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Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und
Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN
Nr. 2, 6. Jahrgang - Juli 1997

TA-INSTITUTIONEN UND -PROGRAMME

Beschlüsse zu parlamentarischer TA in Finnland, Italien und Griechenland

Auch nach der Schließung des OTA hat Technikfolgenabschätzung als Instrument zur Stärkung der Rolle des Parlaments in Europa weiterhin Konjunktur. Die TA-Einrichtungen bei den Parlamenten in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und beim Europäischen Parlament können mittlerweile als fest etabliert gelten. Gegenwärtig gibt es weitere Initiativen in anderen Ländern Europas, deren Parlamente dabei sind, Technikfolgenabschätzung in die parlamentarischen Beratungen zu integrieren. Zu berichten ist aus Finnland, Italien und Griechenland, die auch eine Mitgliedschaft im EPTA-Netzwerk anstreben - eine Nord- wie auch eine Süderweiterung des Netzwerkes der europäischen parlamentarischen TA-Einrichtungen scheint also bevorzustehen.

TA in Finnland

Das finnische Parlament hat mit dem seit einem Jahr eingerichteten "Committee for the Future" und dem diesem unterstellten Unterausschuß für Technikfolgen-Abschätzung eine Struktur geschaffen, die den Beratungsbedarf des Parlaments in Fragen moderner Wissenschaft und Technik befriedigen soll. Der Hintergrund dieser Entscheidung ist vor allem in den zur Zeit in Finnland unternommenen Anstrengungen zur technischen "Modernisierung" des Landes zu sehen. Wie weit diese Modernisierung bereits fortgeschritten ist und welcher auch sozial-strukturelle Wandel damit verbunden ist, mag das Faktum verdeutlichen, daß innerhalb der letzten Jahre die finnische Industriestruktur sich weg von der traditionell dominierenden holzverarbeitenden Industrie entwickelt hat. Der dominierende Industriezweig in Finnland ist heute mit weitem Abstand die Informations- und Kommunikationstechnologie. Der Vorsitzende des Committee for the Future, Martti Tiuri, wie auch der Vorsitzende des Unterausschusses für Technikfolgen-Abschätzung, Markka Markula, betonen, daß sie ihre Arbeit als Teil des finnischen Modernisierungsprozesses sehen. Technological Forecasting und der sozialverträgliche Einstieg Finnlands in wirtschaftlich aussichtsreiche "high-tech"-Felder stehen zur Zeit im Vordergrund des Interesses der parlamentarischen TA-Beratungen - Finnland kämpft seit Jahren mit einer hohen Arbeitslosigkeitsrate von ca. 17 %.

Die Idee, ein Committee for the Future beim Parlament einzurichten, entstand im Zusammenhang mit der Aufforderung des Parlaments an die finnische Regierung, jährlich einen Bericht zur Zukunft der finnischen Gesellschaft vorzulegen. Im Laufe dieser mittlerweile im fünften Jahr stattfindenden Berichterstattung der finnischen Regierung wuchs das Interesse des Parlamentes, eigene Kompetenz zu wissenschaftlich-technischen Zukunftsthemen aufzubauen. Die Etablierung eines eigenen Ausschusses zu diesem Zweck traf zwar auf Vorbehalte anderer Ausschüsse gegenüber einem "overall committee". Letztlich kam es aber zu einem von dem breiten Bündnis der Mehrheitskoalition - der sog. "Regenbogenkoalition" aus Sozialdemokraten, Konservativen, Linken und Grünen - getragenen Einsetzungsbeschluß. Wichtig für die Durchsetzung eines Ausschusses, der die Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft beim Parlament moderiert und organisiert, scheint der Einfluß einer parlamentarischen Vereinigung von Abgeordneten und Wissenschaftlern gewesen zu sein, die schon seit langem informelle Seminare für Wissenschaftler und Abgeordnete organisiert. Insbesondere diese überfraktionelle Gruppe drängte auf eine institutionalisierte Form der Kommunikation von Wissenschaft und Politik beim Parlament. Die jetzt gefundene Form der Institutionalisierung wird von den Mitgliedern des Committee for the Future und des Unterausschusses für TA als erster Schritt in die richtige Richtung verstanden. Die Zusammenarbeit zwischen Parlamentariern und Wissenschaftlern muß sich wegen eines bescheidenen Budgets für Aufträge auf die Einladung von Experten zu den Sitzungen des Committees beschränken. Das Committee und der Unterausschuß werden durch je eine wissenschaftliche Sekretärin unterstützt. Über eine feste Kooperation mit einer finnischen wissenschaftlichen Institution mit Kompetenzen im Bereich TA oder die Einrichtung eines eigenen wissenschaftlichen Büros wird zur Zeit nachgedacht - vorläufig fehlt aber hierzu noch die finanzielle Grundlage.

Im März dieses Jahres schloß das Future-Committee seinen ersten Bericht ab, der Innovationspotentiale, die als "factors of success" für die zukünftige Entwicklung Finnlands gelten können, untersuchte. Der Bericht beinhaltet eine Stellungnahme des Committee zum Bericht der Finnischen Regierung "Finland and the Future of Europe" und wurde an das Plenum des finnischen Parlamentes zur Beratung übermittelt. Der Bericht faßt unter dem Begriff "Innovation" nicht alleine wissenschaftlich-technische Innovationen, sondern auch Aspekte wie z.B. die Verbesserung des Bildungssystems. Die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten Finnlands werden unter ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekten untersucht. Der Unterausschuß für TA hat eine erste Studie zum Thema Gentechnologie in Auftrag gegeben. Ein weiteres Projekt zum Thema "Learning and New Technologies" ist in Vorbereitung.

Kontakte

Committee for the Future
Paula Tiihonen
Parliament of Finland
FIN-00102 Helsinki
Tel.: 00358-94322084
Fax: 00358-94322140
E-mail: paula.tiihonen@eduskunta.fi

Subcommittee for Technology Assessment
Ulrica Gabrielsson
Tel.: 00358-94322183
Fax: 00358-94322140
E-mail: ulrica.gabrielsson@eduskunta.fi

Italienisches Parlament setzt TA-Ausschuß ein

Das italienische Abgeordnetenhaus hat, zunächst für die laufende Legislaturperiode, einen Ausschuß zur Bewertung wissenschaftlich-technischer Optionen eingerichtet, den "Comitato per la Valutazione delle Scelye Scientifiche e Tecnologiche". Den Vorsitz des Ausschusses hat der Präsident des Abgeordnetenhauses, Luciano Violante, übernommen. Aufgabe des insgesamt 12 Mitglieder umfassenden Kommitees ist es, die aktuellen und vorhersehbaren ethischen, sozialen und ökonomischen Effekte und Folgen sowie den institutionellen und rechtlichen Kontext wissenschaftlich-technischer FuE und laufender Forschungsprogramme zu untersuchen. Der Ausschuß soll Empfehlungen an Fachausschüsse des Parlamentes aussprechen sowie Stellungnahmen von Fachausschüssen anfordern.

Der Ausschuß wird zudem wissenschaftliche Analysen zur Unterstützung der parlamentarischen Beratungen zu wissenschaftlich-technischen Themen in Auftrag geben.

Der Ausschuß hat sich an das European Parliamentary Technology Assessment Network (EPTA) gewandt und um die Aufnahme in das TA-Netzwerk gebeten.

Kontakt

Dr. Ascanio Cinquepalmi
Camera Dei Deputati
- Servizio Studi -
Roma
Tel.: 0039-6-67609148
Fax: 0039-6-6790780

[Die Beiträge wurden in leicht geänderter Form den TAB-Briefen Nr. 11 bzw. 13 entnommen.]

TA-Initiative in Griechenland

Noch in der letzten Legislaturperiode hat das griechische Parlament mit dem neuen Artikel 43 A der parlamentarischen Geschäftsordnung die Grundlagen für die Institutionalisierung von Technikfolgen-Abschätzung geschaffen. Danach sollte ein aus 30-60 Parlamentariern bestehender ständiger Ausschuß für Technikfolgen-Abschätzung eingerichtet werden.

Im Januar dieses Jahres wurde jetzt vom Präsidenten des neu konstituierten griechischen Parlaments das Permanent Committee of Technology Assessment eingesetzt. Es wurde auf 30 Mitglieder begrenzt, alle parlamentarischen Gruppierungen sind vertreten.

Der Ausschuß wird sich mit allen Fragen der Technologieentwicklung befassen und soll die Handlungsfähigkeit des Parlamentes im Bereich Wissenschaft und Technik verbessern. Er wird sich zudem um eine Verbesserung der Einbindung Griechenlands in die internationalen Netzwerke der Technikfolgen-Abschätzung bemühen.

Der Ausschuß hat schon mehrfach getagt und sich auf einen "research plan" geeinigt, der ca. 20 Themen umfaßt. Unklar ist noch, wie die konkrete Arbeit aussehen wird, denn zur Zeit stehen dem Ausschuß und seinem Präsidenten nur ein Sekretär zur Seite. Geld für wissenschaftliche Mitarbeit steht noch nicht zur Verfügung; der Wissenschaftliche Dienst des Parlamentes, das Directorate of Studies, wird dem Ausschuß jedoch zuarbeiten.

Der Ausschuß sieht aufgrund dieser Situation auch in der Aufbauphase zunächst ein wesentliches Ziel darin, die Diskussion über Technikfolgenabschätzung zu fördern. So hat er u.a. die Präsidenten einiger Universitäten, Forscherpersönlichkeiten, Vertreter der Industrie und anderer Gruppierungen zu seinen Diskussionen eingeladen und seine Forschungsthemen vorgestellt und diskutiert. Ein konkreter weiterführender Schritt wird jetzt darin gesehen, in Zusammenarbeit z.B. mit den Universitäten themenzentrierte Konferenzen zu organisieren.
(I.v.B.)

Kontakt

Dr. Kostas Papadimitriou
Hellenic Parliement
Directorate of Studies
100 21 Athens, Greece
Tel.: 0030-1-3235932
Fax: 0030-1-3234064


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TA-Aktivitäten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim

von Martina Müller-Keitel

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wurde von der baden-württembergischen Landesregierung und der Landeskreditbank gemeinsam mit der Universität Mannheim im November 1990 in der Rechtsform einer GmbH gegründet. Im Mittelpunkt der Forschung stehen Fragen, die sich auf Grund der Herausforderungen im Zuge der zunehmenden Verflechtung der Güter-, Arbeits- und Finanzmärkte in Europa als integralem Bestandteil der wachsenden Internationalisierung der Weltwirtschaft ergeben. Analysiert werden vor allem die Implikationen für die Praxis, etwa für unternehmerisches Handeln, für die Tarifvertragsparteien und für die nationale und regionale Wirtschaftspolitik. Mit praxisnaher Forschung und ergänzenden Serviceangeboten hilft das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) seinen Auftraggebern, auf das sich dauernd ändernde Umfeld rechtzeitig zu reagieren. Interdisziplinäres Arbeiten verhindert dabei eindimensionale Lösungen, umfangreiche interne und externe Datenbanken stützen die in der Regel empirisch angelegte Projektarbeit, weltweite Kooperationen werden zum intensiven Wissensaustausch rege genutzt. Neben der Projektarbeit tragen die ZEW-Wissenschaftler mit eigenen Beiträgen zur methodischen und theoretischen Entwicklung der Wirtschaftsforschung bei. An den Forschungs- und Auftragsprojekten des ZEW arbeiten, je nach Bedarf, Teams in unterschiedlicher Zusammensetzung, darunter: Volkswirte, Betriebswirte, Wirtschaftsingenieure, Naturwissenschaftler, Juristen sowie Politik- und Sozialwissenschaftler.

Forschungsschwerpunkte

Am ZEW werden Analysen in folgenden fünf Forschungsbereichen durchgeführt:

Ergänzt wird die Forschungsarbeit des ZEW durch zwei Servicebereiche

Wenngleich das ZEW keine umfangreichen direkten Technikfolgenstudien durchführt, so tangieren doch viele der Untersuchungen, insbesondere in den Forschungsschwerpunkten Umweltökonomik, Industrieökonomik sowie Personalmanagement, relevante Teilfragen der Technikfolgenforschung. Das ZEW ist institutionelles Mitglied der International Technology Assessment and Forecasting Association (IATAFI).

Forschungsbereich Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement

Wichtige Fragen der Technikfolgenforschung stellen sich besonders bei allen Umweltwirkungen von Wirtschaftsaktivitäten und den im Rahmen der Aktivitäten eingesetzten Technologien. Auch Analysen über Möglichkeiten und Auswirkungen umweltpolitischer Maßnahmen können Hinweise für einen erfolgreichen politischen Umgang mit Technikfolgen liefern.

Ziel des Forschungsbereichs Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement ist es, einen Beitrag zur Analyse und Bewältigung dringender Umwelt- und Ressourcenprobleme zu leisten. Lösungsbeiträge orientieren sich grundsätzlich am Leitbild einer dauerhaft-umweltgerechten Entwicklung und einer Integration ökonomischer und ökologischer Konzepte. Die Forschungsarbeiten sind in sechs Arbeitsschwerpunkte gegliedert:

Ein Beispiel für ein Forschungsvorhaben mit starkem TA-Bezug ist das Projekt Total Costs and Benefits of Biomass in Selected Regions of the European Union. Ziel des Projektes ist die Analyse der externen Kosten verschiedener energetischer Nutzungen von Biomasse. Die externen Kosten einer energetischen Biomassenutzung hängen entscheidend davon ab, welche Art von Biomasse im Zusammenhang mit welcher Technik eingesetzt wird. Deshalb werden sechs Fallstudien durchgeführt, die sowohl die energetische Nutzung von Rest- und Abfallstoffen als auch von speziellen Energiepflanzen umfassen. Als Techniken werden direkte Verbrennung, Kraft-Wärme-Kopplung, verschiedene Formen der Gasgewinnung sowie die Herstellung flüssiger Brennstoffe betrachtet.

Ein weiteres Beispiel ist das Forschungsvorhaben Beschäftigungswirkungen des Übergangs von additiver auf integrierte Umwelttechnik. Die Studie untersucht die Beschäftigungseffekte des Übergangs von additiver zu integrierter Umwelttechnik. Neben den mengenmäßigen Beschäftigungseffekten wird die Frage untersucht, ob sich die Qualifikationsstruktur der Beschäftigten mit dem Übergang zur integrierten Umwelttechnik ändern wird. Wesentliches methodisches Element des Forschungsvorhabens ist die Koppelung einer Breitenerhebung (Mannheimer Innovationspanel, MIP) mit ausführlichen Fallstudien. Zusätzlich werden Schätzungen der direkten und indirekten Beschäftigungseffekte auf volkswirtschaftlicher Ebene mit Hilfe eines komparativ-statischen Input-Output-Modells durchgeführt. Darüber hinaus werden mit Hilfe eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells die dynamischen Beschäftigungseffekte untersucht, die sich im Inland durch induzierte Veränderungen relativer Preise ergeben.

Forschungsbereich "Industrieökonomik und internationale Unternehmensführung"

Mittel- und langfristige Auswirkungen der Globalisierung von Produktions-, Investitions-, Innovationstätigkeiten der Unternehmen und die sich daraus ergebenden Anpassungserfordernisse sowohl auf seiten der Unternehmen als auch auf seiten der wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger verlangen eine andauernde, intensive wissenschaftliche Beobachtung, Analyse und Bewertung. Dies schließt Arbeiten zum Themenkreis der Technikfolgenabschätzung mittelbar ein, wenn über die Technikgenese und durchsetzung im Rahmen der Wissensgenerierung, -adaption und -diffusion diskutiert wird.

Der Forschungsbereich "Industrieökonomik und internationale Unternehmensführung" analysiert aktuelle Entwicklungen in der Dynamik von Märkten und Unternehmen, zeigt Perspektiven auf und entwickelt Handlungsoptionen für Entscheidungsträger in der regionalen, nationalen und internationalen Wirtschaftspolitik und für Unternehmen. Die Forschungsperspektiven unterscheiden sich zum einen dadurch, ob Prozesse und Entscheidungen auf der Mikroebene oder ob das Zusammenspiel der Mikroeinheiten auf (regionalen) Märkten und die Koordinationsfunktion der Märkte untersucht werden. Ein zweites Unterscheidungskriterium ergibt sich aus der untersuchten Art der Veränderung von Unternehmen und Märkten. Zum einen stehen die innovations- und technologiebezogenen Prozesse im Mittelpunkt und zum anderen wird eine erweiterte Perspektive der Veränderungsprozesse von Unternehmen und Märkten untersucht. Diese beiden Untersuchungsperspektiven definieren die vier Schwerpunkte des Forschungsbereichs:

In den letzten Jahren konnten als Basis für die Untersuchungen umfangreiche unternehmensbezogene Datenbanken aufgebaut werden. Diese für Deutschland nahezu einzigartigen Paneldaten zu Unternehmensgründungen und Wachstumsprozessen von Unternehmen wurden sukzessive ergänzt durch Datenbanken zum Innovationsverhalten von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.

