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Forschungszentrum Karlsruhe Technik und Umwelt Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) |
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TA-DATENBANK-NACHRICHTEN |
Wien, 27. - 29. April 2000
Notizen zum Kongress,
von Bernd Wingert, ITAS
Unter dem eigenwillig anmutenden, aber immerhin sprechbaren Akronym "ProWiTec" trafen sich deutsche, österreichische, schweizerische, aber auch holländische und dänische Schreibforscher in Wien zu ihrem vierten Kongress. Er wird alle zwei Jahre veranstaltet. Begründet wurde er 1994 in Hamburg von Eva-Maria Jakobs (früher Saarbrücken, jetzt TH Aachen), Dagmar Knorr (früher Hildesheim, jetzt wieder in Hamburg) und Sylvie Molitor-Lübbert (früher Universität Tübingen, demnächst in Greifswald). Die Tagungsbände erscheinen im Verlag Peter Lang (Frankfurt a. M.). Im ersten Tagungsband ("Wissenschaftliche Textproduktion", damals noch untertitelt mit "Mit und ohne Computer") wurde als Ziel dieser Tagungsreihe formuliert, "ein Diskussionsforum zu Fragestellungen der Produktion wissenschaftlicher Texte über die Grenzen ihres Fachgebietes hinaus" zu schaffen.
Das Schreiben oder die Produktion von Texten oder auch die computerunterstützte Dokumenterstellung und -verbreitung (in bestimmten Gebieten schon großenteils in digitaler Form) unterliegt seit Mitte der 80er Jahre einer starken Veränderung, die die verschiedenen Fachgebiete und Wissensdomänen gleichermaßen, aber nicht unbedingt in gleicher Weise, erfasst und damit wissenschaftliches Publizieren und Kommunizieren umgestaltet. Nach der ersten Tagung im Februar 1994 an der Universität Hamburg folgte die zweite 1966 im Europäischen Bildungszentrum Otzenhausen und vereinte dort noch die Schreibforscher und die Schreibdidaktiker, die danach aber eine eigene Tagungsreihe begründeten.
Dies mag von der Tagungslogistik her vernünftig gewesen sein, aber die Gefahr, dass hier (und wieder einmal) Theorie und Praxis in je eigene Richtungen auseinanderstreben, ist, trotz einiger personeller Überlappungen zwischen beiden Tagungssträngen, sicher nicht zu begrüßen. Denn die "Produktion wissenschaftlicher Texte im Zeitalter der Computer" - wie sich das Akronym auflöst - ist ein Feld, das erfolgreich nur interdisziplinär beackert und bestellt werden kann. "Text" als Informationsträger, Darstellungsfläche und Kommunikationsmittel hat vielfältige fachliche und theoretische wie praktische Bezüge. Und hierin liegt für einen "interdisziplinären Systemforscher" die Attraktion, zu beobachten, wie einerseits die Entfaltung, andererseits die Reintegration dieser Bezüge gelingt, und wo die Kräfte entspringen und wie sie gebündelt werden könnten, dass solche übergeordneten Bezüge erhalten bleiben. Dies war 1996, wie erwähnt, noch Programm, und gelang in den Folgeveranstaltungen 1998 in Hildesheim und nun 2000 in Wien noch in Grenzen. Aber es wäre eine verstärkte Anstrengung der Veranstalter wert, auf diesen Aspekt noch besser zu achten oder ein gezieltes "cross-over" zu fördern. Beiträge von Daniel Perrin, Karl-Heinz Pogner oder Christoph Sauer verraten noch eine solche mehrschichtige Orientierung.
