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Forschungszentrum Karlsruhe Technik und Umwelt Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) |
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TA-DATENBANK-NACHRICHTEN |
von Othmar Käppeli, Fachstelle für Biosicherheitsforschung und Abschätzung von Technikfolgen des Schwerpunktprogrammes Biotechnologie des Schweizerischen Nationalfonds (BATS)
Im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft führte die Fachstelle BATS von 1997 - 1999 ein Forschungsprojekt zur Nutzenabschätzung der Grünen Gentechnik im Hinblick auf ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Landwirtschaft durch. Eine zentrale Aufgabenstellung dieses Vorhabens war die Konkretisierung des Begriffes "Nachhaltigkeit" durch ausgewählte Kriterien, die dann als Grundlage für die Beurteilung des Nachhaltigkeitspotentials einer Technologie herangezogen werden können. Mit dem Projekt war zugleich die Absicht verbunden, eine Technikbeurteilung vorzunehmen, die sich an Zielen orientiert, die unabhängig von einer Technologie formuliert wurden. Gegenwärtig erfolgt die Beurteilung meist zu einseitig nur auf Basis potentieller negativer Auswirkungen einer bestimmten Technologie. Der Ergebnisbericht stellt die Synthese des TA-Projektes dar. Im einleitenden Kapitel wird der derzeitige Stand der Diskussionen zur angesprochenen Thematik unter Berücksichtigung der Ergebnisse der sechs vergebenen Teilstudien zusammengefasst und in den Gesamtkontext eingefügt. Die weiteren Kapitel sind Zusammenfassungen der Ergebnisse der sechs Einzelstudien. Die ausführlichen Studien können einzeln bei der Fachstelle BATS bezogen werden.
Alle Aktivitäten des Projektes (wie Themenwahl, Diskussion der Zwischenergebnisse und der Entwürfe der Studien) wurden von einem wissenschaftlichen Beirat mit beratender Funktion begleitet, der sich aus Interessenvertretern und Betroffenen zusammensetzte.
Neben der Betrachtung konkreter Fallbeispiele wurde bei der betriebswirtschaftlichen und ökologischen Analyse Wert auf den Vergleich zwischen den derzeitigen Produktionsvarianten - Konventioneller Anbau, Integrierte Produktion und Biologischer Landbau - jeweils mit und ohne das Szenario Gentechnik gelegt.
Für die Pflanzenzüchtung wurden, bezogen auf den Standort Schweiz, folgende allgemeine Nachhaltigkeitskriterien formuliert:
Für die Betriebswirtschaft sind die langfristige Sicherung und Verbesserung des Betriebseinkommens wichtige Zielgrößen für eine nachhaltige Landwirtschaft.
Im Bereich Ökologie waren Energieeffizienz und Lebensraumqualität, ausgedrückt durch qualitative Aussagen über die Lebensbedingungen für Flora und Fauna auf Ackerflächen, die Kriterien. Die Lebensgemeinschaften der Äcker werden über einen Satz von Indikatoren beschrieben, der wichtige Elemente von ausgewählten Lebensgemeinschaften der
Ackerfläche repräsentiert (Zeiger-Organismen).
Die Einschätzung der Eignung von Pflanzensorten (transgen oder nicht transgen) für die nachhaltige Landwirtschaft sollte flexibel und fallbezogen vorgenommen werden, damit veränderten Rahmenbedingungen, z. B. Preisgestaltung, Auftreten neuer Krankheiten und Schädlinge, Rechnung getragen werden kann. Die Pflanzenzüchtung kann langfristig gesehen einen wertvollen Beitrag zur Lösung phytomedizinischer und anbautechnischer Probleme, so auch zur Entschärfung der Stickstoff- und Phosphor-Problematik leisten. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, gilt es, auch das Potenzial der Biotechnologie sinnvoll zu nutzen und nicht durch sachlich ungerechtfertigte Forderungen grundsätzlich zu schwächen. Die Gentechnik bietet vor allem dann einen züchtungstechnischen Vorteil, wenn das Zuchtziel auf konventionellem Weg nicht oder nur bedingt zu erreichen ist.
Gentechnisch veränderte Sorten führen bei allen untersuchten Fallbeispielen unter der Annahme, dass GVO-Saatgutpreise 5% zusätzliche Kosten verursachen und keine Produktpreisdifferenzierungen zwischen GVO- und herkömmlichen Endprodukten bestehen, zu einem höheren landwirtschaftlichen Einkommen, sowohl bei der konventionellen, integrierten wie biologischen Produktion (wäre der Einsatz hier erlaubt). Die Konkurrenzkraft des Ackerbaus wird gegenüber der Raufutterproduktion und der damit verbundenen Tierhaltung gestärkt. Zumindest kurzfristig wird durch den Einsatz gentechnisch veränderter Sorten die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt.
Für ausgewählte Anbauverfahren von Sorten mit verbesserten (transgenen) Resistenzeigenschaften wurde ein geringerer Energieeinsatz und damit eine höhere Energieeffizienz gegenüber konventionellen, einschließlich biologischer, Anbauverfahren ohne den Einsatz der entsprechenden transgenen Sorten festgestellt.
Bei keiner der Bewirtschaftungsweisen, weder in der konventionellen, integrierten oder biologischen, führt die Anwendung der untersuchten Fallbeispiele zu bedeutsamen qualitativen Veränderungen in der Lebensraumqualität für ausgewählte pflanzliche und tierische Zeiger-Organismen, im positiven wie negativen Sinne. Die bestehenden Unterschiede in der Wirkung auf die Qualität der biologischen Umwelt blieben zwischen den Bewirtschaftungsweisen (konventionell, integriert und biologisch) erhalten.
Der Versuch, die ökologischen Auswirkungen verschiedener Landbautechniken zu charakterisieren, hat wichtige Defizite in diesem Bereich aufgezeigt. Für das Maß der Beanspruchung oder gar Schädigung der Schutzgüter Wasser, Luft, Boden und Natur durch die Landwirtschaft liegen kaum eine anerkannte Methodik und kein oder nur wenig Wissen über die Auswirkungen pflanzenbaulicher Maßnahmen vor. Die Beobachtung von durch die Landwirtschaft hervorgerufenen Veränderungen und deren Beurteilung im Hinblick auf nachteilige Auswirkungen auf die Schutzgüter sind für die Umweltforschung zu wichtigen Fragestellungen geworden. Im Projekt wird ein methodischer Ansatz vorgestellt, der die Wirkung von Anbausystemen (biologisch, integriert und intensiv im Vergleich) und Bewirtschaftungsweise (beispielsweise Pflanzenschutzmitteleinsatz, Düngung und Bodenbearbeitung) in ihrer Gesamtheit auf die Ackerbiozönose beschreibt. Es handelt sich um einen in seiner Art erstmaligen Ansatz, Wirkungen von landwirtschaftlichen Anbauverfahren auf den Biotopwert von Kulturarten auf der Basis von Indikator-Organismen, Wirkungsmatrizen und Bewertungsalgorithmen abzubilden.
Es ist denkbar, dass Erkenntnisse aus der Umweltforschung bzw. ökologischen Auswirkungsforschung Impulse für die Gestaltung eines anbaubegleitenden Monitorings geben, insbesondere für Fragen langfristiger und indirekter Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen und den entsprechenden Anbauverfahren. Daher werden zum Konzept des anbaubegleitenden Monitorings grundsätzliche Überlegungen sowie Vorschläge zur inhaltlichen Gestaltung vorgestellt.
Bestellung bei:
Fachstelle BATS
Abschlussbericht (CHF 40,--) und
Projektorganisation
Das Forschungsprojekt "Nachhaltige Landwirtschaft und grüne Gentechnik" sollte Prognosen zu Auswirkungen des Anbaus von Sorten mit verbesserten (transgenen) Resistenzeigenschaften gegenüber Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern liefern und im Hinblick auf eine nachhaltige Landwirtschaft beurteilen. Die Durchführung des TA-Projektes erfolgte nach dem von der Fachstelle BATS praktizierten Ansatz. Nach Festlegung des Projektrahmens und der thematischen Schwerpunkte wurden sechs Fachstudien vergeben:
Nachhaltigkeitskriterien
Eines der Ziele des Projektes war es, Nachhaltigkeitskriterien zu definieren, die für eine Beurteilung einer landwirtschaftlichen Technik herangezogen werden können. Aus verschiedenen Perspektiven lassen sich solche Kriterien aufstellen, welche die meist sehr allgemein gehaltenen Nachhaltigkeitsziele konkretisieren. Im Projekt wurden Kriterien aus der Sicht der Pflanzenzüchtung, der Betriebswirtschaft und der Ökologie formuliert.
Ergebnisse
Die Aussagen beruhen zum Teil auf der Basis aufwendiger betriebswirtschaftlicher und ökosystemarer Modellierungen. Es wurden für die Schweiz relevante Kulturarten mit solchen Pflanzeneigenschaften ausgewählt, die auf konventionellem Wege bisher noch nicht gezüchtet werden konnten. Folgendes Fazit ist hier zu ziehen:
Bibliographische Angaben
Elisabeth Schulte, Othmar Käppeli (Hrsg.), 2000: Nachhaltige Landwirtschaft und grüne Gentechnik. Basel: Fachstelle für Biosicherheitsforschung und Abschätzung von Technikfolgen des Schwerpunktprogrammes Biotechnologie des Schweizerischen Nationalfonds (BATS), Juni 2000
ISBN 3-9521113-2-5
Clarastraße 13
CH-4058 Basel
Fax: + 41 61 690 93 10
Internet:
http://www.bats.ch/ordering.htm
Einzelstudien (CHF 20,--)
Kontakt:
PD Dr. Othmar Käppeli
Fachstelle BATS
Clarastrasse 13
CH-4058 Basel
E-mail:
kaeppeli@bats.ch