Die Erforschung der Wirkungen eines Innovationssystems auf makroökonomische Größen wie Beschäftigung, globale Wettbewerbsfähigkeit und Technikentwicklung stellt sowohl theoretisch als auch methodisch eine große Herausforderung dar. Dies wird derzeit für regionale Innovationssysteme wie z.B. das Saarland und Baden-Württemberg untersucht. Eingerahmt werden diese Überlegungen durch Arbeiten zum sektoralen und wissens- bzw. technologieorientierten Strukturwandel. Regionale und technologische Cluster von Unternehmen in modernen Technologiefeldern sind bereits für den Multi-Media Bereich untersucht worden und sollen auch für andere Technologiefelder empirisch identifiziert werden. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Untersuchungen über Internationalisierungsstrategien junger innovativer Unternehmen, über die Charakteristika von schnell wachsenden Unternehmen und über den Einsatz von IuK- und Fertigungstechnologien sowie die Erschließung von neuen Technikfeldern. Wichtige Fragen sind auch auf die unterschiedlichen Markt- und Technologieentwicklungen und die Veränderung der Marktstrukturen durch eine Veränderung der räumlichen Bezüge gerichtet. Ein Beispiel für diese Fragestellungen ist eine durchgeführte Untersuchung, die für den regionalen Energieversorgungsbereich die Auswirkungen der im europäischen Kontext erwogenen Deregulierungsmodelle auf Marktorganisation und orientierung untersucht.

Forschungsbereich Arbeitsmärkte, Personalmanagement und soziale Sicherung

Die vielfältigen volks- und betriebswirtschaftlichen Facetten des Einsatzes von Arbeit im technologischen und wirtschaftlichen Wandel werden im Forschungsschwerpunkt Personalmanagement untersucht. Dabei spielt gerade hinsichtlich der Wirkungen und Folgen des Einsatzes neuer Techniken die schulische und noch mehr die berufliche Qualifikation eine zentrale Rolle. Generell ist es eine gut erforschte Tatsache, daß bessere Bildung, niedrigere Arbeitslosigkeit, ein besserer Zugang zur Weiterbildung, beruflich stabilere Lebenswege und höheres Einkommen zusammenhängen. Um die Zusammenhänge zwischen Bildung und technischem Fortschritt intensiver zu erforschen, wurde vor zwei Jahren eine ZEW-interne interdisziplinäre Arbeitsgruppe gebildet. Die Ergebnisse dieser Projektarbeit werden unter der Rubrik "Ergebnisse von TA-Projekten - Neue TA-Projekte" auf Seite 32 ausführlich dargestellt.

Kontakte

Dr. Olav Hohmeyer
(Umweltökonomik, Leiter, Tel. 1235-200, E-mail: hohmeyer@zew.de)
Dr. Alfred Spielkamp
(Industrieökonomik, Tel. 1235-174, E-mail: spielkamp@zew.de)
Dr. Friedhelm Pfeiffer
(Personalmanagement, Tel. 1235-150, E-mail: pfeiffer@zew.de)

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)
L, 7, 1
D-68161 Mannheim
Tel.: + 49 (0) 621/1235-101
Fax: + 49 (0) 621/1235-224
E-mail: info@zew.de
Internet: http://www.zew.de


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EUR-ASSESS Project Completed

by David Banta

In 1993, the BIOMED 1 Programme of Directorate General XII (research) of the European Commission approved a proposal to establish the EUR-ASSESS Project, a project aimed at developing a coordinated approach to health care technology assessment in Europe. The project proposal was developed by the Netherlands Organization for Applied Scientific Research (TNO) with input from individuals and institutions in a number of European countries. The project actually began to function on 1 May 1994; it formally finished 1 May 1997. A first report on the project was published in TA-Datenbank-Nachrichten No. 4, December 1994.

The EUR-ASSESS project was made up of a Steering Committee that oversaw and directed the project, with D. Banta from TNO as coordinator. At the beginning of the project, the Steering Committee was defined in the contract with the European Commission as including 13 individuals from 9 countries, plus one representative, Switzerland, not mentioned in the contract. By the end of the project, others had been added, mostly on a selfpay basis, so that all countries except Luxembourg were represented. In addition, representation was more optimal in a number of cases. For example, in Germany the partner was the head of a research agency, but midway through the project a representative of the Federal Ministry of Health joined the Steering Committee as an observer, bringing an important national perspective into the Committee.

EUR-ASSESS was set up to improve coordination of health technology assessment (HTA) in Europe. With a growing number of national and regional agencies, duplication of work is becoming a more and more apparent problem. The partners wished to work more closely together on the enormous problems of assessing health technology. The burden of work makes it imperative that the job be shared. For example, the Swedish Council on Technology Assessment in Health Care (SBU) reported that it has identified more than 1,000 candidates for assessment.

The project proposal defined four tasks of defining and improving methodologies that could contribute to better coordination:

  1. methods for priority-setting in health technology assessment
  2. methods for assessment itself, especially information synthesis
  3. methods for disseminating information and evaluating impact
  4. methods for improving insurance and payment coverage with HTA.

In each area, a sub-group was appointed with two co-chairs having special interest in the topic. The four strongest HTA programs were represented on all sub-groups: SBU, the French ANDEM, the UK Research & Development Programme, and the Catalan Agency for Health Technology Assessment (CAHTA). Other partners joined one or another sub-group based on their interests. Experts and others with special knowledge were then invited to join each group. Sub-groups typically had 10-15 members from a number of countries and met 3-6 times during the course of the project.

Each sub-group followed a general method, laid out by the Steering Committee:

  1. A literature review was carried out as background.
  2. Strategic contracts were let for additional information.
  3. Surveys of existing programs were carried out to determine the state-of-the-art.
  4. Analysis of the documentation and existing experience was carried out to arrive at principles, conclusions, and recommendations.
  5. A report was drafted and redrafted, with input from the Steering Committee.
  6. The Steering Committee reviewed each report and then approved it after revisions.

Although this was the general scheme, it varied quite a lot in practice. For example, the literature in the coverage area was not very helpful to that sub-group, which had to depend more on the experience of its own members. Surveys did not necessarily furnish much helpful information either. In the final analysis, it was the knowledge and experience of the members of each sub-group that determined the outcome. The sub-group members generally felt that the outcomes of their work were excellent. How excellent and useful they are must be determined by the reaction of the broader HTA community, and perhaps even the policy-making community. There seems little doubt, though, that the reports present relatively definitive state-of-the-art analyses. In some cases, reports break new ground.

The International Journal of Technology Assessment in Health Care agreed to publish the reports of the EUR-ASSESS project. The sub-groups worked on a proposed deadline, December 1996 to January 1997, to allow publication in time for the annual meeting of the International Society for Technology Assessment in Health Care (ISTAHC), which was held in Barcelona 26-28 May 1997. In fact, the deadline was met by all sub-groups and the report has been published in the spring issue of the journal, Volume 13, number 2. In addition to the four sub-group reports, there is an introduction to the project that includes a definition and discussion of HTA. The partners felt that it was necessary to develop this definition to assure that Europeans know what they mean when they use the term "health technology assessment." An extensive glossary of terms developed for the project is also included.

The report uses this definition of health technology assessment: "A structured analysis of a health technology, a set of related technologies, or a technology-related issue that is performed for the purpose of providing input to a policy decision." Health technologies are the drugs, devices, procedures, and the organizational and support systems within which health care is delivered. The first part of the report expands on the definition. The essential properties of HTA are the orientation to decision-making and its multidisciplinary and comprehensive nature. The goal of HTA is change. It is not research for knowledge's sake. HTA should help to demonstrate problems and potentials in disease control. This means that topics chosen for assessment must be important to society. Information should be timely and should be presented in a form useful to the intended audience, whether these are national policy-makers and politicians, hospital administrators, clinicians, or the general public. Because it is well known that the results of information dissemination are limited, the issue of implementation of HTA results is becoming an important part of the tasks at hand. Implementation involves not only dissemination of information, but attention to factors that promote change, such as physician preferences, patient preferences, regulation, and financial incentives.

The Steering Committee developed a set of strategic findings and recommendations based on its discussions and the reports of the sub-groups. These may be summarized as follows:

  1. HTA is highly complex. Nonetheless, the steps priority-setting, assessing (including synthesizing evidence) and dissemination and implementation are critical parts of HTA. Evaluation of impact of a report is also an essential part of HTA. These steps are highly interrelated.
  2. Context (the nature of the country, its health system, etc.) is critical to the successful development and implementation of HTA in any country or region.
  3. There is value in bringing those involved in HTA in different countries together to compare methods and learn from each other.
  4. The countries of Europe need more efficient methods for sharing HTA information.
  5. Each country should have an organization or coordinating body that can serve as a contact point for health technology assessment activities, including priority-setting and dissemination and implementation.

Concerning outcomes of the project, it would be difficult to say at this point whether coordination has been improved. There is at least one interesting piece of evidence, however, that coordination is improving. During the course of the project, the International Network of Agencies for Health Technology Assessment (INAHTA) decided to sponsor a collaborative assessment of osteodensitometry screening and treatment of osteoporosis. Involved agencies were mostly members of EUR-ASSESS. The assessment was completed in late 1996. At its meeting in May 1997, INAHTA has decided to undertake several new coordinated assessments. Naturally, EUR-ASSESS was not the only factor in this decision, but it does seem likely that working together in EUR-ASSESS has given different agencies more confidence in each others' work. Perhaps the methods, too, will be useful in coordinated assessments.

An evaluation of the project has been commissioned and is underway. Still, with publication just accomplished, a definitive answer to impact cannot be given now.

The partners hoped that by the end of EUR-ASSESS the European Commission would have recognized the possible importance of HTA at the European level and would have acted to establish some sort of a permanent structure for coordination. That has not happened. A further step has occurred, however. Directorate General V of the European Commission funded a feasibility study concerning strengthening and institutionalizing health technology assessment in Europe to run from December 1996 to April 1998. That project is now underway with Banta leading the project and most of the partners from EUR-ASSESS fully involved. In this project, all members of the European Union, plus Switzerland, are involved from the beginning.

The main achievement that seems quite clear is that almost 100 European experts have worked together on substantive tasks for a three-year period. This work has led to a clearly defined network of people involved in HTA at the public policy level in different member states of the European Union. This network could be the basis for a European program in HTA.

Methodological outcomes are somewhat clearer. Partners report considerable use of reports already. Priority-setting and dissemination activities have been changed in several agencies. INAHTA has distributed the reports to its own members and hopes to use it as the basis for a reasonably common method for HTA.

The journal has been mailed to all members of ISTAHC and subscribers of the journal. About 150 copies were distributed at the ISTAHC meeting as well. Initial feedback is very positive. Reprints of the entire report or of any part of it are available from the coordinator of EUR-ASSESS.

David Banta
PG/TNO, Coordinator EUR-ASSESS
P.O. Box 2215
2301 CE Leiden
The Netherlands
Fax: 31-71-5181906
E-mail: HD.Banta@PG.TNO.NL


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Forschungsrahmen "Mobilität" der Bundesregierung: Eckwerte einer zukunftsfähigen Mobilitätsforschungspolitik

von Günter Halbritter, ITAS

Das Wachstum des Verkehrs, insbesondere des Straßenverkehrs, hat zu einer Situation geführt, die nicht nur mit hohen Umweltbelastungen verbunden ist, sondern die auch die Kapazität der vorhandenen Straßeninfrastruktur in einem so hohen Maße auslastet bzw. so häufig überschreitet, daß Mobilität in dem eigentlich gewünschten Maße erheblich eingeschränkt oder häufig nicht mehr sichergestellt ist. Fast alle neueren verkehrswissenschaftlichen Untersuchungen, wie z.B. die Arbeiten im Rahmen des Forschungsfeldes "Städtebau und Verkehr", stimmen darin überein, daß diese Situation nicht allein mittels klassischer verkehrspolitischer Maßnahmen zu beeinflussen ist, sondern daß andere Politikbereiche, wie auch nicht unmittelbar von der Politik beeinflußte gesellschaftliche Entwicklungen, wesentliche verkehrliche Wirkungen besitzen. Es ist daher notwendig, abgestimmte Konzepte zu entwickeln, um ein gemeinsames Vorgehen der verschiedenen Politikbereiche zu koordinieren. Eine solche politische Initiative wird zwar keine unmittelbare Auswirkung auf die durch die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung verursachten verkehrlichen Wirkungen besitzen, langfristig wird eine konsequente Verkehrspolitik jedoch nicht ohne Einfluß auf diese Entwicklung bleiben. Auch eine konzeptionell abgestimmte Forschungspolitik ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung.

Der im Dezember 1996 vorgestellte Forschungsrahmen der Bundesregierung "Mobilität - Eckwerte einer zukunftsorientierten Mobilitätsforschungspolitik"(1) versteht sich als Mobilitätsforschungsinitiative, die der angesprochenen Herausforderung für ein koordiniertes Handeln in diesem Bereich gerecht wird. Mit dieser Initiative soll die bisher überwiegend technologieorientierte Verkehrsforschung mit sozial-, wirtschafts- und umweltwissenschaftlichen Aspekten verknüpft werden. Diesem sehr weitgehenden Anspruch wurde bereits dadurch Rechnung getragen, daß das genannte Rahmenkonzept die Forschungsaktivitäten verschiedener Ressorts einbezieht. Hierzu gehören Verkehrsforschungsprogramme des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), und des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) sowie die Forschungsaktivitäten der Bundesministerien für Wirtschaft (BMWi), für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (BMBAU), soweit ein thematischer Bezug zur Mobilitätsforschungsinitiative besteht. Eine so weitgehende Abstimmung kann als Novum für die deutsche Forschungspolitik angesehen werden. Dieser frühzeitige Abstimmungsprozess der Forschungsvorhaben trägt auch der häufig geäußerten Kritik an der bisherigen Forschungspolitik Rechnung, daß das BMBF mit seinen Forschungsprojekten Fakten für andere Politikbereiche schafft, die Probleme des praktischen Einsatzes dieser Techniken jedoch Aufgabe der Fachressorts bleiben, wie das Beispiel der Magnetschwebebahn "Transrapid" zeigt.

Leitbildorientierte Forschung statt Einzelprojektförderung

Der Wille nach einer politischen Gestaltung der zukünftigen Entwicklung des Verkehrssystems wird deutlich aus dem Leitbild "Mobilität dauerhaft erhalten, dabei unerwünschte Verkehrsfolgen spürbar verringern", das die Zielperspektive für die Vorhaben des Forschungsrahmens ausdrückt. Dieses Leitbild stellt eine Konkretisierung des seit der UN-Konferenz "Umwelt und Entwicklung" in Rio de Janeiro im Jahre 1992 weltweit verbindlich gewordenen Handlungskonzepts des "sustainable development" im Politikfeld Verkehrs- und Verkehrsforschungspolitik dar. Häufig wurde die Kritik geäußert, daß die weltweite Resonanz und auch Akzeptanz, die das Konzept des "sustainable development" erfuhr, hauptsächlich auf der bisher nicht erfolgten Präzisierung der Handlungserfordernisse beruhe, die sich aus diesem Konzept ergeben. Der Leitbildorientierung des Forschungsrahmens "Mobilität" zeigt, daß diese Kritik in allgemeiner und unkonkreter Form nicht berechtigt ist. Vielmehr macht das Leitbild deutlich, daß sich die Verkehrs- und Verkehrsforschungspolitik an den Zielen der Politik der Bundesregierung orientiert.

Der Forschungsrahmen "Mobilität" greift die verkehrspolitischen Gestaltungsansätze des Strategiepapiers "Telematik im Verkehr"(2) des Bundesministeriums für Verkehr vom 31. August 1993 auf, in dem gefordert wird, "die Vernetzung und Verknüpfung der Verkehrsträger mit dem Ziel der Verlagerung des Verkehrs auf umweltfreundliche Verkehrsmittel" zu verbinden. Auch der Bericht der Bundesregierung anläßlich der Vertragstaaten-Sonderversammlung über Umwelt und Entwicklung 1997 in New York "Auf dem Wege zu einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland"(3) ist von diesem ressortübergreifenden Konsens geprägt. Der Bericht betont, daß zur Erreichung einer umweltschonenden Mobilität, primär Verkehrsvermeidung und Verlagerung von Verkehr auf umweltschonendere Verkehrsmittel anzustreben sind.

Als Strategie, um das Leitbild einer umweltgerechteren Mobilität umzusetzen, wird im Forschungsrahmen "die Entkopplung von Wirtschafts- und Verkehrswachstum" angesehen. Vorbildfunktion hat dabei die erreichte Entkopplung von Primärenergieverbrauch und Entwicklung des Bruttosozialprodukts während der vergangenen Jahrzehnte. Für den Gütertransport, dessen Umfang während der vergangenen Jahre insbesondere für große Transportentfernungen erheblich stärker angestiegen ist als das Bruttoinlandsprodukt, ist diese Forderung daher berechtigt, auch wenn die Umsetzung dieser Strategie erhebliche Änderungen der bisherigen Betriebspraxis des "just in time" nach sich ziehen wird, da die Lagerhaltung wieder verstärkt in den Betrieben zu erfolgen hat. Problematischer ist diese Forderung im Bereich des Personenverkehrs, bei dem inzwischen über 50% der Verkehrsleistung als Freizeit- und Urlaubsverkehr erbracht werden. Die Förderung verkehrsreduzierender Strukturen kann hier zwar auch in diesem Bereich zur Minderung der Verkehrsbelastung beitragen, insgesamt entziehen sich die Entwicklungen sozialer Verhaltensmuster jedoch den Gestaltungsmöglichkeiten technischer Forschungsvorhaben.

Vorgabe konkreter Handlungsfelder

Zur Umsetzung des im Forschungsrahmen "Mobilität" vorgegebenen Leitbildes wurden konkrete Handlungsfelder ausgewählt. Politischer Handlungsbedarf wird dabei insbesondere in den folgenden Bereichen gesehen:

  1. Verkehrsreduzierende Strukturen fördern
  2. Effizienz des Verkehrssystems erhöhen
  3. Umwelt und Ressourcen schonen
  4. Verkehrssicherheit verbessern
  5. Mobilität und Verkehr besser verstehen.

Dem Handlungsbereich "Verkehrsreduzierende Strukturen fördern", in dem insgesamt neue Raumordnungskonzepte zu entwickeln sind, kommt dabei grundlegende Bedeutung zu. Maßnahmen aus diesem Bereich werden jedoch erst mittel- bis langfristig wirksam werden, sie sollten jedoch gerade deshalb umgehend begonnen werden. Bereits kurz- bis mittelfristige Erfolge sind in dem Handlungsbereich "Effizienz des Verkehrssystems erhöhen" zu erwarten. Effizienz ist dabei nicht nur im eingeschränkten technischen, sondern insbesondere im organisatorischen Sinne zu verstehen, wie der effizienteren Gestaltung der Verkehrsabläufe. Große Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den von der Industrie im Augenblick mit großem Aufwand entwikkelten Informations- und Kommunikationstechniken (IuK-Techniken) im Verkehrsbereich zu. Diese neuen Techniken werden ganz neue Möglichkeiten der Effizienzsteigerung eröffnen, falls sie so gestaltet sind, daß sie nicht nur der Verflüssigung des Verkehrs eines Verkehrsträgers dienen, sondern darüber hinaus neue Möglichkeiten der Vernetzung der verschiedenen Verkehrssysteme realisiert werden. Handlungsfeld 3 "Umwelt und Ressoucen schonen" und Handlungsfeld 4 "Verkehrssicherheit verbessern" erfordern neue technische Lösungsansätze und veränderte Verhaltensweisen, die in engem Zusammenhang mit der Effizienzsteigerung des Verkehrssystems (Handlungsfeld 2) stehen. In dieser engen Verkopplung der verschiedenen Handlungsfelder kommt der Effizienzsteigerung des Verkehrssystems somit eine Schlüsselfunktion für die Gestaltung der zukünftigen Mobilitätsbedingungen zu. In Handlungsfeld 5 "Mobilität und Verkehr besser verstehen" soll eine fundiertere Wissensgrundlage für verkehrsrelevante Entscheidungen in Wirtschaft, Verkehrsplanung und Politik geschaffen werden, damit die komplexen Zusammenhänge zwischen Mobilitätsursachen, Verkehrsentstehung und Verkehrsfolgen besser beurteilt werden können.

Förderung von abgestimmten Projekten bzw. Projektnetzwerken - Ideenwettbewerb für ausgewählte Leitprojekte

Neue Techniken im Verkehrsbereich sind ein Instrument, um das verkehrspolitische Ziel - Sicherstellung einer umweltverträglichen Mobilität - zu erreichen. Der ressortübergreifende Forschungsrahmen "Mobilität" unterstreicht die Neuausrichtung der Forschungspolitik, die sich nicht mehr auf die Förderung technisch ausgerichteter Einzelprojekte beschränkt, sondern in Anlehnung an das vorgegebene Leitbild, Projekte und Projektnetzwerke fördert. Der Forschungsrahmen "Mobilität" nennt fünf Projekte bzw. Projektnetzwerke, auf die sich die Förderung der kommenden Jahre konzentrieren wird:

A. Mehr Transporteffizienz statt Mehrverkehr
B. Zukunftsstrategie für Mobilität im Ballungsraum
C. Auf dem Weg zur Minimalemission
D. Die sichere Straße
E. Umweltgerechtes Verkehrsverhalten beginnt in den Köpfen.

Im Frühjahr 1997 wurde vom Bundesforschungsminister der Ideenwettbewerb "Leitprojekte" gestartet. Dieser Wettbewerb umfaßt außer dem Verkehr noch weitere Themenfelder. Das Leitprojekt im Verkehrsbereich "Mobilität in Ballungsräumen" bezieht sich unmittelbar auf den oben genannten Projektschwerpunkt des Forschungsrahmens "Mobilität". In der Ausschreibung zu diesem Leitprojekt wird betont, daß die Gestaltung der Mobilitätsbedingungen in Ballungsräumen als eine prioritäre Aufgabe anzusehen ist. Hier konkurrieren die verschiedensten Mobilitätsbedürfnisse um die Nutzung der knappen Verkehrsinfrastruktur. Die räumliche Verdichtung in Ballungsräumen und die damit verbundene Konzentration von Verkehrsnachfrage eröffnet aber auch Chancen, mit innovativen Lösungsansätzen den Verkehr von morgen zu gestalten. Hierzu zählen z.B.

