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Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN

ITAS-News


TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 1 / 10. Jahrgang - März 2001, S. 159-160

Zwei neue Monografien von Prof. Dr. Grunwald erschienen

In der Veröffentlichungsreihe des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) beim Campus-Verlag ist ein neuer Band erschienen, in dem sich Armin Grunwald, Institutsleiter des ITAS, unter dem Titel "Technik für die Gesellschaft von morgen" mit den Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Technikgestaltung beschäftigt.

ARMIN GRUNWALD: Technik für die Gesellschaft von morgen. Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Technikgestaltung. Frankfurt/New York: Campus, 2000. Gesellschaft - Technik - Umwelt. 314 S. DM 68,--. ISBN 3-593-36750-5

Technik, Technikfolgen und gesellschaftliche Technisierung sind Gegenstand öffentlicher und politischer Diskussionen sowie wissenschaftlicher Forschungsansätze seit einigen Jahrzehnten; sie werden dies auch weiterhin bleiben und die Gesellschaft auch in Zukunft vor neue Herausforderungen stellen. Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik, Biotechnik, Gentechnik, Informations- und Kommunikationstechnik und Robotik stellen nur einige der Bereiche dar, von denen erhebliche ökonomische, politische, soziale und kulturelle Auswirkungen zu erwarten sind.

Die Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Technikgestaltung werden in drei Schritten analysiert. Zunächst wird nach wissenschaftlichen Modellen der technischen Dynamik gefragt, in der Absicht, die darin bereits eingehenden optimistischen oder skeptischen Prämissen hinsichtlich einer gesellschaftlichen Gestaltbarkeit der Technik aufzudecken. Hierbei ist die Unterscheidung zwischen der Beobachterperspektive, in der die Modelle entworfen werden, und der Teilnehmerperspektive, in der Technikgestaltung versucht oder betrieben wird, entscheidend. Im zweiten Schritt wird nach den Anforderungen an die gesellschaftliche Legitimation von Technik gefragt. Über die Legitimation von Technik und Technikpolitik wird durch gesellschaftliche Entscheidungsverfahren über Technik entschieden. Unverzichtbar dabei ist jedoch transparente Argumentation. Aus der Analyse der Legitimationsprobleme verschiedener Ansätze gesellschaftlicher Technikgestaltung wird das Modell einer argumentationsgestützten Legitimation durch Verfahren entwickelt. Dies wirft schließlich, auf der dritten Ebene, die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen argumentativer Rationalität in einer heterogenen und pluralistischen Gesellschaft auf und stellt damit gleichzeitig die Frage nach dem Sinn wissenschaftlicher Technikfolgenabschätzung. In den zwei Bereichen der integrativen deskriptiven Technikforschung und der normativen Technikbeurteilung wird dieser Frage nachgegangen. Es zeigt sich, dass es in einem pragmatischen Verständnis von "rational" möglich ist, von rationaler gesellschaftlicher Technikgestaltung zu reden. Dies hat jedoch nichts mit einer "rationalistischen" Planung der Technikentwicklung zu tun, sondern führt auf die vernünftige Ausgestaltung der gesellschaftlichen Such- und Lernprozesse im Umgang mit Technik.

ARMIN GRUNWALD: Handeln und Planen. München: Wilhelm Fink Verlag, 2000. Neuzeit und Gegenwart. 270 S. DM 58,--. ISBN 3-7705-3487-5

Das Buch enthält eine umfassende philosophische Abhandlung über das Planen als spezielles zweckrationales Handeln. Der Planungsbegriff hat in der Philosophie bislang vorwiegend in geschichtsphilosophischen Diskussionen größere Aufmerksamkeit erfahren (Planbarkeit der Geschichte versus "offene Gesellschaft"). Demgegenüber ist das vorliegende Buch den sprachlichen und handlungstheoretischen Grundlagen des Planens und der Planungstheorie gewidmet. Die Arbeit beginnt mit einer Explikation der Problemstellung und ihrer Einbettung in philosophische und planungstheoretische Diskussionen. Durch die Rekonstruktion zweckrationalen Handelns werden wesentliche Begriffe eingeführt (Rationale Erklärung, Handlungsorientierungen, Nebenfolgen etc.), die es erlauben, die Struktur des zweckrationalen Handelns zu entfalten. Der Schritt von dieser Handlungstheorie zur Planungstheorie besteht dann darin, Planen als ein zweckrationales Entwerfen zukünftiger (wiederum zweckrationaler) Handlungen einzuführen und die hierfür spezifischen sprachlichen Mittel zu rekonstruieren. Diese methodische Einführung des Planungsbegriffs und die Analyse seiner Implikationen für die Analyse von Planungsmisserfolgen erlauben sodann, Rationalitätskriterien für Planung zu rechtfertigen. Angesichts der Diskrepanz zwischen der gewaltigen Bedeutung der verschiedenen Planungspraxen, besonders in Politik, Wirtschaft und Technik, für die Zukunft der Gesellschaft und ihrer, verglichen damit, erstaunlich geringen Resonanz in der Philosophie sollte die Arbeit eine überfällige und hochgradig relevante interdisziplinäre Diskussion über Planung, Planungsmethoden, die Sprache der Planung, Regeln für Planungsdiskurse, die Grenzen der Planbarkeit etc. anstoßen.

Das Planungsverständnis, das sich durch diese Schrittfolge als rational erweisen lässt, ist durch einen pragmatischen Mittelweg zwischen planungsskeptischen inkrementalistischen Planungstheorien, nach denen - und zwar in Form kleiner Schritte - nur die Behebung erkannter Missstände geplant werden solle, und sehr weitreichenden, planungseuphorischen Verständnissen gekennzeichnet. Das Medium der Rationalität ist dabei die rationale Verständigung über die Wahl der "richtigen" Planungstiefe und die Adaptation des Plans an neue Entwicklungen ("flexible Planung").


Kontakt:
Prof. Dr. Armin Grunwald
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
   oder
Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 22500
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806

E-Mail: grunwald@itas.fzk.de
Internet: Homepage von Armin Grunwald


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Stand: 10.04.2001 - Kommentare und Bemerkungen an: Redaktion der TA-Datenbank-Nachrichten