungspunkt ist der Reiz wie auch das Problem.

Um eine erste Einordnung vorzunehmen: Scherm bezieht sich auf "TA" nicht nur als Thema, sondern auch als Analysemodell. Als Thema und als dem inhaltlichen Problemlösungsbeispiel knüpft er an den gentechnisch herbizidresistent gemachten Pflanzen an; dies war einmal Gegenstand einer Enquete-Kommission (vgl. den Abschlußbericht 1987); später Thema eines Projektes des TAB, des Büros für Technikfolgenfolgen-Abschätzung, über neue Biotechnologien; später Inhalt eines Diskursprojektes am WZB (vgl. W. van den Daele 1994), und schließlich, vom Autor aber nicht mehr berücksichtigt, Streitpunkt und Schwerpunktthema einer Ausgabe der TA-Datenbank-Nachrichten (Nr. 4, Dezember 1996) über "diskursive TA-Verfahren", wobei auch unterschiedliche Mediationsansätze diskutiert werden (aber diese Diskussion wird von Scherm nicht mehr geführt). Der Autor bezieht sich auf TA zweitens als Analyseprozedur, wobei er an frühere Arbeiten des Instituts anknüpft (so Paschen 1986 zu "TA als Rahmenkonzept"). Er übernimmt die in TAs gebräuchlichen Verfahrensschritte (Analyse bisheriger Entwicklungen, Abschätzung von Trends; Formulierung von Szenarios; Einschätzung von Chancen; Entwicklung von Handlungsoptionen), leitet dann aus übergeordneten Prinzipien konkrete Kriterien ab und operationalisiert sie in Schätzskalen (so lassen sich aus dem Prinzip, daß TA auch für Laien "nachvollziehbare Analysen" vorlegen müsse, leicht Aspekte wie "Verständlichkeit des Textes" oder "Begründetheit der Folgen" gewinnen; vgl. S. 84ff). Nach diesen Vorbereitungen läßt er dann Gruppen von Probanden das o.g. TA-Thema durcharbeiten. Dabei setzt er in der Pilotstudie zwei Gruppen zu je vier Leuten ein, erwachsene, berufstätige und aufgrund ihrer Beschäftigung mit dem Thema mehr oder weniger vertraute Personen (zwei Biologinnen; ein Soziologe und eine Soziologin; zwei Volkswirte; eine Juristin und ein Jurist); sie nehmen sich in zwei Doppelstunden des Themas an; in der Hauptstudie arbeitet er mit Studenten, 24 Gruppen zu je 3 Personen, die sich maximal 4 Stunden (mit 3 Stunden Problembearbeitungszeit) dem Thema widmen. Und wozu das alles?

Scherm knüpft an eine in der Sozialpsychologie klassische Fragestellung an, ob denn Gruppen zu besseren Leistungen gelangen als einzelne Mitglieder oder als das beste Einzelmitglied; oder ob vielleicht die Gruppe bei bestimmten Aufgaben (die z.B. "divergentes" Denken erfordern, die also auf die Reichhaltigkeit von Problemlösungen abzielen) bessere Ergebnisse erzielt, oder ob bei anderen, "konvergenten" Aufgaben der einzelne überlegen ist (also bei solchen, bei denen es auf eine bestimmte Einsicht, einen Lösungsansatz ankommt, bei dessen "Findungsprozeß" die Gruppe nur stören kann).

Eine solche durch die Gruppenprozesse bedingte Leistungsminderung - bedingt also durch die wechselseitigen Interaktionen und Kommunikationen, durch den mühsamen Prozeß der Normbildung, des Sortierens gemischter Botschaften, des sich Einigen-müssens in befristeter Zeit usw. - wird "Prozeßverlust" genannt. Die hierzu entwickelten Befunde und theoretischen Ansätze werden dargestellt und diskutiert. Die Scherm nun interessierende Frage zielt darauf ab, ob man solche Prozeßverluste vielleicht durch einen geeigneten Moderationsansatz kompensieren kann. Er stellt deshalb den moderierten Gruppen solche gegenüber, die "selbstgesteuert" arbeiten, so daß sie neben den Leistungszielen auch die Gruppenprobleme abarbeiten müssen. Dies bedeutete in der erwähnten Pilotstudie, mit Hilfe derer der Moderationsansatz entwickelt und aufs erste geprüft wurde: die eine Gruppe der Experten arbeitete auf sich allein gestellt (natürlich wurde ihnen erklärt, was zu tun ist, was unter TA verstanden wird, worauf es ankommen soll und wieviel Zeit ihnen zu Verfügung steht); die Moderations-Gruppe arbeitete als eine sog. "nominale Gruppe", d.h. die (z.B. in der Pilotstudie vier) Teilnehmer/innen wußten, daß sie zusammenarbeiten mußten; sie konnten auch schriftlich über den Moderator kommunizieren und so zu einem "gemeinsamen" Ergebnis beitragen, aber sie konnten nicht direkt miteinander interagieren.

Dieses alles, die Pilotstudie, die nachfolgende mit Studenten dann durchgeführte Hauptuntersuchung, die Operationalisierung der Variablen bis hin zu der klaren und verständlichen Darstellung ist sorgfältig, methodenbewußt, mit einem Bemühen um "ökologische Validität" des Ansatzes (z.B. hinreichend komplexe Aufgaben), ist insgesamt also exzellent durchgeführt und präsentiert. Und die Ergebnisse, ohne auf Details eingehen zu können, liegen überwiegend und mit z.T. starken Effekten auf der vermuteten Linie eines Leistungsvorteils der moderierten Gruppen.

Aber wie könnte man nun diesen Moderationsansatz auf TA anwenden, auf "TA als Analyseteam"? Dieses ist nicht möglich, denn der Ansatz löst die Gruppe (qua TA-Team) als Gruppe ja auf, führt einen Moderator ein, der selbstverständlich der moderierten Gruppe einen großen Koordinationsvorteil verschafft, also eine vormals gruppeninterne Leistung externalisiert. Der Ansatz ist bestenfalls im Rahmen eines u.U. ja zwei oder drei Jahre dauernden Projektes einzusetzen, z.B. im Sinne von vorauslaufenden oder ergänzenden Analysen, meinetwegen auch mit Laiengruppen, um bestimmte Wertgesichtspunkte in einem planvollen und effizienten Prozeß in die TA-Analyse einzuspeisen.

Wenn ein TA-Projekt aber z.B. zwei Jahre dauert und in diesem Zeitraum in einem interdisziplinären Team komplexe Fragestellungen abgearbeitet und Konflikt-/Konsensprozesse überstanden werden müssen, dann kann mit solchen Bedingungen kaum experimentiert werden, ohne die ökologische Validität zu gefährden (das Experiment dauert nur einige Stunden). Deshalb wäre abschließend zu fragen, ob in diesem Sinne, ohne den Wert und das hohe methodische Niveau der hier vorliegenden Arbeit zu schmälern, nicht auch ganz andere Ansätze erforscht und fruchtbar gemacht werden könnten und sollten, etwa solche, die auf Selbstorganisation und auf die Lernfähigkeit der Gruppe setzen: "Ein hohes Lernfähigkeitsniveau innerhalb eines Teams könnte langfristig eine externe Moderation sogar obsolet machen: Wenn die Mitglieder des Teams die Rolle des Moderators selbst übernehmen können und den Gruppenprozeß zu steuern in der Lage sind" (S. 190). Hier gäbe es, wie ich selbst nach 25 Jahren Forschung zugeben würde, immer noch viel zu lernen.


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ERNST ULRICH VON WEIZSÄCKER (Hrsg.): Grenzen-los? Jedes System braucht Grenzen - aber wie durchlässig müssen diese sein? Berlin; Basel; Boston: Birkhäuser, 1997.

Rezension von Udo Jeske, ITAS

Merkwürdig ist es ja schon, daß eine so ansehnliche wissenschaftliche und politische Gemeinschaft, wie sie Ernst Ulrich von Weizsäcker zum Jahreskongreß 1996 des Wuppertal-Instituts begrüßen konnte, sich darauf eingelassen hat, die Weltlage unter dem Thema "Grenzen-los?" zu diskutieren. Erfährt doch jedes Kind schon, daß es Grenzen gibt. Geradezu "kongreßsprengend" hätten dann auch die Bemerkungen von Ivan Illich sein können, wenn sie nicht nur in einem Seminar gemacht worden wären. "Bösen Grenzgulasch" nannte er die in seinen Augen typisch deutsche Idee, den Begriff "Grenze" zum Thema zu machen, die Wirklichkeiten diesseits und jenseits von Wasserscheiden, Schwellen, Barrieren, Simsen und Markierungen aus den Augen zu verlieren oder von Freundschaft und Solidarität zu entsinnlichen. Aber das Lebendige war nicht klein zu kriegen. Ausgesprochen spannend liest sich die Beleuchtung des Themas "Grenzen" aus dem Blickwinkel verschiedener persönlicher Haltungen, wissenschaftlicher Verankerungen und ganz unterschiedlicher sprachlicher Darbietungen der ReferentInnen, ModeratorInnen und der Beitragenden aus dem Auditorium: Makro- und Mikrowelten, Globalisierung und Verteidigung der lokalen Standorte, Kooperation statt globalem Wirtschaftskrieg mit Beiträgen aus Ökonomie, Biologie/Biochemie, Psychologie, Energieversorgung, Kultur, Recht und Philosophie sowie über indigene Völker.

Das Vorwort von Ernst Ulrich von Weizsäcker schließt mit einer schönen Bemerkung zum Kongreß und zur Notwendigkeit der Buchform: Der Kongreß war ein Feuerwerk der Ideen in der Naturwissenschaft, der Technik, der Ökonomie und der Politik. Viele sorgfältig formulierte Feinheiten einzelner Rednerinnen und Redner gingen im Sturm des Redeflusses nahezu unter. Die Buchform gestattet uns, die Gedanken mit der notwendigen Langsamkeit aufzunehmen und in die eigene Lebenswirklichkeit zu holen. Die "Wiederentdeckung der Langsamkeit" ist schließlich eine der kreativsten Aufgaben der hektisch gewordenen, besinnungslos grenzendurchrasenden Zivilisation geworden. Das Medium Buch bleibt in dieser erhofften weiseren Zivilisation unverzichtbar, auch wenn es seine Grenzen hat.

Vordergründig und formal ist das Buch ein typischer und gut, aber nicht aufregend aufgemachter Kongreßreader. Artig aufgeteilt nach "Plenum" und den thematisch unterschiedenen "Seminaren" werden die Beiträge, mit einem Bild der ReferentInnen versehen, abgedruckt. In der Mitte befindet sich der Festvortrag, eingeleitet jeweils von mehr oder weniger schlauen Worten der ModeratorInnen und beendet durch Auszüge aus der Diskussion.

Herausragend finde ich die Beiträge von Riccardo Petrella und den durch große Lebendigkeit ausgezeichneten von Hazel Henderson, die für "Leben jenseits des globalen ökonomischen Krieges" plädieren. Jedoch werden persönliche Ansprachen der KongreßteilnehmerInnen durch Ivan Illich oder das persönliche Engagement von Victoria Tauli-Corpuz mit ihren inhaltlich überzeugenden und emotional bewegenden Beschreibungen der brutalen Umstände, denen indigene Bevölkerungsgruppen ausgesetzt sind, die sich dem "Recht" der internationalen Firmen auf freien Zugang zu den Ressourcen der Erde einschließlich ihres eigenen "Genmaterials" widersetzen und es doch nicht verhindern können, durch solche Kongreßformen kanalisiert, eingesperrt und entwürdigt, ja stören, wie nach dem Beitrag von Ivan Illich deutlich wurde, die "Harmonie" des Kongresses. Denn da bestimmt die Regie: "Vielen Dank, wir kommen zum nächsten Redner." Und man wollte doch innehalten und Wut und Trauer zeigen können. Aber wie soll es sonst gemacht werden.

In den Beiträgen über Globalisierung geht es nicht nur um Ökonomie, sondern weit mehr um ein Entwicklungsmodell, das gekennzeichnet ist durch zunehmende Rationalisierung, Homogenisierung von Kultur und Natur, Kolonisierung und Expansion, bio-physische Degradation sowie Individualisierung als Ausdruck sozio-kultureller Degradation. In der Regionalisierung wird die Chance zur Stabilisierung der Ökonomie, der Umwelt und der zwischenmenschlichen Beziehungen gesehen.

Selten können in dieser Dichte Unterschiede in Standpunkt und Herangehen in einem Buch versammelt gefunden werden.

Da verteidigt G. Ott den laufenden Entwicklungsweg "... weil wir gleichzeitig mehr Globalisierung und mehr Deregulierung wollen". Er erkennt zwar das Dilemma: "Dies aber sind Faktoren, die zu immer kurzfristigerer Reaktion zwingen und deswegen weder für Energiesparmaßnahmen, die sich erst über längere Zeiträume rechnen, noch für die Entwicklung sogenannter neuer erneuerbaren Energien förderlich sind" (Seite 326). Doch dann macht er die Augen wieder zu: "Die Vorstellung, ein zusätzlicher Energieverbrauch ließe sich unschwer durch Änderung unseres Lebensstils - als Vorbild dann auch für die Dritte Welt - vermeiden, ist schiere Illusion. Ausstiegsrezepte - aus einer einzelnen Energie oder technischen Entwicklungslinie - sind nicht nur untauglich, sie sind unverantwortbar" (Seite 322).

Beeindruckend ist dieser Übergang: Da wollte H.G. Danielmeyer seinem Siemenskonzern eine bessere Berechnungsgrundlage für die Rückflüsse aus Investitionen in den neuen asiatischen Märkten schaffen. Aus den nach seiner Überzeugung besten Berechnungen der Entwicklung von Wachstumsraten und Bruttosozialprodukt in den hochindustrialisierten Ländern und solchen, die die Aufholjagd begonnen haben, folgt am Ende immer nur wieder eins: strukturelle Arbeitslosigkeit. Die Wucht der Erkenntnis, die sich daraus bei einem, der an seine Formeln glaubt, ergeben kann, ist gewaltig. Er hält "gesellschaftliche Innovationen" von der Tragweite der industriellen Revolution für notwendig, um der Entwicklung eine andere Richtung zu geben. Der freiere Blick auf die eigenen Arbeitsergebnisse, der möglich ist, wenn einer am Ende seines Berufslebens steht, wenn er nicht mehr Vorstand bei Siemens ist und der Zwang zu Loyalität und die Abhängigkeit gemildert sind, sind der hintergründige Inhalt des Beitrags von Hans Günter Danielmeyer, der sich von Herrn Fücks ("Die Grünen") verstanden sieht.

Ganz voraussetzungslos läßt sich das Buch nicht lesen. Wer Exponentialfunktionen und Differentialgleichungen beherrscht, wer sich schon mit Spieltheorie und Modellen der Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt hat, wird es bei einigen Beiträgen leichter haben. Den anderen bleiben genügend Anreize, sich den Lücken zuzuwenden. Überhaupt eignet sich das Buch auch hervorragend für die universitäre Seminararbeit.


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MARTIN KALTSCHMITT UND GUIDO A. REINHARDT (Hrsg.): Nachwachsende Energieträger. Grundlagen, Verfahren, ökologische Bilanzierung. Braunschweig/Wiesbaden: Vieweg Verlagsgesellschaft mbH, 1997. ISBN 3-528-06778-0

Rezension von Ludwig Leible, ITAS

Mit dem methodischen Instrument der Ökobilanz wird im allgemeinen der Versuch unternommen, zu einer zusammenfassenden Bewertung der Umweltvorteile und -nachteile von Produkten, Produktionsprozessen oder Serviceleistungen zu gelangen. Daß diese abschließende Bewertung der Umweltauswirkungen keinesfalls immer eindeutig zugunsten eines Produktes oder Produktionsprozesses ausfallen muß, zeigen die Ergebnisse der hier vorgestellten Studie zum Themenbereich "Nachwachsende Rohstoffe als Energieträger".

Zielsetzung

Diese Studie wurde von 1993 bis 1997 mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) vom Institut für Energiewirtschaft (IER) der Universität Stuttgart, vom Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU), Heidelberg, unter Mitarbeit des Kuratoriums für Technik und Bauen in der Landwirtschaft (KTBL), Darmstadt, und des Instituts für Umweltstudien (IUS), Heidelberg, durchgeführt. Zielsetzung war, die potentiell in Deutschland produzierbaren Bioenergieträger anhand verschiedener ökologischer Parameter untereinander und insbesondere mit den jeweils substituierbaren fossilen Energieträgern zu vergleichen. Den Bearbeitern der Studie war hierbei von vornherein klar, daß infolge der komplexen und zum Teil gegenläufigen Umwelteffekte der Energieerzeugung mit Bioenergieträgern eine einfache Abwägung, ob eine energetische Nutzung von Biomasse zu einer Umweltentlastung oder -mehrbelastung beiträgt, nicht möglich ist. In diesem Zusammenhang drängt sich natürlich die Frage auf, welcher Nutzen dann aus einer solchen Bewertung gezogen werden kann, die sich ausschließlich auf Umweltaspekte konzentriert.

