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Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und
Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN
Nr. 2, 6. Jahrgang - Juli 1997

TA-RELEVANTE BÜCHER UND TAGUNGSBERICHTE

Technological Forecasting and Social Change. Special Issue:
Technology Assessment: The End of OTA

The International Journal "Technological Forecasting and Social Change" has published a special issue "Technology Assessment: The End of OTA" (Vol. 54, Numbers 2 & 3, February/March 1997), edited by Bruce Bimber and David H. Guston. The guest editors state in their introduction that this special issue is not an eulogy for OTA nor an attempt to preserve the agency's legacy. The aim is rather to evaluate the status of technology assessment with an eye to the future or to say in other words what is left of technology assessment after the demise of OTA.

Although the ten articles of this special issue confront a broad set of issues, they all address - according to the guest editors - three main themes that deal in various ways with the definition and practice of technology assessment:

The special issue is divided into two sections:

The first section includes five articles focusing on the Office itself, which were contributed by former OTA members and other authors closely related to OTA's work.

The authors and topics of these articles are the following:

Bruce Bimber (Santa Barbara, CA) and David H. Guston (New Brunswick, NJ): Introduction: The End of OTA and the Future of Technology Assessment

Roger C. Herdman and James E. Jensen (Washington, DC): The OTA Story: The Agency Perspective

Fred B. Wood (Arlington, VA): Lessons in Technology Assessment: Methodology and Management at OTA

Philip L. Bereano (Seattle, WA): Reflections of a Participant-Observer: The Technocratic/Democratic Contradiction in the Practice of Technology Assessment

David Whiteman (Columbia, SC): Congress and Policy Analysis: A Context for Assessing the Use of OTA Projects

The second section comprises with one exception articles of authors working in Europe who present the European perspectives and experiences with technology assessment, among others the experiences and institutional arrangements of parliamentary TA in Europe. It includes the following articles:

Christopher T. Hill (Fairfax, VA): The Congressional Office of Technology Assessment: A Retroperspective and Prospects for the Post-OTA World

Todd M. La Porte (Delft, The Netherlands): New Opportunities for Technology Assessment in the Post-OTA World

Michael Norton (London, UK): The UK Parliamentary Office of Science and Technology and its Interaction with the OTA

David H. Guston, Megan Jones and Lewis M. Branscomb (Cambridge, MA): Technology Assessment in the U.S. State Legislatures

Johan Schot and Arie Rip (Enschede, The Netherlands): The Past and Future of Constructive Technology Assessment

Josée C.M. van Eijndhoven (The Hague, The Netherlands): Technology Assessment: Product or Process?

The guest editors conclude their introduction with the following remarks which can be fully supported after reading this very interesting special issue:

"The discussion presented in these ten articles suggests that whatever truth there may have been in the observation that 'technology assessment is whatever OTA is doing at the moment' was not literal. There are other forms and practices of technology assessment underway, although OTA figures importantly in the ancestry of most. The evolution of the technology assessment movement and the relationship of OTA to European agencies like POST and Rathenau Institute can be thought of as a form of natural experiment: take a set of ideas and goals about technology and policy, implement them in an agency in one country, then use that agency as a model for institutions in other nations, and finally, observe what differences appear as the common goals and principles are adapted across different political systems. The results are fascinating, and they provide fertile ground for examining the nature of those original ideas and principles. And it is interesting to contemplate the possibility that a renewal of the practice of technology assessment in a national institution in the United States might just draw on some of those other practices in Europe originally motivated by OTA - a returning of the favor across the Atlantic, this time from East to West."
(R.C.)


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Bruce Bimber: The Politics of Expertise in Congress. The Rise and Fall of the Office of Technology Assessment. New York: State University of New York Press, 1996. ISBN 0-7914-3059-6

Rezension von Thomas Petermann, TAB

Dieses Buch ist mehr als nur ein Rückblick auf Aufstieg und Fall des OTA. Der Autor versucht sich an einer "theory of politicisation of expertise" und diskutiert in diesem Rahmen Möglichkeiten und Grenzen institutionalisierter Politikberatung, die dem Prinzip der Ausgewogenheit ("non-partisanship") verpflichtet ist.

Das zentrale Element seiner "Theorie", auf die seine Argumentation aufbaut, ist die These: Je stärker eine zu beratende Institution zentralisiert ist (so wie beispielsweise Ministerien, Behörden oder das Weiße Haus), desto höher der Grad der Politisierung der beratenden Einrichtung. Die Konsequenz dieser institutionellen Strukturen für die Experten sind Strategien der Anpassung, um ihre Klientel nicht zu vergrämen und deren Bedarf zu befriedigen ("captive experts"). Ihre Expertise wird "responsive", sie ist nicht mehr "neutral". Aus dieser Politisierungsthese folgt umgekehrt, daß dezentral strukturierte Institutionen zumindest günstigere Rahmenbedingungen für ausgewogene Beratung ("a low degree of politicisation") bereitstellen. Im Kongreß, als einem dezentralisierten, mit zwei Kammern, zwei Parteien, vielen Ausschüssen und Unterausschüssen nahezu fragmentierten System, hätte eine Strategie der Neutralität, wie sie das OTA etwa sechs Jahre nach seiner Gründung zu entwickeln begann, also aufgehen können. Daß dies nicht der Fall war, ist erklärungsbedürftig.

Aus verschiedenen Blickwinkeln rekonstruiert Bimber deshalb die Geschichte des OTA. Im 3. Kapitel (OTA: 'The Office of WHAT?') werden die politisch gewünschte Mission und Struktur der Agentur, die Arbeitspraxis und die Nutzung der Arbeitsergebnisse durch den Kongreß angesprochen. Letztgenannter Punkt ist besonders interessant, weil er an ein zentrales Problem der sogenannten Verwendungsforschung rührt. Bimber zeigt, wie man Erfolg oder Wirkung tunlichst nicht messen sollte: indem man in den Reden der Politiker nach dem Namen der Beratungsinstanz sucht. Denn: Zwischen 1980 und 1990 erwähnten alle 535 Kongreßabgeordneten zusammen das OTA allenfalls einmal im Monat. Mehr noch: Im gleichen Zeitraum nahmen die Erwähnungen kontinuierlich ab, obwohl das OTA den Ausstoß an Publikationen verdoppelte. Nutzen und Nützlichkeit lassen sich in dieser Hinsicht und mit diesen Methoden also nicht nachweisen. Eine Wirkung von Beratung zeigt sich nach Bimbers Ansicht dagegen eher, wenn man nach den frühen Phasen der Meinungsbildung und des Gesetzgebungsprozesses fragt: In diesen ersten Etappen des Prozesses von "politics", dann, wenn es für die politischen Entscheidungsträger darum geht, das Problem zu definieren, als politisches Thema zu identifizieren und eventuelle Alternativen zur Lösung zu diskutieren ("framing it and asking 'is there a problem? What's the problem? Are we going in the right direction?'") schlägt am ehesten die Stunde der "technical expertise". Hier, so meint Bimber, sei auch das OTA für die Entscheidungsträger im Kongreß oft hilfreich gewesen, wie Gespräche mit Abgeordneten und Mitarbeitern des OTA belegten.

Im 5. Kapitel ("Saving OTA: Party Politics and the Strategy of Neutrality") liegt der Akzent auf der Charakterisierung des Kerns des OTA-Selbstverständnisses: "the avoidance of political judgments and policy advocacy". Bimber zeichnet im Detail den Weg des OTA hin zu einer Einrichtung, die diesem Imperativ strikter Neutralität folgt. Diese Strategie stand im Kontrast zu der der frühen Jahre. Denn zunächst war das OTA alles andere als neutral. Vielmehr gestalteten sich seine ersten Aktivitäten nahezu als Handlangerdienste für die Interessen einiger weniger Abgeordneter. Insbesondere die Mitglieder des Board machten aus dem OTA fast so etwas wie ihren persönlichen Stab, und die Agenda spiegelte die politischen Interessen der besonders aktiven Mitglieder des Board wider - eine "Politisierung" par excellence. Angesichts wachsender Kritik erkannte das OTA die Gefahr dieser Entwicklung und steuerte unter der Regie von Gibbons um. Seither lautete die Parole für alle Mitarbeiter: keine erkennbare Unterstützung parteipolitischer Positionen einerseits und erhöhte Aufmerksamkeit für den Beratungsbedarf der Ausschüsse andererseits. Die Maxime der Wahrung strikter Neutralität wurde also nicht deswegen zum Leitbild, weil man einem entsprechenden Wissenschaftsideal huldigte, sondern eher, um das eigene Überleben zu sichern.

Diese Strategie war zunächst ein voller Erfolg. Zwar mußte das OTA stets sicherstellen, mit einer Studie für einen Ausschuß nicht im Revier eines anderen zu wildern; aber dies gelang durch allerlei informelle und präventive Kontakte im Vorfeld, die Bimber ausführlich im 6. Kapitel ("Sustaining OTA") beschreibt. Die Zahl der Ausschüsse, die das OTA beauftragten, wuchs ständig - und ebenso seine Reputation. Aber man hatte in dieser Zeit vernachlässigt, was Organisationseinheiten üblicherweise neben ihrer inhaltlichen Arbeit auch tun: ihr eigenes Überleben in der Institution durch geeignete Aktivitäten zu sichern, die Sichtbarkeit nach außen zu verbessern, für das Anwachsen von Personal und Budget zu kämpfen, sich Freunde zu machen und neue Aufgaben an sich zu ziehen.

Solange der Kongreß intern strukturell und finanziell stabil war, war diese Strategie des "low profile" kein Problem. Aber sie wurde eines, als im neugewählten Kongreß die Republikaner mit ihrem Kreuzzug für eine Reorganisation der Legislative, für Einsparungen und Verschlankung der Stäbe begannen. Sie hatten die Mehrheit und waren gewillt, ein Zeichen zu setzen.

Das abrupte Ende des OTA ist vielfach beschrieben worden; die zentralen Motive werden von Bimber nochmals zusammengestellt und die Hauptursache des "zeroing out" wird ins Licht gerückt (Kapitel 7: "Abolishing OTA: Budget Politics in the 104th Congress"): Ohne Unterstützung, die aufzubauen man versäumt hatte, war man zwar gegen Angriffe wegen Parteilichkeit gewappnet, nicht aber gegen eine Attacke aus fiskalischen Gründen. Selbst Wortführer der Republikaner lobten ja die "great science" des OTA und seine weltweite Reputation, sie gewichteten aber das Sparziel höher. Damit war es um das OTA geschehen.

Seine Geschichte ist so gesehen die eines Scheiterns - "a failure as an organization". Und nur wenig Trost wird es den Sympathisanten des OTA spenden, daß, wenn man wissenschaftliche Qualität und einen zumindest bescheidenen Einfluß auf die Politik als Maßstab anlegt, das Urteil über das OTA positiv ausfällt: Vor allem die hohe wissenschaftliche Reputation ist unstrittig, wie gesagt, auch unter den Gegnern.

Eine der Schlußfolgerungen Bimbers zur "politics of expertise" verdient besonders hervorgehoben zu werden, weil sie tendenziell verallgemeinerbar ist: Die politische Nachfrage nach wissenschaftlicher Beratung verdankt sich nicht nur dem Ziel, gute Politik zu machen, sondern auch dem Bedarf danach, mit Information Macht auszuüben und zu sichern: "Knowledge can contribute not just to policy, but indeed to power, and it is likely to be sought more for the latter reason than for the former. In the politics of expertise, the contribution of information to the power to make policy is no less important than its contribution to the content of policy." (96) In diesem Sinn war es dem Kongreß bei der Institutionalisierung des OTA eben nicht um den Zugang zu Informationen per se gegangen (denn Informationen waren ja reichlich vorhanden). Vielmehr war sein Anliegen, Zugang zu solchen Informationen zu haben, die geeignet sein sollten, die "balance of power" zwischen der informationell überlegenen Exekutive und der in dieser Hinsicht eher bescheiden ausgerüsteten Legislative zu halten: "What they wanted was better control over the production of information (...) that was responsive to their institutional interests" (41).

Bimbers Überlegungen zur "Politisierung der Expertise" stimmen überein mit Diagnosen, die eine Vielzahl von Studien zu Theorie und Praxis der Politikberatung seit langer Zeit stellt. Sie lassen sich folgendermaßen zuspitzen: Anders als vielfach behauptet, wünscht Politik im besonderen Maße politisierte Beratung - also Beratung, die passend auf die jeweiligen Interessen, Überzeugungen und Ziele zugeschnitten ist, die brauchbar ist für relativ direkte Umsetzung in politische Aktivitäten und nützlich zur Stärkung der eigenen Position im politischen Kampf um Anerkennung, Gratifikation, Aufstieg und Macht. Die Expertise unterliegt auch dem Diktat des Gebrauchswertes, und dieses prägte auch die Erwartungshaltung im Kongreß. "What legislators wanted from OTA might be called political propriety. Individually, they wanted expertise that was responsive and relevant, that was framed in ways that illuminated links between technical claims and political interests. But political propriety also involved a counterintuitive demand, namely that expertise do a legislator no harm." (95) Damit aber kollidiert die Idee neutraler Politikberatung potentiell hart mit der politischen Wirklichkeit. Im Fall des OTA wurde die latente Gefährdung neutraler Politikberatung zum manifesten GAU der Organisation, als diejenigen die die Mehrheit hatten, keinen Bedarf an OTA-Expertisen sahen. Im Wettbewerb zweier Modelle von Politikberatung war der Fall des OTA eine Niederlage des Modells von "non-partisan advice". Ob die anderen support agencies des Kongresses auf dieses Lehrstück mit Anpassungsstrategien in Richtung "policy advocacy" reagieren oder ob sich dort gar ein Dominoeffekt einstellt - dies zu verfolgen wird interessant sein.


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Peter L. Berger (Hrsg.): Die Grenzen der Gemeinschaft. Konflikt und Vermittlung in pluralistischen Gesellschaften.
Ein Bericht der Bertelsmann Stiftung an den Club of Rome. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung, 1997. 656 Seiten. ISBN 3-89204-818-5

Rezension von Thomas Petermann, ITAS

Etwa ein Vierteljahrhundert nach den "Grenzen des Wachstums" thematisiert der Club of Rome die "Grenzen der Gemeinschaft". Er lenkt die Aufmerksamkeit auf den Umstand, daß nicht nur natürliche, sondern auch kulturelle und gesellschaftliche Ressourcen von Gesellschaften knapp sind und irreversibel aufgezehrt werden können.

Was hält Gesellschaften zusammen? Können in posttraditionellen Gesellschaften Institutionen des Staates und der Zivilgesellschaft - gegen Tendenzen der Individualisierung und Pluralisierung - noch "Bindungen" entfalten? Hierzu liegt seit kurzem ein Bericht an den Club of Rome vor, mit dessen Erstellung dieser die Bertelsmann Stiftung beauftragt hatte. Der Bericht enthält elf Länderstudien aus unterschiedlichen Kulturkreisen und eine abschließende "allgemeine Betrachtung über normative Konflikte und ihre Vermittlung", verfaßt von Peter L. Berger, dem wissenschaftlichen Projektleiter.

Alle Länderberichte sollten zwei leitende Fragestellungen thematisieren, anhand derer normative Konflikte und der Versuch ihrer Vermittlung illustriert werden: "Wer sind wir?" und "Wie sollen wir zusammenleben?".

Die erste Kategorie betrifft Fragen des "Wir-Gefühls" einer pluralistisch gegliederten Gesellschaft, die mit ihrer Geschichte und der individuellen Moral ihrer Bürger gleichermaßen zusammenhängen. Herausforderungen an ein solches Wir-Gefühl stellen vor allem Tendenzen zu multikulturellen oder multireligiösen Gesellschaften dar. Länder wie die USA und Frankreich mit hohen Einwanderungsquoten hat die Frage nach der gesellschaftlichen Verträglichkeit kultureller und ethnischer Vielfalt und Spannung im Laufe ihrer Geschichte tief bewegt. Südafrika ist - nach Wegfall der strukturbildenden Kategorien Rasse und Ethnizität - herausgefordert, so etwas wie eine südafrikanische Identität zu bilden. Für das Deutschland nach der Vereinigung dürfte die Identitätsfrage auch noch nicht gelöst sein.

Die zweite Kategorie normativer Bruchlinien ist mit der Frage "Wie sollen wir zusammenleben?" angesprochen. Jede Gesellschaft erfährt normative Kollisionen. Traditionelle Werte stehen gegen progressive (oder moderne), universalistische Normen kollidieren mit partikularistischen. Unterschiedliche Leitbilder und Zukunftswünsche konkurrieren miteinander, wie z.B. industrielles Wachstum mit dem Schutz der Umwelt. In Indien und in allen islamischen Staaten existiert ein Spannungsverhältnis zwischen den Propagandisten traditioneller (religiöser Werte) und solchen "des Westens" und der Modernität. China und Japan zeigen vergleichbare Muster gesellschaftlicher Kontroversen: Traditionelle Werte sollen vor einem "westlichen Imperialismus" geschützt werden. Wertkonflikte entstehen auch dort, wo man versucht, früher diskriminierten Gruppen spezifische Rechte zuzubilligen (affirmative action). Minderheiten oder Frauen werden - so in den USA, Indien, Südafrika - bevorzugt; dieser Partikularismus steht aber in einem Widerspruch zu den universalistischen Rechten der Verfassung und erzeugt Akzeptanzprobleme. Prallen solchermaßen unterschiedliche Wertvorstellungen und divergierende Ansprüche aufeinander, stehen Gesellschaft und Staat vor der Aufgabe, ein politisches und rechtliches Koordinatensystem zu finden, das konfliktregulierend wirkt und Lösungen anbietet - Lösungen, die ihrerseits wieder (von den Trägern solcher Wertvorstellungen) anerkannt werden müssen, um so etwas wie einen Kernbestand von Konsens(en) zu gewährleisten.

Von zentraler Bedeutung auf dem Weg zu gemeinsam (oder mehrheitlich) akzeptierten Verfahren, Institutionen oder Kodizes sind sogenannte intermediäre Strukturen in Staat und Zivilgesellschaft, denen sich der Bericht ausführlich widmet. Hierzu gehören Parteien, Gerichte, Medien, Gruppen von Intellektuellen, Verbände, Bildungseinrichtungen. Dabei zeigt sich, daß solche Strukturen nicht nur Konflikte "zivilisieren" und regulieren, sondern auch zuspitzen können. Sie können integrieren, aber auch polarisieren.

Die untersuchten Länder weisen ganz unterschiedliche Strukturen in dieser Hinsicht auf. Trotz Vielfalt und Wandelbarkeit lassen sie sich aber - folgt man Berger - auf drei Typen reduzieren:

In einer Art Ausblick wird abschließend die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Gemeinschaft im Blick auf die internationale Staatengesellschaft gestellt. Was ist der Fall bei normativen Zusammenstößen - dem "clash of civilizations" (Huntington)? Wie könnte ein Dialog der Kulturen aussehen, der es möglich macht, internationale Konflikte zu vermeiden? Wie wären Institutionen zu gestalten und mit welchen Kompetenzen wären sie auszustatten? Diese Fragen harren (übrigens seit einigen Jahrhunderten) der Lösung. Der Bericht fordert Antworten.

"Grenzen der Gemeinschaft" ist ein in den Geistes- und Sozialwissenschaften nicht erst seit heute diskutiertes Thema. Es ist zu hoffen, daß die in diesem Bericht aktualisierte und medienwirksam präsentierte Frage nach dem "kollektiven Gewissen" von Gesellschaften tatsächlich die gewünschte Resonanz in Wissenschaft und Politik findet. Insbesondere die Nachhaltigkeitsdebatte sollte diese Anregung aufgreifen. Denn "sustainability" geht nicht in den natürlichen Lebensgrundlagen und dem pfleglichen Umgang mit ihnen auf; vielmehr gehört die "Nachhaltigkeit" gemeinsamer Werte und Leitbilder von Gesellschaften und die Verfahren und Institutionen, die zu ihrer Vermittlung und ihrem Schutz geeignet sein könnten, zwingend dazu.

Bezugshinweis

Bertelsmann Stiftung
Carl-Bertelsmann-Straße 256
D-33311 Gütersloh
Fax: + 49 (0) 5241/816677
E-mail: andreas henke@bertelsmann.de


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Die Abklärung der Aufklärung

Rezension des Buches von Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien

von G. Bechmann, ITAS

Es ist besser, nichts von der Welt zu wissen, als zuviel von ihr, das man nicht selbst erfuhr.
Botho Strauß

1. Vor fünfzig Jahren erschien ein Buch mit einer höchst eigenartigen Rezeptionsgeschichte: Die "Dialektik der Aufklärung" von Adorno und Horkheimer. Noch im Exil in Kalifornien geschrieben, erschien es 1947 weitgehend unbeachtet in einem niederländischen Verlag. In den fünfziger Jahren als Untergrundliteratur subkutan gehandelt, nur für Eingeweihte ein Geheimtip und Nektar für Gesellschaftskritiker. Im Zuge der Studentenbewegung wiederentdeckt, prägte diese radikale Abrechnung mit der Aufklärung den Gestus und die Attitüde einer ganzen Generation von Essayisten und hochgebildeten Kulturkritikern. Besonders das Kapitel über die Kulturindustrie stellte sich als stilbildend heraus und hat seitdem die Kritik an den Massenmedien bis tief in die Alltagsmentalität geprägt. Der Untertitel zu diesem Kapitel "Aufklärung als Massenbetrug" war These und Programm einer vernichtenden Kritik der Massenmedien. Fortan hat sich eine eigentümliche Zwiespältigkeit in die gesellschaftliche Wahrnehmung gegenüber den Massenmedien eingegraben. Man läßt sich unterhalten, informieren, aber mit schlechtem Gewissen und dem Bewußtsein, eigentlich an etwas Minderwertigem teilzuhaben. Bis in die vermeintlich noch so kühle und wertfreie wissenschaftliche Betrachtung spürt man die Reserve, die sich gegenüber den Massenmedien als allgemeine Haltung breit gemacht hat. Genau an diesem Punkt setzt Luhmanns gesellschaftstheoretische Analyse der Massenkommunikationsmedien an.

Kein Buch von Luhmann hat so schnell die Spalten der Presse erreicht wie dieses Buch über die Massenmedien. Das kann natürlich damit zusammenhängen, daß die Massenmedien sich von seiten der Gesellschaftstheorie widergespiegelt sahen und wie Narziß ambivalent reagierten: geschmeichelt, weil sie in den Adelsstand eines gesellschaftsrelevanten, autopoietischen Systems erhoben wurden, gekränkt, weil sich das entworfene Bild nicht mit ihrem eigenen deckt. Der tiefere Grund dürfte aber darin zu sehen sein, daß Luhmann den Verdacht gegen die Massenmedien explizit zum Ausgangspunkt seiner theoretischen Konstruktion macht, aber zu einer total anderen Einschätzung der Funktionsweise und Bedeutung der Massenmedien kommt, die jenseits von Aufklärung und Kritik liegt, aber die Mechanismen der Produktion von Realität schonungsloser und illusionsfreier analysiert, als dies bei Adorno und Horkheimer geschehen ist, geschweige denn bei ihren Nachfahren im Geist geschieht.

2. Es gibt Bücher, die stellen die Explikation eines prägnant formulierten Gedankens dar. Carl Schmitts Begriff des Politischen ist hierfür ein Beispiel. Luhmann beginnt ebenso apodiktisch: "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien" (S. 9). "Andererseits wissen wir so viel über die Massenmedien, daß wir diesen Quellen nicht trauen können" (ebd.).

Damit ist das Terrain für die Untersuchung abgesteckt. Auf den folgenden 206 Seiten wird ausführlich begründet, warum genau dieser Widerspruch das Moderne und Produktive an den Massenmedien ausmacht. Geleitet werden seine Überlegungen durch zwei grundsätzliche Thesen, die das Fundament der Untersuchung bilden. Bei den Massenmedien handelt es sich zum einen um operativ geschlossene Systeme und insofern sind sie vergleichbar mit anderen gesellschaftlichen Systemen, wie zum Beispiel Recht, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft usw., zum anderen ist auch Kognition selbstreferentiell und geschlossen. Sie kann nur in Systemen stattfinden (S. 206/207). Was ist damit gemeint? Damit ist gesagt, daß die Massenmedien nicht die Abbildung einer von ihnen unterschiedenen Realität darstellen, daß dies auch nicht ihre Aufgabe sein kann, sondern sie erzeugen selbst die Realität, die sie als Nachrichten, Berichte, Werbung tagtäglich verbreiten. Obwohl diese Realität eine gemachte, eine selektiv zustandegekommene Realität ist, und uns dies bewußt ist, ist es die gesellschaftlich relevante, die sich auch nicht dadurch auflöst und einen Blick auf die wirkliche Realität gewährt, wenn man durchschaut, wie diese produziert, konstruiert und konsumiert wird.

Das Projekt der Ideologiekritik und der Aufklärung greift hier nicht, da es sich um Effekte der funktionalen Differenzierung handelt, hinter die nicht zurückgegangen werden kann. Schon durch diesen Ausgangspunkt verändert Luhmann die Perspektiven der Massenkommunikationsforschung. Es geht ihm nicht darum, wie man die Medienberichterstattung verbessern kann, nicht um die Perfektionierung von Zuständen. Man könnte eher sagen, daß er durch eine Umkehr der Betrachtungsweise sich von seinem Gegenstand distanziert, indem er die Unwahrscheinlichkeit der Funktionsweise der Massenmedien betont.

3. Am Beginn seiner Beschreibung steht eine Definition, "Massenmedien sind alle Einrichtungen, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen" (S. 10). Entscheidend für diese Bestimmung der Massenmedien ist jedoch, daß "keine Interaktion unter Anwesenden zwischen Sendern und Empfängern stattfinden kann" (S. 11). Dies hat weitreichende Konsequenzen. Es findet keine unmittelbare Rückkopplung zwischen Sender und Empfänger statt, die zentral gesteuert werden kann, sondern beide müssen sich eigene Bilder des anderen konstruieren. Die Medienmacher haben gewisse Vorstellungen, für wen sie eigentlich produzieren, aber es handelt sich um Vermutungen, Spekulationen und statistische Werte, die d e n Zuschauer ausmachen. Jedoch, so wie bei Nietzsches tollem Menschen, der Gott sucht, so wird auch die Suche nach d e m Zuschauer vergeblich bleiben. Massenmedien müssen individualisieren, verallgemeinernd produzieren ohne jedoch individuengerecht zu gestalten. Dieses Dilemma beschreibt die strukturelle Operationsweise der Medien. Ein zweites Moment tritt hinzu, das diese Ambivalenz verstärkt. Massenmedien besitzen eine doppelte Realität (S. 12). Zum einen bezeichnet die Realität der Massenmedien ihre Operationsweise; in gewisser Hinsicht ist dies ihre technische Seite. Schrift, Funk, Fernsehbild, also alles, was die durch sie verbreitete und in ihrem System als durchlaufende Kommunikation verstanden werden kann (S. 13). Zum anderen erzeugen sie Realität - für sich und andere. Hier steht nicht die Operationsweise im Blickpunkt der Betrachtung, sondern die beobachtende Operation der Massenmedien, wie sie die Welt beobachten (S. 14). Es findet eine Realitätsverdopplung statt. "Es kommuniziert tatsächlich - über etwas. Über etwas anderes oder über sich selbst" (S. 15). Massenmedien unterscheiden zwischen Selbst- und Fremdreferenz und man kann dies beobachten; als Soziologe, als Kritiker oder als Betroffener, der in den Medien auftaucht und sich nicht als Person, sondern nur als Thema, perspektivisch gewissermaßen, wiederentdeckt. Das Prozessieren von Selbst- und Fremdreferenz macht die eigentümliche Mobilität der Medien aus. Selbstreferenz ist immer in jeder Operationsweise angelegt. Eine Sendung folgt der anderen, bricht diese Kette ab, so zerfällt das System der Massenmedien. Fremdreferenz dagegen bezieht sich auf die Umwelt des Systems und wird in unserem Fall durch Themen repräsentiert.

Themen bilden nicht nur das "Gedächtnis" der Medien, sondern stellen die strukturelle Kopplung an andere Gesellschaftsbereiche dar. Innerhalb des Systems, und das macht die eigentliche Funktionsweise aus, kommt es zu einer laufenden Abstimmung zwischen Selbst- und Fremdreferenz. Konstruktion der Realität meint nicht Beliebigkeit oder sogar Willkür - im Gegenteil, die laufende Erzeugung der Einheit von Selbst- und Fremdreferenz ist, bei vorausgesetzter operativer Geschlossenheit des Systems, der regelgeleitete Modus, mit dem die Medien Realität systematisch erzeugen (S. 31).

Neben dem ständigen Prozessieren der Differenz von Selbst- und Fremdreferenz müssen die Massenmedien auch noch systemspezifisch unterscheiden können, welche Kommunikation massenmedial und eben nicht rechtlich, wissenschaftlich oder religiös ist. Hier knüpft Luhmann an seine Ausdifferenzierungs- und Medientheorie an. Das Moderne der modernen Gesellschaft ist ihre funktionale Differenzierung in unterschiedliche Subsysteme, die jeweils ihre eigene Kommunikationsweise ausgebildet haben. Zentraler Mechanismus dieser Kommunikationsstruktur stellt die binäre Codierung der jeweiligen Systeme dar. Binäre Codierung ist deshalb ein tragendes Moment der funktionalen Differenzierung, da hierdurch Kommunikation spezifisch unter Ausschluß dritter Werte, unter Absehung der Folgen für andere Kommunikation organisiert wird. Das Rechtssystem braucht sich dann nur noch für die Differenz von Recht/Unrecht zu interessieren, die Wissenschaft nur noch für Wahrheit/Unwahrheit und nicht auch gleichzeitig für religiöse oder wirtschaftliche Folgen ihrer Erkenntnisse. Funktional ausdifferenzierte Systeme verbinden zwei wesentlich gegensätzliche, aber komplementäre Strukturen. Sie sind spezialisiert auf eine bestimmte Form der gesellschaftlichen Kommunikation, die durch ihren Code vorgegeben ist. Insofern wird dadurch die Differenzierung und Leistungssteigerung gerade durch Selbstbegrenzung vorangetrieben. Zugleich sind sie universal, indem ihre Funktion von keinem anderen System wahrgenommen werden kann (S. 50). Genau durch diese Entwicklung ist die moderne Gesellschaft in ihrer Leistungsfähigkeit und ihren Wachstumsprozessen in historisch einmaliger Weise gesteigert worden. Wodurch wird nun die massenmediale Kommunikation strukturiert? Luhmann sieht hier den Code Information/Nichtinformation (S. 36), wobei Information der positive Wert ist, an den fortlaufend angeschlossen werden kann, und Nichtinformation der negative, der Reflexionswert ist, der angibt, unter welchen Voraussetzungen der positive Wert eingesetzt werden kann. Diese Art der Codierung hat zwei Besonderheiten, die als Folge eine ständige Unruhe und Irritation in der Gesellschaft produzieren (S. 46). Zum einen wird durch die Codierung der Zwang zur laufenden Generierung von Informationen erzeugt. Ereignisse verlieren ihren Informationswert, wenn sie wiederholt werden (S. 41). Ein Ereignis, von dem immer wieder berichtet wird, ist nicht mehr informativ, sondern nur noch redundant.

Die dauernde Verwandlung von Informationen in Nichtinformationen hält das System am Laufen und bedingt eine Beschleunigung der Zeit. Die Jagd nach Information ist ja geradezu das Kennzeichen des Journalismus und macht seine Gehetztheit aus. Zum anderen entsteht ein Zwang zum Neuen. Massenmedien müssen immer über etwas Neues berichten. Obwohl dieser Druck auch in der Kunst, der Politik und besonders in der Wissenschaft besteht, so zeigt sich bei den Massenmedien dieses moderne Verhalten besonders krass, tagtäglich über Neues zu berichten und damit anderes, das vom Vortag, als alt zu kennzeichnen. Auf der operativen Ebene der Gesellschaft produzieren die Massenmedien somit den Effekt, der dann in der Theorie der Postmoderne als ständige Revision des Bestehenden und als Kennzeichen des postmodernen Zeitalters kulturkritisch beschworen wird. Auch die Postmoderne ist letztlich ein Effekt der funktionalen Differenzierung.

4. Massenmedien, so die These von Luhmann, stellen eines der Funktionssysteme der modernen Gesellschaft dar, das "seine gesteigerte Leistungsfähigkeit der Ausdifferenzierung, der operativen Schließung und der autopoietischen Autonomie des betreffenden Systems verdankt" (S. 22). Wie dieses System durch seine Operationen gleichzeitig seine eigene Autopoiese aufrechterhält, und das heißt nichts anderes, als seine gesellschaftliche Funktion wahrnimmt und dadurch Realität für die Gesellschaft produziert, ist das Thema der folgenden Kapitel des Buches. Dies wird auf drei Ebenen der Betrachtung dargestellt. Das System wird in seiner internen Differenzierung (Kap. 5-8) untersucht. Dann wird die Perspektive gewechselt und die Anbindung der Medien an die gesellschaftsinterne Umwelt unter dem Gesichtspunkt der strukturellen Kopplung thematisiert (Kap. 9, 10, 14, 15). Und in einer erkenntnistheoretischen Reflexion wird noch einmal die These von der gesellschaftlichen Konstruktion jeglicher Realität am Beispiel der Massenmedien expliziert. Der Grundgedanke, der diese Konstruktion (sic!) ausmacht, ist der Zusammenhang von funktionaler Differenzierung des Gesellschaftsystems, der doppelbödigen Funktionsweise der Medien und dem konstruktivistischen Verständnis von Realität.

