Ulrich Glotzbach
Posterpräsentation auf der ersten Konferenz des Netzwerks TA: Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung, 24. - 26. November 2004, Berlin
Technikfolgenabschätzung als akademische Veranstaltung hat ein Umsetzungsproblem. Neue technische Produkte und technologische Prozesse entstehen vorrangig in Unternehmen unter Bedingungen, deren Setzung durch externe Technikfolgenabschätzung und darauf gegründete Regulierung zwar beeinflusst werden kann. Jedoch nur Technikfolgenabschätzung, die gestaltungsoptimistisch vorgeht und in die faktischen Betriebsabläufe von Unternehmen integriert ist, wird einen Beitrag leisten können zur strategischen Orientierung des Innovationsgeschehens am gesellschaftlich Wünschbaren.
Diese These sagt zugespitzt, dass nur eine betrieblich integrierte Technikfolgenabschätzung die gewünschte Innovationsorientierung an außerbetrieblichen Kriterien hervorbringen kann. Eine Auflösung des Paradoxes ist meiner Ansicht nach auf der Ebene der Verschränkung von Individuum und Kollektiv im professionalisierten Entstehungskontext von Technik zu suchen.
Ich möchte in meinem Beitrag eine Modellierung des erfinderischen Geschehens vorstellen, in welcher die Teilnehmerperspektive des kreativen Individuums mit der wissenschaftlichen Beobachterperspektive topologisch in einer flachen Zweidimensionalität verknüpft ist. Zentraler Angelpunkt dieses einfachen Modells ist die im Spannungsfeld von Selbst und Welt hervorgebrachte Lösungsgestalt.
Eine Auffassung der Produktidee als Lösungsgestalt, weitergehend der Produktentstehung als sukzessives Herausstellen von Lösungsgestalten im orientierenden Feld eines eingelebten Technikstils, erlaubt den Quellpunkt der Technikgenese als kollektiv gebundene, individuelle Leistung so zu thematisieren, dass sich das Individuum darin wiedererkennen kann. Reflexivität in diesem Sinne - und genau darauf kommt es an - würde der Technikethik einen Ort am Ursprung der Technik gewinnen.
Ambitionen dirigistischer Techniksteuerung sind skeptisch zu beurteilen. Es gilt, meine ich, ein Sensorium zu entwickeln zur Orientierung des orientierenden Feldes der Technikgenese. Technikfolgenabschätzung ist dabei ein reflexiv strukturbildendes Moment. Ein anderes ist die optimistische Anerkenntnis der Ohnmacht des Individuums in einer fragilen Welt.
Dipl.-Ing. Ulrich Glotzbach
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