Das BMBF will mit dem Ideenwettbewerb Innovationsinitiativen anstoßen, mit denen nachgewiesen werden soll, daß auch in Ballungsräumen ein leistungsfähiges Verkehrssystem nicht im Gegensatz stehen muß zum Schutz von Gesundheit, Sicherheit und Umwelt.

Nach Abschluß der Ausschreibungsfrist des Ideenwettbewerbs Ende Mai 1997 findet im Augenblick das Auswahlverfahren statt. Die ausgewählten Ideen werden für eine Laufzeit von sechs Monaten gefördert, um die Ideen zu Projekten weiterzuentwickeln. Die besten Vorschläge sollen anschließend im Rahmen von Demonstrationsvorhaben ihre Praxistauglichkeit nachweisen.

Es ist vorgesehen, die Leitprojekte durch wissenschaftliche Untersuchungen zu begleiten, damit die Auswirkungen, die Wirksamkeit und die Übertragbarkeit der Ergebnisse dokumentiert und belastbare Vorschläge für ihre Verbreitung gemacht werden können.

Systemanalytische Begleituntersuchungen als notwendiges Instrument für leitbild-orientiertes Handeln

Der im Leitbild des Forschungsrahmens und in den Themen der Projektnetzwerke ausgedrückte Gestaltungswille erfordert somit eine stärkere Beachtung der Organisation von Einzeltechniken in Verkehrs-Gesamtsystemen als die bisherige Förderung von Einzelprojekten. Um die Erreichung dieser anspruchsvollen Zielsetzung zu überprüfen und eventuell wichtige Weichenstellungen zu geben, sind Begleituntersuchungen zu den einzelnen Projektnetzwerken vorgesehen. Um die Chancen und Möglichkeiten der neuen Techniken innerhalb geeigneter Organisationsstrukturen zu realisieren, sind darüber hinaus grundlegende Analysen der verschiedenen technischen und organisatorischen Alternativen des Einsatzes neuer Techniken im Hinblick auf die im Leitbild ausgedrückten Ziele notwendig. Diese Analysen sollten auch die sozialen, ökonomischen und ökologischen Folgen, die mit der Realisierung dieser Projekte verbunden sind, untersuchen. Obwohl dieser Analysetyp im Forschungsrahmen "Mobilität" nicht angesprochen wird, leistet FZK/ITAS mit Förderung durch das BMBF mit der Studie "Verkehr in Ballungsräumen - Optionen für eine effiziente und umweltverträglichere Gestaltung" einen Beitrag für diese systemanalytische Begleitung der Projekte des Ideenwettbewerbs.

Gegenstand einer solchen systemanalytischen Begleituntersuchung im Verkehrsbereich ist somit die Untersuchung und Bewertung der technischen und organisatorischen Gestaltungsmöglichkeiten des Einsatzes neuer Techniken im Verkehrsbereich, insbesondere auch des Einsatzes von IuK-Techniken, für die konkreten Gegebenheiten ausgewählter Regionen im Hinblick auf die Ziele des vorgegebenen Leitbildes. Eine solche Analyse ist auch für die Forschungsförderung im Bereich der Verkehrstechnik von Bedeutung, einmal um prioritär solche Entwicklungen zu fördern, die den Gestaltungskonzepten der politischen Programme entsprechen und die nicht ohnehin von der Industrie aus Eigeninteresse entwickelt werden und darüber hinaus, um Hinweise für die Implementierung dieser neuen Systeme bei der praktischen Anwendung zu geben. In der kommenden Ausgabe der TA-Datenbank-Nachrichten wird näher auf die FZK/ITAS-Studie eingegangen.

Mit dem integrativen Konzept des Forschungsrahmens "Mobilität" hat die Forschungspolitik die Initiative für ressortübergreifendes Handeln in dem immer bedeutender werdenden Politikfeld Verkehr ergriffen. Diese Initiative stellt einmal eine Herausforderung für die wissenschaftlichen Einrichtungen der verschiedenen Fachausrichtungen dar, ihre Einzelprojekte in Gesamtkonzepte einzubringen. Darüber hinaus ist zu hoffen, daß diese forschungspolitische Initiative auch Nachahmung in klassischen Politikressorts findet, um die in vielen Programmen geforderte "nachhaltige und dauerhaft-umweltgerechte" Entwicklung zu befördern.

Literatur

  1. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) (Hrsg.): "Mobilität - Eckwerte einer zukunftsorientierten Mobilitätsforschungspolitik. Forschungsrahmen der Bundesregierung". Bonn, April 1997. (Der Bericht ist über das BMBF, Referat Öffentlichkeitsarbeit, D-53170 Bonn, Fax: 0228/573917 erhältlich.)
  2. Bundesministerium für Verkehr (BMV) (Hrsg.): "Strategiepapier Telematik im Verkehr zur Einführung und Nutzung von neuen Informationstechniken". Bonn, 31. August 1993, sowie "Telematik im Verkehr. Stand der Umsetzung des Strategiepapiers vom 31. August 1993. Perspektiven und Bilanz". Bonn, 21. Februar 1995.
  3. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (Hrsg.): Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland. Bericht der Bundesregierung anläßlich der VN-Sondergeneralversammlung über Umwelt und Entwicklung 1997 in New York. Bonn, Februar 1997.


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Stand: 26.02.1999 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion