|
ITAS - Kolloquium 2011 [ hier ] |
|
Montag, 16. Mai 2011, 14:00 Uhr Prof. Dr. Arnim von Gleich Universität Bremen, FG Technikgestaltung und Technologieentwicklung Innovations- und Technikanalyse schon im Forschungsprozess? Das Beispiel Synthetische BiologieZusammenfassung In den technologiepolitischen Auseinandersetzungen der 1970er und 80er Jahre hieß es, die Technikfolgenabschätzung komme in der Regel zu spät. Sie setze ein, wenn die Anlagen schon gebaut und die Produkte auf dem Markt seien. Doch die modernen Industriegesellschaften haben gelernt. Sie entwickeln eine 'neue Innovationskultur', wie Wolf-Michael Catenhusen es als Vorsitzender der Nanokommission der Bundesregierung ausdrückte. Die Debatte über Chancen, Risiken und die wissenschaftliche Innovations- und Technikanalyse (ITA) setzt immer früher im Innovationsprozess an. Dies eröffnet einerseits wesentlich größere Handlungsspielräume, weil viele Entscheidungen noch nicht gefallen sind, weitreichende Investitionen noch nicht getätigt wurden, also Pfadabhängigkeiten noch nicht greifen. Ein derart frühes Einsetzen sieht sich andererseits mit immensen Unsicherheiten konfrontiert. Viele Chancen und Risiken konkretisieren sich erst im Zuge der Produktentwicklung und entlang des Produktlebenszykluß. Es kommt also darauf an, Instrumente für eine ITA zu entwickeln, die sich bei der Abschätzung von Chancen und Risiken auf dasjenige konzentrieren, das in derartig frühen Innovationsphasen schon bekannt ist: Die Funktionalitäten, die die Technologie interessant machen, oder noch weiter 'vorne' im Innovationsprozess die wissenschaftlichen Paradigmen und die experimentellen 'Erfolge'. Die 'Synthetische Biologie' ist derzeit vor allem noch ein Forschungsgebiet. Sie beschäftigt sich ihrem Selbstverständnis gemäß mit der Anwendung von Ingenieursprinzipien der Systemgestaltung auf biologische Systeme mit dem Ziel vorhersagbare und robuste Systeme herzustellen mit neuen Funktionalitäten, die bisher in der Natur nicht vorkommen (Definition in Anlehnung an NEST 2005). Mit großem Selbstbewusstsein grenzt sie sich gegenüber der Gentechnik ab, die über ein Herumprobieren im Überkomplexen nicht hinausgekommen sei und auch gegenüber der natürlichen Evolution, die viel zu sehr in ihre selbsterzeugten Pfadabhängigkeiten (Baupläne) verstrickt sei. Mit der Synthetischen Biologie wird also eine eindeutig reduktionistische Form des Umgangs mit Komplexität favorisiert. Interessante Chancen und Nachhaltigkeitspotenziale der Synthetischen Biologie werden derzeit (neben wichtigen Beiträgen zur biologischen Grundlagenforschung) v. a. auf den Gebieten Medizin (Diagnostik, Pharmazeutika, künstliches Gewebe), neue biomimetische Werkstoffe (künstliche Zähne, Knochen, Perlmutt, Spinnenseide), erneuerbare Energien (Biofuels, künstliche Photosynthese) und biochemische Stoffsynthesen (green chemistry) erwartet. Unser vom BMBF gefördertes Projekt "ITA - Innovations- und Technikanalyse im Vorhaben Synthetische Biologie" (http://www.synbiota.uni-bremen.de) beschäftigt sich sowohl mit den Chancen als auch mit den Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsaspekten der bisherigen und erwartbaren Entwicklungen der Synthetischen Biologie. Nicht zuletzt mit Hilfe der von uns mitentwickelten 'vorläufigen Chancen und Gefährdungsabschätzung' als auch mit Hilfe einer 'leitbildorientierten Technologiegestaltung' soll ein Beitrag geleistet werden, aufbauend auf den technischen Potenzialen die Chancen der Synthetischen Biologie tatsächlich zu realisieren und die teilweise auf denselben technischen Potenzialen aufbauenden Gefährdungen zu minimieren. Die Vorträge des ITAS-Kolloquiums finden im Kolloquiumsraum des ITAS statt, Gebäude 451, 2. OG, Raum 412. Externe Teilnehmer bitte einen gültigen Personalausweis für den Einlass an der Pforte mitbringen! Hinweise für die Anfahrt zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Campus Nord sowie einen Lageplan der Gebäude gibt es [hier]. |
webmaster
Bitte beachten Sie, dass diese Internetseite nicht weiter gepflegt wird. Für aktuelle Inhalte besuchen Sie bitte www.itas.kit.edu.