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Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN

Neues aus ITAS


TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 3 / 9. Jahrgang - Oktober 2000, S. 144-145

ITAS-Kolloquium eröffnet

Am 18. September wurde das ITAS-Kolloquium mit einem Grußwort von Prof. Dr. Manfred Popp (Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe) und einem Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß (Universität Konstanz) eröffnet. Der Einladung gefolgt waren neben den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von ITAS Gäste aus anderen Einrichtungen des Forschungszentrums sowie vom Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung in Speyer.

Im ITAS-Kolloquium sollen Themen aus dem engeren und weiteren Umfeld der im Institut vertretenen Forschungsbereiche behandelt werden. Der Anspruch ist dabei jeweils, dass auch forschungsbereichsübergreifende Aspekte zur Sprache kommen. Vortragende sind in der Regel externe Wissenschaftler; in Einzelfällen auch Referenten aus ITAS. Neben der thematischen Diskussion und dem gegenseitigen interdisziplinären Lernen sind die Verbesserung der wissenschaftlichen Kommunikation und die Herstellung neuer wissenschaftlicher Kontakte ein weiteres Ziel der Einrichtung des Kolloquiums. Wie auch Prof. Popp in seinem Grußwort betonte, bedarf es solcher Orte interdisziplinärer Kommunikation, um die Möglichkeiten wissenschaftlicher Beiträge zur Bewältigung von gesellschaftlichen Problemlagen zu erkunden und innovative Entwicklungen anzustoßen.

Das Thema des Vortrages von Prof. Mittelstraß "Information, Kommunikation, Wissen. Auf dem Weg zu einer Wissensgesellschaft" führte auf die Frage der Folgen der zunehmenden Digitalisierung und elektronischen Vernetzung. Der Vortrag begann mit einer kritischen Anfrage, inwieweit die neuen technischen Möglichkeiten, vor allem des Internet, wissenschaftlicher Erkenntnis überhaupt zuträglich seien. Einige Aspekte dieses Mediums scheinen, so Mittelstraß, in eine andere Richtung zu weisen: die begrenzte Haltbarkeit von digital gespeicherter Information gegenüber der klassischen Form des Buches, die Bedienungsprobleme sich rasch verändernder Software, eine wachsende Unüberschaubarkeit aufgrund immer weiterer Spezialisierung sowie - scheinbar paradox - das Überangebot an Information stünden wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn eher im Wege.

Die Entfaltung der Hauptthese "eine Informationsgesellschaft sei zuwenig, die Wissensgesellschaft eine noch uneingelöste Versprechung" begann mit der Diagnose, dass die gegenwärtige Gesellschaftsform durch den Begriff "Leonardo-Welt" erfasst werden könne: der Mensch stehe nicht mehr der Natur direkt gegenüber, sondern einer von ihm zunehmend selbst gestalteten Welt. In dieser Welt sei Kritik an wissenschaftlich-technischem Fortschritt kein Krisensymptom, sondern "völlig normal". In Bezug auf die Informationsgesellschaft forderte Mittelstraß, dass diese eine demokratische bleiben müsse und sich nicht darauf beschränken dürfe, dass man den - von Experten zusammengestellten - Informationen glauben müsse. In diesem Zusammenhang unterschied Mittelstraß zwischen Wissen - das "gelehrt" werden können muss - und Information, die bloß ein transportabel gemachtes Wissen bezeichne. Durch die dabei erforderlich werdenden Schritte der technischen Vermittlung sei mit Information ein Täuschungspotential verbunden: Informationen forderten ein, geglaubt zu werden, sie seien schwierig zu überprüfen und unterschieden nicht ein geprüftes Wissen von bloßer Meinung. In diesem Sinne könne bloße Information allein nicht orientierend wirken, wenngleich zuverlässige Information für Orientierungen unerlässlich sei. Die Frage, ob und inwieweit es gelingt, Orientierungen in der Flut der Informationen aufzufinden bzw. zu "konstruieren", wird nach Mittelstraß darüber entscheiden, ob die gegenwärtig mit dem rapiden Wachstum des Informationssektors verbundenen großen gesellschaftlichen Hoffnungen wenigstens annähernd eingelöst werden können.

Das Kolloquium wird etwa einmal pro Monat im Seminarraum des ITAS stattfinden, jeweils Montag, 14.00 Uhr. Die weiteren Termine für dieses Jahr sind:

Montag, 16.10.2000
Dipl.-Ing. Michael Sailer, Öko-Institut Darmstadt "Öffentlichkeitsbeteiligung in der Suche nach Endlagerstandorten für radioaktive Abfälle"

Montag, 13.11.2000
Prof. Dr. Carl Böhret, Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer "Gesetzesfolgenabschätzung: mystisch? mutig? machbar?"

Montag, 11.12.2000
Dr. John Grin, Universität Amsterdam "Learning from comparing TA experiences" Interessierte sind herzlich eingeladen, an den Veranstaltungen mit anschließender Diskussion teilzunehmen.


Kontakt:
Prof. Dr. Armin Grunwald
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
   oder
Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 22500
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806

E-mail: grunwald@itas.fzk.de
Internet: Homepage von Armin Grunwald


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Stand: 13.11.2000 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion