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TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG Theorie und Praxis |
| Nr. 1, 15. Jahrgang - April 2006, S. 3 |
Mobilität wird auch in spätmodernen Gesellschaften eines der gesellschaftlichen Grundbedürfnisse bleiben. Wird weiterhin berücksichtigt, dass die Grenzen der Nutzung fossiler Kraftstoffe zwar nicht eindeutig bekannt, aber doch absehbar sind, so ist zu erwarten, dass die Debatte um Alternativen in der Kraftstoff-Versorgung bestenfalls punktuell ihre Dynamik verlieren wird. Die Beimischungspflicht von Kraftstoffen aus Biomasse, die im aktuellen Koalitionsvertrag der Regierungsparteien angedacht ist, sowie die Preisentwicklung auf dem Kraftstoffmarkt machen auch dem interessierten Laien deutlich, dass Mobilität zwar (fast wie ein Grundrecht) gesellschaftlich eingefordert wird, die Zukunftspfade einer klimaverträglichen, sicheren und preiswerten Kraftstoffversorgung jedoch keineswegs ausgeleuchtet sind. In der Fachdebatte, in der auch der Einfluss internationaler Konflikte auf die Versorgungssicherheit immer wieder eine Rolle spielt, ist man inzwischen bei den Alternativkraftstoffen der zweiten Generation angelangt. Dazu gehört auch das Biomass-to-Liquid-Konzept, dem das Forschungszentrum Karlsruhe besondere Bedeutung beimisst. In systemanalytischer Perspektive hat eine Forschungsgruppe um Ludwig Leible in den letzten Jahren am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe zu diesem Thema gearbeitet. So wurde der Schwerpunkt dieses Heftes, der unter dem Titel Biogene Kraftstoffe – Kraftstoffe der Zukunft? steht, von dieser Forschungsgruppe organisiert und betreut. In den Einzelbeiträgen des Schwerpunktes werden nicht nur verschiedene aktuelle Alternativkraftstoffe vorgestellt, sondern auch deren Chancen und Risiken diskutiert und verglichen.
Interdisziplinäre und in Projekten organisierte Forschung ist bei vielen Fragen der Technikfolgenabschätzung längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Überwiegend theoretisch-konzeptionell wurde das Thema der Interdisziplinarität im Juni-Heft des letzten Jahres behandelt und mit Formen der Transdisziplinarität ins Verhältnis gesetzt. Vor dem Hintergrund ihrer mehrjährigen Erfahrung in interdisziplinären Projekten greift Veronika Fuest in diesem Heft in der Rubrik Diskussionsforum das Thema auf und berichtet über organisatorische und kommunikative Hemmnisse bei der Realisierung von Interdisziplinarität.
Die ersten zehn TA-Studien, die das Europäische Parlament an das im Oktober letzten Jahres neu eingerichtete STOA-Panel vergeben hat, werden in der Rubrik STOA-News vorgestellt. Das Themenspektrum reicht vom Satellitenprogramm Galileo bis zu Fragen geistigen Eigentums.
Peter Hocke-Bergler
TATuP-Redaktion