von Peter Ackermann, Brandenburgisches Umweltforschungszentrum e.V.
TA wird im Land Brandenburg als wichtiges Element für die Gestaltung einer Technologiepolitik im Sinne der nachhaltigen Entwicklung verstanden. Unter den gegenwärtigen Bedingungen (Mittelknappheit) erfolgt die Umsetzung mittels schwerpunktorientierter befristeter TA-Projekte. Um die vorhandenen TA-Potentiale zu bündeln, haben sich auf Initiative des Brandenburgischen Umweltforschungszentrums (BUFZ) die TA-Akteure in Brandenburg zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen.
Das Leitbild einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung heißt, die zentralen Entwicklungsparameter von Mensch und Umwelt so zu gestalten, daß eine dauerhafte Existenzfähigkeit der menschlichen Gesellschaft gewährleistet ist (Kreibich 1996, S.32). Daraus ergibt sich die Zielsetzung, gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten, wirtschaftlichen Wohlstand zu ermöglichen und für soziale Gerechtigkeit zu sorgen (Zieldreieck). Für die Wissenschaft der Zukunft (und damit auch für Forschung und Technologieentwicklung) bedeutet dies (Staufenbiel 1996, S. 224):
Damit wird die Steuerung von Technikentwicklung als ein entscheidendes Feld einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung nicht mehr nur eine Aufgabe von Politik und Markt, sondern wird durch die gesamte Gesellschaft vorgenommen und verantwortet. Und auch die entstehenden Lasten trägt die gesamte Gesellschaft verbindlich. Das wäre ein wichtiger Schritt zu einem neuen Demokratieverständnis, wie es der Prozeß einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung erfordert (vgl. auch Schneidewind u.a. 1997). Dies führt in die Richtung der u.a. von Ropohl thematisierten innovativen TA (vgl. Ropohl 1996). Um dieser Herangehensweise zum Durchbruch zu verhelfen, bedarf es einer institutionalisierten Kommunikationsstruktur. [1] Der in dieser Struktur zu führende Diskurs bedarf eines organisierenden Zentrums.
Diese sich aus der theoretischen Überlegung ergebenden Notwendigkeiten müssen zu ihrer Umsetzung in die Politik kommuniziert werden, um von dort entsprechende Rahmenbedingungen für ihre Realisierung zu erhalten. Im Land Brandenburg hat dieser Prozeß relativ zeitig begonnen. Bei der Erarbeitung des Landestechnologiekonzeptes wurde 1993 sehr schnell das (damals in Deutschland noch wenig thematisierte) Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung als Zielstellung des Landes artikuliert. [2] Dies führte auch dazu, Technikfolgenabschätzung im Sinne eines Chancen-Risiko-Managements als ein wichtiges Instrumentarium für den Aufbau eines wirksameren Technologientransfers zu verankern. Als Bestandteil von Technologieentwicklung und -transfer soll TA auch dazu beitragen, rechtzeitig Marktbarrieren zu erkennen und Technikvorbehalten in der Bevölkerung zu begegnen. Damit wurde TA als eine von 27 Maßnahmen zur Umsetzung des Landestechnologiekonzepts verankert. Die entsprechende Federführung bekam das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg.
Infolge dieser Willensbekundung wurden Überlegungen angestellt, entsprechende Institutionalisierungsformen für die Etablierung einer adäquaten TA-Landschaft in Brandenburg zu finden. [3] Als ein wesentliches Hemmnis für notwendige Organisationsformen der Institutionalisierung von TA in Brandenburg erweist sich zur Zeit das Problem der Mittelknappheit, wodurch weder lean centres als Kondensationskerne für mögliche kognitive Netze geschaffen werden können noch eine feste Form für die Institutionalisierung eines ständigen qualifizierten Ansprechpartners für Politik, Öffentlichkeit, Wirtschaft und Verwaltung gesichert werden kann. Als Arbeitsform für eine kontinuierliche Entwicklung des TA-Netzes werden daher zur Zeit in Brandenburg schwerpunktorientierte befristete Projekte genutzt. Ihre inhaltliche Orientierung erhalten diese Projekte aus den Anwendungsfeldern der Landestechnologiekonzeption und den Schwerpunkten der nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung im Land Brandenburg.
