TA-INSTITUTIONEN UND -PROGRAMME

Das EPTA Netzwerk wächst

von Leo Hennen, TAB

Auf der diesjährigen EPTA-Konferenz berichteten die einzelnen Mitgliedsorganisationen über Probleme, Erfolge und Erfahrungen in der parlamentarischen TA-Arbeit. Auf der Tagesordnung stand außerdem die Aufnahme weiterer Mitglieder in das Netzwerk.

Am 25. und 26. September fand in Kopenhagen die diesjährige Konferenz des European Parliamentary Technology Assessment Network (EPTA) statt, zu dem sich die parlamentarischen TA-Einrichtungen in Europa zusammengeschlossen haben. Der erste Tag des Treffens stand unter dem Titel "The Impact of Parliamentary Technology Assessment". Die einzelnen Mitgliedsorganisationen, die nunmehr alle auf eine langjährige Erfahrung mit parlamentarischer Politikberatung in Sachen TA zurückblicken können, berichteten über Erfolge (und Mißerfolge) ihrer Arbeit vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Zielsetzungen, Arbeitsweisen und Aufgaben, die die Arbeit der TA-Einrichtungen kennzeichnen. Alle Organisationen haben sich als fester Bestandteil der parlamentarischen Beratungs- und Entscheidungsprozesse etablieren können, wobei Berichte und Expertisen der Einrichtungen sowohl in Form von Hintergrundinformationen, der Organisation von Hearings als auch der unmittelbaren Entscheidungsvorbereitung in technologiepolitischen Fragen genutzt werden.

Es zeigte sich, daß die Schwierigkeiten parlamentarischer TA-Arbeit in allen Ländern ähnlich sind: Das knappe Zeitbudget der Abgeordneten erschwert die intensive direkte Interaktion zwischen Beratungseinrichtung und Klientel; die schnell wechselnde politische Agenda macht die rechtzeitige Bereitstellung gründlich recherchierter und wissenschaftlich fundierter Information zur ständigen Herausforderung. Einmal mehr wurde deutlich, wie breit und unterschiedlich das Aufgabenspektrum und die Arbeitsweise parlamentarischer TA-Arbeit in Europa definiert ist: von der Durchführung von TA-Studien durch die Parlamentarier selbst (OPECST(1), Frankreich), über die klassische Politikberatung (POST(2), Großbritannien; STOA(3), Europäisches Parlament; TAB(4)) bis hin zur Organisation des öffentlichen Diskurses über technologiepolitische Themen (Rathenau-Institut, Niederlande; Danish Board of Technology).

Der zweite Tag war dem sog. EPTA-Council, d.h. dem Treffen der Direktoren der jeweiligen wissenschaftlichen Einrichtungen und der parlamentarischen TA-Verantwortlichen der jeweiligen Länder vorbehalten. Das zentrale Thema des Councils war in diesem Jahr die Aufnahme neuer EPTA-Mitglieder. Aus Finnland, Griechenland und Italien waren in diesem Jahr Anträge auf Aufnahme in das EPTA-Netzwerk gestellt worden. In diesen drei Ländern haben die Parlamente einen speziellen Ausschuß etabliert, der sich mit Fragen des Technology Assessment befaßt (siehe hierzu auch den Bericht in der Juli-Ausgabe der TA-Datenbank-Nachrichten). Das finnische "Subcommittee for TA" hat bereits einen umfangreichen Bericht zur zukünftigen gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung Finnlands vorgelegt, der im Plenum des Parlamentes intensiv diskutiert wurde. Die TA-Arbeit in Italien und Griechenland steht erst am Anfang. In allen drei Ländern wird zur Zeit über die Möglichkeit der Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen bzw. die Ergänzung des TA-Ausschusses durch ein wissenschaftliches Büro oder Sekretariat beraten. Der EPTA-Council beschloß einstimmig die Aufnahme der drei neuen Mitglieder und bot seine Unterstützung für die Aufbauphase an. Im EPTA-Netzwerk sind nunmehr acht europäische Länder und das Europäische Parlament mit ihren TA-Einrichtungen als Vollmitglieder, sowie vier weitere TA-Einrichtungen mit Beobachterstatus (Schweiz, Österreich, Tschechien und Belgien) vertreten. Zum neuen EPTA-Vorsitzenden wurde Prof. Alain Pompidou (MEP) von STOA gewählt. STOA wird auch die nächste EPTA-Konferenz ausrichten.

(1) Office Parlementaire d'Evaluation des Choix Scientifiques et Technologiques
(2) Parliamentary Office of Science and Technology
(3) Scientific and Technological Options Assessment Programme
(4) Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag


Zum Seitenanfang

Zurück zur Deckseite

Technikbewertung an der Fachhochschule Hamburg: Ein Sachstandsbericht

von Eberhard Appel, Peter Berger, Constantin Canavas, Arnim von Gleich; bearbeitet von Monika Bergmann

Der Ansatz von Technikbewertung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Schon im durch die Richtlinie 3780 des VDI dokumentierten Übergang von der Technikfolgenabschätzung zur Technikbewertung drückt sich aus, daß der Ansatz im Prozeß der Technikgenese nach 'vorn' gerückt ist. Weniger die stark mit Prognoseproblemen behaftete Abschätzung von Folgen einer 'fertigen' Technik, als die Erweiterung der immer schon stattfindenden Bewertungsprozesse um die ökologische und soziale Dimension, die konzentriertere Beachtung möglicher unbeabsichtigter Nebenwirkungen und langfristiger Folgewirkungen steht heute im Zentrum. Damit verschob sich das Hauptbetätigungsfeld der Technikbewertung von der Politikberatung hin zu Innovationsprozessen in den Unternehmen (u.a. Alternativenprüfung). Im folgenden wird über Ansätze zur Integration der Technikbewertung in Lehre und Forschung an der Fachhochschule Hamburg berichtet.

I. Institutionalisierung der Technikbewertung in der Fachhochschule Hamburg

Die Integration eines Faches Technikbewertung in die Ingenieursausbildung zur Ergänzung und Vertiefung der selbstverständlich in allen technischen und wirtschaftlichen Ausbildungselementen stattfindenden Bewertungsprozesse war ein konsequenter Schritt, den die Fachhochschule Hamburg Anfang der 90er Jahre vollzog. Der Hochschulsenat beschloß die Einrichtung von je einer Professur für das Lehrgebiet Technikbewertung an den drei großen Standorten mit Ingenieurstudiengängen (Bergedorf, Berliner Tor und City Nord).

Vorangegangen waren diesem Beschluß zahlreiche Initiativen auf Fachbereichsebene zu den Themen Technik und Verantwortung sowie Technik und Umwelt. Fest institutionalisiert wurden die MUT (Mensch-Umwelt-Technik) Tage, die einmal im Semester stattfinden.

Die Besetzung der drei Professuren gestaltete sich je nach Standort sehr unterschiedlich. Am Standort Bergedorf einigten sich die dort ansässigen Fachbereiche auf einen Vorschlag des Fachbereichs Bio-Ingenieurwesen, Produktionstechnik und Verfahrenstechnik, nicht eine Person für das neue Fachgebiet zu berufen, sondern jeweils ein Drittel an drei andere Stellen anzubinden. Eine wesentliche Motivation für diese Entscheidung war die Erwartung, daß dadurch die Lehrenden fest auf dem Boden und in der praktischen Wirklichkeit eines "klassischen" Fachgebiets der Fachhochschule stehen und sich aus dieser Position heraus fachübergreifend mit Technikfolgenabschätzung und Technikbewertung beschäftigen könnten. Ein weiterer Grund für die Aufteilung war die Frage der Akzeptanz des Lehrgebiets und der Lehrperson, sowohl bei den Studierenden als auch beim Kollegium. Außerdem erhoffte man durch eine Aufteilung, das sehr breite Spektrum der am Standort Bergedorf vertretenen Studienangebote fachkompetent durch Technikfolgenabschätzung bzw. Technikbewertung zu begleiten bzw. zu ergänzen. Schließlich könnten mehrere Fachvertreter eine "kritische Masse" bilden und sich gegenseitig unterstützen, fördern, ergänzen und anregen. Die Besetzung der Stellen führte zu einer Kombination der Technikfolgenabschätzung/Technikbewertung mit den Fachgebieten Medizintechnik/Elektrotechnik (Prof. Dr.-Ing. Eberhard Appel), Automatisierungstechnik/Chemie- und Verfahrenstechnik/Philosophie (Prof. Dr.-Ing. Constantin Canavas) und Betriebssoziologie / Kommunikationstechniken/Nachrichtentechnik (Prof. Dr. Peter Berger).

Am Standort Berliner Tor wurde 1994 die vorgesehene Stelle ausschließlich dem Fachgebiet Technikfolgenabschätzung/Technikbewertung gewidmet. Dies ermöglicht die Bündelung der Kräfte und die erhöhte Konzentration auf das Fachgebiet. Durch das Qualifikations- und Erfahrungsprofil des Stelleninhabers Prof. Dr. Arnim von Gleich (Biologie/Chemie, Pädagogik; Sachverständiger-Tätigkeiten) erfolgte eine fachübergreifende Ergänzung und Erweiterung der "klassischen" Disziplinen am Standort. Beide Wege, sowohl die Kombination mit Fachgebieten, als auch die Einrichtung einer ausschließlich dem Gebiet Technikbewertung gewidmeten Stelle haben sich als erfolgsversprechende Strategien herausgestellt. Wobei zu den Erfolgsvoraussetzungen eine 'Zweibandqualifikation', d.h. zumindestens eine naturwissenschaftlich-technische Grundqualifikation gehört haben dürfte.

Die dritte Stelle (Standort City Nord) wurde zwar im Fachbereich Vermessungswesen gleichzeitig mit der Stelle am Berliner Tor ausgeschrieben (März 1993), das Verfahren führte jedoch nicht zu einer Besetzung. Gemäß der erneuten Ausschreibung (17.01.1997) soll damit das Lehrangebot im Fachgebiet "Technikbewertung im Bauwesen" unterbreitet werden unter besonderer Berücksichtigung ökologischer, rechtlicher, sozialer und humaner Folgen von Planungsmaßnahmen sowie bautechnischer Entwicklungen. Ein entsprechendes Lehrangebot ist auch in den Studiengängen Architektur und Vermessungswesen anzubieten. Das Berufungsverfahren ist zur Zeit noch nicht abgeschlossen.

Zum Selbstverständnis der Technikbewertung gehören Intervention und Vermittlung bei der Entwicklung und Verbreitung von Technik. Lehre und Forschung in der Fachhochschule verstehen sich praxisnah und anwendungsorientiert. In dieser Parallelität liegt auch die Chance für eine wirksame Integration der Technikbewertung in die Aktivitäten der Fachhochschule, die durch Projekte, Diplomarbeiten usw. den Transfer von Ansätzen und Erfahrungen aus der Lehre und Forschung in die Praxis und aus der Praxis in die Lehre begleitet. Die Erforschung und Gestaltung der Bedingungen dieses Transfers unter dem Gesichtspunkt der Folgenabschätzung und der Technikbewertung sowie die Erprobung von geeigneten Methoden gehören zu den Hauptzielen des neuen Lehrbereichs. In einer ständigen Interaktion mit der betrieblichen Praxis - einer Interaktion, die häufig durch die Studierenden selbst in die Hochschule hereingetragen wird - soll in kleinen Schritten eine umfassende, den heutigen betrieblichen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werdende Qualifikation unserer Absolventen erreicht werden.

2. Stand von Lehre und Forschung zur Technikbewertung an der Fachhochschule Hamburg

Die Professoren für Technikbewertung an der Fachhochschule Hamburg haben eine Arbeitsgruppe gebildet, in dem sie ihre Lehre inhaltlich und didaktisch abstimmen, sowie einen Curriculumsvorschlag zur Technikbewertung erarbeiten.

Übereinstimmung herrscht dabei in folgenden Grundauffassungen:

2.1 Lehre am Standort Bergedorf

Am FH-Standort Bergedorf sind die Studiengänge Biotechnologie, Medizintechnik, Umwelttechnik, Verfahrenstechnik, Ökotrophologie, Pflege und Gesundheit sowie der hochschulübergreifende Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen angesiedelt. Nach den zur Zeit gültigen Studienordnungen ist Technikbewertung für die Studiengänge des Fachbereichs Bio-Ingenieurwesen Produktionstechnik und Verfahrenstechnik (BPV) als Pflichtfach (2 Lehrveranstaltungen), für den Studiengang Ökotrophologie als fachübergreifendes Wahlpflichtfach (4 Lehrveranstaltungen) und für den Hochschulübergreifenden Studiengang Wirtschaftsingenieur (HWI) als Wahlfach vorgesehen.

Pro Semester werden mehrere Parallelveranstaltungen in Seminar- oder Projektform angeboten. Die Schwerpunkte werden in engem Zusammenhang mit dem jeweiligen Studiengang gelegt. Die Zuordnung der betreuenden Hochschullehrer erfolgt vor dem Hintergrund der interdisziplinären Fachschwerpunkte des jeweiligen Hochschullehrers: Medizintechnik, Betriebssoziologie und Nachrichtentechnik sowie Automatisierungstechnik und Chemieingenieurtechnik. Zusatzstudien und berufliche Erfahrungen bestimmen auch die spezifischen Akzente auf dem Gebiet der Technikbewertung: Technologietransfer und Evaluationsansätze im Gesundheitswesen, Datenschutz und Beratung bei Technikgestaltung, sowie ethische und historische Ansätze. Das Bestreben, Ansätze der Technikbewertung in die einzelnen Fächer zu integrieren, wurde bisher bei Diplomarbeiten, fachübergreifenden Projekten und einzelnen Fächern realisiert. Die vor kurzem beschlossene Einführung weiterer Pflichtprojekte durch eine umfassende Studienreform dürfte die Integrationschancen für die Technikbewertung wesentlich erhöhen. Herauszuheben sind außerdem studentische Arbeitsgruppen bzw. Aktivitäten in den Bereichen: Umweltmanagement, Ökobilanzen und Umweltberichte/Umweltkommunikation / Umweltbildung.

2.2 Lehre am Standort Berliner Tor

Am Standort Berliner Tor werden seit SS 1994 Lehrveranstaltungen zur Technikbewertung in den Studiengängen Maschinenbau, Chemieingenieurwesen, Fahrzeug- und Flugzeugbau, Elektrotechnik, Softwaretechnik und Technische Informatik angeboten. Für die Studiengänge Maschinenbau und Chemieingenieurwesen gemeinsam werden zwei vierstündige Veranstaltungen im Wahlpflichtbereich durchgeführt. Im ersten Studienabschnitt geht es dabei um 'Probleme der Stoff- und Technikbewertung im Ingenieursalltag' und im zweiten Studienabschnitt um 'Prinzipien ökologischer Technikgestaltung'. Für die Studiengänge Fahrzeug- und Flugzeugbau wird eine vierstündige Wahlpflichtveranstaltung Technikfolgenabschätzung mit dem Titel 'Umweltfolgen als Innovationsmotor - Auf dem Weg zum umweltfreundlichen Fahrzeug?', für die Studiengänge Elektrotechnik, Softwaretechnik und Technische Mechanik wurden im Wechsel zwei aufeinander aufbauende, je zweistündige Veranstaltungen im gesellschaftswissenschaftlichen Wahlpflichtfach angeboten zu den Themen 'Elektronikschrott als Anstoß zum recyclinggerechten Konstruieren' und 'Ökologische Optimierung von Elektro- und Elektronikgeräten'. Darüber hinaus wurde im SS 1995 eine Ringvorlesung zum Thema "Bionik: Von der Natur lernen - naturgemäß handeln?" organisiert.

2.3 Weitere Lehrveranstaltungen zur Technikbewertung

Weitere Veranstaltungen sind: eine Seminar-Veranstaltung mit dem Titel "Technikbewertung und Umweltmanagement"am Fachbereich Fahrzeugtechnik (Prof. Dr. Kreth), ein Seminar "Betriebliches Umweltmanagement" am Fachbereich Wirtschaft, sowie am Standort City Nord (FB Architektur, Bauingenieurwesen, Vermessungswesen) Ringvorlesungen zum schonenden Umgang mit Ressourcen in der Architektur.

Es ist vorgesehen, das Lehrangebot Technikbewertung standortübergreifend zu erweitern.

2.4 Studentischer Wettbewerb Technikbewertung

In den Jahren 1995/96 und 1996/97 wurden an der FH Hamburg auf Initiative des damaligen Vizepräsidenten Prof. Dr. Kreth mit Förderung durch die Körber-Stiftung zwei Wettbewerbe "Technikbewertung - Wir fangen bei uns selbst an" durchgeführt.

In den Ausschreibungsbedingungen wurden zwei Ziele miteinander verknüpft: Zum einen die Erweiterung und Verbesserung der Ausbildungsqualität, zum anderen die Verbesserung des Lernortes, des 'Systems' Fachhochschule selbst. Der Untersuchungsgegenstand wurde nicht weiter eingegrenzt. Um Teamarbeit und Interdisziplinarität zu sichern, wurden aber formale Kriterien vorgeschrieben: Zusammenarbeit war Pflicht, und in einem Team mußten mindestens zwei Fachbereiche vertreten sein.

Die Beiträge der Studierenden wurden von einer fachkompetenten Jury bewertet, deren Mitglieder nicht der Fachhochschule angehörten.

Als Ergebnis ist festzuhalten, daß die Ansätze der Technikbewertung einen wichtigen Beitrag zur Einübung fachbereichsübergreifender Teamarbeit und Kommunikation sowie zur Verbesserung der Ausbildungsqualität liefern können.

2.5 Arbeitsgruppe Technikbewertung und Workshop

Aufgrund des vorgenannten Verständnisses des Stellenwertes der Technikbewertung wurde es von den Professoren als notwendig erachtet, eine Arbeitsgruppe Technikbewertung zu bilden, die mit der Curriculumsentwicklung Technikbewertung befaßt ist. Im Vordergrund stehen hier Fragestellungen, die sich aus der Implementation und Integration von Technikbewertung in die Lehre ergeben. In den ersten Arbeitssitzungen wurde festgestellt, daß im Hinblick auf Ziele und Inhalte keine grundsätzliche Übereinstimmung besteht, was jedoch u.a. auch aus den unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Fachgebiete resultiert. In dieser Situation beschloß die AG, eine bundesweite Untersuchung bezüglich des Lehrangebotes auf dem Gebiet der Technikbewertung durchzuführen. Unterstützt von einer Assistentin wurden in dem Zeitraum von 1995-1997 Fachhochschulen, Universitäten und Institute befragt, die nach dem Kenntnisstand der AG ein Lehrangebot für Technikbewertung (im weitesten Sinne) haben. Der umfangreiche und sehr differenzierte Rücklauf ermutigte die AG vom 16. bis 18.10.1997 einen Workshop zum Thema "Technikbewertung in der Lehre" in Hamburg zu veranstalten. Ziel ist es, in einem größeren Kreis aus der erkennbaren Vielgestaltigkeit der einzelnen Modelle und Erfahrungen Ansätze für ein Curriculum zu entwickeln.
(Ein Bericht über den Workshop wird in einer der nächsten Ausgaben der TA-Datenbank-Nachrichten erscheinen.)

2.6 Forschungsprojekt "Technikbewertung für Ingenieure"

Im Wintersemester 1996/97 begann ein einjähriges Forschungsprojekt mit dem Titel "Technikbewertung für Ingenieure". Mit ihm wird das Ziel verfolgt, Technikfolgenabschätzung und Technikbewertung im Studium sowie in der beruflichen Praxis von Ingenieuren fester zu verankern. Technikbewertung ist immer schon selbstverständlicher Bestandteil der Ingenieursausbildung gewesen. Welche spezifischen Anforderungen führen heute zu einem speziellen Vertiefungs- und Ergänzungsbedarf, der die Möglichkeiten der bisherigen ingenieurtechnischen und wirtschaftlichen Veranstaltung sprengen würde, und wie läßt sich dieser Bedarf genau fassen? Wie verallgemeinerbar sind die Anforderungen aus den übrigen Veranstaltungen und von der Abnehmerseite? Und wie läßt sich dafür ein Kern-Curriculum Technikbewertung formulieren?

Forschungsfragen sind somit u.a.:

2.7 Weitere Forschungsvorhaben und Beratungstätigkeit

Forschungsschwerpunkte der Stelleninhaber auf unterschiedlichen Gebieten wie Kriterien der Technikbewertung, Risikoanalysen, sanftere Alternativen auf den Gebieten Chemie und Biotechnik, Umweltmanagement, Ökobilanzen sowie Bildschirmarbeitsplatzanalyse finden ihren Niederschlag in der Betreuung von Diplomarbeiten und in Beratungskommissionen, wie der Enquête-Kommissionen "Schutz des Menschen und der Umwelt - Ziele und Rahmenbedingungen für eine nachhaltig zukunftsverträgliche Entwicklung" des Deutschen Bundestags (Prof. Dr. von Gleich) und "Chancen und Risiken der Gentechnologie" des schleswig-holsteinischen Landtags (Prof. Dr. Hanneforth).

2.8 Interdisziplinäre Informationsveranstaltungen

Ein wichtiges Ziel der Professoren für Technikbewertung an der Fachhochschule Hamburg ist die Integration von Lehrinhalten in Veranstaltungen der Fachhochschule, die sich mit der aktuellen Technikentwicklung und den diesbezüglichen öffentlichen Debatten befassen. So finden jährlich an den Standorten Bergedorf und Berliner Tor ganztägige bzw. mehrtägige Informationsveranstaltungen für eine breitere Öffentlichkeit statt, an denen Technikbewertungs-Professoren aktiv beteiligt sind. Schwerpunktthemen solcher Veranstaltungen in den letzten Jahren waren die Transplantationsmedizin, Energie, Müll, Gentechnik, Ökologische Umgestaltung und das Internet.

2.9 Aktivitäten außerhalb der Fachhochschule - Vernetzung auf dem Gebiet Technikbewertung

Die mit dem Themenbereich 'Technik - Gesellschaft - Umwelt' befaßten Hochschullehrer, Doktoranden und Diplomanden der Hamburger Hochschulen haben sich im von der Forschungsgruppe BIOGUM der Universität Hamburg [siehe TA-Datenbank-Nachrichten Nr. 3, Oktober 1996, S. 27 ff.] organisierten Forschungskolloquium "Technik - Gesellschaft - Umwelt" zusammengeschlossen. Die Anzahl der Beteiligten und die bisherige Kontinuität der dort geführten Debatten zeigt, daß sich im Hamburger Raum eine 'kritische Masse' für dieses Arbeitsfeld herauszukristallisieren beginnt.

Überdies bestehen Kooperationen bzw. Erfahrungsaustausch mit weiteren Hamburger Institutionen wie dem Kolloquium Wissenschaftsforschung des Hamburger Instituts für Sozialforschung, der Kooperationsstelle Technologie- und Innovationsberatung für Arbeitnehmer (TIB) beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sowie mit der Akademie für Technikfolgenabschätzung Baden-Württemberg und dem Referat für Technik- und Wissenschaftsethik (Koordinationsstelle der TA-Lehr- und Fortbildungsangebote) der Fachhochschulen Baden-Württembergs. Gemeinsame Projekte auf dem Gebiet der Gentechnik wurden außerdem mit BUKO Agrarkoordination (Hamburg) erfolgreich durchgeführt.

Kontakte auf internationaler Ebene zu Institutionen der Technikbewertung - speziell im Gesundheitswesen - in anderen Ländern bestehen durch die Mitgliedschaft von Prof. Dr.-Ing. E. Appel in der International Society of Technology Assessment in Health Care (ISTAHC). Zur genannten Thematik der Einbindung von TA in die Ausbildung von Ingenieuren der Biomedizinischen Technik bestehen enge Kooperationskontakte zur Universität Linköping (Schweden). Weitere internationale Verbindungen bestehen mit der Hellenic Evaluation and Technology Assessment Society (Griechenland), sowie durch Mitarbeit an der griechischen Sektion des EU-Projekts "Task Group on Public Perception of Biotechnology" (Prof. Dr.-Ing. C. Canavas).

3. Perspektiven

Der Erfolg einer fundierten Lehre bzw. einer praxisnahen Qualifikation im Bereich Technikbewertung hängt von der Integration in bestehende Studiengänge und von der Erfassung der (erwartbaren) Bedarfe der Abnehmer unserer Absolventen ab. Technikbewertungskompetenz ist auch ganz wesentlich Diskurskompetenz, lebt also vom disziplinübergreifenden Denken und der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, sowohl im eigenen Fachbereich, wie auch fachbereichs- und hochschulübergreifend. Vor diesem Hintergrund haben die personellen und institutionellen Möglichkeiten für einen disziplin- und hochschulübergreifenden Erfahrungsaustausch eine besondere Bedeutung.

Die Bemühungen der Lehrenden im Bereich Technikbewertung für eine hochschulübergreifende Zusammenarbeit sollten institutionell abgesichert und gefördert werden. Dies gilt auch für an der FH Hamburg neu geschaffene Strukturen (z.B. fachübergreifenden Projekte als verbindliches Element des Curriculums und individuell gestaltbare Vertiefungsbereiche - Stichwort "Kreditierung").

Durch derartige Ansätze sollte - unter Berücksichtigung der jeweiligen Profile der unterschiedlichen Hochschulen - eine institutionalisierte Kooperation abgesichert werden. Die Erweiterung und Vertiefung der Zusammenführung der unterschiedlichen Hochschulen mit ihren eigenständigen TA-Bereichen wird dann das Profil der Hamburger Region im Gebiet der Technikbewertung weiter akzentuieren und stärken.

Kontakt

Prof. Dr. Arnim von Gleich
Fachhochschule Hamburg
FB Maschinenbau und Chemieingenieurwesen
Berliner Tor 21
D-20099 Hamburg
Tel.: + 49 (0) 40/2488-4345
E-mail: gleich@rzbt.fh-hamburg.de

oder

Prof. Dr. Constantin Canavas
Fachhochschule Hamburg-Bergedorf
Lohbrügger Kirchstraße 65
D-21033 Hamburg
Tel.: + 49 (0) 40/7252-2762


Zum Seitenanfang

Zurück zur Deckseite

Das Interuniversitäre Forschungszentrum für
Technik, Arbeit und Kultur (IFF/IFZ), Graz

von Jürgen Suschek-Berger

Zur Geschichte des Instituts

Das Interuniversitäre Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ) in Graz wurde 1988 gegründet. Ausgangspunkt dieser Gründung waren festgestellte Defizite in der IngenieurInnenausbildung an der Technischen Universität Graz, vor allem in Hinblick auf die Vermittlung von Kenntnissen über ökologische bzw. soziale Voraussetzungen und Folgen von Technologien.

Bereits im Studienjahr 1985/86 wurde diesem Defizit mit der Abhaltung einer Ringvorlesung zum Thema "Soziale Technik - Antworten auf die Technikkritik" zum ersten Mal begegnet. Aus der an diese Ringvorlesung anschließenden Tagung "Die Stellung der österreichischen Universitäten im Wandel der Arbeitswelt - Möglichkeiten der Kooperation zwischen Arbeitnehmervertretung und Universitäten" wurde die Idee entwickelt, ein eigenes Institut zu gründen.

Sehr hilfreich war dabei die Unterstützung durch das "Interuniversitäre Forschungsinstitut für Fernstudien (IFF)", welches sich bereit erklärte, das IFZ als Teil seiner Arbeitsgruppe "Arbeit und Bildung" (Leiter: Univ.-Prof. Dr. Werner Lenz) institutionell einzubinden. Das IFF ist ein interuniversitäres Institut der Universitäten Innsbruck, Klagenfurt und Wien.

Im Zuge der Umstrukturierung und Umbenennung des IFF im Jahre 1991 zum "Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung" wurde das IFZ als Programmbereich "Arbeit und Technik" der IFF-Abteilung "Technik- und Wissenschaftsforschung (TEWI)" (Leiter: Univ.-Prof. Dr. Arno Bammé) zugeteilt.

Zu Hintergrund und Methodik

Die Abteilung Technik- und Wissenschaftsforschung versucht, einen interdisziplinären Zugang zu Technologie zu erarbeiten, dabei Technologie als soziales Projekt zu thematisieren, in ausgewählten Problemfeldern soziale, psychische, ökonomische und politische Voraussetzungen und Folgen zu erforschen und Umsetzungsmöglichkeiten zu den erarbeiteten Ergebnissen vorzuschlagen.

Die Programmatik erfordert zum einen die Erarbeitung von begrifflichen Instrumentarien und zum anderen zugleich die Entwicklung von Strategien der Gestaltung von und des Umgangs mit Technologien. Mit eben diesen Fragen der sozial- und umweltverträglichen Technikgestaltung beschäftigt sich das IFZ, wobei die Forschungsprojekte des IFZ durch folgende Begriffe charakterisiert werden können:

Methodisch zeichnet sich die Arbeit des IFZ aus durch:

Das interdisziplinäre Team des IFZ setzt sich aus acht MitarbeiterInnen - TechnikerInnen, Natur-, Sozial- und GeisteswissenschafterInnen - zusammen. Leiterin des IFZ ist Dr. Christine Wächter.

