Converging Technologies.
Verbesserung menschlicher Fähigkeiten durch emergente Techniken?

Torsten Fleischer, Michael Decker

Vortrag auf der ersten Konferenz des „Netzwerks TA“: „Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung“, 24. - 26. November 2004, Berlin


Abstract

Nanotechnologie ist seit einigen Jahren ein für Technikforscher herausfordernder Untersuchungsgegenstand, bei dem Interesse seitens Politik und Wirtschaft einher geht mit einer regen öffentlichen Aufmerksamkeit. Viele der Versprechungen ihrer Entwickler und Fürsprecher sind so faszinierend, dass ihr von manchen eine epochale Bedeutung (z. B. als Grundlage einer „dritten industriellen Revolution“ oder der „nächsten Welle technischer Innovation“) zugesprochen wird. Zugleich haben die der Nanotechnologie zugeschriebenen technischen Möglichkeiten und Visionen und ihre mediale und künstlerische Reflexion bereits frühzeitig eine breitere Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken dieser Techniken und ihrer politischen Gestaltung und Kontrolle ausgelöst.

Ein spezifischer Fragenkomplex erwächst aus der Nutzung von Nanotechnologie in der Medizin. Reichen die hier diskutierten Anwendungsmöglichkeiten von neuen diagnostischen Verfahren über präventive und therapeutische Ansätze bis hin zu teils noch utopisch erscheinenden Möglichkeiten, die physische und psychische Ausstattung des Menschen zu verbessern, so stehen doch vor allem Ansätze zur technischen Wiederherstellung oder Verbesserung motorischer, sensorischer oder kognitiver Fähigkeiten („bionic human“, „konvergierende Techniken“, NBIC) im Mittelpunkt öffentlichen und politischen Interesses. Dies spiegelt sich zunehmend auch in forschungspolitischen Aktivitäten wider.

Vor allem von der - vielfach beschworenen - Konvergenz der vier „NBIC“-Aspekte Nanotechnologie, Biotechnologie, Informationstechnik und Kognitionswissenschaften erhofft man sich neue Möglichkeiten im Bereich der Wiederherstellung und Verbesserung menschlicher Fähigkeiten. Stark vereinfacht dargestellt werden Nano- und Biotechnologie als die antreibenden Kräfte der materiellen Umsetzung sowie des technischen Anschlusses von Artefakt und Nervensystem gesehen, während die Kognitionswissenschaften und die Informationstechnik Beiträge zur Optimierung des „Wie“ der Signalübertragung und -verarbeitung leisten sollen. Gegenwärtig wird nach Möglichkeiten geforscht, menschliche Sinne, wie den Gehör-, den Seh-, oder den Geruchsinn, technisch so nachzubilden, dass man sie in Form einer Prothese dem menschlichen Körper zur Verfügung stellen kann. Als Königsweg für die Nutzung dieser Prothesen gilt deren direkter Anschluss an das Nervensystem. In aktuellen Entwicklungen werden hierzu erste Versuche unternommen.

In einigen - technologiegetriebenen, von militärischer Nutzung wesentlich mitbestimmten - Forschungsvorhaben werden auch ambitioniertere, über den therapeutischen Aspekt hinausgehende Anwendungen untersucht und deren Entwicklung finanziert. Implantate, mit denen man das Spektrum des menschlichen Sehens verbessern kann, z. B. bezüglich des wahrnehmbaren Wellenlängenbereichs, oder auch so genannte „Brainchips“, die die Leistungen des Gehirns verbessern, können hier als Beispiele angeführt werden. Interessanter Weise werden diese aus der heutigen Sicht doch weiter in der Zukunft liegenden technischen Anwendungen, die die Verbesserung der Sinnesleistungen gesunder Menschen in Aussicht stellen, schon heute in populärwissenschaftlichen Artikeln diskutiert.

In dem Vortrag werden aktuelle forschungspolitische Entwicklungen und ihre Zielsetzungen vorgestellt. Dabei soll es zunächst weniger darum gehen, die technische Realisierbarkeit dieser Visionen zu bewerten, als vielmehr erste Fragen nach dem "Quo Vadis?“, nach ethischen und sozialen Aspekten sowie Folgen für den Bedarf an wissenschaftlicher Forschung zu stellen.


Kontakt

Torsten Fleischer, Dr. Michael Decker
Forschungszentrum Karlsruhe, in der Helmholtz-Gemeinschaft
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
76344 Eggenstein-Leopoldshafen
Tel.: +49 (0) 721 / 608 - 24571
Fax: +49 (0) 721 / 608 - 24806
E-Mail: fleischer@itas.fzk.de, decker@itas.fzk.de



Erstellt am: 14.10.2004 - Kommentare an: webmaster@itas.fzk.de

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