Das Veranstaltungsschema lässt in seiner Struktur solche Bemühungen ebenfalls erkennen. Denn es gibt auf der einen Seite (in Wien am Donnerstag und am Freitag morgen) die kongressüblichen Vorträge, hier immerhin mit 30 Minuten Präsentation und 15 Minuten Diskussion bedacht, an einem Nachmittag aber (in Wien der Freitag Nachmittag) Workshops, wo neben theoretischen Einführungen praktische Talente und Kooperationsfähigkeiten verlangt werden. So war ich 1998 in Hildesheim in einem von Molitor-Lübbert geleiteten Workshop, in dem wir uns der kritischen Analyse von Vortragsfolien vergangener Veranstaltungen widmeten (die nunmehr um sich greifenden Power-Point-Präsentationen könnten gewiss ebenso reichhaltigen Lehrstoff bieten!). Und nach den Workshops ist der Samstag Vormittag wieder allgemeineren, übergreifenden und gelegentlich auch erheiternden Aspekten gewidmet. So berichtete am Ende der Tagung Eva Martha Eckkrammer (Salzburg) unter dem unverdächtigen Titel "Textsortenkonventionen im Medienwechsel" über Ergebnisse linguistischer Analysen von Todesanzeigen und Heiratsanzeigen, wie in konventionellen und elektronischen Medien gefunden, versteht sich.
Obwohl die veränderten Schreib-, Publikations- und Kommunikationsmittel Tausende von Lehrenden, Lernenden und Forschenden betreffen, geraten die Probleme dieser Veränderungsprozesse doch einer eher kleinen Schar von Forschern in den Blick. Sie kommen z.B. aus der Linguistik, aus dem Bereich der technischen Dokumentation, der Sprachphilosophie oder der psychologischen Lese- und Schreibforschung. Die Tagung in Hildesheim war mit über 60 Personen noch besser besucht als die in Wien (50 Teilnehmer). Aber es handelt sich allemal um einen kleinen Kongress, der die Chance einer punktgenaueren Verständigung zwischen den Disziplinen enthielte. Diese könnte etwa auf dem Wege einer sorgfältigeren Moderation befördert werden, und hieran haperte es in Wien etwas.
Einführende Beiträge
Die Vizedirektorin für Internationales der Wirtschaftuniversität Wien, Gerlinde Mautner, selbst Linguistin, gab einige einführende Informationen zur Wirtschaftsuniversität: sie besteht schon über 100 Jahre, hat über 20.000 eingeschriebene Studenten und bietet ein breites Spektrum an Fächern an (BWL, Handelswissenschaft, Wirtschaftspädagogik u. a.); 22 Fremdsprachen werden gelehrt, aber Linguisten selbst werden nicht ausgebildet. Diese sind also eher in der Rolle der Dienstleister für die anderen Fächer. So habe man sich in Form von Zuschüssen für Fremdsprachenunterstützung auch der sprachlichen Mobilität verschrieben oder habe ein Programm für Jungassistenten aufgelegt, um sie in Präsentation und Schreibtechnik (auch in Englisch) zu fördern.
Neben einigen praktischen Hinweisen, die Peter Handler (an der Wirtschaftsuniversität am Institut für Romanische Sprachen) als der lokale Organisator der Veranstaltung gab, resümierte Eva Maria Jakobs einige Trends der zurückliegenden zwei Jahre. Neben erfreulichen Fakten wie der Einrichtung von Stellen, die der Schreibforschung und -didaktik gewidmet sind (so in Erfurt, Köln oder in Bern, wo im übrigen Daniel Perrin die ProWiTec 2002 organisieren wird), war als Negativum der Wegfall von 50 Stellen zu verzeichnen, die bisher aus dem 3. Hochschulprogramm als Pilotprojekte finanziert wurden und mit der Einstellung des Programms nicht weitergeführt werden. Dabei ist der Forschungsbedarf nach wie vor groß, z. B. was das domänen- und kulturspezifische Schreiben angeht oder das Schreiben in komplexen elektronischen Umgebungen, etwa mit Hilfe von Spracherkennungssoftware. Ein solcher Produktionsstil erfordere ganz andere Strategien ("top-down") als z. B. Schrifteingabe ("bottum-up"). Nach eigenen Erhebungen der Referentin ordneten sich aber nur 6% der Befragten diesem Top-down-Typ zu, die überwiegende Mehrheit (62%) wendet Mischformen an.
Damit war zu den Fachvorträgen schon übergeleitet. Die ersten beiden am ersten Halbtag kann man unter das Thema "kooperatives Schreiben" stellen. Im ersten Beitrag von Daniel Perrin (Bern und Luzern) ging es um "Strategien computerunterstützter Textproduktion beim Nachrichtenschreiben". Perrin konnte auf Forschungsergebnisse eines umfangreichen Nationalen Forschungsprojektes zurückgreifen, in dem an 17 Arbeitsplätzen in Nachrichtenagenturen, Presse, Radio, Fernsehen und Onlineredaktionen Schreibprozesse untersucht wurden. Eines der Ergebnisse war, dass erfahrene Schreibende sich ihrer Text- und Schreibstrategien eher bewusst sind (als unerfahrene Verfasser) und dass sie "prozessorientiert und rhythmisch arbeiten und die Arbeitsplatztechnik differenziert nutzen". Der Bericht zu diesem Projekt, so der Referent, sei schon erstellt, eine Publikation in die Wege geleitet.
Auf andere Weise befasste sich Helmut Felix Friedrich (mit Koautoren) mit "kooperativem Schreiben". In diesem gemeinsamen Projekt des DIFF (Deutsches Institut für Fernstudienforschung in Tübingen) und der Tele-Akademie der Fachhochschule Furtwangen ging es wirklich um das kooperative Abfassen von Texten, konkret eines Erfahrungs- und Evaluationsberichtes zur Nutzung einer vom DIFF erstellten CD-ROM zu "neuen Medien und Lernen". Die Teilnehmer am Experiment nahmen an einem zweisemestrigen Weiterbildungskursus zum Thema "Neue Medien" teil und hatten schon vor dem Experiment Arbeitsgruppen gebildet. Die Ausgangsthese war, dass sich eine "starke Unterstützung" in Form von externen Vorgaben und Strukturierungshilfen positiver auf Erstellungsprozess und subjektive Urteile auswirken würde als eine "schwache Unterstützung". Aber die Ergebnisse und Nachanalysen zeigten, dass nicht die Unterstützungsform, sondern die gruppeninternen Prozesse, also die Selbstorganisation, den Ausschlag gaben. Man könnte dies dahin interpretieren, dass die Gruppenpsychologie vor der Instruktionsmethode rangiert.
Unternehmenskommunikation und Schreibunterstützung
Unter diese beiden Themen kann man zumindest die ersten drei der fünf Beiträge des zweiten Halbtages stellen, während sich die beiden letzten mit anderen Fragen befassten. So Arrie van Berkel (Groningen) mit dem Klickverhalten von Studenten bei Webangeboten und Dagmar Knorr mit den Ergebnissen einer netzbasierten Befragung im WS 1999 / 2000 zu den Strategien bei der Überarbeitung von Dissertationen zu Publikationen.
"Unternehmenskommunikation" bezog sich im Beitrag von Karl-Heinz Pogner (mit Koautorin; Institute of Intercultural Communication and Management, Kopenhagen) auf sein eigenes Institut; er untersuchte Emails, die "an alle" gerichtet waren. Dagegen referierte Frank Zimmermann (Konstanz) die Erkenntnisse einer Nutzwertanalyse eines noch einzurichtenden Kommunikationssystems in einem mittelständischen Verlag. Bei Pogner war die übergreifende Fragestellung auf die per E-Mails u. U. mögliche Herausbildung oder wenigstens Unterstützung einer organisatorischen Identität gerichtet. Doch zeigten die Ergebnisse, dass aufgrund der administrativen Inhalte, der nur formelhaften Berufung auf die Gemeinschaft und der nur gelegentlich aufkeimenden, auf das ganze Institut bezogenen Diskussion (z. B. Raucherpolitik) solche identitätsorientierten Funktionen nicht befördert wurden.
Die Nutzwertanalyse eines einzuführenden Kommunikationssystems in einem Verlag (Beitrag Zimmermann) erbrachte zwar, per Befragung und ausgiebiger Erprobung erfasst, einen möglichen Einspareffekt. Aber den Wert wollte der Referent selbst nicht als sehr belastbar einstufen. Und faktisch wurde das System, durch andere Faktoren bestimmt, dann doch nicht eingeführt, so dass der Belastungstest ausfiel. So blieb es bei einer, gewiss interessanten, methodischen Gymnastik.
Der Softwareunterstützung des wissenschaftlichen Arbeitens wandte sich Carsten Haustorf vom Bayerischen Forschungszentrum für wissensbasierte Systeme zu. Er berichtete (mit Ko-Autor) von einer Entwicklung einer Softwareumgebung, die die drei "Schalen" des Arbeitsprozesses und deren wechselseitige Überlappung möglichst effizient unterstützen soll, nämlich erstens der weitgehend von fremden Autoren bestimmte "wissenschaftliche Informationsbestand", zweitens die eigene Exposition von Argumenten und Textstücken sowie drittens die Publikation selbst. Eines der Kennzeichen des zu schaffenden Werkzeugs soll es sein, so der Referent, die Kontexte von Informationseinheiten festzuhalten und zu unterstützen. Kritisch zu fragen ist freilich, ob das geplante System nicht eine Komplexität erreicht, die auf dem Bildschirm allein nicht mehr zu handhaben sein wird.
Wissensmanagement und Hypertext
Das Programm vom Freitag Vormittag war im ersten Teil mit je zwei Vorträgen dem Wissensmanagement und im zweiten Hypertexten gewidmet. Zunächst berichtete Bernd Gaede, ebenfalls vom Bayerischen Forschungszentrum für wissensbasierte Systeme, über den Stand eines "Profil" genannten Projektes, in dem ein Produktionssystem für interaktive Lernsoftware entwickelt werden soll, das auch - und hierin kommt der Aspekt des Wissensmanagements zum Tragen - lerndidaktische und gestalterische Regeln inkorpieren soll. Hierzu wurde mit XML ("extensible markup language", was der Referent als eine Art von abgespeckten SGML vorstellte) eine Beschreibungssprache für Lerneinheiten entwickelt, die dem Autor von Lernsoftware "alternative, didaktisch und ergonomisch sinnvolle Detaillierungsvorschläge anbietet", so die recht ehrgeizige Zielvorstellung.
Dem individuellen Wissen und der Frage seiner adäquaten Modellierung wandte sich Rolf Todesco (Universität Zürich) zu, ebenfalls wie im Vortrag von Pogner an E-Mails als Gegenstand orientiert ("MailTack") und eingebunden in ein ESPRIT-Projekt. In anderen Projektteilen gehe es um ein unternehmensweites Wissensmanagement, während sich Todesco mit drei weiteren Kollegen der Frage zuwendet, wie man individuelles Wissen darstellen, explizieren und zugänglich machen kann, "If I only knew what I know", so eine seiner Thesen.
Guido Ipsen (Universität Kassel) stellte seinen Beitrag unter das Thema "Pragmatik des Hypertextes". Er griff auf ein Projekt zurück, in dem in HTML und Java unerfahrende Studenten der Politikwissenschaft Internetseiten über ihr Projekt gestalteten. Der Referent sieht in einem Hypertext eine "implizite Dialogizität" angelegt, denn die jeweiligen vom Autor formulierten Informationseinheiten könnten als im voraus entworfene Antworten auf mögliche Fragen von Lesern verstanden werden. Ein solches Modell einer impliziten Dialogizität könnte man, vom Referenten nicht mehr ausgeführt, mit Ansätzen zur expliziten Modellierung vergleichen (z.B. Frage - Antwort, oder Argument - Gegenargument), wie sie früher etwa im IPSI in Darmstadt entwickelt wurden.
Im nachfolgenden Vortrag von Angelika Storrer (Institut für Deutsche Sprache, Mannheim) wurde dargelegt, wie die neue, aber noch nicht endgültig verabschiedete XLL-Spezifikation (Linking and Addressing Languages) der XML (s.o.) neue Link-Typen erlaubt. Damit werde den Hypertext-Autoren mehr Freiraum eingeräumt, wohin sie Links setzen wollen, wie sie diese dem Nutzer anzeigen wollen, ob sie die Links parallel, eingebettet oder ersetzend erscheinen lassen, wie sie die Beziehung zwischen Link-Anker und Ziel erläutern und wie einzelne Links zu Mustern zusammengefasst werden können. Nun hatten Hypertext-Plattformen der ausgehenden 80er Jahre (wie Guide oder Storyspace) solche Möglichkeiten auch schon; insoweit wäre der technische Möglichkeitsraum noch nicht entscheidend ausgeweitet. Aber von Vorteil ist nun, dass netzbasierte Hypertext-Anwendungen auf der Grundlage eines weltweiten Standards programmiert werden können.
Die Workshops
Der Freitag Nachmittag war Workshops gewidmet, die in zwei Strängen angeboten wurden. Im ersten Strang ging es um Schreibforschung (Sylvie Molitor-Lübbert, Tübingen) und Schreibdidaktik (Kirstin Schindler, Kathrin Lehnen, Bielefeld), im zweiten, den ich besuchte, um "Wissensaufbereitung für den Bildschirm" (Stephen Peter Ballstaedt, DIFF Tübingen) und um "Hypertext und Kognition" (Jörg Zumbach, Heidelberg). Der Reiz dieser Workshops liegt darin, dass auch praktische Aufgaben gestellt werden. So sollten die Teilnehmer bei Ballstaedt in Kleingruppen einen vorgegebenen Text über "Farbe und Lernen" selbst in eine Hypertextstruktur bringen. Der Text war bereits so deutlich in Abschnitte und Module gegliedert, dass sich unsere Gruppe der offensichtlichen Strukturierung entzog und für die im Text erwähnten Farben rot, grün und blau zunächst einmal entsprechende Bilder vorschlug (Marienkäfer, Blatt, Wasser), um dann die weitere Verzweigung in die Texte auf roten, grünen und blauen Bildschirmen vorzunehmen, denn wer über Farbe spricht, sollte auch Farbe zeigen!
Die dann folgende Präsentation von Zumbach über "Hypertext und Kognition" war kompakt und anspruchsvoll, aber für den späten Nachmittag zu sehr als Vortrag organisiert, als dass die Teilnehmer die Materialfülle noch hätten aufnehmen können (aber es wurde eine Netzseite zum Nachlesen genannt). Vom Konzept her wäre den Workshops mehr Zeit einzuräumen, denn die jeweilige Kleingruppe muss, bevor sie zum effektiven Arbeiten findet, sich zunächst einmal kennen lernen und organisieren. Als Tagungselement sind solche praktischen Übungen aber auf jeden Fall willkommen.
Abschluss
Am Samstag Vormittag standen in der ersten Sektion vier Beiträge auf dem Programm, drei Vorträge mussten in eine zweite Sektion ausgelagert werden. Die von mir besuchten Vorträge in der ersten Sektion behandelten Fragen der Software-Unterstützung beim technischen Übersetzen (Horst Silberhorn, Erlangen), Anforderungen bei multimedialer Textgestaltung (Milagros Beltrán-Gandulla), den bereits erwähnten Beitrag über "Textsortenkonventionen" (Eva Martha Eckkrammer, Salzburg) sowie einen Beitrag von Christoph L.A. Sauer (Groningen), der sich auf die Suche nach dem "Alten im Neuen" machte. Ihm ging es um eine adäquate Beschreibung multimedialer Dokumente, was nur gelinge könne, wenn man sehe, "dass ihnen jeweils spezifische 'Transformationen' älterer Medienkennzeichen zu Grunde liegen". Bei der vergleichenden Betrachtung von Mediengattungen hielt er sich an Lessings Grundsatz, dass "jegliche Kunstäußerung ihre eigenen, unverwechselbaren und nicht ohne weiteres übertragbaren Merkmale besitzt" (weshalb es nach Lessing sinnlos ist, den Roman gegen die Malerei oder das Epos gegen die bildende Kunst auszuspielen) (aus dem Abstract). Wie "frühere Medienentwicklungen" unsere Wahrnehmungswelt bestimmen, demonstrierte Sauer eingangs am Beispiel des großen und kleinen Uhrzeigers und der Frage, warum wohl der Zeiger für die Minuten länger sei. Früher, so die Lösung, wurden mit dem kleinen Zeiger nur die Stunden angezeigt, später dann die Minuten außen am Ziffernblatt angebracht, so dass ein längerer Zeiger nötig wurde. Was, so Sauer, im Wiener Uhrenmuseum studiert werden könne.
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