Das österreichische Technologie-Informations-Politikberatungsprogramm (tip)

von Kurt Bayer

Zur wissenschaftlichen Unterstützung ihrer Technologiepolitik haben im Jahre 1992 die österreichischen Bundesministerien für Wissenschaft und Forschung und für öffentliche Wirtschaft und Verkehr in ihrer Eigenschaft als gemeinsame Träger des Innovations- und Technologiefonds (ITF) das österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und das Forschungszentrum Seibersdorf (FZS) beauftragt, in einem dreijährigen Prozeß unter Federführung des WIFO solche Grundlagen zu erstellen. Das tip-Programm baut auf einer vorher ein Jahr lang gelaufenen Pilot-Studie (ATMOS) auf, welche die Entwicklung eines Technologie-Monitoring-Systems für österreich zum Inhalt hat. Die jetzige Phase des tip läuft bis Ende 1995.

Die Hauptrichtung von tip ist es, aufbauend auf den wirtschaftlichen Strukturen österreichs, die wirtschaftliche und technologische Wettbewerbsfähigkeit einzuschätzen und gezielte Vorschläge zu ihrer Verbesserung zu machen. tip geht von einem dreifachen Ansatz aus: Auf der Makroebene wird das Nationale Innovationssystem untersucht und in seiner Einbindung in die internationale Landschaft analysiert. Hier sind Studien zur EU-Technologiepolitik und den resultierenden österreichischen Notwendigkeiten, zur Produktivitätsentwicklung österreichs, zum Management von Transfer Sciences, und zu den Interaktionen der Träger des österreichischen Nationalen Innovationssystems erschienen. Auf der Mesoebene werden Industrie- und Wirtschaftscluster gezielt auf ihre ökonomische und technologische Wettbewerbsfähigkeit untersucht. Bisher sind dazu grundlegende Studien zur Identifizierung von Wirtschafts- und Technologie-Clustern, und konkrete Untersuchungen zum Wirtschaftsbereich Holz-Papier, zur Telekommunikationsindustrie und zum Pharmabereich (noch nicht fertiggestellt) erschienen. Auf der Mikroebene werden die Verhaltensweisen der österreichischen Unternehmen, ihre Innovationsleistungen und ihr F&E-Verhalten untersucht. Teile dieser Untersuchungen gehen wieder in die Cluster-Ebene ein.

Neben der Forschungsarbeit betreibt tip auch eine Reihe von Netzwerkaktivitäten mit in- und ausländischen Technologieforschern und -politikern. Wichtiges Instrument der Netzwerkbildung ist ein regelmäßig erscheinender Newsletter, welcher jeweils aktuelle Informationen über tip enthält. Daneben dienen eine ganze Reihe von Kontakten mit und Einladungen von in- und ausländischen Experten der verstärkten Vernetzung des tip und der österreichischen Technologiepolitik. Bisher wurden im Rahmen des tip zwei große zweitägige Workshops abgehalten, eines über "Managing Transfer Sciences" im Herbst 1993 und eines über "R&TD Cooperation" im Herbst 1994. Beide fanden in Wien statt.

Im laufenden Jahr 1995 nehmen tip-Experten an einer OECD-Studie zum Vergleich Nationaler Innovationssysteme mittels einheitlicher Indikatoren teil; weitere Arbeitsschwerpunkte sind Fragen des "Social Shaping" von Technologiepolitik, die Frage, inwieweit Außenhandelsspezialisierung die Innovationstätigkeit beeinflußt, die Auswirkungen der neuen WTO-Vereinbarungen auf die österreichischen Innovationsaktivitäten, sowie eine Bestandsaufnahme der innovationsrelevanten Aktivitäten der einschlägigen Universitätsinstitute und eine weitere Vertiefung von Management von Transfer Sciences. Im September 1995 wird eine tip-Konferenz zu Grundfragen der "Emerging Knowledge-Based Society" stattfinden.

Im Laufe seines nunmehr mehr als zweijährigen Bestehens ist es tip gelungen, sich innerhalb österreichs als führender Technologiepolitik-Berater zu etablieren. Dazu tragen die sehr erfolgreich verlaufende Zusammenarbeit der Experten aus zwei führenden österreichischen Forschungsinstituten WIFO und FZS, sowie exzellente Kontakte und Kooperation zwischen dem tip-Team und den relevanten Ministerien, sowie den anderen Trägern der österreichischen Technologiepolitik bei. Derzeit ist das tip-Team bemüht, seine vorhandenen internationalen Kontakte auszubauen und auch in internationalen Entscheidungsgremien (besonders EU und OECD) stärker präsent zu sein. Weiterführende Gespräche mit den Auftraggebern, wozu auch noch das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten kommt, lassen eine Weiterführung des tip über 1995 hinaus erwarten. Schwerpunkte werden die verstärkte Internationalisierung der österreichischen Technologiepolitik und die dazu notwendigen Instrumente sein.

Kontakt

Projektleiter Mag. Gernot Hutschenreiter
österreichisches Institut für Wirtschafts
forschung
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