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Forschungszentrum Karlsruhe Technik und Umwelt Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) |
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TA-DATENBANK-NACHRICHTEN |
Vor dem Hintergrund der steigenden Ausgaben für die Gesundheitsversorgung wird in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern die Evaluation von Gesundheitsleistungen - unter dem Oberbegriff Health Technology Assessment bekannt geworden - zur externen Steuerung und Regulierung (Kostenkontrolle) herangezogen. Der Technologiebegriff von Health Technology Assessment (HTA) bezieht sich dabei sowohl auf medizinische Interventionen, Verfahren und Methoden, wie auch auf Großtechnologien und technische Geräte. In diesem Sinne wird HTA als Instrument der Analyse wie der Entscheidungsunterstützung eingesetzt, um besser bestimmen zu können, welche medizinischen Interventionen wirksam und kostengünstig sind, und bei welchen Interventionen ein Wirksamkeitsnachweis noch aussteht.
Unter Health Technology Assessment (HTA) versteht man die Bewertung medizinischer Technologien unter Berücksichtigung ihrer Sicherheit, klinischen Wirksamkeit, Kosten und Kosten-Wirksamkeit, Lebensqualität sowie ihrer rechtlichen, ethischen und sozialen Auswirkungen. Im deutschen System bietet sich eine Unterteilung an in Arzneimittel, ambulante und stationäre ärztliche Versorgung, nicht-ärztliche Versorgung ("Heilmittel"), Medizinprodukte für die ärztliche Versorgung und Medizinprodukte, die direkt von Patienten angewandt werden ("Hilfsmittel").
Ziel von HTA ist es, entscheidungsrelevante Informationen auf verschiedenen Ebenen der Steuerung des Gesundheitswesens bereitzustellen. Hierzu zählen beispielsweise Investitionsentscheidungen, Kostenübernahmeentscheidungen und die Gestaltung des Leistungskataloges (Banta, Luce 1993).
HTA ist eine kontextbezogene Methode der evidenzbasierten Entscheidungsunterstützung im Gesundheitswesen. HTA ist keine Disziplin, sondern ein Konzept, welches sich über seine Zielsetzung definiert und eine enge Kooperation verschiedener Disziplinen erfordert.
HTA wird in zahlreichen Ländern bereits seit langem (und mit zum Teil ansehnlichen Budgets ausgestattet) eingesetzt, um den konkreten Informationsbedarf von Entscheidungsträgern auf verschiedenen Ebenen zu decken. HTA gibt Informationen zur Förderung von
Prinzipiell unterscheidet man verschiedene Ansätze bei der Bewertung medizinischer Technologien: Ein technologieorientiertes Vorgehen richtet sich auf eine spezifische Technologie und ihre Auswirkungen (z. B. Indikationsgebiete der Positronen-Emissions-Tomographie). Der problemorientierte Ansatz vergleicht verschiedene Technologien hinsichtlich der Lösung eines spezifischen Problems (z. B. Verfahren zur Diagnose einer bestimmten Krankheit).
Projektorientiertes HTA kann bei Investitionsentscheidungen z. B. im Krankenhausbereich hilfreich sein, wenn es darum geht, Nutzen und Wirtschaftlichkeit einer Technologie im lokalen oder regionalen Versorgungsgefüge zu ermitteln (Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen 1997).
Ausschlaggebend für die Erstellung von HTA-Berichten ist oft die zunehmende Nutzung von neuen medizinischen Technologien, ohne dass Genaueres über den Nutzen (z. B. hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität der Patienten oder Senkung der Mortalität) des Verfahrens bekannt ist, oder das Auftauchen neuer Indikationen für bereits in der Routineversorgung etablierte Verfahren. Aus diesem Grund wird in den meisten Fällen ein HTA auf der Basis einer systematischen Übersicht der klinischen Wirksamkeit (Effektivität) erstellt. Für die Bewertung systematischer Übersichten gelten die Qualitätsstandards, wie sie die Cochrane Collaboration etabliert hat.
HTA-Berichte auf der Basis von systematischen Übersichten sind deshalb auch eine mögliche Grundlage für die Entwicklung von Leitlinien, Patienteninformationen und für Entscheidungen im klinischen Alltag.
Um eine medizinische Technologie umfassend beurteilen zu können, wird ein mehrstufiges Vorgehen notwendig:
Internationale Erfahrungen zeigen, dass HTA-Berichte dann den größten Einfluss ausüben, wenn sie einen Bedarf befriedigen, also angefordert wurden oder auf aktuellen Entscheidungsbedarf zugeschnitten sind. In verschiedenen Ländern haben sich Mechanismen etabliert, die ständig neue Entwicklungen in der Medizin und ihre potenzielle Relevanz für das Gesundheitssystem beobachten ("horizon scanning"). Hieraus können sich Prioritäten bei der Evaluation medizinischer Technologien ergeben (Robert et al. 1999).
Es ist ohnehin nicht durchführbar und auch nicht sinnvoll, jede Gesundheitstechnologie einem umfassenden HTA zu unterziehen. Ziel einer Prioritätensetzung im Bereich HTA ist es daher, Technologien zu identifizieren, die eine große epidemiologische, finanzielle sowie individual- und bevölkerungsmedizinische Relevanz haben.
Für die Prioritätensetzung haben sich die folgenden Auswahlkriterien herauskristallisiert:
HTA basiert zunächst auf einer Sekundär-Analyse vorhandenen Materials. Wo für Entscheidungen wichtiges Wissen fehlt, wird es aber erhoben. Ziel eines Assessments ist, die für Entscheidungen kritischen Punkte - wo Handlungs- und Entscheidungsbedarf ist - aufzuzeigen.
HTA trägt das Wissen zu folgenden Aspekten - entsprechend der konkreten Aufgabenstellung adaptiert - zusammen: Im Zentrum stehen immer eine Bedarfsanalyse und Aussagen zur klinischen Wirksamkeit.
Idealerweise schließt ein Health Technology Assessment mit Handlungsoptionen, in denen mögliche Handlungswege vorgeschlagen und die entsprechenden Konsequenzen aufgezeigt werden.
Administrative Entscheidungen drehen sich zumeist um die Frage:
Technologie- bzw. interventionsorientierte Assessments betreffen also Investitions- und Ressourcenplanungsentscheidungen.
Klinische Entscheidungsträger fragen öfter nach den:
Bislang wurden international in erster Linie jene medizinischen Interventionen, die entweder besonders teuer sind oder in ihrer Anwendung hinterfragt werden, einem Assessment unterzogen. Eine Reihe von Studien zu Technologien der Früherkennung wie Bevölkerungs(gruppen)-Screenings (Mammographie, Gebärmutterhalskrebs, Cholesterin, pränatale Tests) werfen vor allem Fragen nach Kosten-Nutzen Abwägungen und nach den psycho-sozialen Folgen bei den Beteiligten auf. Studien zu den großen Diagnosetechnologien der Radiologie und Nuklearmedizin (CT, MRT, PET) befassen sich mit Standortplanung, (internationalen) Anwendungshäufigkeiten, Indikationen(-eingrenzungen), Kontrollmechanismen, mit dem Nutzen von Folge- und Komplementäruntersuchungen. Unter den therapeutischen Technologien standen wenig invasive chirurgische Eingriffe mittels Endoskopie in den letzten Jahren am häufigsten auf dem Prüfstand: vor allem die klinisch-medizinischen Auswirkungen, die Lebensqualität der Patienten und die (makro-) ökonomischen Auswirkungen aufgrund kürzerer Krankenhausaufenthalte waren die zentralen Elemente früher Studien. Sehr häufig werden Informationstechnologien (Expertensysteme, Chipkarte, Telemedizin), da sie enorme organisatorische Auswirkungen nach sich ziehen, unter den Aspekten der Kompetenzverschiebungen, der Dezentralisierung von Wissen, der Ausbildung und des Datenschutzes einer Funktionsanalyse unterzogen, um unerwünschte Folgen zu vermeiden.
Die in dem internationalen Zusammenschluss INAHTA kooperierenden Institutionen (siehe Tab. 1) unterscheiden sich im wesentlichen durch ihr Aufgabenspektrum und ihre Kompetenzen. Die Bedeutung, die Evaluationen von Gesundheitsleistungen als Instrument der (externen) Steuerung wie der (internen) Qualitätssicherung international zuerkannt wird, lässt sich nicht nur an der Vielzahl der HTA-Institutionen, sondern auch an den durchaus ansehnlichen HTA-Budgets erkennen.
| Tab. 1: | Übersicht über die Mitgliedsorganisationen des International Network of Agencies for Health Technology Assessment (INAHTA) |
| Abkürzung | Name | Land |
|---|---|---|
| AETMIS | Agence d'Évaluation des Technologies et des Modes d'Intervention en Santé | Kanada |
| AETS | Agencia de Evaluación de Tecnologias Sanitarias | Spanien |
| AETSA | Andalusian Agency for Health Care Technology Assessment | Spanien |
| AHFMR | Alberta Heritage Foundation for Medical Research | Kanada |
| AHRQ | Agency for Health Care Research and Quality/Center for Practice and Technology Assessment | USA |
| AHTAC | Australian Health Technology Advisory Committee | Australien |
| ANAES | National Agency for Accreditation and Evaluation in Health | Frankreich |
| ASERNIP | Australian Safety and Efficacy Register of New Interventional Procedures - Surgical | Australien |
| CAHTA | Catalan Agency for Health Technology Assessment | Spanien |
| CCOHTA | Canadian Coordinating Office for Health Technology Assessment | Kanada |
| CEDIT | Committee for Evaluation and Diffusion of Innovative Technologies | Frankreich |
| CVZ | College voor Zorgverzekeringen / Standing Committee for Health Insurance | Großbritannien |
| DAHTA / DIMDI | Deutsche Agentur für Health Technology Assessment beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information | Deutschland |
| DIHTA | Danish Institute for Health Technology Assessment | Dänemark |
| DSI | Danish Institute for Health Services Research and Development | Dänemark |
| ETESA | Chilean Health Technology Assessment Unit | Chile |
| FinOHTA | Finnish Office for Health Care Technology Assessment | Finnland |
| FSIOS | Medical Technology Unit / Federal Social Insurance Office Switzerland | Schweiz |
| GR | Gezondheidsraad, Health Council of the Netherlands | Niederlande |
| HTBS | Health Technology Board for Scotland | Schottland |
| ICTAHC | Israeli Center for Technology Assessment in Health Care | Israel |
| INHEM | Instituto Nacional de Higiene Epidemiologia y Microbiologia | Kuba |
| ITA | Institute of Technology Assessment | Österreich |
| MSAC | Medicare Services Advisory Committee | Australien |
| NCCHTA | National Coordinating Centre for Health Technology Assessment | Großbritannien |
| NHSC | National Horizon Scanning Centre | Großbritannien |
| NICE | National Institute for Clinical Excellence | Großbritannien |
| NZHTA | The Clearing House for Health Outcomes and Health Technology Assessment | Neuseeland |
| MW-NWO | Netherlands Organization for Scientific Research | Niederlande |
| OSTEBA | Basque Office for Health Technology Assessment | Spanien |
| SBU | The Swedish Council on Technology Assessment in Health Care | Schweden |
| SMM | The Norwegian Centre for Health Technology Assessment | Norwegen |
| SWISS / TA | Swiss Science Council/Technology Assessment | Schweiz |
| TNO HTA | The Netherlands Organization for Applied Scientific Research | Niederlande |
| VATAP | Department of Veterans Affairs (VA) Technology Assessment, Program (TAP) | USA |
Eine - einer Institutionalisierung von HTA in Deutschland vorgeschaltete - Bestandsaufnahme zahlreicher europäischer und außereuropäischer HTA-Institutionen kommt zu folgenden zusammenfassenden Folgerungen zu allgemeinen Tendenzen (Bitzer et al. 1998):
Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen kommt 1997 zu dem Schluss, dass die Bewertung von Gesundheitsleistungen ein wesentliches Steuerungsinstrument in den Reformbemühungen ist. Auch in Deutschland wird nun eine an wissenschaftlichen Kriterien orientierte unabhängige und professionelle Bewertung medizinischer Diagnose- und Therapieverfahren, die Aussagen zur Notwendigkeit, Wirtschaftlichkeit und Qualitätsverbesserung machen soll, institutionalisiert.
Speziell im Bereich HTA besteht derzeit ein großer Ausbildungsbedarf sowohl für Produzenten von HTA-Berichten (Reviewer) wie auch für die Nutzer von HTAs. HTA-Einrichtungen haben diesen Bedarf erkannt und bieten entsprechende Ausbildungsangebote an. Einer neueren Umfrage von INAHTA zufolge bieten bereits 80 % der INAHTA-Mitglieder Ausbildung in HTA an; hierzu gehören Seminare, Intensivkurse, Fernstudium und Stipendien. In Deutschland wurden bereits Workshops für Juristen, ärztliche Gutachter und Krankenkassen abgehalten.
EBM und HTA sind Techniken der Informationsbeschaffung und -verarbeitung, die aus dem Bedarf einer Orientierung entstanden sind: die Interpretation wissenschaftlicher Ergebnisse und die Suche nach praxisrelevanten Informationen sind Lehrinhalte, die international zunehmend in die Curricula der Ärzteausbildung aufgenommen werden. Gelehrt wird die Informationsbeschaffung, Niederschlag soll der veränderte Zugang zu Wissen - die Suche nach einem Wirksamkeitsnachweis und nach Aussagen zur Angemessenheit - in der Qualität der Versorgung finden.
Entscheidungen nicht nur auf (medizinische) Expertenaussagen, sondern auch auf das Fundament von systematischen multidisziplinären Informationssynthesen - d. h. die Offenlegung allen Wissens - zu stellen bedeutet eine große Veränderung in der Entscheidungskultur von Institutionen: Kulturstudien zeigen, dass Veränderungen nur über viele Jahre und unter großem äußeren Druck passieren.
Bitzer, E. et al. (1998): Bestandsaufnahme, Bewertung und Vorbereitung der Implementierung einer Datensammlung "Evaluation medizinischer Verfahren und Technologien" in der BRD. Schriftenreihe HTA. Band 1. Nomos.
Robert, G.; Stevens, A.; Gabbay, J. (1999): "Early warning systems" for identifying new healthcare technologies. Health Technol Assess 3(13):1-97.
Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (1997): Sondergutachten 1997 - Gesundheitswesen in Deutschland. Kostenfaktor und Zukunftsbranche. Band II.
Weitere Literatur bei den Verfassern erhältlich.
Dr. Claudia Wild
Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) an der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Abteilung Health Technology Assessment
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Tel.: +43/1/710 25 10 6589
Fax: +43/1/710 98 83
E-Mail:
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Internet:
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