Die Tagung "25 Jahre Technikfolgenabschätzung in Deutschland", die im Juni diesen Jahres vom ITAS in Bonn veranstaltet wurde, war ein Anlaß für die Redaktion der TA-Datenbank-Nachrichten, einen Blick auf die TA-Landschaft in Deutschland und Europa zu werfen. Die Auswertung der im Herbst 1997 durchgeführten Erhebung zur TA-Datenbank des ITAS war ein weiterer Grund, da deren Ergebnisse einen aktuellen Überblick über die TA-Landschaft in Deutschland ermöglichen.
Eines der Resümées der o.g. Tagung, die Thomas Petermann im ersten Beitrag zu diesem Schwerpunkt: "25 Jahre Technikfolgen-Abschätzung - ein Jubiläum besonderer Art" zieht, war, daß TA sich in vielen Formen in Deutschland und im europäischen Ausland institutionalisiert und sich eine vielfältige Praxis der Technikfolgenabschätzung mit sich ergänzenden Konzepten entwickelt hat. Dies zeigen auch die Erhebungen zur TA-Datenbank, über deren Ergebnisse für Deutschland Reinhard Coenen, Beate Fürniß und Christel Kupsch in ihrem Beitrag "Die TA-Landschaft in Deutschland - Eine quantitative Analyse auf Basis der TA-Datenbank des ITAS" berichten. Fast 300 Einrichtungen sind gegenwärtig in Deutschland auf diesem Gebiet und in verwandten Forschungsbereichen aktiv. Die Vielzahl der auf dem Gebiet der TA tätigen Einrichtungen kann man möglicherweise gerade als die Stärke der deutschen TA-Landschaft bezeichnen. TA ist auch in anderen europäischen Ländern gut etabliert, wie die Erhebungen zur TA-Datenbank im europäischen Ausland ergeben haben.
Der Beitrag von Michael Rader "TA-Aktivitäten auf Ebene der Europäischen Union" zeigt, daß die Technikfolgenabschätzung im Rahmen der Forschungspolitik der EU-Kommission mit dem Institute for Prospective Technological Studies (IPTS), dem von diesem getragenen European Science and Technology Observatory (ESTO)-Netzwerk und dem Europäischen TA-Netzwerk "ETAN" allmählich deutlichere Konturen gewinnt.
Auf parlamentarischer Ebene ist die TA in Europa in einigen Ländern schon seit mehr als 10 Jahren fest institutionalisiert, wie der Beitrag von Ingrid von Berg "EPTA - das europäische parlamentarische TA-Netzwerk" zeigt. Das Netzwerk erweitert sich, da weitere europäische Länder dabei sind, parlamentarische TA-Einrichtungen aufzubauen. Trotz ihrer bescheidenen Personal- und Finanzausstattung leisten die schon länger existierenden parlamentarischen TA-Einrichtungen erfolgreiche Arbeit, wiewohl sie sich in der Form der Institutionalisierung, den verfolgten Konzepten und Arbeitsweisen zum Teil deutlich unterscheiden.
In seinem Beitrag "Technikfolgenbeurteilung in Ländern Mittel- und Osteuropas -erste Ergebnisse eines Projekts" beleuchtet Gerhard Banse die Situation der TA in einigen der ehemaligen kommunistischen Länder Mittel- und Osteuropas. Knappe öffentliche Finanzmittel und andere drängende Aufgaben für Forschung und Entwicklung machen dort der TA das Leben schwer. Es zeigt sich auch, daß das Kopieren westeuropäischer Institutionalisierungsformen und Arbeitsweisen der TA nicht die Lösung ist, sondern das eigenständige Wege gegangen werden (müssen).
Zwei weitere Beiträge des Schwerpunktthemas beschäftigen sich mit TA auf Bundesländerebene. Robert Tschiedel gibt einen Überblick über den "Arbeitskreis Technikfolgenabschätzung und -bewertung des Landes Nordrhein-Westfalen - AKTAB NRW", der in einem Umfeld von vielfältigen und etablierten TA-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen agiert. In dem Beitrag von Peter Ackermann geht es dagegen erst darum, in Zusammenarbeit verschiedener Forschungseinrichtungen ein "TA-Netz für Brandenburg" aufzubauen.
Das einzig global operierende Netzwerk von TA-Einrichtungen, über das Reinhard Coenen berichtet, ist die seit fünf Jahren bestehende International Association of Technology Assessment and Forecasting Institutions (IATAFI). Es ist ihr auf ihren Workshops und Konferenzen, die in zweijährigem Turnus durchgeführt werden, zwar gelungen, den Erfahrungsaustausch zwischen TA-Wissenschaftlern aus Industrie- und Entwicklungsländern zu fördern, sie konnte aber bisher aufgrund finanzieller Restriktionen ihre weitergesteckten Zielsetzungen nur bedingt erfüllen. Am Rande der in diesem November in New-Delhi (Indien) stattfindenden IATAFI-Konferenz werden deshalb die zukünftigen Strategien und Arbeitsweisen von IATAFI ein wichtiges Thema der Mitgliederversammlung sein.
(I. von Berg, R. Coenen)