4.1. Luhmann knüpft an die in der Massenmedienforschung bekannten Unterscheidungen von Programmen in Nachrichten/Berichte, Werbung und Unterhaltung (S. 51). Jedoch wird nicht gefragt, inwieweit Realität gerecht wiedergegeben wird, ob manipuliert wird oder ob es sich um gute oder schlechte, bildende oder triviale Unterhaltung handelt, sondern ihn interessiert, auf welche Weise durch diese Programmtypen Realität konstruiert wird und wie sich die Codierung Information / Nichtinformation jeweils auf der Programmebene auswirkt (S. 96).

Am ehesten entspricht noch die Sparte Nachrichten/Berichte unseren Alltagserwartungen an eine realitätsabbildende Funktion der Medien. Obwohl hier Informationen im Modus der Neutralität und der Objektivität angeboten werden, zeigt sich bei näherem Hinsehen, daß die Massenmedien nicht so sehr an der Wahrheit, schon gar nicht an der wissenschaftlich erzeugten Wahrheit interessiert sind. Ihr Problem ist das der geregelten Selektivität (S. 56). Entscheidend ist die Einsicht, daß die Medien, selbst wenn sie es wollten, keine Punkt-für-Punkt Korrespondenz zu ihrer Umwelt herstellen können, das würde nämlich bedeuten, man, und vor allem das System selbst, könnte sich nicht von seiner Umwelt unterscheiden. Den Medien würde es so gehen wie es Ireneo Funes in der Geschichte "Das unerbittliche Gedächtnis" von Jorge Luis Borges ergangen ist. Ireneo Funes war mit einem unwahrscheinlichen Gedächtnis ausgestattet, das alles im Maßstab von eins zu eins aufzeichnete und speicherte. Das führte in kurzer Zeit dazu, das Funes nur noch auf seinem Bett lag und nicht mehr handeln konnte. Er war zeitlich mit seiner Umwelt synchronisiert. Um handeln, ja sogar um beobachten zu können, müssen Systeme mit der Unterscheidung von interner und externer Komplexität arbeiten, sie müssen sich, um überhaupt erkennen zu können, von ihrer Umwelt unterscheiden und genau diese Differenz von System und Umwelt in das System mit der Unterscheidung von Selbst- und Fremdreferenz hineinkopieren. Kein Wunder, daß die empirische Forschung solche Selektoren identifiziert hat. Diese Selektoren sind Indikatoren für die systemspezifische Art der Realitätskonstruktion der Medien. Es geht dabei weniger um die Tatsache der Auswahl als solcher, als vielmehr um die Erfordernisse der Massenmedien, die Differenz von Information/Nichtinformation für die Gesellschaft zu prozessieren. Viele dieser Selektionsroutinen sind weidlich bekannt. Konflikte werden bevorzugt, ebenso von den normalen Erwartungen abweichende Ereignisse. Quantitäten sind besonders leicht als Informationen darstellbar, weil Zahlen immer von anderen Zahlen differieren und dadurch Neues suggerieren. Normverstöße erwecken besondere Aufmerksamkeit insbesondere dann, wenn sie sich zu Skandalen verdichten. Eindeutig liegt die Präferenz der Medien bei außergewöhnlichen Ereignissen und bei moralischen Bewertungen. Dies alles sind Beispiele, wie aus Ereignissen Informationen und aus Informationen Nachrichten werden, die dann wieder unser Bild der gesellschaftlichen Wirklichkeit prägen.

Mit dieser empirisch gut bestätigten These von der Eigenselektivität der Massenmedien verbindet Luhmann aber weitergehende Folgerungen. Das, was in den Medien als Wirklichkeit erscheint, ist nichts anderes als ihr Eigenprodukt, bei dessen Erzeugung sie nicht auf die Umwelt angewiesen sind (S. 75). Dieses Bewußtwerden der Selektion hat immer wieder den Manipulationsverdacht erregt, ohne daß die Forschung hier zu eindeutigen Zurechnungen gekommen ist.

Man vermutet, daß die Massenmedien von Interessen gesteuert werden, von wirtschaftlichen und politischen, in einzelnen Fällen kann man dies sogar nachweisen, doch einen nennenswerten Effekt auf die Funktionsweise haben diese Enthüllungen nicht gehabt, da es zum System der Medien keine Alternative gibt. Stattdessen hat sich die Gesellschaft mit der Abgründigkeit der Medien abgefunden. "Die Massenmedien scheinen ihre eigene Glaubwürdigkeit zugleich zu pflegen und zu untergraben. Sie "dekonstruieren" sich selber, da sie mit ihren eigenen Operationen den ständigen Widerspruch ihrer konstativen und ihrer performativen Textkomponenten reproduzieren" (S. 78/79).

Dieser Widerspruch wird, wenn auch auf andere Weise, durch die Werbung reproduziert. Nicht die Erzeugung des schönen Scheins der Wahrheit liegt der Werbung zugrunde, im Gegenteil, sie deklariert ihren Willen zur Manipulation offen. Und indem sie das tut, kann sie um so besser die Motive und das Gedächtnis des Umworbenen beeinflussen. Werbung ist Beihilfe zur Selbsttäuschung, indem sie ihre eigene Unaufrichtigkeit laut verkündet. Schon die Elfjährigen wissen, daß die Werbung einem etwas verkaufen will und daß die Magarinefamilie dann doch nicht immer so glücklich ist wie es die Werbung zeigt und schon gar nicht durch das Magarinebrot. Nur - darauf kommt es nicht an. Die Werbung paradoxiert die Motivlage des Angesprochenen, des Umworbenen. Man bietet ein Massenprodukt exklusiv an, aber das Produkt, für das geworben wird, erscheint nur im Hintergrund, so, als ob es gerade nicht um dessen Verkauf geht. Massenhaft wird der Trend (sic!) zur Individualisierung beschworen, mit dem Erfolg, daß eine ganze Generation Turnschuhe und Markenkleider trägt. Nicht das Produkt ist in der Werbung ausschlaggebend, sondern ihre latente Funktion besteht darin, "Leute ohne Geschmack, mit Geschmack zu versorgen" (S. 89). Die wichtigste Funktion der Werbung dürfte deshalb auch in einer produzierten Wirklichkeit liegen, die zugleich Redundanz und Varietät in immer neuen Formen für das Alltagsleben entstehen läßt.

Das schwierigste Programm stellt die Unterhaltung dar. Auch für Luhmann scheinen sich hier die Konturen zu verwischen. Unterhaltung ist Fiktion, Tatsachenvermittlung, Werbung und Erzählung (Gedächtnis) in einer bunten Gemengelage, so daß es nicht leicht fällt, eine durchgängige Struktur zu finden. Massenmedial produzierte Unterhaltung setzt voraus, daß der Zuschauer, im Gegensatz zu seinem eigenen Leben, Anfang und Ende beobachten kann (S. 98). Es entsteht eine zweite, fiktionale Realitätsebene, die aber, weil sie Imagination ist, Information benötigt und hier klinken sich die Massenmedien mit ihrem Code Information/Nichtinformation ein. Unterhaltung muß, obwohl fiktional, auch "realitätsgerecht" sein. Sie muß in Verbindung zur Alltagswelt der Zuschauer stehen oder zumindest zu dem, wie sich die Medien diese vorstellen. Genau an dieser Stelle setzt der Mechanismus von Selbst- und Fremdreferenz ein. Filme, Geschichten oder Talkshows müssen zum einen ihre eigene Plausibilität erzeugen. Sie leben von selbst gemachten Stories, Handlungsabläufen usw. Zum anderen müssen sie mit einem Zuschauer rechnen, dessen Interesse getroffen werden muß. Die Schließung der Selbstreferenz der Unterhaltung wird durch die mitprozessierte Fremdreferenz gehindert, in Tautologien zu verfallen. Das hat zum Effekt, daß der Zuschauer immer schon in der Unterhaltung auftaucht, laufend auf ihn referiert wird, so als ob Tristam Shandy das Urbild aller Unterhaltung ist. Konsequent formuliert Luhmann dann auch: "Unterhaltung ermöglicht eine Selbstverortung in der dargestellten Welt. ... Das, was angeboten wird, legt niemanden fest; aber es gibt genügend Anhaltspunkte für Arbeit an der eigenen Identität. Fiktionale Realität und reale Realität bleiben offensichtlich unterschieden, und eben deshalb wird das Individuum, was seine Identität betrifft, Selbstversorger" (S. 116/117).

4.2. Wie treten nun die Massenmedien in Kontakt zu ihrer gesellschaftlichen Umwelt, wenn es sich bei ihnen um ein autopoietisches, selbstreferentiell geschlossenes System handelt? Luhmanns Antwort ist schlicht, durch strukturelle Kopplung. Strukturell meint, ohne daß man kausale Abhängigkeiten postulieren muß, die wechselseitige Angewiesenheit der Programmtypen auf spezifische Umweltlagen des Systems. So bezieht sich die Werbung auf die Wirtschaft, die Unterhaltung auf das Kunstsystem und die Alltagswelt und die Nachrichten haben als Referenzpunkt das politische System. Daß dabei Überschneidungen vorkommen, ist nicht ungewöhnlich, aber gerade durch die Differenz der Bezüge lassen sich Überschneidungen erst identifizieren und als solche feststellen (S. 122 - 125). Daß diese differenten Umweltbezüge der Programme nicht zur Auflösung des Systemcharakters der Muster hinführen, sieht Luhmann zunächst darin, daß ein einheitliches technisches Medium verwendet wird (S. 119). Dies ist jedoch nur die Oberfläche, der darin nicht so offensichtliche Zusammenhalt bildet die gesellschaftliche Funktion der Massenmedien, nämlich "Voraussetzungen für weitere Kommunikation zu schaffen, die nicht eigens mitkommentiert werden müssen" (S. 120). Massenmedien erzeugen eine Hintergrundrealität, die das "Gedächtnis" der Gesellschaft bilden. Nicht die gerade aktuelle, die direkte Information ist, langfristig gesehen, die gesellschaftliche Aufgabe der Medien, sondern es werden bestimmte Realitätsannahmen erzeugt, an die man in der gesellschaftlichen Kommunikation anknüpfen, auf deren Anschlußfähigkeit man vertrauen kann. Aus diesem Grund sind auch die Themen strukturell wichtiger als die jeweils aktuellen Meinungen, die in den Medien kolportiert werden.

Die Differenz von Themen und Meinungen, die ein wichtiges Mittel der Berichterstattung ist, hat gleichsam einen doppelten Effekt. Zum einen können auf diese Weise auch Meinungen als Fakten behandelt werden, man kann über sie berichten; sie sind informativ. Zum anderen wird eine nicht konsenspflichtige Realität erzeugt. Über Kernkraft, Waldsterben oder Brent Spar werden soviel Meinungen berichtet, daß man angesichts der Vielfalt nicht mehr die wirklichen Gründe kennt, sondern die Divergenz, der Konflikt erscheint als die anschlußfähige Realität (S. 126). Gleichwohl muß auch die Einheit der Kommunikation, wenn nicht als Konsens, so doch in einer anderen Form gestiftet werden, um weiteres Prozessieren aufrechtzuerhalten. Medien erreichen dies, indem sie Kommunikation für individuelle Motivlagen verfügbar machen. Dies ist aber um so schwieriger, als die Produktion der Massenmedien nicht unmittelbar den einzelnen ansprechen kann. Sie können nur durch Schematabildung das generalisierte Individuelle erfassen (S. 190). Dies geschieht durch eine fiktive Individualisierung: im Nachrichtenteil, im Unterhaltungsteil oder in der Werbung wird als allgemeiner Bezugspunkt der "Mensch" als Individuum fingiert. Nicht die existierenden Menschen als bio-chemische und geistig-soziale Einheit, sondern als Konstrukt, als Staatsbürger, der sich für Nachrichten interessiert, als Konsument oder als verlottertes Individuum, das unterhalten werden muß. In allen Fällen aber in einer paradoxen Form: als entindividualisiertes Individuum (S. 134). Es wäre nun falsch, an dieser Stelle sogleich in das Lamento über die Entfremdungsfunktion der Medien, ihre Zwänge produzierende Gleichmacherei einzustimmen. Das Raffinierte der Luhmann-Analyse ist es zu zeigen, wie gerade dadurch Freiheit und Struktur jeweils gesteigert werden. Schemata zwingen nicht zur Wiederholung (S. 193). Sie lassen offen, ob man sich einklinken will oder nicht, aber sie sind Instrumente des Vergessens und Lernens, indem sie zum einen Ordnung in die Fülle der Informationen bringen und zum anderen den Hintergrund zur individuellen, wenn auch nur im eigenen Heim, Profilierung bilden. "Von der Gesellschaft her gesehen, hat die schemenvermittelte strukturelle Kopplung den Vorteil einer Beschleunigung, die, wenn es gelingt, die strukturelle Kopplung von Medien und Individuen nicht reißen läßt, sondern nur auf andere Schemata überleitet. Vom Individuum her gesehen, haben Schemata den Vorzug, daß sie das Gedächtnis strukturieren, aber das Handeln nicht festlegen" (S. 198).

Es werden sehr komplizierte Wechselverhältnisse zwischen Medien und Individuum erzeugt, die sich nicht auf Zwang reduzieren lassen. Wie im Theater wird das Individuum in eine Szene außerhalb der Inszenierung versetzt und ihm die Freiheit gelassen, selbst auszuwählen, ohne wirklich wählen zu können, denn das würde die gesamte Komplexität der Welt wieder auf es niederprasseln lassen. Es ist gezwungen, im Austausch mit den Medien und in Abgrenzung zu ihnen, seine Identität oder sein "Selbst" selbst zu konstruieren.

5. Zum Schluß wendet Luhmann seine Untersuchung erkenntnistheoretisch und fragt selbstreflexiv nach dem Standpunkt des Beobachters, sowohl der Massenmedien als auch dem des Theoretikers. Für beide gilt: "An die Stelle der Frage nach Begründung, die auf einen infiniten Regress hinauslaufen müßte, tritt die Frage nach dem Beobachter und wer sein eigenes Erleben oder Handeln begründen möchte, muß sich daher als Beobachter beobachten und damit die Wahl der Unterscheidungen, die den Beobachter leiten, zur Disposition stellen" (S. 208). Wer so fragt, radikalisiert den Gedanken der Aufklärung, sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien, indem selbst die eigene Ausgangsposition befragt wird. Damit werden auch noch die letzten fundierten Geltungsansprüche wie Gott, Natur und Vernunft reflexiv verflüssigt, es bleibt "die Kontingenz aller Kriterien und aller möglichen Beobachterpositionen" (S. 209). Die Abklärung der Aufklärung führt zu einem Paradox: "Sie fordert dazu auf, etwas sichtbar zu machen, was für sich selbst unsichtbar bleiben muß. Sie widerspricht sich selbst. Sie vollzieht einen performativen Selbstwiderspruch und vermeidet es dadurch, dogmatisch aufzutreten oder Rezepte zu verschreiben" (S. 213). Wo liegt das Fruchtbare einer Theorie, die als letztes tragendes Moment eine Paradoxie zugrundelegt? Ich glaube, Luhmann korrigiert durch seine Analyse drei wesentliche Annahmen der Medienforschung: Zum einen geht er nicht mehr von einem kausalen Verhältnis von Massenmedien und Gesellschaft aus, in dem nach direkten Effekten gesucht wird, so als ob Medien willentlich manipulieren würden. Medien nehmen Einfluß auf die öffentliche Meinung, aber nicht direkt, sondern indem Themen gerahmt werden. Jede einzelne Information kann falsch sein, aber das Thema selbst strukturiert die öffentliche Kommunikation und bildet Strukturen für die Anschlußkommunikation.

Als zweite Einsicht kann man festhalten, Medien verbreiten keine Wahrheiten, sondern organisieren den Informationsfluß und sorgen für Neuigkeiten. Der Informationsbegriff hat keine objektive Kontrolle. In der Kommunikation wirkt Information als Resultat einer Kommunikation, der Wahrheitswert bedarf wiederum neuer Information und Kommunikation usw.. Und drittens kann man sehen, daß Medien hochselektiv arbeiten, also genau nicht einen Widerspiegelungs- und Übersetzungseffekt für die Öffentlichkeit besitzen, sondern eben eine eigene Wirklichkeit erzeugen. Damit werden aber gerade Freiheitsgrade zwischen Zuschauer und Medien erzeugt, die bisher so nicht wahrgenommen wurden. Jede Information kann angenommen oder abgelehnt werden und erzeugt gerade durch die Möglichkeit der Bifurkation weitere Kommunikation, ohne daß dahinter ein Plan oder die wirkliche Wirklichkeit zu vermuten ist.

Zu klären bleibt daher, wie Massenmedien trotz ihrer hohen Selektivität einen wesentlichen Faktor bei der Konstruktion gesellschaftlicher Realität bilden. Oder wie Luhmann formuliert: "Wir wiederholen deshalb unsere Eingangsfrage. Sie lautet nicht, was ist der Fall, was umgibt uns als Welt und als Gesellschaft. Sie lautet vielmehr: wie ist es möglich, Informationen über die Welt und über die Gesellschaft als Informationen über die Realität zu akzeptieren, wenn man weiß, wie sie produziert werden?" (S. 214).

Wer eine Antwort auf diese Frage haben möchte, sollte Luhmanns Buch "Die Realität der Massenmedien" lesen, das mit der These beginnt: "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen ... usw.".

Bibliographische Angaben

Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1996. 2. Auflg. ISBN 3-531-12841-8


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Philipp Genschel: Standards in der Informationstechnik - Institutioneller Wandel in der internationalen Standardisierung

Rezension von Ingo Wende

Standardisierung wird seit Beginn unseres Jahrhunderts vor allem zur Rationalisierung von Technikanwendungen eingesetzt und hat damit erheblich zu einer beschleunigten Verbreitung und Weiterentwicklung der Technik beigetragen. Auch die stürmische Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik wäre ohne Standards nicht möglich gewesen. Auf der Grundlage der Fortschritte in der Halbleitertechnologie wurden innerhalb weniger Jahrzehnte Verarbeitungsgeschwindigkeiten und Speicherkapazitäten um fünf bis sieben Zehnerpotenzen gesteigert und gleichzeitig Elementabmessungen und Preis-/Leistungsverhältnisse in ähnlichen Größenordnungen reduziert. Das führte wie in kaum einem anderen Bereich zu hohen Innovationsraten, neuen Anwendungen und ständig verkürzten Produktzyklen. Insbesondere aus der weltweiten Vernetzung der Anwendungen ergaben sich erhöhte Anforderungen an die zugrundeliegenden Standards und das Tempo ihrer Bereitstellung.

Im vorliegenden Band werden die dadurch in der Standardisierungslandschaft angestoßenen Wandlungsprozesse beschrieben und im Kontext allgemeiner Erkenntnisse über Änderungsfähigkeit und Wandlungsmuster von Institutionen analysiert.

Der Autor geht von einer allgemeinen Tendenz zur Enthierarchisierung (Beispiel Liberalisierung in der Telekommunikation) aus, die, bezogen auf technische Systeme, einen erhöhten Bedarf an Standards zur Folge hat, welche Portabilität und Interoperabilität der Systeme gewährleisten sollen. Standards werden dabei als Konventionen darüber definiert, wie bestimmte sich wiederholt stellende technische Probleme zu regeln sind. Sie können eine regulative (vorschreibende) oder koordinative (Gewährleistung von Kompatibilität, Portabilität und/oder Interoperabilität) Funktion besitzen. Es werden drei Wege unterschieden, wie technische Lösungen zur allgemeinen Verhaltensregel und damit zum Standard werden können: Sie können normativ verfügt werden (hierarchische Standardisierung), sie können sich im Zuge ungesteuerter Imitationsprozesse als allgemeine Praxis durchsetzen (nichtkooperative Standardisierung, die zu proprietären Standards führt) und sie können unter freiwilliger Beteiligung in Komitees ausgehandelt werden (kooperative oder Komiteestandardisierung). Normative Standards werden von einer Autorität verfügt, ihre Nichteinhaltung wird mit Sanktionen belegt. Die Anwendung der koordinativen Standards erfolgt freiwillig, i.a. wegen wirtschaftlicher Vorteile. Der Autor schlußfolgert, die kooperative Standardisierung erlaube die Standardisierung im Vorgriff auf die Technik, während die nichtkooperative Standardisierung für bereits etablierte Technik geeignet sei.

Es wird erläutert und belegt, wie die internationalen Standardisierungsorganisationen (ISO, IEC und ITU) sich insbesondere auf dem Gebiet der Informationstechnik und Telekommunikation mit erhöhten Anforderungen und einem daraus resultierenden Reformdruck konfrontiert sahen. Dabei zeigten sie, wie andere institutionelle Strukturen auch, eine Reformresistenz, die nicht nur negativ zu bewerten ist, sondern z.B. so wichtige Eigenschaften wie Kontinuität sichern hilft.

Für die Reformation einer Institution werden zwei Muster angeboten: Der diskontinuierliche institutionelle Wandel, bei dem die neue Institution über einen krisenhaften Umbruch entsteht, und der Wandel durch Addition, bei dem zusätzliche (Teil-) Institutionen die gewachsenen Anforderungen bedienen.

Der Autor kommt zu dem Ergebnis, daß die strukturellen und verfahrenstechnischen Änderungen in der Standardisierung überwiegend dem zweiten Muster zuzuordnen sind. Ausgehend von der Situation vor dem Wandel und den technischen Entwicklungen beschreibt er ausführlich, wie in den 80er und frühen 90er Jahren spezielle Anforderungen und Veränderungen zur Bildung neuer Normungsorganisationen (ETSI) und Gremien auf dem Gebiet der Informationstechnik und Telekommunikation und damit zu einer Situation nach dem Wandel geführt haben. Die Situation nach dem Wandel ist dadurch gekennzeichnet, daß ein Netz kooperierender Organisationen und Gremien zur Bewältigung der anstehenden Standardisierungsaufgaben entsteht. Dabei wird auch nicht verschwiegen, wie Erwartungen an die Leistungsfähigkeit und Arbeitsgeschwindigkeit der neuen Organisationen (Kapitel 4: Regionale Workshops zur Entwicklung von OSI-Profil-Normen) teilweise nicht erfüllt werden konnten, da der Grund für die oft langwierige Entwicklung der Normen weniger in den unterstellten bürokratischen Abläufen bei ISO und IEC, als vielmehr in der zeitaufwendigen Konsensbildung unter den Beteiligten liegt.

Der gezielte Einsatz der Normung für die technische Harmonisierung innerhalb der Europäischen Union (Neue Konzeption) wird behandelt.

Insgesamt sind die Entwicklungen in der Standardisierung der Informations- und Kommunikationstechnik umfassend und gut gegliedert dargestellt. Die Aussagen sind reichlich mit Literaturhinweisen belegt. Der Autor ordnet die Vorgänge den eingangs dargestellten Mustern institutionellen Wandels zu.

Gerade die Systematik der Darstellung regt den in der Normung tätigen Rezensenten zu Anmerkungen und Ergänzungen an. Dabei sind die Normungsorganisationen (auf internationaler Ebene ISO, IEC, ITU, auf europäischer Ebene CEN, CENELEC, ETSI und auf nationaler Ebene AFNOR, BSI, DIN usw.) entsprechend der vom Autor vorgenommenen Klassifizierung der kooperativen bzw. Komiteestandardisierung zuzuordnen.

Zunächst ist der Begriff Standard zumindest aus Sicht der Normungsorganisation stärker zu differenzieren. Allgemein sprechen wir von technischen Regeln oder Spezifikationen, die sich u.a. durch das Verfahren und das realisierte Konsensniveau bei ihrer Entwicklung unterscheiden. Wurde die Spezifikation durch eine Normungsorganisation (ISO, CEN, DIN) entwickelt, so ist durch die ausgewogene Gremienzusammenstellung und ein öffentliches Einspruchsverfahren der größtmögliche gesellschaftliche Konsens gesichert und wir sprechen von einer Norm. Bei der internationalen Normung erfolgt die Konsensbildung nach dem Delegationsprinzip, d.h. auf der Grundlage der Meinungsbildung in den nationalen Normungsorganisationen. Eine weitere wichtige Eigenschaft von Normen ist die Konsistenz zum gesamten Normenwerk, der durch die Normungsorganisation gewährleistet wird.

Im Rahmen des zutreffend beschriebenen Wandels durch Addition entstanden in erster Linie voneinander unabhängige Konsortien (ECMA, X-Open, The Open Group) oder Foren für relativ eng umrissene Arbeitsgebiete, bei deren Spezifikationsentwicklung nur der Konsens der Mitglieder angestrebt wird, wobei die Mitgliedschaft z.T. an erhebliche finanzielle Beiträge gebunden ist.

Schließlich gelingt es auch einzelnen Unternehmen, proprietäre Standards am Markt durchzusetzen (PC-Betriebssysteme).

Normungsorganisationen, Konsortien und Berufsverbände (z.B. IEEE) bilden heute das Netz (mehr oder weniger stark) kooperierender "Standardisierer". In diesem Zusammenhang ist die noch zu lösende Frage entstanden, ob sich Kriterien finden lassen, nach welchen das optimale Konsensniveau für bestimmte Klassen von Spezifikationen festgelegt werden kann. In ihrem Bestreben, den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden, haben die Normungsorganisationen Verfahren eingeführt, um Spezifikationen, die sich am Markt bewährt haben, schnell und mit geringem Aufwand in Internationale und Europäische Normen zu überführen.

Wegen ihres breiten gesellschaftlichen Konsenses sind Normen geeignete Grundlage für normative Standards (Europäische Richtlinie für die Bildschirmarbeit). Sie können vom Gesetzgeber im Rahmen der neuen Konzeption (Deutschland, Europäische Union) durch entsprechende Verweise in Gesetzen und Richtlinien dazu gemacht werden. Des weiteren erfolgt die öffentliche Beschaffung (wo immer möglich) auf der Grundlage von Normen.

Die Grenzen zwischen den Ergebnissen hierarchischer, nichtkooperativer und kooperativer Standardisierung sind also durchlässig: Kooperativ entwickelte Normen werden durch Verweis in Richtlinien zu normativen Standards (Neue Konzeption) und nichtkooperativ entwickelte Spezifikationen können - sofern sie sich am Markt bewährt haben - mit Hilfe einer öffentlichen Umfrage in eine Norm überführt werden.

Bezweifelt werden muß die Aussage, daß die kooperative Standardisierung für Standards im Vorgriff auf eine Technik geeignet sei, während die nichtkooperative Standardisierung, also die Vorgabe der Standards durch die Marktführer, für die etablierte Technik zuträfe. Geht man davon aus, daß ein Standard oder eine Norm nicht eine beliebige, sondern möglichst die unter wirtschaftlichen, sicherheitstechnischen und Umwelt-Aspekten optimale Lösung verallgemeinern soll, so sind immer Erfahrungen mit verschiedenen Lösungen erforderlich, ehe ein guter Standard verabschiedet werden kann. Das trifft auch für die kooperative Standardisierung in den Normungsorganisationen zu. Andererseits ist es richtig, daß die Normung möglichst früh beginnen sollte, um ein zu starkes Auseinanderdriften der Lösungen zu vermeiden. Hiefür gibt es die entwicklungsbegleitende Normung, deren Ergebnis meist Vornormen sind, die aber über Grundlagen wir Begriffe, Meßverfahren und ähnliches nicht hinausgehen.

In diesem Zusammenhang wäre eine detaillierte Untersuchung der Gründe für die relativ geringe Verbreitung der mit großem Aufwand und teilweise im Vorgriff auf die Technik entwickelten OSI-Normen und für den überwältigenden Erfolg der sehr pragmatisch entwickelten Internet-Standards sicher sehr aufschlußreich.

Durch die sinngemäße Gliederung des Buches in Situation vor dem Wandel, Wandel, Situation nach dem Wandel kann der Eindruck entstehen, der Wandel sei abgeschlossen. Das ist nicht der Fall: Ebenso wie die Informationstechnik und Telekommunikation selbst ist auch die Normung auf diesem und angrenzenden Gebieten in Reaktion auf die Anforderungen des Marktes einem ständigen Wandel unterworfen. Die Existenz der Normungsorganisationen beruht auf der Mitwirkung und Förderung durch die interessierten Kreise, also letztlich durch die Normenanwender, und die erwarten rechtzeitig verfügbare, marktorientierte und anwendungsreife Normen. Insofern sind auch die Normungsorganisationen den Anforderungen des Marktes ausgesetzt und bestrebt, sich diesen anzupassen. Der Wandel durch interne Reorganisation betrifft neben der weiteren Verschlankung der Strukturen und Verfahren die Kooperation mit Konsortien, die Überführung von am Markt etablierten Spezifikationen in Normen und die Bereitstellung von Produkten mit unterschiedlichem Konsensniveau. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Normungsorganisationen wie die ISO und die entsprechenden nationalen Normungsorganisationen, die den gesamten Technikbereich abdecken, nach einem einheitlichen Regelwerk arbeiten und Anforderungen aus der Informationstechnik nicht typisch für den gesamten Bereich sind. Es ist also für die ISO schwieriger, sich auf die Anforderungen aus der Informationstechnik einzustellen, als z.B. für Konsortien, die nur in einem schmalen Bereich mit homogenen Anforderungen tätig sind. Daher operieren die Normungsorganisationen im Netz der kooperierenden Spezifikationsentwickler sozusagen unter erschwerten Bedingungen, was Flexibilität und Arbeitsgeschwindigkeit betrifft, bieten aber den Vorteil der Konsistenz des Normenwerkes und des breitestmöglichen Konsenses.

Das im Ergebnis des Wandels durch Addition gebildete Netz von kooperierenden Spezifikationsentwicklern, die nach unterschiedlichen Regeln vorgehen und unterschiedliche Produkte (Spezifikationen mit verschiedenem Konsensniveau) anbieten, birgt aber auch neue Probleme in sich: Die interessierten Unternehmen haben Schwierigkeiten, Experten für die Mitarbeit in den vielen verschiedenen Organisationen zu benennen (ein führender Computerhersteller gibt z.B. an, Experten in ca. 230 verschiedene Gremien und Organisationen für die Spezifikationsentwicklung entsenden zu müssen) und es ist kaum möglich, die Konsistenz und Widerspruchsfreiheit sämtlicher Spezifikationen und Normen zu gewährleisten. Man kann bereits beobachten, daß dem Wandel durch Addition der Wandel durch Substitution nachfolgt, d.h. es werden sich die Organisationen durchsetzen, die die komplexen und sich schnell verändernden Anforderungen am besten erfüllen, aber gleichzeitig Kontinuität und Konsistenz der technischen Entwicklung sichern.

Der Wert des Buches liegt darin, daß es einen umfassenden Überblick über die Standardisierung auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik, wie sie sich im Ergebnis der Wandlungsprozesse der 80er und frühen 90er Jahre herausgebildet hat, gibt, gleichzeitig die Motivation und Hintergründe für die Wandlungsprozesse analysiert und eine wissenschaftliche Einordnung der Vorgänge anbietet. Damit gibt es Anregungen für die Reaktion auf neue Herausforderungen.

Das Buch ist allen zu empfehlen, die sich über die Fachebene hinaus mit Standardisierung befassen und die noch andauernden Wandlungsprozesse auf diesem für die wirtschaftliche Entwicklung wichtigen Gebiet mitgestalten wollen.

Der Autor ist Geschäftsführer des Normausschusses Informationstechnik im DIN Deutsches Institut für Normung e.V.)


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HANSJÖRG GRIESE, JUTTA MÜLLER, RICHARD SIETMANN: Kreislaufwirtschaft in der Elektronikindustrie - Konzepte, Strategien, Umweltökonomie. Berlin/Offenbach: VDE-Verlag GmbH, 1997. ISBN 3-8007-2196-1

Rezension von Matthias Achternbosch, ITAS

Die Elektronikindustrie hat sich zu einem der wichtigsten Industriezweige entwickelt. Die Herstellung ihrer Produkte erfolgt in der Regel auf höchstem technologischen Niveau. Kennzeichnend für diese Branche ist eine hohe Innovationsgeschwindigkeit und eine kurze Gebrauchsphase der Produkte. In der Vergangenheit wurden der in großen Mengen anfallende Elektronikschrott praktisch vollständig mit dem Siedlungsabfall entsorgt. Die Geräte enthalten eine Vielzahl von Substanzen, von denen viele umweltrelevant sind und bei einer nachlässigen Entsorgung zu Umweltproblemen führen können. Die Elektronikindustrie steht damit vor einer Herausforderung. So stellt die umweltgerechte Behandlung des Elektronikschrotts und die Vermeidung diffuser Stoffeinträge ein noch ungelöstes Problem dar.

Das vorliegende Buch gibt eine umfassende Beschreibung der derzeitigen Situation bei der Produktion und dem Recycling von elektronischen Produkten. Gleichzeitig stellt das Buch auch eine Bestandsaufnahme von Firmenaktivitäten in der Elektronikindustrie, die vor allem durch die Diskussion um die Elektronikschrottverordnung (ESVO) in den vergangenen Jahren entstanden sind, dar. Es werden die derzeitigen Ansätze um eine umweltgerechte Konstruktion sowie die Möglichkeiten einer Wiederverwendung der elektronischen Bauteile/Geräte diskutiert. Die Autoren möchten in diesem Buch aber mehr anbieten, als nur eine Situations- und Aktivitätenbeschreibung: Einen besonderen Schwerpunkt bilden wirtschaftliche, ökologische und technische Konzepte bzw. Strategien vor dem Hintergrund des Leitbilds Kreislaufwirtschaft bzw. nachhaltige Entwicklung. Aus diesem Grund werden auch umweltökonomische Konzepte skizziert und diskutiert. Am Ende leiten die Autoren Schlußfolgerungen für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ab.

Das Buch ist für einen großen Kreis von Lesern geeignet: Es richtet sich an Umweltverantwortliche, an das Management auch in mittleren und kleinen Unternehmen, an Ingenieure in Forschung und Entwicklung aber auch an Studenten, die sich eine Übersicht über die Situation in der Elektronikindustrie verschaffen wollen.

Dabei ist dieses Buch bei der Beschreibung der Produktion und dem Recycling von elektronischen Produkten nicht auf die Nachsorge - der end-of-pipe-technology - ausgerichtet, sondern versucht dem Interessentenkreis die Bedeutung des Gedankens der nachhaltigen Entwicklung und der Kreislaufwirtschaft für die umweltgerechte Herstellung von elektronischen Produkten zu verdeutlichen. Hier liefern die Autoren dem in diesen Konzepten nicht bewanderten Leser Denkanstöße.

Insgesamt werden nach meiner Meinung alle wichtigen Aspekte zum Recycling und zur umweltverträglichen Produktion dargestellt. Verfahrensbeschreibungen und -vergleiche zur Behandlung und Verwertung von Elektronikschrott sind in diesem Buch aber bewußt ausgelassen. Dies ist für eine Situationsbeschreibung und Bestandsaufnahme von Aktivitäten in der Elektronikindustrie auch nicht von Interesse. Des weiteren werden die Kosten für die Rücknahme und für das Recycling von Elektronikschrott nicht behandelt.

Die Situation bei der Produktion und dem Recycling von elektronischen Produkten

Im einführenden Kapitel wird dem Leser die Situation bei der Sammlung und Aufarbeitung von Elektronikschrott und die Umweltrelevanz der Inhaltsstoffe in elektronischen Produkten beschrieben. In Erwartung einer Elektronikschrottverordnung (ESVO) haben viele Firmen in Deutschland Aktivitäten in Eigeninitiative gestartet und know-how aufgebaut. Ursprünglich sollte die Verordnung, die das Ziel hatte, die Stoffkreisläufe weitgehend zu schließen und die Rücknahme und Verwertung zu regeln, 1994 in Kraft treten. Durch massive Einwände der Industrieverbände wurde dieser Termin jedoch mehrfach verschoben. So ist der Vorsprung, den die deutschen und europäischen Firmen - bedingt durch die Verzögerung der ESVO - bereits hatten, nahezu verspielt worden. Vor allem in den USA hat man als Reakion auf die europäische Diskussion eine Fülle von Aktivitäten entwickelt.

Die Autoren betonen, daß die Sammlungsaktivitäten derzeit nicht organisiert sind und die Aufarbeitung in der Regel sehr aufwendig ist und über Pilotvorhaben nicht hinausgeht. Sie weisen darauf hin, daß die Aktivitäten größtenteils ausschließlich auf das stoffliche Recycling ausgerichtet sind und die Produkthersteller sich an dieser Strategie orientieren. Konstruktions- und herstellungsbedingt wären aus den meisten Altprodukten nur selten wiederverwendbare Komponenten rückzugewinnen. Es würden praktisch keine nennenswerten Märkte für gebrauchte Komponenten/Geräte existieren.

Umweltökonomische Konzepte

Im folgenden Kapitel diskutieren die Autoren umweltökonomische Konzepte. Dies ist nach meiner Meinung das einzige Kapitel in dem sonst sehr gelungenen Buch, das etwas abfällt. So halte ich die Aussage etwas übertrieben, daß das Kreislaufwirtschaftsgesetz in seiner Konsequenz mehr darstelle, als der "Wandel eines wissenschaftlichen Leitbilds, wie etwa der Übergang vom geo- zum heliozentrischen Weltbild oder der Newtonschen zur relativistischen und Quantenmechanik". Die Autoren präsentieren in der Einführung zu diesem Kapitel das Kreislaufwirtschaftsgesetz als einen Wendepunkt in der Bundesrepublik Deutschland. Dazu stellt das KrW-/AbfallG nach meiner Meinung den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen nachhaltiger Umweltpolitik und wirtschaftlichen Interessen dar.

Es wird die Bedeutung des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik für die Ökonomie erläutert. Dieses Gesetz besagt, daß Energieumwandlungsprozesse irreversibel verlaufen und immer mit einem Energie-Qualitätsverlust verbunden sind. Die Entropie ist ein Maß für diesen Qualitätsverlust. Betriebliche, volkswirtschaftliche oder globale ökonomische Prozesse stellen danach keinen geschlossenen Kreislauf von materiellen Gütern dar, sondern sind Stofftransformationen, die Rohstoffe über Waren am Ende als Abfall in die Umwelt überführen und zwar auf der Basis einer ständigen Erhöhung des nicht mehr verfügbaren Anteils der Energie und der Materie. Die Entropieerhöhung stellt quasi die ökologischen Rucksäcke dar. Die Ausführungen dürften bei Nicht-Naturwissenschaftlern zum Teil auf Verständnisprobleme stoßen, besonders die kurzen Ausführungen zu den Strategien, die die Autoren aus dem Entropiegesetz ableiten: danach wären geschlossene Materiekreisläufe auf der Basis eines energetisch offenen Systems möglich. Die Erläuterung hierzu setzt astrophysikalische Kenntnisse voraus. Danach wäre die Erde für den Energiefluß ein offenes System, das zwischen den Polen der Oberflächentemperatur der Sonne und der kosmischen 2,9 K Hintergrundstrahlung eingebettet ist.

Die Autoren setzen sich mit der neoklassischen Umweltökonomie und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung kritisch auseinander. Da der Rezensent Naturwissenschaftler ist, werden die Kritikpunkte unkommentiert wiedergegeben. Die Internalisierung externer Kosten hätte entscheidende Nachteile. So müßten die Verursacher zweifelsfrei identifiziert werden und die Folgekosten verursachergerecht zugeordnet werden können. Eine Preisfestsetzung von Umweltgütern setzt eine umfassende Konsensbildung in der Gesellschaft voraus, die aber nicht vorhanden ist.

Bei der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung würden Umweltschäden als Kosten der Produktion oder des Konsums nicht erfaßt, wohl aber, wenn deren Reparatur volkswirtschaftliche Nachfrage und damit Einkommen erfaßt. Auch ist die Nutzung freier Güter nicht berücksichtigt. Die Alternative zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wäre eine Nettowohlfahrtsmessung, die den Erträgen der ökonomischen Tätigkeit die bisher nicht berücksichtigten Umweltschäden als Verlust gegenüberstellt.

Perspektiven für wirtschaftliche und ökologische Strategien

Des weiteren werden Perspektiven für wirtschaftliche und ökologische Strategien vorgestellt. Es wird auf die Wichtigkeit der Durchführung produktbezogener Ökobilanzen über den ganzen Lebensweg der Produkte hingewiesen. Die Autoren erläutern die methodischen Probleme bei der Durchführung einer Wirkungsanalyse. Etwas zu kurz kommt, daß bei der Bewertung ebenfalls methodische Probleme bestehen. Darauf wird nur kurz im Kapitel der Zusammenfassung hingewiesen. Der von den Autoren propagierte Einbau ökologischer Design-Regeln auf der Basis der vorhandenen Erkenntnisse in CAD-Module für umweltgerechtes Konstruieren ist im Prinzip zu befürworten, daß dies allerdings auf der Basis des derzeitigen Kenntnisstandes schon stattfinden soll, halte ich für problematisch.

Die Autoren weisen darauf hin, daß die manuelle Demontage von Elektronikschrott verhältnismäßig aufwendig ist und wegen der Komplexität der zu zerlegenden Produkte nicht das geeignetste Verfahren ist. Zudem würden die bestehenden Kapazitäten für ein flächendeckendes Recycling nicht ausreichen. Ansätze für eine Automatisierung sind schon vorhanden. Die Vielzahl der Produkte und die Unkenntnis über den Produktzustand würden aber die Automatisierung erschweren. Der Kennzeichnungspflicht bzw. der Entwicklung eines "Fahrtenschreibers", der über die Produkte genau informiert, kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Dies wird z. B. im Rahmen des Eureka-Projekts Care-Vision 2000 entwickelt.

Als eine wesentliche Strategie für das Umweltmanagement von Elektronikprodukten sehen die Autoren den Aufbau von Strukturen und das Festlegen von Rahmenbedingungen für eine Wiederverwendung von Bauteilen und Komponenten an. Die hohe Innovationsgeschwindigkeit und der Preisverfall bei Neuprodukten haben dazu geführt, daß ein solcher Markt derzeit nur in Ansätzen vorhanden ist. Ein weiteres Hemmnis ist, daß der Käufer den Zustand der elektronischen Komponenten nicht prüfen kann. Ein modularer Aufbau der Geräte zur besseren Nachrüstung und Aufrüstung würde die Wieder-und Weiterverwendung begünstigen. Zur Abbremsung der Substitutionsgeschwindigkeit von Geräten schlagen die Autoren die Internalisierung der Entsorgungskosten in die Preise für Neuprodukte vor. Des weiteren bestehe eine große Chance, gebrauchte Komponenten und Geräte in andere geographische Regionen zu exportieren. Die Autoren propagieren eine vergleichende Bewertung der Wieder- und Weiterverwendung elektronischer Bauteile versus stoffliches Recycling.

Auch das Leasing wird grundsätzlich als ein Instrument der Steuerung der Stoffflüsse angesehen. Allerdings würden große Schwierigkeiten bestehen, das Leasing in der Elektronikbranche zu etablieren. Nur bei Kopiermaschinen und Telekom-Endgeräten ist das Leasing von Bedeutung. Bei Client/Server-Systemen bestehe bei kleineren und mittleren Unternehmen die Möglichkeit, das Leasing einzuführen. Hier bietet sich die Chance, die Umweltvorteile des Funktionsleasing zu berücksichtigen.

Umweltverträgliche Produktgestaltung

Im Kapitel 5 wird ein Abriß über die umweltverträgliche Produktgestaltung gegeben. Die Autoren zeigen auf, daß 80 % der Umweltauswirkungen eines Produktes während der frühen Entwurfsphase festgelegt werden. Dem recyclinggerechten Konstruieren kommt somit eine grundlegende Bedeutung zu. Das Schlagwort ist hier "Design for Environment" (DfE), das als Ansatz zur umfassenden Produktverantwortung verstanden wird. Die Entwicklung geeigneter Werkzeuge für einen umweltgerechten Leiterplattenentwurf wird z.B. am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration durchgeführt. Ein ähnliches Projekt (PWB-Projekt) wird von der amerikanischen EPA durchgeführt. Es werden eine Reihe von Software-Tools diskutiert, die allerdings nur in Ausnahmefällen auf elektronische Produkte anwendbar sind.

Im weiteren wird die umweltgerechte Konstruktion von Integrierten Schaltungen, Bauelementen und Leiterplatten behandelt. Bei der Waferproduktion werfen die Autoren die Frage auf, ob ultrareine Materialien und Prozesse wirklich gerechtfertigt sind. Saubere Prozesse sind nicht nur kostenintensiver sondern erzeugen auch stärkere Umweltbelastungen. Eine "Just-Clean-Enough"-Technologie würde in vielen Fällen völlig ausreichen.

Der Herstellung von Leiterplatten kommt bei der ganzheitlichen Betrachtung eines elektronischen Produktes eine besondere Bedeutung zu. So werden die Bestrebungen, die problematischen Prozeßschritte in der Leiterplattenherstellung in Deutschland zu entschärfen, etwas ausführlicher behandelt. Allerdings sind die Ausführungen z.T. nicht mehr ganz aktuell.

Beispielsweise wird die Umstellung von lösemittelverarbeitbaren Photoresists auf wäßrig verarbeitbare Systeme im Leiterbilddruck in Deutschland als umweltgerechte Alternative dargestellt. Der Einsatz von wäßrig verarbeitbaren Resiste hat aber, wie sich zeigte, die Umweltprobleme vom Umweltmedium Luft in das Wasser verlagert. Die meisten Leiterplattenhersteller können den geforderten CSB-Abwassergrenzwert kaum einhalten. Manche dargestellten Alternativverfahren, die die Autoren aufführen haben sich mittlerweile auf dem Leiterplattenmarkt etabliert wie z.B. die Direktmetallisierungsverfahren, welche das konventionelle umweltproblematische Verfahren ablösen. 1995 hatten diese Verfahren einen Marktanteil von ca. 50 %. Dagegen hat die vorgestellte Ultrafiltration zur Behandlung von resisthaltigen Abwässern keinen nennenswerten Marktanteil gefunden. Daß das "Grundproblem" bei der Herstellung der Leiterplatten in der herkömmlichen naßchemischen Technologie begründet ist, hätte vielleicht etwas mehr herausgestellt werden können. Es werden aber die Ansätze für Alternativverfahren wie z.B. die Dickschichttechnik und Folientechnik kurz dargestellt.

Beim Produkt- und Materialrecycling konzentrieren sich die Ausführungen auf den Stand bei der Entwicklung von alternativen Trägermaterialien von Leiterplatten. Konventionelle Leiterplatten sind aufgrund ihrer Zusammensetzung und ihren Inhaltsstoffen besonders umweltproblematisch und nicht recyclingfähig. Diese Aktivitäten zielen oft nur darauf hin, den Schadstoffgehalt in den Trägermaterialien zu erniedrigen. Ihr Grundaufbau aus nichtrecyclierbaren Duroplasten bleibt unangetastet. Interessant sind die Entwicklungen, als Trägermaterial eine Aluminiumoxidkeramik auf Stahlblech zu verwenden. Der Leiterzugaufbau erfolgt in der Dickschichttechnik, die zudem den Vorteil hat, gegenüber dem naßchemischen konventionellen Verfahren der Leiterplattenprozesse weniger Abfälle zu erzeugen. All diese Aktivitäten gehen meiner Meinung nach vom Konzept einer thermischen Entsorgung aus, ein richtiges Materialrecycling ist nicht möglich. Hier bietet die erwähnte MID-Technik, die Hochtemperaturthermoplasten einsetzt, Vorteile. Diese Kunststoffe können im Prinzip sortenrein wiederverwendet werden. Diese Technik, vor einigen Jahren noch belächelt, gewinnt immer mehr an Akzeptanz und Bedeutung.

Firmenkonzepte und repräsentative FuE-Projekte

In Kapitel 6 werden kurz die Firmenkonzepte und repräsentative FuE-Projekte aufgelistet. Neben den Projekten sind die beteiligten Unternehmen und die Träger bzw. Förderer zusammengestellt. Interessant sind die beschriebenen Firmengruppierungen, die sich abzeichnen: Es existieren Unternehmen mit eigenen Rückhol- und Verwertungseinrichtungen sowie Unternehmen, die das Recycling über externe Dienstleister durchführen. Wichtig, und meiner Meinung gut dargestellt wurde, daß kleine und mittlere Baugruppenhersteller von der Firmenphilosophie ihrer Abnehmer völlig abhängig sind. Sie können die Entwicklung nicht selbst bestimmen. Ihr Bedarf an Information und externer Hilfestellung ist erheblich. Als letzte Gruppe werden die eigenständigen Elektronik-Wiederverwerterer präsentiert, die eine kleine, aber teilweise international arbeitende Gruppe von Unternehmen darstellt.