Die bisher gesammelten Erfahrungen aus der Förderung von Technologieentwicklungen mit eingebundenen TA-Bausteinen machten deutlich, daß TA als Bestandteil der Forschungs- und Technologieförderung noch gezielter als bisher und ressortübergreifend durchgeführt werden muß. Aus diesem Grunde haben sich auf Initiative des Brandenburgischen Umweltforschungszentrums im Februar 1997 Akteure der Technikfolgenabschätzung aus dem Land Brandenburg und Kooperationspartner aus anderen Bundesländern in einem Arbeitskreis zusammengefunden. Darunter befinden sich u.a. die Brandenburgische Technische Universität Cottbus, das Zentrum für Umweltwissenschaften der Universität Potsdam, die Technische Fachhochschule Wildau, das VDI/VDE Technologiezentrum Informationstechnik in Stahnsdorf, das Institut für Agrartechnik Bornim, das IZT Berlin, die Universität Witten/Herdecke sowie weitere wissenschaftliche Einrichtungen und Praxispartner (vgl. Abbildung 1). Die ersten Beratungen galten der Konsensbildung über strategische Ziele und mögliche Aktivitäten des Arbeitskreises.
Insbesondere nimmt sich der Arbeitskreis vor, strategische Projekte des Landes Brandenburg hinsichtlich ihrer TA-Relevanz zu evaluieren, um den Landesbehörden Vorschläge für durchzuführende TA zu unterbreiten. Die TA-Ergebnisse sollten auch für die Weiterentwicklung der Landestechnologiekonzeption eingesetzt werden.
Als Beitrag zur Lösung der aktuellen Probleme der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes im Land Brandenburg hält es der Arbeitskreis für erforderlich, Technikfolgenabschätzungen verstärkt als Impulsgeber für neue Technologieentwicklungen, insbesondere auf zukunftsfähigen Feldern, zur Erschließung landestypischer Potentiale zu nutzen.
Abb. 1: <<< In Bearbeitung >>>
Es besteht im Arbeitskreis Konsens, daß solche Arbeiten nicht nur an Einzelthemen und isoliert voneinander, sondern gebündelt an für Brandenburg spezifischen und für die nachhaltige Landes- und Regionalentwicklung besonders wichtigen Bereichen bearbeitet werden sollten. Der Arbeitskreis wird hierzu folgende Komplexe auf ihre TA-Relevanz prüfen, um davon ausgehend konkrete TA-Projektvorschläge zu entwickeln:
Um die anstehenden Aufgaben effektiv zu lösen, wird der Arbeitskreis die TA-Akteure Brandenburgs zusammenführen, um gemeinsam konkrete Projekte zu bearbeiten. Zukünftig ist auch die Verbindung zu ähnlichen Arbeitsgemeinschaften in anderen Bundesländern vorgesehen. Die Möglichkeit der Kooperation mit den Ländern Mittel- und Osteuropas wird geprüft.
Der Arbeitskreis will weiterhin
Diese Überlegungen wurden in einer Stellungnahme des Arbeitskreises zur "Technikfolgenabschätzung in Brandenburg" [*] fixiert.
Die weiteren Arbeitskreistreffen werden sowohl der Fortschreibung der strategischen Überlegungen dienen, als auch Informationen zu konkreten TA-Projekten in Brandenburg austauschen. Einen aktuellen Schwerpunkt stellen Diskussionen zu theoretischen, konzeptionellen und methodologischen Fragestellungen dar. Gleichermaßen gilt es, die Diskussion zum Thema nachhaltige zukunftsverträgliche Entwicklung mit dem Thema TA zu verbinden und dabei für Brandenburg typische Fragestellungen abzuleiten.
