TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG
Theorie und Praxis
Nr. 1, 14. Jahrgang - März 2005, S. 138-139

Tagungsbericht

Präsentation des ITAS-Projekts „Energie aus dem Grünland - eine nachhaltige Entwicklung?“ auf der Mitteleuropäischen Biomassekonferenz

Graz, Österreich, 26. - 29. Januar 2005

Kurzbericht von Konrad Raab, ITAS

Die Mitteleuropäische Biomassekonferenz 2005 hat an vier Tagen 920 Teilnehmer aus 28 Ländern nach Graz gelockt und kann somit als sehr erfolgreich bezeichnet werden. „Es gab einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen den neuen und alten EU-Ländern über den verstärkten Einsatz von Ökostrom, Biotreibstoffen und Ökowärme“, resümierte Dr. Heinz Kopetz, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes und des Organisationskomitees.

Eröffnungssitzung

Gleich in der Eröffnungssitzung wurde eindrucksvoll dargelegt, welchen Stellenwert die Bioenergie in unserem zukünftigen Energiesystem haben wird und haben muss. Karl Kellner, Leiter der Bioenergieabteilung in der Europäischen Generaldirektion für Energie und Verkehr, stellte die Ziele der EU für die Nutzung Erneuerbarer Energien vor. Um bis 2010 die Anteile der Erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch zu verdoppeln und die Anteile bei der Stromproduktion auf 21 % sowie beim Treibstoffverbrauch auf 5,75 % zu erhöhen, seien besonders im Biomassesektor erhebliche zusätzliche Anstrengungen erforderlich.

Kjell Aleklett, Präsident der Association for the Study of Peak Oil&Gas in Schweden, schilderte die drohende Energiekrise und das Ende des Erdölzeitalters, da noch in diesem Jahrzehnt die Erdölproduktion ihren Höhepunkt überschreiten wird. Die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe zog sich wie ein roter Faden durch die ganze Veranstaltung und wurde insgesamt deutlich stärker artikuliert als die durch ihre Nutzung hervorgerufenen CO2-Emissionen und deren Auswirkungen.

Technische Sitzungen

In vier Parallel-Sitzungen wurden zu den Themenbereichen Rohstoffversorgung, Wärme aus Biomasse, Strom und Wärme aus Biomasse sowie Biotreibstoffe die neuesten Entwicklungen präsentiert. Hier wurden Projekte aus Polen, Finnland, Slowenien, der Slowakei, Ungarn, Deutschland und Kroatien vorgestellt. Im Themenbereich Rohstoffversorgung war das ITAS mit dem Vortrag „Perspektiven einer nachhaltigen Grünlandnutzung zur Energieerzeugung, dargestellt am Beispiel Baden-Württemberg“ vertreten. Konrad Raab zeigte die auf der Grundlage des vorhandenen Futterbedarfs errechneten Grünland-Flächenpotenziale und die daraus resultierenden Energiepotenziale auf. Erste Wirtschaftlichkeitsabschätzungen einer Nutzung von Grassilage in Biogasanlagen belegen, dass nur unter günstigen Randbedingungen eine unter ökonomischen Gesichtspunkten interessante Verwertung möglich erscheint. (Weitere Informationen zum ITAS-Projekt sind zu finden unter http://www.itas.fzk.de/deu/projekt/roes0343.htm)

Politische Umsetzung

Neben dem technologischen Aspekt der Konferenz ging es in einem zweiten Schritt um die Umsetzung auf rechtlicher und vor allem auf politischer Ebene. In den zwei großen Plenar-Sitzungen wurde einerseits die derzeitige Situation der Bioenergie in den neuen EU-Mitgliedstaaten beleuchtet, andererseits sollten zukünftige Szenarien, gangbare Wege, mögliche Energiekonzepte und Umsetzungsmaßnahmen aufgezeigt werden. Unter dem Thema „Energieversorgung in Mitteleuropa 2025“ sprach hochrangige politische Prominenz. Nach dem österreichischen Lebensminister und dem steirischen Landesrat für Umwelt stellten die politischen Abgesandten der Landwirtschaftsministerien aus Polen, Slowenien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei ihre Energiepolitik und ihre Konzepte zur Umsetzung der EU-Richtlinien vor. Der Wille zur Etablierung wirksamer Mechanismen für die Erfüllung der europäischen Vorgaben - die ja jetzt für alle neuen Beitrittsländer verpflichtend sind - scheint den Aussagen der Politiker nach groß.

Näheres zur Mitteleuropäischen Biomassekonferenz inklusive Downloads der Vorträge unter http://www.oesfo.at/osf/osf?cid=4773

Erstellt am: 11.04.2005 - Kommentare an: E-Mail an dieTATuP-Redaktion