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TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 2, 8. Jahrgang - Juli 1999, S. 62-63

Weitere Berichtsbände zu"Delphi Austria" erschienen

von Michael Rader, ITAS

Im Mai dieses Jahres gab das Österreichische Bundesministerium für Wirtschaft und Verkehr zwei weitere Berichtsbände der Studie "Delphi Austria" heraus. Dabei handelt es sich um den Berichtsband zum Gesellschafts- und Kultur-Delphi, der noch um einen Materialienband ergänzt wird, sowie um die Querschnittsanalyse "Österreich 2013".

Ein weltweites Novum ist, daß die "Delphi Austria" neben der Technologie-Delphi, die vom Institut für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt und deren drei Ergebnisbände im vergangenen Jahr vorgelegt wurden (siehe TA-Datenbank-Nachrichten vom November 1998, Heft 3 / 4, S. 81), auch eine Gesellschafts- und Kultur-Delphi umfaßt, bei der das 1995 gegründete Institut für Trendanalysen und Krisenforschung, Wien, die Federführung hatte. Zum Einsatz kam dabei die bekannte Delphi-Methode mit in diesem Fall zwei Befragungswellen und der Rückkopplung der Ergebnisse der ersten Runde an die Teilnehmer zur Berücksichtigung in der zweiten Befragung. Die Ergebnisse wurden insgesamt sieben Teilbereichen zugeordnet:

  1. Gesundheit und Krankheit im sozialen Umbruch: Hier wird z.B. erwartet, daß es eine massive Verschiebung von der Therapie zur Prophylaxe und von akuten zu chronischen Erkrankungen geben wird.

  2. Altern und Lebenszyklus: Hier wird z.B. ein Generationenkonflikt über die Finanzierung der Altersversorgung und eine Verdrängung älterer menschen vom Arbeitsmarkt erwartet.

  3. Lebenslanges Lernen wird voraussichtlich zum obersten Bildungsprinzip.

  4. Neue Wohn- und Lebensformen: Hier wird z.B. erwartet, daß die Arbeitsteilung im Haushalt gesetzlich verankert wird, und daß es ein "Outsourcing" der Kinder- und Altenpflege geben wird.

  5. Stukturelle Revolution der Arbeitswelt: Hier gibt es widersprüchliche Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Chancen Österreichs auf dem globalisierten Weltmarkt.

  6. Umweltgerechte Produktion und Nachhaltigkeit: Hier werden wichtige Impulse von Aktivitäten der Europäischen Union erwartet, die auch für Österreich in umweltbezogenen Innovationen münden werden.

  7. Gesellschaftliche Differenzierung: Erwartet wird die Verarmung großer Bevölkerungskreise und das Entstehen einer neuen Konfliktlinie zwischen Personen in traditionellen festen Arbeitsverhältnissen und Personen in flexiblen Arbeitsverhältnissen, z.B. mit befristeten Arbeitsverträgen und mehreren Jobs.

Insgesamt besteht auch die Erwartung, daß die Politik ihre Dominanz und Steuerungsfähigkeit verlieren wird, während die Gesellschaft zur Selbststeuerung übergeht.

Der zweite bislang noch nicht in den "TA-Datenbank-Nachrichten" vorgestellte Band zu "Delphi Austria" hat den Titel "Österreich 2013 - Eine Querschnittsanalyse des Programmes Delphi Austria". Autor ist Holger Rust, bekannter österreichischer Wissenschaftsjournalist. Der Band stellt nach Angaben des zuständigen Ministers den Abschluß des Forschungsprogrammes dar. Er berichtet über die Sekundäranalyse der Themenbereiche, die in den beiden Teilstudien zur Delphi Austria, die Technologie bzw. Kultur und Gesellschaft zum Gegenstand hatten, aus unterschiedlichen Blickwinkeln behandelt worden waren. Dabei handelt es sich um die Komplexe lebenslanges Lernen, neue Wohn- und Lebensformen/Bauen, Medizintechnik bzw. Lebenshilfe und umweltgerechte Produktion und Nachhaltigkeit. Die inhaltlichen Thesen dieser vier Themenbereiche werden unter dem Gesichtspunkt ihrer Realisierungschancen betrachte. Ferner wurden vier weitere Querschnittsaspekte detailliert untersucht, die als wesentliche Elemente des Wandels in der gegenwärtigen Diskussion thematisiert werden: Dienstleistungswirtschaft, Wissensindustrie, Kommunikationstechnologie und Marktimpulse.

Insgesamt erwarten die an den beiden österreichischen Teilstudien beteiligten Experten eine "verhaltene Modernisierung" Österreichs, die von Veränderungen des Alltags der Menschen durch die Technologie gekennzeichnet ist, obwohl an den Grundfesten der sozialen Marktwirtschaft und dem Prinzip der öffentlichen Daseinsvorsorge nicht gerüttelt wird.

Die zwei abschließenden Bände des Delphi Austria sind im Rahmen der Schriftenreihe Delphi Report Austria als Bände 4 und 5 beim Österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr erhältlich.

Bibliographische Angaben

Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr (Hrsg.): Gesellschafts- und Kultur Delphi I. Ergebnisse und Maßnahmenvorschläge. Wien, November 1998

Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr (Hrsg.): Österreich 2013. Eine Querschnittsanalyse des Programmes Delphi Austria. Wien, November 1998

Weitere Informationen

http://www.bmwf.gv.at/4fte/materialien/delphi/
   oder
Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr (BMWV)
Mag. Erfried Erker, Abt. V / B / 10
Rosengasse 4
A-1010 Wien
Tel.: + 43 (01) 53120 - 7171
E-mail: erfried.erker@bmwf.gv.at

Kontakt

Dr. Michael Rader
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 22505
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806
E-mail: Rader@itas.fzk.de
Internet: http://www.itas.fzk.de/


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Stand: 28.08.2011 - Kommentare und Bemerkungen an: ITAS-WWW-Redaktion