Inhalt, Methodik

Die Studie konzentriert sich als Bezugsraum und -zeit auf Deutschland 1993 und ist hinsichtlich der Anzahl der betrachteten Bioenergieträger und deren energetischen Nutzungsmöglichkeiten sehr breit angelegt.

Beim Vergleich der verschiedenen Bioenergieträger und der zu substituierenden fossilen Energieträger (Heizöl, Erdgas, Steinkohle bzw. Diesel- und Ottokraftstoffe) wurde der gesamte Lebensweg - von der "Wiege bis zur Bahre"- sehr detailliert analysiert. Begonnen wurde hierbei mit dem Lebenswegabschnitt "Pflanzenproduktion", gefolgt von dem Bereich "Bereitstellung" der Energieträger bis hin zum Lebenswegabschnitt "Energetische Nutzung". Die Vorketten zur Bereitstellung der nötigen Produktionsmittel (Betriebsmittel), z.B. Dünger, Pflanzenschutzmittel, wurden hierbei einbezogen, nicht jedoch die Aufwendungen für Bereitstellung der Infrastruktur (z.B. Gebäude, Maschinen). Begründet wurde dies mit Abschätzungen für Kraftwerke und Raffinerien, die darauf hinweisen, daß diese Aufwendungen für Infrastruktur weniger als 10 % des späteren Energieumsatzes ausmachen und für alle Produktionsprozesse in ähnlichem Umfange anfallen.

Als Energieträger zur Wärme- und Stromproduktion wurden der gezielte Anbau der Energiepflanzen Triticale, Chinaschilf und Pappeln und die Reststoffe Stroh, Grasschnitt und Waldrestholz aus der Land- und Forstwirtschaft berücksichtigt. Als Biokraftstoffe - Ersatz für Diesel- und Ottokraftstoffe im Verkehrssektor - fanden Rapsöl, Rapsölmethylester (RME) und Ethanol (aus Kartoffeln, Weizen, Zuckerrüben) Berücksichtigung.

Bei dem Lebenswegabschnitt Pflanzenproduktion wurden neben den Standardverhältnissen zusätzlich die Auswirkungen von verschiedenen Landbauformen, Ertragsklassen, Schlaggrößen, Maschinenausnutzungen, Referenzsystemen für die Flächennutzung (z.B. Flächenstillegung), Ansätzen für die P-, K- und Ca-Düngung und N2O-Emissionsraten aus dem Boden untersucht. Diese Sensitivitätsanalysen geben dem Leser eine sehr wertvolle Hilfestellung, anhand derer er einschätzen kann, wie Annahmen-behaftet bzw. "belastbar" die abgeleiteten Umweltkennwerte und die daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen sind. Entsprechend wurde für den Lebenswegabschnitt Bereitstellung der Bioenergieträger der Einfluß unterschiedlicher Annahmen für den Wassergehalt der Festbrennstoffe, für Transportfahrzeuge bzw. Transportentfernungen und für Materialverluste bei den Festbrennstoffen untersucht. Darüber hinaus fanden Analysen zu den Auswirkungen von Verfahrensvarianten bei der Gewinnung von Rapsöl, Rapsölmethylester (RME) und Ethanol hinsichtlich Anlagengröße, Zurechnung der Energieaufwendungen und Behandlung und Verwertung der Kuppelprodukte und Reststoffe Berücksichtigung.

Im Lebenswegabschnitt Energetische Nutzung wurden Sensitivitätsuntersuchungen durch Variation der Emissionsfaktoren, Anlagenkonzepte, Art der substituierten fossilen Energieträger, Netzstrombezug, Gutschrift für die Ascherückführung und Wirkungsgrade der Feuerungsanlagen durchgeführt.

In der über den gesamten Lebensweg der Energieträger durchgeführten Bilanzierung wurden folgende Kennwerte als ökologische Parameter abgeschätzt und in den Vergleich einbezogen:

Darüber hinaus wurden landwirtschaftlich bedingte Umweltauswirkungen an den Aspekten

dargestellt und diskutiert.

Ergebnisse, Schlußfolgerungen

Die in dieser Studie vorgestellten Ergebnisse bestätigen noch einmal die bereits in den letzten Jahren in unterschiedlichen Untersuchungen gewonnene Einschätzung, daß

Daß die Überlegenheit der biogenen Festbrennstoffe gegenüber den flüssigen Biokraftstoffen neben den Umweltaspekten auch aus volkswirtschaftlicher Sicht gegeben ist, wurde bereits mehrfach in anderen Studien belegt. Auf solche "Wettbewerbsverhältnisse" aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht wurde in dieser Studie leider nicht eingegangen, da hier ausschließlich Umweltaspekte im Vordergrund standen. Internationale Wechselwirkungen, wie z.B. Bezug von Bioenergieträgern mit hoher Energiedichte vom Weltmarkt und daraus resultierende Konfliktpotentiale, konnten bei diesem methodischen Ansatz ebenfalls nicht berücksichtigt werden. Dies sind nur einige Aspekte, die für die Bewertung der relativen Bedeutung von Bioenergieträgern wichtig sind. In diesem Zusammenhang scheint der Einwand gerechtfertigt, ob die methodische Vorgehensweise anhand umfassenderer systemanalytischer Ansätze (z.B. Produktlinienanalyse, Technikfolgenabschätzung) nicht zu weitergehenden Aussagen und Schlußfolgerungen geführt hätte als dies anhand von Ökobilanzen möglich ist. Dies ist ein alter Einwand gegenüber Ökobilanzen. Aus einzelwirtschaftlicher Sicht oder aus volkswirtschaftlicher Betrachtungsweise stehen in der Regel weitergehende Fragestellungen im Vordergrund, die auf eine stärkere Anwendungsrelevanz in der Bearbeitung ausgerichtet sind. So ist beispielsweise aus einzelbetrieblicher Sicht wichtig, mit welchen Veränderungen im Produktionsverfahren (Technik, Vorprodukte) die Umweltverträglichkeit eines Produktes verbessert werden kann, welche Kosten (Einsparungen) damit einhergehen und welche Marktchancen hierdurch erschlossen werden könnten. Aus volkswirtschaftlicher Sicht (Staat) stehen vor allem Effizienzgesichtspunkte im Vordergrund: Wo sind die drängendsten Umweltprobleme, welchen Beitrag können nachwachsende Energieträger zu ihrer Lösung leisten, welche Bioenergieträger sind hierbei aus volkswirtschaftlicher Sicht besonders effizient, welche Hemmnisse stehen ihrer Markteinführung entgegen und wie können diese abgebaut werden?

Trotz dieser methodisch bedingten Einschränkungen in der Aussagekraft und Anwendungsrelevanz der Ergebnisse dieser Studie ist zu honorieren, daß die Vorgehensweise bei der Ableitung der umweltrelevanten Kennwerte sehr detailliert und hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit vorbildlich beschrieben und dargestellt sind. Wenn man sich jedoch auf der anderen Seite die Vielfalt der abgeleiteten Umweltkennwerte in ihrer widersprüchlichen Aussagekraft, den teilweise großen bestehenden Unsicherheiten und in der für eine ökologische Gesamtbewertung notwendigen, jedoch fehlenden Gewichtung betrachtet, dürfte sich der Leser überfordert fühlen. Hier wäre es sehr hilfreich, entsprechende Bewertungshilfen an die Hand zu bekommen, die eine Einordnung erlauben, wo denn aus Umweltsicht die drängendsten Probleme sind und folglich besondere Prioritäten bei Problemlösungsstrategien anzusetzen wären. Durch die einfache Darstellung der bestehenden Verhältnisse in Deutschland bei der Energieversorgung und bei den Emissionen (z.B. treibhausrelevante Emissionen, Versauerung) im Vergleich zu den mittel- bis längerfristig durch die Nutzung von Bioenergieträgern (Mengenszenarien) zusätzlichen Mehr- oder Minderemissionen hätte z.B. aufgezeigt werden können, welche "wichtigen" Umweltkennwerte weniger oder besonders von Bedeutung für nachwachsende Energieträger sind. Nach einer solchen "Einordnung" (Prioritätensetzung) der vielfältigen und detailliert dargestellten Umweltkennwerte hätte vermutlich auf den einen oder anderen Kennwert oder Differenzierung verzichtet werden können. Die abschließende Bewertung und die daraus abzuleitenden Schlußfolgerungen hätten sicherlich nicht darunter gelitten.

Fazit

Die detaillierten Darstellungen dieser ökologischen Bilanzierung dürften sowohl hinsichtlich der methodischen Vorgehensweise als auch in der dargestellten Fülle an Daten und Ergebnissen für zukünftige Studien dieser Art eine hilfreiche Referenz sein. Daß dies zu keinen neuen Schlußfolgerungen bei der ökologischen Bewertung nachwachsender Energieträger führte, bleibt davon unberührt. Dies hängt neben der methodisch bedingten Begrenzung vor allem auch damit zusammen, daß dieses Thema bereits seit 10 bis 15 Jahren intensiv bearbeitet wird.


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KLAUS BURMEISTER, KAI BÖHME (Hrsg.): Telematic Cities. Perspektiven nachhaltiger Stadtentwicklung. Dokumentation der Sommerakademie 1995. WerkstattBerichte 17. Sekretariat für Zukunftsforschung, 1997, 314 S., ISBN 3-928635-17-4.

Rezension von Jens Kurnol, Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung, Bonn

Der Band "Telematic Cities - Perspektiven nachhaltiger Stadtentwicklung" dokumentiert die Beiträge der Sommerakademie des Sekretariats für Zukunftsforschung, die am 14. und 15. September 1995 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen stattfand. Ziel dieser Sommerakademie war es, die wachsende Bedeutung der Städte für die Gestaltung der Informationsgesellschaft zu untersuchen und die Rolle der Telematik beim Umgang mit den drängendsten städtischen Aufgaben herauszuarbeiten.

Der Band umfaßt insgesamt 32 Beiträge, die sich auf neun Kapitel verteilen. Den Beginn bilden neben einigen Grundsatzreferaten zur Stadtentwicklung Beispiele aus der Praxis. Eine Übersicht über "telematische Städte in Europa" folgt, bevor in drei eigenen Kapiteln die Beiträge in den Zukunftsforen "Telematik und Partizipation", "Telematik und Stadtentwicklung" sowie "Telematik und neue Dienste" dargestellt werden. Hier sind besonders die Zusammenfassungen der Moderatoren hervorzuheben, die einen guten Überblick über en "damaligen" Diskussionsstand erlauben. Den Schluß bildet ein aktualisierter Beitrag zur Medienpolitik in Nordrhein-Westfalen.

Ausführlichen Raum in diesem Band nehmen Darstellungen der verschiedensten Initiativen auf allen räumlichen Ebenen ein. Aufgrund der rasanten Entwicklung der informationstechnischen Vernetzung seit Beginn der neunziger Jahre bleiben diese Beschreibungen notwendigerweise auf einem recht abstrakten Niveau. Hätte die Veranstaltung im Herbst des Jahres 1997 stattgefunden, würde den Beispielen konkreter Aufgabenbearbeitung mit neuen telematischen Werkzeugen sicherlich mehr Beachtung geschenkt werden. Aus der Nachschau erfreulich ist, daß die 1995 ausgesprochenen Warnungen vor einer Beschränkung der Diskussion auf technische Aspekte Wirkung gezeigt haben: Vor allem die Europäische Kommission, aber auch viele Kommunen haben erkannt, daß die gegenwärtigen Probleme bei der Realisierung einer nachhaltigen Stadtentwicklung nicht alleine durch eine verbesserte technische Infrastruktur bewältigt werden können, sondern einer entsprechenden Nachfrage und damit auch Dienstleistungsangeboten bedürfen. Kurz: Nicht so sehr das infrastrukturelle Potential ist entscheidend, sondern die tatsächliche Nutzung. Busso Grabow drückt es in seinem Beitrag wie folgt aus: "Telematik kann nur ein Instrument zur Erreichung anderer Ziele sein. Ein weitreichender Telematikeinsatz stellt aber selber keinen für die Stadt zu erstrebenden Wert dar, sondern kann nur helfen, andere Ziele besser zu erreichen" (S. 233).

Insgesamt bietet der Band einen sehr guten Überblick über den Zusammenhang zwischen Stadtentwicklung und Telematik. Die - relative - Schwäche eines recht hohen Abstraktionsgrades der Beiträge wird wieder gut gemacht durch die Arbeit der Redaktion: Sie hat dem Band eine Übersicht über Internetseiten vorangestellt, die im Zusammenhang mit diesen Beiträgen stehen. Daß die Beiträge dem Untertitel "Perspektiven nachhaltiger Stadtentwicklung" nicht immer gerecht werden, schmälert nicht den Verdienst der Veranstalter, die Diskussion um den Zusammenhang zwischen Telematik und nachhaltiger Entwicklung ganz wesentlich mit initiiert zu haben. Die notwendige Weiterentwicklung und Umsetzung der Perspektiven geht jetzt alle, nicht nur die Leserinnen und Leser dieses Bandes, an.


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GROUP OF HIGH-LEVEL PRIVATE SECTOR EXPERTS ON ELECTRONIC COMMERCE (Sacher-Group): Electronic Commerce. Opportunities and Challenges for Government. Paris: OECD 1997

Rezension von Ulrich Riehm, ITAS

Der vorliegende Bericht wurde erarbeitet von einer Gruppe von 19 Experten aus privaten Unternehmen unterschiedlicher Branchen, der sogenannten "Sacher-Group", die nach ihrem Leiter, John Sacher, Executive Director von Marks and Spencer, England, benannt wurde. Unterstützung erhielt diese Gruppe vom in technologiepolitischen Fragen renommierten Science Policy Research Institute (SPRU), University of Sussex, England, und der Keio Universität in Japan. Die Stellungnahme integriert die Erfahrungen und Ansichten von ca. 100 Unternehmen weltweit, die im Laufe der Arbeit der Gruppe kontaktiert und interviewt wurden, ohne daß der Bericht eine formelle Auswertung dieser Interviews enthalten würde. Der Bericht ist so weder ein wissenschaftlicher Forschungsbericht noch ein offizielles Dokument der OECD, sondern eine industriepolitische Stellungnahme, die sich durch ein abgewogenes, differenziertes und praxisorientiertes Urteil bezüglich der Chancen und Risiken des elektronischen Handels auszeichnet und konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik enthält.

Im ersten Kapitel "Defining Electronic Commerce and Assessing its Potential" geht es um grundsätzliche Abgrenzungen und Definitionen. Im zweiten Kapitel "The Mechanics of Electronic Commerce" werden die ökonomische, die technische und die organisatorische Dimension des elektronischen Handels diskutiert. Im dritten Kapitel "Issues and Opportunities in the Implementation of Electronic Commerce" werden eine Fülle von Problemen genannt, die die Entwicklung des elektronischen Handels behindern könnten.

Diskutiert wird das Problem, daß gerade im internationalen Handel mit immateriellen Gütern Probleme in der Überprüfung der Gültigkeit und Verläßlichkeit von Produktbeschreibungen und Garantieregelungen, sowie in der Zuverlässigkeit der Auslieferung bestehen. Notwendig sei deshalb die Dokumentation und Nachvollziehbarkeit des gesamten Ablaufs des elektronischen Handels - vom ersten Austausch von Informationen bis zur Bezahlung und Auslieferung. Aber ohne Vertrauen der Geschäftspartner könne auch der elektronische Handel nicht funktionieren, Vertrauen, das durch Transparenz, Legitimität und einen fairen Interessenausgleich in Konfliktfällen erreicht werden müsse.

Generell wird die These problematisiert, daß die Eintrittsschwelle für den elektronischen Handel niedrig sei und deshalb für kleine und neue Firmen eine besondere Chance darstellen würde. Relativiert wird auch die Vorstellung, daß sich im elektronischen Milieu eine reine Preiskonkurrenz durchsetzen würde. Wichtiger als der Preis können auch im elektronischen Handel die guten Erfahrungen mit einem Lieferanten inklusive der technologischen Kompatibilität des Händler- und des Kundensystems sein. Nicht ausgeschlossen werden auch wirtschaftliche Auseinandersetzungen bis hin zu Boykottmaßnahmen zwischen Handelsunternehmen, Zwischenhändlern und (neuen) Direktvertriebsunternehmen, wenn herkömmliche Handelsbeziehungen massiv in Frage gestellt würden.

Zu den sich entwickelnden elektronischen Zahlungssystemen im Internet wird bemerkt, daß dafür nicht nur durch koordinierte Maßnahmen der öffentlichen und privaten Finanzinstitutionen Sicherheit und Vertrauen hergestellt werden müßte, sondern insgesamt eine Fülle ökonomischer und rechtlicher Probleme zu klären seien - um nur ein Beispiel zu nennen, eine Abschätzung der Transaktionskosten der unterschiedlichen Systeme.

Es wird keine generelle Steuerbefreiung für den elektronischen Handel gefordert. Viel wichtiger seien praktikable, diskriminierungsfreie und transparente Steuerregelungen.

Zu den Sicherheitsproblemen in offenen Netzwerken wird festgestellt, daß es eine absolute Sicherheit nicht geben könne. Es komme vielmehr darauf an, die Einsicht zu verbreiten, daß es unterschiedliche Sicherheitslevel geben müsse, je nach der Bedeutung der zu sichernden Vorgänge. Wichtig ist auch der Hinweis, daß man Sicherheit nicht auf technische und kryptographische Fragen beschränken dürfe, sondern Organisationsfragen mindestens genauso wichtig seien.

Im Bereich der Infrastruktur wird als unmittelbares Ziel die Schaffung eines leistungsfähigen, internationalen Internet-Backbone gefordert, das ausreichende Bandbreite, Zuverlässigkeit und Zugänglichkeit für die Anforderungen des elektronischen Handels gewährleistet.

Im Bereich internationaler Standards spiele der ISO-Standard EDI (Electronic Data Interchange) eine wichtige Rolle; allerdings wird die Praxistauglichkeit dieses Standards immer noch als relativ gering angesehen. Nicht alle Anwendungsbereiche seien in gleicher Weise für Standardisierungsmaßnahmen geeignet.

Es wird davon ausgegangen, daß der elektronische Handel auch das sozio-kulturelle Leben insgesamt verändere. Über die Art und Weise dieses Anpassungsdrucks wisse man allerdings noch sehr wenig, auch nicht darüber, inwieweit das gesellschaftliche Gleichgewicht dadurch negativ beeinflußt werde. Es wird deshalb dringend ein international ausgerichtetes "Monitoring" des sozio-kulturellen Wandels gefordert, der durch den elektronischen Handel und ähnliche Entwicklungen ausgelöst werde.

Im vierten Kapitel "The Role of Government in Electronic Commerce" wird auf die Bedeutung des öffentlichen Sektors als Abnehmer von Produkten und Dienstleistungen aufmerksam gemacht, der eine Vorreiterrolle in der elektronischen Verwaltung und im elektronischen Handel einnehmen sollte. Das abschließende fünfte Kapitel "Conclusions" fordert einen breiten Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen, den Konsumenten (und Bürgern) und den Regierungen. Der Abbau von Barrieren und ein offener und gleichberechtigter Zugang zum "Netzwerk" des elektronischen Handels sei ein Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit.

Dieser OECD-Bericht scheint mir aus fünf Gründen Beachtung zu verdienen. Erstens wird ein differenziertes und konkretes Bild der Möglichkeiten und Grenzen des elektronischen Handels gezeichnet, das in vielen Aspekten einer einseitig euphorischen Betrachtung, wie sie teilweise in Wissenschaft und Politik zu finden ist, entgegentritt. Zweitens wird eine einseitige technikorientierte Behandlung des Themas als unzulänglich gekennzeichnet. Organisatorische, wirtschaftliche, rechtliche und sozio-kulturelle Faktoren sind in gleicher Weise zu berücksichtigen. Drittens ist bemerkenswert, wie aus Unternehmenskreisen eine umfassende und koordinierte Infrastrukturpolitik, konkret eine "Internet-Politik", gefordert wird, um den Defiziten des Internets für die Erfordernisse des elektronischen Handels zu begegnen. Viertens werden die Regierungen und staatlichen Instanzen in die Pflicht genommen. Einerseits sollen sie die notwendigen Rahmenbedingungen für die Entwicklung des elektronischen Handels schaffen, da viele bestehende Regelungen unzureichend sind und offensichtlich eine Selbstregulierung als nicht ausreichend angesehen wird. Dabei wird nicht verschwiegen, daß sich alle diese Anstrengungen von vornherein auf schwierige internationale Regulierungen beziehen müßten. Andererseits wird gefordert, daß die Regierungen in den von ihnen direkt beeinflußbaren Bereichen als Innovatoren und Promotoren der elektronischen Verwaltung und des elektronischen Handels vorangehen sollten. Fünftens werden Forschungsdefizite festgestellt und ein internationales Monitoring gefordert, denn die Unvermeidlichkeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandels sei zwar unstrittig, aber sein konkreter Verlauf und seine Folgen noch wenig verstanden und abschätzbar.

Download der Berichte möglich über
http://www.oecd.org/dsti/pubs/sacher.htm

Informationen zu den Aktivitäten der OECD zum elektronischen Handel unter
http://www.oecd.org/subject/electronic_commerce/documents/emergence.htm


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Innovationsmessung und Innovationspolitik

Konferenzprotokoll

Die Europäische Kommission hat das Protokoll einer internationalen Konferenz über "Innovationsmessung und Innovationspolitik" veröffentlicht, die am 20. und 21. Mai 1996 in Luxemburg stattfand. Die von GD XIII der Europäischen Kommission und EUROSTAT gemeinsam organisierte Konferenz zielte in erster Linie darauf ab, Wissenschaftler, politische Planer und Wirtschaftsteilnehmer zur Diskussion über Innovation zusammenzuführen.

Zu den während der Konferenz zur Diskussion stehenden Hauptthemen zählten die anfänglichen Ergebnisse der ersten Gemeinschaftserhebung über Innovation, den Community Innovation Survey - CIS, die politischen Folgen der Innovationsforschung und die Arten von Innovationsindikatoren, die zur Erfüllung von zukünftigem Bedarf benötigt werde. Das jetzt vorgelegte Konferenzprotokoll bietet einen Überblick über die politisch relevanten Ergebnisse, auf die man aus der CIS schließen kann. Diese Ergebnisse sind zwar bei weitem nicht vollständig, sie zeigen aber, daß die CIS einen beträchtlichen Beitrag zur Innovationsmessung geleistet hat und Wissenschaftlern neue Indikatoren auf der Firmenebene für Firmen europaweit geliefert hat.

Angesichts der Bedeutung von Innovation für Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung werden zukünftige Innovationserhebungen eine wichtige Datenquelle für politische Planer, Akademiker und die Geschäftswelt darstellen. Sowohl EUROSTAT als auch die GD XIII haben sich der Verbesserung der CIS und der Durchführung zusätzlicher Erhebungen verpflichtet. Die zweite CIS wird 1997/1998 durchgeführt werden.
(Quelle: CORDIS focus)

Bibliographische Angaben

Innovationsmessung und Innovationspolitik - Konferenzprotokoll: EUR 17019EN: ISBN 92-828-2043-2.

Kopien des Protokolls (Preis 31.50 ECU) sind erhältlich bei

Eur-Op Verkaufs- und Abonnementstelle in Ihrem Land
oder
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften (Eur-OP)
2 rue Mercier
L-2985 Luxembourg
Fax: + 352-2929-42759

Eine aktualisierte Liste der Eur-OP Verkaufsstellen ist auch über das World Wide Web erhältlich unter:
http://eur-op.eu.int/_en/general/s-ad.htm


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- BÜCHER KURZ VORGESTELLT -

GERHARD BANSE (Hrsg.):
Allgemeine Technologie zwischen Aufklärung und Metatheorie. Johann Beckmann und die Folgen. Berlin: Ed. Sigma, 1997.

JOHANNES WEYER, ULRICH KIRCHNER, LARS RIEDL, JOHANNES F.K. SCHMIDT:
Technik, die Gesellschaft schafft. Soziale Netzwerke als Ort der Technikgenese. Berlin: Ed. Sigma, 1997.

VERBUND SOZIALWISSENSCHAFTLICHE TECHNIKFORSCHUNG:
Paradoxien der Innovation. Mitteilungen Heft 19/1997. München, November 1997.

CHRISTIAN JOERGES, KARL-HEINZ LADEUR, ELLEN VOS (Eds.):
Integrating Scientific Expertise into Regulatory Decision-Making. National Traditions and European Innovations. Hamburg: Nomos Verlagsgesellschaft, 1997. (Schriftenreihe des Zentrums für Europäische Rechtspolitik an der Universität Bremen (ZERP); Bd. 23)

OECD (ed.): STI REVIEW (Science Technology Industry) No. 20:
Special Issue on Information Infrastructures. Paris 1997.

HEINZ HÜBNER u.a.:
Transrapid zwischen Ökonomie und Ökologie. Eine Technikwirkungsanalyse alternativer Hochgeschwindigkeitsverkehrssysteme. Wiesbaden: Deutscher Universitäts Verlag, Gabler, 1997.

MARIA BEHRENS, SYLVIA MEYER-STUMBORG, GEORG SIMONIS:
Gen Food. Einführung und Verbreitung, Konflikte und Gestaltungsmöglichkeiten. Berlin: Ed. Sigma, 1997.

STIFTUNG WISSENSCHAFT UND POLITIK (SWP); VEREIN DEUTSCHER INGENIEURE (VDI):
Prospektive Deutschlands. Zweite, neu bearbeitete Auflage, Bonn, Dezember 1997

LOTHAR HACK:
Technologietransfer und Wissenstransformation. Zur Globalisierung der Forschungsorganisation von Siemens. 1. Aufl. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 1998.


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GERHARD BANSE (Hrsg.):
Allgemeine Technologie zwischen Aufklärung und Metatheorie. Johann Beckmann und die Folgen.
Berlin: Ed. Sigma, 1997. 175 S. ISBN 3-89404-442-X

Mit dem "Entwurf der allgemeinen Technologie" hat der Göttinger Ökonom Johann Beckmann 1806 einen Ansatz publiziert, der sinnvolle Vereinheitlichungs- und notwendige Verständigungsprozesse in der Wissenschaftsdisziplin Technologie anregen und befördern wollte. Dieser integrative Denkansatz ist seither von vielen Wissenschaftlern aufgegriffen und weiterentwickelt worden. Dabei wurde deutlich, daß stärker zu unterscheiden ist, ob man unter Allgemeiner Technologie mehr beschreibende Verallgemeinerungen versteht, die methodischen Zwecken dienen ("Aufklärung"), oder ob man darunter Aussagen subsumiert, die Zusammenhänge technologischer Prozesse in generalisierender Absicht erklären ("Metatheorie"). Dieses Buch vereinigt die Beiträge und Diskussions-Statements eines Symposiums, das im Februar 1996 am Zentrum für Technik und Gesellschaft der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus stattfand. Aus historischer und aktueller systematischer Sicht wurde der Frage nachgegangen, inwieweit das Beckmann'sche allgemeintechnologische Programm eingelöst wurde bzw. einlösbar ist. Auf diese Weise werden sowohl der Stand der Überlegungen im Bereich der Allgemeinen Technologie dokumentiert als auch Defizite und mögliche zukünftige Forschungsaufgaben herausgearbeitet.

Die Autoren und ihre Beiträge:

Hans-Peter Müller: Denkansatz und Wirkungsgeschichte von Beckmanns "Entwurf der allgemeinen Technologie"

Klaus Mauersberger: Von Karmarsch bis Reuleaux - verallgemeinernde technikwissenschaftliche Konzepte im 19. Jahrhundert

Elke Hartmann: Auf dem Wege zu einer Allgemeinen Chemischen Technologie

Hartmut Sellin: Allgemeine Technologie in technikdidaktischer Perspektive

Günter Ropohl: Allgemeine Technologie als Grundlage für ein umfassendes Technikverständnis

Horst Wolffgramm: Allgemeine Technologie zwischen (technologischer) Aufklärung und (technikwissenschaftlicher) Metatheorie


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JOHANNES WEYER, ULRICH KIRCHNER, LARS RIEDL, JOHANNES F.K. SCHMIDT:
Technik, die Gesellschaft schafft. Soziale Netzwerke als Ort der Technikgenese.
Berlin: Ed. Sigma, 1997. 382 S. DM 44,--. ISBN 3-89404-444-6

Dieses Buch verknüpft Technikgeneseforschung und Netzwerkanalysen, um auf diese Weise ein soziologisches Modell von Innovationsprozessen zu entwickeln, das auf unterschiedlichste Fallbeispiele anwendbar ist. In kritischer Auseinandersetzung mit bisherigen Konzeptualisierungen von Technikentwicklung wird Technikgenese hier als ein mehrstufiger Prozeß der sozialen Konstruktion von Technik aufgefaßt, der von wechselnden Akteurskonstellationen getragen wird und mehrere Phasen durchläuft. Für den Erfolg einer neuen Technik ist es entscheidend - so lautet eine der Schlüsselthesen -, ob es den Technikkonstrukteuren gelingt, soziale Netzwerke zu konstituieren und derart zu stabilisieren, daß sie eine solide Basis für ein Technikprojekt bilden. Dieses Modell wird an empirischen Beispielen sowohl staatlich getragener Technikentwicklung (Airbus, Transrapid) als auch privatwirtschaftlich erzeugter Technik (Personal Computer, Astra-Satellit) überprüft. Da sich diese Fälle trotz ihrer Heterogenität nach einem einheitlichen Prinzip beschreiben lassen, ist es möglich, Ansatzpunkte für eine soziale Gestaltung von Innovationsprozessen zu identifizieren.

Der Band geht auf ein im Rahmen des Heisenberg-Programms vom April 1993 bis September 1996 gefördertes Forschungsprojekt mit dem Titel "Die soziale Eigendynamik von Technik. Studien zur Entstehung, Stabilisierung und Durchsetzung technischer Innovationen" zurück, das an der Universität Bielefeld durchgeführt wurde.

Eine ausführliche Darstellung des in diesem Buch vorgestellten Ansatzes erscheint in einer der nächsten Ausgaben der TA-Datenbank-Nachrichten.


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VERBUND SOZIALWISSENSCHAFTLICHE TECHNIKFORSCHUNG:
Paradoxien der Innovation. Mitteilungen Heft 19/1997. München, November 1997.

In dem vorliegenden Heft 19/1997 der Mitteilungen des Verbundes Sozialwissenschaftliche Technikforschung wird das neue Programm des Verbundes unter dem Leitthema "Paradoxien der Innovation" vorgestellt. Schon mit der 1994 vorgelegten Zwischenbilanz hatte der Verbund begonnen, dieses neue zentrale Thema inhaltlich zu entwickeln und auszuarbeiten (vgl. Mitteilungen Heft 12/1994 sowie Heft 14/1995). Diese Entwicklung war, so ist zu lesen, im wesentlichen das Resultat veränderter externer Relevanzkriterien für sozialwissenschaftliche Technikforschung, in der das Innovationspotential technischer Entwicklungen stärker in den Vordergrund rückte. Eine Rolle spielte aber auch die geänderte personelle Zusammensetzung des Verbundes in den letzten Jahren, die zu einer disziplinären und thematischen Erweiterung geführt habe. Das jetzt vorgelegte Programm soll intern zur thematischen Orientierung der zukünftigen Projekte dienen und nach außen die Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit des Verbundes verdeutlichen. In der bisherigen Debatte um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Standortes würden die sozialen und institutionellen Dimensionen des Innovationsprozesses trotz ihrer Bedeutung für die Entwicklung und Durchsetzung technischer Innovationen überwiegend außer acht gelassen. Das Programm will dazu beitragen, auf der Grundlage interdisziplinärer sozialwissenschaftlicher Technikforschung ein "antizipatives gesellschaftliches Innovationsmanagement" zu entwickeln: Probleme und Paradoxien des Innovationsprozesses sollen beleuchtet und Wege zu deren Bearbeitung aufgezeigt werden.

Die Hefte des Verbundes sind zu beziehen über die

Koordinationsstelle des Verbundes sozialwissenschaftliche Technikforschung
Christa Lang
c/o Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. München
Jakob-Klar-Str. 9
D-80796 München
Tel.: + 49 (0) 89/272921-0
Fax: + 49 (0) 89/272921-60
E-mail: lang.isf@lrz.uni-muenchen.de
http://infosoc.informatik.uni- bremen.de/verbund/


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CHRISTIAN JOERGES, KARL-HEINZ LADEUR, ELLEN VOS (Eds.):
Integrating Scientific Expertise into Regulatory Decision-Making.
National Traditions and European Innovations.
Hamburg: Nomos Verlagsgesellschaft, 1997.
(Schriftenreihe des Zentrums für Europäische Rechtspolitik an der Universität Bremen (ZERP); Bd. 23) 344 S., brosch., DM 78,--. ISBN 3-7890-4855-0

Die Berücksichtigung von wissenschaftlichem Sachverstand in rechtlichen Entscheidungen ist auch im Europäischen Recht namentlich im Zusammenhang mit dem Ausbau des europäischen Binnenmarktes und der Kontrolle von Produktrisiken seit langem unverzichtbar.

Der Sammelband greift allgemeine Probleme der Integration wissenschaftlicher Expertisen in rechtliche Risikoregulierungen auf und widmet sich vor allem den Besonderheiten europäischer Regulierungen. Diese werden exemplarisch für Lebensmittel und technische Güter diskutiert.

Der Band wendet sich an mit der regulativen Politik der EG befaßte Wissenschaftler und Praktiker; er trägt wesentlich zu einem besseren Verständnis für die institutionellen Besonderheiten europäischer Produktregulierungen, ihren innovativen Beiträgen und faktischen Abhängigkeiten bei.

Das Buch, so der Wunsch der Herausgeber im Vorwort, solle zur weiteren Vertiefung der Diskussionen über die Europäisierung der Regulierungspolitiken beitragen und zum gemeinsamen Experimentieren mit komplexen Formen der Normsetzung und des risk assessment anregen. So könne der Graben zwischen nationalen und europäischen Institutionen überbrückt und gleichzeitig neue Formen der Koordination zwischen privatem und öffentlichem Sektor gefördert werden.

