Tagungsbericht von Matthias Plöchl und Ingo Ackermann, Institut für Agrartechnik Bornim
Am 7. und 8. Dezember 1998 fand an der Universität Potsdam eine Fachtagung zum Thema Landnutzung im Spiegel der Technikbewertung - Methoden, Indikatoren, Fallbeispiele statt. Organisatoren dieser Tagung waren das Institut für Agrartechnik Bornim (ATB), Abteilung Technikbewertung und Stoffkreisläufe, und das Zentrum für Umweltwissenschaften der Universität Potsdam (ZfU). In einer Reihe von Vorträgen und Posterbeiträgen wurde die Thematik unter folgenden Zielstellungen, diskutiert:
Die Tagung wurde durch Grußworte der Direktoren des ATB, Prof. Zaske, und des ZfU, Prof. Jänkel, als auch durch Vertreter des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaften und Forsten und der Brandenburger Ministerien für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung sowie Ernährung, Landwirtschaften und Forsten eröffnet. In den Grußworten wurde deutlich, welche Bedeutung die Entwicklung des ländlichen Raumes innerhalb Europas, Deutschlands und Brandenburgs hat. Die Technikbewertung bzw. -folgenabschätzung kann hierzu wertvolle Beiträge liefern und die Definition und Anwendung von geeigneten Indikatoren ist dringlich.
Im Einführungsbeitrag wurden die Interaktionen zwischen Nachhaltigkeitsleitbildern und einer systemischen TA dargestellt. Ausgehend von den Forderungen und Schlußfolgerungen des Brundland-Berichts wurde der Anspruch formuliert, die intragenerationelle als auch die intergenerationelle Gerechtigkeit zu berücksichtigen und unter Beachtung ökonomischer, sozialer und ökologischer Aspekte zu definieren. Die anschließenden Beiträge ließen erkennen, daß es relativ schwierig ist, den Schnittpunkt dieser Dimensionen zu treffen. In der überwiegenden Mehrzahl der Präsentationen lag der Schwerpunkt auf der Berücksichtigung ökologischer Aspekte. Defizite in den vorgetragenen Konzepten waren vor allem im Hinblick auf die Berücksichtigung sozialer Indikatoren zu erkennen. Jedoch wurden von ostdeutschen Autoren die sozialen Aspekte oft angesprochen. Dies kann als eine Reflexion der Bedeutung und des dramatischen Strukturwandels der ländlichen Räume Ostdeutschlands gewertet werden. Insbesondere die Ausführungen über regionale Entwicklungskonzepte und die anschließenden Diskussionen machten deutlich, daß die Stabilisierung peripherer Regionen in Teilen Ostdeutschlands noch nicht bewältigt ist. Hieraus läßt sich folgender Handlungsbedarf für die zukünftige Methodenentwicklung ableiten: Definition geeigneter Kriterien zur Charakterisierung der sozialen Implikationen einer Technologie und Vorschläge zur Einbindung dieser Kriterien in ein komplexes Bewertungssystem.
Viele der methodischen Beiträge nahmen Bezug auf die im GEMIS-Modell entwickelte Prozesskettenanalyse zur Charakterisierung von Stoff- und Energieflüssen als Indikatoren für eine ökologische Bewertung. Weitere Indikatoren, die für eine Bewertung des ökologischen Zustandes genutzt werden, sind vor allem die Biodiversität und die Flächeninanspruchnahme. Auch in den gezeigten Fallbeispielen nahmen die Anwendungen des Stoffstrommanagements breiten Raum ein.
Die gezeigten Inhalte basieren im wesentlichen auf Modellberechnungen, unterstützt durch eine Vielzahl von Messungen. Die breite Verwendung des Computers als Hilfsmittel erlaubt die Übertragung der wissenschaftlichen Ergebnisse in praxisrelevante und direkt umsetzbare Anwendungen, die einem großen Kreis von Nutzern zugänglich sein sollten.
Deutliche Unterschiede zeigten sich in der räumlichen und zeitlichen Dimension der vorgetragenen Konzepte. Die Spanne reicht dabei von der Darstellung konkreter Versuchsanstellungen auf Betriebs- und Regionalebene bis hin zur globalen und intergenerationellen Betrachtung von Landnutzungskonzepten. An diesem Spektrum ist deutlich abzulesen, wie differenziert und vielgestaltig die TA-Landschaft ist.
Sowohl in den Grußworten, als auch in einem Teil der Beiträge wurde deutlich, daß die Thematik dieser Tagung einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes liefert. Es wird angestrebt. eine Fortsetzung dieser Tagung auch mit internationaler Beteiligung durchzuführen.
Der Tagungsband zur Veranstaltung kann unter folgender Adresse bestellt werden:
Institut für Agrartechnik Bornim (ATB)
Max-Eyth-Allee 100
D-14469 Potsdam
Frau Scheidemann
Tel.: 0331-5699723
Fax: -849