TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG
Theorie und Praxis
Nr. 2, 15. Jahrgang - August 2006, S. 148-149

Netzwerk TA

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Does Governance Matter – How and for Whom?

Bonn, 9. - 10. Juni 2006
Bericht vom Workshop der Arbeitsgemeinschaft „Governance und TA“

Im letzten Jahr schlossen sich innerhalb des Netzwerks TA Kolleginnen und Kollegen zur Arbeitsgemeinschaft „Governance und TA“ zusammen. Ziel der AG ist es dazu beizutragen, die Bedeutung von Governance für Technology Assessment zu reflektieren und genauer zu bestimmen. Auf der konstituierenden Sitzung Ende November 2005 an der Fernuniversität in Hagen wurde beschlossen, einen Workshop zum Thema Governance durchzuführen. Die Tagung „Does governance matter, how and for whom?“ setzte die Idee nun in die Praxis um. Organisiert wurde die Tagung von Stephan Bröchler und Bettina Rudloff. Die Mitglieder der AG trafen sich vom 9.-10. Juni 2006 an der Universität Bonn, um die konzeptionelle Relevanz von Governance für TA besser auszuloten und die empirische Relevanz des Konzepts von Fallbeispielen zu beleuchten.

Michael Latzer (Institut für Technikfolgen-Abschätzung, Wien) stellte sein Referat unter das Thema: „Von Government zur Governance – Zur Bedeutung der Governance-Perspektive für TA“. Latzer präsentierte ein Klassifikationsschema, welches ermöglichen soll, unterschiedliche Governance-Formen anhand der Intensität staatlicher Involvierung zu unterscheiden. Dies ermögliche es, in differenzierter Abstufung festzustellen, in welchen Bereichen, für welche Ziele und in welchem Ausmaß staatliche und private Beiträge in der Regulierung eines Sektors existieren. Weiter wurde ein Analyseraster vorgestellt, das die Basis für empirische Untersuchungen von sektoralen bzw. nationalen Governance-Strukturen in technikintensiven Bereichen bilden könne.

Der Autor dieses Beitrags (Fernuniversität Hagen) argumentierte in seinem Vortrag:

„Governance – Government – TA“, dass Governance als Instrument zur Analyse von Regelungsstrukturen im Bereich des Technology Assessment noch am Beginn stehe. Problematisch sei, dass in TA-Diskussionen Governance häufig inflationär gebraucht werde und der Begriff erhebliche analytische Unschärfen aufweise. Erforderlich sei es deshalb, den Governance-Begriff zum Beispiel im Blick auf Reichweite, Grenzen und Überschneidungen mit anderen analytischen Konzepten (wie Government) genauer auszuleuchten. Bezogen auf die Diskussion über das Verhältnis von TA und Governance sei es sinnvoll, einen „weiten“ von einem „engen“ Governance-Begriff zu unterscheiden.

Hans-Liudger Dienel (Zentrum für Technik und Gesellschaft, Berlin) präsentierte in seinem Vortrag: „eGovernment und eGovernance“ Überlegungen zu (demokratisierenden) Effekten von eGovernment auf dem Weg zu eGovernance. Das Internet biete Bürgerinnen und Bürgern inzwischen in allen Lebensbereichen Informationen und Möglichkeiten für Kommunikationen, über die sie früher nicht (so einfach) verfügen konnten. Dies stärke ihre Position gegenüber Experten und Institutionen und verändere grundlegend das Verhältnis von Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. In einem zweiten Teil wurde ein europäisch vergleichendes Informationssystem zur Beschreibung von Maßnahmen zur Überwindung der digitalen Spaltung der Gesellschaft (Digital Divide) vorgestellt, das im Projekt „eGovernment for low socio-economics status – ELOST“ erarbeitet wird (Informationen im Internet unter: http://www.elost.org/).

Justus von Geibler (Wuppertal Institut) stellte seine Ausführungen unter das Thema: „Governing new technologies towards sustainability: Participatory indicator set development“. Der Vortrag hatte zum Ziel, einen Beitrag zur Schließung von Lücken für die Bewertung von Nachhaltigkeit im Bereich neuer Technologien zu leisten. In den Fokus wurden dabei Nanotechnologie, Biotechnologie und Informations- und Kommunikationstechniken gerückt. Die Ergebnisse wurden im Blick auf ein weiter zu entwickelndes Konzept von „Responsible Technology Governance“ diskutiert.

Bettina Rudloff (Universität Bonn) referierte über: „Wissenschaftsdominanz in der Lebensmittelpolitik: Herausforderungen für Multi-Level Governance“. Governance in der Lebensmittelpolitik sei definiert durch den Rahmen der multilateralen Ebene der WTO, die nationale Spielräume für gesellschaftlich anzustrebende Sicherheitsziele bestimmt. Insbesondere Experten komme eine große Bedeutung zu, da naturwissenschaftliche Risikoabschätzungen als Basis für Lebensmittelpolitik dienen, so dass andere Dimension der Technikfolgenabschätzung wie kulturell bedingte Risikowahrnehmung nicht berücksichtigt werden.

Im Anschluss an die inhaltlichen Beiträge wurde über mögliche Zukunftsperspektiven der AG „Governance und TA“ diskutiert. Über weitere Zukunftspläne wird in der kommenden Zeit auf der NTA homepage informiert. Eine Publikation der Referate als proceedings ist angedacht.

(Stephan Bröchler, Sprecher der AG „Governance und TA“)


Stand der Vorbereitungen der Zweiten Konferenz des „Netzwerks TA“

Technology Assessment in der Weltgesellschaft

Für die Konferenz (22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums) haben sich folgende Einrichtungen bereit erklärt, neben ITAS bei der Organisation mitzuwirken:

Zudem konnten attraktive Hauptredner gewonnen werden. Den öffentlichen Abendvortrag am 22. November 2006 wird Prof. Klaus Töpfer halten, der bis Mai 2006 Direktor des UN-Umweltprogramms war. Am folgenden Tag werden Prof. Frieder Meyer-Krahmer, Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), Philippe Busquin, Mitglied des Europäischen Parlaments und Chairman des STOA-Panels (Scientific Technology Options Assessment), sowie Prof. Dietmar Theis, Siemens AG, zum Thema der Tagung sprechen.

Aktuelle Informationen zur NTA 2 findet man unter http://www.itas.fzk.de/v/nta2/.

(Michael Decker)

Das Netzwerk TA

Das „Netzwerk TA“ ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Experten und Praktikern im breit verstandenen Themenfeld TA. Dieser Kreis setzt sich zusammen aus den (teils überlappenden) Bereichen Technikfolgenabschätzung, Praktische Ethik, Systemanalyse, Risikoforschung, Technikgestaltung für nachhaltige Entwicklung, Innovations-, Institutionen- und Technikanalyse, Innovations- und Zukunftsforschung und den dabei involvierten wissenschaftlichen Disziplinen aus Natur-, Technik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, den Politik- und Rechtswissenschaften sowie der Philosophie.

Die Mitglieder des Netzwerks vertreten die verschiedenen Ausprägungen der TA und decken das weite Spektrum zwischen Theorie und Praxis, zwischen Forschung und Beratung sowie zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen ab. Sie verstehen die dadurch entstehende Vielfalt als Chance, themenbezogen Kompetenzen und Erfahrungen zu bündeln und auf diese Weise zu einer optimalen Nutzung der Ressourcen beizutragen (http://www.netzwerk-ta.net).

Kontakt

Ansprechpartner für das Koordinationsteam:
Dr. Michael Decker
Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 230 07 oder - 25 01 (Sekretariat)
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 248 06
E-Mail: NetzwerkTA@itas.fzk.de

Mitgliedschaft

Online über das Anmeldeformular unter der Web-Adresse http://www.netzwerk-ta.net

Erstellt am: 17.08.2006 - Letzte Änderung am: 07.09.2011 - Kommentare an: E-Mail an dieTATuP-Redaktion