TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG
Theorie und Praxis
Nr. 3, 15. Jahrgang - Dezember 2006, S. 116-122

ITAS-News

New EU Project

Integrated e-Services for Advanced Access to Heritage in Cultural Tourist Destinations

In September 2006, ITAS launched a new European research project “Integrated e-Services for Advanced Access to Heritage in Cultural Tourist Destinations" (ISAAC). It is a three year specific targeted research project of the 6th Framework Programme of the European Union (Directorate-General Information Society and Media, Unit E3: Learning and Cultural Heritage) aiming to valorise cultural assets as tourism resources through user-friendly and stakeholder-relevant e-services. ISAAC brings together researchers, ICT companies, city authorities and cultural institutions from Europe, pooling knowledge and experience in the fields of digital culture and heritage, e-tourism, cultural tourism management and urban e-governance. As the project coordinator, ITAS will lead a team of 14 European partner institutions including “TXT E-solutions SPA" (Italy), University of Sunderland (UK), Free University of Amsterdam (The Netherlands), University of Nottingham (UK), Fondazione Eni Enrico Mattei (Italy), Politecnico de Turin (Italy), The State Russian Museum (Russia), Instituto Geografico de Agostini SPA (Italy), University of Naples Federico II (Italy) and the cities of Leipzig (Germany), Amsterdam (The Netherlands) and Genoa (Italy).

This multi-disciplinary project builds on several recent and current European research projects of the 5th and 6th Framework Programmes such as SUT-Governance (governance for sustainable urban tourism), coordinated by ITAS, INTELCITY (road mapping intelligent cities), INTELCITIES (electronic governance of sustainable cities), and PICTURE (managing urban cultural tourism) where ITAS has acted as a key partner and lead of major research and policy tracks. [1] Its background rests in the still unexploited potentials of synergies between tourism, heritage and information society technologies in urban destinations. Tourism potentially is a key generator of the resources necessary to preserve and enhance cultural heritage in a sustainable way. ICT solutions, combined with the projected increases in bandwidth for both wired and wireless communication and new developments in data standards and web ontology languages can help to create added value by providing better services. But successful implementation of the emerging technology depends on a high degree of cooperation across sectors, research disciplines and borders. The ISAAC project aims to pave the way towards more efficient use of ICT services in tourism by gathering the appropriate range of expertise needed to address this problem.

Particularly, the project team seeks to develop a novel user-friendly and stakeholder-relevant ICT environment envisioned both as a distributed repository of intelligent cultural heritage content and as a software architecture enabling content interoperability (service-oriented) and content customised access and presentation (agent-oriented). Services provided via the web to European cultural destinations will support the tourism experience life cycle. One of these services will assume the form of a decision support system, integrating state-of-the-art multi-criteria analysis tools for policy makers.

The ISAAC IT-platform will integrate currently diverse and dispersed knowledge on cultural tourism and local heritage for the benefit of users (willing to gain knowledge on European tourist destinations before, during or after a visit), and of citizens (in their dual role of potential tourists and active part of the composition and promotion of the tourism offer in their community). Besides, it will support (i) decision makers involved in the management of tourist offers and of the city as an attractive community, as well as (ii) other private or public stakeholders involved in activities linked with the cultural tourism market and destination promotion, such as attraction managers, travel agents, hoteliers, retailers, publishers or cities' tourism offices. As a result, a multi-stakeholder community for experiencing and managing European cultural heritage in urban cultural destinations will evolve.

To support inclusive governing and management of cultural tourism destinations, ISAAC will also develop an e-governance framework that will enable cities to assess the implications of strengthening ICT services in local cultural heritage attractions and improve urban decision- and policy-making.

The ISAAC project will run from September 1, 2006 through August 30, 2009. For further inquiries about it please contact the project director Dr. Krassimira Paskaleva-Shapira at +49 (0) 721 / 608 - 261 33 or send an E-mail to Paskaleva@itas.fzk.de.


Anerkennungsstrukturen von Erwerbsarbeit und Folgen für den erweiterten Arbeitsbegriff

Zum Dissertationsprojekt von Linda Nierling [2]

1     Hintergrund und Fragestellung

Das Thema „Arbeit“ bestimmt aufgrund der hohen Erwerbsarbeitslosenquote die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Diskussion. In dieser Zentralität wird das Thema auch zunehmend wichtig für den Nachhaltigkeitsdiskurs und gewinnt neben sozialen Implikationen ökologisch zunehmend an Relevanz.

In der Debatte um Nachhaltigkeit und Arbeit hat sich das Konzept des „erweiterten Arbeitsbegriffs“ entwickelt, das auf Diskussionen eines ganzheitlichen Verständnisses von Arbeit zurückgreift. Es fordert eine Erweiterung hin zu einer stärkeren Berücksichtigung von Tätigkeiten jenseits von Erwerbsarbeit und beinhaltet die Kombination verschiedener gesellschaftlicher Arbeiten (Erwerbsarbeit, Gemeinschaftsarbeit, Eigenarbeit und Versorgungsarbeit). Diese sollten sowohl im Alltag als auch über die Lebensspanne hinweg in einem gleichberechtigten Ergänzungsverhältnis stehen (Brandl, Hildebrandt 2002).

Die These des Dissertationsprojektes „Anerkennungsstrukturen von Erwerbarbeit und Folgen für die erweiterten Arbeitsbegriff“ ist, dass in den bisherigen Überlegungen zu einem erweiterten Arbeitsverständnis wesentliche Aspekte der Anerkennung von Erwerbsarbeit ausgeblendet wurden. Diese sind jedoch für die Implementierung eines erweiterten Verständnisses von Arbeit unabdingbar. Daher soll im vorgestellten Promotionsvorhaben untersucht werden, was „Anerkennung“ in der gegenwärtigen Erwerbsarbeit und Nichterwerbsarbeit heißt, d. h. welche Anerkennungsstrukturen sich in der Arbeitswelt ausbilden. In einem weiteren Schritt soll abgeleitet werden, welche Bedeutung diese Erkenntnisse für einen erweiterten Arbeitsbegriff haben. Es sollen insbesondere Aussagen darüber getroffen werden, welchen Stellenwert und damit welche Umsetzungschancen ein erweitertes Arbeitsmodell vor dem Hintergrund der hohen gesellschaftlichen und individuellen Bedeutung von Erwerbsarbeit, die arbeitssoziologisch konstatiert wird, hat und in welchen Relationen die Anerkennung alternativer Tätigkeiten zum Erwerbsarbeitsprozess steht.

2     Traditionen eines ganzheitlichen Verständnisses von Arbeit

Es lassen sich zwei Traditionslinien für die Diskussion um ein erweitertes Verständnis von Arbeit bestimmen. Zum einen ist dies die feministische Theorie, die traditionell die Missachtung von gesellschaftlich notwendigen, aber monetär nicht anerkannten reproduktiven Arbeiten hervorhebt. Darauf Bezug nehmend wird das bestehende Erwerbsmodell des (männlichen) Alleinverdieners kritisiert. Zum anderen entspringt der erweiterte Arbeitsbegriff der Diskussion um Zukunft und Ende der Erwerbsarbeit, die im Zuge von steigender Erwerbslosigkeit seit den 1980er Jahren von Offe, Beck und Gorz geführt wurde. In dieser Debatte steht die Suche nach alternativen Lösungswegen im Vordergrund, um der hohen Erwerbslosenrate zu begegnen, die u. a. durch industrielle Rationalisierung bedingt ist. Die Idee der gesellschaftsweiten Aufwertung von Tätigkeiten, die bis heute nicht gleichberechtigt neben der „eigentlichen“ Erwerbsarbeit stehen, ist für diese Ansätze prägend.

Dem vorgestellten Promotionsvorhaben liegen die Überlegungen von Brandl und Hildebrandt (2002) zugrunde, aus denen das analytische Konzept des erweiterten Arbeitsbegriffes, die „Mischarbeit“ hervor ging. [3] Das Konzept ist bestimmt durch die Kombination von verschiedenen gesellschaftlichen Arbeiten wie Erwerbsarbeit, Versorgungsarbeit, Eigenarbeit und Gemeinschaftsarbeit. Auf die bestehende hohe Bedeutung der Erwerbsarbeit auf gesellschaftlicher und individueller Ebene wird explizit Bezug genommen. Es wurde Grundlage für weitere Überlegungen zu Nachhaltigkeit und Arbeit, so z. B. von Kopfmüller et al. (2001).

3     Arbeits- und industriesoziologischer Diskurs um den Wandel der Arbeit

Die Arbeits- und Industriesoziologie beschäftigt sich mit den aktuellen Entwicklungen und dem konstatierten gegenwärtigen Wandlungsprozessen in der Erwerbsarbeit. Kennzeichnend ist, dass das bisher bestehende (männlich geprägte) Normalarbeitsverhältnis zunehmend erodiert und unsichere Beschäftigungsformen zunehmen. Die Flexibilisierung der Erwerbsarbeitsverhältnisse findet in erster Linie intern statt und ist insbesondere in flexiblen Arbeitszeiten, -orten und -qualifikationen zu beobachten. Zwischen Individuum und Erwerbsarbeit findet eine zunehmende Verschränkung statt, dies wird gegenwärtig in den soziologischen Konzepten der „Entgrenzung“ und der „Subjektivierung“ diskutiert.

Das Konzept der Entgrenzung ist sehr breit angelegt und bezeichnet das Verschwinden von Grenzen, die charakteristisch für Arbeitsprozesse zu Zeiten des Fordismus-Taylorismus waren. Es werden individuelle Bewältigungsstrategien für neue betriebliche Anforderungen untersucht, die ein verändertes Verhältnis von Arbeit und Leben bei den Beschäftigten hervorrufen. Einen entscheidenden Beitrag zur Diskussion um Entgrenzung leistet das Konzept des „Arbeitskraftunternehmers“ (Voß), dessen idealtypisches Merkmal die „Selbst-Ökonomisierung von Arbeitskraft“ ist.

Das Konzept der Subjektivierung von Arbeit stellt demgegenüber den veränderten individuellen Umgang mit Erwerbsarbeit ins Zentrum der Analyse, der durch Veränderungen in der Organisation von Erwerbsarbeit entsteht. Dies bedingt, dass die Individuen selbst mehr Subjektivität in die Arbeit hineintragen. Vor allem in der Debatte um Subjektivierung spiegelt sich die hohe individuelle und gesellschaftliche Prägungskraft wider, die die Erwerbsarbeit gegenwärtig besitzt.

Grundsätzlich werden in der Arbeits- und Industriesoziologie wissensbasierte Erwerbsarbeitsfelder in vielerlei Hinsicht als richtungsweisend für die allgemeine Entwicklung angesehen, z. B. auf ökonomischer Ebene bei der Globalisierung von Wirtschaftsprozessen oder auf organisatorischer Ebene bei der Herausbildung von „Arbeitskrafttypen“.

4     Theoretischer Hintergrund und gegenwärtiger Stand des Diskurses um Anerkennung und Arbeit

Die theoretische Rahmung der „Anerkennung“ bilden die Arbeiten von George Herbert Mead, denen der Zusammenhang zwischen Selbst- und Fremdbewertung für die Identitätsbildung zugrunde liegt. Die Identitätsbildung wird als Integration von Identitäten verstanden, die zum einen sozial generiert und zum anderen jeweils individuell entfaltet werden.

Für die Systematisierung von Anerkennung spielen die Überlegungen von Axel Honneth eine wichtige Rolle. Honneth unterscheidet drei verschiedene Formen von Anerkennung: Liebe, Recht und Solidarität. Die Anerkennung durch Liebe findet sich in Intimbeziehungen und bestärkt die Individuen in ihren Gefühlen und Bedürfnissen. Die gegenseitige Anerkennung individueller Freiheit durch die Mitglieder der Gesellschaft bildet die Grundlage für die Anerkennungsform Recht. Solidarität bezeichnet die Anerkennung bestimmter Beiträge von Individuen zu gesellschaftlichen Zielen, auf deren Grundlage eine Selbsteinschätzung eigener Befähigungen und Leistungen realisiert werden kann (Honneth 1994).

Eine systematische arbeits- und industriesoziologische sowie feministische Diskussion zum Thema Anerkennung findet erst in Ansätzen statt. So belegen empirische Studien zur Anerkennung von Erwerbsarbeit, dass sich Anerkennungsverhältnisse in Betrieben im Zuge des Wandels der Erwerbsarbeit verändern. Hier wird Anerkennung entsprechend erbrachter Leistungen vermehrt über Bewunderung erteilt, wohingegen Würdigung durch Wertschätzung im Rahmen sozialer Zugehörigkeit immer unwichtiger wird. Im Zuge organisationaler Veränderungen verschieben sich auch Anerkennungsverhältnisse. Es ist Aufgabe der Individuen, diese neu herzustellen. Dies kann „unübersehbar mit subjektiven Kosten, schmerzhaften und kränkenden Erfahrungen verbunden“ sein (Holtgrewe 2000, S. 81).

Die feministische Literatur bietet vielfältige Anknüpfungspunkte für die Anerkennung bzw. Nicht-Anerkennung von Tätigkeiten, die jedoch nur in Ansätzen systematisch untersucht wurden. So stellt die amerikanische Soziologin Arlie R. Hochschild fest, dass familiäre Tätigkeiten stark an Bedeutung verlieren und demzufolge zunehmend weniger anerkannt und wertgeschätzt werden. Demgegenüber gewinnt Erwerbsarbeit für Frauen und Männer gleichermaßen an individueller Prägungskraft und dominiert das „Leben“ neben der Arbeit - nicht nur zeitlich - wesentlich (Hochschild 2006).

Anerkennungsbeziehungen vor dem Hintergrund eines erweiterten Arbeitsbegriffs sind nach bisherigem Wissensstand nicht untersucht worden, wenngleich Brandl und Hildebrandt auf diese offenen Fragestellungen hinweisen: „Die Erweiterung des Arbeitsbegriffs kann damit als ‚Kampf um Anerkennung' der systematisch missachteten Arbeitssegmente beschrieben werden, d. h. als Kampf gegen die einseitige Anerkennung des beruflichen Erfolgs in der Privatwirtschaft“ (Brandl, Hildebrandt 2002, S. 111).

5     Anerkennungsstrukturen von Arbeit: vorläufige Systematisierung und empirische Umsetzung

Der Diskurs um ein erweitertes Verständnis von Arbeit beinhaltet, die Zentralität der Erwerbsarbeit in Frage zu stellen und zugunsten von anderen Tätigkeiten zu relativieren. Demgegenüber beschäftigt sich der arbeitssoziologische Diskurs mit den sozialen Veränderungen in der Erwerbsarbeit, die sich vor allem in der wachsenden individuellen Bedeutung derselben ausdrücken. Gemeinsam ist beiden, dass sie die fortbestehende hohe gesellschaftliche und individuelle Bedeutung von Arbeit konstatieren. In dieser Arbeit soll der erweiterte Arbeitsbegriff durch aktuelle soziologische Konzepte weiterentwickelt werden. Dafür werden die aktuellen Veränderungen in der Erwerbsarbeit einbezogen, die sich in der Zunahme wissensbasierter Tätigkeitsfelder, entgrenzter Arbeitsverhältnisse oder in der Subjektivierung ausdrücken. Die Betrachtung von Anerkennungsstrukturen der Erwerbsarbeit und der Nicht-Erwerbsarbeit bietet sich als Fokus der Weiterentwicklung an, da Anerkennung ein zentraler Bezugspunkt der Gesellschaft ist, was sich in Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Integration ausdrückt.

Nach Voswinkel lassen sich für die Anerkennung in der Erwerbsarbeit drei Ebenen unterscheiden: die intersubjektive Anerkennung (Mikroebene), die organisationale Anerkennung (Mesoebene) und die gesellschaftliche Anerkennung (Makroebene) (Voswinkel 2005). Durch bereits bestehende theoretische und empirische Studien sowie durch die qualitativen Erhebungen im Rahmen des WORKS-Projektes können zentrale Faktoren für die Anerkennung von Erwerbsarbeit identifiziert werden, die sich auf die drei genannten Ebenen übertragen lassen. Für die Analyse der Anerkennung von Nicht-Erwerbsarbeit erscheinen die drei Ebenen ebenfalls sinnvoll. Darüber hinaus erscheint es notwendig, die Betrachtung um die offensichtliche Nicht-Anerkennung von Nicht-Erwerbsarbeit zu erweitern. Anerkennung der Nicht-Erwerbsarbeit findet zwar in der Literatur implizit Beachtung, eine explizite Untersuchung gibt es nach bisherigem Wissensstand jedoch nicht. Daher wird eine weitere empirische Erhebung dieser Anerkennungsstrukturen mittels qualitativer Interviews Bestandteil der Untersuchung sein.

Literatur

Brandl, S.; Hildebrandt, E., 2002:
Zukunft der Arbeit und soziale Nachhaltigkeit. Zur Transformation der Arbeitsgesellschaft vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsdebatte. Opladen: Leske und Budrich

DIW - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung; WI - Wuppertal Institut für Klima, Energie, Umwelt; WZB - Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, 2000:
Verbundprojekt Arbeit und Ökologie. Abschlußbericht zum Projekt Nr. 97-959-3. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung

Kopfmüller, J.; Brandl, V.; Jörissen, J. et al., 2001:
Nachhaltige Entwicklung integrativ betrachtet. Konstitutive Elemente, Regeln, Indikatoren. Berlin: Edition sigma

Hochschild, A.R., 2006:
Keine Zeit. Wenn die Firma zum Zuhause wird und zu Hause die Arbeit wartet. 2. Aufl., Wiesbaden: VS Verlag

Holtgrewe, U., 2000:
„Meinen Sie, da sagt jemand danke, wenn man geht?“ Anerkennungs- und Missachtungsverhältnisse im Prozess organisationeller Transformation. In: Holtgrewe, U.; Voswinkel, S.; Wagner, G. (Hg.): Anerkennung und Arbeit. Konstanz: UVK, S. 63-84

Honneth, A., 1994:
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte. Frankfurt a. M.: Suhrkamp

Voswinkel, S. (unter Mitarbeit von A. Korzekwa), 2005:
Welche Kundenorientierung? Anerkennung in der Dienstleistungsarbeit. Berlin: Edition sigma


Personalia

Jens Schippl ist seit dem 1. Juli 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter am ITAS mit dem Schwerpunkt Technikfolgenabschätzung in den Bereichen Energie und Verkehr. Zurzeit arbeitet er im Rahmen einer längerfristigen Serie von Projekten aus den Bereichen Energie und Verkehr für das STOA-Panel des Europäischen Parlaments. 1995 schloss Schippl das Studium der Geographie, Biologie und Soziologie in Heidelberg ab. Im Anschluss war er bei verschiedenen Institutionen als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Von 1998 bis 2001 im Rahmen eines EU-Projekts im Stadtplanungsamt der Stadt Heidelberg und im Lokale Agenda-21 Büro; von 2001 bis 2003 gehörte er dem Querschnittsbereich „Diskurs“ bei der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg an. Nach Schließung der TA-Akademie arbeitete er auf dem Gebiet der nachhaltigen Verkehrsentwicklung im Rahmen eines BMBF-Projekts bei Car-Sharing Südbaden-Freiburg und war gleichzeitig Geschäftsführer der Freiburger mobile gGmbH.

Christian Büscher arbeitet seit dem 1. August 2006 am ITAS zu den Themen Risikoforschung und Wissenschafts- und Technikpolitik. Er schloss 1998 das Studium der Soziologie an der Universität Bielefeld ab. Anschließend war er Stipendiat am Graduiertenkolleg „Technisierung und Gesellschaft“ der TU Darmstadt, wo er 2003 über den „Umgang mit Unsicherheit in Organisationen hinsichtlich der Jahr-2000-Problematik“ promovierte. Er arbeitete weiterhin am alpS Zentrum für Naturgefahrenmanagement in Innsbruck und beim VDI Technologiezentrum in Düsseldorf. Am ITAS wirkt er an den Projekten Knowledge NBIC ( http://www.converging-technologies.org) und START „Strategien zum Umgang mit Arzneimittelwirkstoffen im Trinkwasser“ (http://www.start-project.de) mit.

Vitaly Gorokhov ist seit dem 1. August 2006 als Gastwissenschaftler am ITAS. Aktuell arbeitet er als Projektleiter der russischen Seite für das Deutsch-russische Kolloquium zum Thema „Transformationsprozesse der wissenschaftlichen und technischen Forschung in der modernen Wissensgesellschaft: vom Wissen zum Handeln“, an dem das ITAS beteiligt ist. Gorokhov ist leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften, Professor für Philosophie an der staatlichen Lomonossov-Universität Moskau und als Professor am Lehrstuhl für Soziologie und Kulturologie an der staatlichen „Technischen Baumann Universität Moskau“ tätig. Er verfügt über langjährige Kontakte sowohl zum ITAS, insbesondere über die Internationale Unabhängige Universität für Ökologie und Politologie Moskau, an der er als Direktor des Internationalen Instituts für Globale Probleme der Nachhaltigen Entwicklung tätig ist, als auch zur Universität Karlsruhe, wo er die Internationalen Akademie für Nachhaltige Entwicklungen und Technologien (IANET) seit 1999 koordiniert; im Rahmen des Studium Generale bietet er dort ebenfalls seit mehreren Jahren die Ringvorlesung „Wissenschaft und Technik von der Neuzeit bis zur Moderne“ an.

Stephan Lange, der seit April 2002 Doktorand am ITAS war, wechselte zum 1. August 2006 an die Mineralölraffinerie MIRO in Karlsruhe. Dort wird er im Bereich Verfahrenstechnik mitarbeiten. Die Arbeit an seiner Dissertation mit dem Titel „Systemanalytische Untersuchung zur Schnellpyrolyse als Prozessschritt bei der Produktion von Synthesekraftstoffen aus Stroh und Waldrestholz“ wird er voraussichtlich in diesem Jahr abschließen. Betreut wurde die Arbeit am ITAS durch Dr. Ludwig Leible und durch Prof. Rainer Reimert, Engler-Bunte-Institut der Universität Karlsruhe.

Michael Decker hat sich an der Fakultät für Angewandte Wissenschaften der Universität Freiburg für das Fachgebiet „Technikfolgenabschätzung“ habilitiert. Das Habilitationsverfahren wurde am 19. Juli 2006 mit einem Vortrag über „Langzeitverantwortung und das precautionary principle“ erfolgreich abgeschlossen. Michael Decker ist promovierter Physiker. Die Habilitationsschrift behandelt das Thema „Angewandte interdisziplinäre Forschung in der Technikfolgenabschätzung“. Ausgehend von den Anforderungen der problemorientierten Forschung, wie sie beispielsweise in den Konzepten „Mode-2-Wissensproduktion“ und „postnormal science“ formuliert werden, werden Überlegungen angestellt, wie TA-Methodik sich diesen Anforderungen stellen kann. Ein entscheidender Bezugspunkt ist dabei die angestrebte politische, gesellschaftliche Wirkung, die mit dem TA-Projekt erzielt werden soll. Als Fallbeispiel wird eine interdisziplinäre Expertendiskussion zur TA von Robotersystemen behandelt. Die Zusammenfassung der Arbeit wird im Rahmen der Grauen Reihe der Europäischen Akademie veröffentlicht werden. Seit Anfang 2003 ist er stellvertretender Leiter am ITAS.

Armin Grunwald, Leiter des ITAS und bislang Professor an der Universität Freiburg, erhielt einen Ruf auf eine W3-Professur für Philosophie der Wissenschaften an der Universität Karlsruhe (TH).

Im Rahmen seines Lehrauftrags im Ethisch-Philosophischen Grundlagen-Studium (EPG) am Geografischen Institut der Universität Heidelberg bietet Helmut Lehn im Wintersemester 2006 / 2007 wieder eine Veranstaltung (mit fach- bzw. berufsspezifischen Themen) an zum Thema „Wasser - elementare und strategische Ressource des 21. Jahrhunderts. Nachhaltiges Ressourcenmanagement als ethische Herausforderung“.

Marc Dusseldorp bietet im Wintersemester 2006 / 2007 im Rahmen seines Lehrauftrags am „Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale“ an der Universität Karlsruhe ein Seminar mit dem Titel „Planspiel Technikfolgenabschätzung: Wasserstoff bewerten“ an. Dies geschieht in Kooperation mit Richard Finckh von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit (IANUS) an der TU Darmstadt, wo das Seminar ebenfalls angeboten wird. Das Seminar untersucht den Prozess der parlamentarischen TA beim Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag.

Rolf Meyer lehrt im Rahmen des Master Degree Course „Agrobiotechnology“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Wintersemester 2006 / 2007 „Technology assessment and sustainable development“. Die Veranstaltung ist Teil des Moduls „Risk assessment, ethics and patent law“ und beschäftigt sich im Einzelnen mit TA-Konzepten, Nachhaltiger Entwicklung und einschlägigen Fallstudien.


Neue Veröffentlichungen

Integratives Nachhaltigkeitskonzept im Praxistest

Das von ITAS federführend entwickelte integrative Nachhaltigkeitskonzept stand im Mittelpunkt verschiedener Forschungsprojekte im deutschsprachigen Raum, in denen es angewendet wurde. Der Sammelband „Ein Konzept auf dem Prüfstand. Das integrative Nachhaltigkeitskonzept in der Forschungspraxis“, der von Jürgen Kopfmüller herausgegeben wurde, stellt nun die Erfahrungen aus diesen Projekten vor.

Die Beiträge des Bandes umfassen ein breites Themenspektrum: Es reicht von einem kommunalen Nachhaltigkeitsberichtssystem für die Städte Leipzig und Halle über eine regionale Ernährungsbranche, die Bewertung börsennotierter Unternehmen in Österreich und den Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung bis hin zur Erforschung von Megastädten in Lateinamerika. Die Autoren der Beiträge beschreiben und reflektieren konzeptionelle und methodische Stärken und Schwächen des Konzepts sowie vorgenommene Ergänzungen und Modifikationen, sie berichten über erste Projektergebnisse und stellen mögliche weitere Anwendungsfelder des Konzepts vor.

Damit richtet sich der Band zum einen an diejenigen, die bereits seit längerem an Nachhaltigkeitsthemen arbeiten und an der konzeptionellen Weiterentwicklung sowie an Erfahrungen zu Umsetzungsfragen interessiert sind. Zum anderen sind aber auch diejenigen angesprochen, die bislang keine Erfahrungen mit der Anwendung von Nachhaltigkeitskonzepten haben, aber dies planen. Auch sie erhalten hier nützliche Informationen und Anregungen.