Im Anhang werden die einzelnen Firmen und ihre Aktivitäten aufgelistet. Die Aktivitäten sind äußerst heterogen und es existiert keine gemeinsame Strategie. Es ist sicher wichtig, wenn die Autoren betonen, daß sich die Unternehmen bei ihren Aktivitäten möglicherweise in ein besseres Licht stellen, als die Praxis hergibt. In vielen Unternehmen würde Umweltschutz noch immer unter PR- und Marketinggesichtpunkten betrachtet werden. Hinzu kommt, daß in vielen Unternehmen Diskrepanzen in den Vorstellungen zwischen Entscheidungs- und Fachebenen bestehen, die das Umweltmanagement behindern. Auch das starre Festhalten an angestammten Märkten, Tätigkeitsfeldern und Techniken ist noch weitverbreitet.

Fazit: Das Buch kann jedem empfohlen werden, der sich über die Umweltrelevanz elektronischer Produkte informieren und interessante Schlußfolgerungen aus der Situationsanalyse erfahren will.


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"Technikfolgenabschätzung und Politikberatung"

Tagungsbericht von S. Saupe

Am 13. und 14. März 1997 fand in Bad Neuenahr die erste größere öffentliche Tagung der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH (Europäische Akademie) statt.

Die Akademietagung "Technikfolgenabschätzung und Politikberatung" zielte einerseits auf die Notwendigkeit des reflektierten Umgangs mit Technikfolgen aus der Sicht der Ethik und der Politik, andererseits auf die vergleichende Diskussion einschlägiger Konzeptionen. Ihre jeweiligen Prämissen sollten aufgedeckt, sowie ihre Problemlösungsfähigkeit verglichen werden. Überschneidungen, Widersprüche oder Ergänzungen sollten analysiert werden. Dies entspricht einer der Aufgaben der Europäischen Akademie, konzeptionelle und methodische Ansätze zum Umgang mit Technikfolgen zu diskutieren, weiterzuentwickeln und zur Beratung von Politik und Gesellschaft in Fragen der Technikentwicklung einzusetzen. Die Diskussion mit der Fachwelt sollte auch und gerade im Hinblick auf den Bedarf seitens der Politik erfolgen.

Die Veranstaltung wandte sich an Interessierte aus Technologie- und Forschungspolitik und aus den einschlägigen Einrichtungen wissenschaftlicher Politikberatung, an Wissenschaftler aus den Reflexionsdisziplinen Philosophie, Jurisprudenz und Sozialwissenschaften, aber auch an Natur- und Ingenieurwissenschaftler und Vertreter aus der industriellen Praxis.

Weiterhin verfolgte die Europäische Akademie mit der Ausrichtung dieser Tagung das Ziel, die TA-Communities der Soziologie und Philosophie, die sich trotz ähnlicher Fragestellungen nicht häufig austauschen, näher zusammenzuführen. Last but not least diente die Veranstaltung auch der Vorstellung und inhaltlichen Plazierung der Europäischen Akademie als neue Einrichtung innerhalb der Fachwelt.

Ablauf:
Nach einer einleitenden Vorstellung der Europäischen Akademie durch Carl Friedrich Gethmann stellte Otfried Höffe die Frage "Warum braucht die Technik eine Folgenethik" und diskutierte sie aus der Perspektive der Philosophie. Wolfgang van den Daele wandte sich anschließend mit dem Thema "Technikregulierung als gesellschaftlicher Lernprozeß" der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu und berichtete lebendig und aktuell aus seiner umfangreichen Erfahrung. Ruud Smits erweiterte den Horizont der Betrachtung auf die europäische Perspektive und referierte zu "Technology Assessment and Technology Policy in Europe", wobei er divergierende und konvergierende Trends identifizierte und analysierte.

Der geplante Vortrag von Frank Schlie-Roosen als Vertreter des BMBF entfiel leider, so daß die Erwartungen im Hinblick auf einen intensiven Austausch mit der Nachfrageseite nicht ganz erfüllt werden konnten. In Vertretung von Herbert Paschen lieferten Leonhard Hennen und Rolf Meyer einen "Erfahrungsbericht des TAB in der Politikberatung", worin sie insbesondere versuchten, die Wirksamkeit der Beratung zu untersuchen.

Der zweite Tag der Veranstaltung widmete sich den verschiedenen Konzepten von TA und wurde mit der Frage von Christoph Hubig eingeleitet "Bedarf Technikbewertung einer wertethischen Fundierung?". Im Rahmen seines Vortrags präsentierte er ein detailliertes System von Werten. Gotthard Bechmann stellte in seinem Referat "Technikfolgenabschätzung als problemorientierte Forschung" den pragmatischen sozialwissenschaftlich orientierten Ansatz seiner Gruppe im ITAS dar. "Diskursive Verfahren der Technikfolgenabschätzung" nach dem Verständnis der TA-Akademie in Stuttgart wurden anschließend von Hans-Joachim Braczyk präsentiert. Armin Grunwald schloß mit seinem Vortrag "Rationaler Umgang mit Technikfolgen?", in dem er Teile des Ansatzes Rationaler Technikfolgenbeurteilung der Europäischen Akademie darstellte, den Vortragsteil ab.

Im Anschluß wurden im Rahmen einer Generaldiskussion unter Leitung von Carl Friedrich Gethmann diverse Aspekte der Vorträge und des gesamten Bereichs "Technikfolgenabschätzung und Politikberatung" aufgegriffen und diskutiert. In einer abschließenden inhaltlichen Würdigung zog Herr Gethmann ein positives Resümee dieser Veranstaltung und dankte allen Referenten und Diskussionsteilnehmern für ihre Beiträge.

Die Teilnahme von etwa 70 Experten, vorwiegend aus den Bereichen Technikfolgenabschätzung und Technikethik/Philosophie, belegte das rege Interesse der Fachwelt an der Thematik der Tagung. Die Diskussion der Grundlagen, der verschieden geprägten TA-Konzeptionen und verwandter Gebiete wie der Wissenschaftstheorie verlief sehr lebendig. Das bewußt breit angelegte Thema der Tagung brachte Experten verschiedener fachlicher Herkunft zusammen, die bisher ihre Sichtweisen selten austauschen konnten, jedoch konnte der verfügbare Raum für intensive Diskussionen bei der gebotenen Themenbreite kaum ausreichen. Die bewußte Herstellung dieser befruchtenden Mischung der soziologisch und philosophisch geprägten Fachwelten war aus der Sicht der Europäischen Akademie auf jeden Fall ein Erfolg und spricht für ein aktives Fortschreiten in dieser Richtung. Gleichzeitig müssen hierbei die Nachfrageseite enger eingebunden und der europäische Horizont erweitert werden. Die begonnene gehaltvolle Diskussion wird im Rahmen der Herbsttagung "Ethik technischen Handelns - Praktische Relevanz und Legitimation" der Europäischen Akademie am 20. und 21. Oktober 1997 (siehe Veranstaltungskalender des ITAS) in einem engeren Kreis von Fachleuten aus den beiden Communities anwendungsnah fortgesetzt werden.

In der Tagung hat sich insbesondere gezeigt, daß konzeptionelle Fragen - theoretischer wie praktischer Art - im gesellschaftlichen Umgang mit Technikfolgen nach wie vor lebhaft und kontrovers diskutiert werden. Lerneffekte dieser Diskussionen schlagen sich in differenzierteren und wohl auch bescheideneren Erwartungen an TA nieder. Gleichwohl zeigt die nun über 30 Jahre andauernde Diskussion im Umkreis der Fragestellungen der TA, daß Technikfolgenbeurteilung zu einem wesentlichen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Medium geworden ist, den Umgang mit Technikfolgen zu reflektieren - agierend und reagierend in den sich wandelnden politischen und kulturellen Kontexten. In einem gegenwärtig vor allem von ökonomischen Zwängen geprägten Umfeld stellen sich besondere Anforderungen an diese kritisch-reflexive Aufgabenstellung, die die Diskussionen in den nächsten Jahren maßgeblich prägen dürften.

Kontakt

Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH
Dr. Stephan Saupe
Postfach 1460
D-53459 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel.: + 49 (0) 2641/7543-04
Fax: + 49 (0) 2641/7543-20
E-mail: stephan.saupe@dlr.de


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Technikfolgenabschätzung und Ethik.
Ein Workshop zu den Aspekten verantwortlicher Technikgestaltung

von Barbara Skorupinski

Am 25.4.1997 wurde vom Institut für Sozialethik der Universität Zürich ein Workshop zum Thema "Technikfolgenabschätzung und Ethik - Gegensätzlichkeit oder Komplementarität" durchgeführt. Seit zwei Jahren gibt es dort ein Nationalfondsprojekt, in dem systematisch und interdisziplinär zu diesen Fragen geforscht wird. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts stand auch der Workshop, der vom Schweizerischen Nationalfonds und von der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften finanziell unterstützt wurde.

Der Vormittag war der theoretischen Reflexion gewidmet. Günter Ropohl, Technikethiker aus Frankfurt, betonte die Wichtigkeit von verantwortungsvoller Technikgestaltung. Diese sei weder allein Sache der individuell Handelnden in den Institutionen Universität und Industrie, noch durch staatliche Institutionen für Technikfolgenabschätzung zu leisten. Es bestehe sowohl ein Defizit der individualistischen Ingenieursethik, als auch der herkömmlichen TA. In einer eindrucksvollen Präsentation von kybernetischen Regelkreisen und deren Wechselwirkungen erwuchs vor den Augen der Teilnehmer das Bild einer konzertierten Technikbewertung, die letztlich zur gemeinsamen Aufgabe von Individuen, Korporationen und Gesellschaft in einem vielfach rückgekoppelten Prozeß wird.

Fritz Gloede, Sozialwissenschaftler am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am Forschungszentrum Karlsruhe, konnte angesichts 15jähriger Erfahrung sowohl theoretische als auch praktische Probleme ins Zentrum seiner Ausführungen stellen. Gründlich und differenziert leuchtete er das komplexe Spannungsfeld zwischen Technikfolgenabschätzung und Politik aus und wies auf Dilemmata und verdeckte Konflikte hin, insbesondere auf den Konflikt um die häufig postulierte, aber letztlich nicht einhaltbare Wertfreiheit im Rahmen der Technikfolgenabschätzung. Deutlich begrüßte er die Ergänzung von expertengestützter TA um diskursive Verfahren wie Bürgerforen oder Konsensuskonferenzen, warnte aber zugleich vor überschießenden politischen Erwartungen an partizipative TA. Die Aufgabe der Ethik sieht er darin, wichtige argumentative Beiträge zu liefern, keineswegs jedoch als die einer übergeordneten Institution, die gute Argumente von schlechten zu unterscheiden berufen sei.

Mit dem Vortrag von Barbara Haering Binder, der Generalsekretärin der SP Schweiz, zugleich Mitglied im Leitungsausschuß TA beim Schweizerischen Wissenschaftsrat, wurde am Nachmittag der Blick auf die praktischen Aspekte des Themas gelenkt. Auch ihre aus der Sicht einer Politikerin entworfene Skizze des Verhältnisses von Technikfolgenabschätzung und Politik kennzeichnete dieses Verhältnis als problematisch und weitgehend ungeklärt. TA sollte nicht mißverstanden werden als Möglichkeit Verantwortung für politische Entscheide abzuwälzen. Haering Binder betonte den besonderen Beitrag von TA vor allem dazu, das Bewußtsein für die gesellschaftliche Relevanz wissenschaftlicher und technologischer Erkenntnis zu erhöhen und breite Bevölkerungskreise in politische Entscheide einzubeziehen. Dies führte sie zu vier politischen Forderungen nach erstens der Professionalisierung von TA im Sinne eines "Quantensprungs" - gemeint war die Intensivierung der Anstrengungen zu einer Institutionalisierung von TA auf einem materiell völlig neuen Niveau -, zweitens der vermehrten Selbstreflexion von TA, drittens der Verstärkung des Aspekts des öffentlichen Dialogs und viertens nach der Überprüfung des Verhältnisses von TA-Institutionen zur Politik.

An den Aspekt des öffentlichen Dialogs knüpfte der Vortrag von Thomas von Schell, Mitarbeiter an der Akademie für Technikfolgenabschätzung Stuttgart, an. Er stellte Bürgerforen als ein Instrument partizipativer TA in der Debatte um die Anwendungen der Gentechnik vor. Deren Stärke sieht er darin, daß hier Laien zu kompetenten Diskussionsteilnehmern werden und Voten und Entscheidungen erarbeiten, die eben nicht, wie Interessenvertreter bzw. Mandatsträger ihre bereits festgefahrenen Positionen nicht mehr verlassen wollen oder können. Ganz im Gegensatz zu einer oftmals unterstellten Irrationalität und Emotionalität der nicht wissenschaftlich vorgebildeten Bevölkerung sind die Ergebnisse der Bürgerforen, die sogenannten Bürgergutachten, differenzierte Beurteilungen, die begründete Handlungsempfehlungen und Vorschläge für gesetzliche Regulierungen für die fragliche Technik bieten. Wichtig sei nun noch deren Rezeption durch die Politik und Umsetzung in politisches Handeln.

Viel Zeit war auf diesem Workshop der gemeinsamen Diskussion gewidmet. Neben Nachfrage und Kommentierung der Referate waren die lebhaften Diskussionen geprägt vom gemeinsamen Bemühen um konstruktive Vorschläge für den "TA-Standort Schweiz". Insbesondere die abschließende Podiumsdiskussion, in der die Themen "TA und Gentechnologie" und "Partizipation" noch einmal mit den Referenten, der Referentin und den Teilnehmenden vertieft behandelt wurden, kamen einschlägige Ideen, Vorschläge und Einschätzungen zur Sprache. Deren Verwirklichung verlangt "nur noch" nach der entsprechenden Ausstattung.

Fazit: Ein weiterer Faden im entstehenden TA-Netzwerk der Schweiz mit einer Vielzahl von möglichen Anknüpfungspunkten.

Kontakt

Frau Dr. Barbara Skorupinski
Ethik-Zentrum der Universität Zürich
Institut für Sozialethik
Zollikerstraße 117
CH-8008 Zürich


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Symposium: Fünf Jahre nach dem Erdgipfel. Umwelt- und Entwicklungspolitik auf dem Weg ins nächste Jahrtausend

Tagungsbericht von Bettina-Johanna Krings, ITAS

Fünf Jahre nach der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro findet vom 23. - 27. Juni 1997 eine Sondertagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York statt, die eine Bestandsaufnahme und erste Bewertung der Umsetzung der Agenda 21 vornimmt. Anläßlich dieser Sondertagung hat das Forum Umwelt & Entwicklung deutscher Nichtregierungsorganisationen (NRO's) am 9. und 10. Juni 1997 in Bad Godesberg ein Symposium durchgeführt, welches ebenfalls die Frage beleuchtet, wie weit der Rio-Prozeß in der gesellschaftlichen Diskussion Deutschlands in den letzten fünf Jahren vorangeschritten ist und inwieweit das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung von der Bundesregierung verwirklicht und in die verschiedenen Politikfelder eingebettet wird. Das Forum Umwelt & Entwicklung wurde ein halbes Jahr nach Rio gegründet und umfaßt 35 Verbände wie beispielsweise AgrarBündnis, Brot für die Welt, Deutscher Naturschutzring, Deutsche Welthungerhilfe, Deutscher Volkshochschulverband, Germanwatch, Stiftung Entwicklung und Frieden etc., um nur einige wenige zu nennen. Das Forum hat sich mit der Zielsetzung gebildet, den Rio-Prozeß in Deutschland kritisch zu begleiten und gemeinsame Standpunkte und Strategien zu unterschiedlichen Themen auszuarbeiten. Mit dem Symposium wollte das Forum eine Gelegenheit anbieten, eine erste Bestandsaufnahme über Fortschritte und Defizite deutscher Umwelt- und Entwicklungspolitik seit Rio zu reflektieren und zu formulieren.

Eine Bewertung impliziert immer auch den Einbezug der Perspektiven und der Zielsetzungen, aus denen bewertet wird. Dies wurde auf dem Symposium erneut sehr deutlich. Während die Politiker aus den einschlägigen Ministerien und Behörden (BMZ, BMU, Auswärtiges Amt etc.) auf eine Reihe von Erfolgen sowohl in der Umwelt- als auch in der Entwicklungspolitik in den letzten Jahren verwiesen, wurden diese zwar von den verschiedensten NRO's zwar anerkannt, jedoch nur als kleiner Tropfen auf dem heißen Stein bewertet, betrachtet man die inhaltlichen Vorgaben des Modells einer zukunftsfähigen Entwicklung.

Insgesamt, und hier waren sich die Vertreter und Vertreterinnen aus den unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessensgruppen einig, hat die Rio-Konferenz das Bewußtsein für die schwierige Balance zwischen Umweltschutz und Nachhaltigkeit, bzw. zwischen Entwicklung und Nachhaltigkeit in besonderem Maße geschärft und inhaltlich zusammengeführt. Als politische Stoßkraft hat sie in folgenden Bereichen kreativ eingewirkt:

Schwere Vorwürfe wurden hingegen gegen das schwache politische Konzept nachhaltiger Entwicklung der Bundesregierung erhoben. Hier wurden insbesondere im Bereich staatlicher Steuerung folgende Defizite genannt:

Nach Rio haben zwei Drittel aller Industriestaaten und mindestens 60 weitere Länder Nachhaltigkeitsstrategien formuliert oder Umweltpläne entworfen und politisch umgesetzt. Gemessen an der Vorreiterrolle, die die Bundesrepublik im internationalen Umweltbereich besonders im Vorfeld und während der Rio-Verhandlungen genoß, fällt nun, fünf Jahre später, eine erste Bilanz bei den Nichtregierungsorganisationen nicht sehr gut aus.

Sowohl der deutschen Umwelt- als auch der Entwicklungspolitik wurde vorgeworfen, daß sie sich nach wie vor stark konfliktvermeidend und defensiv verhält. Das heißt mit anderen Worten gesellschaftlich-wissenschaftliche Suchprozesse nach alternativen Modellen zur Wachstumsspirale werden kaum wahrgenommen und in Bewegung gesetzt. Gestaltungskonzepte sparen Fragen nach Interessen und Macht aus, Wachstumskritik und Konzepte für eine gerechtere Verteilung gelten als nebensächlich.

Die globalen sozialen und ökologischen Probleme haben sich seit Rio weiterhin verschärft. National und international besteht ein großer Handlungsbedarf, will man dem Anspruch der Gestaltung einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung gerecht werden. Die Vernetzung von sozialen und ökologischen Fragestellungen hat Problemkomplexe eröffnet, die Chancen und Möglichkeiten für neue Such- und Gestaltungsprozesse gesellschaftlicher Entwicklungen eröffnen. Die Nichtregierungsorganisationen leisten, wie die Veröffentlichung der Studie 'Zukunftsfähiges Deutschland' von Misereor und dem BUND gezeigt hat, einen wichtigen Beitrag in der gesellschaftlichen Diskussion um Nachhaltigkeit. Neben vielen Forderungen wie z.B. der Erstellung eines nationalen Umweltplans für Deutschland, der Einführung einer Öko-Steuer, der Integration zentraler politischer Ressorts (Wirtschaft, Arbeit) in den gesellschaftlichen Prozeß betonen die NRO's in besonderem Maße die Koordination und Verknüpfung der nationalen und der internationalen Ebene. Um die internationale Vorreiterfunktion Deutschlands wiederherzustellen, müssen jedoch zunächst innenpolitisch die Weichen in Richtung nachhaltiger Entwicklung gestellt werden. Hierzu bedarf es noch verstärkt der öffentlichen Diskussion und der politischen Arbeit.

Der Rio-Prozeß hat die Arbeit der deutschen NRO's in erheblichem Maße befruchtet. Davon zeugt schon das Forum Umwelt und Entwicklung, wo die beiden Themen zusammengeführt werden. Besonders auf der internationalen Ebene und im Dialog mit anderen gesellschaftlichen Gruppen wie Verbraucher-, Industrieverbänden und Gewerkschaften soll der Austausch und die Zusammenarbeit intensiviert werden. 'Empowerment' und 'Capacity Buildung' als wichtigste Instrumente der NRO's wurden in diesem Sinne immer wieder formuliert.

In Rio wurde innerhalb der Staatengemeinschaft vereinbart, daß Umweltschutz und eine an den menschlichen Grundbedürfnissen orientierte nachhaltige, das beinhaltet auch eine für nachfolgende Generationen bewahrende Entwicklung als Querschnittsaufgabe aller Politikfelder betrachtet werden soll. Die NRO's als unabhängige gesellschaftliche Gruppe spielen in diesem Prozeß sicherlich eine wichtige Aufgabe, damit dieses Leitbild in seiner Gestaltungsfunktion weitreichend wahrgenommen wird. Dies wurde im Rahmen des Symposiums in eindrücklicher Weise deutlich.


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Workshop "Chancen und Risiken des Anbaus und der Nutzung nachwachsender Rohstoffe"

Tagungsbericht

Am 18. Oktober 1996 wurde von der Kommission Technikfolgen der Ingenieur- und Wirtschaftsakademie "Johann Beckmann" e.V. in Zusammenarbeit mit der OstWestWirtschaftsakademie und mit Unterstützung des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Forschungszentrums Karlsruhe in Berlin der Workshop "Chancen und Risiken des Anbaus und der Nutzung nachwachsender Rohstoffe" veranstaltet.

Mit diesem Workshop wurde ein Thema aufgegriffen, das für den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise in Deutschland von Bedeutung ist. Es wurde dargestellt, daß es durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe möglich ist, den Verbrauch der nichterneuerbaren Ressourcen zu vermindern und einen Beitrag zum Schutz der Ökosphäre zu leisten.

Im Mittelpunkt des unter Teilnahme kompetenter Fachleute aus Forschung und Lehre, Wirtschaft und Landwirtschaft geführten konstruktiven Fachdialogs standen verschiedene systemanalytische Fragestellungen, die auf die Analyse und Bewertung der Chancen und Risiken des Anbaus und der Verwendung nachwachsender Rohstoffe zielten. Aspekte waren hierbei beispielsweise:

Im Verlauf des Workshops wurde der Eindruck vermittelt, daß Deutschland beim Anbau und bei der Nutzung nachwachsender Rohstoffe erst am Anfang der Entwicklung steht. Weitere Fortschritte erfordern sowohl mehr Kreativität, zukunftsbewußtes Denken als auch ein ökologisch orientiertes betriebswirtschaftliches Handeln. In diesem Zusammenhang wurde auf eine Reihe von Problemen und Risiken aufmerksam gemacht, die einer breiteren stofflichen sowie energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe noch entgegenstehen. Das Haupthemmnis ist hierbei vor allem die nicht ausreichende Wirtschaftlichkeit der Verwendung nachwachsender Rohstoffe. Um die mittelfristige Bedeutung zu verstärken, müßte die Förderung des Anbaus und der Verwendung nachwachsender Rohstoffe intensiviert werden; dies trifft in besonderem Maße auch auf die Förderung der Forschung zu.

Zur intensiveren Nutzung der sich durch die nachwachsenden Rohstoffe ergebenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Chancen wird deshalb die Kommission Technikfolgen der Beckmann Akademie den begonnenen Erfahrungsaustausch fortsetzen, vorhandene Kooperationsbeziehungen ausbauen, fundierte Vorschläge unterbreiten sowie entsprechende Verbundprojekte initiieren. Gemeinsam mit der OstWestWirtschaftsAkademie wird sie sich auch um die Einbeziehung der Workshop-Ergebnisse in den Technologietransfer zur Unterstützung des Strukturwandels in den osteuropäischen Ländern bemühen.

Eine 177 Seiten umfassende Dokumentation des Workshops liegt jetzt vor. Sie umfaßt die Beiträge aus dem Plenum sowie die Referate zu den zwei Arbeitskreisen "Energetische Rohstoffe" und "Stoffliche Nutzung". Die Dokumentation kann gegen eine Schutzgebühr von DM 20,-- zzgl. Versandkosten bezogen werden über:

Ingenieur- und Wirtschaftsakademie
"Johann Beckmann" e.V.
Geschäftsbereich Berlin/Brandenburg
Kommission Technikgestaltung und Bewertung
c/o WITEGA-Forschung GmbH
Gebäude 2.3, Rudower Chaussee 5
D-12489 Berlin
Tel./Fax: + 49 (0) 30/63922193


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- BÜCHER KURZ VORGESTELLT -

Max Kerner (Hrsg.):
Aufstand der Laien. Expertentum und Demokratie in der technisierten Welt

Thomas Petermann, Martin Socher, Christine Wennrich:
Präventive Rüstungskontrolle bei Neuen Technologien. Utopie oder Notwendigkeit?

Friedrich Schmidt-Bleek mit Thomas Merten und Ursula Tischner (Hrsg.)
Öko-intelligentes Produzieren und Konsumieren.

Weert Canzler:
Das Zauberlehrling-Syndrom. Entstehung und Stabilität des Automobil-Leitbildes.

Axel Michaelowa:
Internationale Kompensationsmöglichkeiten zur CO2-Reduktion.
Steuerliche Anreize und ordnungsrechtliche Maßnahmen.

Mathis Wackernagel, William Rees:
Unser ökologischer Fußabdruck. Wie der Mensch Einfluß auf die Umwelt nimmt.

Hans-Joachim Koch/Johannes Caspar (Hrsg.):
Klimaschutz im Recht.

Umweltbundesamt (Hrsg.):
Auswertung der Waldschadensforschungsergebnisse (1982 - 1992) zur Aufklärung komplexer Ursache-Wirkungsprinzipien mit Hilfe systemanalytischer Methoden.

Klaus Zwerger:
Das Holz und seine Verbindungen. Traditionelle Bautechniken in Europa und Japan.

Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg:
Innovationen in Baden-Württemberg. Diskussionsbeiträge

UNEP/IE (eds.):
A promising approach to sustainable production and consumption

United Nations Environment Programme (UNEP) (ed.):
UNEP Survey of Information Systems Related to Environmentally Sound Technologies.
Contribution to the 1997 Session of the Commission on Sustainable Development


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MAX KERNER (Hrsg.): Aufstand der Laien. Expertentum und Demokratie in der technisierten Welt.
Aachen: Thouet-Verlag, 1996. ISBN 3-930594-14-5

"Aufstand der Laien. Expertentum und Demokratie in der technisierten Welt" - unter diesem Titel liegen jetzt die Beiträge des Kolloquiums "Expertenkultur und Demokratie" vor, das vom Forum Technik und Gesellschaft zusammen mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut (Essen) 1995 veranstaltet wurde. Ausgangspunkt der vorgelegten Analysen ist die folgende Diagnose: In der modernen Industrie- und Informationsgesellschaft sind auf der einen Seite alle Bürger in wachsendem Maße auf die Kenntnisse und Leistungen der Experten für technische Systeme in allen Größenordnungen angewiesen. Auf der anderen Seite schwindet das Vertrauen der politischen Öffentlichkeit in die Experten. Das ist umso problematischer, als die politische Legitimationsbasis auch für den technischen Fortschritt in demokratischer Manier traditionell über die Zustimmung der Bürger gesichert wird.

Wie gestaltet sich in dieser Situation das Verhältnis von Experten, demokratischer Öffentlichkeit und betroffenen Bürgern? Welche Ursachen hat die Akzeptanzkrise neuer Technologien? Welche Auswirkungen ergeben sich für Konzepte einer angemessenen Demokratietheorie und die Möglichkeiten zur Einbindung der Technik-Diskussion in den politischen Prozeß? Unter diesen Leitfragen beziehen die Autoren aus dem Blickwinkel verschiedener Fachrichtungen Stellung zur Unvermeidbarkeit von Technikkontroversen, zum Problem der Transparenz von Expertenwissen, zur Reform der Politikformen, zur Rolle der Massenmedien und zu Grundfragen der Demokratietheorie. Darüber hinaus wird anhand kontroverser Beiträge zu zwei Anwendungsfeldern (Technikfolgenabschätzung, Bioethik-Konvention des Europarates) versucht, die Brücke in die Praxis zu schlagen. Eingerahmt wird der Band von einem Vorwort und einem Ausblick des Herausgebers, Universitäts-Professor Dr. phil. Max Kerner, der abschließend festhält, daß "die Spannung zwischen Laien und Experten nicht hintergehbar sein dürfte".

Der Band ist im Buchhandel und über die Geschäftsstelle des Forums Technik und Gesellschaft (Kármánstraße 11, 52062 Aachen) zu beziehen.

Kontakt

Marcus Beiner M.A.
Die Interdisziplinären Foren
der RWTH Aachen
c/o Büro Technologietransfer
und Wissenschaftliche Weiterbildung
Templergraben 55
52056 Aachen
Tel.: + 49 (0) 241/80-4661
Fax: + 49 (0) 241/8888-122
E-mail: Foren@zhv.rwth-aachen.de


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Thomas Petermann, Martin Socher, Christine Wennrich:
Präventive Rüstungskontrolle bei Neuen Technologien. Utopie oder Notwendigkeit?
Berlin: Edition Sigma, 1997. (Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag; 3) ISBN 3-89404-812-3

Die Generierung immer neuer wehrtechnischer Systeme, die Perspektive einer Automatisierung und Digitalisierung des Schlachtfelds, die kommunikationstechnische Vernetzung aller Truppenteile und ihre Ausstattung mit High-Tech-Waffen schreiten weltweit voran. Eine präventive Einhegung der globalen rüstungstechnischen Dynamik könnte sich schon bald als eine elementare Aufgabe für Rüstungskontrolle erweisen. Ein teures, Mißtrauen erzeugendes qualitatives Wettrüsten ließe sich vermeiden, wenn die Politik neuen technologischen Entwicklungen einen vergleichbaren Stellenwert einräumte wie bisher Waffen und Gerät, und wenn das Prinzip der Nachsorge durch das der Vorsorge ergänzt würde.

Aufbauend auf einem historischen Rückblick auf bisherige Rüstungskontrollbemühungen werden in diesem Buch Grundelemente eines Konzepts vorbeugender Rüstungskontrolle entwickelt und begründet. Die Schwierigkeiten einer vorausschauenden Analyse und Bewertung technologischer Entwicklungen im Kontext von Politik, Strategie und Ökonomie werden ebenso thematisiert wie die Umsetzungsprobleme politischen Handelns. Abschließend stellen die Autoren Handlungsoptionen für die Politik - insbesondere für den Deutschen Bundestag - vor. Der Bericht versteht sich insgesamt als Beitrag zur Etablierung eines neuen Leitbilds für die Rüstungskontrolle und als Plädoyer für politische Initiativen.
(Klappentext)


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Friedrich Schmidt-Bleek mit Thomas Merten und Ursula Tischner (Hrsg.):
Öko-intelligentes Produzieren und Konsumieren.
Ein Workshop im Rahmen des Verbundprojektes Technologiebedarf im 21. Jahrhundert
des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen.
Basel u.a.: Birkhäuser Verlag, 1997. (Wuppertal Texte) ISBN 3-7643-5667-7

Die heutige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung kann angesichts ihres enormen Material-, Energie- und Flächenverbrauchs nicht als "nachhaltig" oder "zukunftsfähig" bezeichnet werden. Bei der Verwirklichung einer zukunftsfähigen Gesellschaft spielt eine Dematerialisierung der westlichen Wirtschaften um den Faktor 10 eine entscheidende Rolle. Diese Dematerialisierung geht mit einer drastischen Steigerung der Ressourcenproduktivität einher: Aus einem Zehntel der bisher benötigten Menge an Rohstoffen und Energie muß gleicher oder besserer Nutzen gezogen werden.

Die Dematerialisierung von Gütern und Dienstleistungen bleibt aber ungenügend, wenn sie nicht mit veränderten Konsummustern und einer Revision des Gebrauchs einhergeht. Nutzen statt Besitzen, Gemeinsam-Nutzen, Nachfrage von Leasing- und Sharing-Optionen und langlebigen ressourcenproduktiven Gütern sind Beispiele für öko-intelligente Konsumweisen.

Der vorliegende WUPPERTAL TEXT dokumentiert die Ergebnisse eines Workshops über "Öko-intelligentes Produzieren und Konsumieren". Zu dieser Veranstaltung des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen haben sich mehr als 50 Personen unterschiedlichster Professionen zusammengefunden, um über Wege zu einem nachhaltigen Produktions- und Konsumstil zu diskutieren.
(Klappentext)


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Weert Canzler:
Das Zauberlehrling-Syndrom. Entstehung und Stabilität des Automobil-Leitbildes.
Berlin: Edition Sigma, 1996. (Hrsg. vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) 365 S. ISBN 3-89404-162-5

Hinzuweisen ist auf ein Buch, das sich mit einem sehr aktuellen und (fast) jedermann betreffenden Thema befaßt: dem Automobil. Trotz der offensichtlichen Belastung des "automobilen Konsenses" in der Gesellschaft durch negative Umweltauswirkungen, Ölkrise und soziale Kosten der Massenmotorisierung, die zweifellos zu einer differenzierteren Einschätzung des Autos beigetragen haben, erweist sich das Automobil-Leitbild dennoch als äußerst stabil.

Thema des Bandes ist die erkennbar vorhandene Ambivalenz dem Automobil gegenüber, die von großer Attraktivität auf der einen Seite und - insbesondere ökologischer - Gefährlichkeit auf der anderen Seite gekennzeichnet ist. Die zentrale erkenntnisleitende Frage des Autors lautet: "Auf welche Weise 'konstruieren' und reproduzieren die Hersteller, die Nutzer und insbesondere der rahmensetzende Staat die mobilitätspolitische Dominanz des Automobils?" Vor dem Hintergrund des Leitbildkonzeptes in der sozialwissenschaftlichen Technikforschung werden wirtschaftliche, gesellschaftliche, historische, technische, ökologische, psychologische Fakten und Faktoren geordnet und interpretiert.

Der Erfolg des Autos und seine technische Optimierung, so der Autor, ist nicht nur ein Thema der Technikgeschichte, sondern auch eine Herausforderung für die sozialwissenschaftliche Forschung. Mit seiner Arbeit will er den Versuch machen, die "erklärungsbedürftige Stabilität" des Produktes Automobil, das nunmehr seit über hundert Jahren einen Triumpfzug rund um die Welt feiert, zu analysieren.

Wie in einer Fußnote angegeben, ist die Studie entstanden im Kontext der vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) bzw. vom späteren Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekte "Technikgenese in organisatorischen Kontexten" (1991 - 1995) sowie "Leitbildforschung am Automobil: Auflösungserscheinungen, Beharrungstendenzen" und "Personale Mobilität und Verkehrsprobleme im internationalen Vergleich: Bestimmung und Bewertung mobilitätspolitischer Kenndaten in Deutschland, Japan und USA" (seit Ende 1995) am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Abt. Organisation und Technikgenese unter der Leitung von Professor Dr. Meinolf Dierkes. Der Leser hat den Eindruck, daß in das vorliegende Buch, das 1996 als Dissertation an der TU Berlin eingereicht wurde, die ganze Fülle des im Rahmen dieser Projekte gesammelten Fakten und gewonnenen Erkenntnisse eingegangen ist. Das Buch ist in jeder Hinsicht spannend zu lesen. In der Herbst-Nummer der TA-Datenbank-Nachrichten wird eine ausführliche Rezension erscheinen.
(I.v.B.)


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Axel Michaelowa:
Internationale Kompensationsmöglichkeiten zur CO2-Reduktion.
Steuerliche Anreize und ordnungsrechtliche Maßnahmen.
Hamburg: Nomos Verlagsgesellschaft, 1997.
(Veröffentlichungen des HWWA-Instituts für Wirtschaftsforschung - Hamburg, Bd. 33)
248 S., brosch., 60,-- DM. ISBN 3-7890-4732-5

Die vom Menschen verursachte Klimaveränderung ist ein Problem von enormer Tragweite. Ein vielversprechendes klimapolitisches Instrument, die internationale Kompensation von Treibhausgasemissionen ("Joint Implementation"), ist Gegenstand dieser Studie. Sie bietet erstmals ein umfassendes Bild des Potentials der "Joint Implementation" und der Hindernisse, die ihrer Nutzung entgegenstehen. Mit ihren handlungsorientierten Empfehlungen richtet sie sich gleichermaßen an Umweltökonomen, Klimapolitiker aus Ministerien und Nichtregierungsorganisationen und die klimapolitisch interessierte Öffentlichkeit.

Der Autor, der aktiv an den Klimaverhandlungen der letzten Jahre teilgenommen hat, arbeitet klar heraus, daß Kompensation nur in Verbindung mit konkreten Anreizen wie einer Emissionssteuer oder einem System handelbarer Emissionsrechte funktionieren kann. Der Anhang enthält relevante internationale Beschlüsse sowie Kriterienkataloge und Rahmenverträge, ermöglicht dem Praktiker also einen schnellen Zugriff auf die Dokumente. Eine umfangreiche Bibliographie weist die meist "graue" Literatur zur Kompensation fast vollständig nach.
(Verlagsankündigung)


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Mathis Wackernagel, William Rees:
Unser ökologischer Fußabdruck.
Wie der Mensch Einfluß auf die Umwelt nimmt.
Basel u.a.: Birkhäuser Verlag, 1997. ISBN 3-7643-5660-X

Wenn wir unser Konsumverhalten in Fläche umrechnen, dann verbraucht ein Europäer im Durchschnitt drei Hektar Land; also mehr als drei Fußballfelder. Japaner brauchen ca. 50 Prozent weniger, wobei Amerikaner und Kanadier mehr als fünf Hektar in Anspruch nehmen. Statistisch gesehen, stehen aber jedem von uns nur ungefähr 1,5 Hektar Land zur Verfügung, die wir darüber hinaus mit den 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten teilen müssen.

Daß der Mensch zu viel Land für sich beansprucht, ist also offensichtlich.

Was können wir tun, um unseren Einfluß auf die Natur, die Autoren sprechen vom ökologischen Fußabdruck, zu verringern? Mathis Wackernagel und William Rees führen drei sich ergänzende Ansätze zu einem neuartigen Konzept zusammen:

Dieses Konzept des ökologischen Fußabdrucks bietet eine praktische und leicht nachvollziehbare Möglichkeit zur Berechnung von Nachhaltigkeit. Es ist ein Wegweiser, wie auf globaler, nationaler und regionaler Ebene der Naturverbrauch des Menschen mit der ökologischen Tragfähigkeit der Erde in Einklang gebracht werden kann.
(Klappentext)

Eine Rezension des Buches in den TA-Datenbank-Nachrichten ist vorgesehen.


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Hans-Joachim Koch/Johannes Caspar (Hrsg.):
Klimaschutz im Recht.
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 1997. (Forum Umweltrecht; Bd. 20) 400 S., brosch. DM 88,--. ISBN 3-7890-4716-3

Die drohende Erwärmung der Erdatmosphäre - verbunden mit möglicherweise katastrophalen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Menschheit - kann nur in gemeinsamen Anstrengungen der Völkergemeinschaft in Grenzen gehalten werden.

Dieser Band gibt Auskunft über die naturwissenschaftlichen Prognosen, die Handlungskonzepte der Völkergemeinschaft (Rio), der EG, der Bundesregierung, der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" und der kommunalen Ebene. Darüber hinhaus werden die konkreten rechtlichen Maßnahmen, die Deutschland in den verschiedenen Handlungsfeldern (Wärmeverbrauch in den Gebäuden, Energieverbrauch der Industrie, Kreislaufwirtschaft, Emissionen des Personen- und Güterverkehrs sowie des Luftverkehrs) ergreift, auf ihre mögliche CO2-Minderungsleistung hin überprüft. Die insgesamt eher skeptische Sicht führt zu einem Modellvorschlag für eine CO2-Abgabe. Verfassungsrechtliche Erwägungen über die in Art. 20 a GG normierte Verantwortung für die Sicherung der natürlichen Lebensbedingungen künftiger Generationen beschließen den Band.
(Klappentext)


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Umweltbundesamt (Hrsg.):
Auswertung der Waldschadensforschungsergebnisse (1982 - 1992) zur Aufklärung komplexer Ursache-Wirkungsprinzipien mit Hilfe systemanalytischer Methoden.
Berlin u.a.: Erich Schmidt Verlag, 1997 (Reihe: Umweltbundesamt Berichte; Bd. 6/97) 693 S., kartoniert, DM 186,--. ISBN 3-503-04090-4

Zur Klärung des Waldsterbens haben Bund, Länder und diverse Forschungseinrichtungen seit 1982 insgesamt mehr als 850 Forschungsvorhaben mit einem Finanzvolumen von ca. 465 Mio. DM gefördert.

Angesichts der Fülle der Ergebnisberichte aus der über zehnjährigen Waldschadensforschung stellte sich nahezu zwangsläufig die Aufgabe einer Auswertung und Synthese der zahllosen Einzelergebnisse. Vergleichbare Initiativen hatte es schon früher gegeben. Sie hatten aber andere Zielrichtungen.

Das Neue an dem vorliegenden Auswertevorhaben ist der umfassende (alle relevanten Projekte berücksichtigende) und systemanalytische Ansatz. Da die Durchführung des Auswertevorhabens in wiederholter Rückkopplung zu den wichtigsten Fachwissenschaftlern erfolgte, zuletzt im Rahmen einer zweitägigen Reviewkonferenz, werden die Ergebnisse des Abschlußberichtes in einzigartiger Weise von der gesamten Fachwissenschaft getragen. Das hiermit vorgelegte Werk repräsentiert damit den fachlichen Erkenntnisstand in Deutschland zu diesem Thema.
(Presseankündigung)


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Klaus Zwerger:
Das Holz und seine Verbindungen.
Traditionelle Bautechniken in Europa und Japan.
Basel u.a.: Birkhäuser Verlag, 1997. ISBN 3-7643-5482-8

Das Bauen mit Holz als einem gestalterisch eigenständigen und ökologisch sinnvollen Werkstoff hat eine lange Tradition. In zwei Jahrtausenden entstandene Holzarchitektur vermittelt der heutigen Zeit das vielfältige Wissen westlicher und östlicher Kulturen über den schöpferischen Umgang mit diesem unverwechselbaren Material.

Bei der typischen Technik des Bauens mit Holz, der reinen Holzverbindung, werden die Elemente ohne materialfremde Hilfe, ohne Leim oder Metall, nur durch das gekonnt entworfene Ineinander der hölzernen Teile verbunden. Zur höchsten Blüte gelangte die Kunst der Holzverbindung in Japan, aber auch in europäischen Ländern haben sich einflußreiche Formen entwickelt. Deshalb wird hier die Geschichte der Holzarchitektur in ihren technischen, ästhetischen und ökologischen Dimensionen detailgenau anhand von vielen hundert Beispielen aus Japan und achtzehn europäischen Ländern beschrieben.

Die Schönheit der Holzbauten und ihrer Details vermittelt sich in brillanten Schwarzweißaufnahmen. In anschaulichen dreidimensionalen Zeichnungen offenbart sich das geheime Innenleben der Holzverbindungen.

Aus einem ganzheitlichen Verständnis wird ein Bild des Bauens mit Holz entworfen, das Fachleute informiert, Baupraktikern eine heute fast verlorene Welt neu erschließt und Laien ganz einfach zu faszinieren vermag.
(Klappentext)

Eine ausführliche Würdigung dieses wunderschön gestalteten Bandes wird in einer der nächsten Ausgaben der TA-Datenbank-Nachrichten erscheinen.


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Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg:
Innovationen in Baden-Württemberg. Diskussionsbeiträge. ISBN 3-7890-4621-3

Bis Anfang der 90er Jahre war Baden-Württemberg eine der weltweit erfolgreichsten Wirtschaftsregionen. Nun steht das Land vor neuen Herausforderungen; es muß sich in einem weltweiten Innovationswettbewerb behaupten. Damit setzen sich Mitglieder der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg in diesem Band auseinander. In ihren Beiträgen beschreiben sie zum einen Innovationsaktivitäten in wichtigen Technologiefeldern (Gentechnik, Multimedia, Werkstoffe, Verkehr, Energie, Ökologie). Sie gehen zum anderen darauf ein, unter welchen Rahmenbedingungen neue Techniken entstehen und umgesetzt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der engen Beziehung von sozialen und technischen Innovationen. Dies wird am Beispiel von Innovationsnetzwerken und diskursiven Planungsformen verdeutlicht.
(Klappentext)


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UNEP/IE (eds.):
Ecodesign: A promising approach to sustainable production and consumption.
Paris, 1997. ISBN 92-807-1631-X

Ecodesign: A Promising Approach to Sustainable Production and Consumption is the first manual to provide companies with a step-by-step approach to ecodesign. During product development, many opportunities exist to fully integrate environmental considerations into the design process. This can lead to: radical reductions in the numbers of parts and amounts of materials used; avoiding use of toxic materials; reducing energy consumption during use to a minimum; and planning for re-use, recyling or final disposal from the very earliest life-cycle stage. This process can even go further, with the product becoming a service when the manufacturer's responsability is extended to take-back for re-use or disposal. The Ecodesign manual was developed by Delft University of Technology, in commission of the Rathenau Institute, the Dutch Ministry of Environment, Housing and Physical Planning and UNEP (United Nations Environment Programme).

The manual adresses the issue of product development and offers a methodology to companies which want to make a start on ecodesign. The methodology can be used all over the globe, once adapted to regional circumstances. The modular structure of the manual allows a company to gain experience in the field of ecodesign, and then to tailor the initial step-by-step approach to produce an ecodesign programme suited to its own situation and needs. In this way, the company can internalize ecodesign in its product development function, and improve its existing product. The manual also gives many examples of companies - large and medium-sized - which have already made substantial progress with ecodesign.

The manual thus provides an introduction to ecodesign for all those active or interested in product development, in large as well as small companies, and in design consultancies. The primary audience is product managers, developers and designers, although many of the issues addressed are relevant to marketing managers, production planners and buyers as well. The manual also contains valuable information for students and teachers in industrial design engineering or, more specifically, ecodesign.

The manual can be obtained through:

SMI (Distribution Services) LimitedPO BOX 119 StevenageHertforshire SG1 4TP EnglandFax: 44 (1438) 748 844(FF 750/US$ 150.00)


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United Nations Environment Programme (UNEP) (ed.):
UNEP Survey of Information Systems Related to Environmentally Sound Technologies.
Contribution to the 1997 Session of the Commission on Sustainable Development, April 1997.
425 S. ISBN 92-807-1502-X

Die schnelle Weiterentwicklung der Informationstechnologien hat dazu geführt, daß eine große Menge technischen Wissens zu umweltentlastenden Verfahren zwar weltweit in Datenbanken zusammengefaßt ist, aber gerade den Entscheidungsträgern in Regierungen, Städten und Gemeinden sowie der Industrie nicht bekannt oder nicht zugänglich ist. Aus diesem Grund hat das United Nations Environmental Programme (UNEP) eine Erhebung zu Informationssystemen und Datenbanken durchgeführt, die Informationen zu umweltfreundlichen Technologien (environmentally sound technologies/EST) anbieten. Über diese Erhebung liegt jetzt ein ausführlicher Bericht vor, der auch als Beitrag der UNEP zur diesjährigen Sitzung der UN Commission on Sustainable Development eingebracht wurde.

Der Bericht soll den Zugang zum nötigen Wissen vermitteln, um Umweltbelastungen bei Luft- und Wasserverschmutzung und der Abfallverwertung mit technischen Lösungen zu verringern. Darüber hinaus soll der Stand der Kenntnisse über umweltfreundliche bzw. entlastende Produktionsprozesse auf solchen Gebieten wie Energieerzeugung und -nutzung, Land- und Bauwirtschaft verbreitet werden. Dies gilt insbesondere für den Technologietransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer.

Der Bericht besteht aus drei Teilen: Im ersten Teil wird ein Überblick über den Stand des weltweiten Angebots von Informationen zu umweltfreundlichen Technologien auf Basis der Ergebnisse der Erhebungen gegeben; er diskutiert die Nutzerbedürfnisse, kategorisiert und bewertet die insgesamt identifizierten 84 Informationssysteme unter bestimmten Aspekten, z.B. Zugangsmöglichkeiten, Kosten, Art des Angebots. Dieser Teil endet mit dem Vorschlag, ein weltweites Netzwerk der Anbieter von Informationen zu umweltfreundlichen Technologien zu etablieren.

In Teil 2 werden die in der Erhebung identifizierten 84 Datenbanken und 127 Institutionen, die sich mit EST befassen, mit einzelnen Datenblättern vorgestellt. Sie werden den Schwerpunkten: Globale Umwelt, Wasser, Luft, Energie, Lärm und Vibrationen, fester Abfall, Gefahrenstoffe, Bau- und Ingenieurswesen, Landnutzung und Landwirtschaft sowie saubere Produktionsverfahren zugeordnet.

Im dritten Teil werden einige spezielle Clearing-Houses für Technologien sowie ausgesuchte Datenbanken in Fallstudien ausführlicher dargestellt. Dieser Teil bietet einen hervorragenden Überblick über das Leistungsangebot und weitere Charakteristika der Anbieter von EST-Informationen.

Der Bericht wurde gemeinsam von den folgenden UNEP-Büros erstellt: Industry and Environment, Paris, France; International Environmental Technology Centre, Shiga Office/Osaka Office, Japan; INFOTERRA, Nairobi, Kenya.

Der Bericht steht im WWW-Server des UNEP in aufbereiteter Form zur interaktiven Nutzung online zur Verfügung:
URL: http://www.unep.or.jp/ietc/ESTdir/
Die gedruckte Version kostet 40.00 US$ und ist erhältlich über:

SMI (Distribution Services) Limited
PO BOX 119 Stevenage
Hertforshire SG1 4TP England
Fax: 44 (1438) 748 844


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Stand: 26.08.2011 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion