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TA-DATENBANK-NACHRICHTEN

ITAS-News


TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 1 / 10. Jahrgang - März 2001, S. 157-158

Bericht über den ITAS-Workshop "Setting Concepts in Motion: Sustainable Development and R&D-Policies"

Vom 1. bis 2. Februar 2001 fand der internationale Workshop "Setting Concepts in Motion: Sustainable Development and R&D-Policies" in Bonn statt. Der Workshop wurde vom Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Europäischen Kommission (DG-Research) initiiert und mit inhaltlicher und organisatorischer Unterstützung des Institute for Prospective Technological Studies (IPTS) und ITAS durchgeführt. Ziel und Intention des Workshops war, vor dem Hintergrund der europaweit geführten Diskussion um das VI. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission, dem Konzept einer nachhaltigen Technologie- und Forschungspolitik politisch Nachdruck sowie eine sachlich fundierte Form zu verleihen. Geplant war aus diesen Gründen schon im Vorfeld, die Ergebnisse des Workshops in die offizielle Konferenz "Bridging the Gap" zu integrieren, die vom 9. bis 11. Mai 2001 unter der Schirmherrschaft der schwedischen Regierung in Stockholm organisiert wird.

Der Workshop wurde nach folgenden drei Aspekten konzipiert:

  1. Austausch der unterschiedlichen Ansätze im Rahmen der europäischen Staaten;

  2. Bildung eines Netzwerkes, das im weiteren zeitlichen Verlauf weitergeführt werden soll;

  3. Diskussion der Probleme der Integration einer nachhaltigen Forschungspolitik in den Politikprozess.

Der Workshop umfasste eine große Anzahl von Präsentationen der Umsetzung des Leitbildes nachhaltiger Entwicklung in der F&E-Politik verschiedener Länder, sowohl von Mitgliedstaaten als auch von Nichtmitgliedstaaten der Europäischen Union. Diese Präsentationen machten wiederholt deutlich, dass das Konzept zum einen jeweils sehr stark in die politische Kultur des Landes eingebunden ist und zum anderen, dass sich der Schwerpunkt der Ansätze fast ausschließlich auf die ökologische Dimension der gesellschaftlichen Gestaltung konzentriert.

Eine staatliche Forschungs- und Technologieförderung, deren Inhalte sich an den Leitlinien einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten sollen, bedeutet für die Technikentwicklung in den westlichen Industriestaaten einen grundlegenden Wandel. Dies hat die engagierte Diskussion im Rahmen des Workshops in eindrucksvoller Weise gezeigt. Denn die inhaltliche Ausrichtung des wissenschaftlich-technischen Prozesses im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung weist normativ auf eine Zukunftsgestaltung, die einen vorsorgenden Charakter erhält. Um das Konzept einer nachhaltigen F&T-Politik als offenen Suchprozess zu gestalten, werden Aspekte wie Partizipation, Interaktion, Bildung neuer Netzwerke sowie Akteurs- und Problemorientierung langfristig zu wichtigen Themen im Politikprozess und führen zu neuen inhaltlichen Orientierungen. Diese Orientierungen weisen auf die Interessen und Bedürfnisfelder einer Vielzahl gesellschaftlicher Gruppen sowie die Erfordernisse einer langfristig ausgerichteten Technologieförderung. Die Verwirklichung dieser Ziele bedeutet für die F&T-Politik nicht nur inhaltliche, sondern auch organisatorische bzw. institutionelle Veränderungen.

Innerhalb der europäischen Länder gibt es inzwischen eine Vielzahl von Konzepten und Ansätzen einer nachhaltigen Forschungs- und Technologiepolitik, die zum einen sehr unterschiedlich in den Politikprozess integriert sind und zum anderen zu sehr unterschiedlichen Resultaten geführt haben. Die Erfahrungen in den Ländern haben jedoch gezeigt, dass für eine nachhaltige F&T-Politik drei Aspekte wichtig sind:

  1. Die Entwicklung von Nachhaltigkeit als Querschnittsaufgabe, d. h. das Konzept der nachhaltigen Entwicklung sollte als Orientierung für alle politischen Ressorts gelten.

  2. Die Implementierung eines Forschungsprogramms, das die Kriterien von Nachhaltigkeit erfüllt und vollständig in den Forschungsprozess integriert ist.

  3. Die Gestaltung der F&T-Programme als offene gesellschaftliche Suchprozesse. So sollen mit dem Faktor "Technik" sowohl der Verbrauch an natürlichen Ressourcen reduziert als auch gesellschaftliche Entwicklungen initiiert werden.

Der Workshop knüpfte sehr stark an dieser Diskussion an. Die große Resonanz der Veranstaltung kann durchaus als Auftakt eines inhaltlichen Netzwerkes innerhalb der einzelnen Länder gedeutet werden, die sich dem Ziel einer nachhaltigen Forschungspolitik verpflichten. Bleibt abzuwarten, wie dieses Ziel weiterhin im Rahmen der Europäischen Kommission diskutiert und umgesetzt wird.


Kontakt:
Bettina-Johanna Krings
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
   oder
Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 26347
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806

E-Mail: krings@itas.fzk.de
Internet: Homepage von Bettina-Johanna Krings


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Stand: 10.04.2001 - Kommentare und Bemerkungen an: Redaktion der TA-Datenbank-Nachrichten