von Ingrid von Berg, ITAS
Nachdem in den USA bereits 1972 durch die Gründung des Office of Technology Assessment (OTA) beim U.S. Kongreß Technikfolgenabschätzung auf parlamentarischer Ebene institutionalisiert wurde, entschieden sich europäische Länder erst sehr viel später und nach zum Teil sehr langen und kontroversen Diskussionen dafür, parlamentarische TA-Einrichtungen zu etablieren. Einige der Einrichtungen wurden zunächst auf befristete Zeit eingerichtet (wie auch das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag) und dann einer Evaluation unterzogen. Alle Institutionen haben sich jedoch inzwischen als fester Bestandteil der parlamentarischen Beratungs- und Entscheidungsprozesse etablieren können. 1990 wurde das European Parliamentary Technology Assessment Network (EPTA) gebildet.
Gründung und Mitgliedsorganisationen
Im Jahre 1990 haben sich die Büros der damals sechs parlamentarischen Einrichtungen in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und beim Europäischen Parlament unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Enrique Baron Crespo, formell zum Europäischen Parlamentarischen TA-Netzwerk: European Parliamentary Technology Assessment Network (EPTA) zusammengeschlossen. Die Initiative hierzu ging von Lord Kennet, Vorsitzender des Board der britischen parlamentarischen Einrichtung, aus und fand breite Unterstützung in den anderen Einrichtungen. 1997 wurde das Netzwerk durch Gründungen in Finnland, Griechenland und Italien erweitert. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die augenblicklichen Mitglieder (und Beobachter, s.u.) des EPTA Netzwerkes. Neben den Vollmitgliedern des Netzwerkes wurden weitere Organisationen mit "Beobachter"-Status (EPTA Observer) in das Netzwerk aufgenommen, die an den Sitzungen des EPTA Councils, den Konferenzen und den weiteren Aktivitäten teilnehmen und sich beteiligen können (s.u.). Die Bedingungen für die Anerkennung als Beobachter wurde auf dem EPTA Council Meeting 1994 festgelegt. Demnach können in das EPTA-Netzwerk als Beobachter aufgenommen werden:
Tabelle 1: European Parliamentary Technology Assessment Network - EPTA
| EPTA Members |
Dänemark:
Teknologi-Rådet - The Danish Board of Technology, gegründet 1986; Leiter: Mr. Lars Klüver |
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Deutschland: Büro für Technikfolgen-
Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), gegründet 1989; Leiter: Prof. Dr. Herbert Paschen |
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Finnland: Parliament of Finland, Committee for the Future,
Subcommittee on Technology Assessment, gegründet 1986; Leiter: Ms. Markus Markkula |
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Frankreich: Office Parlementaire d'Evaluation des Choix Scientifiques
et Technologiques (OPECST), gegründet 1983; Leiter: Mr. Maurice Laurent (Assemblée Nationale); Mr. Jaques Bernot (Senat) |
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Griechenland: Hellenic Parliament, Greek Permanent Committee of
Technology Assessment (GPTCA), gegründet 1997; Leiter: Mr. Dimitrios Sarris |
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Großbritannien: Parliamentary Office of Science and Technology (POST),
gegründet 1989; Leiter: Prof. David Cope |
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Italien: Chamber of Deputies, Committee for the Evaluation of
Scientific and Technological Options (VAST), gegründet 1997; Leiter: Mr. Umberto Giovine |
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Niederlande: Rathenau Institute, gegründet 1986; Leiter: Prof. Dr. J.C.M. van Eijndhoven |
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Europäisches Parlament: Science and Technological Options Assessment
(Program) (STOA), gegründet 1987; Leiter: Mr. Dick Holdsworth |
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| EPTA Observers |
Belgien: Science Policy Office Leiter: Mr. Jaques Wautrequin |
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Österreich: Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für
Technikfolgen-Abschätzung (ITA) Leiter: Prof. Gunther Tichy |
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Schweiz: Swiss Science Council, Secretariat TA Leiter: Dr. Sergio Bellucci |
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Tschechische Republik:
Prague Institute of Advanced Leiter: Dr. Peter Pechan |
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Europarat: Committee on Science and
Technology of the Parliamentary
Assembly of the Council of Europe Leiter: Mr. Halvor Lervik |
"TA organisations which are wholly devoted to professional work on TA and closely related activities and located in the European Union, and have the national parliament as an institutional client for part of their TA activities."
EPTA Observer-Status wurde bisher Organisationen in Belgien, Österreich, der Schweiz, der Tschechischen Republik und beim Europarat gewährt (siehe Tabelle 1).
Es ist abzusehen, daß der Kreis der EPTA-Mitglieder bzw. EPTA-Partner-Organisationen sich noch erweitern wird, da einige der genannten Beobachter durchaus in der nächsten Zeit den Status eines Vollmitglieds erreichen könnten. Insbesondere sind auch in anderen osteuropäischen Ländern Bestrebungen zur Institutionalisierung der TA auf Parlamentsebene zu beobachten. Zudem war man sich im EPTA Council zwar einig, daß eher restriktiv verfahren werden sollte. So sollten zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch keine Institutionen aufgenommen werden, die den Parlamenten von Bundesländern zugeordnet sind, jedoch wollte man sich offenhalten für weitere Entwicklungen. Betroffen wäre auch Norwegen, das im Begriff ist, eine TA-Einheit beim Parlament anzusiedeln. Diese könnte dann entweder Vollmitgliedschaft erwerben, sofern die Mitgliedschaft nicht weiterhin auf Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft begrenzt bleibt, oder Beobachter-Status erlangen.
Die neuen Mitgliedsorganisationen in Finnland, Italien und Griechenland befinden sich gegenwärtig noch in der Aufbauphase. Die jeweiligen Parlamente haben zunächst spezielle Ausschüsse etabliert, die sich mit Fragen des Technology Assessment befassen sollen (siehe TA-Datenbank-Nachrichten Nr. 2, Juli 1997). In Finnland ist die Entwicklung am weitesten fortgeschritten: Das finnische Subcommittee for TA hat bereits seine Arbeit aufgenommen und konkrete Studien durchgeführt bzw. in Angriff genommen. Die TA-Arbeit in Italien und Griechenland steht noch ganz am Anfang. In allen drei Ländern wird über die Möglichkeit der Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen bzw. die Ergänzung des TA-Ausschusses durch ein wissenschaftliches Büro oder Sekretariat beraten. Der EPTA Council hat den neuen Mitgliedern seine Unterstützung für die Aufbauphase angeboten.
Die Partnerorganisationen des EPTA-Netzwerkes sind wissenschaftliche Einrichtungen, die Analysen zu Themen im Bereich von Wissenschaft und Technik durchführen, die von Interesse für das jeweilige Parlament sind. Für das Parlament sollen auf diese Weise Informationen für seine Beratungs- und Entscheidungsprozesse bereitgestellt werden.
Die Institutionen sind ihrer Struktur nach und vom methodischen Ansatz her heterogen, teilen jedoch "a concern for providing impartial and high-quality accounts and reports on scientific and technological issues". Das EPTA Netzwerk soll dazu dienen, die jeweils eigenen Erfahrungen und Ergebnisse der Arbeit durch den Informationsaustausch mit ähnlichen Organisationen in anderen Ländern zu ergänzen und zu vertiefen. Darüber hinaus werden gemeinsame Konferenzen, Seminare und Workshops organisiert.
Das Netzwerk zeichnet sich durch eine lose Struktur aus: Es wird durch den EPTA Council, der sich aus Mitgliedern der jeweiligen Parlamente bzw. der für die TA-Einrichtungen zuständigen parlamentarischen Gremien zusammensetzt, und durch regelmäßige Treffen der Direktoren der jeweiligen Einrichtungen geleitet. Seit 1992 wird das Netzwerk durch einen Vollzeit-Koordinator bei STOA unterstützt. Zudem wird vierteljährlich der "EPTA Network Newsletter" herausgegeben, der der gegenseitigen Information der Mitglieder dient sowie über relevante Entwicklungen in Europa berichtet, insbesondere aus den Ausschüssen des Europäischen Parlamentes.
Die lose Struktur des EPTA-Netzwerkes hat sich im Laufe der Jahre als ein guter Weg erwiesen, auf dem sich die Beziehungen zwischen den Mitgliedern durch "sensitive coordination" allmählich festigen konnten.
Das Aufgabenspektrum parlamentarischer TA in Europa ist vielfältig und die Organisationsformen und Arbeitsweisen sind sehr unterschiedlich. Die Unterschiede resultieren im wesentlichen aus den spezifischen nationalen Politikstilen ("political cultures") und institutionellen Rahmenbedingungen der einzelnen Mitgliedsländer. Das Spektrum reicht von der Durchführung von TA-Studien durch die Parlamentarier selbst (OPECST, Frankreich), über die klassische Politikberatung (POST, Großbritannien; STOA, Europäisches Parlament; TAB), bei der der Schwerpunkt auf der Aufbereitung wissenschaftlich-technischer Informationen durch Experten für politische Entscheidungsträger liegt (dieses Modell ist dem vom OTA entwickelten TA-Konzept am nächsten) bis hin zur Organisation öffentlicher Diskurse über technologiepolitische Themen (Danish Board of Technology; Rathenau Instituut, Niederlande). In diesen Ländern ist die Interaktion und Vermittlung zwischen Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft und der öffentliche Diskurs über Wissenschaft und Technik ein wichtiger Teil des TA-Prozesses (geworden). Von einem einheitlichen "europäischen Modell" der parlamentarischen TA-Institutionalisierung kann also nicht gesprochen werden (Paschen 1998).
Im folgenden werden die strukturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der parlamentarischen Einrichtungen dargestellt - mit Ausnahme der erst 1997 neu hinzugekommenen Mitglieder Italien, Griechenland und Finnland, die sich erst in der Aufbauphase befinden. Die Ausführungen beziehen sich des weiteren nur auf die Vollmitglieder.
Rechtliche Grundlagen
Die rechtliche Grundlage der Institutionalisierung der verschiedenen europäischen parlamentarischen TA-Einrichtungen ist sehr unterschiedlich. Die rechtlich stärkste Verankerung von Beginn an weist Frankreich auf: Das Office Parlementaire d'Evaluation des Choix Scientifiques et Technologiques wurde 1983 durch Gesetz auf Dauer implementiert. Durch das Gesetz werden dem Office Parlementaire weitreichende Möglichkeiten zur Einsichtnahme in Unterlagen der Exekutive eingeräumt, und die Behörden der Exekutive werden zu dessen Unterstützung verpflichtet.
Auch der Danish Board of Technology wurde 1986 durch ein Gesetz geschaffen, zunächst war sein Bestehen jedoch nur bis 1995 abgesichert. Am 14. Juli 1995 wurde er durch den Board of Technology Act auf Dauer als unabhängige Einrichtung etabliert. Die wesentliche Änderung im Gesetz betraf die Bildung eines "Board of Representatives", dessen 50 Mitglieder von wichtigen gesellschaftlichen Gruppierungen und Organisationen ernannt werden. Der Board of Representatives soll "as a forum of open debate on current subjects related to technology assessment" fungieren. Die strukturelle Änderung wurde mit einer neuen Namensgebung verbunden: aus TeknologiNavnet wurde TechnologiRadet, wobei die englische Übersetzung beibehalten wurde.
