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TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG – Theorie und Praxis Herausgeber: Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) |
| Nr. 3, 17. Jahrgang - Dezember 2008, S. 104-105 |
Rezension von Volker Stelzer, ITAS
Leere kommunale Kassen, hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Bevölkerungszahlen, wachsende soziale Probleme, starke lokale Umweltbelastungen – überall hört man Klagen über die Schwierigkeiten einer nachhaltigen Stadtentwicklung. In dieser Lage erscheint ein Buch, das vom neuen Reichtum unserer Städte spricht. Wie passt das zusammen?
Für den Herausgeber Oscar Reutter und seine über dreißig Autoren liegt der Schlüssel zur Auflösung dieses Widerspruchs darin, Ressourceneffizienz als strategisches Prinzip beim Entwickeln, Weiterbauen, Erneuern und Verändern der Stadt gezielt einzusetzen. Die These, der in diesem Buch nachgegangen wird, ist, dass Ressourceneffizienz ein wesentlicher Baustein für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung ist und für die Gestaltung der technischen Infrastrukturen und das Management des „Konzerns Kommune“ nutzbar gemacht werden kann. Hierdurch werden – so die These – neue Chancen für nachhaltiges Wirtschaften in Stadt und Region eröffnet. Die Autoren sehen große Potenziale für einen neuen Reichtum unserer Städte in den kommunalen Infrastrukturen, der Energiewirtschaft, der Wasserwirtschaft, im öffentlichen Personennahverkehr, in der Abfallwirtschaft und im Stoffstrommanagement. Diese ergäben sich aus einem effizienten Umgang mit den natürlichen Ressourcen Energie, Wasser, Material und Fläche. Erschlossen werden könnten sie durch ein aktives, am Prinzip der Ressourceneffizienz orientiertes Stadtmanagement.
In dem vorliegenden Buch wird das Thema vor allem durch Praxiserfahrungen in sechs Handlungsfeldern dargestellt: Der erste Teil widmet sich der Strategie Ressourceneffizienz und den neuen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung. Die aktuellen Trends, mit denen sich die Kommunen auseinandersetzen müssen, sind die ökonomische Globalisierung, der Wandel der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft und der demographische Wandel. Als Schlüssel für die aktuellen und anstehenden Probleme der Kommunen wird eine absolute Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch angeraten. Ein Weg hierzu sei, die Ressourcen- und Energieproduktivität in vergleichbarem Maß zu steigern wie die Arbeitsproduktivität.
Das Stadtmanagement ist das Thema des zweiten Teils. Hierin wird gefordert, die kommunale Nachhaltigkeitspolitik strategisch zu gestalten und zu steuern. Als Beispiel wird das Nachhaltigkeitsmanagement in der strategischen Steuerung der Stadt Wuppertal dargestellt. Ein wichtiger Baustein sei dort die Schaffung von Netzwerken zur Bildung für Nachhaltigkeit. Dass derart moderne Managementansätze auch bei kleineren Städten angewendet werden können, zeigt das Beispiel der Kleinstadt Rhede, in dem die Nachhaltigkeitsstrategie Chefsache sei. Ergänzt werden diese sehr konkreten Praxisbeispiele durch einen konzeptionellen Beitrag zu den Möglichkeiten einer Kommune, ressourceneffizientes Wirtschaften zu fördern. In diesem Beitrag werden die Instrumente der kommunalen Wirtschaftsförderung, der Liegenschafts- und Gewerbeflächenpolitik, der Infrastrukturpolitik, die Initiierung und Förderung von Standortgemeinschaften, das Cluster- und Netzwerkmanagement, das Instrument der Förderprogramme sowie Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Standortmarketing und Beratung beleuchtet. Die ökonomische Seite wird in zwei Beiträgen dargestellt, die zum einen beleuchten, wie Nachhaltigkeitsstrategien bei knappen Kassen finanziert werden können. Zum anderen werden ökonomische Anreize für mehr Umweltschutz in der kommunalen Verwaltung präsentiert.
Der dritte Teil des Bandes befasst sich mit der Energieversorgung. In einem einleitenden Kapitel wird die kommunale Energieversorgung im Rahmen einer modernen Daseinsvorsorge vorgestellt. Ein wichtiges Thema sind dabei die Erfolgsbedingungen für eine nachhaltige Energiewirtschaft kommunaler Unternehmen. Diese werden ergänzt durch gute Beispiele für kommunale Energiedienstleistungen in Bremen, Düsseldorf, Wuppertal und Bielefeld. Zwei herausragende Projekte, die detaillierter dargestellt werden, sind die Pilotprojekte zum Bürger-Contracting für Schulen und die lokalen Netzwerke zur energetischen Gebäudemodernisierung.
Die Mobilität ist Thema des vierten Teils. Hier werden die Ressourcenschonung durch den Öffentlichen Personennahverkehr und kommunales Mobilitätsmanagement als Alternativen zum privaten Pkw sowie weitere innovative Projekte einer nachhaltigen Mobilität im Öffentlichen Personennahverkehr vorgestellt. Wasser ist ein Thema, das – als Folge des Global Change – aller Voraussicht nach auch in Deutschland in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen wird. Aus diesem Grund werden im fünften Teil Herausforderungen, Nachhaltigkeitsziele und Entwicklungspfade der kommunalen Wasserwirtschaft dargestellt. Der sechste Teil widmet sich dem Abfall. Es werden das Thema Daseinsvorsorge und Nachhaltigkeit in der Abfallwirtschaft sowie die regionale Zusammenarbeit in der Abfallwirtschaft des EKOCity-Verbandes dargestellt. Ein Beitrag über die Wachstumsbranche Umweltwirtschaft leitet schließlich zum Teil „Rückblick – Ausblick“ über. In diesem werden Perspektiven der nachhaltigen Stadtentwicklung beleuchtet.
Die Beiträge des Sammelbandes repräsentieren einen Mix aus Forschung und Praxis. Sie kommen zu einem großen Teil aus dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie aus Kommunen und Beratungsunternehmen. Zusammenfassend kann man sagen, dass es den Autoren gelingt, einen vertieften Einblick sowohl in den Diskurs zu Ressourcenmanagement als auch in die Praxis dieses Ansatzes zu geben. Das Buch ist Praktikern aus Kommunalpolitik und -verwaltung wärmstens zu empfehlen und auch Politikwissenschaftler, die sich mit Kommunalpolitik befassen, und „Nachhaltigkeitswissenschaftler“ werden es mit Gewinn lesen.
TATuP-Redaktion