|
TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG Theorie und Praxis |
Das Diskussionsforum nimmt mit dem Programm der Innovations- und Technikanalyse (ITA) diesmal ein Thema auf, das nicht eben neu ist, aber durch verschiedene Veröffentlichungen der letzten Zeit und durch die offizielle Institutionalisierung als Programm des BMBF sowohl in Hinblick auf seine theoretische Begründung als auch wegen seiner praktisch-politischen Relevanz fortlaufend Beachtung verdient. Konzept und Programm von ITA haben zwar unterschiedliche Autoren, doch wird von ihnen der gleichlautende Anspruch erhoben, Defizite der traditionellen TA zu beheben und die mit ihr verfolgten Ziele sowohl zu erweitern als auch effektiver umzusetzen.
Zum ersten Mal wurde das ITA-Konzept in den damaligen TA-Datenbank-Nachrichten von Corinna Brüntink (BMBF) vorgestellt, bereits in demselben Heft von Michael Astor und Susanne Giesecke (VDI/VDE-IT) kommentiert und auf die Frage nach der Rolle von TA bzw. ITA in bzw. für privatwirtschaftliche(n) Unternehmen zugespitzt. Zeitgleich erschien 2001 dann auch die offizielle ITA-Broschüre des BMBF, wobei das BMBF zwar als Herausgeber firmierte, aber die Verantwortung für den Inhalt den beiden Autoren der Broschüre, Michael Astor und Marc Bovenschulte (VDI/VDE-IT), zugeschrieben wurde.
Eine neue Runde wurde mit dem Artikel von Otto Bode (damals noch BMBF) eingeläutet, der ITA aus einer konstruktivistisch-systemtheoretisch inspirierten Perspektive ableitete und das Programm mit gesellschaftstheoretischen Weihen versah. 2003 erschien dann eine durch das BMBF geförderte Untersuchung zu ITA im Unternehmen von Baron u. a. Der schließlich im letzten Heft der TA-TuP zur Diskussion gestellte Artikel von Malanowski u. a. (VDI/VDE) sieht sich als Weiterführung des Vorschlages von Bode und übernimmt dabei zugleich Argumente aus dem erwähnten Buch von Baron u. a.
Die vielleicht etwas akribisch anmutende Aufzählung der verschiedenen Autoren des ITA-Konzeptes soll verdeutlichen, das es sich hierbei durchaus um ein einheitliches Programm handelt, welches jedoch mit unterschiedlichen Akzenten und Schwerpunktsetzungen versehen wird. Dies ist insofern wichtig zu wissen, da den Diskutanten in unserem heutigen Diskussionsforum nur der Artikel Malanowski u. a. (und in der Regel auch dessen wesentliche Referenz, der Artikel von Bode) zur Kommentierung vorlagen und daher nur vermittelt auf das ITA-Programm des BMBF eingegangen wird.
Geht man von den beiden letztgenannten Artikeln aus, kann man die drei wichtigsten Intentionen von ITA wie folgt zusammenfassen:
Während Bode diese Anforderungen aus einer Theorie funktionaler Differenzierung abzuleiten versucht, um die möglichen gesellschaftlichen Funktionen von ITA zu verorten, gehen Malanowski u. a. weitaus pragmatischer vor und konzentrieren sich beim Problem der Anschlussfähigkeit von ITA an die gesellschaftlichen Teilsysteme vorwiegend auf die Wirtschaft. Man könnte diese beiden Sichtweisen daher vielleicht mit ITA als Theorie und ITA als Instrument etikettieren.
ITA tritt jedenfalls als Erbe und Erneuerer von TA auf. Allein dies wäre Grund genug, ITA auf den Prüfstand des Diskussionsforums zu stellen. Dankenswerterweise ist das hier präsentierte Diskussionsforum auf Initiative des VDI/VDE in Düsseldorf selbst zustande gekommen. Die Autoren haben nicht nur ihren in der letzten Ausgabe der TA-TuP veröffentlichten Text geschrieben, sondern im Anschluss daran eine Reihe von Mitgliedern der TA-Community um Kommentare gebeten, die hier nun abgedruckt werden.
Wir beginnen mit zwei Beiträgen, die sich im Wesentlichen auf den Ansatz von Bode beziehen. In ihnen wird aus unterschiedlicher Blickrichtung bezweifelt, ob es überhaupt Sinn macht, Förderkonzepte aus wie auch immer gearteten Gesellschaftstheorien abzuleiten. Die zwei folgenden Arbeiten konzentrieren sich auf den Übergang von TA zu ITA und betonen insbesondere die Differenz von öffentlicher und privatwirtschaftlicher Verwendung der TA- bzw. ITA-Forschung. Der letzte Beitrag formuliert aus der Sicht eines mittelständischen Unternehmens Anforderungen an ITA und thematisiert deren Integrations- und Umsetzungsschwierigkeiten aus dem Blickwinkel betrieblicher Praxis.
(Die Redaktion)
Brüntink, C., 2001:
Zum Konzept der Innovations- und Technikanalyse des BMFT. In: TA-Datenbank-Nachrichten, 10. Jg., Nr. 2, S.6-9
Astor, M.; Bovenschulte, M., 2001:
Innovations- und Technikanalyse - Zukunftschancen erkennen und realisieren. Broschüre hrsg. vom BMBF, Bonn (Dezember)
Bode, O., 2002:
Die ITA der Gesellschaft. In: Development and Perspectives, No.2, S.35-68
Malanowski, N.; Reuscher, G.; Seiler, P.; Zweck, A., 2003:
Die Anschlussfähigkeit von Innovations- und Technikanalyse (ITA) - Illusion oder Realität? In: Technikfolgenabschätzung - Theorie und Praxis, 12. Jg., Nr. 3, S. 157-163
Baron, W., Häußler S.; Luther, W.; Zweck, A., 2003:
Innovations- und Technikanalyse. Chancen und Barrieren betrieblicher Integration. Frankfurt, New York: Campus