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TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 3 / 4, 7. Jahrgang - November 1998, S. 81-83

Technologie Delphi Österreich erschienen

von Michael Rader, ITAS

Die Delphi-Methode erfreut sich zur Zeit großer Beliebtheit im Rahmen von "Foresight Studies", die zum Ziel haben, Orientierungswissen für forschungspolitische Entscheidungen zu erarbeiten. Der Bedarf nach solchem Wissen leitet sich aus dem Wunsch ab, die zunehmend knapp werdenden öffentlichen Mittel für die Förderung von Forschung möglichst effektiv einzusetzen. Die Delphi-Methode mit ihren "Befragungswellen" und der Möglichkeit der Korrektur einer ursprünglich geäußerten Meinung strebt die Einbeziehung einer möglichst großen Anzahl von Experten in ein solches Foresight-Vorhaben an, ebenso wie die Herbeiführung eines weitgehenden Konsenses über die wahrscheinliche Zukunft.

"Klassische" Delphi-Studien bieten sich eher für größere Länder an, in denen es eine entsprechende Zahl von Experten gibt, und so wundert es nicht, daß unter anderem in Großbritannien, Frankreich, Korea, und vor allem Japan, als Vorreiter, und Deutschland großangelegte Delphi-Studien durchgeführt wurden.

An die Ergebnisse der deutschen Delphi-Studie knüpft denn auch die österreichische an, deren Federführung beim Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften lag. Neben der "Technologie-Delphi" gibt es in Österreich auch eine "Gesellschafts-Kultur-Delphi", deren Ergebnisse jedoch zu Redaktionsschluß nicht vorlagen. Die im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr durchgeführte "Technologie-Delphi" ist strikt auf Österreich ausgerichtet, problemorientiert, auf Umsetzbarkeit bedacht und konzentriert sich als dezentral angelegte Suche nach Innovationsfeldern mit Chancen auf österreichische Themenführerschaft selektiv auf sieben Gebiete:

Bei der österreichischen Studie ging es also nicht in erster Linie um das Aufspüren zukunftsträchtiger Technologien, sondern um die Frage nach den Chancen österreichischer Themenführerschaft auf bestimmten Gebieten der Technik, und um Möglichkeiten für Österreich, den Sprung vom Technologienehmer zum Entwickler zu schaffen.

Das Projekt "Delphi-Austria" besteht aus sieben Studien:

  1. Einer Analyse der Ergebnisse vorliegender ausländischer Foresight-Studien im Hinblick auf Österreich;

  2. einer Trendanalyse vorliegender Studien betreffend Stärken und Schwächen des österreichischen FuE-Systems;

  3. eine Blitz-Befragungsaktion von österreichischen Experten über die Gebiete, auf denen sie eine österreichische Führungsposition in wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Hinsicht für möglich halten;

  4. einer Befragung derselben Experten nach den Personen, die sie in ihrer Arbeit am meisten beeinflußt haben. Die Ergebnisse dieser Befragung dienten zur Auswahl von Expertenpanels und Delphi-Respondenten;

  5. einer Umfrage unter 1000 Konsumenten über ihre Einstellungen zur Technologie und über zentrale Nachfragemuster;

  6. einer Inhaltsanalyse der Technikberichterstattung meinungsführender Medien;

  7. der eigentlichen, aus zwei Runden bestehenden Delphi-Befragung als Kernstück.

Die Themen für die eigentliche Delphibefragung wurden in Arbeitsgruppen erarbeitet, die aus bis zu zwei Dutzend Experten bestanden, die dafür je vier halbe Tage aufwendeten.

Die Gesamtzahl der Thesen, die jedem Respondenten vorgelegt wurde, wurde auf etwa 40 begrenzt, ergänzt um Maßnahmekataloge, die ebenfalls zur Kommentierung vorgelegt wurden.

Das Design entspricht dem Konzept eines "Entscheidungs-Delphi" und trägt zum einen dazu bei, auf einem Gebiet, auf dem die Entwicklung durch zahllose, unkoordinierte Einzelentscheidungen bestimmt wird, die Vorstellungen und Einschätzungen der Beteiligten transparent zu machen, zu strukturieren und in einem dezentralen Prozeß aufeinander abzustimmen.

Darüber hinaus liegen Einschätzungen zu nahezu 300 für die nächsten 15 Jahre besonders bedeutsame technische und organisatorische Innovationen, sowie zu einer Vielzahl darauf bezogener Maßnahmenvorschläge vor.

Die Rücklaufquote in der ersten Runde lag bei 46%. Von den 1638 Experten, die dieser Anteil darstellt, beteiligten sich 71% (1127) auch an der zweiten Runde.

Chancen für Österreich bestehen nach Meinung der Experten vor allem auf Märkten, auf denen Österreich auf Grund besonderer Nachfragebedingungen "lead-market" Charakter aufweist sowie bei der Anwendung von Hochtechnologie auf grundsätzlich mitteltechnologischen, von anderen Industriestaaten eher vernachlässigten Gebieten. Längerfristig sei es für Österreich auch erforderlich, sich auf hochtechnologischem Gebiet zu engagieren, doch ist den befragten Experten zur Zeit unklar, wo diese Bereiche liegen. Zusammenfassend ziehen die Verfasser des Berichts den Schluß, daß die Ergebnisse der Befragung auf einen "erheblichen Bedarf an Forschungs- und Technologiepolitik" hinweisen, "allerdings eingebettet in ein Umfeld gesellschaftspolitischer, bildungspolitischer, wirtschaftlicher und kooperationsfördernder (Netwerk!) Maßnahmen".


Die in drei Bänden zusammengefaßten Ergebnisse des Technologie Delphi Austria sind im Rahmen der Schriftenreihe Delphi Report Austria als Bände 1, 2 und 3 beim Österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr erhältlich.


Information und Rückfragen

Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr (BMWV)
Mag. Erfried Erker
Abt. V/B/10
Rosengasse 4
A-1010 Wien
Tel.: ++ 43 1-53120-7171
E-mail: erfried.erker@bmwf.gv.at


Bibliographische Angaben

Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ITA):

Technologie Delphi I. Konzept und Überblick. Schriftenreihe Delphi Report Austria 1, Mai 1998. (Hrsg. Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr)

Ders.: Technologie Delphi II. Ergebnisse und Maßnahmenvorschläge. Schriftenreihe Delphi Report Austria 2, Mai 1998 (Hrsg. Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr).

Ders.: Technologie Delphi III. Materialien. Schriftenreihe Delphi Report Austria 3, Mai 1998 (Hrsg. Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr).

(M. Rader, ITAS, nach Unterlagen des ITA)


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Stand: 15.12.1998 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion