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TA-Datenbank-Nachrichten, Nr.2, 7. Jahrgang - Juni 1998, S. 93-94

SABINE KÖBERLE, FRITZ GLOEDE, LEONHARD HENNEN (Hrsg.): Diskursive Verständigung? Mediation und Partizipation in Technikkontroversen. Baden-Baden: Nomos, 1997.

Partizipation an Technikfolgenabschätzungen als Mittel zur Vorbereitung konsensfähiger und rationaler Entscheidungen wurde programmatisch schon oft gefordert, weit seltener jedoch realisiert. In den letzten zehn Jahren hat sich jedoch die Tendenz verstärkt, die expertenzentrierte klassische Politikberatung durch partizipative bzw. diskursive Verfahren zu ergänzen. Beide Begriffe - Partizipation und Diskurs - haben sowohl in der TA-Praxis als auch in der konzeptionellen Diskussion der letzten Jahre eine zentrale Rolle gespielt.

Ein Workshop zum Thema "Diskurse als Mittel der Konfliktaustragung im Bereich der Technikfolgenabschätzung", der 1994 gemeinsam von der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (AFTA), dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Forschungszentrums Karlsruhe (ITAS) und dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) durchgeführt wurde, befaßte sich mit folgenden Fragen: Wie lassen sich Verständigungsprobleme, die sich hinter dem gelegentlich modisch verwendeten Etikett "Diskurs" verbergen, konzeptionell fassen? Welche Erwartungen werden auf verschiedenen Seiten mit diskursiven Verfahren verbunden? Welche Leistungen vermögen Diskurse im Hinblick auf den Umgang mit Unsicherheit zu erbringen und welche Funktionen können sie gesellschaftlich womöglich erfüllen?

Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge dieses Workshops und möchte damit Impulse für die weitere Auseinandersetzung um diskursive Verständigungsbemühungen in der öffentlichen Technikdiskussion wie in den technikpolitischen Kontroversen geben. Im ersten Teil des Bandes werden praktische "Fälle" unterschiedlich gelagerter diskursiver Verfahren vorgestellt und exemplarisch diskutiert. Dabei handelt es sich um ein Mediationsverfahren zur Altlastensanierung in Münchehagen, um eine nichtformelle Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Standortsuche für eine Sonderabfalldeponie im Freistaat Sachsen, um einen "kooperativen Diskurs" bei der Standortsuche für eine Deponie im Schweizer Kanton Aargau, um den Diskursversuch im Rahmen des TAB-Projekts "Biologische Sicherheit bei der Nutzung der Gentechnik" sowie um die "partizipatorische Technikfolgenabschätzung" zu transgenen herbizidresistenten Kulturpflanzen am Wissenschaftszentrum Berlin. Die Beiträge des zweiten Teils stellen demgegenüber generalisierende Beiträge zu den Problemstellungen, Verlaufsmustern, Leistungsmöglichkeiten und -grenzen sowie zu funktionalen Einbettungen diskursiver Verfahren dar und repräsentieren den fortlaufenden sozialwissenschaftlichen Diskurs zum Diskurs.

Der Band dokumentiert das breite Spektrum der praktischen Ansätze diskursiver und partizipativer Verfahren in der Technikfolgenabschätzung, wie auch der wissenschaftlichen Einschätzung ihrer Leistungen und Probleme. Bei bestehender Einigkeit darüber, daß in modernen Gesellschaften Probleme kognitiver Ungewißheit, pragmatischer Unsicherheit und normativer Ambivalenz auftreten, die nicht mehr unter Rückgriff auf transzendente Werte oder "objektive" Kriterien zu bearbeiten sind, sondern allenfalls in spezifischen Verfahren der Kommunikation bzw. Interaktion, scheinen doch alle konkreteren Aspekte dieses Zusammenhangs mit Blick auf diskursive Verfahren der TA durchaus kontrovers. Dies betrifft

Der Diskurs zum Diskurs ist noch in einem zu frühen Stadium, als daß generalisierende Aussagen zum jetzigen Zeitpunkt möglich wären. Somit stellen die Beiträge dieses Buches eine Einladung an alle Leser dar, die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten zu vergleichen und auf der Basis der vorgestellten Fallbeispiele eigene Rückschlüsse über Potential und Grenzen diskursiver und partizipativer Verfahren in der Technologiepolitik zu ziehen.

Leo Hennen, TAB


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Stand: 24.08.1998 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion