ERGEBNISSE VON TA-PROJEKTEN - NEUE TA-PROJEKTE

IPTS-Studie: "Overview of Recent European and non-European National Technology Foresight Studies"

von Reinhard Coenen, ITAS

Als Beitrag zum Report on European Science and Technology Indicators (REISI) 1997 hat das Institute for Prospective Technological Studies (IPTS) der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission einen Vergleich von europäischen und außereuropäischen Studien zur technologischen Vorausschau durchgeführt, dessen Ergebnisse in einem Technical Report des IPTS veröffentlicht sind.

Der Bericht beginnt mit einer Begriffserklärung. In Abgrenzung zum Technological Forecasting, das den Versuch unternehme, Wahrscheinlichkeitsaussagen über zukünftige technologische Entwicklungen zu machen, und dem Technology Assessment, das sich mit der Abschätzung der zukünftigen gesellschaftlichen Auswirkungen bekannter neuer Technologien beschäftige, verstehen die Autoren Technology Foresight als "a combined analysis and communication process in which informed parties and stakeholders participate in a forward looking exercise to identify the most important issues in the emerging S&T portfolio. This is done in the light of plausible projections about desirable economically and socially beneficial future developments, as well as the obstacles to achieving these. Ist function as a recognised advisory activity should be seen in terms of providing one set of useful inputs (out of the many necessary) to the decision making process."

Der nächste Abschnitt gibt eine kurze Einführung in verschiedene Methoden oder Verfahren der technologischen Vorausschau, u.a. Delphi-Methode, Critical Technologies Lists, Scenario Writing und Relevanzbäume. Daran schließt sich eine standardisierte Kurzbeschreibung verschiedener europäischer und außereuropäischer Vorausschau-Studien an. Beschrieben werden a) Ziele, b) Methoden und abgedeckte Bereiche (coverage) und c) Ergebnisse und Schlußfolgerungen der verschiedenen Studien, wobei die Ergebnisdarstellung teilweise unterschiedlich detailliert ist. 13 Studien, davon aus Japan (1), USA (2), Niederlande (2), Deutschland (2), Frankreich (2), Großbritannien (1), Italien (1), Australien (2) sowie das deutsch-japanische Mini-Delphi werden nach diesem Schema dargestellt, wobei damit von den Autoren kein Anspruch auf Vollständigkeit gestellt wird. Bedauerlich ist vielleicht, daß keine entsprechenden Aktivitäten aus Schwellenländern wie Indien (Vorausschau-Projekt des TIFAC/Technology Information, Forecasting and Assessment Council) oder Korea (HAN-Projekte/Highly Advanced National Projects) in den Vergleich aufgenommen werden.

In einem weiteren Kapitel wird dann eine vergleichende Analyse der verschiedenen Foresight-Studien durchgeführt, aus der im abschießenden Kapitel u.a. folgende Schlußfolgerungen gezogen werden:

Bibliographische Angaben

Institute for Prospective Technological Studies (ed.): Overview of Recent European and non-European National Technology Foresight Studies. European Commission, Joint Research Centre. IPTS Technical Report No. TR97/02 (EUR 17301 EN), March 1997.

Der Bericht ist zu beziehen über

European Commission
IPTS
Library and Documentation Centre
Fax: + 34 5 448 83 39


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POST-Studie "Science Shaping the Future? - Technology Foresight and ist Impacts"

von Reinhard Coenen, ITAS

Das britische Parliamentary Office of Science and Technology (POST) hat sich in einem weiteren Bericht mit dem sehr umfangreichen "UK Technology Foresight Programme" auseinandergesetzt (siehe TA-Datenbank-nachrichten Nr. 4, 1995, S. 3 ff.). Während im ersten Bericht 1994 die kritische Beschreibung des Programms im Vordergrund stand - die erste Phase war zu diesem Zeitpunkt erst in der Durchführung -, diskutiert der neue POST-Bericht die Effekte bzw. Anwendungen der Ergebnisse des Vorausschauprogramms und die Perspektiven für die Weiterführung des Foresight-Prozesses bzw. seiner zweiten Runde.

Der Bericht unterscheidet dabei zwei Arten von möglichen Effekten des Foresight-Prozesses: der Nutzen des Prozesses selbst und die Auswirkungen auf die Prioritätensetzung im Forschungs- und Entwicklungsbereich.

