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TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 2, 8. Jahrgang - Juli 1999, S. 110-112

Neues aus ITAS


ITAS beim HGF-Strategiefonds erfolgreich

ITAS ist an zwei Forschungsvorhaben beteiligt, die der Senat der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren als förderungswürdig angesehen hat und die zukünftig aus dem HGF-Strategiefonds finanziert werden. Es handelt sich um die Vorhaben "Global zukunftsfähige Entwicklung - Perspektiven für Deutschland", für das ITAS federführend ist, und das Vorhaben "Realisierung von CFK-Rumpfkomponenten unter Einbeziehung des Concurrent Engineering", bei der das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Federführung hat.

Der Strategiefonds wurde auf Beschluß der HGF-Mitgliederversammlung und des Senats der HGF eingerichtet. Ziel des Fonds ist es, durch enge Zusammenarbeit der Zentren mit der Wirtschaft innovative Projekte zu realisieren und Projekte der Grundlagen- und Vorsorgeforschung mit strategischer Bedeutung durchzuführen. Die Vorhabensanträge an den Strategiefonds werden durch externe, international besetzte Gutachterkommissionen einer kritischen Prüfung unterzogen.

HGF-Projekt "Global zukunftsfähige Entwicklung - Perspektiven für Deutschland"

von Reinhard Coenen, ITAS

Generelles Ziel des Vorhabens ist es, die Umsetzung eines integrativen Konzepts einer nachhaltigen Entwicklung, das ökologische, ökonomische und soziale Belange gleichrangig berücksichtigt, durch Erarbeitung von Handlungs- und Orientierungswissen zu unterstützen. Die Ziele des Vorhabens sind im einzelnen:

Schließlich soll das Vorhaben einen Beitrag zur öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte über Operationalisierung und Umsetzung des Konzepts einer nachhaltigen Entwicklung leisten. Im Rahmen des Vorhabens sollen insbesondere die Potentiale analysiert werden, die neue und verbesserte Technologien (Schlüsseltechnologien und aktivitätsfelderspezifische Technologien) zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung bieten können.

Für den Ansatz des Vorhabens sind folgende konzeptionelle Elemente konstitutiv:

Im einzelnen wird das Vorhaben folgende parallele und iterativ durchzuführende Arbeitsschritte umfassen.

Der HGF-Senat ist bei seiner Entscheidung dem Votum des Gutachterausschusses gefolgt, vier der insgesamt zehn Arbeitspakete des Vorhabens zurückzustellen, d.h. die Analyse einiger Aktivitätsfelder und die regionalbezogenen Analysen mit der Empfehlung, diese in einem komplementären Antrag in die nächste Runde des Strategiefonds einzubringen, um das Vorhaben entsprechend zu erweitern.

Beteiligte Einrichtungen

Forschungszentrum Karlsruhe (FZK)

Forschungszentrum Jülich (FZJ)

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

GMD-Forschungszentrum Informations-technik

Umweltforschungszentrum Leipzig (UFZ)

Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Kontakt

Reinhard Coenen
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 2 2509 oder 2500
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 2 4806
E-mail: Coenen@itas.fzk.de
Internet: http://www.itas.fzk.de/


HGF-Projekt: Realisierung von CFK-Rumpfkomponenten unter Einbeziehung des Concurrent Engineering (Kurztitel: "Schwarzer Rumpf")

von Matthias Achternbosch, ITAS

Der Weltluftverkehr hat in den vergangenen Jahrzehnten große Zuwachsraten zu verzeichnen. Die prognostizierten Wachstumsraten lassen eine weitere Verdoppelung der Luftverkehrsleistungen in den nächsten 10 - 15 Jahren erwarten. Die Weiterentwicklung der technologischen Kompetenz im Flugzeugbau ist daher ein wirtschaftspolitisch zwingendes Zukunftsthema.

Faserverbundbauweisen verfügen über das Potential, den Druckrumpf (Größe etwa Airbus A 320) zukünftiger Verkehrsflugzeuge 5 bis 8 Tonnen leichter (ca. 30 %) zu bauen. Im Laufe eines Flugzeuglebens bedeutet dies eine Treibstoffersparnis von ca. 24 Millionen Litern Kerosin. Im harten Wettbewerb zur amerikanischen Flugzeugindustrie besteht zudem die Notwendigkeit, die Herstellkosten heutiger Metallrumpfbauweisen bis zum Jahr 2010 durch neue Faserverbundbauweisen um 40% zu reduzieren.

Im Rahmen eines HGF-Verbundprojektes, das unter der Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) von verschiedenen Instituten der DLR und des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe durchgeführt wird, sollen die notwendigen Grundlagen für einen optimierten Entwicklungsprozeß für ausgewählte Rumpfkomponenten eines Verkehrsflugzeuges erarbeitet werden. Das DLR ist mit seinen im Cluster "Werkstoffe und Strukturen" zusammengeschlossenen Instituten (Institut für Strukturmechanik, Braunschweig, Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung, Stuttgart) und dem Institut für Antriebstechnik, Köln-Porz, an der Weiterentwicklung der entsprechenden Technologien national und auch international maßgeblich beteiligt. Hierzu werden sowohl der Entwurfsprozeß durch Nutzung der parallelen Vorgehensweise des Concurrent/Integrated Engineering (CIE) als auch die anzuwendenden Faserverbundbauweisen in optimierter Form gestaltet.

Die Verwendung von kohlenstoffaserverstärktem Kunststoff (CFK) statt der üblichen Metalllegierungen soll darüber hinaus den Wartungsaufwand erheblich verringern; Komfort und Crashsicherheit sollen verbessert werden und die Durchbrandsicherheit und die Lebensdauer erhöht werden. Eine derartige Verbesserung von Druckrümpfen ist nur mit einem Technologiesprung umsetzbar.

Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe untersucht in diesem HGF-Projekt die Umweltverträglichkeit bei der Herstellung, beim Einsatz und bei der Entsorgung von Rumpfkomponenten.

Ziel dieses Hauptarbeitspunktes ist die Bestimmung des mit der Herstellung, dem Einsatz und der Entsorgung der CFK-Rumpfkomponenten verbundenen Stoff- und Energieeinsatzes und der daraus resultierenden Emissionen mit Abluft, Abwasser und Abfall. Zusätzlich soll ein Vergleich mit Rumpfkomponenten aus herkömmlichen Aluminiumwerkstoffen durchgeführt werden. Hierfür müssen Stoff- und Energiebilanzen für CFK-Werkstoffe und konventionelle Werkstoffe für die einzelnen Phasen des Lebenszyklus von Rumpfkomponenten erstellt werden. Dies beinhaltet:

Zu diesen einzelnen Schritten in den Lebenszyklen wird eine Gesamtsachbilanz durchgeführt, in der ein detailliertes Mengengerüst zu Stoff- und Energieeinsatz, Emissionen, Abwässern und Abfällen aufgestellt wird. In einem nächsten Schritt erfolgt die Durchführung einer Wirkungsbilanz, in der die Auswirkungen der freigesetzten Stoffe auf Mensch und Umwelt abgeschätzt werden. Abschließend sollen die Ergebnisse zusammengefaßt und eine Bewertung der Einzelergebnisse anhand von Indikatoren bzw. Wirkungskategorien durchgeführt werden.

Das Projekt beginnt am 1. Juli 1999. Die Laufzeit beträgt 3 Jahre.

Kontakt

Dr. Matthias Achternbosch
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 2 4553
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 2 4806
E-mail: Achternbosch@itas.fzk.de
Internet: http://www.itas.fzk.de/


Systemanalytischer Vergleich verschiedener Herstellungs-
verfahren von Energieträgern aus biogenen Abfällen

Dissertation am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, von Andreas Arlt

Die energetische Nutzung von biogenen Abfällen als Energieträger wird aufgrund veränderter Rahmenbedingungen zunehmend dringend und erforderlich. Diese Tendenz wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen. Aus diesem Grunde führt eine Arbeitsgruppe am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe für Technik und Umwelt zur Zeit ein Projekt zu diesem Themenbereich durch. Innerhalb dieses Projektes werden verschiedene Verfahren zur energetischen Nutzung von biogenen Abfälle hinsichtlich ihrer technischen, ökonomischen und umweltrelevanten Kennwerte systemanalytisch miteinander verglichen. Hierbei wird die komplette Verfahrenskette von der für die Hol-, Bring-, Transport- und Lagersysteme erforderlichen Logistik, über die für die Aufbereitung der Abfälle zum Energieträger eingesetzten Konditionierungsverfahren, bis hin zur nachfolgenden Verfahrenstechnik für die energetische Nutzung betrachtet.

In das übergeordnete Projekt am ITAS eingebettet ist die im März 1999 begonnene Dissertation, die sich mit dem systemanalytischen Vergleich der verschiedenen Verfahren zur Herstellung der Energieträger beschäftigt. Die ersten Ergebnisse des Projektes und der Dissertation werden als Schwerpunktthema in der 1. Ausgabe der TA-Datenbank-Nachrichten im Jahre 2000 vorgestellt werden.

Folgende Rahmenbedingungen und aktuellen Entwicklungen erfordern zunehmend eine energetische Nutzung biogener Abfälle:

Für die einzelnen Arten an biogenen Abfällen (Klärschlamm, Hausmüll mit biogenen Anteilen, strukturarmer (holzarmer) Bioabfall, strukturreicher (holzreicher) Bioabfall, Schlämme der Zellstoff-, Papier- und Lebensmittelindustrie, Alt- und Industrieresthölzer) läßt sich zeigen, daß die bisher beschrittenen Entsorgungswege über das Jahr 2005 hinaus teilweise keine Problemlösung mehr darstellen.

Gründe hierfür liegen in

Aufgrund dieser Problemlage erscheint es sinnvoll, die biogenen Abfälle mit thermochemischen oder biologischen Verfahren energetisch zu verwerten. Als thermochemische Verfahren für eine nachfolgende energetische Nutzung kommen dabei die Verbrennung, die Co-Verbrennung in Kohlekraftwerken, der Einsatz als Brennstoff in der Zement- und Stahlindustrie sowie die Vergasung mit verschiedenen Arten der Gasverwendung in Betracht. Darüber hinaus ist bei manchen Abfallarten die Kombination biologischer und thermochemischer Verfahren sinnvoll, wie eine aerobe Behandlung als erste Stufe und die thermochemische Behandlung als zweite Stufe oder eine anaerobe Behandlung mit Biogasgewinnung als erste Stufe und eine thermochemische Behandlung als zweite Stufe.

Für eine energetische Nutzung der biogenen Abfälle ist jedoch eine Aufbereitung unumgänglich, da diese in der Regel in einer Form vorliegen, in der sie für eine energetische Nutzung zunächst ungeeignet sind. Sie sind häufig feucht, haben einen geringen Heizwert, sind in ihrer Zusammensetzung und Stückigkeit inhomogen, bewirten pathogene Keime, verursachen Geruchsemissionen und sind mit toxischen Substanzen oder sonstigen Fehlwürfen verunreinigt. Für die biologischen und thermochemischen Verfahren zur energetischen Nutzung werden jedoch Substrate bzw. Brennstoffe benötigt, die weitgehend homogen, lagerfähig, möglichst schadstoffarm und hygienisiert sind. Für die Nutzung durch thermochemische Verfahren muss das biogene Material zusätzlich getrocknet werden. Wichtige physikalisch-chemische Anforderungen an das Substrat bzw. den Brennstoff für eine energetische Nutzung liegen demnach im Brennwert, dem Feuchtegehalt, der Stückigkeit und der Schadstoffbelastung.

Darüber hinaus werden vom Gesetzgeber für Anlagen zur energetischen Verwertung von Abfällen strenge Auflagen bezüglich der Schadstofffrachten und -konzentrationen im Abgas und Abwasser vorgegeben sowie Anforderungen an die Rückstände der thermochemischen Verfahren gestellt. Diese Umstände machen insbesondere ein umfassendes Qualitätsmanagement der in eine Aufbereitungsverfahrenskette aufgegebenen, biogenen Abfälle sowie der darin produzierten Substrate bzw. Ersatzbrennstoffe erforderlich.

Im Rahmen der Dissertation werden die unterschiedlichen Konditionierungsverfahren für biogene Abfälle systemanalytisch verglichen und bewertet. Fragestellungen der Erfassungslogistik auf der Aufkommensseite sowie Fragestellungen der thermischen Verwertung, der hierfür eingesetzten Verfahren (Feuerungstechnik), der Verfahrensoptimierung für z. B. die Verringerung von Schadgasen usw. auf der Verwertungsseite sollen nicht Bestandteil der Systemanalyse sein. Als Schnittstellenparameter werden auf der Aufkommensseite die Aufkommensmenge, die chemisch-physikalischen Parameter und vor allem die problematischen Inhaltsstoffe des biogenen Abfalls bei der Anlieferung an einem (fiktiven) Zwischenlager (Abfalllager) dienen, welches als Bilanzraumgrenze auf der Aufkommensseite dient. Auf der Verwertungsseite sollen als Schnittstellenparameter die Anforderungen der verschiedenen thermochemischen bzw. biologischen Verwertungsmodule an den (Ersatz-)Brennstoff dienen. Gedacht ist auch auf dieser Seite des Bilanzraums an ein (fiktives) Zwischenlager (Brennstofflager), das als Bilanzraumgrenze fungiert und in dem die Substrate bzw. Ersatzbrennstoffe für eine nachfolgende (nicht betrachtete) thermische oder biologische Nutzung gelagert werden.

Kontakt

Andreas Arlt
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 2 4841
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 2 4806
E-mail: arlt@itas.fzk.de
Internet: http://www.itas.fzk.de/


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Stand: 28.07.1999 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion