von Holger Hinte, IZA
Das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) ist als gemeinnützige GmbH in Bonn beheimatet und analysiert die Probleme und Entwicklungsperspektiven der Arbeitswelt. Es widmet sich damit einer der drängendsten Fragestellungen unserer Zeit und schließt eine Lücke in der ökonomischen Forschungslandschaft. Die Initiative zur Gründung des IZA ging 1998 von der Deutschen Post AG aus, die mit Dr. Klaus Zumwinkel (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post) auch den Präsidenten des IZA und Vorsitzenden des IZA-Beirates stellt.
Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit fungiert das IZA als Mittler zwischen Wissenschaft, Politik und wirtschaftlicher Praxis. Dabei spielt die konkrete Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktikable wirtschaftspolitische Konzepte eine besondere Rolle. Die Forschungstätigkeit ist gleichermaßen national wie auch international ausgerichtet. Feste Mitarbeiter, externe Wissenschaftler sowie nationale und internationale Research Fellows betreiben Forschungsprojekte auf allen Gebieten der Arbeitsökonomie und der Arbeitsmarktpolitik. Mit der Universität Bonn besteht ein Kooperationsvertrag. Direktor des IZA ist Professor Dr. Klaus F. Zimmermann, der zugleich einen Lehrstuhl für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Bonner Universität inne hat.
Das IZA ist Herausgeber einer eigenen Discussion Paper- und Reprint-Serie, deren Ziel nicht zuletzt darin besteht, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aktuelle Newsletter tragen darüber hinaus in kompakter Form dem allgemeinen Informationsbedürfnis Rechnung. Das IZA organisiert zudem Forschungsseminare, Workshops und internationale Fachkonferenzen sowie Vortragsreihen mit prominenten Referenten.
Gegenwärtig konzentriert sich das Forschungsprogramm des IZA auf die folgenden Themenbereiche:
Mobilität und Flexibilität der Arbeit
Die derzeitige Beschäftigungskrise wird vielfach auf Defizite bei der Mobilität und Flexibilität des deutschen Arbeitsmarktes zurückgeführt. Untersucht wird in diesem Zusammenhang, welche Effekte grundsätzlich von der regionalen, beruflichen und betriebsinternen Mobilität von Arbeitnehmern ausgehen und welche beeinflussenden bzw. beeinflußbaren Faktoren auf sie einwirken. Ein Fokus liegt darüber hinaus auf den Konsequenzen der Zuwanderung für die Entwicklung des Arbeitsmarktes und den denkbaren politisch-ökonomischen Gestaltungsmöglichkeiten. Ferner wird analysiert, welche Flexibilität des Arbeitsangebots gegeben sein muß, um positive Beschäftigungseffekte zu erzielen und den Anforderungen der Märkte gerecht zu werden. Hinsichtlich der Arbeitsnachfrage wird untersucht, inwieweit institutionelle Regelungen, wie etwa Arbeitsschutz- und Beschäftigungsschutzverordnungen, negative Effekte auf die Flexibilität der Unternehmen in bezug auf die Einstellung und Entlassung von Arbeitnehmern haben und ob eine Reform dieser Regelungen beschäftigungswirksame Effekte zur Folge haben kann. In diesem Zusammenhang ist auch zu prüfen, ob eine Flexibilisierung des deutschen Tarifsystems angezeigt ist.
Europäisierung der Arbeitsmärkte
Die europäischen Arbeitsmärkte verflechten sich zusehends miteinander. Die anstehende Erweiterung der Europäischen Union und die Einführung einer einheitlichen Währung verstärken diesen Effekt nur noch. International tätige Unternehmen verlangen nach regional flexiblen Mitarbeitern und adäquaten Produktionsbedingungen. Qualifikationsprofile stehen deshalb auf dem Prüfstand - sowohl für die innerhalb Europas miteinander konkurrierenden Arbeitnehmer als auch für die Standorte selbst. Überfordert die Europäisierung die Bürger oder bietet sie neue Chancen? Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um Hindernisse dieser unausweichlichen Entwicklung auszuräumen, zugleich aber deren Sozialverträglichkeit zu gewährleisten? Von der Europäisierung der Märkte und der Einführung des Euro sind wichtige Einflüsse auf die Durchführbarkeit und Effektivität nationaler Wirtschaftspolitik zu erwarten. Kann eine Regierung in einer globalisierten Wirtschaft noch wirksame Arbeitsmarktpolitik betreiben? Welche Effekte hat die Wirtschaftspolitik anderer EU-Staaten auf den deutschen Arbeitsmarkt? Wie sollte ein europäisches Tarifsystem organisiert werden und welche arbeitsmarktpolitischen Konsequenzen sind von europaweit einheitlichen Tarifverhandlungen zu erwarten? Diesen Fragen geht das IZA nach.
Wohlfahrtsstaat und Arbeitsmarkt
Alles deutet darauf hin, daß die wohlfahrtsstaatlichen Systeme national wie international vor einem Umbruch stehen. Während einzelne Staaten durch drastische Einschnitte in das soziale Netz günstige Arbeitsmarkteffekte zu erzielen hoffen und teils positive, teils ambivalente Zwischenbilanzen ziehen können, sind andere Länder bestrebt, ihren Wohlfahrtsstaat nur behutsam zu modernisieren und setzen stärker auf die Flexibilisierung der Arbeit selbst. Im Rahmen des Forschungsprojektes stellt sich zuerst die Frage nach den Interdependenzen zwischen dem Wohlfahrtssystem und dem Arbeitsmarkt. Beispielsweise wird der Frage nachgegangen, inwieweit Effekte von der vollen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf betriebliche Fehlzeiten ausgehen. Das Arbeitsmarktproblem ist überwiegend ein Problem unqualifizierter Arbeitnehmer. Aus diesem Faktum entstehen vielschichtige Fragen für den Umbau des wohlfahrtsstaatlichen Systems. Welche Lohnformen und Anreizsysteme können gefunden werden, um das Arbeitslosigkeitsproblem von Niedriglohngruppen zu lösen, und welche Probleme ergeben sich daraus für das Sozialsystem?
Arbeitsmärkte in Transformationsländern
Vor allem im Gefolge der politischen Veränderungen in Osteuropa standen und stehen viele Volkswirtschaften vor der Notwendigkeit radikaler Reformen und Experimente insbesondere am Arbeitsmarkt. Innerhalb des Forschungsschwerpunktes werden deshalb Erfolge und Probleme der Arbeitsmarktinitiativen von im Transformationsprozeß begriffenen Volkswirtschaften (komparativ) analysiert und die Chancen beleuchtet, die sich im Vergleich zu den systemimmanenten Reformbemühungen etablierter westlicher Marktwirtschaften ergeben können. Was kann aus diesen radikalen Reformprozessen für die Umgestaltung des deutschen Arbeitsmarktes gelernt werden?
Zukunftsfragen der Arbeit
Die Entwicklung der Erwerbsarbeit ist aufgrund der Vielzahl sie beeinflussender Größen - von der Globalisierung bis hin zum demographischen Wandel - ungewisser denn je. Wird knapper werdende Arbeit so fair wie möglich verteilt werden müssen, oder kann es gelingen, den Faktor Arbeit in Zukunft sogar zu stärken? Welche Arbeitsformen werden mit welchen sozialen Auswirkungen vorherrschend sein? Und was bedeutet dies für die Qualifikationsanforderungen, denen sich die Menschen stellen müssen? Zu untersuchen ist schließlich auch, inwieweit die Politik in diesem Zusammenhang überhaupt noch als gestalterische Kraft eine Rolle wird spielen können, oder ob sich die Arbeitswelt zusehends von ihr autonomisieren wird.
Alles in allem verfolgt das IZA ein ehrgeiziges Ziel: Forschung und öffentlichen Diskurs gleichermaßen voranzubringen sowie praktikable Lösungsansätze für die Bewältigung des akuten Problems der deutschen wie europäischen Massenarbeitslosigkeit zu erarbeiten. Die Zukunft der Arbeit will bedacht sein. Das IZA möchte einen qualifizierten Beitrag hierzu leisten.
Kontakt
Holger Hinte
Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA)
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