Claudia Som
Vortrag auf der ersten Konferenz des Netzwerks TA: Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung, 24. - 26. November 2004, Berlin
Die Gesellschaft muss neue Instrumente entwickeln, um die durch Anwendung der Technik induzierten Risiken früh genug zu antizipieren. Im geplanten Vortrag soll das Vorsorgeprinzip als ein möglicher Ansatz dazu diskutiert werden.
Das Vorsorgeprinzip ist seit den 70er Jahren in der Umweltschutzgesetzgebung verschiedener europäischer Länder verankert und hat seither international an Bedeutung gewonnen. Es ist Bestandteil internationaler Abkommen für bestimmte Umweltschützgüter wie Nordsee, Ozonschicht, Biodiversität und für die menschliche Gesundheit. Man hofft mit Hilfe des Vorsorgeprinzips Risiken, welche wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt sind und wohlmöglich schwerwiegende und irreversible Folgen haben, vermeiden zu können.
Im Auftrag des schweizerischen Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) haben wir an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) das Vorsorgeprinzip in der Informationsgesellschaft im Hinblick auf die Gestaltung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) untersucht. Informationsgesellschaft ist das zukünftige Ergebnis eines gesellschaftlichen Veränderungsprozesses, den der breite Einsatz von IKT bewirken wird. Mit anderen Worten: Die Informationsgesellschaft ist ein noch weitgehend offenes Szenario. Die heutige Verbreitung von persönlichen Computern, Internet-Zugängen und Mobiltelefonen markiert nur den Anfang einer Entwicklung, die durch fortschreitende Miniaturisierung, Vernetzung, Einbettung, Verbilligung und Konvergenz von IKT sowie durch deren Durchdringung unseres Alltags gekennzeichnet ist. Aber auch die Gesellschaft steht in enger Wechselwirkung mit der Technik, da sie insbesondere die Anwendung und die Verbreitung der IKT beeinflusst.
Im Zusammenhang mit den IKT stellt sich die Frage, ob nicht auch soziale Dimensionen als Schutzgut betrachtet werden sollen. Wir haben die Perspektive des Vorsorgeprinzips verschoben: Statt als methodischen Rahmen für die Risikoabschätzung betrachten wir es als methodischen Rahmen für die Technikfolgen- Abschätzung. Das Vorsorgeprinzip soll die Technikentwicklung und - anwendung in die gewünschte Richtung lenken, ungewisse irreversible Risiken vermeiden und das Potential für zukünftige Entwicklungen erhalten.
Ausgehend von den spezifischen Eigenschaften der IKT zeigen wir auf, wieso Vorsorge in der Informationsgesellschaft so wichtig ist und wie man das Vorsorgeprinzip für die Informationsgesellschaft konkretisieren kann.
Claudia Som
EMPA St. Gallen
Abteilung Technologie und Gesellschaft
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