Gisela Badura-Lotter
Vortrag auf der ersten Konferenz des Netzwerks TA: Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung, 24. - 26. November 2004, Berlin
Im Rahmen der Debatte um die Verwendung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken geht es in der Regel darum, der Entität 'Embryo' einen moralischen Status zu- oder abzusprechen. Von diesem Status hängt dann die Bewertung wissenschaftlich-technischer Praxis im Umgang mit diesen Entitäten ab. Grob unterschieden werden können dabei drei Positionen: Die Zuschreibung eines vollen moralischen Status vom Moment der Zygotenbildung ab, welcher jegliche Forschung an Embryonen verbietet; die Zuschreibung eines abgestuften moralischen Status, der sich mit zunehmender Entwicklung des Embryos in Richtung der vollständigen Anerkennung als Moralobjekt auswächst und somit Forschung nur bedingt zulässt und die Verneinung eines moralischen Status für Embryonen bis zu einem bestimmten Entwicklungsstadium, welche in der Konsequenz die vollständige Freigabe der Forschung an Embryonen vor diesem Stadium zur Folge hat.
Deutlich weniger intensiv wird hingegen die Frage thematisiert, was es eigentlich ist, das den Embryo zu einer so umstrittenen Entität macht bzw. den Umgang mit ihm ethisch überhaupt reflexionsbedürftig erscheinen lässt. Analog zur obigen Dreigliederung wird hier meist die Würde des Menschen zum Kriterium gemacht, die als voll, abgestuft oder aber gar nicht auf den Embryo zuschreibbar angesehen wird und dementsprechend den moralischen Status konstitutiert.
Den Standpunkten gemein ist die Klassifikation des Embryos als eigenständige Entität, der gegenüber wir aufgrund bestimmter vorhandener oder nicht vorhandener Eigenschaften zu bestimmter Rücksicht verpflichtet sind oder nicht. Die ethische Reflexion ist also stets auf eine eigenständige Entität und den handelnden Umgang mit ihr bezogen, nicht aber auf die Frage, was das Phänomen Embryonenschutzdebatte für affektive Ursachen hat und in welchem Sinne hier eine Stellvertreterdebatte für ein generelleres Problem - das der ökonomisch-technischen Zugreifbarkeit auf den Menschen überhaupt - geführt wird. Anders formuliert: Die Fixierung auf die Entität Embryo rückt aus dem Blick, dass es implizit um die Vermessung menschlicher Selbstverständnisse und daran anschließende Identitätsvorstellungen geht, welche sich in der Rede vom Embryo kristallisieren. Damit gewinnt die Auseinandersetzung um die Forschung an Embryonen eine grundsätzliche, auf den wissenschaftlich-technischen Zugriff auf den Menschen insgesamt ausgreifende, Dimension. Es erscheint daher sinnvoll, die Richtung der Untersuchungen eher auf die Ängste und Visionen zu richten, die mit der Vorstellung einer ökonomisch-technischen Verfügbarkeit des Menschen (vermittelt über die Verfügbarkeit seines Körpers) verbunden sind.
Der Vortrag wird vor diesem Hintergrund die Frage, um die es im Kontext der Statusdebatte geht (Was dürfen wir mit x tun) in die Frage Was für Menschen wollen wir sein transformieren und aufzeigen, welche impliziten Antworten auf diese Frage in den unterschiedlichen Ansätzen der Embryonenschutzdebatte gegeben werden.
Dr. Gisela Badura-Lotter
Interfakultäres Zentrum für Ethik in den Wissenschaften
Universität Tübingen
Bitte beachten Sie, dass diese Internetseite nicht weiter gepflegt wird. Für aktuelle Inhalte besuchen Sie bitte www.itas.kit.edu.