Moderne Neurowissenschaften und das menschliche Selbstverständnis

Elisabeth Hildt

Vortrag auf der ersten Konferenz des „Netzwerks TA“: „Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung“, 24. - 26. November 2004, Berlin


Abstract

In den letzten Jahren konnten durch Fortschritte in den Neuro- und Kognitionswissenschaften vielfältige Erkenntnisse über das menschliche Gehirn und seine Funktionen gewonnen werden. Hiervon ausgehend wird eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten im medizinischen Bereich eröffnet, welche neben verschiedenen diagnostischen Verfahren insbesondere Ansätze umfasst, im Rahmen derer ein gezieltes modifizierendes Eingreifen in die Funktionsweise des Gehirns ermöglicht wird.

So werden im medizinisch-therapeutischen Umfeld verschiedene Formen der gezielten, zunehmend selektiven Beeinflussung der Hirnfunktionen bereits derzeit realisiert bzw. es zeichnen sich entsprechende Entwicklungen für die Zukunft ab. Hierzu gehört das Durchführen gezielter operativer Eingriffe in das Gehirn, der Einsatz neuronaler Stammzellen zur Transplantation oder das Entwickeln technologischer Verfahren unter Beteiligung direkter Gehirn-Computer-Schnittstellen.

Sowohl die erzielten Kenntnisse über das menschliche Gehirn und seine Funktionsweise als auch die neu entwickelten bzw. sich für die Zukunft abzeichnenden medizinisch-technischen Verfahren und Eingriffsmöglichkeiten in das Gehirn besitzen vielfältige Auswirkungen, welche sich keineswegs nur auf medizinisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge beschränken lassen. Vielmehr betreffen sie in grundlegender Weise das menschliche Selbstverständnis, und hiermit einhergehend allgemeine Fragen des menschlichen Zusammenlebens - handelt es sich doch beim Gehirn um das für die Identität eines Menschen zentrale Organ.

Im Rahmen des Beitrags werden Implikationen medizinisch-technischer Eingriffe in das menschliche Gehirn diskutiert, wobei der Schwerpunkt auf dem Einsatz neuronaler Stammzellen für Transplantationszwecke liegt. Hierbei werden die der medizinisch-naturwissenschaftlichen Entwicklung zugrunde liegenden Zielvorstellungen thematisiert und die zum Erreichen der angestrebten Ziele erforderlichen Mittel sowie die für die individuelle Person einzugehenden Risiken untersucht.


Kontakt

Dr. Elisabeth Hildt
Universität Tübingen
Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften
Wilhelmstr. 19
72074 Tübingen



Erstellt am: 12.10.2004 - Kommentare an: webmaster@itas.fzk.de

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