Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) erarbeitet und vermittelt Wissen über die Folgen menschlichen Handelns und ihre Bewertung in Bezug auf die Entwicklung und den Einsatz von neuen Technologien. Umweltbezogene, ökonomische, soziale sowie politisch-institutionelle Fragestellungen stehen dabei im Mittelpunkt. Alternative Handlungs- und Gestaltungsoptionen werden entworfen und bewertet. ITAS unterstützt dadurch Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und die Öffentlichkeit, Zukunftsentscheidungen auf der Basis des besten verfügbaren Wissens und rationaler Bewertungen zu treffen. Die Erarbeitung des Folgenwissens ist auf einen gesellschaftlichen Beratungsbedarf bezogen, und konkrete Beratung wird durch wissenschaftliches Wissen fundiert. Zu diesem Zweck wendet ITAS Methoden der Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse an und entwickelt diese weiter.
Untersuchungsgegenstände im ITAS sind in der Regel übergreifende systemische Zusammenhänge von gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und Entwicklungen in Wissenschaft, Technik und Umwelt. Umweltbezogene, ökonomische, soziale sowie politisch-institutionelle Fragestellungen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen. Die Erarbeitung von alternativen Handlungs- und Gestaltungsoptionen erfordert den Bezug zu gesellschaftlichen Zielsetzungen und Wertvorstellungen. Das ITAS untersucht deshalb die Bewertungsproblematik von Technik und Technikfolgen mit wissenschaftlichen Mitteln ebenso wie die Probleme des Entscheidens und Handelns unter Unsicherheit und Risiko.
Das vom ITAS in pragmatischer Absicht erarbeitete wissenschaftliche Wissen wird durch die folgenden Aspekte näher charakterisiert:
Auf diese Weise leistet das ITAS Beiträge zu einer wissenschaftlich informierten und normativ reflektierten Gestaltung von Zukunftstechnologien und ihres gesellschaftlichen Umfeldes. Die Umsetzung dieses spezifischen Programms problemorientierter Forschung erfolgt inter- und transdisziplinär in jeweils konkreten Projekten.
ITAS führt im Sinne des genannten Aufgabenspektrums Forschungsarbeiten in eigener thematischer Verantwortung durch. Diese sind eingebunden in die Programme der Helmholtz-Gemeinschaft. Ergebnisse der Forschung des ITAS gehen einerseits in die aktuellen wissenschaftlichen Diskussionen in den betroffenen Disziplinen und der problemorientierten Forschung ein. Andererseits werden diese Ergebnisse für Beratungszwecke genutzt, vor allem zur Themenidentifikation wissenschaftlicher Forschung und zur Beratung der Forschungspolitik wesentlicher Akteure.
Darüber hinaus führt das ITAS Drittmittel- und Auftragsforschung durch. Wichtige externe Auftrag- und Zuwendungsgeber sind im politischen Bereich auf Regierungsseite die EU-Kommission, Bundes- und Landesministerien sowie Behörden (z. B. das Umweltbundesamt). Im parlamentarischen Bereich betreibt das ITAS seit 1990 das Büro für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) und koordiniert seit 2005 ein europäisches Netzwerk zur Beratung der TA-Einrichtung des Europäischen Parlamentes (Scientific Technological Options Assessment – STOA). Auftraggeber aus der Wirtschaft können Unternehmen und Verbände sein.
ITAS arbeitet von der Gegenstandsorientierung her problemorientiert, von der Organisation her projektbezogen und mit Blick auf die Fachdisziplinen interdisziplinär. Neben der Technikfolgenabschätzung, die auf eine problemorientierte Erforschung und Bewertung der Chancen und Risiken neuer Technologien auf systemanalytischer Grundlage und auf die Herausarbeitung alternativer Handlungs- und Gestaltungsoptionen zielt, spielen für das ITAS auch andere Ansätze und Verfahren eine wichtige Rolle. Dazu gehören vor allem die Diskursanalyse, die Risikoanalyse, die Stoffstromanalyse und die praktische Ethik.
Wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit des ITAS sind daher Entwicklung und Weiterentwicklung entsprechender Methoden (konstruktive Komponente) sowie die Analyse der mit der Interpretation der Ergebnisse und ihrer Integration in übergreifende Zusammenhänge verbundenen Probleme (reflexive Komponente). Schwerpunkte dieser Arbeiten sind Bewertungsfragen im Kontext der nachhaltigen Entwicklung sowie Zukunftsanalysen im Bereich von Schlüsseltechnologien (Foresight). Diese Arbeiten finden in den Forschungsbereichen anhand jeweils spezifischer Fragestellungen und Anforderungen statt.
Das ITAS ist eingebunden in das Forschungsprogramm des Forschungszentrums Karlsruhe und der Helmholtz- Gemeinschaft deutscher Forschungszentren (HGF) und kooperiert mit zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland, vor allem im Rahmen von EU-Projekten. Mit Industrieunternehmen und Verbänden arbeitet das ITAS fallweise und projektbezogen zusammen. Zu Universitäten bestehen vielfältige Kooperationsverbindungen. ITAS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter bieten Lehrveranstaltungen an verschiedenen umliegenden Universitäten an. Durch die Betreuung von Diplom- und Doktorarbeiten beteiligt sich das ITAS an der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Das ITAS gehört zu den Initiatoren des deutschsprachigen "Netzwerks TA" und betreut dessen Informationsplattform. Im internationalen Bereich beteiligt das ITAS sich aktiv an Netzwerken wie z. B. dem European Parliamentary Technology Assessment Network (EPTA), European Science and Technology Observatory (ESTO) bzw. seinem Nachfolger, the European Techno-Economic Policy Support Network (ETEPS).
Die Forschungsarbeiten des ITAS sind in die folgenden Forschungsbereiche gegliedert:
Die 1999 im Rahmen des Instituts für Technische Chemie (ITC) gegründete Zentralabteilung Technikbedingte Stoffströme (ZTS) wurde zum 15. Februar 2008 in das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse eingegliedert.
Ihr Forschungsgegenstand sind die vom Menschen ausgelösten so genannten anthropogenen Stoffströme. Das spezifische Forschungsprofil leitet sich ab aus ihrem konzeptionellen Auftrag zur Begleitung von Technikentwicklung und ist geprägt durch die Technikbedingtheit anthropogener Stoffströme, d.h.:
Die Abteilung arbeitet mit Methoden der Systemanalyse und zugehörigen Instrumenten. Diese Methoden und Instrumente werden in unterschiedlichen Untersuchungsebenen und Technikfeldern eingesetzt und im Hinblick auf spezifische Anwendungen weiterentwickelt.
Über die Durchführung eigener Forschungsprojekte hinaus ist die Abteilung im Sinne der Mission der Helmholtz-Gemeinschaft aktiv mit dem Aufbau einer wissenschaftlichen Infrastruktur für das Forschungsgebiet der anthropogenen Stoffströme befasst (Netzwerk Lebenszyklusdaten).
Hinweis: Bis zur Integration des Webangebots der ZTS in ein gemeinsames ITAS-Webangebot ist die ZTS im Web erreichbar über: www.fzk.de/itas-zts.
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) wurde 1990 eingerichtet mit dem Ziel, Beiträge zur Verbesserung der Informationsgrundlagen insbesondere forschungs- und technologiebezogener parlamentarischer Beratungsprozesse zu leisten. Zu den Aufgaben des TAB gehören vor allem die Konzeption und Durchführung von Projekten der Technikfolgenabschätzung und - zu deren Vorbereitung und Ergänzung - die Beobachtung und Analyse wichtiger wissenschaftlich-technischer Trends und damit zusammenhängender gesellschaftlicher Entwicklungen. Seit September 2003 kooperiert das TAB in Teilbereichen seines Aufgabenspektrums mit dem FhG-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (FhG-ISI), Karlsruhe.
Das TAB arbeitet in strikter Orientierung am Informationsbedarf des Deutschen Bundestages und seiner Ausschüsse. Auftraggeber des TAB ist der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Er entscheidet über die zu bearbeitenden Themen, die sich auch aus Anforderungen von anderen Fachausschüssen ergeben. Bis heute hat das TAB dem Deutschen Bundestag mehr als hundert Berichte zu den unterschiedlichsten Themen vorgelegt.
Als federführende Institution einer Gruppe von fünf europäischen Einrichtungen berät das ITAS seit Oktober 2005 das Europäische Parlament in Fragen der sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedeutung neuer wissenschaftlich-technischer Entwicklungen.
Schon Ende der 1980er Jahre hatte das Europäische Parlament – wie viele nationale Parlamente in Europa – sich eine Beratungsinstitution zu Fragen der Wissenschafts- und Technikentwicklung und deren ökologischen, sozialen und ökonomischen Implikationen geschaffen. Dies geschah in Form des so genannten STOA-Panels (Scientific and Technological Options Assessment), eines aus Mitgliedern verschiedener ständiger Ausschüsse des Parlamentes zusammengesetzten parlamentarischen Gremiums zur Technikfolgenabschätzung. Angesichts der wachsenden Bedeutung der europäischen Wissenschafts- und Technologiepolitik hat das Europäische Parlament beschlossen, die wissenschaftliche Basis der Arbeit von STOA durch die feste Einbindung von in der Technikfolgenabschätzung ausgewiesenen wissenschaftlichen Institutionen zu stärken. Bei einer im Frühjahr 2004 erfolgten Ausschreibung von Beratungsdienstleistungen im Bereich Wissenschaft und Technik konnte sich das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe als federführende Institution einer Gruppe von fünf europäischen Einrichtungen durchsetzen.
Zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren wird das Netzwerk (European Technology Assessment Group, ETAG) im Auftrag des STOA-Panels Untersuchungen zur Technikfolgenabschätzung durchführen.
In der ITAS-Buchreihe "Gesellschaft - Technik - Umwelt. Neue Folge" der edition sigma, Berlin veröffentlicht das ITAS Arbeiten zu konzeptionellen und methodischen Grundsatzfragen der Technikfolgenabschätzung, Beiträge von Tagungen und Konferenzen sowie Projektergebnisse. Das Itas-Jahrbuch erscheint im Zweijahresrhythmus.
Ergebnisse der Nachhaltigkeitsforschung aus dem ITAS und anderen Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft werden in der Buchreihe Global zukunftsfähige Entwicklung - Perspektiven für Deutschland publiziert, ebenfalls bei edition edition sigma.
Die Ergebnisse der TA-Projekte und sonstiger Aktivitäten des TAB werden vor allem in Form von TAB-Arbeitsberichten verfügbar gemacht. Endberichte von TA-Projekten werden nach Beschluss des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung auch als Bundestagsdrucksachen veröffentlicht. Seit 1996 erscheinen die Endberichte zu TA-Projekten, soweit nicht andere Verlage fachlich ein angemesseneres Umfeld bieten, im Rahmen der Buchreihe Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag bei der edition sigma.
Das ITAS publiziert die Zeitschrift Technikfolgenabschätzung - Theorie und Praxis mit jährlich drei Heften, die sowohl der wissenschaftlichen Diskussion als auch der aktuellen Information über nationale und internationale Aktivitäten auf dem Gebiet der Technikfolgenabschätzung und über ITAS dient.
Das TAB informiert durch den zweimal pro Jahr erscheinenden TAB-Brief über aktuelle Entwicklungen und Projekte. Auch der TAB-Brief umfasst jeweils ein Schwerpunktthema.
Im Internet ist sowohl das ITAS als auch das TAB durch ein eigenes Informationsangebot in Deutsch und Englisch vertreten, das ausführlich über laufende und abgeschlossene Projekte, Veröffentlichungen und Veranstaltungen berichtet. Neben dem elektronischen Archiv der Zeitschriften "Technikfolgenabschätzung - Theorie und Praxis" und des "TAB-Briefs" stehen in der Regel auch Forschungsberichte (z. B. die TAB-Berichte) zum Download zur Verfügung, ebenso wie die im Rahmen der wissenschaftlichen Berichte des Forschungszentrums Karlsruhe erschienenen ITAS-Publikationen. Darüber hinaus werden eine Linkliste zu TA-Institutionen in Deutschland und Europa sowie standardisierte Informationen über TA-Forschungseinrichtungen in Deutschland angeboten.
Die Veröffentlichungen, die innerhalb der Buchreihen erscheinen, sind über den Buchhandel zu beziehen. Die Zeitschriften sowie gedruckte Arbeits- und Forschungsberichte (soweit verfügbar) können über die Sekretariate des ITAS und des TAB bestellt werden. Eine Übersicht über ausgewählte Publikationen des ITAS der letzten Jahre, die selbstverständlich nicht nur in den hier erwähnten Buchreihen und Zeitschriften erfolgen, findet sich in der Darstellung der drei Forschungsbereiche des ITAS.
Das ITAS-Faltblatt und die ITAS-Broschüre sowie das aktuelle Jahrbuch können in elektronischer Form heruntergeladen bzw. die Druckausgaben online bestellt werden [hier]
ITAS bietet jederzeit die Möglichkeit im Rahmen der Arbeitsprogramme seiner Forschungsbereiche und Projekte wissenschaftliche Praktika durchzuführen. Interessenten werden gebeten, sich mit einem Lebenslauf, einer kurzen Beschreibung ihres fachlichen Interesses und der geplanten Arbeit, sowie der gewünschten Projekteinbindung schriftlich oder per E-mail zu bewerben. Bitte beachten Sie auch die allgemeinen Hinweise des Forschungszentrums zu Jobs, Aus- und Fortbildung.
webmaster@itas.fzk.de