Aspekte robuster politischer Technologieentscheidungen

U. Klann, W. Krewitt, J. Nitsch

Vortrag auf der ersten Konferenz des „Netzwerks TA“: „Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung“, 24. - 26. November 2004, Berlin


Abstract

Energiesysteme sind aufgrund der typischen langen Kapitallebensdauer und der hohen Intensität relativ träge Systeme, die eine sehr langfristige Planung erfordern. Gleichzeitig werden mit Technikentscheidungen zukünftige Ressourcenverbräuche und Inanspruchnahmen der Umwelt als Senke, insbesondere in Bezug auf Klimagasemissionen, mitbestimmt. Zusätzlich ist der Ausbau der Energiesysteme in nichtindustrialisierten Staaten wesentlich, um Nachhaltigkeitsziele, z. B. auch in den Bereichen Gesundheit und Gender, zu erreichen. Aufgrund dieser Charakteristika lassen sich anhand von Energiesystem und -techniken wichtige Aspekte zu technikbezogenen Entscheidungsprozessen und Methoden der Technikreflexion und Technikgestaltung diskutieren. Fokussiert wird im Folgenden auf erneuerbare Energietechniken und energietechnikbezogene Entscheidungen in Politik, internationalen Organisationen - also nicht in Unternehmen - sowie deren wissenschaftlicher Beratung.

Als erstes wird für eine gängige Methode zur Bestimmung eines Indikators zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Technologien diskutiert, die von vielen Entscheidungsträgern als einer der bedeutendsten Indikatoren betrachtet wird: Bestimmung von CO2- Vermeidungs- bzw. spezifischer Energiebereitstellungskosten. Es wird gezeigt, dass die Verwendung dieser Indikatoren nicht nur eine stabile und robuste Welt voraussetzen, sondern bereits in der zugrunde liegenden ökonomischen Binnenlogik implizit nur für genau definierte zukünftige Preispfade von CO2-Emissionen bzw. des betrachteten Energieträgers als korrekte Wirtschaftlichkeitsmaße angesehen werden können, wovon die Grundlage eines der beiden verwendeten Kostenkonzepte auch noch in der Kostenrechnung zu erkennen ist, die nicht primär für Investitionsentscheidungen konzipiert ist. Ein Ergebnis korrekter Rechnungen können nur Preis(bzw. Kosten)pfade, die eine vollständige Abbildung der Zukunft erfordern und nur als ganzes - als Pfad - aus der ökonomischen Binnenlogik zu begründen sind. Aus der Darlegung wird gefolgert, dass Wirtschaftlichkeitsvergleiche für einzelne Energietechnologie heute zumindest eine Bezugnahme auf langfristig (z. B. 100 Jahre) angelegte Klimamodelle und komplette, ebenfalls langfristige Entwicklungen des Energiesystems (z. B. 50 Jahre) essentiell erfordern. Szenariotechniken sind damit essentiell und nicht nur für Wirtschaftlichkeitsmaße sondern ebenso für Ökobilanzen oder externe Kosten. Dort wird man ebenso mögliche zukünftige Entwicklungen mitzudenken haben. Gängige in der gesellschaftlichen Kommunikation und politischen Entscheidung verwendete Maße sind denn auch mit erheblichen Fehlern behaftet, die Technologieentwicklungen entscheidend bestimmen können. Eine Adaption der Kommunikation und der von einigen internationalen Organisationen verwendeten Entscheidungsgrundlagen wäre deshalb zu begrüßen. Im Energiebereich liegen Alternativen vor, die gerade für eine Suche nach robusten Technologiepfaden in einer fragilen Welt im Energiebereich entwickelt wurden. Für die politischen Maßnahmen zur Entwicklung von als robust erkannten Technologielinien ist zu bedenken, dass ein Lernen über die Wirkung von Technologien und die Option daraus Handlungskonsequenzen zu ziehen, zu Unsicherheiten erhöhen können. Für erneuerbare Energien wird argumentiert, dass ohne eine mitunter starke Selbstbindung (oder einer entsprechenden Reputation der Entscheidungsträger) bestimmte politische Konsequenzen nicht zu ziehen, gewünschte Technologieentwicklungen gehemmt oder erheblich verteuert werden können. Damit können Zeitverzögerungen entstehen, die eine zeitlich problemadäquate Technologieentwicklung gefährden. Dies wird auch an Beispielen verdeutlicht.

Als Schlussfolgerung ergibt sich, dass:


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U. Klann, W. Krewitt, J. Nitsch
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Institut für Technische Thermodynamik
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70569 Stuttgart
Tel.: +49 (0) 711 / 6862 - 302
E-Mail: uwe.klann@dlr.de



Erstellt am: 11.10.2004 - Kommentare an: webmaster@itas.fzk.de

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