Die Finanzierung des Institutes erfolgt in erster Linie über Auftragsforschung. Auftraggeber sind öffentliche Einrichtungen, vor allem Kommunen und Ministerien, aber auch Unternehmen. Darüber hinaus werden internationale Forschungsprojekte im Auftrag der EU durchgeführt.

Projektbereiche des IFZ

Projektbereich Ökologische Produktbewertung und umweltfreundliches Beschaffungswesen

Das umweltgerechte Beschaffungswesen öffentlicher und privater Einrichtungen hat sich als ein wirksames Instrument der ökologischen Gestaltung von Produkten und Technologien erwiesen. In diesem Projektbereich werden Beratungsprojekte für Institutionen und Betriebe durchgeführt, Bewertungskriterien für Produkte und Technologien entwickelt sowie spezifische Produktbewertungen erstellt.

So wurde z.B. im Auftrag des österreichischen Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie in Zusammenarbeit mit der Umweltberatung Österreich und dem österreichischen Ökologie-Institut Kriterien zur ökologischen Bewertung von Wasch- und Reinigungsmitteln erarbeitet. Den jeweiligen Beschaffungseinrichtungen war es dadurch möglich, jene Produkte aus dem Angebot auszuscheiden, die in hohem Ausmaß als umwelt- oder gesundheitsgefährdend einzustufen sind.

Derzeit wird für die österreichische Bundeshauptstadt Wien im Rahmen des "Klimaschutzprogrammes Wien (KLIP)" der Bereich "Beschaffung/Abfall" betreut. In diesem Projekt geht es darum, durch ökologische Beschaffungsmaßnahmen einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Weiters ist in diesem Projektbereich ein Schwerpunkt zum Thema "Gen- und Biotechnologie" entstanden. Ausgangspunkt dafür war die Durchführung eines Projektes zu gentechnisch erzeugten Enzymen in Wasch- und Reinigungsmitteln sowie die Organisation einer Enquete zum Thema "Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln" für die steirische Landesregierung.

Zwei spezielle Einrichtungen des IFZ haben sich aus der Arbeit dieses Projektbereiches im Frühjahr 1997 entwickelt: Einerseits das "BeschaffungsService Austria - Informationszentrum für umweltfreundlichen Einkauf", welches Anfragen von Beschaffungsverantwortlichen über umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen beantwortet und den viermal jährlich erscheinenden Newsletter "Take it!" als Informations- und Kommunikationsmedium herausgibt, andererseits die "Informationsstelle zur Gentechnologie (INFOgen)", die zielgruppenorientiert über Gentechnik informieren und durch Beratungs- und Vermittlungstätigkeit die Auseinandersetzung mit dem Themenbereich erleichtern sowie Impulse für die individuelle und institutionelle Meinungsbildung geben will.

Nähere Informationen: DI Günter Getzinger, Tel. + 43 316/813909-34, e-mail: getzinger@ifz.big.ac.at

INFOgen: Dr. Armin Spök, Tel. + 43 316/813909-22, e-mail: spoek@ifz.big.ac.at

BeschaffungsService Austria: Dr. Ines Oehme, Tel. + 43 316/813909-21, e-mail: oehme@ifz.big.ac.at

Ausgwählte Veröffentlichungen

Loinig, Andreas / Spök, Armin / Zitz, Edith (Hg.): Wunder aus dem Genlabor? Gen- und Reproduktionstechnologien und die "Dritte Welt", hg. von HUG/Nawi, IFZ und ÖIE, Graz 1995, öS 60,-.

Blau, Evelyn / Getzinger, Günter / Kellner, Jutta / Kolm, Paul / Tietel, Rainer / Wächter, Christine: Ökologie im Büro. Handbuch für Betriebsräte, betriebliche Umweltbeauftragte und Mitarbeiterinitiativen, hg. von GPA, IFZ und Österreichischem Ökologie-Institut, ÖGB-Verlag, Wien 1994, öS 590,-.

Projektbereich Energie und Klima

Arbeitsschwerpunkte dieses Projektbereiches sind die Bilanzierung von Treibhausgasen und die Analyse von CO2-Reduktionsstrategien, die Erstellung kommunaler Energie- und Klimaschutzkonzepte, die Durchführung von Energieprojekten in Zusammenarbeit mit Schulen sowie die Entwicklung und Evaluation von Energiedienstleistungspaketen und innovativen Finanzierungsmodellen für effiziente Energietechnologien.

Forschungsprojekte in diesem Bereich sind z.B. die Untersuchung von Stromsparpotentialen und die Ausarbeitung von nicht-investiven Maßnahmen zur besseren Stromnutzung in den Landesamtsgebäuden der steiermärkischen Landesregierung oder die Untersuchung der Hemmnisse und der fördernden Bedingungen für die Verbreitung von Biomasse-Kleinanlagen in der Steiermark sowie die Erarbeitung von Vorschlägen und Empfehlungen für eine verbesserte Verbreitung.

Nähere Informationen: DI Wibke Tritthart, Tel. + 43 316/813909-23, e-mail: tritthart@ifz.big.ac.at

Ausgewählte Veröffentlichungen

Rohracher, Harald / Suschek-Berger, Jürgen / Schwärzler, Günther: Verbreitung von Biomasse-Kleinanlagen: Situationsanalyse und Handlungsempfehlungen. Hg.: Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr (Berichte aus Energie- und Umweltforschung 9/97), Graz 1997, kostenlos (zu beziehen beim Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr).

Rohracher, Harald: Der organisatorisch-institutionelle Rahmen von Technikdiffusion. Am Beispiel der Verbreitung von modernen Holzheizungen, IFZ-Schriftenreihe - Heft 26/1997, öS 150,-.

Papousek, Boris / Rohracher, Harald / Lesch, Karl-Heinz / Geyer, Anton: Methodik zur Bestimmung von Reduktionspotentialen klimawirksamer Spurengase für Gemeinden, IFZ-Schriftenreihe - Heft 24/1995, öS 230,-.

Mair, Gottfried / Suschek-Berger, Jürgen: Enerwie? Enerwas? Schulprojekte zum Thema "Energie", IFZ-Schriftenreihe - Heft 23/1994, öS 150,-.

Tritthart, Wibke: Energiesparen im Haushalt. Erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, Wien 1994, kostenlos.

Projektbereich Frauen - Technik - Umwelt

In diesem Projektbereich geht es darum, die Technikkompetenz von Frauen als Techniknutzerinnen und Technikbetroffene sichtbar zu machen und die Barrieren, die bei der Einbeziehung von Praxisexpertinnen in die Technikgestaltung auftreten, aufzuzeigen. Beteiligungsmodelle mit Frauen in der Umwelt- und Technologiepolitik werden entwickelt.

So wurde z.B. im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, des Landes Steiermark und der Stadt Graz von 1994-1996 das Modellprojekt "Frauen und Umwelt - am Beispiel der Stadt Graz" durchgeführt. Ziel des Projektes war es, Module für eine frauenorientierte kommunale Umweltpolitik zu entwickeln. Nach der Auswertung qualitativer Interviews wurden zur Erhöhung des Partizipationsgrades der weiblichen Bevölkerung als entsprechende aktivierende Angebote mehrere frauenspezifische Workshop-Module entwickelt. Zwei Workshops ("Ärger' di' net, ärger' di' net!? Frauen und Umwelt in Graz" und "Frauen und Wasser") wurden bereits umgesetzt und dokumentiert. Die erarbeiteten Forderungen und Maßnahmenvorschläge sollen von den zuständigen Stellen in Kommunalpolitik und Verwaltung umgesetzt werden. Zwei weitere Workshops ("Energie und Klimaschutz - Frauen auf der Sonnenseite" sowie "Klimafreundlicher Konsum - Frauen, Umwelt und Entwicklung") werden 1998 stattfinden.

Nähere Informationen: Dr. Christine Wächter, Tel. + 43 316/813909-14, e-mail: waechter.ch@ifz.big.ac.at

Áusgewählte Veröffentlichungen

Wächter, Christine: Frauen und Umwelt am Beispiel der Stadt Graz, IFZ-Schriftenreihe - Heft 22/1994, S 150,-.

Wächter, Christine: Frauen und Wasser. Dokumentation des Workshops vom 18. - 20. 9. 1996, IFZ-Schriftenreihe - Heft 25/1996, S 100,-.

Projektbereich Technik- und Umweltgeschichte

Einen Beitrag zur Entstehungsgeschichte der Gegenwart zu leisten und über die Zusammenhänge von Individuum, Gesellschaft, Natur und Technik historisch aufzuklären, ist Absicht dieses Projektbereiches.

Ein Beispiel dafür ist das Teilprojekt "Technik und Moderne", das im Rahmen des Spezialforschungsbereiches "Moderne" an der Universität Graz den Prozeß der Technisierung öffentlicher Stadträume am Beispiel von Wien (als Zentrum) und Graz bzw. Ljubljana (als Zentren zweiter Ordnung) um die Jahrhundertwende untersucht. Gefragt wird nach den Auswirkungen der Technisierung in der modernen (Groß)Stadt und ihrer Rolle für das Leitbild "Moderne". Dabei kommt der Verbindung einer technikgeschichtlichen Perspektive, die sich auf den Prozeß technischen Wandels konzentriert und nach den funktionalen Aspekten von Technik fragt, und einer kulturgeschichtlichen Perspektive, die sich in erster Linie für die symbolisch-kulturellen Aspekte und Kontexte von Technik interessiert, eine besondere Bedeutung zu.

Nähere Informationen: Dr. Peter Wilding, + 43 316/813909-32, wilding@ifz.big.ac.at

Ausgewählte Veröffentlichungen

Schiffer, Josef / Senarclens de Grancy, Antje / Stromberger, Monika / Uhl, Heidemarie / Wilding, Peter: Urbanität und Moderne. Technik, Architektur, Kultur und Wissenschaft als Symbole städtischer Identität um die Jahrhundertwende. In: Zeitgeschichte 7/8, 23. Jg. 1996, S.213-242.

Wilding, Peter: Technik in der modernen Großstadt. Die Modernisierung der städtischen Infrastruktur in Wien und die Anfänge einer modernen urbanen Identität. In: Technik - Politik - Identität. Hg. von Klaus Plitzner. Stuttgart: Verlag für Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik 1995, S.125-136.

Zeitschrift SOZIALE TECHNIK

Seit 1990 gibt das IFZ regelmäßig die Zeitschrift SOZIALE TECHNIK heraus. Das publizistische Interesse der viermal jährlich erscheinenden "Zeitschrift für sozial- und umweltverträgliche Technikgestaltung" richtet sich auf die gesellschaftlichen Aspekte von Technik einerseits, die technischen Aspekte von Gesellschaft andererseits. Es geht ihr nicht um die Beschreibung von Entwicklungen von (neuen) Technologien, sondern um die Beschäftigung mit sozialen Voraussetzungen von Technik und um die Bewertung der Folgen von Technologien.

SOZIALE TECHNIK dient der Information über Forschungsprojekte, Aktivitäten und Veranstaltungen in den Bereichen umwelt- und sozialverträgliche Technikgestaltung, Technologiebewertung und Technikfolgenabschätzung. Außerdem möchte sie eine Plattform zur Auseinandersetzung mit fächerübergreifenden Aspekten der Technik sein sowie konstruktive Beiträge für eine sozial- und umweltverträgliche Gestaltung von Technologien liefern.

Neben Beiträgen von WissenschafterInnen aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen besteht durch die Einrichtung einer Gastredaktion für in- und ausländische Institute, die im Bereich sozialwissenschaftlicher Technikforschung arbeiten, die Möglichkeit, jeweils 8 bis 10 Seiten einer Nummer inhaltlich zu gestalten und ihre wissenschaftliche Tätigkeit einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren. Damit wird der Kontakt und die Zusammenarbeit mit anderen sozialwissenschaftlichen Technikforschungsinstituten, insbesondere im deutschsprachigen Ausland, intensiviert und ausgebaut.

Ein Probeabonnement von SOZIALE TECHNIK (2 Nummern kostenlos) kann beim IFZ bestellt werden. Die Kosten für das Jahresabonnement betragen DM 20,-.

Kontakt

IFF/Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ)
Schlögelgasse 2
A - 8010 Graz
Tel. + 43 316/813909-0
Fax + 43 316/810274
e-mail: iff@ifz.big.ac.at
Internet: http://www.cis.tu-graz.ac.at/ifz/

Für weitere Informationen zum IFZ steht Mag. Jürgen Suschek-Berger, Tel. +43 316/813909-31, e-mail: suschek@ifz.big.ac.at gerne zur Verfügung.


Zum Seitenanfang

Zurück zur Deckseite

Evaluation des Fusions-Programms der Europäischen Gemeinschaft

von Eckhard Leßmann, ITAS

Aufgabe des von der Europäischen Kommission 1996 eingesetzte Fusion Evaluation Board war es, eine satzungsgemäß "externe Bewertung" des Europäischen Fusionsforschungsprogramms durchzuführen. Der vorliegende Bericht des Board stellt in kurzer, prägnanter und anschaulicher Form das bisherige Europäische Fusionsforschungsprogramm, den Fortschritt in den letzten fünf Jahren und den gegenwärtigen Stand der Fusionsforschung dar. Die weiteren Entwicklungen, mit den möglichen Aktivitäten und Optionen insbesondere die internationale Zusammenarbeit im Rahmen des International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) - Vorhabens werden diskutiert.

Der Ausschuß empfiehlt ausdrücklich den im Fusionsprogramm vorhandenen Arbeitsschwerpunkt Sicherheit und Umwelt um den Bereich 'Sozio-ökonomische Aspekte' zu erweitern. Dazu wird ein zusätzlicher Forschungsschwerpunkt "Socio-economic research on fusion (SERF)" vorgeschlagen.

Begründet wird die Empfehlung wie folgt:

Ein erfolgreiches Fusionsprogramm müsse zu einer ökonomisch wie sozial akzeptierten Energiequelle führen. Das derzeitige Programm komme dem Bau einer großen Versuchsanlage (ITER) näher. Dies sei einerseits ein erster Schritt in Richtung der kommerziellen Nutzung, aber andererseits gewönnen mögliche Behinderungen auf dem Wege dorthin immer größere Bedeutung. Deshalb würden bessere Kenntnisse darüber benötigt, wie man diese neue Form der Energieerzeugung in die Gesellschaft einführen könne. Solche Kenntnisse seien erforderlich, um die anstehenden schwierigen politischen Entscheidungen in rationaler Weise fällen zu können.

Als Forschungsaufgaben werden angesprochen:

Die Ökonomie der Fusion müsse ein Schwerpunkt der Arbeit sein. Bei den durchzuführenden Studien sollten nicht nur wie bisher die technischen Analysen im Vordergrund stehen, sondern es sollen vor allem einige wesentliche spezifische Probleme, z.B. die langen Entwicklungszeiten, die verschiedenen Verfahren zur Behandlung von Schattenkosten und Externalitäten etc. so genau untersucht werden, wie es für andere Energiequellen schon erfolgt ist.

Des weiteren werden Studien zur öffentlichen Akzeptanz der Fusionsenergie für erforderlich gehalten, da die breite öffentliche Zustimmung eine wesentliche Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung der Fusion zu einer wirtschaftlichen Energiequelle sei. Die Untersuchungen dazu müßten dabei die Meinungsbildungsprozesse, die Einstellungen und Wertvorstellungen sowie deren Veränderungen berücksichtigen.

Viele moderne Systeme, darunter auch die Fusionsanlagen, seien außerordentlich komplex. Dies gälte nicht nur für die technische Auslegung und Planung, sondern auch für die gesellschaftlichen Institutionen, die bei der Einführung und gesellschaftlichen Nutzen der Fusion beteiligt sein werden. Daher sei es notwendig, die Komplexität sozio-ökonomischer Systeme zu untersuchen. Fusionsenergie und das gesellschaftliche Umfeld seien dafür ein herausforderndes und interessantes Beispiel.

Der Beherrschbarkeit (governance) großer technischer Systeme sei in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit gewidmet worden, ebenso der Wechselbeziehungen zwischen Experten, politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit bei der Einführung solcher Systeme.

Wenn viele hoch- und unterschiedlich fachlich spezialisierte Wissenschaftler und Ingenieure an der Einführung einer neuen Großtechnologie beteiligt sind, stelle sich die Frage, wie ihre Expertise legitimiert wird. Das demokratische Prinzip verlange, daß Politiker und Wählerschaft für diese Aufgabe verantwortlich seien, aber in der Realität seien solche Prozesse sehr komplex und es fehle die Transparenz und sie seien abhängig von einem breiten Spektrum an Expertenwissen. Dies könne man als "demokratisches Dilemma" bezeichnen. Dies treffe auch für die Fusionstechnologie zu, deshalb müsse Forschung Erkenntnisse liefern, wie dieses Dilemma überwunden werden könne.

Die Fragen von Werten und Wertkonflikten seien miteinander verknüpft. Konzepte wie Lebensqualität, Fortschritt, Sicherheit, Wohlbefinden müßten in der Forschung angesprochen werden, auch das Spannungsfeld zwischen Gemeinnutz und Eigennutz sowie die Interessenkonflikte zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Generationen. Diese Fragen seien direkt mit dem Thema Energie und Umwelt verknüpft und hätten somit einen sehr direkten Bezug auf den Bereich der Fusionsenergie.

Diese Empfehlungen des Fusion Evaluation Board sind inzwischen von der Kommission aufgegriffen worden, indem ein Forschungsprogramm zu Socio-Economic Research on Fusion (SERF) konzipiert wird.

Bibliographische Angaben

European Commission (ed.): Fusion Programme Evaluation 1996. Luxembourg:
Office for Official Publications of the European Communities, 1997.
ISBN 92-827-9325-7 (EUR 17521)


Zum Seitenanfang

Zurück zur Deckseite