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Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und
Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN
Nr. 2, 6. Jahrgang - Juli 1997

ERGEBNISSE VON TA-PROJEKTEN - NEUE TA-PROJEKTE

Beschäftigungseffekte der Informationsgesellschaft - Ein Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse

von Georg Aichholzer und Johann Cas

So groß das Interesse an den Arbeitsmarktwirkungen der Informationsgesellschaft ist, so groß ist auch die Unsicherheit darüber. Das Spektrum der Meinungen, welche Auswirkungen zu erwarten sind, reicht von der Hoffnung auf Lösung der gegenwärtigen Beschäftigungskrise bis zur Befürchtung weiterer massiver Arbeitsplatzverluste. In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Studien durchgeführt, um die Diskussion auf eine solidere Basis zu stellen. Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, war bzw. ist selbst mit zwei EU-Projekten an diesem Prozeß beteiligt. Im Rahmen von AD-EMPLOY (siehe Anm. 1) waren quantitative und qualitative Beschäftigungseffekte von fortgeschrittenen Kommunikationstechnologien Untersuchungsgegenstand. In EPRI-Watch (siehe Anm. 2), einem multimedialen Informationsdienst für politische Entscheidungsträger, verfolgt das ITA unter anderem die internationale Diskussion zum Zusammenhang von Beschäftigung und Informationsgesellschaft. Im folgenden wird ein kurzes Resümee aus den beiden Projekten im Kontext einschlägiger Forschungsergebnisse gezogen.

Lösung oder Verschärfung der Beschäftigungsprobleme?

Der Weg in die Informationsgesellschaft wird zunehmend im Hinblick auf seine Beschäftigungswirkungen diskutiert. Das anhaltend hohe Niveau an Arbeitslosigkeit in vielen Staaten der Europäischen Union macht die Lösung der Beschäftigungskrise zu einem immer dringlicheren Anliegen. Mit einer Rate von 10,8% (April 1997) lag allein die Zahl der gemeldeten Arbeitssuchenden in der EU bereits über 18 Millionen (siehe Anm. 3); mindestens weitere 9 Millionen Menschen würden ins Erwerbsleben eintreten, falls sie Aussichten auf Beschäftigung hätten (siehe Anm. 4).

Aus den programmatischen EU-Dokumenten wie dem Weißbuch der Kommission zu Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (siehe Anm. 5), dem "Bangemann-Bericht" (siehe Anm. 6), oder dem ersten jährlichen Bericht des Information Society Forums (siehe Anm. 7) spricht die Zuversicht, daß längerfristig mehr neue Arbeitsplätze entstehen als verloren gehen werden. Die Hoffnungen auf eine Entspannung der Beschäftigungskrise durch die beschleunigte Entwicklung zu einer Informationsgesellschaft beziehen sich im wesentlichen auf zwei Aspekte: direkte Beschäftigungszuwächse durch neue Märkte für informations- und kommunikationstechnische Dienste und Produkte, sowie indirekte Effekte über eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit aufgrund von Prozeßinnovationen und Produktivitätssteigerungen.

Pessimistische Perspektiven legen die Betonung auf die Schrumpfung traditioneller Sektoren, Arbeitseinsparung durch die Ausschöpfung enormer Rationalisierungspotentiale und Arbeitsverlagerungen im Zuge der Globalisierung. Rifkin (siehe Anm. 8) spricht in diesem Zusammenhang von fast drei Viertel der Arbeitsplätze, die durch Maschinen ersetzt werden könnten. Insbesondere wird betont, daß Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) arbeitssparende Rationalisierungsmöglichkeiten im Dienstleistungssektor eröffnen; einem Sektor, der in der Vergangenheit als Auffangbecken für den Abbau von Beschäftigung in anderen Branchen diente und vom Einsatz arbeitssparender Technologien weitgehend ausgeklammert blieb.

Auf beiden Seiten scheint die Rolle technologischer Innovationen bei der Schaffung oder der Vernichtung von Arbeitsplätzen aus kurzfristiger Perspektive überbewertet zu werden. Die Faktoren, die das Beschäftigungsniveau aus dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Umfeld heraus beeinflussen, sind bekanntlich wesentlich vielfältiger. Dazu gehören Aspekte wie konjunkturelle Schwankungen, Verschiebungen in der Nachfragestruktur, strukturelle Anpassungsprobleme, monetäre Politik, fiskalpolitische Maßnahmen, demographische Entwicklung und Erwerbsneigung. Die Wirkungen laufen zum Teil über eine Reihe von Sekundäreffekten (Preis-, Substitutions-, Einkommens- und Multiplikatoreffekte), die sowohl voneinander abhängen, als auch von externen Entwicklungen beeinflußt werden können.

Die so notwendige empirische Abstützung der Einschätzung der Arbeitsmarktfolgen des Weges in die Informationsgesellschaft sieht sich somit mit einem komplexen Geflecht von Wirkungsmechanismen konfrontiert. Dies bedingt für derartige Langfristprognosen prinzipielle methodische Schwierigkeiten und Einschränkungen, was die Ansprüche an Zuverlässigkeit und Exaktheit betrifft. Dennoch lassen sich durch die Modellierung der wichtigsten Faktoren und Zusammenhänge nützliche Aufschlüsse über Richtung und Größenordnung von Beschäftigungsveränderungen in einzelnen Wirtschaftsbereichen gewinnen. Die Verwendung der Szenariotechnik kann zumindest helfen, mögliche Bandbreiten bei Zugrundelegung unterschiedlicher Annahmen zu verdeutlichen. Die vorliegenden Ergebnisse sind daher eher als empirisch begründete Einschätzungen möglicher Entwicklungen unter bestimmten Randbedingungen zu betrachten denn als punktgenaue Prognosen. Dies gilt für die quantitativen Beschäftigungswirkungen, in mindestens ebenso großem Maß wie für die qualitativen Effekte, etwa die Frage Höher- versus Dequalifizierung.

Aus der wachsenden Zahl von Studien, die sich mit Beschäftigungseffekten der Informationsgesellschaft befassen, läßt sich unter Konzentration auf einige umfassendere Untersuchungen der letzten Jahre ein erster Überblick über den aktuellen Ergebnisstand gewinnen, wobei hier eine Einschränkung auf die quantitative Dimension von Beschäftigungswirkungen erfolgt. Grundsätzliche Merkmale des Untersuchungsdesigns und zentrale Aussagen der wichtigsten Primärquellen finden sich in Übersicht 1 zusammengefaßt (siehe Anm. 9). Die Beiträge lassen sich auf Konvergenzen und Divergenzen in den generellen Resultaten und daraus ableitbare Schlußfolgerungen untersuchen.

Der Informations- und Kommunikationssektor

Für den Kernbereich, nämlich die direkten Effekte im Informations- und Kommunikationssektor (Telekommunikation, Informationstechnik, Unterhaltungselektronik, Industrie für Informationsinhalte) zeigt sich folgendes:

Trotz eines starken Umsatzwachstums, welches für den Telekommunikationssektor erwartet wird, ergeben die Abschätzungen für diesen Bereich mittelfristig eher sinkende Beschäftigtenzahlen. Bei den traditionellen europäischen Netzwerkbetreibern (PTOs) war in den OECD-Staaten bereits in der Periode 1982-1992 ein Beschäftigungsrückgang von 2,6 Mio. auf 2,4 Mio. festzustellen (siehe Anm. 10). Im EU-Raum werden in den nächsten Jahren Einsparungen von 250.000 bis 300.000 Arbeitsplätzen (etwa 25-30%) erwartet, um die Produktivität von US-Unternehmen zu erreichen. Die Liberalisierung des Sektors erhöht zwar den Druck, Rationalisierungsmaßnahmen schneller durchzuführen, die drastische Verringerung des Personalbedarfs ist aber bereits durch die Digitalisierung bedingt. In liberalisierten Märkten besteht allerdings die Chance zur zumindest teilweisen Kompensation durch zusätzliche Beschäftigte bei neu in den Markt eintretenden Unternehmen. Jedoch wird einzig in der Studie von Analysys (siehe Anm. 11), abhängig vom Grad der Liberalisierung, eine etwa 3 bis 12%ige Zunahme an Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2005 prognostiziert.

Ein ähnliches Muster der Divergenz von Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung zeigt sich für den Ausrüstungssektor und den Bereich der Unterhaltungselektronik: Produktivitätsfortschritte bei der Herstellung von Telekommunikationsausrüstung und Informationstechnik sowie der vergleichsweise geringe Anteil der europäischen Produktion am globalen Marktwachstum, insbesondere auf dem Gebiet der Unterhaltungselektronik, lassen eher eine rückläufige Beschäftigung bei steigender Produktion erwarten (siehe Anm. 12).

Übersicht 1: Studien zu Beschäftigung und Informationsgesellschaft
(nur in der gedruckten Version der TA-Datenbank-Nachrichten vorhanden)

Als Hoffnungsbereich für beträchtliche Beschäftigungszunahmen gelten ziemlich einhellig die Produktion von "Inhalten" bzw. die sogenannten "Copyright-Industrien". Ein Problem stellt in diesem Zusammenhang die Abgrenzung und unzureichende statistische Datenlage dar, so daß die gegenwärtige Zahl an Arbeitsplätzen in diesem Bereich nur grob geschätzt werden kann und je nach Breite der einbezogenen Sektoren recht unterschiedlich ausfällt. Insgesamt wird bei einer breiten Definition die Anzahl an Beschäftigten in diesem Bereich für das Jahr 1995 im EU-Raum auf etwa 5 Millionen bzw. 3% der Gesamtbeschäftigung geschätzt. Für einzelne Teilbereiche, insbesondere elektronische Medien, Internet-Dienste und Multimedia-Inhalte werden sehr hohe Wachstumsraten erwartet. Inwieweit diese aber zu einer spürbaren Entlastung des Arbeitsmarkts führen können, ist zumindest umstritten. So kommt eine Studie des DIW (siehe Anm. 13) zum Ergebnis, daß der Zuwachs bei den elektronischen Medien zu einem großen Teil durch Verluste bei den traditionellen Printmedien kompensiert wird.

Für die Entwicklung von EDV-Software und elektronischen Informationsdiensten werden zwar weitere beträchliche Marktzuwächse erwartet; aber ob der in den achtziger Jahren verzeichnete starke Beschäftigungszuwachs in diesem Sektor in Westeuropa fortdauert, machen zumindest drei Faktoren fraglich: die eindeutige Vormachtstellung der USA auf diesem Gebiet; die zunehmende Konkurrenz, zum Beispiel aus Indien und Osteuropa; und die Fortschritte in der Automatisierung der Softwareproduktion (siehe Anm. 14). Wieviel an Beschäftigungsausweitung in EU-Europa umgesetzt wird, wird somit in hohem Ausmaß von der weiteren Entwicklung der Konkurrenzfähigkeit der europäischen Sofwareproduktion abhängen.

Auswirkungen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene

Für die gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsentwicklung sind vor allem die von einer breiten Diffusion der IuK-Technik und einer leistungsfähigen Informationsinfrastruktur ausgehenden indirekten Auswirkungen in den übrigen Wirtschaftssektoren maßgeblich. Die wesentlichen Wirkungsketten beruhen auf Prozeß- und Produktinnovationen, positiven Netzwerkeffekten, der Verbindung mit organisatorischen Innovationen sowie dadurch verbesserter Wettbewerbsfähigkeit und Markterschließung (siehe Anm. 21).

Die einzelnen Studien basieren auf unterschiedlichen Methoden, sektoralen Abgrenzungen, Geltungsbereichen und Zeiträumen; sie weichen auch im Grad der Einbeziehung von Substitutionseffekten und indirekten Wirkungen auf die Gesamtwirtschaft voneinander ab. Trotz entsprechend divergierender Ergebnisse lassen sich einige wichtige Gemeinsamkeiten für die Wirkungen auf die Beschäftigungssituation finden:

Im günstigsten Szenario aus allen hier zugrundegelegten Quellen wird in der METIER-Studie bei rascher Diffusion von IuK-Technik bis 2010 mit einem Nettozuwachs an Beschäftigten in der EU gerechnet, der um 6 Mio. höher liegt als im Vergleichsszenario einer nur langsamen Ausbreitung. Aufgrund des gleichzeitig zu erwartenden Anstiegs des Arbeitskräfteangebots würde dies allerdings nur eine leichte Senkung des Niveaus an Arbeitslosigkeit bedeuten.

Hinweise auf landesspezifisch und sektoral unterschiedliche Beschäftigungsentwicklungen bietet unter anderem die AD-EMPLOY Studie. Die Ergebnisse sind aus Tabelle 1 ersichtlich:

Tabelle 1: Projektion sektoraler Beschäftigungstrends unter Einfluß der Diffusion von IuK-Technik (Österreich, Dänemark, Großbritannien)
(derzeit nur in der gedruckten Version der TA-Datenbank-Nachrichten vorhanden)

Die Abschätzungen erfolgten in einem einfachen zweistufigen Verfahren: zunächst wurde anhand nationaler Beschäftigungsstatistiken eine lineare Trendextrapolation für den jeweiligen Projektionszeitraum in acht Sektoren vorgenommen und diese anschließend als Baseline einer Gruppe von Experten vorgelegt, die ihre Einschätzung der durch die Diffusion der IuK-Technik zu erwartenden Auswirkungen als modifizierten Trend angaben. (Dies geschah unter der Annahme günstiger gesamtwirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen).

In allen drei Ländern wird als gesamtwirtschaftlicher Effekt im günstigsten Fall die Kontinuität der in der Vorperiode verzeichneten Steigerungsrate der Beschäftigung erwartet - soweit nicht in Vollzeitäquivalenten gerechnet wurde, jedenfalls unter Fortsetzung des steigenden Anteils an Teilzeitbeschäftigten. Zumindest für Österreich ist mit dem verschärften Budgetkonsolidierungs-Kurs, der damit verbundenen restriktiven Personalpolitik im öffentlichen Dienst und dem verstärkten Rückgang der Industriebeschäftigung (siehe Anm. 23) eine derartige Beschäftigungsausweitung mittlerweile sogar eher unwahrscheinlicher geworden. Die Trends in den einzelnen Sektoren sind allerdings sehr unterschiedlich und nur zum Teil vom Einsatz der IuK-Technik bestimmt. Insbesondere in der Primärproduktion und Grundstoffindustrie dominieren andere landesspezifische Einflüsse. Im Sektor mit den stärksten Wachstumsraten in der Vorperiode, den informationsbezogenen Dienstleistungen (Banken, Versicherungen, Hochschulen und Forschung, Wirtschaftsdienste etc.) werden - unter anderem aufgrund von verstärktem Einsatz der IuK-Technik - insgesamt durchweg deutliche Rückgänge der bisherigen Zuwachsraten erwartet. Der IuK-Sektor erfuhr in den achtziger Jahren im Bereich Telekommunikation und IuK-bezogener Dienste zumindest in Österreich ebenfalls eine starke Ausweitung. Dieser Trend wird sich nach Experteneinschätzung aufgrund der noch bevorstehenden beträchtlichen Personalverringerungen beim dominanten Betreiber (Post & Telekom Austria), keinesfalls fortsetzen lassen. Dagegen ist in Großbritannien und Dänemark nach bereits vollzogener Restrukturierung mit deutlichen Zuwachsraten zu rechnen.

Als Resümee bleibt festzuhalten: Zur Verbesserung des Verständnisses der Beschäftigungsdynamik der entstehenden Informationsgesellschaft werden sowohl methodische Fortschritte als auch darauf aufbauend ein kontinuierliches Monitoring der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und eingehende Analysen erforderlich sein. Inwieweit Informations- und Kommunikationstechnologien mit insgesamt positivem Nettoeffekt auf dem Arbeitsmarkt verbunden sind, bleibt letztlich weiterhin offen. Einerseits ist zumindest zum Teil bei neu geschaffenen Arbeitsplätzen davon auszugehen, daß damit andere Tätigkeiten substituiert werden, andererseits lassen sich Rationalisierungspotentiale bei vorhandenen Aktivitäten wesentlich leichter identifizieren als Beschäftigungsmöglichkeiten in noch nicht existierenden Märkten.

Wenngleich der Nettoeffekt gegenüber dem Status quo nicht exakt bestimmt werden kann, ist es doch eindeutig erkennbar, daß ein passives oder die Technikdiffusion verzögerndes Verhalten längerfristig die Beschäftigungsmöglichkeiten reduzieren würde. Insofern besteht im Interesse des Erhalts bzw. der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf globalen Märkten durchaus ein gewisser Zwang zur Innovation. Eine forcierte Politik in Richtung Informationsgesellschaft kann allerdings wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nicht ersetzen. Im Gegenteil, die längerfristig positiven Effekte einer steigenden Wettbewerbsfähigkeit bedingen die Nutzung der Rationalisierungspotentiale der neuen Technologien. Der einhergehende Strukturwandel bedarf gezielter sozialpolitischer Maßnahmen und verstärkter (Weiter)-Bildungsanstrengungen, um nicht zu einer weiter zunehmenden Quote an Langzeitarbeitslosen zu führen. Ein beschleunigtes Beschreiten des Weges in die Informationsgesellschaft ist nur eine von vielen notwendigen Bedingungen, die Beschäftigungskrise in Europa zu überwinden; deren Lösung bedarf aber einer Politik, die Angebots- und Nachfrageaspekte sowie Verteilungsfragen gleichermaßen berücksichtigt.

Anmerkungen

  1. AD-EMPLOY Projektteam (1995a): Employment Trends Related to the Use of Advanced Communications. Synopsis Report, Projektbericht an die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Wien u.a.
  2. EPRI-Watch: European Parliaments Research Initiative-Watch, ACTS-Project AC079.
  3. Eurostat Press Releases Nr. 42/97, 18. Juni 1997.
  4. Europäische Kommission (1996): Leben und Arbeiten in der Informationsgesellschaft. Im Vordergrund der Mensch (Grünbuch), Brüssel (http://www.id.de. informationen/peopl1st/index.html).
  5. Europäische Kommission (1993): Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Herausforderungen der Gegenwart und Wege ins 21. Jahrhundert (Weißbuch), Brüssel.
  6. Europäische Kommission (1994): Europe and the global information society. Recommendations to the European Council, Brüssel (http://www.ispo.cec.be/ infosoc/backg/bangeman.html).
  7. Information Society Forum (1996): Networks for People and their Communities. Making the Most of the Information Society in the European Union. First Annual Report to the European Commission from the Information Society Forum, Brüssel (http://www.ispo.cec.be/infoforum/pub.html).
  8. Rifkin, J. (1995): The End of Work: The Decline of the Global Labor Force and the Dawn of the Post-Market Era, Putnam.
  9. Eine ausführlichere Darstellung der Ergebnisse einzelner Studien findet sich z.B. in: IFO (1996): Qualitative und quantitative Auswirkungen der Informationsgesellschaft auf die Beschäftigung. IFO Studien zur Strukturforschung 23, München (englische Kurzfassung auch über http://www.bmwi-info2000. de/gip/studien/ifo/index.html) oder in: FAIR (1997) Opportunities for economic and employment growth in the evolution towards the Information Society. Working Paper N. 29. (http://www.analysys.co.uk/ acts/fair/wp_29.zip).
  10. Vgl. IFO 1996, S. 19.
  11. Analysys (1997): The Impact of Liberalisation on the Single Integrated Information Market, on behalf of European Commission DG XV, Bruxelles March 1997, zitiert nach FAIR (siehe Anmerkung 9).
  12. Vgl. IFO 1996, S. 27 ff.
  13. DIW (1996): Multimedia: Beschäftigungszunahme im Medien- und Kommunikationssektor vielfach überschätzt. Wochenbericht 10/96, Berlin (http://www. diw-berlin.de/diwwbd/96-10-1.html).
  14. Vgl. Freeman, C., Soete, L. (1994): Work for All or Mass Unemployment. Computerised Technical Change into the 21st Century, London, New York, S. 60 ff.
  15. MERIT (1991): Gesamtwirtschaftliche und sektorale Analyse der zukünftigen Entwicklung von Beschäftigung und Ausbildung in der Europäischen Gemeinschaft unter dem Einfluß der neuen Informations- und Kommunikationstechniken.
  16. Siehe Anmerkung 1.
  17. METIER Consortium (1995): The Impact of Advanced Communications in European Growth and Trade, Studie im Auftrag der EU-Kommission (ftp://race.analysys.co.uk/pub/race/economic/metier/complete).
  18. Siehe Anmerkung 13.
  19. Siehe Anmerkung 11.
  20. BIPE/IFO/LENTIC (1997): Effects on Employment of the Liberalisation on the Single Integrated Information Market, on behalf of European Commission DG XV, Brüssel.
  21. Vgl. AD-EMPLOY 1995a, S. 15 ff.
  22. AD-EMPLOY Projektteam (1995b): Employment Trends Related to the Use of Advanced Communications. Synthesis Report, Projektbericht an die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Wien u.a.
  23. Vgl. Institut für Raumplanung (1996): Die neue Industrielandschaft Österreichs, Wien.

Kontakt

Dr. Georg Aichholzer
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Institut für Technikfolgen-Abschätzung
Postgasse 7/4/3
A-1010 Wien
Tel.: + 43-1-51581/582
Fax: + 43-1-5131145
E-mail: tamail@oeaw.ac.at


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Technischer Fortschritt, Qualifikation und Arbeitsnachfrage von Unternehmen

von Friedhelm Pfeiffer

Technikfolgenabschätzung befaßt sich schwerpunktmäßig mit der Analyse der mit neuen oder geänderten Techniken verbundenen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. In den letzten Jahren sind in der Öffentlichkeit und der Wissenschaft insbesondere aufgrund der anhaltend hohen Massenarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik, aber auch in Europa, die Beschäftigungswirkungen des technischen Fortschritts verstärkt diskutiert worden. Diesem Themenbereich sind im Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, Forschungsbereich Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung mehrere aktuelle oder vor kurzem abgeschlossene Projekte gewidmet, die im Folgenden vorgestellt werden sollen. Ziel dieser Forschungsprojekte ist es, das Verständnis für die theoretischen und empirischen Zusammenhänge zwischen technischem Fortschritt, Bildungssystem und Arbeitsmarkt auf der betriebs- und volkswirtschaftlichen Ebene zu vertiefen. Zu diesem Zweck werden Datensätze auf der Individual- und der Firmenebene analysiert und auch miteinander verbunden.

Die Beschäftigungsfolgen des Fortschritts hängen u.a. von der Organisation des Arbeitsmarktes und der Bildungspolitik ab. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht sind die Beschäftigungseffekte des technischen Fortschritts ambivalent. Im Rahmen eines international angelegten vergleichenden Projektes des ZEW werden ökonomische Modelle vorgestellt und kritisch gewürdigt, die den Zusammenhang zwischen Arbeitsmarkt und Innovationen auf der konzeptionellen und theoretischen Ebene darstellen und erklären können. Die beachtlichen Meß- und Identifikationsprobleme im Bereich Innovation, Qualifikation und Beschäftigung werden vor dem Hintergrund bisheriger internationaler Arbeiten diskutiert. Das gilt für die einzelne Unternehmung, für eine Industrie und auch für die Gesamtwirtschaft. Die Beschäftigungseffekte von Produkt- bzw. Prozeßinnovationen hängen u.a. vom Zusammenspiel folgender Faktoren ab:

Mit den Daten des Community Innovation Survey (CIS, von EUROSTAT bereitgestellt) werden die Beschäftigungseffekte von Innovationen für acht europäische Länder ökonometrisch geschätzt. Die Ergebnisse zeigen, daß Umsatz, Arbeitskosten und Innovationen zu den wichtigsten Bestimmungsgründen der Beschäftigung zählen, wobei es zwischen den nationalen Volkswirtschaften in Europa bedeutsame Unterschiede im Verhalten und den Reaktionsweisen von Unternehmen und Besonderheiten von Arbeitsmärkten gibt, die vor dem Hintergrund einer europaweit koordinierten Innovations- und Beschäftigungspolitik beachtet werden müssen.

Ziel eines weiteren, im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Industrieökonomik und Inputmärkte" der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten, Projektes ist es, die theoretischen und empirischen Grundlagen zum Verständnis der Interaktion zwischen Qualifikation und Innovation zu vertiefen. In diesem Projekt soll der Zusammenhang zwischen der Arbeitsnachfrage der Unternehmen in nicht vollkommen kompetitiven Arbeitsmärkten, der Qualifikation der Arbeitskräfte und den Innovationsaktivitäten von Unternehmen mikroökonomisch und mikroökonometrisch untersucht werden. Die empirische Analyse basiert auf Unternehmensdaten aus dem Verarbeitenden Gewerbe in den neuen und alten Bundesländern (Mannheimer Innovationspanel, 1993-1995). In der Studie werden vier Qualifikationsgruppen unterschieden: Wissenschaftler/Ingenieure; Techniker/Meister; Facharbeiter und sonstiges Personal. Im technischen Wandel sinkt vor allem die Beschäftigung der wenig qualifizierten Arbeitskräfte. Eine tendenziell nach unten starre Struktur der Arbeitskosten beschleunigt diesen Prozeß noch und verstärkt den Einsatz von Hochqualifizierten in den Unternehmen. Eine weitere Verwissenschaftlichung und Technisierung der Produktion wird die Arbeitsteilung verstärken und die Nachfrage nach spezifisch qualifizierten Arbeitskräften erhöhen. Neue ZEW-Auswertungen bestätigen, daß im Dienstleistungsbereich der Trend zur Höherqualifizierung ähnlich stark, in manchen Bereichen wie Banken und Versicherungen eher noch stärker ausgeprägt ist.

Die bisher genannten Untersuchungen stellen auf die Bestimmung der Arbeitsnachfrage der Unternehmen im technischen Wandel ab, wobei Arbeit in verschiedene Qualifikationsgruppen unterteilt wird. Sie bauen auf Unternehmensdaten auf (Mannheimer Innovationspanel, Mannheimer Dienstleistungspanel). Daneben gibt es einige Projekte, die auf der Personenebene ansetzen und Einkommenseffekte, Bildung, berufliche Weiterbildung und Arbeitslosigkeit thematisieren. Mit Hilfe des Mikrozensus wird die Qualifikationsstruktur von Erwerbspersonen sowie deren Änderung im Zeitablauf detailliert erfaßt. In Mikroanalysen wird versucht, Ursachen und Ausmaß der Veralterung von Ausbildungswissen im technischen und wirtschaftlichen Wandel ebenso zu bestimmen wie die relative Bedeutung der Schul- und Berufsausbildung, der Weiterbildung und des nicht-formalen Lernens im Arbeitsleben. Dieser Studie liegen die Daten von gemeinsamen Umfragen des Bundesinstitutes für Berufsbildung und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in den Jahren 1979, 1985 und 1991/92 zugrunde.