Der Sammelband geht auf ein Forschungsprojekt am Europäischen Hochschulinstitut Florenz zurück; seine Beiträge stammen von Politologen sowie Normungsexperten aus verschiedenen europäischen Staaten und den USA. Die Beiträge, die in englischer Sprache verfaßt sind, sind in die folgenden Sektionen gegliedert:

Section I: Risk-Management and the Legal System (Jens Rasmussen; Olivier Godard)

Section II: National Legal Traditions and Risk Assessment Procedures (Karl-Heinz Ladeur; Franck Gambelli)

Section III: European Innovations (Ellen Vos)

Section III.I: The Case of Foodstuffs Regulation (Robert Hankin; Sabine Schlacke)

Section III.2: The Case of Standardization (Josef Falke; Ernesto Previdi; Andreas Bücker; Catherine Daelemans; Michelle Egan/Anthony Zito)

Section IV: Judicial Control in Dynamic Contexts (Christian Joerges; Martin Shapiro)

Diesem sehr beachtenswerten Buch wird eine ausführliche Rezension im nächsten Heft der TA-Datenbank-Nachrichten gewidmet werden.


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OECD (ed.):
STI REVIEW (Science Technology Industry) No. 20:
Special Issue on Information Infrastructures.
Paris 1997. DM 88,-- (FF 280). ISBN 92-64-15380-2

This issue considers some of the key challenges raised for governments by the development of a Global Information Infrastructure (GII) and the rise of a Global Information Society (GIS). The OECD is a leading organisation in the international debate on the GII-GIS, and the papers in this publication represent ideas which the DSTI Secretariat find interesting and useful advances on some of the key issues facing policy makers. The papers cover the following themes:

Included as an Appendix to these articles are the policy recommendations for the Global Information Infrastructure - Global Information Society, enclosed by the Meeting of the OECD Council at Ministerial Level, 20 - 27 May 1997.


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HEINZ HÜBNER u.a.:
Transrapid zwischen Ökonomie und Ökologie.
Eine Technikwirkungsanalyse alternativer Hochgeschwindigkeitsverkehrssysteme.
Wiesbaden: Deutscher Universitäts Verlag, Gabler, 1997. 365 S. ISBN 3-8244-6573-6

Der Redaktion der TA-Datenbank-Nachrichten liegt ein Band vor, dem aus mehrerlei Gründen große Beachtung zukommen sollte. Leider ist es uns im Augenblick nicht möglich, eine ausführliche Rezension zu verfassen. Wir haben deshalb aus den einleitenden Vorbemerkungen der Autoren die unseres Erachtens nach wichtigsten Passagen zusammengestellt, die erkennen lassen, unter welchen Aspekten diese Veröffentlichung besonderes Interesse verdient.

"Das vorliegende Buch dokumentiert die Ergebnisse der Untersuchung "Mögliche Wirkungen der Transrapidstrecke Berlin-Hamburg für die regionalökonomische Entwicklung unter Berücksichtigung möglicher externer Effekte". Die Thematik wurde gemeinsam mit dem Auftraggeber festgelegt [der Thyssen Henschel Magnetfahrtechnik, seit Herbst 1996 Thyssen Transrapid System GmbH]. Die Studie wurde im Zeitraum Oktober 1995 bis Mai 1997 am Lehrstuhl TechnikWirkungs- und Innovationsforschung (TWI) der Universität-Gh Kassel durchgeführt, in einer Periode, in der die Medien das Thema "Transrapid" - wieder einmal - großteils emotional behandelten.

Die mit dem Buch vorgelegten Ergebnisse gehen jedoch inhaltlich über den Rahmen hinaus, der mit dem Auftraggeber vereinbart wurde. Insbesondere Teile des abschließenden Kapitels 8 orientieren sich am normativ geprägten Konzept des Sustainable Development und greifen weiter in die Zukunft als die geplante Realisierung der Magnetschwebebahn Transrapid. Die weitergehenden Analysen erfolgten aus wissenschaftlicher Neugierde und der damit verbundenen intrinsischen Motivation der Autoren. (...)

Die [vorgelegte] Technikwirkungsanalyse (TWA)

Schließlich sind auch die während der Bearbeitung gesammelten Erfahrungen bzgl. Informationsbeschaffung, methodischer Vorgehensweise u.ä. für die Durchführung weiterer Untersuchungen äußerst wertvoll. So wäre der Zugang zu bisherigen Studien, die sich mit verschiedenen Aspekten des Transrapid-Systems beschäftigen, ohne den Auftraggeber nur teilweise und schwierig möglich gewesen."

In einem abschließenden Absatz befassen sich die Autoren mit der "Relevanz der Studie unter Berücksichtigung der jüngsten politischen Entscheidungen" angesichts der vom Bundestag im März 1997 drastisch geänderten Strukturdaten, und der Reduzierung der dem Verkehrswegeplan zugrundeliegenden Mobilitätsprognosen um ein Drittel. Durch die sich daraus ergebenden bzw. errechneten geänderten Vorgaben sollten die Perspektiven für einen wirtschaftlichen Betrieb der MSB unter betriebswirtschaftlichen Kriterien verbessert werden. Die Autoren legen deshalb in ihrer Schlußbemerkung wert darauf zu betonen, daß dieses Thema nicht Gegenstand der vorliegenden Studie ist. Die erarbeiteten Ergebnisse seien unabhängig von diesen politischen Vorgaben sinngemäß unverändert gültig und von hoher Relevanz, auch was die errechneten ökologischen Effekte betrifft.


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MARIA BEHRENS, SYLVIA MEYER-STUMBORG, GEORG SIMONIS:
Gen Food. Einführung und Verbreitung, Konflikte und Gestaltungsmöglichkeiten.
Berlin: Ed. Sigma, 1997. 314 S. ISBN 3-89404-863-8

Die fast schon sprichwörtliche Gen-Tomate ist beileibe nicht der einzige Anwendungsfall gentechnischer Verfahren bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Eine ganze Reihe anderer Produkte wird bereits mit gentechnischer Hilfe hergestellt, und national wie international arbeitet man mit Hochdruck an der Erweiterung von Anwendungsmöglichkeiten. Wie konfliktträchtig 'Gen Food' ist, läßt sich anhand des Falles Gen-Tomate ebenso wie am aktuellen Streit um die Reichweite der Kennzeichnungspflicht leicht erkennen; dabei ist dies nicht nur ein Thema des Verbraucherschutzes, sondern - was oft übersehen wird - auch eine Frage der Konsequenzen für die betroffenen Arbeitnehmer/innen und ihrer Interessenvertretungen in der Nahrungsmittelbranche.

Der Band bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der 'Gen Food'-Problematik in der Lebensmittelindustrie, einer sehr heterogenen Branche, die hier insgesamt sowie anhand zweier vertiefender Fallstudien im Braugewerbe (gentechnisch veränderte Bierhefe) und in der Backwarenindustrie (gentechnisch hergestellte Backenzyme) unter die Lupe genommen wird. Der Untersuchung liegt ein konflikttheoretischer Ansatz zugrunde, der nicht nur Prozesse und Strategien in Konflikten nachvollzieht, sondern auch nach Gestaltungsperspektiven für sozialverträgliche Anwendungsformen fragt, die sich in Konfliktkonstellationen identifizieren lassen.

Der Band ist der Abschlußbericht eines Projekts, das an der FernUniversität Hagen unter Leitung von Prof. Dr. Georg Simonis in Kooperation mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG) durchgeführt wurde. Finanziert wurde das Projekt von der Hans-Böckler-Stiftung.

Anlaß für die vorliegende Untersuchung war die Frage, in welcher Weise die Beschäftigten in der Nahrungsmittelindustrie von der sich abzeichnenden Nutzung von Rohstoffen, Zusatz- und Hilfsstoffen oder Kulturen, die mit gentechnischen Verfahren gezüchtet oder hergestellt werden, betroffen sein würden. Die Studie befaßt sich daher intensiver als zunächst geplant mit den Artikulationsformen des Gentechnikkonfliktes in der Nahrungsmittelbranche und untersucht die Bearbeitungsformen des Konflikts im In- und Ausland. Entstehen neue Arbeitsplätze oder muß mit dem Verlust von Arbeitsplätzen gerechnet werden? Wie verändern sich die Anforderungen an die Qualifikation? Welche Kategorien der Beschäftigten sollten mit einem zunehmenden Requalifikationsdruck rechnen? Gibt es zukünftig verstärkt Arbeitsplätze, an denen mit die Gesundheit gefährdenden Stoffen gearbeitet werden muß?

Diese und zahlreiche weitere Fragen ähnlichen Kalibers zu beantworten, erwies sich als schwierig, nicht nur weil bislang die Gentechnik in der deutschen Nahrungsmittelindustrie fast noch nicht eingesetzt wird - ein Problem mit dem die Autoren gerechnet hatten - sondern weil die Diffusion der neuen Technik von den Bewältigungsformen des Gentechnikkonfliktes abhängt.