STOA, die Einrichtung des Europäischen Parlamentes, und das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag basieren rechtlich auf Parlamentsbeschlüssen, wobei sich für das TAB der parlamentarische Beschluß von 1990 zunächst nur auf eine Phase von drei Jahren bezog. 1993 beschloß der Deutsche Bundestag, das TAB in eine ständige Einrichtung beim Parlament zu überführen. Das TAB wird seit seiner Gründung vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe betrieben. Anfang diesen Jahres wurde ITAS für weitere fünf Jahre vom zuständigen Parlamentsausschuß bestätigt.
Das Rathenau-Instituut wurde 1986 als Netherlands Organisation for Technology Assessment (NOTA) durch ein Dekret des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft und unter der Schirmherrschaft der Royal Dutch Academy for Arts and Sciences sowie des Scientific Council for Government Policy geschaffen. NOTA wurde als unabhängige Einrichtung (at arms length from government) in der Akademie für Kunst und Wissenschaft etabliert. Eine Evaluation im Jahre 1993 bemängelte, daß NOTA eine zu starke Ausrichtung auf universitäre Forschung mit zu schwachen Verbindungen zum politischen Prozeß hätte. Als Folge wurde eine neue "Mission" für NOTA formuliert, bei der TA explizit als ein Instrument zur Unterstützung der politischen Meinungsbildung und des gesellschaftlichen Diskurses (public debate) über Fragen der Entwicklung von Wissenschaft und Technik dienen sollte, einschließlich der ethischen Aspekte dieser Entwicklungen. Die Forschungsarbeiten des NOTA sollten darauf ausgerichtet werden. Im gleichen Jahr bildete das Ministerium für Bildung und Wissenschaft eine "Platform for Science and Ethics" als Teil des Rathenau Instituuts. Für zunächst vier Jahre sollte diese Plattform Diskussionen und Debatten über ethische Fragen im Zusammenhang mit Wissenschaft und Technik organisieren. Nach Ablauf dieser vier Jahre wurde entschieden, diese Aktivitäten fortzuführen und sie voll in das Rathenau Instituut zu integrieren. Um diesen neuen Kurs auch nach außen zu dokumentieren, wurde der Name 1994 in Rathenau Instituut geändert. Es bestehen keine formellen Verbindungen zum Parlament, das Arbeitsprogramm kann jedoch nur vom Parlament in Übereinstimmung mit dem für Wissenschaftspolitik zuständigen Minister verabschiedet oder geändert werden. Das Rathenau Instituut ist somit zwischen Exekutive und Legislative angesiedelt.
Das britische Parliamentary Office of Science and Technology (POST) hatte zunächst rechtlich einen sehr unsicheren Stand. Seine Existenz gründete sich auf die Initiative eines inoffiziellen, wenn auch sehr renommierten Parlamentsausschusses im Jahre 1986, dem Abgeordnete aus beiden Häusern des britischen Parlamentes, Abgeordnete des Europäischen Parlamentes und namhafte Vertreter aus Wissenschaft und Industrie angehörten. Nachdem eine Finanzierung des POST durch das Parlament abgelehnt worden war, hat dieser Ausschuß zum Zweck der Finanzierung des POST 1987 eine Stiftung ins Leben gerufen, die private Spenden akquirierte, auch von Mitgliedern des Parlamentes. Die britische Einrichtung war insofern zunächst eine auf privater Initiative verschiedener Parlamentsabgeordneter beruhende Einrichtung. 1991/2 wurde erneut die Frage der Finanzierung vom House of Commons Information Committee beraten, das eine Empfehlung zur Finanzierung der Einrichtung durch das Parlament aussprach. Seit April 1993 wird POST vom Parlament finanziert.
Organisationsform und politische Steuerung
STOA und OPECST sind innerhalb der Parlamentsverwaltungen angesiedelt. Ein wesentlicher Teil ihrer Mitarbeiter rekrutiert sich aus der Parlamentsverwaltung. Die anderen Einrichtungen - Danish Board of Technology, TAB, POST, Rathenau Institut - sind außerhalb des Parlamentes bzw. der Parlamentsverwaltung als selbständige wissenschaftliche Einrichtungen etabliert.
In bezug auf ihre Steuerung können die parlamentarischen Büros in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die eine Gruppe bilden STOA, OPECST und TAB, deren Steuerungsgremien nur Parlamentsmitglieder umfassen. Beim Rathenau Instituut, bei POST und beim Danish Board of Technology sind in den Steuerungsgremien auch Vertreter der Wissenschaft und gesellschaftlicher Gruppen beteiligt.
Das Office Parlementaire hat außerdem einen ständigen wissenschaftlichen Beirat, der sich aus renommierten Wissenschaftlern zusammensetzt. Beim Danish Board of Technology, bei POST und dem Rathenau Instituut üben die Steuerungsgremien zugleich die Funktion eines wissenschaftlichen Beirates aus, da ihnen namhafte Vertreter aus dem Wissenschaftsbereich angehören. STOA und TAB haben keine wissenschaftlichen Beiräte.
Die von den Einrichtungen zu bearbeitetenden Themen werden bei STOA, OPECST, POST und TAB formal ausschließlich durch das Parlament definiert, was für die anderen beiden Büros in diesem Maße nicht zutrifft. So werden beim Rathenau Instituut wie auch beim Danish Board ein Großteil der zu bearbeitenden Themen von außerparlamentarischen Akteuren angeregt. Das OPECST hat ein sehr formalisiertes Verfahren, das in dem Gesetz zur Gründung der Einrichtung geregelt ist und festlegt, wer zur Themeninitiierung und -definition berechtigt ist.
Es ist jedoch zu vermuten, daß sich diese formalen Unterschiede in der Praxis nicht so deutlich widerspiegeln und der Einfluß der Einrichtungen selbst auf die Themendefinition generell relativ groß ist, da viele Themen in Interaktion zwischen den Teams der Einrichtungen und ihren Adressaten entwickelt werden.
Arbeitsweise und -produkte
Alle parlamentarischen TA-Einrichtungen sind bei der Durchführung ihrer Aufgaben in starkem Umfang auf externe Analysekapazitäten angewiesen, da die personellen Kapazitäten sehr beschränkt sind. Eigene TA-Analysen können nur in (sehr) begrenztem Umfang durchgeführt werden. Die einzige Ausnahme bildet die britische Einrichtung, die nur in sehr geringem Umfang Unteraufträge nach außen vergibt.
Nach Prof. Dr. H. Paschen, Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, bestehen die wesentlichen Aufgaben des TAB, wie auch der anderen parlamentarischen Einrichtungen, darin,
Die Fokussierung der Untersuchungen auf den parlamentarischen Bedarf erfordert eine enge Kommunikation und Interaktion mit den parlamentarischen Adressaten. Dabei stehen die Einrichtungen meist unter einem erheblichen Zeitdruck, denn die Ergebnisse müssen rechtzeitig (und in verständlicher, möglichst knapper Form) für die Parlamentarier zur Verfügung stehen. Die Freigabe der Berichte zur Veröffentlichung liegt in den meisten Fällen, z.T. nach einem formellen review-Prozeß, in der Verantwortung der parlamentarischen Steuerungsgremien.
Neben der Durchführung von TA-Studien nehmen die meisten Einrichtungen noch weitere Aufgaben wahr, u.a. Technologiemonitoring bzw. Technikbeobachtung, Förderung des öffentlichen Diskurses über Wissenschaft und Technik, Arbeiten zu Konzepten und Methoden der TA, Herausgabe von Newslettern.
Finanzierung und personelle Kapazitäten
Angesichts der Vielfalt der Aktivitäten der europäischen parlamentarischen TA-Einrichtungen ist ihre personelle und finanzielle Ausstattung relativ gering. Die Budgets liegen, mit der Ausnahme von POST, in etwa in der gleichen Größenordnung, wobei zu berücksichtigen ist, daß diese in den meisten Fällen nicht die Gesamtheit der Aktivitäten abdecken, denn teilweise werden Personalkosten der Einrichtungen durch die Parlamentsverwaltungen getragen (z.B. bei OPECST, STOA), oder die Overhead-Kosten (POST), teilweise werden Kosten für externe Aufträge und Personalstellen durch dritte Stellen finanziert (Rathenau Instituut, Danish Board).
Die Bereitstellung der offiziell ausgewiesenen Budgets erfolgt nicht in allen Fällen aus dem Haushalt der jeweiligen Parlamente: Das Budget des Rathenau Instituuts wird von der Exekutive bereitgestellt, auch der Danish Board erhält Mittel von der Regierung.
Auch die personellen Kapazitäten der europäischen parlamentarischen TA-Einrichtungen liegen in etwa in der gleichen Größenordnung, wobei jedoch der im Rahmen von extern durchgeführten TA-Analysen eingesetzte Personaleinsatz nicht eingerechnet wird.
Die wesentlichen Strukturmerkmale der EPTA Mitglieder sind in den folgenden Übersichten zusammenfassend dargestellt.
The Danish Board of Technology
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)
Office Parlementaire d'Evaluation des Choix Scientifiques et Technologiques - OPECST
Parliamentary Office of Science and Technology - POST
Rathenau Instituut
Scientific and Technological Options Assessment Project - STOA
Auf der EPTA Konferenz des vergangenen Jahres, die dem Thema "The Impact of Parliamentary Technology Assessment" gewidmet war, berichteten die einzelnen Mitgliedsorganisationen über ihre inzwischen langjährigen Erfahrungen mit parlamentarischer Politikberatung. Trotz aller Unterschiede in den Zielsetzungen, der Arbeitsweise und den Aufgaben, die die TA-Einrichtungen kennzeichnen, zeigte sich, daß die Schwierigkeiten parlamentarischer TA-Arbeit in allen Ländern gleich sind: Das knappe Zeitbudget der Abgeordneten erschwert die intensive direkte Interaktion zwischen Beratungseinrichtung und Klientel; die schnell wechselnde politische Agenda macht die rechtzeitige Bereitstellung gründlich recherchierter und wissenschaftlich fundierter Information zur ständigen Herausforderung.
Aus der bisherigen Entwicklung der parlamentarischen TA-Einrichtungen in Europa läßt sich der Schluß ziehen, daß es gerade die Vielfalt der institutionellen Konzepte, Organisationsprinzipien und Arbeitsweisen der europäischen parlamentarischen TA-Einrichtungen ist, die, so Josée van Eijndhoven, Leiterin des Rathenau Instituuts, Voraussetzung und Garantie für ihren Erfolg und Fortbestand sind. Nur durch diese unterschiedlichen Ausprägungen und die Anpassung der Arbeitsweise an die spezifische Situation, die Interessen und Erwartungen des "Klienten", hier der Parlamente, konnte parlamentarische TA Legitimität gewinnen und Vertrauen in ihre Aktivitäten wecken (J. v. Eijndhoven 1997).
Eijndhoven, J. van: Vortrag auf der Tagung "25 Jahre Technikfolgen-Abschätzung in Deutschland", 17. - 18. Juni 1998 in Bonn. Unveröff. Manuskript.
Paschen, H.: Technikfolgenabschätzung im parlamentarischen Prozeß: das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. In: W. Jann et al. (Hrsg.), Politik und Verwaltung auf dem Weg in die transindustrielle Gesellschaft. Carl Böhret zum 65. Geburtstag. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 1998.
The Finnish Committee for the Future (I 614)
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http://www.tab-beim-bundestag.de
Kontaktperson: Dr. Leonhard Hennen
Teknologi-Rådet (I 241)
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VAST (I 618)
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giovine@pmp.it
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http://www.camera.it
Kontaktperson: Dr. Massimo Troisi
[Die I- (Institution) -Nummer in Klammern nach dem Namen ist die Zugriffsnummer, unter der die Einrichtung mit ihren Projekten und Veröffentlichungen in der TA-Datenbank zu finden ist.]