Technik im Alltagsstil - sozialwissenschaftliche Studie aus Marburg

Bezugsrahmen für die Beobachtung des Technikeinsatzes sind unterschiedliche Alltagsstile, die von den Autoren dieses Bandes der Marburger Beiträge zur Sozialwissenschaftlichen Forschung identifiziert wurden. Diese verwenden noch ein zweites, komplementäres Stilschema, nämlich Technikstile, die sich aus relativ homogenen Mustern von Technikkompetenz, Akzeptanz, Intensität der Techniknutzung und wahrgenommenen Technikfunktionen ergeben.

Dabei zeigt sich, daß die Nutzung privater Technik nicht so sehr zweckrational als Bestätigung der Herstellerintentionen erfolgt, sondern eher multifunktional und nach eigensinnigen Normen. Das heißt, die Technik wird relativ offen in bereits bestehende Handlungsmuster eingebunden. Tendenziell ist eine Zunahme der unintendierten Nebenfolgen privater Techniknutzung zu beobachten. Die Identifizierung dieser Nebenfolgen kann Ansatzpunkte für eine begründetere Beratung und Aufklärung von Techniknutzern liefern.

Die Studie belegt damit recht überzeugend die Notwendigkeit einer differenzierten Technikfolgen-Abschätzung aus Konsumentenperspektive. Von der Sprache her wendet sich das Buch eher an Fachkollegen als an einen breiteren Leserkreis, was bei einem Band in einer sozialwissenschaftlichen Forschung kaum überrascht und den Autoren darum nicht anzulasten ist. Für die breitere Kenntnisnahme der Ergebnisse wäre jedoch ein Aufsatz in einer populärwissenschaftlichen Alltagssprache sicher hilfreich und wünschenswert.
(Michael Rader/AFAS)

Bibliographische Angaben:

Hartmut Lüdtke, Ingrid Matthäi, Matthias Ulbrich-Herrmann: Technik im Alltagsstil. Eine empirische Studie zum Zusammenhang von technischem Verhalten, Lebensstilen und Lebensqualität privater Haushalte. Marburg: Institut für Soziologie der Philipps-Universität, 1994 (Marburger Beiträge zur Sozialwissenschaftlichen Forschung, Band 4.) ISBN 3-8185-0175-0. DM 22,00