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TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 2 / 10. Jahrgang - Juni 2001, S. 137-139

Städte für morgen - Erfahrungen, neue Ansätze und Visionen

Gelsenkirchen, 26. - 27. April 2001

Tagungsbericht von Volker Stelzer, ITAS

Die diesjährige Jahrestagung des Öko-Instituts war eingebettet in eine Tagung am 26./27. April 2001 in Gelsenkirchen zum Thema "Städte für morgen - Erfahrungen, neue Ansätze und Visionen".

Das Thema wurde in vier Arbeitsgruppen mit den Themen "Nachhaltigkeit im Quartier", "Entwicklung Bauen & Wohnen auf Bundes- und Länderebene", "Gesundes Bauen und Wohnen ohne Schadstoffe" sowie "Leben in der Stadt - sozialer Kontext des Wohnens", zwei Einführungsvorträgen und einer Talkrunde behandelt. Wie aus den Arbeitsgruppenbezeichnungen ersichtlich ist, wurde das Thema Bauen und Wohnen nicht nur in seiner streng ökologischen Dimension betrachtet. Entsprechend der Ausweitung der Diskussion im Zuge des Diskurses zur Nachhaltigkeit wurden auch wirtschaftliche und soziale Aspekte vorgestellt und diskutiert.

Das Thema "Nachhaltigkeit im Quartier" wurde dargestellt an Hand von neueren, konkreten Bauprojekten, den Konversionsprojekten "Freiburg-Vauban", "Hamburger Hafencity" und "Vorstadt Nord in Neuruppin". Dabei stand dem ganz ausdrücklich als nachhaltiges Modellgebiet geplantem Stadtteil Vauban die Hamburger Hafencity gegenüber, in der bestimmte Nachhaltigkeitskriterien, wie der Einsatz regenerativer Energien, energiesparende Bauweise und umweltschonende Wasserver- und -entsorgung einbezogen werden sollen, die aber nicht schwerpunktmäßig unter Nachhaltigkeitsaspekten konzipiert wurde. Gerade dabei wurde deutlich, wieweit Konzeptionen, die vor einigen Jahren noch als "Ideen von Ökoträumern" bezeichnet wurden, heute schon in konkrete Planungen Einzug gefunden haben. Am Beispiel Neuruppin wurden die speziellen Probleme mit militärischen Liegenschaften und der besonderen Situation der östlichen Bundesländer deutlich. Hervorzuheben ist an diesem Beispiel die Initiierung eines Stadtteilbeirates, der auch über die Planungs- und Erschließungsphase hinaus existiert und ein Netzwerk sowohl innerhalb des Stadtteils als auch nach außen bildet.

Unter dem Titel "Entwicklung Bauen & Wohnen auf Bundes- und Länderebene" widmete sich die Arbeitsgruppe 2 der Prognose von Entwicklungen und den Einflussnahmemöglichkeiten durch Landesregierungen. Vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung wurde die neueste Prognose der Entwicklung des Wohnungsmarktes vorgestellt, bei der vor allem die starke Differenzierung auffällt. Einer der klaren Trends ist der deutliche Überhang im Geschosswohnungsbau in den neuen Bundesländern. Außerdem wird prognostiziert, dass im gesamten Bundesgebiet in den nächsten Jahren vor allem ein Wohnflächenzuwachs im Ein- und Zweifamilienhäuserbereich stattfinden wird. In den alten Bundesländern wird aber auch der Geschosswohnungsbau in nennenswertem Umfang fortgesetzt werden. Der Aspekt der Wohnungsentwicklung in den neuen Bundesländern wurde durch einen speziellen Beitrag weiter vertieft.

Am Beispiel des Landes Schleswig-Holstein wurde dargestellt, dass, entgegen anderslautenden Meinungen, die Länder sehr wohl Möglichkeiten haben, auf das Handlungsfeld Bauen und Wohnen steuernd Einfluss zu nehmen und eine Orientierung an der Nachhaltigkeit in diesem Bereich zu fördern. Beispiele hierfür sind die vorrangige Förderung der Eigentumsbildung in den Innenstädten oder die baurechtliche Gleichstellung der Holzbauweise mit dem Massivbau. Ein weiterer Aspekt in diesem Themenfeld war die Vorstellung und Diskussion des vom Öko-Institut entwickelten Stoffstrommodells BASiS. Dabei werden die von Bedürfnisfeldern wie Wohnen, Gesundheit oder Ernährung ausgehenden Stoffströme detailliert untersucht und die ermittelten Abhängigkeiten in das EDV-System eingespeist. So war es z. B. möglich, für den Bereich Bauen und Wohnen drei Szenarien für das Jahr 2020 zu entwickeln, um die Auswirkungen bestimmter Entwicklungen auf die Stoffströme darzustellen. Dadurch konnte z. B. quantifiziert werden, wie stark der Bedarf an Stahl und Mauerziegeln bis 2020 zurück geht, wenn ein Bewusstseinswandel-Szenario eintritt.

Der Gesundheitsaspekt wurde in der Arbeitsgruppe "Gesundes Bauen und Wohnen ohne Schadstoffe" in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Die Themen der Referate reichten dabei von der Vorstellung von Produkt-EDV-Systemen über die Darstellung spezieller Lüftungssysteme zur Verbesserung des Innenraumklimas bis hin zur Vorstellung eines Gesamtkonzeptes für die umwelt- und gesundheitsverträgliche Herstellung von Häusern und Wohngebieten. In zwei weiteren Präsentationen wurde das Thema des Einsatzes von nachwachsenden Rohstoffen im Wohnungsbau und dessen Wirkung auf die Gesundheit betrachtet. Eine wichtige Feststellung war dabei, dass sich viele nachwachsende Rohstoffe vorzüglich zum Wohnungsbau eignen, und dass viele von ihnen ein hohes Potenzial für positive Gesundheitswirkungen haben, aber dass nachwachsende Rohstoffe nicht per se ein gesundes Innenraumklima hervorrufen.

Mit sozialen Aspekten des Wohnens beschäftigte sich die Arbeitsgruppe "Leben in der Stadt - sozialer Kontext des Wohnens". Ein besonderes Schwergewicht lag in dieser Gruppe bei der Thematisierung der Kommunikation. Zum einen wurde dargestellt, wie wichtig die frühe und umfassende Einbindung der Bewohner in ein Stadtplanungsprojekt in Hannover ist, um nicht nur eine nachhaltige Bauweise durchzusetzen, sondern auch auf das Verhalten der Bewohner hin zu mehr Nachhaltigkeit einwirken zu können. Außerdem wurden die Bestimmungsgründe effizienter Kommunikation thematisiert und herausgestellt. Dabei spielten die Lebensstile und die Leitbilder im sozialen Umfeld eine wichtige Rolle, auf die es einzugehen gilt, wenn man eine effiziente Kommunikation erreichen will. Auch für Wohnungsbauunternehmen, die sich um soziale und kulturelle Aspekte der Nachhaltigkeit bemühen, ist die Kommunikation ein wichtiger Bereich, ihre Anliegen effektiv umzusetzen, wie am Beispiel des Wohnungsbauunternehmens Gundlach dargestellt wurde. Als Beispiel für die Einbindung unterschiedlicher Personengruppen in die Wohngestaltung wurde die Stadtentwicklung und die Rolle der Jugend thematisiert. Dabei wurden etliche Defizite in der Berücksichtigung der Jugendbelange herausgearbeitet. Es wurde aber auch festgestellt, dass die Elemente, die für eine fachliche Fundierung der Planungen der Kommunen und der Länder notwendig sind, schon vorhanden sind; dass diese allerdings zusammengetragen, abgestimmt und kommuniziert werden müssten.


Die Inhalte der Arbeitsgruppen wurden in einem Tagungsband zusammengefasst, der für 39,00 DM / 19,94 EU zzgl. Versandkosten erhältlich ist über:

Öko-Institut e.V.
Postfach 6226
D-79038 Freiburg
Tel.: +49 (0) 761 / 45295-0
Fax: +49 (0) 761 / 475437
Internet: http://www.oeko.de/


Kontakt:

Dr. Volker Stelzer
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Postfach 3640
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Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen

Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 23474
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806

E-Mail: stelzer@itas.fzk.de
Internet: Homepage von Volker Stelzer



Stand: 25.07.2001 - Kommentare und Bemerkungen an:     Redaktion der TA-Datenbank-Nachrichten