Die Analysen der Beschäftigungswirkungen des Einsatzes neuer oder geänderten Techniken zeigen, daß die schulische und noch mehr die berufliche Qualifikation eine zentrale Rolle spielt. Generell ist es eine gut erforschte Tatsache, daß bessere Bildung, niedrigere Arbeitslosigkeit, ein besserer Zugang zur Weiterbildung, beruflich stabilere Lebenswege und höheres Einkommen zusammenhängen. Die in den letzten Jahren beobachtete Zunahme der Weiterbildung in Wirtschaft und Gesellschaft ist unter anderem auch eine Folge des technischen Wandels. Die Erstausbildung hinkt dem technologischen Wandel hinsichtlich der gelehrten Inhalte, aber auch hinsichtlich des Fächerspektrums zunehmend hinterher.

Die Wissensintensivierung der Produktionsweise ("knowledge based economy") stellt die Bildungspolitik vor neue Herausforderungen, deren Dimensionen bislang noch wenig verstanden werden. Einerseits sind Investitionen in Bildung und Humankapital eine notwendige Voraussetzung für Innovationen und technischen Fortschritt, andererseits verändert der technische Fortschritt die Nachfrage nach Berufen und Qualifikationen. Daraus können sich erhebliche Freisetzungseffekte auf dem Arbeitsmarkt und Fehlallokationen im Bereich der Bildungspolitik ergeben, von denen nicht alle Qualifikationsgruppen und alle Bereiche des Bildungswesens gleichmäßig betroffen sind.

Für eine vorausschauende Bildungs- und Technologiepolitik ist eine regelmäßige Beobachtung der technologischen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und der Entwicklung des Bildungswesens erforderlich. Die jährlich angelegte Berichterstattung zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands, die von den vier Instituten NIW, Fhg-ISI, DIW und ZEW als Gemeinschaftsanalyse durchgeführt wird, wird seit 1996 um das Themengebiet "Indikatoren für die Bildung und Qualität von Humankapital in Deutschland" erweitert. Diese Erweiterung basiert auf der Auswertung verschiedener Jahrgänge von Mikrozensusdaten, die das ZEW in die gemeinsame Analyse einbringt. In dieser Analyse sollen nicht zuletzt Anhaltspunkte für eine beschäftigungsorientierte Förder- und Technologiepolitik des Bundes und der Länder erarbeitet werden.

Kontakt

Dr. Friedhelm Pfeiffer
ZEW - Forschungsbereich Arbeitsmärkte,
Personalmanagement und Soziale Sicherung
L, 7, 1
D-68161 Mannheim
Tel. 0621/1235-150
E-mail.: pfeiffer@zew.de


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Gendiagnostik - Forschungs- und Marktperspektiven

von Rainer Paslack (GBM, Bad Oeynhausen)

Im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) wurde von Mitarbeitern der Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer Biomedizin mbH (GBM) in Bad Oeynhausen eine Status- und Potentialstudie zur Gendiagnostik erarbeitet und Ende 1996 vorgelegt.

Untersuchungsgegenstand und Aufgabenstellung

Das primäre Ziel der Studie ist es, das wissenschaftliche und ökonomische Potential der Gendiagnostik in ihren verschiedenen Anwendungen abzuschätzen. Es wird der Versuch unternommen, einen Überblick über den Stand der wissenschaftlich-technischen Entwicklung und die ökonomischen Möglichkeiten der Etablierung eines Marktes für Gendiagnostik bzw. gendiagnostische Leistungen zu geben. Obwohl die Untersuchung auf das Land Nordrhein-Westfalen fokussiert ist, wurden nationale und internationale Entwicklungen und Entwicklungsperspektiven mit berücksichtigt. Darüber hinaus wurde den sozialen und politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen sich die Etablierung eines Marktes für Gendiagnostika vollzieht, besondere Aufmerksamkeit geschenkt in der Absicht, die Wechselbeziehungen zwischen der technischen Dynamik, der wachsenden ökonomischen Bedeutung sowie den politisch relevanten möglichen sozialen und ethischen Auswirkungen der Gendiagnostik zu erfassen.

Im Mittelpunkt der Studie stehen die verschiedenen humanmedizinischen Anwendungen der Gendiagnostik, auf die derzeit weltweit das Gros der wissenschaftlich-technischen F&E-Arbeiten sowie der wirtschaftlichen Bemühungen um die Etablierung eines Marktes für Gendiagnostik entfällt; dies betrifft etwa die Entwicklung von Testkits zum Nachweis genetischer Defekte, die DNA-Diagnostik pathogener Erreger oder das "DNA-Fingerprinting" in der Gerichtsmedizin. Gleichwohl wird auch auf die Bedeutung der DNA-Analytik für die Veterinärmedizin, die Landwirtschaft (Pflanzen- und Tierzucht) und die Lebensmittelkontrolle eingegangen. Der "universelle" Charakter vieler für die Gendiagnostik entwickelter Methoden (z.B. die PCR-Technik) erlaubt im Prinzip ihre Anwendung auf jeden Forschungs- und Praxisbereich, in dem biologisches Material eine Rolle spielt.

Forschungs- und Wirtschaftsperspektiven

Vier globale Trends charakterisieren die derzeitige - und mittelfristig wohl auch künftige - Dynamik der F&E-Landschaft:

  1. Der Zuwachs an molekulargenetischen Testmöglichkeiten erfolgt rasant, fast schon exponentiell (dies gilt auch für den außermedizinischen, etwa züchterischen Bereich).
  2. Es werden immer neue oder verbesserte gendiagnostische Verfahren entwickelt, die auf immer mehr Anwendungsgebiete angewandt werden (von der Humangenetik über die Züchtungsforschung bis hin zur Nahrungsmittelkontrolle);
  3. Durch die fortschreitende Automatisierung und Standardisierung der Analysetechniken (Kartierung, Sequenzierung und Entwicklung von Test-Kits) sind Nachweise nicht nur immer schneller (und zuverlässiger) möglich, sondern auch immer leichter zu handhaben, was sie für die Labordiagnostik zunehmend interessanter macht;
  4. Durch die Verringerung des technischen Aufwandes und die Erhöhung des Durchsatzes an Testproben werden die Verfahren je vorgenommener Diagnose immer kostengünstiger, was zu einer deutlichen Ausweitung der Nachfrage führt.

Die wirtschaftliche Perspektive für molekulargenetische Diagnostika bzw. Leistungen läßt sich dahingehend charakterisieren, daß sich gegenwärtig trotz bestimmter struktureller Restriktionen ein deutlicher Zukunftsmarkt abzeichnet, der sich zumindest mittel- und langfristig günstig entwickeln wird. Exakte Wirtschaftsdaten, etwa Umsatzzahlen, waren kaum erhältlich; auch in den einschlägigen vorliegenden Statistiken sind die Angaben zur Gendiagnostik (DNA-Analytik) fast immer innerhalb hochaggregierten Datenmaterials zur "Bio- und Gentechnologie", zur "medizinischen Diagnostik" und dergleichen "versteckt". Gegenüber solch vagen quantitativen Aussagen erwiesen sich denn auch "qualitative" Informationen, die über Experteninterviews gewonnen wurden, als instruktiver bei der Abschätzung von Entwicklungstrends und der Bewertung wirtschaftlicher Prognosen. Dabei zeigte sich, daß zwar viele in der Vergangenheit geäußerte Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten der Bio- und Gentechnologie insgesamt aus heutiger Sicht als übertrieben optimistisch eingestuft werden müssen, daß aber dennoch gerade dem Marktsegment "Gendiagnostik" von den von uns befragten Experten nahezu einhellig eine günstige Entwicklung vorhergesagt wird (siehe auch die jüngste Prognos-Studie zur Biotechnologie von 1996). Für die recht beachtliche Dynamik des Feldes spricht auch die ausgesprochen rege F&E-Landschaft auf diesem Sektor.

Eine wirtschaftlich erfolgreiche Förderung der F&E auf dem Gebiet der Gendiagnostik wird gleichwohl entscheidend davon abhängen, ob und inwieweit es gelingt, eine Art "Pyramiden-Effekt" zu erzeugen:

Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Sicherung bestehender bzw. zur Schaffung neuer Arbeitsplätze im Bereich der Gendiagnostik werden letztlich nur dann greifen, wenn die immer rascher sinkende "Halbwertszeit" technologischer Innovationen in diesem Feld durch gezielte (selektive) Förderung "innovativer Spitzen-F&E" aufgefangen wird.

Notwendig ist, primär in Qualität (sprich: die Spitze der Pyramide) zu investieren, da - so die Grundidee - die "Quantität" der Geschäftstätigkeiten auf einem Gebiet und damit auch daran hängenden Arbeitsplätze (sprich: der breite Unterbau der Pyramide) im Sinne eines Kaskadeneffekts "von oben" nachgezogen wird. Hier sollten kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) eine Vorreiterrolle spielen, was freilich geeignete Rahmenbedingungen voraussetzt. In Nordrhein-Westfalen sind hierfür durchaus gute - wenn auch noch nicht ausreichende - Ansätze vorhanden (ca. 8 Firmen mit rd. 400 Mitarbeitern). Nicht zuletzt wird die Qualität der Gendiagnostik auch mitbestimmend dafür sein, daß der gesamte Sektor der Biotechnologie in NRW sich "gesund" entwickeln kann und aus seiner gegenwärtigen Nischenstellung herauskommt.

Strukturpolitische Empfehlungen

Die Autoren der Studie sehen politischen Handlungsbedarf in dreierlei Hinsicht:

  1. Aktueller und künftiger Regelungsbedarf besteht vor allem im Hinblick darauf,

    (a) die Rechte von Arbeitgebern und Versicherungen, genetische Daten von Arbeits- bzw. Versicherungsnehmern zu verlangen, zu definieren (Daten- und Persönlichkeitsschutz),

    (b) die Integration von Test- und humangenetischer Beratungspraxis sicherzustellen (dies dient insbesondere der Vermeidung bzw. Bewältigung psychosozialer Belastungen im Falle "positiver" Testresultate),

    (c) klare medizinische Indikationen und Kompetenzregelungen für die Kostenerstattung durch die Kassen festzulegen (hier sollten im Vorfeld unbedingt prospektive Kosten-Nutzen-Abschätzungen für einzelne Krankheitsfelder bzw. -bilder vorgenommen werden),

    (d) einem "Wildwuchs" innerhalb der genetischen Labordiagnostik zu wehren (Gefahr eines "diagnostischen overkills"),

    (e) zu klären, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen ein genetisches Massenscreening auf bestimmte genetische Erkrankungsrisiken sinnvoll und wünschenswert ist,

    (f) wie die Qualität genetischer Tests sichergestellt werden kann (etwa durch Ringversuche, Normierung, Zertifizierung von Diagnoselabors) und schließlich

    (g) wie jeglicher Mißbrauch von DNA-Analysen im Rahmen weitergehender Interventionen verhindert werden kann ("eugenische Selektion");

  2. Aktueller und künftiger Förderbedarf besteht im Hinblick auf

    (a) die Unterstützung von F&E-Projekten mit hohem innovativem Potential, insbesondere im Bereich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung und Methodenentwicklung,

    (b) die Förderung von Existenzgründungen bzw. bestehender kleiner und mittelständischer Unternehmen (etwa bei der Kapitalbeschaffung, der Patentierung eigener Erfindungen, bei der Initiierung von Auslandsaktivitäten),

    (c) die Verbesserung des Wissens- und Technologietransfer zwischen universitärer/staatlicher und industrieller Forschung sowie

    (d) Hilfen beim Aufbau von F&E-Kooperationen;

  3. Schließlich besteht nach wie vor dringlicher "Kommunikationsbedarf" zur Änderung des allgemeinen "Klimas", in dem sich die Etablierung des Marktes für gendiagnostische Produkte und Leistungen gegenwärtig vollzieht, im Hinblick auf

    (a) eine verbesserte Aufklärung und Information der Anwender und Nachfrager von Gendiagnostik (Ärzte, Laborbetreiber, Züchter, usw.), insbesondere der Patienten und Verbraucher (Akzeptanzdiskussion), mit Hilfe öffentlichkeitswirksamer Maßnahmen (Medienarbeit, "Diskursprojekte" und andere Formen der "Chancen-Risiken-Kommunikation");

    (b) die Initiierung von Prozessen der Technikfolgenabschätzung (TA), die "komprehensiv" (und möglichst auch "partizipativ") alle Aspekte der Gendiagnostik einer unabhängigen, kontinuierlichen und umfassenden Bewertung unterziehen sowie

    (c) die Evaluierung und gegebenenfalls Nachbesserung bestehender F&E-Netzwerke (z.B. im Rahmen der eingeleiteten BioRegio-Aktivitäten).

Bibliographische Angaben

Paslack, R.; Blanke, M.; Traude, A.: Gendiagnostik - Forschungs- und Marktperspektiven. Bad Oeynhausen: 1996.
Der Bericht (ca. 230 S.) ist unter der untenstehenden Kontaktadresse gegen eine Schutzgebühr von DM 50,-- (zzgl. MWSt) erhältlich.

Kontakt

Rainer Paslack
Leiter Technikfolgenabschätzung
GBM - Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer Biomedizin mbH
Wielandstr. 28a
D-32545 Bad Oeynhausen
Tel.: + 49 (0) 5731/792-170
Fax: + 49 (0) 5731/792-150


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Sozialwissenschaftliche Begleitforschung biomedizinischer Projekte an der TU-Wien

von Ilse Gebeshuber, Brigitte Ratzer, Claudia Wild

Auf die Tatsache, daß der biomedizinischen Technik weltweit ein immer größerer Stellenwert zukommt, reagierte die österreichische Wissenschaftspolitik erstmals 1990 mit dem Auftrag an die Österreichische Gesellschaft für Biomedizin, ein Forschungs- und Technologiekonzept "Biomedizinische Technik" zu erarbeiten. Bereits 1994 wurde an der Technischen Universität Wien der zunehmenden Bedeutung biomedizinischer Forschung und Entwicklung Rechnung getragen und die Arbeitsgemeinschaft TU-BioMed gegründet. Ziel und Aufgabe war und ist die Koordination sämtlicher biomedizinischer Aktivitäten. Heute nehmen 29 Forschungsgruppen an der TU-BioMed teil.

Parallel dazu entwickelte sich das Konzept einer Technikentwicklungs-Begleitforschung am Institut für Technik und Gesellschaft der TU-Wien. Das auf zwei Jahre anberaumte Projekt "Medizinische Technikfolgenabschätzung neuer biomedizinischer Technologien" begann im März 1996 und richtet sich in seinem Angebot auf sozialwissenschaftliche Begleitung von Technikentwicklung ausschließlich an Forschungsgruppen der TU-Wien.

Das am Institut für Technik und Gesellschaft (ITG) der TU-Wien entwickelte Konzept einer Begleitforschung für biomedizinische Technologien ist zum einen im Kontext des Bedarfs einer zunehmenden Steuerung und Planung in der Gesundheitspolitik, zum anderen aber auch als Bedarfsforschung zu biomedizinischen Technologien und Methoden kurz vor der Marktreife aus technologie- und wirtschaftspolitischer Sicht der Plazierung österreichischer Nischenprodukte zu sehen. Nicht nur die Kooperation von Technik und Sozialwissenschaft, sondern auch das Selbstverständnis der Begleitforschung als Beitrag zu einer sozialverträglichen Technikgestaltung oder als Marktforschung für ein sich noch in Entwicklung befindliches Produkt bedeutet die Öffnung eines Spannungsfeldes und die Erprobung eines noch nicht allzu oft geübten Spagats. Diese "Übung", erprobt durch ein interdisziplinäres Team, bestehend aus einer Sozialwissenschafterin und zwei Technikerinnen brachte nun, nach Ablauf des ersten Projektjahres, erste Ergebnisse, die durchaus als Beweis für die "fruchtbare" Zusammenarbeit zwischen Technik und Sozialwissenschaft gelten können: Nach einer ersten Phase der Formulierung von Angeboten an alle TU-BioMed Kooperationspartner, die die Methode und Aufgabenstellung einer derartigen sozialwissenschaftlichen Begleitung biomedizinischer Forschung darlegte, kam es zu den ersten Kooperationen im Bereich der Elektrotechnik (Schlaf-Apnoe-Screening Gerät) und der Chemie (Liquordiagnose für Morbus Alzheimer).

Zentrale Elemente der Begleitforschung sind

Während bislang die Begleitforschung im Dienste der TU-Institute durchgeführt wird und dementsprechend als Dienstleistung zu verstehen ist, kristallisiert sich zunehmend ein weiterer Schwerpunkt heraus: Im Zuge der Recherchen zum Stand der Forschung und zum Markt- und Anwenderbedarf zeigte sich, daß einige Forschungen nicht den internationalen Entwicklungen entsprechen, sondern vielmehr "am Stand treten". Einzelne Forschungsgruppen arbeiten am weiteren Ausbau ihrer Expertise, ohne einen Richtungswechsel zu erwägen, obwohl externe Faktoren, wie etwa der Druck nach Effizienz in der Gesundheitsversorgung oder Aspekte der Lebensqualität der PatientInnen dagegenstehen. Ein Beispiel: Es ist ein internationaler Trend, daß künstliche (auszutauschende) Implantate von Implantaten aus biokompatiblen Materialien abgelöst werden.

Vor diesem Hintergrund ist eine weitere Aufgabe der beschriebenen Begleitforschung als zukunftsweisende Beratung bzw. Korrektiv einer Technologie- und Forschungspolitik zu bedenken.

Begleitforschung I: Screening-Geräte für Schlafapnoiker

Prof. Pfützner, Institut für Grundlagen und Theorie der Elektrotechnik, Abteilung Bioelektrizität und Magnetismus, schickte einen Monat nach Aussendung unseres Kooperationsangebotes einen Brief mit der Beschreibung des Projektes "Screening-Gerät zur Überwachung von Schlafapnoen" und legte eine ausführliche Liste möglicher Tasks einer sozialwissenschaftlichen Begleitung dieses Projektes bei. Die von Prof. Pfützner selbst gemachten Vorschläge konnten im Rahmen des Projektes aufgegriffen und verwirklicht werden (siehe unten stehende Zusammenfassung). Das Ergebnis dieser Begleitforschung wurde Prof. Pfützner im Oktober 1996 übergeben und im November 1996 im Rahmen eines ersten Zwischenberichts des Forschungsprojektes an das Bundesministerium für Wissenschaft, Verkehr und Kunst (BMWVK) übersandt.

Die Begleitforschung zu den Schlafapnoe-Screeninggeräten setzte sich aus folgenden Teilschritten zusammen:

Zusammenfassung der Studie

Schlafapnoe ist eine Schlafstörung, die durch wiederholte Atemstillstände (Apnoen) während des Schlafes charakterisiert ist. Diese Apnoen haben normalerweise eine Dauer von Sekunden, können aber auch bis zu zwei Minuten andauern, und verursachen einen gefährlichen Sauerstoffsättigungsabfall im Blut. Die klinischen Folgen obstruktiver Schlafapnoe sind übernormale Schläfrigkeit während des Tages, Reizbarkeit durch den Mangel an Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen, depressive Stimmung, trockener Mund beim Aufwachen, sexuelle Probleme, Niedergeschlagenheit, Bluthochdruck, ernsthafte Herzbeschwerden, Gedächtnislücken, Morgenverwirrtheit und intellektueller Abfall. Mit der Zeit entwickeln sich bei nicht behandelten PatientInnen massive Spätschäden des Herz-Kreislaufsystems, die zu wiederholten Krankenhausaufenthalten, Invalidität und vorzeitigem Tod führen.

Schlafstörungen stellen in der Bevölkerung ein relativ häufiges Problem dar: Studien geben für westliche Industrienationen einen Gesamtanteil an Personen mit Schlafstörungen von 20 - 30 % an. Gleichzeitig weisen diese Staaten einen hohen Anteil an älteren Menschen auf: 1991 waren 20 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt, bis ins Jahr 2050 wird sich ihr Anteil auf 33 % erhöhen. Da mit dem Alter auch das Problem "Schlafstörungen" zunimmt, zeigen diese Daten, daß man sich vermehrt in präventiver, diagnostischer und therapeutischer Hinsicht mit Schlafstörungen beschäftigen muß.

Schlafapnoe wird in Schlaflabors im Rahmen einer polysomnographischen Untersuchung oder mit einem Schlafapnoe-Screening-Gerät, das der Patient mit nach Hause nimmt, diagnostiziert. Die derzeit am Markt befindlichen portablen Systeme sind geeignet, ein eindeutiges Schlafapnoesyndrom zu diagnostizieren; bei nicht eindeutigen Fällen muß dennoch zur Diagnosefindung eine Nacht im Schlaflabor folgen.

Von der Mehrheit der ÄrztInnen wird bei schwerem obstruktiven Schlafapnoesyndrom als apparative Therapie die nCPAP-Therapie (nasal continuous positive airway pressure) empfohlen. Unter dieser Therapie verschwinden die obstruktiven Apnoephasen und die Schlafstruktur der PatientInnen normalisiert sich.

Wegen der langen Wartezeiten auf eine stationäre Untersuchung verlagert sich besonders in den Bundesländern die Erstuntersuchung auf den Bereich der niedergelassenen Ärzte. Die Krankenkassen bezahlen zwar das nCPAP-Gerät für die nachfolgende Therapie und stationäre Aufenthalte, nicht aber ambulante Untersuchungen mit Screening-Geräten. Diese Kosten werden aufgrund fehlender Abrechnungsmöglichkeiten mit den Krankenkassen sehr oft den PatientInnen auferlegt, die Beträge rangieren zwischen ein- und zweitausend Schilling (150 - 300 DM). Diese Vorgangsweise ist ein Beitrag zu einer Zweiklassenmedizin, da Menschen, die sich diesen Betrag nicht leisten können, benachteiligt untersucht werden.

Screening-Geräte zur Heimüberwachung von (potentiellen) SchlafapnoikerInnen sind heute größtenteils unzuverlässig und werden von ärztlicher Seite daher abgelehnt. Zur Diagnosefindung wird die teure Untersuchung im Schlaflabor bevorzugt.

Fazit: Die Entwicklung eines zuverlässigen, einfach anzuwendenden Schlafapnoe-Screening-Gerätes in Kombination mit einer Abrechnung der Kosten der Untersuchungen mit diesem Gerät mit den Krankenkassen würde einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsvorsorge in Österreich leisten.

Begleitforschung II: Diagnoseforschung für Morbus Alzheimer

Doz. Steiner, Institut für Lebensmittelchemie und -technologie, bekundete ebenfalls einen Monat nach Aussendung unseres Kooperationsangebotes brieflich ihr Interesse an einer sozialwissenschaftlichen Begleitung ihrer Forschungen über Liquoruntersuchungen in der Alzheimerdiagnostik. Bei einem ersten Gesprächskontakt stellte sich heraus, daß keinerlei Vorstellungen bezüglich einer möglichen Begleitforschung vorhanden waren. Es wurde von unserer Seite ein Angebot formuliert und nochmals abgeklärt, ob die vorgeschlagenen Punkte von Interesse wären. Das Kooperationsangebot umfaßte folgende Punkte:

  1. Relevanz, Größenordnung des Problems: aus verschiedenen statistischen Daten (Bevölkerungsentwicklung, Erkrankungshäufigkeiten ...) Prognose über künftig zu erwartende Anzahl von Erkrankungen.
  2. Ausgaben für das Gesundheitswesen, Kosten-Nutzen-Analyse: Eine durchschnittliche "Diagnose-Geschichte" aus Befragungen von Ärzten und Angehörigen ermitteln sowie die Kosten dafür über den Hauptverband der Sozialversicherungsträger beziffern und den zu erwartenden Kosten einer einfachen Blut- bzw. Liquoranalyse gegenüberstellen.
  3. Stand der Forschung: Literaturrecherche über die für die Zulassung von klinischen Tests zuständige Ethikkommissionen.

Der Vorschlag wurde von Frau Doz. Steiner in dieser Form für interessant befunden. Die Ergebnisse der Begleitforschung wurden im November an Frau Doz. Steiner übergeben, sowie ebenfalls im Zwischenbericht an das BMWVK veröffentlicht.

Zusammenfassung der Studie

Wie die Daten zu den Prävalenzen von Altersdemenzen, insbesondere von Alzheimer-Dementen zeigen, handelt es sich bei Morbus Alzheimer bereits heute um ein großes Problemfeld. Zieht man die zukünftigen demographischen Entwicklungen in Betracht, - im Jahr 2020 werden in Österreich etwa 121.000 demente Menschen über 65 Jahren leben, davon zwischen 55.000 und 85.000 an Alzheimer Erkrankte - wird die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit der Problematik bewußt:

Fazit: Es ist dementsprechend von großer Bedeutung, zum einen die Alzheimer-Grundlagen- und Ursachenforschung zu forcieren und die Forschung an Diagnoseverfahren und die damit verbundene Hoffnung nach einem Aufhalten des Fortschreitens der Krankheit zumindest zu unterstützen. Zum anderen muß, nachdem es zumindest heute keine Hoffnung gibt, Alzheimer zu heilen, ebensoviel Energie in Innovationen von lebenserleichternden Techniken für DemenzpatientInnen wie deren Angehörige fließen.

Zusammenfassung und Ausblick

Der Abschluß des ersten Projektjahres kann als befriedigend beurteilt werden. Die Begleitforschung zu Screening-Geräten mündete in einem EU Technologieforschungs-Antrag, d.h. die Arbeitsgruppe um Prof. Pfützner hat aufgrund der Begleitforschung den Stellenwert der Entwicklung des Screening-Geräts völlig neu eingeschätzt, weitere Verbesserungen bis zur Marktreife werden nun in jedem Fall vorgenommen. Es konnte damit also ein definitiver Beitrag zur weiteren Produktgestaltung und -entwicklung geleistet werden, bisherige Unzulänglichkeiten aufgezeigt und somit auch neue Forschungsaufgaben gestellt werden. Hingegen kann im Bereich der Liquordiagnostik mehr von einer Argumentationshilfe gesprochen werden, die die Dringlichkeit von Diagnosetechniken für Morbus-Alzheimer nachweist. Am Institut für Lebensmittelchemie und -technologie wird allerdings nur im Rahmen einer Dissertation an dieser Problematik gearbeitet, so daß die Ergebnisse mehr zur Orientierung der ForscherInnen bezüglich der Weiterführung dieses Projekts bzw. Einreichung von Folgeprojekten verstanden werden können.

Beide Begleitforschungen zeigten, trotz des von den "Technikentwicklern" perzipierten Erfolgs, die Problematik der beteiligten Sozialwissenschafterinnen, nicht von dem Projekt vereinnahmt zu werden, sondern einen distanzierten Blick, jenen des Anwenders (=PatientInnen oder ÄrztInnen) zu behalten. Eine ebenfalls im Laufe des ersten Projektjahres eingelangte Interessenbekundung wies beispielsweise eine sehr deutliche Präferenz einer reinen Marktforschung ohne weitergehende Fragestellungen auf. Im zweiten Projektjahr werden Forschungen zu Biosensoren und zu Implantaten begleitet.

Literatur

Gebeshuber, I.C., Ratzer, B., Schmutzer, M.E.A., Wild, C.: "Medizinische Technikfolgenabschätzung neuer biomedizinischer Technologien". Zwischenbericht BMVK, Wien, November 1996.
(Anforderungen bitte richten an das Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr, Minoritenplatz 5, 1014 Wien, Tel.: 0043-1-53120-0; Fax: 0043-1-531204499 oder über http://www.bmwf.gv.at

Gebeshuber, I.C., Ratzer, B., Wild, C.: "Sozialwissenschaftliche Begleitung biomedizinischer Forschung". Soziale Technik, Nr. 1/97, Graz 1997.

Ratzer, B., Gebeshuber, I.C.: "Sozialwissenschaftliche Begleitung von Projekten im Bereich Biomedizinischer Technik an der TU Wien", in: Boenick, U., Schaldach, M. (Hg.), Biomedizinische Technik, Bd. 41, Berlin 1996.

Gebeshuber, I.C., Ratzer, B., Wild, C.: Biomedical Engineering: Social science accompanying research, in: 13th Annual Meeting of ISTAHC, Abstracts, May 1997.

Das ITG

Das Institut für Technik und Gesellschaft (ITG) wurde vor 7 Jahren an der TU-Wien eingerichtet und ist als Senatsinstitut keiner Studienrichtung oder Fakultät zugeordnet. Es richtet sich in der Lehre an alle HörerInnen sowohl der TU-Wien als auch anderer Universitäten. Die Forschung ist stark auf interdisziplinäre Ansätze ausgerichtet und konzentriert sich auf 4 Schwerpunkte, die in unterschiedlicher Weise Bezug auf Technik und Naturwissenschaften nehmen. Es sind dies ein Theorieansatz zur Techniksoziologie, Verkehr, Biomedizin und Konstruktionsforschung.

Die Autorinnen

Ilse Christine Gebeshuber ist Technische Physikerin, Kontaktperson der TU-BioMed und arbeitet in den Bereichen Computational Neuroscience und sozialwissenschaftliche Begleitung biomedizinischer Forschung.

Brigitte Ratzer ist Chemikerin und arbeitet im Bereich Techniksoziologie - Soziale Konstruktion von Technologien.

Claudia Wild ist Sozialwissenschafterin am Institut für Technikfolgenabschätzung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit dem Arbeitsschwerpunkt medizinische Technologien und Gerontechnologien.

Kontakt

Brigitte Ratzer
TU Wien
Institut für Technik und Gesellschaft
Resselgasse 5/031
A-1040 Wien
Tel.: + 43-1-58801-4215
Fax: + 43-1-505 43 84 E-mail: e8425927@stud2.tuwien.ac.at


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Technological innovation for sustainable development

A research project for the Belgian Federal Ministry of Scientific Research 1997-2000

by Patricia Vendramin

1. Structure of the research project

The workplan entails five phases corresponding to five objectives.

A. Analysis of the relationships between technology and sustainable development.
B. Characterization of sustainable technologies and innovation processes.
C. Socio-economic impacts of sustainable technologies: competitiveness and employment.
D. Relationships between technological innovation and other instruments fostering sustainable development.
E. Appraisal of conclusions in the Belgian context.

The research was started in May 1997.

The research project begins with a general, analytical study of the links between technology and sustainable development, the aim being to show that technology can be both, a cause of non-sustainable development and a factor fostering sustainable development. This first phase will lead to the identification of technological options.

The second phase will aim to better characterize the technological options that foster sustainable development. This characterization will be based on a series of criteria relating not only to environmental aspects but also to other dimensions of sustainable development such as the quest for solidarity and equity (between the North and the South, and between present and future generations) and the transformation of modes of production and consumption. This phase will also include a description of the supply of and demand for these technologies, covering both international and Belgian markets.

The third phase will entail the investigation of the real and potential impact of innovations in the field of sustainable technology. Two essential socio-economic aspects - competitiveness and employment - will be analyzed, taking account of the effects and benefits for the environment. The question of competitiveness has two facets: the competitiveness of the industries using the innovations, and the competitiveness of the sector producing (and often exporting) them. The question of employment will also have to be considered from these two angles, without forgetting a further element which is the indirect effects of the "ecological modernization" of industry.

The fourth phase will be concerned with the relationships between technological innovation and other instruments fostering sustainable development (scientific research, tax systems, regulations, public procurement, North-South cooperation, etc.). These different instruments are interdependent. The aim is to identify the combinations most likely to achieve the objectives of sustainable development and "qualitative growth".

The fifth and final phase will consider the conclusions of the preceding phases in the context of the Belgian situation and the country's role in the international arena. It will characterize the potential for the conception, dissemination and use of the technologies to foster sustainable development. It will highlight the restraints, the incentives, the opportunities and the challenges, paying special attention to the role of the different parties involved. It will consider how a "social base" more favourable to sustainable development might be created in the industrial sector. It will suggest avenues to be explored and scenarios for sustainable modes of production, and will examine the conditions which would make such models socially acceptable.

2. Scope of the study

The study will attempt to consider all forms of technological innovation which are potentially beneficial in terms of sustainable development, whether they concern processes, products or modes of organization. It will also consider the whole "chain" of innovation and devote special attention to the multiplicity of innovation patterns. It will cover all sectors of industry including energy.

With regard to Belgian institutional considerations, the research project explicitly aims to develop a basic framework for the analysis of technological innovation and its socio-economic impact which is founded on international developments, and therefore transcends any division of competencies between the Regions and the Federal State. However this does not mean that the institutional issue will be neglected, for it is an important element of the research project for the dissemination of the results of the research, where attention will focus specifically on means of communication and cooperation between the different institutional levels.

With regard to methodology, the research project puts an emphasis on an interdisciplinary approach. Each phase combines competencies and methods belonging to social sciences, economics and technology analysis.

3. Detailed presentation of the tasks involved in the research

Phase A: Analysis of the links between technology and sustainable development.

Phase B: Characterization and typology of sustainable technologies

Phase C: Socio-economic aspects regarding competitiveness and employment

Phase D: Relationships between technological innovation and other instruments fostering sustainable development

Phase E: Placing the results in the context of the Belgian situation

4. Dissemination and valorization activities

Once the research has been completed we propose that a number of activities should be carried out with the aim of providing actors involved in technological innovation processes affecting modes of production with information and scientific expertise, thus building a bridge between our research institute and the potential users of our research results:

Contact persons

Gérard Valenduc, research director
Patricia Vendramin, head of project
Anne-Catherine Rousseau, researcher
Fondation Travail-Université
"Work & Technology" Research Unit
5, rue de l'Arsenal
B-5000 Namur - Belgique
Tel.: + 32-81-725122
Fax: + 32-81-726128
E-mail: 101610.3225@compuserve.com (P. Vendramin)
E-mail: 101233.1465@compuserve.com (G. Valenduc)


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Ecodesign: A successful TA-Project. A short retrospective

by Lydia Sterrenberg*, Harriet Böttcher**, Sybren de Hoo***

1. Introduction

Recently, an updated English manual for Ecodesign, environmental product design, has been published (see 'TA relevante Bücher und Tagungsberichte'). This is a 'late born child' from the so called PROMISE project from the Rathenau Institute, that is performed in co-operation with several other organizations. The leading question of this problem-oriented TA-project was: How can businesses be encouraged to undertake environmental product development? Three years after the Rathenau-project was finished, we see several follow-up activities. On the occasion of the appearance of the english manual, we give a short retrospective of the project and main conclusions, pay attention to some policy follow-up activities and finally identify some factors, that may have made the project a successfull catalyser in the, ongoing, process of implementation of ecodesign.

2. The PROMISE-project

In 1993 the Netherlands Rathenau Institute, which advises the Dutch parliament, started the so called PROMISE-project. PROMISE stands for 'product development with the environment as innovation strategy'. The objective of the project was to 1) to continue and bring consistency in several primordial ecodesign inititatives, 2) to develop an ecodesign strategy and instrument, applicable by companies and 3) to formulate policy options, with the intention of promoting environmental product development in business.

The PROMISE project was part of the 'sustainable development' subprogramme of the Rathenau Institute. Starting point of the project was the conviction that it would be possible to formulate environmental strategies that not only benefit the environment, but also lead to innovation and economic benefits. This conviction was, among others, based on experiences with improvements, from an environmental perspective, of production processes within industry.

The PROMISE-project encompassed several sub-projects:

  1. Eight pilot-studies of environmental product development in eight companies, which were willing to participate. The pilots had to give information about chances for product design, strategies, possible results and obstacles.
  2. The development of an ecodesign manual for companies. In this manual existing knowlegde and practical experience was brought together.
  3. An overview of the obstacles and possible solutions for environmental product design in businesses, based on observations upon the demonstration studies.
  4. A study into existing government policy rules and regulations and into the possibilities of stimulating environmental product development through government policy.
  5. A Report to the Parliament from the Rathenau Institute, providing several policy options.

PROMISE was a co-operation project. In total 12 organizations were involved. The demonstration projects were already started at the beginning of the PROMISE project, and were brought into the project through the Dutch Ministry of Economic Affairs. The manual and two policy studies were realized with the financial support from the Ministry of Environment, Housing and Physical Planning and some smaller semi-governmental institutes. Six different research groups did the 'practical work'. The management of the PROMISE project (the demonstration projects excepted) was at the Rathenau Institute. A group of scientific experts, representatives from industry, government and environmental organizations, served as an advisory group for the Rathenau Institute.

3. Its policy-recommendations

An important conclusion of the project was that environmental product design does not require radical interference with company operations. It comes down to including environmental concern in the requirements and criteria already set down for product development. Also it became evident, that environmental product development is important to business. It can save companies costs, through reduced use of raw materials and energy, and also anticipates stricter environmental legislation in a cost-effective way. Furthermore, it provides innovative 'green' products, which improve the image of the company, the market potential and positioning of the products in relation to (international) competitors. So in fact, environmental product design offers a win-win strategy: benefit for the environment and benefit for the business.

This brings in two questions: will every company by itself start environmental product design and can government sit aside and just wait and see? The answer to those questions is no. Although at the time the Rathenau PROMISE project was executed there were some initiatives for ecodesign, these were mainly taken by large companies. Also they had typically been ad hoc. The PROMISE project listed the reasons for the fact ecodesign did not start on its own: prejudice at the management level of many companies ('environment costs money'), lack of initial necessary time and money (especially a problem in smaller-sized companies), lack of knowlegde, expertise and experience with environmental product design in the companies and sometimes conflicting or at least confusing rules and regulations.

The Rathenau Institute concluded that, if the government would like to promote ecodesign, the work was to stimulate a broader and less ad hoc application by industry of environmental product design. In its report to the Parliament the Rathenau Institute points out that with ecodesign an effective environmental behaviour can be achieved, geared towards the prevention of waste and emissions. Also significant environmental improvements can be accomplished by limiting the use of raw materials and energy and by substituting environmentally-hazardous (raw) materials.

The results of the project led the Rathenau Institute in its Report to the Parliament to six policy- options:

  1. Provide assurance on short and long term environmental policy, preferably in the form of integrated environment and energy responsibilities by product group;
  2. As a part of a further detailing of environmental business oriented policy, strive towards increasing co-operation between the Ministry of Economic Affairs, the Ministry of Environment, Housing and Physical Planning and executive organisations such as the Innovation Centers (set up to support entrepreneurs with questions concerning innovations), the Environmental Advisory Centre and the National Environmental Centre.
  3. Set up a fund for industry to pay producing prevention plans (the fund should be repaid by industry if benefits are made) and expand the subsidies for energy saving and environmental consultancy.
  4. Stimulate the exchange of environmental information between companies in a product chain.
  5. Set up experimental collaborative projects between companies and research institutions that anticipate international developments if possible. Expecially, at various Innovation Centres an experiment could be started with prevention teams that stimulate companies to adopt environmental product and process development.
  6. Enlarge the market opportunities for environment-friendly products.

4. Policy follow-up

The Report to the parliament came in time to be used by the Dutch parliament, when it discussed a note of the Minister of Environment titled Product and Environment. This note set out the government strategy and mentioned some measures. The Rathenau report led to questions to the minister and a request to the minister to investigate if a fund for Ecodesign and prevention plans would be useful (compare option 3). The minister agreed. On the basis of the results of this investigation, it was decided to set up a credit arrangement for companies.

But more has happened since:

5. Reasons for success

Retrospectively, it seems that the PROMISE project has succesfully worked as a catalyst of events. We think it had such an effect because of at least four strong points. The first is the conviction (and efforts!) of the project co-ordinators, researchers and many people from the advisory committee that the Promise project was a relevant initiative and should result in a good final product. Second: it linked existing government-initiatives and realized practical examples in industry. Especially, these demonstration projects made clear what was attainable in practise and what were real obstacles. This made the results convincing both for parliamentarians, government people and people from industry. A third factor is the development of committment with people involved, that grew going the project. Especially worthwile mentioning is that the two ministries initially did not work well together. In the end they were convinced that environment and economics could go together and that co-operation would be more productive and powerfull. And finally, we believe that the production of different products, more or less tailor-made for different target groups (designers and industry versus policy makers and parlementarians), provided a useful base and stimulus for co-operation and follow-up activities.

Summarizing we can say that PROMISE had a good response and has been an succesfull accelerator for Ecodesign policies, follow-up programmes and projects. Apart from timing and high motivation, we think that the co-operation, process and approach (based on demonstration) of this TA-project are import factors for its success. For future TA-projects, these factors are worth to be taken into consideration already in the phase of the project design.

PROMISE publications

Brezet, H & C. van Hemel. Ecodesign : a promising approach to sustainable production and consumption (1997). ISBN 92 807 1631 X. Rathenau Institute, the Hague; Delft University, Delft; UNEP, Paris.

Brezet, H., e.a.. Handleiding voor milieugerichte produktontwikkeling. Ondersteuning van bedrijven bij het opzetten van systematische milieugerichte produktontwikkeling (in Dutch) (1994). ISBN 90 12 0812 2. SDU, The Hague, the Netherlands.

Crul, M.R.M.. Milieugerichte produktontwikkeling in de praktijk (Environmental product development in practise. In Dutch, english summary) (1994). Rathenau Institute, the Hague, the Netherlands.

Cramer, J.M., W.J.V. Vermeulen, M.T.J. Kok. Met beleid naar milieugerichte produktontwikkeling (Policy and environmental product design. In Dutch, english summary) (1994), ISBN 90 346 2902 3. Rathenau Institute, The Hague, the Netherlands.

Riele, H. te, A. Zweers e.a.. Eco-design: acht voorbeelden van milieugerichte produktontwikkeling (Eco-design: eight examples of environmental product design. In Dutch, english summary) (1994). Rathenau Institute, the Hague, the Netherlands.

Video: PROMISE, de winst van milieugerichte produktontwikkeling (PROMISE, environmental product design pays, in Dutch) (VHS, 10 min.). Ministery of Environment, Housing and Physical Planning, the Hague, the Netherlands.

Brochure: De winst van milieugerichte produktontwikkeling (8 pagina's) (Brochure: environmental product design, in Dutch). Ministry of Environment, Housing and Physical Planning, the Hague, the Netherlands.

Milieugerichte ontwikkeling van produkten en processen : rapportage aan het Parlement (Report to the Parliament: environmental product and process design. In Dutch, english summary) (1994), R11, ISBN 90 346 3104 4. Rathenau Institute, the Hague, the Netherlands.

* Programme co-ordinator at the Rathenau Institute

** Previously Rathenau Institute, now consultant and co-ordinator of the Innovation Centre's Project 'EcoDesign for small and medium sized enterprises'

*** Previously leading the PROMISE project at the Rathenau Institute and senior advisor of the United Nations Environment Programme, now deputy head Strategic Sustainable Development at RABO-bank International

Contact

Lydia Sterrenberg
Rathenau Institute
Koninginnegracht 56
postbus 85525
2508 CE Den Haag
Tel.: + 31-70-342 15 42
Fax: + 31-70-363 34 88
E-mail: sterrenberg@rathenau.nl


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Stand: 26.02.1999 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion