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TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG Theorie und Praxis |
Banská Bystrica, Slowakische Republik, 22. - 25. September 2003
Konferenzbericht von Professor PhDr. Pavel Fobel, Csc., Matej Bel-Universität, Banská BystricaDer internationale Wissenschaftlerdialog ist heutzutage auch in der Slowakischen Republik nicht nur für die fachliche Individual- oder Arbeitspräsentation (d. h. für die Erfüllung formaler Parameter) von Bedeutung, sondern auch für die Gewinnung fachlicher Akzeptanz und die Bildung neuer Kontakte im Rahmen weiterer wissenschaftlicher Zusammenarbeit und die Kooperation in Rahmen internationaler Projekte. Die Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen mit Partnern aus dem Ausland ist bereits zu einer Tradition geworden, wenn auch noch nicht in großem Ausmaß. In diesem Sinne hatte sich das Institut für Ethik und Ästhetik der Matej Bel-Universität Banská Bystrica (SK) dazu entschlossen, die bestehenden Arbeitskontakte zu nutzen, um so auch den Dialog über die Angewandte Ethik in der Slowakei zu unterstützen, mit dem Ziel, Richtungen der Diskussion und neue Trends aufzuzeigen.
Sowohl mehrjährige wissenschaftliche Kooperation mit renommierten Institutionen aus Polen, Deutschland, Tschechien und Österreich als auch langjähriges Interesse für den Bereich der Angewandten Ethik haben zur Internationalen Konferenz Rationalität in der Angewandten Ethik geführt, die vom 22.-25. September 2003 an der Matej Bel-Universität stattfand. Damit wurde zugleich eine Anregung der Konferenz Rationalität heute - Vorstellungen, Wandlungen, Herausforderungen, Ustron (PL), September 2001, aufgegriffen [siehe den Bericht in dieser Zeitschrift, Heft 1, 11. Jg., März 2002, S. 143-146].
Zu den Mitveranstaltern der Konferenz gehörten das Institut für Philosophie der Schlesischen Universität Katowice (Polen, Andrzej Kiepas), das Forschungsinstitut für Angewandte Ethik und das Institut für Philosophie der Universität Salzburg (Österreich, Gerhard Zecha) sowie das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Forschungszentrums Karlsruhe (Deutschland, Gerhard Banse). Diese Partner waren bemüht, den Fachdialog und die Kommunikation zu solchen Themen und Fachbereichen zu unterstützen, die in der Slowakei noch keine Tradition haben.
Angewandte Ethik wird heute unter verschiedensten Aspekten analysiert, es wird über ihre Struktur und Methoden, über die Arten ihrer Bildung und die Mechanismen ihrer Anwendung, über die Beziehung zu Theorie und Praxis diskutiert. Sie hat sich gleichzeitig in verschiedenen differenten und autonomen Forschungsbereichen entwickelt, mit unterschiedlichen theoretischen Konzepten und praktischen Lehr- und Anwendungsformen, die keinen konsistenten und monolithen theoretischen Komplex bilden.
Die Angewandte Ethik repräsentiert durch einzelne Angewandte Ethiken sowohl eine Vielfalt von Diskursen als auch eine Pluralität spezifischer rationaler Betrachtungen und Verfahren. Auch die Erfüllung der normativen Seite der Angewandten Ethik braucht Rationalität. Es ist klar, dass die Angewandte Ethik, falls sie ihre Aufgabe richtig erfüllen will, nicht ohne Rationalität sowohl bei der Begründung empirischer Situationen als auch bei normativ-präskriptiven Begründungen auskommen wird. Polemisch ist so eher die Frage, in welchem Ausmaß Angewandte Ethik von der Rationalität abhängig ist, welcher Rationalitäts-Typ mit ihr korrespondiert und in wiefern sie von Rationalität eingeschränkt werden kann.
Bei der Analyse der Beziehung zwischen Angewandter Ethik und Rationalität geht es nicht nur um die Bedeutung der Vernunft für die Ethik (Ethik ohne Vernunft ist unmöglich), sondern auch um die Bedeutung der Ethik für die Vernunft (Vernunft ohne Ethik ist unmoralisch).
Diese komplizierten Beziehungen zwischen Rationalität und Angewandter Ethik gründlicher zu analysieren, auch mit der Absicht, gemeinsame Lösungen für relevante Probleme zu finden, war das Anliegen der Konferenzteilnehmer.
Die Vorträge und Diskussionen bezogen sich vor allem auf folgende zentrale Fragen:
Diesem Anliegen dienten fünf spezifische thematische Sektionen:
In dieser kurzen Information ist es unmöglich, eine gründlichere analytische Bewertung der Referate und Diskussionen zu geben. Einen gewissen Einblick vermittelt jedoch das Themenspektrum: Die Themen reichten von Bioethik, Verantwortung für die Umwelt, Risikobeurteilung, Ethik im Bereich der öffentlichen Verwaltung, Grundfragen der Unternehmensethik bis hin zu Überlegungen zur Funktionalität und Meditation über Rationalität in der Ethik.
Hervorhebenswert ist vor allem die Tatsache, dass jeder Vortrag etwas Originelles und Anregendes geboten hat. Damit war die Konferenz gleichzeitig eine Arena von Ansichten, in denen verschiedene spezifische Sichten auf der Grundlage nationaler und wissenschaftlicher Traditionen artikuliert wurden.
Der Diskurs in der Slowakei wurde nicht nur um die internationale Dimension, sondern auch um einheitliche Ansichten bereichert, wobei klar ist, dass Angewandte Ethik verschiedene (auch unkonventionelle) Lösungsansätze braucht und es noch unterschiedliche Ebenen ihrer theoretischen Verarbeitung gibt. In einzelnen Vorträgen wurden interessante und originelle Gedanken präsentiert, die eine größere Aufmerksamkeit seitens der Philosophie und der praktischen Wissenschaften verdient haben.
Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Angewandten Ethik in der Slowakei spielt zweifellos diese Art der internationalen Zusammenarbeit, die Arbeit an gemeinsamen Projekten und Forschungsprogrammen. Nicht zu unterschätzen ist auch die didaktische Reichweite dieses Fachdialogs über Rationalität in der Angewandten Ethik. Die Dokumente der Konferenz, die in einem deutschsprachigen Sammelband in der Slowakei publiziert werden, stellen durch die in ihnen enthaltenen neuen Erkenntnisse einen guten Ausgangspunkt für die Implementation in Studienprogramme dar.
Die Veranstalter der Konferenz sind überzeugt, dass diese Publikation, die alle Konferenzbeiträge enthalten wird, auch ein breiteres Fachpublikum in der Slowakei, dem die Angewandte Ethik nicht gleichgültig ist, anzusprechen in der Lage ist.
Bei Interesse an dem Sammelband wenden Sie sich bitte an den Mitherausgeber Prof. Dr. Gerhard Banse, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, E-Mail: banse@itas.fzk.de.