Gesundheitsverträglichkeitsprüfung (GVP)
Der UVP-Förderverein hat eine Expertengruppe zur angemessenen Berücksichtigung gesundheitlicher Folgen in der Umweltverträglichkeitsprüfung konstituiert. In einer Pressemitteilung des UVP-Fördervereins zu diesem Anlaß heißt es:
"In unserer Industriegesellschaft findet wirtschaftliche Entwicklung häufig auf Kosten der Umwelt statt. Es steigt die Sorge über die zunehmende Gefährdung notwendiger Lebensgrundlagen. Die Forderung nach gesundheitsbezogenem Umweltschutz ist deshalb in aller Munde. Nicht nur die oft spektakuläre Nachsorge bereits vorhandener Schäden (Altlastensanierung) ist von nöten. Mindestens ebenso notwendig ist eine umwelt- und gesundheitsbewußte Planung, um künftigen Problemen vorzubeugen. Seit 1990 verlangt das Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) deshalb - vor der Realisierung eines Vorhabens - eine eingehende Prüfung zur Vorhersage der Umweltauswirkungen. Die Durchführung einer UVP ist gesetzlich vorgeschrieben für sehr unterschiedliche Planungsvorhaben wie Industrieanlagen, Fernstraßen, Abfall- und Abwasserbehandlungsanlagen und Ferienanlagen.
Zwar wird im UVP-Gesetz die Untersuchung auf Mensch, Tier und Pflanze gefordert, in der Realität der gegenwärtigen UVP-Praxis werden die möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen aber bisher häufig vernachlässigt. Das hat ein gemeinschaftliches Forschungsprojekt der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld und des Landesinstitutes für den öffentlichen Gesundheitsdienst Nordrhein-Westfalen herausgefunden. Das soll sich künftig ändern, hofft die neue Expertengruppe "Gesundheitsverträglichkeitsprüfung", die es sich zum Anliegen gemacht hat, Gesundheitsaspekte in der UVP stärker als bisher üblich ins Blickfeld der UVP zu rükken. Die Arbeitsgemeinschaft hat sich am 1. Juni 1995 in der zentralen Kommunikationsstelle zur Umweltverträglichkeisprüfung in Deutschland, dem UVP-Förderverein in Hamm/Westf., konstituiert. Ihr gehören Fachleute verschiedener Fachdisziplinen aus Wissenschaft, Behörden und UVP-Praxis an.
Ziel der Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsverträglichkeitsprüfung (AG "GVP") im UVP-Förderverein ist es, den Dialog zwischen den Umwelt- und Gesundheitsdisziplinen zu fördern und als Lobby für die gesundheitlichen Belange des Menschen im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen zu wirken.
In einigen Ländern wie Australien, Kanada und Neuseeland ist die systematische Einbeziehung gesundheitlicher Aspekte in UVPs bereits üblich. In Deutschland besteht diesbezüglich noch erheblicher Entwicklungsbedarf, denn Gesundheitsexperten sind hier selten an UVP beteiligt. Eine integrierte Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeitsprüfung steht hierzulande noch aus, obwohl der häufig erlebte erhebliche Widerstand bei der Ankündigung der Errichtung neuer Anlagen nicht selten gerade auf die gesundheitlichen Sorgen der betroffenen Bürger und Bürgerinnen zurückzuführen ist.
Die AG "GVP" hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, bereits vorhandene Konzepte zur Einschätzung gesundheitlicher Wirkungen aufzuarbeiten und sie für die UVP-Praxis weiterzuentwickeln. Sie hält sachliche Informationen über Gesundheitsbelange, Transparenz und Glaubwürdigkeit im Bürgerdialog für notwendig zum Abbau von häufig vorhandenem Mißtrauen der Bürger gegenüber Behörden und Gutachtern. Einen weiteren Arbeitsschwerpunkt der AG bildet die Auseinandersetzung mit der brandneuen Verwaltungsvorschrift zum UVP-Gesetz, der UVPVwV, deren Formulierungen sich als teilweise unvereinbar mit den Anforderungen eines vorsorgeorientierten Gesundheitsschutzes darstellen.
Sprecherin der AG "GVP" ist Frau Dr. Adriane-Bettina Kobusch, Universität Bielefeld. Weitere Kontaktpersonen sind Frau Dr. Alice Nennecke, Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Hamburg, Frau Dr. Henny Rose, Umlandverband Frankfurt und Herr Karl-Heinz Schmidt, IHK-Bildungsinstitut Meschede.
Am 12. Dezember 1995 führt die AG "GVP" eine Fachtagung zur "Gesundheitsverträglichkeitsprüfung" im öko-Zentrum NRW in Hamm/Westf. durch. Informationen zur Tagung und zur AG sind im UVP-Zentrum erhältlich."
Kontakt
UVP-Zentrum
Edmund A. Spindler (für die Fachtagung)
östingstraße 13
D-59063 Hamm
Tel.: 02381/52129
Fax: 02381/52195