Der Nutzen des Prozesses selbst wird sehr positiv eingeschätzt; er habe Barrieren zwischen der akademischen Wissenschaft und der Industrie, zwischen großen und mittelständischen Unternehmen und zwischen verschiedenen Sektoren beseitigt und zwischen diesen Gruppen intensive Kontakte und Netzwerke geschaffen. Zugleich habe er geholfen, einen Konsens über zukünftige technologische Szenarien, ihre Wahrscheinlichkeiten und ihre Bedeutung zwischen den Beteiligten in Wissenschaft, Wirtschaft und Regierung herbeizuführen. Außerdem habe er dazu beigetragen, in der wissenschaftlich-technischen Community generell die Wahrnehmung der Bedeutung des langfristigen Potentials bestimmter Technologiebereiche und Märkte zu erhöhen.

Als Erfolg wird außerdem die hohe Bereitschaft zur Beteiligung am Foresight-Prozeß gewertet und die weite Verbreitung der Ergebnisse über die verschiedensten Kanäle und Medien.

Der Bericht geht auch ausführlich auf die Nutzung der Ergebnisse des Foresight-Prozesses für die Prioritätensetzung durch verschiedene FuE-Mittel bereitstellende staatliche Stellen ein und weist hier vielfältige Effekte nach. Es wird jedoch auch eine gewisse Kritik an der Zielsetzung des Foresight-Prozesses geäußert, und zwar an der primären Fokussierung auf die forschungs- und technologiepolitische Prioritätensetzung und auf das Kriterium zukünftiger Marktchancen zukünftiger Technologien. Eine Gefahr wird darin gesehen, daß damit Forschungsmittel zugunsten kurzfristiger ökonomischer Ziele umgeleitet werden, was die längerfristige Qualität der britischen Wissenschaft gefährden könne. Die britische Position in der Grundlagenforschung sei eigentlich hervorragend, die Probleme lägen eher bei der Umsetzung und der Innovationsfähigkeit der britischen Wirtschaft.

Deshalb wird für den nächsten Foresight-Prozeß empfohlen, die Lebensqualität, die Erhaltung der Umwelt und Zukunftsfähigkeit generell als wichtige Kriterien aufzunehmen und die Fragestellung mehr auf wünschenswerte gesellschaftliche Zukünfte auszurichten und auf die Rolle, die Wissenschaft und Technologie spielen können, diese zu erreichen.

Auf Kritik ist die im Rahmen des Foresight-Prozesses durchgeführte Delphi-Befragung gestoßen. In einer im Bericht zitierten Stellungnahme der Royal Society heißt es, "the costs in terms of time and money were out of proportions to the survey's contribution, and compared poorly with the relative success of seminars and workshops in terms of ideas generated and networking engendered". Außerdem wird die geringe Antwortquote und die "daunting, user-unfriendliness" dieser Art von Befragungen kritisiert.

Ergebnisse von Delphi-Erhebungen seien nur als Input für weitere Analysen und Explorationen zu verwenden; aufgrund des Timings der durchgeführten Delphi-Befragung sei eine solche weitere Verwertung und Analyse der Ergebnisse durch die Fachbereichs-Panels im Rahmen des Prozesses nicht möglich gewesen.

Für den zweiten Foresight-Prozeß, der um 2000 beginnen soll, werden deshalb als Optionen empfohlen, ganz auf Delphi-Befragungen zu verzichten oder es den Fachbereichs-Paneln zu überlassen, sich dieses Instruments zu bedienen. Außerdem wird angeregt, die deutsch-japanischen Delphi-Erhebungen von 1997 unter britischen Gesichtspunkten auszuwerten, da die Pilotstudie, das sog. Mini-Delphi, zeige, daß die Ergebnisse aus Japan und Deutschland relativ ähnlich seien und deshalb davon ausgegangen werden könne, daß ein "UK-only Delphi" nur sehr begrenzt neue Erkenntnisse bringen dürfte.

Insgesamt wertet der POST-Bericht den in Großbritannien durchgeführten Foresight-Prozeß aber durchaus als positiv und spricht sich für eine Fortführung der Foresight-Aktivitäten aus, wobei die Erfahrungen des 1. Prozesses genutzt werden sollten.

Bibliographische Angaben

Parliamentary Office of Science and Technology (POST) (ed.): Science Shaping the Future? - Technology Foresight and ist Impacts. House of Commons, London, June 1997. ISBN 1 897941 46 3.

Parliamentary Office of Science and Technology (POST) (ed.): UK Technology Foresight. House of Commons, London, January 1994.

Die Berichte sind zu beziehen über

The Parliamentary Bookshop
12 Bridge Street
London SW1A 2JX
UK
Tel.: + 44 (0) 71/219-3890
Fax: + 44 (0) 71/219-3866

Dem Thema technologische Vorausschau bzw. (technology) foresight waren auch die Schwerpunkte der TA-Datenbank-Nachrichten vom Dezember 1993 sowie vom Dezember 1995 gewidmet. Vorgestellt wurden u.a. Aktivitäten bzw. Studien aus Deutschland, Holland, den USA, England, Frankreich, der EU und Indien. Kopien der beiden Nummern der TA-Datenbank-Nachrichten mit den Schwerpunkten "Forschungspolitische Prioritätensetzung und technologische Vorausschau" (Nr. 4, 2. Jahrgang, Dezember 1993) sowie "Foresight" (Nr. 4, 4. Jahrgang, Dezember 1995) sind über die Redaktion der TA-Datenbank-Nachrichten, Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806 erhältlich.


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Projekt: "Umweltstandards: Kombinierte Expositionen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen"

von Stephan Saupe

Im Rahmen des Projektes "Umweltstandards" der Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler sollen Notwendigkeit, Realisierbarkeit und Konsequenzen möglicher Umweltstandards für kombinierte Expositionen erarbeitet werden. Nach einer Erläuterung des für die Europäische Akademie spezifischen Projektgruppenprinzips werden Ausgangslage, Ziele und gegenwärtiger Stand des Projektes dargestellt.

Das Projektgruppenprinzip

Die Arbeit der Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler vollzieht sich vor allem in Form von thematisch begrenzten und zeitlich befristeten Forschungsprojekten, die von Projekt- oder Studiengruppen bearbeitet werden. In Projektgruppen werden die jeweiligen Resultate aus Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie den medizinischen Disziplinen mit thematisch einschlägigen Untersuchungen aus Philosophie, Jurisprudenz und den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zusammengeführt. Mitglieder der Projektgruppen sind fachlich ausgewiesene Wissenschaftler aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Europa, in Einzelfällen auch Vertreter anderer gesellschaftlicher Bereiche, etwa der Wirtschaft. Im Projektgruppenprinzip konkretisiert sich die Überzeugung, daß komplexe Fragen im Umgang mit Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen nur in intensiver interdisziplinärer Arbeit erfolgversprechend behandelt werden können.

Einleitung und Motivation für das Projekt

Zusätzlich zu Belastungen aus der natürlichen Umgebung sind Mensch und Umwelt durch die mit technischen Anlagen verbundenen Emissionen einer Vielzahl von Expositionen ausgesetzt. Der Begriff der Exposition umfaßt hierbei chemische Stoffe, die über verschiedene Wege auf das betrachtete Objekt einwirken, sowie physikalische Agenzien wie UV-Strahlung, ionisierende Strahlung und Lärm. Erkenntnisse über schädigende Wirkungen diverser Einzelexpositionen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit haben zur Festsetzung von Grenzwerten im Rahmen von Umweltstandards geführt (vgl. z.B. [1,2]). Die hierbei eingenommene Blickrichtung (und somit auch die zugrunde liegende naturwissenschaftlich-medizinische Analyse der Wirkungszusammenhänge) konzentriert sich jedoch im allgemeinen auf Einzelexpositionen, obwohl real immer kombinierte Expositionen auftreten und exemplarisch überadditive, aber auch subadditive Effekte bekannt sind.

Zwei Teilbereiche des Problems können hier unterschieden werden: Zum einen sind die Einzelwirkungen bei einer Vielzahl von Stoffen nur lückenhaft bekannt, so daß die große Zahl von Einzelexpositionen ein quantitatives Problem der Untersuchung und Bewertung der Wirkungen von Einzelstoffen darstellt. Zum anderen ist die Zahl möglicher Kombinationen unübersehbar, so daß die prinzipielle Frage nach der Bewertung von Kombinationen zum Schutz von Mensch und Umwelt aufgeworfen wird. Generell hilft eine verbesserte Kenntnis, angemessene Maßnahmen zu treffen, so daß der erforderliche Schutz ohne Überregulierung erreicht wird.

Dem Teilproblem der Bewertung von Einzelexpositionen widmen sich seit Jahrzehnten international diverse Labors, Institutionen und Gremien und versuchen verstärkt, in Zusammenarbeit und durch Konzentration auf "relevante" Stoffe die Wissenslücken zu schließen. Die Environmental Protection Agency ging 1995 beispielsweise von etwa 5 Millionen bekannten chemischen Stoffen aus, die europäische EINECS-Liste (European Inventory of Existing Commercial Substances) führt gut 100.000 Stoffe auf, die (in den siebziger Jahren) in der EU vertrieben wurden, jedoch sind hiervon nur etwa 5% auf ihre Ökotoxizität untersucht [3]. Aktuell wird vor allem die Untersuchung sog. High-Production-Volume-Chemikalien vorangetrieben und parallel versucht, über Strukturähnlichkeiten (QSAR, Quantitative Structure Activity Relationships) akzeptable Vorhersagen über Wirkungen zu erhalten.

Das Problem kombinierter Expositionen rückte hingegen erst in den letzten Jahren in die öffentliche Aufmerksamkeit, wenngleich einige Labors bereits seit langem spezielle Kombinationen untersuchen. Die enorme Vielzahl denkbarer Kombinationen (vgl. Zahlen oben) läßt schnell erkennen, daß eine vollständige, individuelle Wirkungsanalyse nicht realisierbar ist und statt dessen Wege gefunden werden müssen, die Wirkungen kombinierter Expositionen durch Analogieschlüsse besser vorherzusagen. Eine Einteilung nach Kategorien gleichartiger Wirkung bzw. Wechselwirkung scheint hier der Weg zu sein, der den größten Erfolg verspricht.

Das Projekt

Im Rahmen des Projekts Umweltstandards der Europäischen Akademie werden auf der Basis einer Analyse des naturwissenschaftlich-medizinischen Kenntnisstandes für Wirkungen kombinierter Expositionen aus naturwissenschaftlicher, sozialwissenschaftlicher, ökonomischer, juristischer und ethischer Perspektive Notwendigkeit, Realisierbarkeit und Konsequenzen möglicher Umweltstandards für kombinierte Expositionen untersucht.

Zum einen wird der Versuch unternommen, anhand ausgewählter Beispiele von hoher praktischer Relevanz Kriterien zu erarbeiten, die es erlauben, die Vielzahl denkbarer Kombinationen hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Wirkung auf der Basis allgemeiner Wirkungsmechanismen sinnvoll und nachvollziehbar zu klassifizieren und zu bewerten. Unter Berücksichtigung verschiedener untersuchter Fälle ist dann die Notwendigkeit sowie die Machbarkeit, d.h. die wissenschaftliche Rechtfertigbarkeit von Umweltstandards für kombinierte Expositionen zu diskutieren, wobei neben medizinischen Gesichtspunkten u.a. Aspekte der sozialen Wahrnehmung, der Zumutbarkeit von Risiken und der rechtlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen sind. Schließlich sind denkbare Ansätze zur Realisierung und ihre jeweiligen Konsequenzen zu betrachten, wobei das Spektrum hier von rechtlichen bis zu rein ökonomischen Instrumenten reichen kann.

Untersucht werden die Exposition des Menschen einerseits - dabei besonders deren karzinogene sowie genotoxische Wirkungen - sowie die Exposition einer engen Auswahl von Nutzpflanzen andererseits, da hier die pragmatisch dringlichsten Fragen zu beantworten sind. Des weiteren soll die im Moment sich ausweitende Diskussion um die Einflüsse kombinierter Noxen auf die Fertilität und Reproduktion des Menschen Berücksichtigung finden.

Als Beispiel der Kombination von Expositionen bietet sich die Wechselwirkung von ionisierender Strahlung mit Schadstoffen an, da hier eine relativ gute Wissensbasis vorhanden ist. Ein wichtiges und gut untersuchtes Beispiel überadditiver Wirkung im Gebiet der Karzinogenese ist die Hemmung von Zell-Reparaturmechanismen durch Chemikalien. Kombinationen spezieller chemischer Expositionen, die aus der Toxikologie bekannt sind, werden ebenfalls betrachtet. Hierzu zählen sowohl Pharmazeutika als auch relativ gut untersuchte "Alltagsexpositionen" wie Rauchen oder Alkoholkonsum. Im Gebiet der Ökotoxikologie basiert die Arbeit auf Erfahrungen zur kombinierten Einwirkung von Stickoxiden, Schwefeldioxid, Ozon und UV-Strahlung auf ausgesuchte Nutzpflanzen.

Da ein rein wirkungsbezogener Ansatz zur Bewertung kombinierter Expositionen auch nach Erarbeitung strukturierender Prinzipien eine sehr umfangreiche Aufgabe ist, wird darüber hinaus im Rahmen eines Gutachtens untersucht, wie und in welchem Umfang über Reichweiten- und Persistenzanalysen eine pragmatische Einengung des Feldes oder Ergänzung der Bewertung möglich ist.

Die Ergebnisse dieses Projekts sollen eine Basis bilden, sowohl die Bewertung kombinierter Expositionen zu verbessern als auch die rechtlich-ökonomischen Rahmenbedingungen effizient und wirkungsvoll gestalten zu können. Das Projekt wird somit helfen, erkannte Wissenslücken zu schließen und eine angemessene Reaktion auf die Problematik kombinierter Expositionen zu ermöglichen (vgl. Gemeinsames Aktionsprogramm "Umwelt und Gesundheit" des BMU/BMG, "Entscheidungen auf solider Basis" sowie Entwurf der key action "environment and health" des 5. Forschungs-Rahmenprogramms der Europäischen Kommission).

Ablauf des Projekts

Das Projekt Umweltstandards wurde im Herbst 1996 vorbereitet und wird seit Januar 1997 durchgeführt. Nach Abschluß im Dezember 1998 werden die Ergebnisse in Form eines Memorandums veröffentlicht und im Rahmen einer Präsentation vorgestellt werden.

Mitglieder der Projektgruppe

Professor Dr. Dieter Cansier, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen.

Professor Dr. Carl Friedrich Gethmann, Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Professor Dr. Robert Guderian, Fachbereich Bio- und Geowissenschaften der Universität-Gesamthochschule Essen.

Professor Dr. Dietrich Henschler, Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Würzburg.

Professor Dr. Gerald Pöch, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Graz.

Professor Dr. Eckard Rehbinder, Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Frankfurt.

Professor Dr. Ortwin Renn, Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg.

Professor Dr. Dr. h.c. Christian Streffer (Vorsitz), Institut für Medizinische Strahlenbiologie, Universitätsklinikum Essen.

Literatur

[1] Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Arbeitsgruppe Umweltstandards: Umweltstandards. Grundlagen, Tatsachen und Bewertungen am Beispiel des Strahlenrisikos, Berlin (1992), 494 S.

[2] Rat der Sachverständigen für Umweltfragen: Umweltgutachten 1996, Stuttgart (1996), 468 S.

[3] Danish Board of Technology: The non-assessed chemicals in the EU, Report 1997/1, Kopenhagen (1997), 119 S.

Kontakt und Projektleiter

Dr. Stephan Saupe
Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler
Postfach 1460
D-53459 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel: ++ 49-2641-7543-04
Fax: ++ 49-2641-7543-20
E-mail: stephan.saupe@dlr.de


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Arbeitsplatzwandel durch konsequente Organisation der Informationsverarbeitung

von Rainer Thome, Universität Würzburg *

Arbeitsplätze sind heute ein zentrales Thema für die Politiker und für die Betroffenen. Prognosen über mögliche neue Beschäftigungsmöglichkeiten in Verbindung mit der digitalen Informationsverarbeitung gibt es mehrere. Quantitative Aussagen über den möglichen Abbau von Arbeitsplätzen durch die konsequente Nutzung dieser Technologien gibt es aber kaum. In der hier vorgestellten Studie wurden auf der Basis der Analyse von Geschäftsprozessen hierzu Abschätzungen vorgenommen. Die Studie wurde am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg von April bis Juli 1997 unter der leitung von Prof. Dr. Rainer Thome durchgeführt.

Bisherige Entwicklung

Die maschinelle Verarbeitung von Informationen wurde bisher nur intensiv für Massendaten und industrielle Produktionsprozesse genutzt. Die damit verbundene Rationalisierungswirkung war kaschiert durch die gleichzeitig notwendige technische Umstellung der Fertigungsprozesse. Die gerade beginnende Digitalisierung von Video, Fernsehen, Rundfunk und Meßdatenübertragung zeigt das Potential der weiteren Entwicklung. Die zunehmende Verbreitung der Personalcomputer in Verbindung mit deren Vernetzung bzw. Anbindung an Informationssysteme erlaubt in den nächsten Jahren die Automatisierung oder zumindest massive Unterstützung von Arbeitsabläufen, die weniger manuell als vielmehr interaktiv ausgerichtet sind. Dazu gehören auch viele Dienstleistungen, die bisher im Dialog zwischen Personen artikuliert, spezifiziert und ausgeführt wurden. Damit tritt die Informationsgesellschaft in ein neues Stadium. Auch intellektuelle Tätigkeiten sind nicht mehr von der Automatisierung ausgenommen. Dabei zeichnet sich die Entwicklung ab, daß jetzt typisch menschliche Fähigkeiten von maschinellen Systemen nachgeahmt und durch deren integrative Zusammenarbeit sogar häufig übertroffen werden können.

Die Konsequenzen entsprechen denen der zurückliegenden industriellen Revolutionen, und der Rückblick macht deutlich, daß es keine sinnvolle Möglichkeit gibt, die Entwicklung aufzuhalten. Die schlimmsten Auswirkungen hatten technologische Neuerungen immer dann, wenn sie für die Betroffenen unerwartet kamen. Die düstere Dramatik der Massenarbeitslosigkeit wird beispielhaft in Gerhart Hauptmanns "Die Weber" (1892) beschrieben. Jeder einzelne Betroffene ist der Situation hoffnungslos ausgeliefert. Nur eine frühe und bewußte Konfrontation der Individuen und ihrer Vertreter in der sozialen Gemeinschaft bietet die Chance zur Abmilderung oder Abwendung der Folgeerscheinungen eines überraschenden Abbaus von Arbeitsplätzen. Es ist daher auch eine Aufgabe der wissenschaftlichen Forschung, wesentliche Auswirkungen technischer Entwicklungen auf unsere Lebensumstände aufzuzeigen, auch wenn Methoden und Wege zur gezielten Vermeidung negativer Effekte (noch) nicht mitgeliefert werden können.

Arbeitsplatzbilanz

Die vage Hoffnung, daß die Bilanz von Arbeitsplatzabbau durch Rationalisierung und Entstehung neuer Arbeitsaufgaben durch Produktinnovationen und insbesondere über die Ausweitung von Dienstleistungen einigermaßen ausgeglichen werden könnte, ist gering. Bisher wurde meist nur versucht, die Chancen für neue Arbeitsplätze und Berufe auszuloten. Informationsbroker, Multimedia-Ingenieure und Kommunikationsanalysatoren sind z.B. solche neuen Berufe. Es ist sicher schwierig und grenzt an Prophetie vorherzusehen, wieviele Menschen künftig mit solchen Tätigkeiten beschäftigt sein werden. Wichtiger ist aber noch die Frage, ob es netto aus Arbeitsplatzverlust und -zuwachs genügend sein werden. Dazu gehört zunächst die Ermittlung der absehbar entfallenden Arbeitsplätze. Dies erscheint - obwohl bisher nicht konsequent untersucht und vorgetragen - leichter, weil nur die Ergebnisse aus Einzelfallbeobachtungen fortschrittlicher integrierter Informationsverarbeitungslösungen auf die Gesamtzahl der entsprechenden Arbeitsplätze hochgerechnet werden müssen. Um die quantitative Wirkung dieser Entwicklung zu analysieren, wurden in der vorliegenden Studie "Arbeit ohne Zukunft?" die Ablaufschemata von typischen Arbeitsprozessen untersucht und die dafür heute benötigte Zahl von Mitarbeitern bei konventioneller und bei einer künftig integrierten Arbeitsweise unter konsequenter Nutzung der technologischen Möglichkeiten verglichen. Die dabei errechneten Ergebnisse zeigen zwar nur auf, wieviele Beschäftigungsmöglichkeiten entfallen, das aber ziemlich realistisch. Die Prognose, wieviele Arbeitsplätze mit der Nutzung neuer Technologien entstehen, ist hingegen sehr vage. Als historisches Beispiel sei auf die Verbilligung der Stoffproduktion durch automatische Jacquard Webstühle hingewiesen, die die Mode für den Massenmarkt mit vielen Beschäftigten ermöglicht hat, was so nicht vorherzusehen und für die Weber wegen des zeitlichen Verzugs, der anderen Standorte und gänzlich verschiedener Berufsbilder auch nicht hilfreich war.

Es ist hier nicht zu diskutieren, ob die Automatisierung für den Leistungsempfänger unangenehmer ist, als das klassische personelle Dienstleistungsangebot. Wer ohne Kleingeld oder ortsunkundig vor dem Fahrscheinautomaten steht, schimpft zuerst auf die nicht hilfefähige Technik. Wenn die Fahrpreise wegen gestiegener Kosten angehoben werden müssen, sind sich jedoch alle im Protest einig - deswegen haben automatische beziehungsweise besser durchorganisierte Lösungen bisher schon Millionen von Arbeitsplätzen verdrängt und sie werden es auch weiter tun. Auch die unterschwellige Hoffnung, daß Dienstleistungen nicht in Niedriglohnländer übertragen werden können, weil sie nicht lager- und transportfähig sind, ist trügerisch.

In der Studie "Arbeit ohne Zukunft?" wird die Zahl der netto durch die Integration von Organisation und Informationsverarbeitung entfallenden Arbeitsplätze in unserer gesamten Volkswirtschaft mit mehreren Millionen beziffert. Denen stehen vermutlich deutlich weniger Arbeitsplätze gegenüber, die für die Einrichtung, Pflege und Wartung integrierter Systeme entstehen werden.

Ganz besonders stark wirkt sich die Entwicklung im Umfeld der Banken aus. Dort können von ca. 720.000 Stellen über 400.000 eingespart werden. Aber auch in Bereichen, die häufig gar nicht als rationalisierungsfähig angesehen werden, sind durch neue Ansätze zur Informationsverarbeitung deutliche Verlagerungen von menschlicher Arbeit auf automatische Abwicklung abzusehen. So ergeben sich bei Rechts- und Wirtschaftsberatern mit ca. 850.000 Beschäftigten ein Kontingent von knapp 300.000 Stellen und im Handel mit ca. 3,3 Mio. Mitarbeitern ein Kontingent von 1,7 Mio. Stellen, die aus dem bisherigen Beschäftigungsumfeld herausfallen können.

Erfreut werden Steuerzahler und Finanzminister die Chance zur Kostenreduktion von 2,6 Mio. um 1,2 Mio. Stellen in der Öffentlichen Verwaltung sehen, während die Versicherungen (660 Tds. Beschäftigte) fast 400.000 und der Bereich Vermietung (236 Tsd. Mitarbeiter) nochmals über 110.000 Stellen reduzieren könnten.

Die in der Hochrechnung ermittelte, deprimierende Zahl von künftig nicht mehr benötigten Tätigkeiten darf aber nicht direkt mit einer vermuteten Anzahl möglicherweise neu entstehender Aufgaben verglichen werden, denn es bleibt noch offen, wo dafür neue Arbeitsplätze entstehen. Nur wenn wir Wettbewerbsvorteile nachweisen, können wir diese Beschäftigung sichern. Sonst wandert sie in andere Länder, die sich in gleicher Weise um Arbeitsplätze bemühen.

Die Studie wird voraussichtlich im Oktober 1997 im Vahlen-Verlag, München, erscheinen.

* Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der Presseresonanz, die diese Studie schon erhielt, nahm die Redaktion die Kurzbeschreibung von Professor Thome gerne auf, möchte sich jedoch nach Erscheinen des Buches eine eingehende Rezension vorbehalten.

Bibliographische Angaben

Rainer Thome (Hrsg.): Arbeit ohne Zukunft? München: Vahlen 1997 (im Druck).

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Thome
Universität Würzburg
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre
und Wirtschaftsinformatik
Neubaustraße 66
D-97070 Würzburg
Tel.: + 49 (0) 931-31-2949
Fax: + 49 (0) 931-31-2955
E-mail: thome@wiinf.uni-wuerzburg.de


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