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Forschungszentrum Karlsruhe Technik und Umwelt Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) |
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TA-DATENBANK-NACHRICHTEN |
von Gerald Acker-Widmaier und Matthias Maring, Universität Stuttgart
In Baden-Württemberg wurde ein Kompetenzzentrum "Technikbewertung in Unternehmen" gegründet. Im Mittelpunkt stehen konkrete Projekte zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die vom Land mit dem Ziel gefördert werden, die Zusammenarbeit im Bereich der Technikbewertung zu stärken. Das Vorhaben ist noch offen für die Aufnahme weiterer Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
Öffentliche Forschungseinrichtungen erbringen ihre Leistungen im Bereich der Technikbewertung (TB) traditionell in politischen Beratungsprozessen. Andererseits fallen zentrale Entscheidungen über die Entwicklung und Anwendung von Techniken in Unternehmen - oft sogar bevor durch die Politik entsprechende Rahmenbedingungen gesetzt werden. Dabei geht es nicht nur um Endprodukte, die über den Markt an Konsumenten verkauft werden sollen, sondern genauso um innerbetriebliche Abläufe. Wichtige Ziele von Unternehmen, die auch hinsichtlich der Technikbewertung Bedeutung haben, sind z. B. der langfristige Erhalt ihrer "licence to grow" von der Gesellschaft oder die Pflege ihres Markenwertes, der nicht selten die Milliardengrenze übersteigt. Solche Zielsetzungen erfordern innerhalb der Unternehmen u. a. geeignete Technikbewertungs-Prozesse.
Die typischen Technikbewertungs-Prozesse in Unternehmen sind aber in der Regel nicht auf eine längerfristige Akzeptabilitätsbasis ausgerichtet. Letzteres würde oftmals auch die Kapazitäten der Unternehmen überfordern. Auf Seiten der Technikbewertung in Hochschulen, Akademien etc. hingegen verbleibt eine typische probleminduzierte Technikbewertung vielfach im Grundsätzlichen - es werden Gesamtszenarien, Technologietypen, allgemeine Entwicklungslinien etc. miteinander verglichen, weil oftmals das unternehmensinterne differenzierte Entwicklungs-Know-how nicht zugänglich ist. Dies hat zu einer gewissen Polarisierung der unterschiedlichen Technikbewertungs-Profile geführt. Das eingesetzte Methodenspektrum im Bereich der Chancen- und Risikoanalyse ist unter unterschiedlichen Interessenlagen deutlich verschieden und in Abhängigkeit von den jeweils zur Verfügung stehenden Ressourcen unter unterschiedlichen pragmatischen Bezügen einseitig. Hier ist ein wechselseitiger Austausch nicht bloß anregend, sondern im Blick auf konkrete Problemlagen auch direkt zielführend, weil durch die wechselseitige Ergänzung verengter Methodiken und disziplinärer Einseitigkeiten neue Suchräume eröffnet werden. Im Rahmen einzelner Projekte hat sich bereits gezeigt, dass eine Zusammenführung verschiedener Typen von Technikbewertung ("marktorientiert" - orientiert an "ethischer Akzeptabilität") für beide Seiten fruchtbare Ergebnisse hervorbringt.
Die Abteilung Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie der Universität Stuttgart koordiniert seit Mai 2001 ein Projekt, das den Aufbau eines Kompetenzzentrums und -netzwerkes "Technikbewertung in Unternehmen" zum Ziel hat. Das Projekt wird vom Land Baden-Württemberg gefördert und soll nach einer Begutachtungsphase im Herbst zu Beginn des Jahres 2002 starten. Förderzweck ist vor allem, die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und Unternehmen im Bereich der Technikbewertung zu stärken. Es soll ein wechselseitiger Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen Technikbewertungs-Prozessen in Unternehmen sowie Technikbewertungs-Projekten in öffentlich-rechtlichen Einrichtungen institutionalisiert werden. Beteiligt sind Unternehmen mit einer Repräsentanz in Baden-Württemberg, Einrichtungen der Universitäten Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg, Lehrstühle der Fachhochschulen in Konstanz, Stuttgart und Karlsruhe sowie weitere einschlägige Institutionen: ITAS (Karlsruhe), TA-Akademie (Stuttgart), VDI-Bereich "Mensch und Technik/ Technikbewertung".
Das Gesamtvorhaben gliedert sich in ein Kompetenzzentrum und ein Kompetenznetzwerk. Das Zentrum umfasst in Analogie zu Sonderforschungsbereichen konkrete geförderte Vorhaben im Bereich der Technikbewertung zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Das Netzwerk ist ein an das Zentrum angeschlossener Verbund weiterer Kooperationspartner mit Interesse an Ad-hoc-Zusammenarbeit. Es besteht die Möglichkeit, aus dem Netzwerk heraus konkrete Vorhaben zu entwickeln, die dann später dem Zentrum zuzuordnen sind. Seitens der Forschungseinrichtungen sind insbesondere Methodenkompetenzen repräsentiert. Durch die Unternehmen wird die Kenntnis der Problemlagen, Entscheidungsprozesse, Werthaltungen etc. in den Verbund eingebracht. Beteiligte Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben die Möglichkeit, die vorhandenen Kompetenzen nach Bedarf in Anspruch zu nehmen. Ein wichtiger Bereicherungseffekt resultiert aus der Dokumentation bereits abgeschlossener Projekte. Institutionelle Unterstützung wird durch Beratung, die Veranstaltung von Workshops und einen Newsletter angeboten.
Das Kompetenzzentrum/-netzwerk "Technikbewertung in Unternehmen" hat nicht zuletzt in gewissem Maß auch einen experimentellen Charakter hinsichtlich der in verschiedenen Diskussionsbeiträgen der TA-Datenbank-Nachrichten vorgetragenen Thesen über Technikbewertung als Unternehmensberatung (vgl. TA-Datenbank-Nachrichten 3/2000, 4/2000, 1/2001). Die dort aufgeworfenen Fragen können wenigstens zum Teil in der einen oder anderen Form im Fortgang des Projektes eine Antwort finden.
Dr. Gerald Acker-Widmaier
Dr. Matthias Maring
Kompetenzzentrum/-netzwerk "Technikbewertung in Unternehmen"
Universität Stuttgart, Abt. WT
Seidenstraße 36
D-70174 Stuttgart
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