[www.itas.kit.edu]     [TA-Datenbank-Nachrichten]     [TA-Database-Newsletter]     [Inhalt]
Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN

Neues aus ITAS


TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 3 / 9. Jahrgang - Oktober 2000, S. 139-140

Lehrstuhl "Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse" an der Universität Freiburg

Der Leiter des ITAS ist Inhaber des Lehrstuhls für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse an der Fakultät für Angewandte Wissenschaften der Universität Freiburg. Wie in einer Ergänzung zum Kooperationsabkommen zwischen Forschungszentrum Karlsruhe und Universität Freiburg vereinbart, erfolgte die Berufung zum Institutsleiter gemeinsam mit der Fakultät für Angewandte Wissenschaften. Im Rahmen der Zugehörigkeit zur Fakultät besteht die Verpflichtung, eine Lehrveranstaltung im Umfang von zwei Semesterwochenstunden anzubieten und sich am Prüfungsbetrieb sowie an der Betreuung von Diplom- und Doktorarbeiten zu beteiligen.

Der Aufbau der Fakultät für Angewandte Wissenschaften ist mittlerweile weit fortgeschritten; zur Zeit besteht sie aus dem Institut für Informatik ( http://www.informatik.uni-freiburg.de) und dem Institut für Mikrosystemtechnik ( http://www.imtek.uni-freiburg.de). Für die Fakultät für Angewandte Wissenschaften wurde ein eigener Campus auf Teilen des Freiburger Flughafengeländes hergerichtet; neu errichtete Labor- und Bürogebäude wurden jüngst an die Fakultät übergeben.

Das Ziel der gemeinsamen Berufung besteht darin, universitäre und außeruniversitäre Forschung in der Technikfolgenabschätzung aneinander zu koppeln, gegenseitigen Austausch zu ermöglichen und diesen Austausch auch für die universitäre Lehre sowie für gemeinsame Forschungsprojekte und Drittmittelakquisitionen fruchtbar zu machen. Die Konstellation, Technikfolgenabschätzung auf diese Weise in die Mikrosystemtechnik und Informatik, damit auch in die Forschung zur Künstlichen Intelligenz und in die Robotik hineinzutragen, ist besonders vor dem thematischen Hintergrund reizvoll, dass von diesen Bereichen weitreichende gesellschaftliche Innovationen erwartet werden. Darüber hinaus stellt diese Vernetzung eine sinnvolle Ergänzung bestehender Kooperationen im wissenschaftlich-technischen Bereich zwischen Forschungszentrum Karlsruhe und der Fakultät für Angewandte Wissenschaften dar.

Um Studenten für Technikfolgenabschätzung zu interessieren und sie in Qualifikationsarbeiten aus dieser Thematik einzubinden, dient das Programm an Lehrveranstaltungen, das in einjährigem Turnus angeboten wird. Es besteht aus einer allgemeinen Einführung in die Technikfolgenabschätzung (jeweils im Wintersemester) und aus einer speziellen Behandlung der Verantwortungsproblematik von Wissenschaftlern und Ingenieuren (jeweils im Sommersemester) (zu Ort und Zeit vgl. das aktuelle Vorlesungsverzeichnis, http://www.informatik.uni-freiburg.de/deksekr/vorlesun/ws0001/winter.html).

Das Angebot zur Technikfolgenabschätzung erfolgt im Wahlpflichtbereich des Hauptstudiums. Die Leistungsnachweise werden für den Studiengang "Diplom-Informatiker" als Leistungsnachweis im Bereich "Informatik und Gesellschaft" anerkannt. Im Studiengang der Mikrosystemtechnik sind sie Elemente eines noch aufzubauenden Schwerpunktes "Betriebswirtschaft".

Die "Einführung in die Technikfolgenabschätzung" befasst sich mit der Vermittlung und Diskussion zentraler Entwicklungen, Konzepte, Begriffe und Methoden der Technikfolgenabschätzung, dargestellt an typischen Fallbeispielen und Studien. Hauptsächliche Themen sind Technikfolgen für die natürliche Umwelt, für die Wirtschaft, für kulturelle und soziale Bereiche der Gesellschaft sowie die politischen Handlungsmöglichkeiten zum Umgang mit diesen Folgen. Die Vorlesung umfasst Geschichte und Institutionen der Technikfolgenabschätzung, Konzeptionen der Technikfolgenabschätzung, Methoden (vor allem Prognose- und Bewertungsverfahren) und die Praxis der Technikfolgenabschätzung in Wissenschaft, Politik und Industrie. Materialien zur Vorlesung sind klassische Texte zu Konzepten der TA, Aufgabenbeschreibungen von Institutionen der TA und Methodenbeschreibungen. Besonders wichtig ist die Aufarbeitung konkreter Studien, die in Bezug auf Aufgabenstellung, methodischen Ansatz, Durchführung, Ergebnisse und Wirkung analysiert werden.

Das Seminar "Verantwortung von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern" befasst sich mit ethischen Aspekten in den zukünftigen Tätigkeitsfeldern der Studenten. Vielfach wird öffentlich und wissenschaftlich über Verantwortung geredet, wird verantwortungsvolles Handeln angemahnt und wird von einer Verantwortungsethik die Lösung von technikbedingten Problemen erwartet. Adressaten dieser Forderungen sind in erster Linie Ingenieure und Naturwissenschaftler als die "Erfinder" von Technik, in zweiter Linie dann das Management der Industrie. Im Seminar soll zunächst der Begriff der Verantwortung untersucht werden. Erst dann kann gefragt werden, welche Verantwortung Ingenieuren und Naturwissenschaftlern nun zukommen solle und welche nicht. Diese Analyse, die gleichermaßen rechtliche wie auch ethische Aspekte von Verantwortung umfasst, wird entlang von Fallbeispielen unternommen, welche sich einerseits auf tatsächlich vorgefallene Ereignisse, andererseits aber auch gedankenexperimentartig auf konstruierte Situationen beziehen. Auf diese Weise soll die Verantwortungsproblematik mit den zukünftigen Arbeitsfeldern der Studenten verbunden werden.

Die Antrittsvorlesung erfolgt am 18. Oktober 2000 um 16 Uhr auf dem Campus der Fakultät für Angewandte Wissenschaften. Das Thema ist "Kann man Technikentwicklung gesellschaftlich steuern"? Ziele sind, erstens zu klären, was "gesellschaftliche Steuerbarkeit" meint, zweitens die aktuelle Steuerungsdiskussion einer kritischen Analyse zu unterziehen und drittens, auf dieser Basis, die Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Steuerungsansprüche zu markieren. Vor diesem Hintergrund werden die Möglichkeiten der Technikfolgenabschätzung erörtert, zu den verbliebenen Möglichkeiten der Steuerung beizutragen. Dies führt abschließend zu einer Betrachtung der Gründe und Ziele, die mit der Einrichtung eines Lehrstuhls für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse an einer vorwiegend technikwissenschaftlichen Fakultät verbunden werden.


Kontakt:
Prof. Dr. Armin Grunwald
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
   oder
Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 22500
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806

E-mail: grunwald@itas.fzk.de
Internet: Homepage von Armin Grunwald


[www.itas.kit.edu]     [TA-Datenbank-Nachrichten]     [TA-Database-Newsletter]     [Inhalt]     [Zum Seitenanfang]
Stand: 26.08.2011 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion