TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG – Theorie und Praxis
Herausgeber: Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Nr. 3, 16. Jahrgang - Dezember 2007, S. 151-154


Netzwerk TA
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Call for Papers
Technology Governance Der Beitrag der Technikfolgenabschätzung
NTA3 – Dritte Konferenz des „Netzwerks TA“ TA´08 – Achte österreichische TA-Konferenz des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA)

Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien, Österreich, 28. - 30. Mai 2008

Hintergrund

Die gesellschaftliche Gestaltung des technischen Wandels, die optimale Nutzung von Innovationspotenzialen und der verantwortungsbewusste Umgang mit Risiken bedürfen zum einen der fundierten Erforschung möglicher Technikfolgen. Benötigt wird auch Wissen darüber, welche Akteure, in welcher Weise und mit welchen Mitteln die Prozesse der Technikentwicklung, der Diffusion und der Nutzung beeinflussen können. Die unterschiedlichen Vorstellungen über die Möglichkeiten und Formen des Einwirkens spiegeln sich in den Begriffen Evolution, Gestaltung und Steuerung wider – sie sind gleichzeitig zentrale Themen der „Technology Governance“. Im Kern geht es dabei um das Zusammenwirken von Unternehmen, Wissenschaft, Staat und Zivilgesellschaft zur Entwicklung und Nutzung von Technik. Insofern Technikfolgenabschätzung zur Gestaltung des technischen Wandels beitragen will, muss sie sich auch mit Formen und Erfolgsbedingungen der Technology Governance auseinandersetzen – und zwar in theoretischer wie praktischer Hinsicht. Verschiedene Wissenschaftsdisziplinen bieten dazu theoretische Steuerungsansätze an und in einer Fülle von Technologiebereichen haben sich praktische TA-Erfahrungen angesammelt, die es zu nutzen gilt.

Eine Reflexion von Voraussetzungen und Reichweite der TA aus einer Governance-Perspektive wird durch den Wandel gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in mehrfacher Hinsicht nahe gelegt. Fortschreitende Globalisierung und Entwicklung zur sog. Wissensgesellschaft weisen der Technologiepolitik eine zentrale Position innerhalb staatlichen Handelns zu. Gleichzeitig wird dieser die Doppelaufgabe abverlangt, Innovation und technischen Wandel zu fördern, aber unerwünschte Nebenfolgen zu vermeiden. So sehr diese Konstellation den Bedarf an folgenorientierter Wissensgenerierung und damit an TA bestärkt, so sehr muss sich TA der geeigneten Ausrichtung und Ausstattung für erfolgreiche Problemlösung unter gewandelten Rahmenbedingungen versichern. Zu diesen zählt zuvorderst der Wandel der Innovationssysteme und Grundlagen der Technikentwicklung. Neben einer zunehmenden Verschränkung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gehören dazu etwa die enorme Beschleunigung von Innovationsprozessen bzw. Verkürzung von Innovationszyklen, die Ausweitung von Akteuren und strategischen Orten des Innovationsgeschehens einschließlich neuer Formen netzwerkartiger Kooperationsbeziehungen, ferner die Auflösung linearer Forschungs- und Entwicklungsprozesse, das Verschwimmen der Grenzen zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung bzw. technischer Entwicklung sowie nicht zuletzt auch ein gestiegenes Interesse der Öffentlichkeit an Technologieentscheidungen. Diese Veränderungen werden oft als steigende Komplexität und Kontrollverlust interpretiert. Wie TA sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen und einen möglichst effektiven Steuerungsbeitrag im Rahmen der Technology Governance zu leisten vermag, gilt es zu reflektieren.

Ziele der Konferenz

Das Ziel der Konferenz ist die Stärkung der Konzeption und Praxis der TA jenseits von naivem Steuerungsoptimismus und vermeintlicher politischer Wirkungslosigkeit.

Dafür müssen die Rolle und das Potenzial von TA unter den oben skizzierten Rahmenbedingungen ausgeleuchtet sowie die praktische Wirksamkeit im Hinblick auf die Gestaltung technischen Wandels evaluiert werden. Direkte und indirekte Wirkungen sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie die Rahmenbedingungen für gelingende Einflussnahmen in Richtung eines an Gemeinwohl und Nachhaltigkeit orientierten technischen Fortschritts.

Auf der Konferenz sollen unterschiedliche, teils sich widersprechende theoretische Konzepte zur Steuerbarkeit des technischen Wandels vorgestellt und anhand von empirischen / praktischen Befunden sowie Fallbeispielen aus verschiedenen Technologiefeldern und Anwendungskontexten diskutiert werden. Zur Debatte stehen u. a. technik- und sozialdeterministische Konzepte, ko-evolutionäre Ansätze, Regulierungs- und Governance-Modelle sowie Konzepte zur Steuerung komplexer Systeme.

Bei der Betrachtung von gesellschaftlichen Gestaltungs- und Steuerungsversuchen sowie des spezifischen Beitrags der TA gilt es Technologiefelder in unterschiedlichen Entwicklungsstufen und Problemfelder unterschiedlicher Komplexität zu berücksichtigen. Damit verbunden ist die Annahme, dass sich in gesellschaftlich bereits fest verankerten Technologiebereichen (z. B. Verkehrs- und Energiesysteme) andere Gestaltungsbedingungen eröffnen als in sehr jungen bzw. zukünftigen Technologiebereichen (z. B. Nanotechnologie) oder bei besonders komplexen Themen von globaler Dimension und langfristigen Zeithorizonten (z. B. Klimawandel). Daran schließt sich unmittelbar die Frage an, wie sich die für diese Technologiefelder und Problemtypen eingesetzten TA-Konzepte unterscheiden. Um einer Klärung näher zu kommen, sind Erfahrungen aus möglichst vielen Technologiefeldern und Formen von TA-Projekten einzufangen und entsprechend der Zielsetzungen der Konferenz zu analysieren.

Fragestellungen

Vor dem oben skizzierten Hintergrund soll auf der Konferenz sowohl theoretisch wie empirisch an Hand konkreter Beispiele folgenden Fragestellungen nachgegangen werden:

AdressatInnen

Das Netzwerk TA und das ITA als Ko-Veranstalter möchten mit diesem Konferenzthema einen breiten interdisziplinären TeilnehmerInnenkreis ansprechen (Sozial-, Wirtschafts-, Geistes- und Kulturwissenschaften ebenso wie Natur- und Ingenieurwissenschaften). Als ReferentInnen und TeilnehmerInnen dieser Konferenz sind somit WissenschafterInnen und PraktikerInnen aus folgenden Bereichen angesprochen: Technikfolgenabschätzung und angrenzende Felder wie Innovations- und Technikforschung; Politik und Wirtschaft; Technikentwicklung; Zivilgesellschaft (z. B. Nichtregierungsorganisationen).

Call for Papers

Die Konferenz besteht aus eingeladenen Vorträgen, eingereichten Vorträgen und einer Postersession.

Die einzelnen Einreichungen sollen auf 2-3 Seiten folgende Informationen enthalten: Forschungsthema und Fragestellung; methodische Vorgangsweise; erlangte oder erwartete Resultate; bibliographische Anmerkungen.

Die Abstracts werden von einem international besetzten Review-Panel anhand folgender Kriterien beurteilt: Relevanz, Originalität, theoretische Fundierung, Klarheit, Angemessenheit der Methode / Vorgangsweise.

Auch Panel-Vorschläge sind willkommen, wobei neben den Abstracts zu den einzelnen Vorträgen (Anforderungen s. o.) auch eine allgemeine Beschreibung des Sub-Themas notwendig ist.

Letzter Termin zur Einreichung von Vorschlägen ist der 31. Januar 2008.

Die Einreichungen sollen in elektronischer Form an folgende Adresse geschickt werden: nta3-ta08@oeaw.ac.at.

Die Mitteilung über die Annahme der Einreichungen erfolgt am 15. März 2008.

TA-Nachwuchsförderung

Die Konferenz hat sich auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zum Ziel gesetzt und führt deshalb eine Postersession mit jungen WissenschafterInnen (Diplomand-Innen, DoktorandInnen) durch, die vorzugsweise zum Thema der Konferenz oder auch zu einem anderen TA-Thema arbeiten.

Das Netzwerk TA strebt die projektförmige Nachwuchsförderung mit entsprechender Drittmittelunterstützung an. In diesem Projekt ist die Teilnahme der Kandidatinnen und Kandidaten an den Konferenzen des NTA und somit auch an der NTA3 vorgesehen (mit Übernahme der Reisekosten). Über die Möglichkeiten der Teilnahme an diesem Projekt informiert das NTA rechtzeitig über seine Email-Liste.

Die Veranstalter

Das Netzwerk TA ist ein Zusammenschluss von WissenschafterInnen und ExpertInnen im Themenfeld „Technikfolgenabschätzung“. Das Netzwerk dient dem Ziel, Informationen auszutauschen, gemeinsame Forschungs- und Beratungsaufgaben zu identifizieren, methodische Entwicklungen zu initiieren und zu begleiten sowie den Stellenwert der TA in Wissenschaft und Gesellschaft auszubauen. Gleichzeitig dient das Netzwerk als Plattform für gemeinsame Kooperationen und Aktionen. Die Adresse des „Netzwerk TA“ im Web lautet: http://www.netzwerk-ta.net.

Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Gründungsmitglied des Netzwerks TA, das technischen Wandel im Hinblick auf gesellschaftliche Bedingungen, Gestaltungsoptionen und Auswirkungen untersucht und anwendungs- und grundlagenorientierten TA betreibt. Das ITA ist im Web unter http://www.oeaw.ac.at/ita zu finden. Weitere und aktuelle Informationen auf der Konferenz-Homepage: http://www.oeaw.ac.at/ita/ta08nta3/.


Neue Veröffentlichung

Technology Assessment in der Weltgesellschaft

Technikfolgenabschätzung (TA), die Befassung mit Chancen und Risiken neuer Technologien, die Analyse und Bewältigung von Technikkonflikten sowie die Untersuchung von Bedingungen gelingender Innovation und möglicher Hemmnisse, ist ursprünglich in national oder regional geprägten Umfeldern entwickelt worden. Konsequenterweise waren die Adressaten der TA dann auch nationale Parlamente, Regierungen und Behörden sowie entsprechende Institutionen auf regionaler oder lokaler Ebene. Im Zuge der technischen, ökonomischen und politischen Globalisierung haben sich jedoch die Randbedingungen für diese Verortung der TA tief greifend verändert: Technikentwicklung findet in weltweiten Netzwerken statt, Technikverwendung und -diffusion verlaufen zunehmend global und Technikfolgen bedürfen der Betrachtung im globalen Kontext.

Die zweite Konferenz des Netzwerks TA (NTA2), die im November 2006 in Berlin stattfand, widmete sich diesem Thema unter dem Titel „Technology Assessment in der Weltgesellschaft“. Erschienen ist bei der edition sigma nun der über 500 Seiten umfassende Tagungsband, der alle Vorträge unter den Rubriken „Technik und Weltgesellschaft“, „Governance und globale Steuerungsformen“ und „Technikfolgenabschätzung – Konzepte und Methoden“ präsentiert. Dabei erweist sich die Beurteilung „globaler Techniken“ als eine besondere Herausforderung auch für die Weiterentwicklung der TA. Wichtige Ansatzpunkte für eine solche perspektivische Erweiterung sind die Einbeziehung eines erweiterten Kreises von Akteuren in Technikentwicklung und -produktion, neue Formen der Steuerung und Koordination im Zusammenwirken von Staat und Gesellschaft (Governance) sowie die stärkere Berücksichtigung unterschiedlicher kulturelle Kontexte. Im diesem Band reflektieren namhafte Wissenschaftler/innen die neuen Herausforderungen. Am Ende des Bandes werden die zwanzig Dissertationsprojekte beschrieben, die Nachwuchswissenschaftler/innen auf der Konferenz vorstellten.

Bibliografische Angaben

Alfons Bora, Stefan Bröchler, Michael Decker (Hg.): Technology Assessment in der Weltgesellschaft. Berlin: edition sigma 2007, ISBN 978-3-89404940-9, 527 S., € 32,90


Das Netzwerk TA

Das „Netzwerk TA“ wurde im Jahre 2004 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Wis-senschaftlern, Experten und Praktikern im breit verstandenen Themenfeld TA. Dieser Kreis setzt sich zusammen aus den (teils überlappenden) Bereichen Technikfolgenabschätzung, Praktische Ethik, Systemanalyse, Risikoforschung, Technikgestaltung für nachhaltige Entwicklung, Innovations-, Institutionen- und Tech-nikanalyse, Innovations- und Zukunftsforschung und den dabei involvierten wissenschaftlichen Disziplinen aus Natur-, Technik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, den Politik- und Rechtswissenschaften sowie der Philo-sophie.

Die Mitglieder des Netzwerks vertreten die verschiedenen Ausprägungen der TA und decken das weite Spektrum zwischen Theorie und Praxis, zwischen Forschung und Beratung sowie zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen ab. Sie verstehen die dadurch entstehende Vielfalt als Chance, themenbezogen Kompetenzen und Erfahrungen zu bündeln und auf diese Weise zu einer optimalen Nutzung der Ressour-cen beizutragen (http://www.netzwerk-ta.net).

Kontakt

Ansprechpartner für das Koordinationsteam:
PD Dr. Michael Decker
Forschungszentrum Karlsruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640, 76021 Karlsruhe
Tel.: +49 (0) 72 47 / 82 - 30 07 oder - 25 01 (Sekr.)
Fax: +49 (0) 72 47 / 82 - 48 06
E-Mail: NetzwerkTA@itas.fzk.de

Mitgliedschaft

Online über das Anmeldeformular unter der Web-Adresse http://www.netzwerk-ta.net

 

Erstellt am: 20.03.2008 - Kommentare an: E-Mail an dieTATuP-Redaktion