Forschungszentrum Karlsruhe
Technik und Umwelt
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
TA-DATENBANK-NACHRICHTEN

Bücher kurz vorgestellt


TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 4 / 10. Jahrgang - Dezember 2001, S. 128-130

NICOLE C. KARAFYLLIS: Biologisch, natürlich, nachhaltig - Philosophische Aspekte des Naturzugangs im 21. Jahrhundert. Tübingen: Francke-Verlag, 2001, Reihe Ethik in den Wissenschaften, Bd. 14. 224 S. DM 78,-- / € 34,--. ISBN 3-7720-2624-9

Natur und Technik werden in der gegenwärtigen Philosophie nicht mehr als starre Gegensätze, sondern auch als Hybride verstanden. An dieser Stelle setzt die Autorin an, indem sie neuerer technische Entwicklungen in der Biologie und den Umweltwissenschaften auf ihre philosophischen Grundlagen (Was ist Leben?) und ethischen Folgen (z. B. zu den Techniken Klonen, Novel Food, Bionik, Bioinformatik) hin befragt.

Wo finden wir im 21. Jahrhundert noch Natur, wo konstruieren wir sie faktisch und wie konstruieren wir sie in unseren Köpfen? Welche Natur wollen wir nachhaltig erhalten und wie geht das? Und: Welche antworten geben uns die modernen Life Sciences auf diese Fragen und wie befriedigend sind sie im Hinblick auf unsere eigenen Erfahrung mit Natur? Das sind die grundlegenden Fragen dieser Einführung, die an natur- und technikphilosophisch Interessierte gleichermaßen adressiert ist.

Um sie zu beantworten, wird der Zugang zu Natur und Technik an unser Alltagswissen gekoppelt, damit nicht im philosophischen Disput über die angemessenere Natur- oder Techniktheorie der Ariadnefaden aus den Augen verloren wird. Dieser Faden symbolisiert die menschliche Sehnsucht nach Orientierung - im Großstadtdschungel und im Naturreservat gleichermaßen.

(Verlagsankündigung)


REGINE KOLLEK: Präimplantationsdiagnostik - Embryonenselektion, weibliche Autonomie und Recht. Tübingen: Francke-Verlag, 2001, Reihe Ethik in den Wissenschaften, Bd. 11, 2. überarb. Aufl. 266 S. DM 58,--/€ 29,--. ISBN 3-7720-2621-4

Das menschliche Erbmaterial wird immer transparenter. Mithilfe der künstlichen Befruchtung erzeugte Embryonen können durch die Präimplantationsdiagnostik schon vor ihrer Übertragung in de weiblichen Körper auf Erbkrankheiten oder genetische Veranlagungen untersucht werden. Indem nur solche Embryonen übertragen werden, die die unerwünschten Merkmale nicht besitzen, besteht prinzipiell die Möglichkeit, spätere Schwangerschaftsabbrüche zu vermeiden.

Den Nutzen, den die Methode für Paare mit einem Risiko für Erbkrankheiten haben kann, stehen medizinische Risiken sowie soziale und ethische Kosten gegenüber. Ausgehend vom derzeitigen Stand des Wissens stellt das Buch die wissenschaftlichen und medizinischen Voraussetzungen und Grenzen der Präimplantationsdiagnostik dar.

(Verlagsankündigung)


ALBERT H. TEICH, STEPHEN D. NELSON, CEILIA McENANEY, STEPHEN J. LITA (eds.):AAAS Science and Technology Policy Yearbook 2001. American Association for the Advancement of Science, 2001. 342 S.

Die American Association for the Advancement of Science (AAAS) veröffentlicht jedes Jahr ein Jahrbuch, das zentralen Fragen amerikanischer und internationaler Wissenschafts- und Technologiepolitik gewidmet ist. Die nunmehrige Ausgabe ist in wesentlichen Teilen das Ergebnis eines AAAS-Kolloquiums zur Wissenschafts- und Technologiepolitik.

Die Präsidentin der National Science Foundation, Rita Colwell, schreibt über die Rolle ihrer Organisation in der amerikanischen Forschungslandschaft. Ein Teil der Publikation ist der Untersuchung der gesellschaftlichen Auswirkungen der bevorstehenden Welle an Innovationen auf den Gebieten Nanotechnologie, Robotertechnik und Genmanipulation gewidmet. In diesem Kapitel befindet sich auch der kontroverse Beitrag "Why the future does not need us" von Sun Microsystems-Gründer Bill Joy, inklusive Stellungnahmen dazu. Michael Crow und Dan Sarewitz vom Center for Science, Policy & Outcomes, schreiben zum Thema "Nanotechnologie und gesellschaftlicher Wandel". Und natürlich dar auch ein umfassendes Kapitel zur Debatte rund um die Agrar-Gentechnologie und ein weiteres zu den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Informationstechnologie in einem solchen Jahrbuch nicht fehlen.

Einige Aufsätze beschäftigen sich mit dem diffizilen und zuletzt - vor allem in Hinblick auf die vorübergehende Schließung der medizinischen Fakultät der John Hopkins University - kontroversen Thema "Academic capitalism", womit Technologietransfer und allgemein die profitorientierte Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Industrie gemeinst sind. Eyal Press und Jennifer Washburn vertreten in "The Kept University" die Meinung, dass Universitäten ihren Bildungsauftrag dem Streben nach Profit opfern. In einem Aufsatz mit dem vielsagenden Titel "The Entrepreneurial University" entgegnet die Leiterin des Büros für Technologietransfer des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Lita Nelsen, dieser Meinung aus der Perspektive einer großen, forschungsorientierten Privatuniversität (OST-AT).

Die äußerst lesenswerte Publikation, die einen exzellenten Überblick über die amerikanische Forschungslandschaft und das wissenschaftliche System bietet, ist auch über das Web erhältlich: http://www.aaas.org/spp/dspp/rd/yrbk01.htm.

(Quelle: DIHK-Forschung international 5/2001)


ROLF WÜSTENHAGEN: Ökostrom - von der Nische zum Massenmarkt. Entwicklungsperspektiven und Marketingstrategien für eine zukunftsfähige Elektrizitätsbranche. Zürich: Hochschulverlag an der ETH Zürich, 2000 (Reihe Wirtschaft - Energie - Umwelt, Band 2). DM 124,80. 352 S. ISBN 3-7281-2777-9

Dank der Liberalisierung des Strommarktes können Kunden heute mitentscheiden, wie ihre Elektrizität produziert wird. Insbesondere erneuerbare Energien stoßen bei den Konsumenten auf große Sympathie. Für die Anbieter von Elektrizität bietet das Ökostrom-Marketing einen möglichen Ausweg aus dem Verdrängungswettbewerb und eine Chance zur Erlangung nahhaltiger Wettbewerbsvorteile. Der Marktanteil dieser Produkte ist heute aber noch gering: Ökostrom wird zumeist als (teures) Nischenprodukt konzipiert. Aus der Perspektive einer Nachhaltigen Entwicklung ist diese Öko-Nische zwar ein notwendiger, aber kein hinereichender Schritt. Ausgehend von diesem Grundverständnis, zeigt Wüstenhagen Wege zur Diffusion ökologischer Stromprodukte in den Massenmarkt auf. Die Arbeit kombiniert eine theoretisch-konzeptionelle Analyse mit empirischen Erkenntnissen aus dem Ökostrom-Markt in Deutschland, der Schweiz, den USA und Großbritannien sowie Quervergleichen zu anderen Branchen.

Das Buch wendet sich an Führungskräfte und Marketingverantwortliche der Energiewirtschaft, Wissenschaftler und Studierende aus den Bereichen Betriebswirtschaft, Umweltmanagement und Energiewirtschaft sowie an Entscheidungsträger in Politik, Consulting und Umweltorganisationen.


T. CHRISTALLER, M. DECKER, J.-M. GILSBACH, G. HIRZINGER, K. LAUTERBACH, E. SCHWEIGHOFER, G. SCHWEITZER, D. STURMA: Robotik. Perspektiven für menschliches Handeln in der zukünftigen Gesellschaft. Berlin: Springer, 2001, Reihe Wissenschaftsethik und Technikfolgenbeurteilung, Band 14. € 74,95. ISBN 3-540-42779-1

Die moderne Robotikforschung hat einen Stand erreicht, der es ermöglicht, autonome Robotersysteme zu entwickeln. Sie sind mit Sensoren ausgestattet und verfügen über Steuerungsprogramme, mit denen sie sich in ihrer Umwelt zurechtfinden. Sie bewegen sich auf Rädern oder Beinen und führen mit Greifern Handlungen aus. Die größte Faszination geht dabei von Robotern aus, die äußerlich dem Menschen ähneln: den humanoiden Robotern.

Die Anwendungsbereiche autonomer Robotersysteme sind nicht mehr auf Industriehallen beschränkt. Es werden erste Dienstleistungs-Prototypen entwickelt sowie Roboter, die der Unterhaltung dienen. Damit ist unweigerlich verbunden, dass auch Menschen, die keine Experten im Umgang mit Robotern sind, in ihrem Alltag mit Robotern konfrontiert werden. Es stellt sich die Frage, wie sich dadurch das täglich Leben in einer modernen Gesellschaft verändert.

Die nun veröffentlichte Studie wurde von der Projektgruppe "Robotik" der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH erarbeitet.

Das Buch ist das Resultat einer interdisziplinären Diskussion, in die neben der technisch-ökonomischen Perspektive auch ethisch-rechtliche Gesichtspunkte eingeflossen sind. Dabei geht die Studie über eine große Gegenüberstellung der Chancen und Risiken autonomer Roboter hinaus. Sie gibt konkrete Handlungsempfehlungen bezüglich der Frage, welche Aspekte eine gesellschaftlich akzeptable Roboterentwicklung berücksichtigen sollte.



Stand: 18.01.2002 - Kommentare und Bemerkungen an:     Redaktion der TA-Datenbank-Nachrichten