Die Anlagerung des TA-Arbeitskreises am Brandenburgischen Umweltforschungszentrum (BUFZ) bietet dafür günstige Voraussetzungen. Als Ergebnis der seit 1993 laufenden Vorarbeiten wurde das BUFZ im Dezember 1995 von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Forschung als eingetragener Verein gegründet. Satzungsgemäßes Ziel des BUFZ sind die Entwicklung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und die Forschung im Bereich des Umweltschutzes zur Beförderung einer nachhaltigen umweltgerechten Entwicklung in der Region Berlin/Brandenburg. Besondere Berücksichtigung finden dabei technologisch orientierte Innovationen, die ein enges Zusammengehen von Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen erfordern. Schwerpunkte der Arbeit bilden
Mit der Universität Potsdam besteht eine Kooperationsvereinbarung, die in gemeinsamen Projekten mit dem Zentrum für Umweltwissenschaften der Universität ihren Ausdruck findet. Das BUFZ gibt drei Publikationsreihen heraus: Fortschrittsberichte, Forschungstexte und die Brandenburgischen Umwelt-Berichte (gemeinsam mit der Universität Potsdam). Erklärtes Ziel ist es, das BUFZ als Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit im Land Brandenburg auszubauen.
[1] Unter Institutionalisierung ist hier in Anlehnung an Schmittel 1994 ein politisches Handlungsprogramm zu verstehen, das zu einer gesellschaftlichen Rückkopplung bzw. gesellschaftlichen Verankerung von TA führt.
[2] Vgl. Landestechnologiekonzeption 1994, S. 23: "Brandenburg will im Zusammenwirken von Wirtschaft und Wissenschaft zu einem Land der effizienten Anwendungstechnologien und Systemlösungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung werden." Für die Genese dieses Gedankengangs vgl. auch P. Ackermann, R. Müller, M. Schneider1998.
[3] Für eine detailliertere Schilderung vgl. Ackermann 1998.
Ackermann, P. 1998: Institutionelle Formen und finanzielle Ausgestaltung von TA unter neuen Bedingungen - TA-Netz im Land Brandenburg. In: W.Haase, K. Soyez (Hrsg.): Technologien für eine nachhaltige Entwicklung. - Neuruppin: BUFZ 1998 (Forschungstexte Nr. 3), S. 121 - 130.
Ackermann, P., R. Müller, M. Schneider 1998: "Bestandteile des Landestechnologiekonzepts aus ökologischer Sicht" - ein frühzeitiges Positionspapier. In: W. Haase, K. Soyez (Hrsg.): Technologien für eine nachhaltige Entwicklung. - Neuruppin: BUFZ 1998 (Forschungstexte Nr. 3), S. 19 - 33.
Kreibich, R. (Hrsg.) 1996: Nachhaltige Entwicklung. Leitbild für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft. Weinheim, Basel: Beltz Verlag, 1996.
Landestechnologiekonzeption 1994: Brandenburg auf dem Weg in die Zukunft. Potsdam: Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes Brandenburg.
Ropohl, G. 1996: Ethik und Technikbewertung. Frankfurt am Main: Suhrkamp (stw 1241).
Schmittel, W. 1994: Institutionalisierung von TA in international vergleichender Perspektive. In: G. Bechmann, T. Petermann (Hrsg.): Interdisziplinäre Technikforschung. Genese, Folgen, Diskurs. Frankfurt/Main, New York: Campus Verlag, S. 321 - 345.
Schneidewind, U. u.a. 1997: Institutionelle Reformen für eine Politik der Nachhaltigkeit: Vom Was zum Wie in der Nachhaltigkeitsdebatte. GAIA 6 (1997), Nr. 3, S. 182 - 196.
Staufenbiel, R. 1996: Technikfolgenabschätzung und Technikbewertung - Wissenschaft für die Zukunft? In: M. Kerner (Hrsg.): Aufstand der Laien. Expertentum und Demokratie in der technisierten Welt. Aachen, Leipzig, Paris: Thouet Verlag, 1996; S. 195 - 226.
[*]
Die 2-seitige Stellungnahme kann bei ITAS angefordert werden:
I. von Berg
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806
E-mail:
webmaster@itas.fzk.de