Bibliographische Angaben

Jürgen Kopfmüller (Hg.):
Ein Konzept auf dem Prüfstand. Das integrative Nachhaltigkeitskonzept in der Forschungspraxis. Berlin: edition sigma 2006, Reihe: Global zukunftsfähige Entwicklung - Nachhaltigkeitsforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft, Bd. 12, ISBN 3-89404-582-5, 330 S., 22,90 Euro


Landwirtschaft und TA

Die letzten Jahrzehnte haben tief greifende Veränderung in Landwirtschaft und Ernährung gebracht. Neben politischen und ökonomischen Rahmensetzungen wurden diese Veränderungen wesentlich von technischen Entwicklungen geprägt. Die Zusammenhänge und Auswirkungen sind dabei im Laufe der Zeit immer komplexer geworden.

Mit „Technikfolgen-Abschätzung in Landwirtschaft und Ernährung“ legt Rolf Meyer eine Monographie vor, die die Problematik der antizipativen Beurteilung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Konsequenzen neu entwickelter Technologien in der Agrar- und Ernährungswirtschaft behandelt und Lösungsvorschläge präsentiert.

Technologische Systeme, mit denen neuartige Güter zur menschlichen Bedürfnisbefriedigung hergestellt werden sollen oder die sich neuer Herstellungsverfahren bedienen, weisen durchweg den Nachteil auf, dass die erwünschten Outputs der Systeme in mehr oder weniger substanziellen Umfängen mit unerwünschten Outputs (Nebenwirkungen in Form von Schadstoffen, Ressourcenbelastungen, sozialen Veränderungen etc.) verbunden sind. Es ist die zentrale Aufgabe der Technikfolgen-Abschätzung, Prognosen darüber zu erarbeiten, mit welchen Folgen beim Einsatz neuer Technologien zu rechnen ist. Für die politischen Entscheidungsträger sowie für andere „stakeholder“ ist in abwägender Bewertung aufzuzeigen, ob die Vorteile der neuen Technologien die zu erwartenden Nachteile so übersteigen, dass deren Umsetzung vorangetrieben werden sollte.

Grundlage aller Technikfolgen-Abschätzungen bildet die Befolgung des Prinzips der nachhaltigen Entwicklung, womit sichergestellt werden soll, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse nur in dem Maße befriedigt, dass zukünftige Generationen in ihrem Streben nach Bedürfnisbefriedigung nicht beeinträchtigt werden. Gerade in der Landwirtschaft ist dieses Prinzip zwar schon seit langem Maxime des Handelns. Durch die immer raschere Entwicklung neuer Produktionstechnologien droht jedoch verstärkt die Gefahr von Fehlentwicklungen, die später kaum noch korrigierbar sein könnten.

Bibliographische Angaben

Rolf Meyer:
Technikfolgen-Abschätzung in Landwirtschaft und Ernährung. Ziele, Konzepte und praktische Umsetzung. Frankfurt am Main: Deutscher Fachverlag, Edition Agrar 2006, ISBN 3-86641-005-0, 416 Seiten, 78,00 Euro

Anmerkungen

[1] For INTELCITY see http://www.itas.fzk.de/eng/projects/pask0246_e.htm; for INTELCITIES see http://www.intelcitiesproject.com/wcm-site/jsps/index.jsp?type=page&cid=5026&cidName=HOME&isAnonymous=true and for PICTURE see http://www.picture-project.com/

[2] Linda Nierling ist seit Herbst 2005 am ITAS und arbeitet im EU-Projekt WORKS mit. Das Promotionsvorhaben wird von Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink sowie Dr. habil. Stephan Voswinkel (beide Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt a. M.) betreut. Die Betreuung seitens des ITAS liegt bei Bettina-Johanna Krings. Der Abschluss der Arbeit ist für Frühjahr 2009 geplant.

[3] Die Überlegungen Brandls und Hildebrandts sind eingebettet in das Verbundprojekt „Arbeit und Ökologie“, das sich zum ersten Mal systematisch dem Thema Nachhaltigkeit und Arbeit widmete. Dieses Projekt wurde durchgeführt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, vom Wuppertal Institut und vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung (DIW et al. 2000).

Erstellt am: 22.12.2006 - Letzte Änderung am: 15.09.2011 - Kommentare an: E-Mail an dieTATuP-Redaktion