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STIFTUNG WISSENSCHAFT UND POLITIK (SWP); VEREIN DEUTSCHER INGENIEURE (VDI):
Prospektive Deutschlands. Zweite, neu bearbeitete Auflage, Bonn, Dezember 1997

Der vorliegende Band ist die Aktualisierung der im Jahre 1992 erstmals vorgelegten Broschüre "Prospektive Deutschlands". Wie im Untertitel angegeben, enthält sie ein Verzeichnis von Instituten der politikberatenden Forschung zu Fragen der Weiterentwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kontext des europäischen Integrationsprozesses. Das empirische Material wurde durch eine Umfrage bei etwa 100 Instituten zusammengetragen. Die Erhebung wurde im Laufe des Jahres 1997 mit Unterstützung der Europäischen Union gemeinsam von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Forschungsinstitut für internationale Politik und Sicherheit, und vom Technologiezentrum Physikalische Technologien des VDI durchgeführt. Der Band gibt Auskunft über 61 Institutionen (100 wurden angeschrieben) der politikberatenden Forschung, stellt also nicht den Anspruch, im Hinblick auf Anzahl als auch Art der ausgewählten Institute als umfassend oder repräsentativ zu gelten. Er gibt aber einen guten Einblick in die Vielfalt der deutschen Forschungslandschaft in diesem Bereich. Die Differenzierung des Fragebogens für diese zweite, neu erarbeitete Auflage ermöglicht es, deutlicher auszuweisen, mit welchen Inhalten und Methoden politikberatende Forschung realisiert wird. Der Umfrageansatz wird wie folgt dargestellt:

"Basis war ein Fragebogen, der in seinem ersten Teil die objektiven Institutsdaten abfragte, um eine Übersicht über das breite Spektrum des Angebots an politischer Beratung zu geben. Mit dem Begriff "Angebotsseite" werden im folgenden diejenigen Institute zusammengefaßt, deren Arbeitsergebnis in mehr oder weniger komplexen Beratungsleistungen gegenüber politischen Administrationen und Parlamenten besteht. Im zweiten Teil des Erhebungsbogens wurde nach Zielen, Methoden und Instrumenten gefragt, mit deren Hilfe diese Beratung erstellt und "vermarktet", d.h. an die Nachfrageseite vermittelt wird. Politische Entscheidungsträger, auf die jene Beratungsleistungen zielen, werden demgemäß als Nachfrageseite bezeichnet. Die Terminologie von Angebot und Nachfrage wurde bewußt gewählt, um den Bezug dieser spezifischen Art wissenschaftlicher Forschung und Beratung zu einer bestimmten Nutzergruppe deutlich zu machen und sie von der universitären Forschung und Lehre abzugrenzen.

Die vier Fragenkomplexe im zweiten Teil des Fragebogens hatten die Themenschöpfung, Aktivitäten und Produkte, Formen und Bedeutung disziplinübergreifender Kooperation sowie die Vermittlung der Ergebnisse zum Gegenstand. Damit soll der Weg von der Definition einer Fragestellung über die Methoden ihrer Bearbeitung und Präsentation bis zur Problematik der Vermittlung der Ergebnisse an die politischen Nachfrager transparenter und vergleichbar gemacht werden."

Der Band bietet somit einerseits der Nachfrageseite, d.h. den politischen Praktikern bzw. Entscheidungsträgern, einen Überblick über die angebotene breitgefächerte wissenschaftliche Expertise, andererseits wird den wissenschaftlichen Instituten als Anbieter die Möglichkeit einer vergleichenden Selbstreflexion gegeben bzw. ein "Ersatz für den fehlenden Erfahrungsaustausch über Politikberatung in der Profession".

Die Schlußfolgerungen, die aus den Daten gezogen werden, werden allerdings kaum überraschen: Beiden Seiten, sowohl der Angebots- als auch der Nachfrageseite, sei ein deutlich gewachsenes Problembewußtsein zu attestieren, allerdings ließen die stets drängenden Tagesgeschäfte kaum Raum für einen dauerhaften Dialog als Bedingung einer erfolgreichen und effizienteren Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik. Dem Auf- und Ausbau eines ständigen Dialogs müsse erheblich mehr Zeit gewidmet werden, um dem zunehmenden Zeitdruck auf beiden Seiten nicht weiterhin konzeptionslos ausgeliefert zu sein.


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LOTHAR HACK:
Technologietransfer und Wissenstransformation. Zur Globalisierung der Forschungsorganisation von Siemens.
1. Aufl. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 1998. ISBN 3-89691-423-5

Technologietransfer, Wissenstransformation und Globalisierung sind drei Begriffe, die drei verschiedene Facetten der Strukturveränderungen bezeichnen, die sich gegenwärtig vollziehen. Sie im Kontext eines großen Industriekonzerns zu beschreiben und zu analysieren, ist Ausdruck einer sozialwissenschaftlichen Fragestellung, die Technologieentwicklung und wissenschaftlichen "Fortschritt" nicht mehr als Resultat einer vorgeblichen Eigendynamik versteht, sondern auch als Ergebnis sozioökonomischer und soziokultureller Konstruktionsprozesse. Wenn wissenschaftlich-technologische Prozesse gemacht werden, wird es wichtig zu fragen, wo und wie das geschieht.

Das läßt sich dann nicht mehr pauschal und anonym diskutieren; gefragt sind vielmehr die möglichst präzise Rekonstruktion der organisatorischen und kognitiven Strukturen, in denen sich die Akteure bewegen, sowie die Formationen der strategischen Orte und strategischen Netzwerke, in denen das geschieht. Die Bedeutung einer Forschungs- und Entwicklungsorganisation ist nicht einfach Funktion ihrer Größe. Aber die Innovationskraft und der soziale Einfluß drücken sich auch in ihrem ökonomischen und technologischen Erfolg aus; das wiederum hat auf Dauer Auswirkungen auf deren internationales "standing", den Umfang der Ressourcen wie Patente, Lizenzen, Allianzen; FE-Aufwendungen, Personalstärken etc.

Nach allen denkbaren Kriterien ist die FE-Organisation von Siemens - mit rd. 45.000 Physikern, Informatikern, Elektroingenieuren und Facharbeitern in Dutzenden Ländern auf allen Kontinenten - ein besonders eindrucksvoller Gegenstandsbereich, an dem sich alle interessanten Themenstellungen und Varianten von Industrieforschung darstellen lassen. Die Entscheidung, großindustrielle FE-Organisationen vergleichend zu untersuchen, fiel in der Mitte der achtziger Jahre; die Bearbeitung nahm einige Zeit in Anspruch, zumal sie mehrfach für längere Phasen unterbrochen werden mußte. Insofern ist die Publikation des Bandes in dem Jahr, in dem Siemens sein 150-jähriges Firmenjubiläum feiert, eher ein Zufall. Die Verzögerungen brachten dann aber den Vorteil, die spannenden und geradezu dramatischen Veränderungen aufzunehmen, die sich in den neunziger Jahren vollziehen; auf der Grundlage des umfangreichen Vorlaufs lassen sie sich recht gut einordnen.

Der hier vorgelegte Band ist keine offizielle Firmenschrift. Gegenstand dieser Arbeit sind auch nicht Skandale und Katastrophen; es gibt keine spektakulären Enthüllungen über Schmiergeldaffären und Kartellabsprachen. Es geht um etwas viel Aufregenderes: um die Wissensformen und Organisationsstrukturen, deren ständige - kontinuierliche und abrupte - Veränderungen den Alltag in den industriellen Forschungslaboratorien und Entwicklungsabteilungen bestimmen. Es geht um die Brisanz des Alltags, in seiner organisierten und, oft gleichzeitig, chaotischen Form. Dazu gehören Entscheidungen, die in der Unternehmensspitze getroffen wurden.

Es geht zugleich um Technologieentwicklungen, die die sozialen Strukturen in den letzten Jahrzehnten um- und umgekrempelt haben. Und es geht, vor allem, darum, wie soziale Handlungsfelder (Arenen) und organisatorische Domänen installiert werden, damit neue Technologiefelder überhaupt aufgebaut werden können. Auf keinem dieser Felder ist ein Unternehmen auf Dauer alleine präsent; es geht also immer auch um die Konstellationen, in denen sich Konkurrenzen und temporäre Kooperationen vollziehen. Und damit geht es auch um Machtstrukturen, die sich durch Technologieentwickungen realisieren lassen - intern, in den Unternehmen, und extern, inzwischen über alle nationalen Grenzen hinweg.

Eine ausführliche Rezension wird in einer der nächsten Ausgaben der TA-Datenbank-Nachrichten veröffentlicht werden.


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Stand: 24.02.1999 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion